Just not married (Chick Lit, Liebe) - Nadin Hardwiger - E-Book

Just not married (Chick Lit, Liebe) E-Book

Nadin Hardwiger

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2,99 €

Beschreibung

Hochzeit mit Hindernissen

»Möchtest du mich heiraten?« »Aber sicher heirate ich dich!«
Wen auch sonst sollte Ineke heiraten, wenn nicht ihren langjährigen Freund Björn! Das Planen der Hochzeit läuft genauso unaufgeregt wie der Heiratsantrag und ehe Ineke sich versieht, ist das Hochzeitskleid gefunden, das Standesamt gebucht und der Ort der Hochzeitsfeier festgelegt. Doch ständig scheint etwas dazwischenzukommen. Erst sind es die vergessenen Flitterwochen, dann der vergessene Ring …
Und was, wenn Ineke vor dem Traualtar diese verflixten Worte nicht herausbringt? Denn es gibt da etwas, das sie zögern lässt … oder jemanden?

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Erste Leserstimmen
„Ein Roman, so erfrischend wie eine Kugel Lieblingseis!“
„sehr unterhaltsam, mit viel Dramatik und Gefühl“
„eine schöne Erzählung über Liebe, Wünsche und Sehnsucht“
„Leicht und spritzig zu lesen!“
„humorvoll, aus dem Leben gegriffen und perfekt zum Entspannen“

Über die Autorin
Nadin Hardwiger wurde in Deutschland geboren, wuchs allerdings in Österreich auf und lebt heute mit ihrer eigenen Familie wieder in Deutschland. Sie arbeitet als Beraterin für ein IT-Unternehmen, doch die Sprache der Programmierung genügt ihr nicht. Begeistert stöbert sie nach Worten, ersinnt Figuren und webt Geschichten – am liebsten mit einem Glitzerkörnchen Magie und Glücks-Ende.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 170

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Über dieses E-Book

»Möchtest du mich heiraten?« »Aber sicher heirate ich dich!« Wen auch sonst sollte Ineke heiraten, wenn nicht ihren langjährigen Freund Björn! Das Planen der Hochzeit läuft genauso unaufgeregt wie der Heiratsantrag und ehe Ineke sich versieht, ist das Hochzeitskleid gefunden, das Standesamt gebucht und der Ort der Hochzeitsfeier festgelegt. Doch ständig scheint etwas dazwischenzukommen. Erst sind es die vergessenen Flitterwochen, dann der vergessene Ring … Und was, wenn Ineke vor dem Traualtar diese verflixten Worte nicht herausbringt? Denn es gibt da etwas, das sie zögern lässt … oder jemanden?

Impressum

Erstausgabe September 2018

Copyright © 2021 dp Verlag, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH Made in Stuttgart with ♥ Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96087-514-7

Covergestaltung: Miss Ly Design Unter Verwendung von Motiven von shutterstock.com: © Melnikov Sergey, © Natasha Pankina, © LanKS, ©Flaffy Lektorat: Astrid Rahlfs

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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Just not married

Kapitel 1

Freunde

F wie Fluchtweg

Hochzeitspanik?

Keine Sorge, schon im Vorfeld akkurat geplante Fluchtwege lassen der Braut am großen Tag alle Möglichkeiten offen.

»Natürlich heirate ich dich. Wen sollte ich denn sonst heiraten?«

Was für eine Frage! Träge setze ich mich in der Hängematte auf, in der ich bis eben friedlich vor mich hinschaukelnd Wattewölkchen am tiefblauen Maihimmel beobachtet habe. Ein paar Amseln im Walnussbaum schauen interessiert zu mir herunter in den Garten, ohne in ihrer zwitschernden Unterhaltung innezuhalten.

Björn – ist er nun eigentlich mein Verlobter? – steht mit gerunzelter Stirn vor mir. Seine obligatorische grüne Latzhose weist die obligatorischen erdbraunen Flecken an den Knien auf und seine Hände stützen sich auf den obligatorischen Spaten, der zu ihm gehört wie das Smartphone zu einer Teenagerhand.

