Justine und die Kinderrechte - Antje Szillat - E-Book

Justine und die Kinderrechte E-Book

Antje Szillat

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Beschreibung

Justine und ihr Katerfreund Joschi haben eine ganz besondere Aufgabe: die "Mission Kinderrechte“. Die beiden sind stets "im Auftrag“ der Kinder unterwegs. Denn wo immer die Rechte der Kinder nicht geachtet werden, wo immer die Großen die Kleinen mal wieder einfach übersehen, da tauchen Justine und Joschi auf und - schwupp sorgen dafür, dass sich daran schnellstens etwas ändert. Natürlich können sie das nur, wenn ganz, ganz viele Kinder ihnen dabei behilflich sind: Denn nur gemeinsam wird es gelingen, die Rechte der Kinder bekannt zu machen und dafür zu sorgen, dass sie auch eingehalten werden. Erlebt spannende, lustige, traurige, aber auch sehr hoffnungsvolle Geschichten. Denkt über Dinge nach, über die es sich lohnt einmal nachzudenken. Es gibt viel zu erfahren, aber auch zu spielen, zu basteln und malen - kurz: Es gibt viel für uns alle ob Groß oder Klein - zu tun. Empfohlen für Kinder im Grundschulalter und für alle Erwachsenen. Mit den wichtigsten Kinderrechten der UN-Kinderrechtskonvention im Überblick, kindgerecht und verständlich erklärt.

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Seitenzahl: 131

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Antje Szillat

Justine

und die

Kinderrechte

Illustriert von Marina Krämer

Für mein wunderbares QuartettJamie, Darleen, Merle und Marlon

Herausgeber:

Herausgeber: Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e. V.

Redaktion: Stabsabteilung Information und Kommunikation

Fachberatung: Dr. Johannes Bernhauser

Georgstr. 7

D-50676 Köln

Tel.: +49 (0) 221 2010-284

E-Mail: [email protected]

Internet: www.caritasnet.de

Verlag:

edition zweihorn GmbH & Co. KG

Riedelsbach 46

D-94089 Neureichenau

Tel: +49 (0) 8583 2454, Fax: +49 (0) 8583 91435

E-Mail: [email protected]

Internet: www.edition-zweihorn.de

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt.

Copyright © 2012 edition zweihorn

Umschlaggestaltung und Illustrationen: Marina Krämer

ISBN-13: 978-3-935265-98-0eISBN: 978-3-943199-83-3

Inhalt

Justine und Joschi stellen sich vor

Wie alles begann – Der schreckliche Herr Rübenkraut

Montags ist Kindersprechstunde

Hanna vermisst ihren Papa

Jule ruft laut „STOPP!“

Der Aufstand der Buskinder

Laura hat Angst

Marvin ist müde

Das Geheimnisbuch

Keine Zeit für Benjamin

1:0 für Tina und Paula

Armer Jonas

Das ist unser Recht! Die wichtigsten Kinderrechte

Nachwort

Ein Wort an die Erwachsenen!

Hallo! Darf ich mich vorstellen? Ich bin Justine. Und das getigerte Kerlchen dort unten ist mein Freund Joschi. Ein ganz besonderer Kater übrigens, denn er hat schon siebenhun dertsiebenundsiebzig Jahre auf dem grauen Katerbuckel.

Joschi und ich sind in eurem Auftrag unterwegs. Denn wo immer die Rechte der Kinder nicht geachtet werden, wo immer die Großen die Kleinen mal wieder einfach übersehen, da tauchen wir auf und kümmern uns – schwupp – darum, dass sich daran schnellstens etwas ändert. Natürlich können wir das nur, wenn ganz, ganz viele Kinder uns dabei helfen: die Rechte der Kinder bekannt zu machen und dafür zu sorgen, dass sie auch eingehalten werden. Denn miteinander sind wir stark! Seid dabei und begleitet Joschi und mich bei unserer „Mission Kinderrechte“!

Erlebt spannende, lustige, traurige, aber auch sehr hoffnungsvolle Geschichten. Lernt starke Kinder und mutige Freunde kennen. Denkt über Dinge nach, über die es sich lohnt einmal nachzudenken.

Es gibt viel zu sehen, zu lesen, zu hören, zu erfahren, zu spielen, zu basteln und zu malen – kurz: Es gibt viel für uns alle – ob Groß oder Klein – zu tun.

 

Denn Kinder haben Rechte – echte Kinderrechte!

