Verlag: Loewe Kategorie: Für Kinder und Jugendliche Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2014

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E-Book-Beschreibung Kälte - Michael Northrop

Es schneit wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Scotty und seine Freunde Pete und Jason gehören zu den letzten sieben Schülern ihrer Highschool, die darauf warten, nach dem Unterricht abgeholt zu werden. Bald jedoch wird klar, dass niemand mehr kommen wird. Anfangs scheint es noch gar keine so schlechte Sache zu sein, den Abend und schließlich die Nacht in der Schule verbringen zu müssen - immerhin sind die zwei süßen Mädchen Julie und Krista mit von der Partie. Doch als zuerst der Strom ausfällt, dann die Heizung, schließlich die Wasserleitungen einfrieren und der Schnee draußen immer höher steigt und sie in Dunkelheit hüllt, liegen die Nerven blank - und plötzlich geht es ums nackte Überleben. Ein mitreißender Katastrophen-Thriller, der durch seine eindringliche Spannung und beklemmende Atmosphäre nicht nur Jugendliche begeistert.

Meinungen über das E-Book Kälte - Michael Northrop

E-Book-Leseprobe Kälte - Michael Northrop

Für meine Mutter Sally Ongley Northrop,

die uns immer ein bisschen zu lang im Schnee spielen ließ –

also genau richtig.

1

Wir waren zu siebt, die sieben letzten Schüler, die darauf warteten, von der Tattawa Regional Highschool abgeholt zu werden. Klingt ganz normal, aber das war kein normaler Tag, sondern ein Tag, an dem das Schicksal exakt ins Schwarze traf. Ein Tag, an dem sich alles zueinanderfügte – wer zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort war, war automatisch Teil von etwas Großem. Deshalb würde uns niemand abholen. Nicht heute, und vielleicht überhaupt nicht.

An diesem Tag ging der Schneesturm los, der fast eine ganze Woche nicht mehr aufhören sollte. So etwas hatte hier noch niemand erlebt. Es war eine Naturkatastrophe, vergleichbar mit einem Erdbeben oder einer Überschwemmung. Das Schlimme war nicht der Sturm, sondern was nach dem Sturm kam.

Die Stromleitungen brachen unter den Schneemassen ein, die Flughäfen schlossen. Ganze Schneedünen fielen vom Himmel. Die Straßen waren komplett dicht, selbst die Schneepflüge strandeten. Vorne kamen sie nicht mehr durch und hinten lag der Schnee schon wieder so tief, dass sie nicht zurück konnten. Ja, daran sieht man wohl am besten, was für ein Sturm das war: Einige Fahrer erfroren im Schneepflug.

Die Leute verkrochen sich in ihren Häusern und warteten ab. In unserem Teil von Neuengland war man so etwas gewöhnt, aber früher war der Spuk jedes Mal nach sechs Stunden vorüber gewesen. Oder nach zwölf Stunden, oder höchstens nach einem Tag. Diesmal nicht. Diesmal musste man ganz anders warten als sonst. Wenn ihr die Details hören wollt, geht in eines unserer zahllosen Cafés, zu den Tischen ganz hinten, wo die Einheimischen hocken.

Ich mach’s kurz: Der Sturm, ein sogenannter Nor’easter, bewegte sich die Küste hinauf und blieb bei uns hängen. Dabei wurde er nicht schwächer, sondern stärker. Soweit ich weiß war er sozusagen eingeklemmt zwischen einer riesigen Kaltfront, die von Norden runterkam, und einer noch größeren Warmfront, die von Süden raufkam. Und währenddessen gabelte er über dem Atlantik Feuchtigkeit auf, die er dann über dem Land als Schnee fallen ließ. Im Fernsehen ist die Wetterkarte manchmal noch zu sehen: ein gigantisches weißes Feuerrad, das sich über drei Staaten erstreckt.

Die Leute saßen in den Häusern und Notunterkünften, warteten ab und zählten immer wieder ihren Vorrat an Konservendosen durch. Alle stellten sich dieselbe Frage: Wie lange soll das noch weitergehen? Am nächsten Tag dieselbe Frage, an den folgenden Tagen auch, erst im Schein einer Lampe, dann im Schein einer Kerze, schließlich im Dunkeln, bei eisigen Temperaturen. Aber das kam erst später. Am Anfang waren wir zu siebt, standen vor dem Fenster und schauten dem Schnee beim Schneien zu.