Ich blinzele gegen die Sonne an, die an Björns semmelblondem Kopf vorbeilugt. »Das war doch gerade ein Heiratsantrag, oder?«

Er neigt den Kopf, sodass mich die Sonne noch mehr blendet. »Schon, aber …«

»Aber?«, hake ich nach und ziehe Björn am Arm zu mir auf die Hängematte, die nicht ungefährlich schwankt, als er sich hineinfallen lässt. Nicht jedoch, bevor er den Spaten ordnungsgemäß am Baum abgestellt hat.

»Naja, deine Antwort habe ich mir irgendwie anders vorgestellt.«

»Hast du ein Nein erwartet?« Lachend knuffe ich ihn mit dem Ellenbogen in die Seite.

»Nein, ich meine, ich habe schon darüber nachgedacht, was wohl wäre, wenn du Nein sagst, aber dein Ja habe ich mir irgendwie klassischer vorgestellt.« Björn nimmt meine Hand in seine und streicht mir sacht mit dem Daumen über den Handrücken.

Ausgehend von Björns Berührung durchströmt Wärme meinen Körper und diese hat nur bedingt etwas mit der lachenden Sonne über uns zu tun.

»Nun war aber dein Heiratsantrag auch nicht gerade die klassischste aller Varianten.«

Björn sieht von unseren verschlungenen Händen auf und lächelt mich an. »Du meinst die Version, in der nach wochenlanger Vorbereitung der Zeitpunkt des Antrages endlich da ist, die zukünftige Braut sich aber an dem Champagner verschluckt, in dem der Verlobungsring oxidiert, dabei panisch am Tischtuch zieht, sodass die glibberigen Austern und die pseudo-reifen Gewächshauserdbeeren vom Tisch gepfeffert werden, der Antragsteller aufspringt, um seiner Angebeteten auf den Rücken zu klopfen, sich dabei aber einen Kinnhaken ihres Ellenbogens einfängt und beide schließlich zu Boden gehen?«

Ich nicke nachdrücklich. »Oh ja, genau die meine ich. Allerdings würde mich jetzt doch noch brennend interessieren, wie die Geschichte ausgeht.«

Björn wiegt bedächtig den Kopf hin und her. »Happy End oder Drama?«

»Happy End natürlich, es ist doch schließlich eine Hochzeit!«

»Bist du dir sicher? Denn dann wird es nämlich kariesverdächtig süß und quietschrosa. Mit Schleifchen!«

Mit großer Geste zeige ich auf seine grüne Latzhose und meine dunkelgrauen Shorts, die ich stylish mit einem weißen Shirt kombiniert trage. »Hey, wenn jemand Rosa vertragen kann, dann ja wohl wir.«

»Da der Antrag natürlich in einem Drei-Sterne-Top-Restaurant erfolgt, kennen die sich dort selbstverständlich aus mit dieser Art von Romantik. Der Ersthelfer-Oberkellner rettet mit einem beherzten Heimlich-Handgriff die Braut in spe und der Zweithelfer-Unterkellner richtet die gebrochene Nase des, nun, ein wenig verwegen aussehenden Bräutigams to be.«

Björn schweigt für einen Moment und unter das Zwitschern der Amseln über uns mischt sich das tiefe Brummen einer Hummel, die um uns herumsurrt.

»Diesem denkwürdigen Heiratsantrag folgt eine Hochzeit, bei der alle nur erdenklichen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden und Ober- und Unterkellner aufmerksam das Geschehen verfolgen. Nach vielen glücklichen und unfallfreien Jahren sitzen unsere beiden Helden schließlich gemeinsam im Sonnenuntergang auf ihrer Lieblingshängematte und schaukeln sanft in einer süßen Brise, Hand in Hand und einander zugewandt.«

»So wie wir gerade«, flüstere ich. Meine Hand ruht noch immer in seiner und ich sehe ihm in die warmen, braunen Augen, mein Blick ganz leicht verschleiert, von einer Träne, welche sich den Weg ans Licht bahnt.