Die ganz wichtigen stehen in einem Vertrag, der UN-Kinderrechtskonvention genannt wird. Diese Rechte gelten für alle Kinder auf der Welt bis achtzehn Jahre. Völlig egal, ob Mädchen oder Junge, welche Hautfarbe, Herkunft oder Religion das Kind hat, ob es arm oder reich ist oder welche Sprache ein Kind spricht. Kinderrechte sind Menschenrechte und sollen deshalb auch für alle gelten. Aus diesem Grund haben 1989 auch fast alle Länder der Erde diesen Vertrag – die UN-Kinderrechtskonvention – unter- schrieben. In 54 Artikeln wird dort erklärt, worauf alle Kinder Anspruch haben sollen. Wenn man von Kindern hört, die mit Hunger, Not, Krieg, Ausbeutung, Gewalt oder auf der Flucht aufwachsen und leben müssen, denken viele gleich an die Kinder in den armen Ländern. Doch auch in Deutschland geht es längst nicht allen Kindern gut. Auch in Deutschland haben Kinder Hunger, werden misshandelt, missbraucht, ausgegrenzt oder schlecht behandelt. Auch in Deutschland werden die Rechte der Kinder missachtet. Damit sich daran etwas ändert, sollten möglichst viele Leute von den Kinderrechten erfahren. Erzählt euren Freunden, Klassenkameraden, aber auch euren Eltern, Lehrern, Verwandten davon, denn viele Erwachsene wissen oftmals gar nicht, dass Kinder Rechte haben. Informiert euch und informiert andere – lasst uns gemeinsam mutig und hoffnungsvoll für eine kindergerechte Welt sorgen.

Eure Justine und Kater Joschi

(Stets unterwegs im Auftrag aller Kinder und ihrer Rechte)

Wie alles begann – Der schreckliche Herr Rübenkraut

Auf der ganzen Welt gibt es so ungefähr siebentausendsiebenhundertsiebenundsiebzig Justizias.

Das hört sich ganz schön viel an. Aber sie müssen auch zahlreich sein, denn sie haben die Aufgabe, bei den großen Leuten für Recht und Ordnung zu sorgen. Und das ist manchmal ganz schön schwierig.

Die allerbeste von ihnen ist übrigens Justine. Sie wohnt im Schatten ihrer großen Schwester Justizia Nummer sechsundsechzig und wird von den großen Leuten meistens übersehen. Doch die Kinder, die sehnen sich nach ihr. Und das hat auch seinen guten Grund, denn Justine hat einen allerbesten Freund. Den Straßenkater Joschi. Der Kater hat schon siebenhundertsiebenundsiebzig Katzenjahre auf dem getigerten Buckel. Deshalb kennt er sich gut aus und weiß vieles, was andere nicht wissen.

Eines Nachts erzählte er seiner Freundin Justine die Geschichte von *Janusz Korczak, dem Vater der Kinderrechte.

„Kinder haben Rechte?“, staunte Justine.

Joschi nickte so doll, dass seine getigerten Katzenohren nur so schlackerten.

„Na klar. Und zwar ganz schön viele.“

„Und woher weißt du das?“, wollte Justine erfahren.

„Ich kannte den Vater der Kinderrechte höchstpersönlich“, sagte Joschi und strahlte vor Stolz wie tausend Glühwürmchen.

Und so erfuhr Justine in dieser Nacht alles über die Rechte der Kinder.

Doch die Sache hatte einen Haken.

„Die Kinderrechte wurden von den Erwachsenen bestimmt und aufgeschrieben“, erzählte Joschi. Dabei verzog er sein Katergesicht, als ob er schlimme Zahnschmerzen hätte.

„Tut dir was weh?“, fragte Justine prompt.

„Ja! Denn ganz viele Länder dieser Erde haben den Vertrag unterschrieben.“

Justine machte einen kleinen Freudenhüpfer.

„Prima, das ist doch einfach nur prima!“, rief sie fröhlich.

„Aber es wissen nur ganz wenige Menschen davon. Der Vertrag wurde nämlich von Menschen aufgeschrieben, die sich sehr gut mit dem Recht auskennen. Sie benutzen sehr viele komplizierte Wörter und außerdem drücken sie sich sehr merkwürdig aus. Und deshalb verstehen viele andere nicht, was in diesem Vertrag überhaupt drinsteht“, grummelte Joschi traurig.