Außer uns war noch Mr Gossell da. Mr Gossell, Geschichtslehrer und Football-Kotrainer, war ein mürrischer Typ – in eurer Schule gibt es wahrscheinlich auch einen von der Sorte. Er marschierte immer durch die Gänge, als wäre er beim Militär, und vielleicht war er sogar mal beim Militär gewesen. Keine Ahnung. Mr Gossell war der letzte Lehrer, der ging – er rammte die Tür mit der Schulter auf und machte sich auf den Weg, um Hilfe zu holen. Und tauchte nie wieder auf. Wir setzten seinen Namen auf die Liste der Leute, auf die wir warteten.

Gleich würde ein Paar Autoscheinwerfer durch den Schnee dringen, dachten wir, irgendwer würde sich durch die Straßen kämpfen, um uns nach Hause zu bringen. Der Mann hinterm Steuer würde die Beifahrertür aufstoßen und rufen: »Rein mit euch! Na los! Wir bringen euch heim!«

Aber wir blieben, wo wir waren. Die Scheinwerfer kamen nicht. Mr Gossell, Jasons Dad, Kristas Mom, die ganzen Leute, auf die wir warteten – mit denen hatten wir nichts mehr zu tun, weder mit ihnen noch mit irgendwem sonst. Wir waren auf uns allein gestellt. Wir waren allein mit dem endlosen Schnee.

2

Am Morgen ging es los. In der zweiten Stunde, Bio, fiel mir zum ersten Mal auf, dass es draußen schneite, aber es kann genauso gut gegen Ende der ersten Stunde angefangen haben. Schnee hält sich nicht an Stundenpläne. Und zuerst schneite es gar nicht mal so stark. Jedenfalls dachte ich nicht weiter darüber nach, denn wir hatten den ganzen Monat über viel Schnee gehabt. Zu Beginn waren es winzig kleine Flocken, fast so klein wie Zuckerkörner, doch in der dritten Stunde hatten die Flocken deutlich zugenommen. Langsam wurde es ernst und der Schnee wurde zum Gesprächsthema.

»Was meinst du, dürfen wir früher gehen?«, fragte Pete, während wir unsere Sachen zusammenpackten. Als Nächstes hatten wir Spanisch.

Ich warf einen prüfenden Blick aus dem Fenster. Mittlerweile kam es ziemlich heftig runter und draußen auf dem Sims lagen schon gut vier Zentimeter. »Möglich. Was haben sie im Wetterbericht gesagt?«

»›Schneesturmwarnung‹! Das soll richtig krass werden. Du bekommst aber auch gar nichts mit.«

»Sorry, aber ich hab echt keine Zeit, auch noch den Wetterkanal zu gucken. Ich hab genug zu tun: Schule, Training, Hausaufgaben …«

»Vielleicht solltest du dir ab und zu doch die Zeit nehmen«, erwiderte Pete. »Dann hättest du gewusst, dass heute der Nor’easter raufkommt, und keine Chucks angezogen.«

Ich schaute auf meine Sportschuhe. »Na ja, wenn es so krass wird, lassen sie uns wahrscheinlich sowieso früher heim.«

»Hoffen wir das Beste, Weems.«

Ich heiße Scotty Weems. Die meisten Leute, sogar meine Freunde, nennen mich Weems, auch wenn ich nicht besonders darauf stehe. Wahrscheinlich sagt es sich irgendwie leichter und manche halten es vielleicht für witzig. Mir ist es ziemlich egal. Ich bin nur froh, dass sich mein früherer Spitzname Schnoddy Schleim nicht durchgesetzt hat.

Außerdem bin ich Sportler, und als Sportler freundet man sich zwangsläufig mit dem eigenen Nachnamen an. Schon beim Kinder-Baseball hab ich ihn ständig zu hören bekommen – immer, wenn ich etwas richtig gemacht hab, haben die Leute »Weems!« geschrien, und wenn ich etwas falsch gemacht hab, auch. Heute steht der Name hinten auf meinem Basketballtrikot, und ich stelle mir gerne vor, wie eines Tages eine ganze Halle rufen wird: »Weems! Weems! Weems!« Aus dem Mund von begeisterten Fans klingt jeder Name großartig.