Björn küsst mich sanft auf die Stirn. »So wie wir. Nur dass wir im vollen Sonnenschein sitzen und es zu unserem Sonnenuntergang noch lange hin ist.«

Wieder küsst Björn mich, dieses Mal behutsam auf den Mund. »Ineke Wallin, möchtest du mich heiraten?«

Für einen langen Moment sehen wir uns still an und ich nehme so viel wahr an diesem Mann an meiner Seite, so viel Zärtlichkeit und Ehrlichkeit, Sinnhaftigkeit und Bodenständigkeit und – ganz viel Liebe.

Langsam löse ich meine Hand aus seiner und ziehe Björn in einer Umarmung ganz nah an mich heran.

»Ja«, murmele ich an seinen Lippen, die ich schon so oft küssen durfte und die mich schon so viele Male liebkosten. »Ja, ich möchte dich heiraten und ich möchte mit dir Hand in Hand in unserem Sonnenuntergang auf dieser Hängematte sitzen. Und ich hoffe sehr, dass wir beide es dann noch ohne Hilfe allein hineinschaffen.«

Und ich küsse ihn, küsse meinen Verlobten, in einem Versprechen an unsere Ewigkeit.

»Stopp Bobby! Nein! Komm zurück!«

Erschrocken fahren Björn und ich auseinander, was unsere Hängematte mit einem Salto zur Kenntnis nimmt. Zumindest kommt es mir für einen Bruchteil einer Sekunde so vor. Es könnte aber auch schlicht und ergreifend mein Herz gewesen sein.

In der Lücke zwischen der Glanzmispel-Hecke, die unser Grundstück nach hinten begrenzt und der Bambus-Hecke zur Rechten lugt der blonde Riesendutt unserer Nachbarin Marina hervor.

»Entschuldigt bitte, Bobby wusste nicht, dass ihr, ähm, beschäftigt seid.«

In der Tat scheint Bobby unsere Zweisamkeit nichts auszumachen, denn er findet, ein dritter Teilnehmer unseres Schäferstündchens wäre genau richtig. Mit einem gezielten Sprung landet der fröhlich bellende Kleine Münsterländer auf meinem Schoß und leckt freudig quer über Björns Wange, der ihn lachend abwehrt. Dabei komme ich in den haarigen Genuss von Bobbys Schwanz, der überall gleichzeitig bei mir hinschlägt, bevorzugt ins Gesicht.

Da Björn und ich nun gesittet nicht mehr Lippen an Lippen kleben, scheint sich Marina ebenfalls eingeladen zu fühlen und spaziert auf uns zu.

»Darf ich?« Sie weist auf einen der beiden Korbstühle vor der Hängematte und lässt sich, ohne die Antwort abzuwarten, darauf plumpsen.

»Ulli und ich kommen gerade vom Pflanzfest am Holstentor. Du meine Güte, war das voll dort! Ich sage euch, Lübeck platzt aus allen Nähten.«

So elegant es eben bei einem schwingenden Untergrund geht, erhebe ich mich aus der Hängematte und setze mich Marina gegenüber in den Korbstuhl.

»Ihr habt aber auch immerzu Unternehmungen. Ich würde nie auf die Idee kommen, an einem Feiertagswochenende in die Altstadt zu spazieren.«

Marina winkt nonchalant mit der Hand ab. »Du weißt ja, Rentner haben niemals Zeit.«

»Daran halten sich Ulli und du ja strikt.«

Auch Björn schält sich nun aus der Hängematte, gefolgt von einem schwanzwedelnden Bobby, der auf Action hofft. Nicht selten jagen die beiden über die Felder, einer schneller als der andere. Ich habe es nicht so mit dem Rennen, auch wenn ich das vor meinen Patienten niemals zugeben würde, denn als Physiotherapeutin muss ich auf mein Rollenvorbild achten. Allerdings nur, solange ich beobachtet werde.