Das machte auch Justine traurig. Doch plötzlich verzog der Kater seine Schnauze zu einem breiten Grinsen und seine grünen Augen funkelten wie Diamanten, denn er hatte eine Idee!

„Du wirst den Kindern helfen! Du wirst ihnen erklären, welche Rechte sie haben, und dafür sorgen, dass sie von den Großen auch geachtet werden“, beschloss der Kater.

„Na klar. Schließlich bin ich Justine, die Allerbeste!“, lachte Justine und klatschte begeistert in die Hände.

Und damit begann es.

Gleich am nächsten Tag hatte Joschi auch schon einen Auftrag für Justine.

„Diesen Jungen beobachte ich schon eine ganze Weile“, erklärte der Kater.

Er kramte ein Foto hervor und reichte es Justine.

„Das ist Jonathan Bummel. Fast acht Jahre alt. Schlimmer Fall. Braucht dringend Hilfe“, sagte Joschi. „Der Nachbar, Herr Rübenkraut ist das Problem. Er mag keine Kinder. Und schon gar nicht, wenn sie spielen.“

„Oh weh. Der arme Jonathan sieht auch ganz unglücklich aus“, sagte Justine, während sie das Foto betrachtete.

„Es kommt noch viel schlimmer. Er schreit Jonathan ständig an und der hat schon richtig Angst, überhaupt noch in den Garten zu gehen, den alle Mieter gemeinsam nutzen.“

Justine schüttelte traurig den Kopf, während Joschi ihr einen kleinen Zettel reichte und sagte: „Hier ist seine Adresse.“

„Bin schon unterwegs“, rief Justine und – schwupp – war sie weg, denn natürlich wollte Justine keine Zeit verlieren.

Jonathan Bummel saß in seinem Zimmer. Er sah genauso traurig aus wie auf dem Foto. Dicke Tränen liefen über seine roten Wangen.

Justine schwebte leise durch das geöffnete Fenster und legte Jonathan ihre Hand auf die Schulter. Erschrocken fuhr der Junge herum.

„Hallöchen!“, trällerte Justine. „Schluss mit dem Traurigsein. Ich bin hier, um dir zu helfen.“

Jonathan rieb sich die Augen, aber es nützte nichts. Justine war immer noch da.

„W-was …“, stotterte er. Aber er kam nicht weiter, weil Justine ihm einfach ins Wort fiel.

„Schau nicht so erschrocken“, sagte sie. „Ich heiße Justine und habe gehört, dass deine Rechte nicht geachtet werden.“

„Meine Rechte?“ Jonathan hatte ein großes Fragezeichen auf der Stirn.

„Ja, genau deshalb bin ich hier“, sagte Justine und erzählte Jonathan, was sie von Joschi über die Rechte der Kinder erfahren hatte. Anschließend kramte sie eine weiße Schriftrolle aus ihrer Umhängetasche hervor und reichte sie Jonathan.

„Kannst du schon lesen oder soll ich dir deine Rechte vorlesen?“, fragte sie freundlich.

Jonathan machte eine beleidigte Schnute.

„Na klar kann ich schon lesen!“, sagte er und entrollte die Schriftrolle.

Dann las er laut vor …

 

Das sind Kinderrechte:

Artikel 31 - Alle Kinder haben das Recht auf Spiel, Ruhe und Erholung!

  In ihrer Freizeit sollen Kinder das tun können, worauf sie Lust haben. Jedes Kind hat ein Recht auf Ruhe und Freizeit sowie ein Recht auf Spiel und Beteiligung am kulturellen und künstlerischen Leben. Viele Erwachsene haben mit der Zeit vergessen, was es heißt, Kind zu sein. Diese Erwachsenen glauben oft, dass Kinderspiele Zeitverschwendung sind. Das stimmt aber nicht! Spielen ist für Kinder wichtig!

 

Jonathan ließ die Schriftrolle sinken und schaute Justine mit großen Augen an.

„Und das ist mein Recht?“

„Jawohl, das ist dein Recht!“ Justine kicherte zufrieden.

Jonathan überlegte einen Moment. Und plötzlich begann sein ganzes Gesicht zu strahlen und in seinen Augen tanzte die Hoffnung.

„Das bedeutet, Herr Rübenkraut darf mir das Spielen im Garten nicht verbieten?“

Justine nickte mit dem ganzen Oberkörper.