Das bin ich also: Scotty Weems. Ich werde euch sozusagen durch diese Geschichte begleiten. Gut möglich, dass die anderen manches anders erlebt haben, und ein paar von ihnen hätten das Ganze vielleicht auch besser erzählen können, aber ihr habt leider keine Wahl. Warum nicht? Tja, zum Beispiel, weil es nicht alle geschafft haben.

Es war Dienstag, und bevor uns plötzlich der Himmel auf den Kopf fiel, konnte ich nur an eines denken: an den Beginn der Basketballsaison. Am Abend sollte das erste Match stattfinden, ein Heimspiel gegen Canterbridge. Als Pete sagte: »Was meinst du, dürfen wir früher gehen?«, hörte ich daher eine ganz andere Frage: »Was meinst du, sagen sie das Spiel ab?« Wir beide gingen also von vornherein völlig unterschiedlich an die Sache heran.

Pete Dubois war einer meiner besten Freunde. Pete, Jason Gillespie und ich, wir waren eine Art Dreierbande. Pete war ein ganz normaler Junge, das war praktisch seine Rolle. Wenn er für irgendetwas bekannt war, dann für das, was er nicht war. Klingt vielleicht merkwürdig, aber Pete war nun mal kein Sportler, kein Nachwuchsbauer und auch kein Mitglied der Schülervertretung. Er war weder besonders cool noch herausragend intelligent, sondern ein ganz normaler Zehntklässler, der 08/15-Rock hörte und anzog, was er halt zu Weihnachten oder zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Und solche Leute braucht es auch, sonst gäbe es nur die verschiedenen Lager der Freaks, die ihre Quasi-Uniformen tragen und versuchen, sich gegenseitig mit ihrer Musik zu übertönen.

Wenn Pete früher nach Hause durfte, würde er mehr Zeit für seine üblichen Beschäftigungen haben, für Videospiele und Pizzasemmeln aus der Tiefkühltruhe. Wenn ich früher nach Hause geschickt wurde, würde mir der Lohn für das endlose Training in der spielfreien Zeit durch die Lappen gehen. Stundenlang hatte ich meinen Sprungwurf geübt: in der Halle, in der Einfahrt, an den Körben hinter der Bibliothek. Die anderen Shooting Guards würden Zeit haben, meinen Vorsprung wettzumachen, um ihre Spielzeit zu behalten oder mir sogar ein paar Minuten abzujagen.

»Dann sagen sie garantiert das Spiel ab«, sagte ich zu Pete.

»Stimmt, das Spiel«, meinte er. »Blöd.«

Pete spielte kein Basketball, zumindest nicht in der Schulmannschaft, Jason auch nicht. Aber wir waren eben schon immer Freunde gewesen, schon seit wir als kleine Kinder, mit neun Jahren oder so, mit dem Fahrrad auf dem Friedhof rumgekurvt waren. Unsere Mütter hatten uns dorthin geschickt, denn auf dem Friedhof waren wenigstens schon alle tot, während man auf der Straße bloß totgefahren wurde.

Wahrscheinlich war es irgendwie seltsam, in unserem Alter immer noch mit den Nachbarskindern von früher befreundet zu sein. Ich meine, es wird nicht direkt erwartet, dass man sich mit der Zeit neue Freunde sucht, aber es ist ganz sicher nicht verboten, und als Sportler ist man normalerweise mit seinesgleichen unterwegs. Aber da ich erst in meinem zweiten Jahr an der Highschool war, war ich in der Mannschaft ein ziemlicher Außenseiter. In der Schulauswahl gab es kaum Zehntklässler und ich war kein Star wie Kyle und auch kein ewiger Bankdrücker wie Joey.

Ich warf von weit draußen und auch ansonsten war ich eher draußen als mittendrin. Aber ich hatte eh keine große Lust, mit meinen Teamkameraden rumzuhängen. Wenn ich es erst mal in die Startformation geschafft hätte, würden sie mich schon noch respektieren, und genau das wollte ich diese Saison hinkriegen. Meinen eigentlichen Freunden – Pete, Jason und an seinen guten Tagen eventuell auch Eric – musste ich nichts beweisen. Wenn es nach ihnen ging, musste ich keine vierzig Prozent von der Dreierlinie treffen. Ich musste nicht mal werfen.