»Heute nicht, mein Junge«, enttäuscht Björn den hyperaktiven Hund und greift zu seinem Spaten, um das Tulpenbeet hinter dem Walnussbaum in ein Levkojenbeet zu verwandeln.

»Björn, du machst gerade Gartenarbeit?« Marina betrachtet ihn mit schräg geneigtem Kopf.

»Jaaa«, bestätigt dieser gedehnt das Offensichtliche.

»Ulli und ich haben da ein paar ganz famose Hortensien gekauft. Und Rhododendren. Und einen kanadischen Flieder. Und wir dachten, dass du vielleicht mal Lust hast, dir die anzusehen, weil naja, du weißt ja, mein Daumen …«

»… ist je nach Bedarf knallpink, quietschgelb oder himmelblau, nur nicht grün«, beende ich den Satz.

Wieso kaufen die beiden immer Unmengen von Pflanzen und wissen dann nicht, was sie damit anfangen sollen? Mittlerweile platzt der Garten unserer Nachbarn aus allen Beeten. Ihre Astilben blühen sogar schon bei uns, in Ermangelung eines schattigen Plätzchens bei ihnen.

Was Marina und Ulli wohl für ein Hobby erwählt hätten, wenn sie nicht Björn als ihren Privatgärtner zum Nachbarn hätten? Kochen wäre nett. Ich sehe Marina vor mir, wie sie Tonnen von Lebensmitteln zu ihrem nachbarlichen Privatkoch schleppt und dann daraus etwas Leckeres für sich und ihren Ulli gekocht bekommt. Oder sich frisieren. Die beiden umtriebigen Rentner hätten dann vielleicht jeden Tag eine neue Frisur, exklusiv von ihrem Privatfrisör.

»Ein kanadischer Flieder?« Björns Blick verliert seinen Fokus und wirkt glasig und ich weiß, dass Marina gewonnen hat und ich meinen Freund – nein, Verlobten – den Rest des Wochenendes nicht mehr wiedersehen werde.

Marina sieht das genauso und springt – für knapp siebzig Jahre – erstaunlich wendig aus dem Korbstuhl auf.

»Prima. Ich habe noch ein paar Erdbeeren im Kühlschrank, die packe ich uns auf einen Tortenboden, dann hast du auch etwas Gutes nach der ganzen Pflanzerei.«

»Aber wir werden heiraten!«, rufe ich Marina zu, als Björn sich zu mir herabbeugt, um sich mit einem Kuss von mir zu verabschieden.

Sie bleibt mitten in der Bewegung stehen. »Nein!«

»Doch!«

»Na das wurde aber auch Zeit, meine Lieben!« Marina läuft zu uns zurück, zieht mich schwungvoll aus dem Korbsessel und umarmt mich und Björn abwechselnd. Bobby springt dabei um uns herum, als hätte er einen überdimensionalen Flummi verschluckt.

»Ulli und ich haben ja nicht so lange gezögert. Wir kannten uns drei Monate, da wusste ich schon, er oder keiner und habe ihn gefragt, ob er mich nicht endlich fragen möchte, ob ich ihn heirate.«

»Ihr wart erst drei Monate ein Paar, da habt ihr euch gleich verlobt?«

Das ist ja schon fast fahrlässig!

»Oh nein! Wir kannten uns beim Antrag drei Monate, ein Paar waren wir zu diesem Zeitpunkt seit fünf Wochen. Und nun schau nicht so pikiert. Der Richtige ist der Richtige, ob nach fünf Monaten oder nach fünf Jahren.«

Oder nach mehr als fünfzehn Jahren, wie in meinem Fall. Aber das spielt doch keine Rolle, oder?

»Wie auch immer, ihr müsst heute gebührend gefeiert werden.« Energisch schiebt mich Marina in Richtung Haus. »Du besorgst jetzt beim Bäcker Widekind einen anständigen Kuchen und ich hole uns aus dem Keller den perfekten Champagner für diese Gelegenheit. Und du«, wendet sie sich an Björn, »kümmerst dich solange um die Pflanzen.«

Damit klatscht Marina in die Hände und rauscht mit Bobby in ihrem Fahrwasser durch unseren Garten zur Hecke.