„Stimmt! Und dich ständig anschreien und böse zu dir sein, das darf er auch nicht.“

„Oh“, flüsterte Jonathan. „Gut. Das ist wirklich gut.“

Justine grinste breit. „Finde ich auch. Und dir Angst machen oder dich bedrohen, das darf er schon mal gar nicht“, sagte sie.

„Und weiß Herr Rübenkraut das denn nicht?“ Jonathans helle Augen wurden ganz dunkel.

„Offenbar nicht“, sagte Justine traurig.

Doch dann hoben sich ihre Mundwinkel nach oben und sie trällerte: „Aber wir werden ihm Bescheid geben.“

Da ließ sich Jonathan mit einem zufriedenen Seufzer rückwärts auf sein Bett plumpsen und war für einen Moment glücklich. Sehr, sehr glücklich.

Doch schnell war es wieder vorbei mit dem Glücklichsein. Justine hatte sich nach wenigen Augenblicken wieder verabschiedet. Kaum war Jonathan in den Garten gelaufen, um dort in der Sandkiste zu spielen, da kam Herr Rübenkraut auch schon zur Tür herausgestürmt. Sofort begann er laut zu schimpfen.

„Verschwinde hier, du Rotzbengel. Du darfst hier nicht spielen“, schrie er Jonathan an. „Wie oft habe ich dir das schon gesagt? Du machst nur Krach und Ärger …“, schimpfte er weiter und stampfte wütend auf Jonathan zu.

„STOPP!“, kam es plötzlich aus der hintersten Ecke des Gartens.

Jonathan fuhr zu Justine herum. Aber Herr Rübenkraut schien sie gar nicht zu bemerken. Dabei hatte Justine doch so laut geschrien.

„Die Großen sehen mich nicht“, erklärte Justine. „Du musst ihm schon selber sagen, dass er das nicht darf. Los, trau dich!“

Jonathan holte tief Luft, kniff die Augen fest zusammen und …

„STOPP!“, schrie er. „Das dürfen Sie nicht!“

Herr Rübenkraut blieb wie angewurzelt stehen.

„Kinder haben Rechte“, sagte Jonathan mit dünner Stimme. „Sie haben das Recht, zu spielen. Und niemand darf deswegen gemein zu ihnen sein und sie ständig wegjagen.“

„Gut so“, feuerte Justine Jonathan an. „Lass dir nichts gefallen.“

Herr Rübenkraut bekam den Mund nicht mehr zu, so baff war er. Er starrte Jonathan an, als ob der sich gerade in ein dreizehnköpfiges Ungeheuer verwandelt hätte. Schließlich hob er ratlos die Schultern, würgte ein leises „Oh …“ hervor, machte auf dem Absatz kehrt und verschwand wieder im Haus.

„Unglaublich“, staunte Jonathan. Er konnte nämlich selbst nicht fassen, was er sich gerade getraut hatte. Und wie Herr Rübenkraut darauf reagiert hatte.

„Sonst habe ich mir vor Angst fast in die Hose gemacht. Aber jetzt …“

Justine schnalzte laut mit der Zunge. „Jetzt kennst du deine Rechte und fühlst dich stark. Ist doch super“, flötete sie.

„Aber, aber … warum konnte Herr Rübenkraut dich nicht sehen?“ Jonathan war ganz verwirrt.

„Weil er mich nicht sehen wollte! Manchmal übersehen die Großen die Kleinen einfach.“

Jonathan nickte nachdenklich. Und Justine machte eine tiefe Verbeugung.

„Dann bis morgen!“, rief sie und schon war sie verschwunden.

Am nächsten Tag saß Jonathan wieder in der Sandkiste im Garten.

„Jonathan“, sagte Herr Rübenkraut mit Donnerstimme, „was habe ich dir gesagt? Du sollst hier nicht spielen.“ Wütend trat Herr Rübenkraut gegen Jonathans Plastik-Lkw.

„Aber die Sandkiste ist doch zum Spielen da“, murmelte Jonathan ängstlich.

„Willst du etwa frech werden?“, brüllte er und verformte seine Augen zu schmalen Schlitzen.

Ganz plötzlich saß Justine neben Jonathan in der Sandkiste. Mit dem Ellbogen verpasste sie ihm einen Stoß in die Seite.

„Denk an deine Rechte! Lass dir das nicht gefallen!“

Da straffte Jonathan die Schultern und sagte mit fester Stimme: „STOPP! Hören Sie auf zu schreien. Sie machen mir Angst!“

Herr Rübenkraut blieb mitten auf dem Rasen stehen und schaute Jonathan aus zusammengekniffenen Augen an.