»Ich will mal stark hoffen«, sagte Pete, als wir uns in Spanisch auf unsere Plätze zu beiden Seiten des Mittelgangs niederließen, »dass sie wegen dem verdammten Schnee nicht den Ball am Freitag absagen. Ich sag’s dir, am Freitag mach ich eine klar.«

»Nee, du machst es dir selber. Hinterher«, erwiderte ich. Zu so einer Behauptung konnte man nicht einfach Ja und Amen sagen.

»Vergiss es, Mann«, meinte Pete, und zweifellos hätte er gerne noch etwas hinzugefügt, etwa dass bestimmt auch Marissa zum Ball kommen würde und ob ich denn schon vergessen hätte, dass er ihr letzte Woche unters Shirt langen durfte? Worauf ich entgegnet hätte: »Klar hab ich es vergessen. Du hast es mir und allen anderen ja erst tausendmal erzählt.« Doch der Gong schnitt ihm das Wort ab.

»Hola, liebe Schüler«, sagte Ms Chancey in ihrem ganz eigenen gebrochenen Spanisch.

»Hola, Señora Chancey«, antworteten fast alle Mädchen im Chor. Manche schleimten sich noch zusätzlich ein, indem sie das R rollten.

Als ich kurz zu Pete schaute, warf er mir einen eindeutigen Blick zu – weit aufgerissene Augen, begleitet von einem halben Schulterzucken, als wollte er sagen: »Du weißt schon, was ich meine.« Natürlich wusste ich es, doch der Ball würde niemals stattfinden. Im Rückblick, wenn ich daran denke, was stattdessen passieren sollte, zittere ich noch immer. Bilder schleichen sich in meine Gedanken, schwarzer Rauch und bläuliche Haut.

Aber eins nach dem anderen. Ich bin mal wieder viel zu schnell unterwegs, ihr müsst ja erst noch die anderen kennenlernen. Zum Beispiel Jason, der uns nach Spanisch über den Weg lief. Inzwischen sprachen alle über den Schnee, der mittlerweile in wallenden Wolken vom Himmel fiel, wie weiße Vorhänge im Wind. Aber Jason wollte lieber über sein lächerliches Lieblingsprojekt reden: über den Flammenwerfer.

Der Flammenwerfer war ein Gokart. Zumindest sollte mal ein Gokart draus werden. Jason versuchte schon eine ganze Weile, das Ding im Werkunterricht zusammenzubasteln, schon das ganze Schuljahr über, um genau zu sein. Wenn es in die Hose ging, würde er in Werken ohne Wenn und Aber durchfallen. Aber er bestand darauf, dass es ein unglaublich cooles Teil werden würde – falls er es jemals fertigstellte, falls es funktionierte und so weiter und so fort.

»Jetzt kommt schon«, bettelte er. »Wir hätten den Werkraum ganz für uns allein.«

Damit wollte er sagen: Wir könnten an den Elektrowerkzeugen rumspielen und vielleicht auch mit dem Zeug, das die anderen Schüler für ihre Projekte mitgebracht hatten.

Flammenwerfer war ein deutsches Wort, das ich erst kannte, seit Jason es mir beigebracht hatte. Ich hatte kein Deutsch, mir war Spanisch schon schwierig genug, aber er hatte mir mehrmals erklärt, was Flammenwerfer bedeutete, und nicht nur mir. Und was kommt einem sofort in den Sinn, wenn man an deutsche Waffen denkt? Richtig, der Zweite Weltkrieg, die »Wunderwaffe« und die ganzen Filme, die man darüber gesehen hat. Das sagt schon einiges über Jason. Nicht dass er ein Nazi gewesen wäre, das nicht, aber Krieg und Militär hatten es ihm schon immer angetan.

Mit zehn Jahren ist so was wohl noch halbwegs normal – waren wir nicht alle mal kleine Hobbysoldaten? Aber Jason war nicht mehr zehn, sondern fünfzehn, und da konnten einem dann doch erste Bedenken kommen. An der Schule war er vielen etwas unheimlich, vor allem den Lehrern, den Schülern eher weniger. Ich fürchte, normalerweise wäre er mir auch ein bisschen unheimlich gewesen, aber ich kannte ihn eben schon seit Urzeiten.