Als sie nicht mehr zu sehen ist, kuschele ich mich eng an Björn.

»Wir können jetzt da weitermachen, wo wir vorhin aufgehört haben«, murmele ich an seinem Hals. »Bis Marina Ulli alles erzählt hat und dann die Champagnerflasche sucht, können Stunden vergehen.«

»Aber der Flieder!« Mit aufgerissenen Augen schiebt mich Björn ein Stück von sich weg. »Der muss schnellstmöglich eingepflanzt werden. Und auch die Hortensien und der Rhododendron sollten nicht allzu lange außerhalb der Erde herumstehen. Wer weiß, was sie schon alles hinter sich haben.«

Oh ja, die armen, armen Pflanzen. Ehe mir eine angemessen tröstende Erwiderung einfällt, küsst mich Björn auf die Wange und eilt in den Nachbargarten. Wenigstens gibt es dort keine fremden Kirschen, in Form einer schönen Nachbarin, von der er naschen könnte. Dabei wünsche ich mir wirklich, Björn würde wieder mehr an mir naschen.

Aber einen kleinen Trost habe ich jetzt immerhin, bald wird es eine Hochzeitsnacht für uns geben und somit eine ganze Menge zu naschen.

Kapitel 2

Liebe

L wie Langeweile

Gut gefüllte Teller mit leckerem Essen, übersprudelnde Gläser mit Champagner und ein DJ in 1-a-Qualität mit sexy tiefer Männerstimme, der eintönige Schlagerrhythmen vor der ersten Note eliminiert – und Langeweile ist kein Thema auf der Hochzeitsfeier.

»Auf Wiedersehen, Frau Baumert. Viele Grüße an Ihren Mann und er soll nicht nur an seine Übungen für seinen Rücken denken, sondern sie auch regelmäßig machen.« Zuvorkommend halte ich meiner Patientin die Tür auf, um sie zu verabschieden.

Die winkt schnaufend ab. »Ach Fräulein Wallin, Sie kennen meinen Sturschädel ja, bei dem ist es auch regelmäßig, wenn er sich einmal im Monat über die Übungen beschwert, die Sie ihm aufgeben.«

»Dann schicken Sie ihn mal wieder zu mir, ich wasche ihm dann tüchtig den sturen Kopf. Sie wissen ja, ich habe da so meine Methoden.«

»Fräulein Wallin, Sie sind viel zu nett, um jemandem den Kopf zu waschen, aber immerhin schnurrt mein Wilfried für eine Weile, wenn er in den Genuss Ihrer Methoden gekommen ist. Also, ich nehme Sie beim Wort. Bis nächste Woche dann.« Gemächlich trippelt Verena Baumert auf ihren kurzen Beinen den Kiesweg entlang bis zum Gartentor und winkt mir noch einmal zu. Ich zögere einen Moment, wieder hineinzugehen, denn die Sonne scheint mir warm ins Gesicht, ein Eichhörnchen springt gerade zwischen den Haselnusssträuchern umher und es duftet süß nach frischen Croissants aus der Bäckerei schräg gegenüber.

Lächelnd beobachte ich eine Horde Kindergartenkinder, die von Straßenlaterne zu Straßenlaterne sausen. Ich liebe meine Physiotherapiepraxis hier am Rand von Moisling, in Radelnähe zu meinem Haus und all die wunderbaren Patienten, die mir Tag für Tag ihr Vertrauen schenken.

Schon als Kind ließ ich meinen Puppen diverse Behandlungen zuteilwerden, die in ersten Ansätzen durchaus physiotherapeutisches Geschick erkennen ließen. Manches Mal neigte ich zu Überdehnungen der Puppenextremitäten bis hin zum Totalverlust, was mir aber die letzten Jahre dank eifrigen Übens nun nicht mehr passiert ist. Alle meine Patienten gehen mit all ihren Gliedmaßen wieder heim. Und im besten Fall fühlen sie sich noch besser als vorher.