„Was?“, knurrte er.

„Jawohl!“, riefen Jonathan und Justine gleichzeitig.

Und – schwupp – saß die winzig kleine Justine auf Herrn Rübenkrauts Schulter und …

Plötzlich war der zornige Herr Rübenkraut wieder ein kleiner Junge. Er stand vor der Haustür und weinte. Vor ihm hatte sich eine grimmig dreinblickende Frau aufgebaut und brüllte. Der kleine Junge hatte solche Angst, dass seine Beine schlotterten wie Himbeergelee.

„Wenn ich dich noch einmal vorm Haus beim Spielen erwische, dann …“ Plötzlich hob die Frau die Hand und kam drohend näher.

Der Junge zuckte zusammen … und – schwupp – sprang Justine von seiner Schulter. Und aus dem kleinen Jungen war wieder Herr Rübenkraut geworden.

„Schrecklich“, murmelte Herr Rübenkraut. Dann lief er einfach davon.

„Auftrag erfüllt!“ Justine grinste Joschi breit an.

„So schnell?“, staunte Joschi.

Da fasste Justine ihren besten Freund Joschi bei der linken Katerpfote und rief: „Komm mit und überzeuge dich selbst davon.“

Und schon einen Wimpernschlag später standen die beiden im Garten von Jonathans Haus.

Jonathan hockte in der Sandkiste. Davor stand seine Mama. Und direkt daneben Herr Rübenkraut. Jonathans Mama sah ein bisschen ärgerlich aus. Und Herr Rübenkraut hatte rote Flecken am Hals.

„Es tut mir leid, Jonathan“, murmelte er. „Das kommt nie wieder vor.“

Jonathans Mama machte große Augen. „Soll das etwa heißen, Sie lassen Jonathan in Zukunft in Ruhe hier spielen?“

Herr Rübenkraut nickte mehrmals. „Ja. Ich habe nämlich ganz vergessen, wie wichtig das Spielen für Kinder ist. Und wie furchtbar es ist, wenn man ständig von jemandem deswegen ausgeschimpft wird.“ Er schaute Jonathan ein bisschen verlegen an und fügte dann leise hinzu: „Aber plötzlich ist es mir wieder eingefallen.“

Herr Rübenkraut hielt Jonathan die Hand zum Einschlagen hin. Der zögerte einen kurzen Moment, zwinkerte Justine und Joschi glücklich zu und sagte leise „Danke!“ zu ihnen. Dann schlug er ein.

Und – schwupp – waren Justine und Joschi verschwunden.

 

Darüber kannst du nachdenken!

Lies den Text oder lass ihn dir vorlesen und denke einen Moment darüber nach. Wenn du Lust hast, kannst du mit anderen über deine Gedanken reden. Vielleicht magst du deine Gedanken dazu auch aufschreiben oder ein Bild dazu malen?!

Was ist gut, was ist böse?

Bussarde fressen ab und zu eine Maus, um leben zu können. Bei den Bussarden gilt das Fressen von Mäusen als gut. Nur so können die Bussarde überleben. Die Maus will natürlich nicht gefressen werden. Unter den Mäusen gilt das, was die Bussarde tun, als böse und ihr eigener Wunsch, nicht gefressen zu werden, gilt als gut. Was also für den Bussard gilt, gilt nicht unbedingt für die Maus. Und was für die Maus gut ist, ist schlecht für den Bussard. Nicht alle verstehen unter gut dasselbe, und das gilt auch für das, was böse ist.

Eine Ja-und-nein-Collage basteln

Aus Zeitungen, Magazinen, Zeitschriften und so weiter schneidest du Menschen aus, die entweder gut oder böse miteinander umgehen. Nun nimmst du zwei unterschiedlich farbige Fotokartons (am besten rot und grün) und schreibst auf den einen Karton JA und auf den anderen NEIN.

Nun überlegst du dir, welche Zeitungsausschnitte auf welche Pappe gehören. Anschließend klebst du die Ausschnitte auf den entsprechenden Fotokarton. Natürlich kannst du diese Collagen auch zu zweit oder in der Gruppe basteln.

 

Janusz Korczak – Der König der Kinder

„Das Kind wird nicht erst zum Menschen, es ist schon ein Mensch.“