»Na Schwesterchen, nichts zu tun?«

Mit einem melodiösen Quietschen schließt meine Schwester Nora das Gartentor hinter sich und watschelt auf mich zu.

»Ich warte auf meine Patientin.« Demonstrativ sehe ich auf die nicht vorhandene Armbanduhr an meinem Handgelenk. »Die ganze sieben Minuten zu spät zum vereinbarten Termin erscheint. Tja, da muss ich wohl extra kräftig zupacken, um schneller an die schmerzende Stelle zu gelangen.«

Nora umarmt mich und drückt sich dann die Hände in den Rücken, wobei sich ihr imposanter Bauch eindrucksvoll nach vorn kugelt. »Mach du nur deine Scherzchen, mein Rücken bringt mich um.«

Tröstend lege ich einen Arm um ihre Schultern. »Ich versuche es heute noch einmal an einer anderen Stelle, dann sollte es wirklich endlich besser werden. Und es kann nicht schaden, wenn ich gleich auch ein ernstes Wort mit Klein-Mäxchen hier drin rede.« Damit stupse ich einen Finger in den Schwangerenbauch meiner Schwester und ziehe sie mit mir hinein in die Praxis.

Seufzend wischt sich Nora über die Stirn. »Schön kühl hast du es hier drin. Diese Hitze zurzeit nervt mich total, ich schwitze ständig wie ein Walross.«

»Schwitzen Walrösser überhaupt?« Aus einer Karaffe schenke ich meiner Schwester ein Glas Wasser ein und reiche es ihr.

Doch anstatt es zu trinken, rollt sie es sich erst einmal über die Stirn. Das Wasser, das dabei überschwappt, zischt regelrecht auf ihren Wangen.

»Mir egal. Ich schwitze und ich fühle mich wie ein Walross, ergo bin ich ein schwitzendes Walross.«

»Na dann, schieb deinen Walrosskörper in das orangefarbene Zimmer und mache es dir auf dem Massagestuhl bequem.«

Mit einem Zug trinkt Nora das Glas leer und reicht es mir zurück. »Du meinst wohl eher den Folterstuhl. Im Übrigen solltest du es dir verkneifen, deine Patienten in ihrer Gegenwart als Walrösser zu bezeichnen.«

Ich grinse sie über das leere Glas hinweg an. »Wird gemacht, dann warte ich halt, bis du im Zimmer bist. Und vergiss nicht, die Tür zu schließen, damit du mich nicht hörst.«

Den Balu-Song summend, wasche ich mir die Hände und hole dann aus meiner Schatzkammer noch ein ganz besonderes Massageöl für meine geplagte Schwester.

Diese hat es sich bereits auf dem Massagestuhl bequem gemacht, oder besser, sie versucht es. Unglaublich, dass in ihrem Bauch ein kleiner Mensch heranwächst – und noch unglaublicher ist es, dass das noch vier Monate so weitergehen soll, sie platzt ja quasi jetzt schon aus ihrer Haut.

Um meiner Schwester etwas Gutes zu tun, starte ich behutsam mit einer entspannenden Wohlfühlmassage. Diese würde zwar nicht ihre argen Rückenschmerzen beseitigen, wohl aber ein paar der Kratzer auf ihrem Wohlbefinden.

Es ist deutlich zu spüren, wie sich Nora unter meinen warmen Händen entspannt und sie weicher und lockerer wird. Ich habe schon fast Skrupel, gleich die notwendigen Handgriffe in Angriff zu nehmen, die ihre Schmerzen an der Wurzel packen sollen.

Ein wenig Ablenkung wäre doch jetzt sicherlich hilfreich. »Ich habe nachher noch eine Überraschung für dich.«

»Du willst mich doch bloß ablenken, weil du mir gleich wehtun wirst«, brummelt meine Schwester gedämpft von unten.

»Auch«, lache ich. »Aber ich habe wirklich eine Überraschung. Rate mal. Aber du wirst sowieso nicht darauf kommen.«

»Du hast endlich mal einen Friseur gefunden, der dir eine coole Haarfarbe verpasst?«

»Ha, ha, ha! Mein blondes Haar gefällt mir ausgezeichnet.«

»Du bist nicht blond! Du bist braunhaarig.«

»Dunkelblond.« Das ist das allerletzte Zugeständnis in der Haarfarbeskala meinerseits.

»Hellbraun.«

Braunhaarig! Ich und braunhaarig! Mit dem Daumen drücke ich ein wenig tiefer unter das rechte Schulterblatt meiner Schwester als ich müsste, aber ihr Quieken ist es mir wert. »Rate weiter.«

Leider bekomme ich nur ein Knurren zur Antwort und beschließe, sie einfach leiden zu lassen und mich ruhig und bestimmt auf meine Arbeit zu konzentrieren.

Nach zwanzig Minuten habe ich – und vor allem Nora – es geschafft und ich gebe ihr einen aufmunternden Klaps auf den Po.

»Fertig. Richte dich mal bitte langsam auf.«

Vorsichtig folgt sie meiner Bitte und dehnt sich behutsam den Rücken. Für einen Moment schließt sie die Augen und seufzt leise. »Herrlich Ineke, vielen Dank, du bist die Beste.«

Sehr schön, das war mein Ziel. »Ich hoffe sehr, dass das jetzt auch eine Weile anhält und wir sollten diese Massage unbedingt Anfang nächster Woche wiederholen, wenn bis dahin alles so ruhig bleibt.«

»Auf jeden Fall. Ich mache alles, was du mir sagst, Hauptsache du befreist mich von diesen vermaledeiten Rückenschmerzen. Auch wenn du ganz schön grob warst.«

Kopfschüttelnd reiche ich Nora ihre Bluse. »Ich war nicht gröber zu dir, als du damals in der Grundschule, als du mit mir Friseur gespielt hast und mir die Haare abgeschnitten hast. Mit einer echten Schere!«

»Das hat nicht wehgetan, ich habe dich nur einmal ganz kurz am Ohr geschrammt.«

»Das meine ich auch nicht, obwohl das auch ziemlich gepuckert hat. Aber die psychischen Schmerzen meiner Kurzhaarfrisur, die haben mich leiden lassen. Meine schönen Haare sind nie wieder so lang geworden wie damals.«

Nora zieht leicht an meinem geflochtenen Mini-Zopf, für den ich die Haarsträhnen lediglich dreimal miteinander verschlingen muss, um am Ende anzulangen.

»Du und deine Haare, das ist echt ein Buch für sich. Aber wie auch immer, deine Haarschmerzen sind gerade nichts gegen meine Massageschmerzen.«

Eindrucksvoll ziehe ich eine Schnute und sehe sie augenklimpernd an. »Oh du tapferes Mäuschen. Dafür hast du dir jetzt eine Belohnung verdient.«

»Genau das wollte ich hören. Wo versteckst du deine obligatorische Gummibärchentüte heute?«

Schlagartig wird mir sehr heiß und ich drehe mich von Nora weg, um die Handtücher von dem Massagestuhl zu nehmen und zusammenzulegen. Doch nicht umsonst ist meine Schwester seit dreiunddreißig Jahren meine Schwester.

»Du hast heute schon eine ganze Tüte Gummibärchen aufgefuttert! Es ist gerade mal mittags!«

Langsam klemme ich den Haken mit Noras Fachnummer an die Handtücher und lege sie zurück in das Regal. Ach, das Massageöl muss ich auch noch zurückräumen.

»Ja ja, laufe du nur davon«, ruft mir meine Schwester hinterher, was mich dazu veranlasst, mir extra viel Zeit beim Wegräumen zu nehmen.

»So, können wir? Meine Mittagspause startet genau jetzt. Wie wäre es mit der Salatbar hinten am Hellkamp?« Als hätte es unser Gummibärchengespräch nicht gegeben, biete ich Nora den Arm an und gemeinsam verlassen wir die Praxis in Richtung Mittagessen.

»Und? Was ist nun deine große Überraschung?«