Zum Beispiel war das Shirt, das er heute trug, ein echter Klassiker – ein blaues Langarmshirt mit der Aufschrift: »Schärfer sehen. Damit man sich auch in der Ferne ganz nah ist.« Ein Werbeslogan einer Optikerkette, glaube ich, nur war in diesem Fall darunter ein Scharfschützengewehr abgebildet.

»Tut mir leid, keine Zeit«, sagte ich. »Heut Abend ist das Spiel.« Ein, zwei Sekunden lang wurde es still, während die anderen erfolgreich versuchten, nicht zu lachen oder die Augen zu verdrehen. Ich wusste auch so, was sie dachten. »Zumindest vielleicht«, fügte ich hinzu und war selber überrascht, wie kleinlaut ich dabei klang. Klar, dass die anderen darauf ansprangen.

»Das Basketballspiel? Nie und nimmer.« Mit einem lässigen Wink deutete Jason auf die Schneemassen vor dem Fenster. Mir war klar, dass er recht hatte, dazu musste ich nicht mal rausschauen, und trotzdem ging mir dieser Wink, dieses wegwerfende Abwinken, ziemlich auf die Nerven. Das ist das erste Spiel der Saison, dachte ich, das kann man doch nicht einfach wegwischen wie eine lästige Fliege!

»Kommt schon«, versuchte Jason es noch einmal. »Der Flammenwerfer ist fast fertig. Bald kann ich den Motor noch mal testen.«

»Super«, sagte Pete, »und dann musst du dir nur noch überlegen, wie du es hinkriegst, dass er dabei nicht wieder vom Fahrgestell fliegt. Falls er überhaupt läuft.«

»Mooooooment …« Jason schüttelte den Kopf, als wäre er ernsthaft empört. »Warum so negativ? Nicht falls er läuft. Wenn er läuft.«

»Eher wenn er explodiert«, warf ich ein.

»Na ja.« Jason erlaubte sich ein Lächeln. »Das wäre wenigstens ein cooler Anblick.«

Ich nickte. »Stimmt. Jetzt wo du’s sagst, ich hab eh zu viele Finger.«

Eigentlich war die Sache schon gegessen; im Grunde war uns allen klar, dass Jason gewonnen hatte. Wir konnten ihn nicht erst durch den Kakao ziehen und dann hängen lassen. Fragt mich nicht, warum – wahrscheinlich weil das einen Tick zu gemein gewesen wäre. Es lief also vermutlich darauf hinaus, dass wir nach dem Unterricht bleiben würden, um ihm mit dem Flammenwerfer zu helfen. Doch vorher gab es noch ein paar organisatorische Fragen zu bedenken und damit taten sich ein paar mögliche Fluchtwege auf.

»Ich weiß nicht«, sagte ich. »Wenn wir früher aus haben, fahren später sicher keine Busse mehr.«

»Das ist schon geregelt«, meinte Jason. »Mein Dad holt uns mit dem Pick-up ab. Das Ding hat Allradantrieb, also alles kein Problem. Er arbeitet heute gleich auf der anderen Seite vom Fluss, in Canton, keine drei Kilometer von hier.«

Unsere Highschool lag auf einem riesigen ehemaligen Acker und damit am Arsch der Welt. Das wird später noch ziemlich wichtig, weshalb ich dann noch näher darauf eingehen werde. Im Moment müsst ihr nur wissen, dass es kaum Gründe gab, sich in die Nähe unserer Schule zu verirren. So gesehen waren drei Kilometer wirklich ein Katzensprung.

»Ich hab keine Lust, bis zum Abend hier rumzusitzen«, sagte Pete.

Jason winkte ab. »Die machen spätestens um vier Schluss.«

»Ja, aber …«, meinte ich, obwohl ich den Widerstand eigentlich schon aufgegeben hatte. »Was, wenn der Werkraum zu ist? Holloway wird doch wie alle anderen früher abhauen.«

»Was für eine Frage! Der freut sich doch, wenn einer länger bleibt.« Womit er auch wieder recht hatte. Der alte Holloway war immer begeistert, wenn ein Schüler so etwas wie Interesse an seinem Fach demonstrierte.

»Sperrt einfach ab, wenn ihr fertig seid«, sagte Jason in ziemlich überzeugendem Holloway-Tonfall.

Ich warf einen Blick auf Pete, der nur mit den Schultern zuckte. Jasons schrottiges Möchtegern-Gokart war zwar nicht gerade aufregend, aber Pete und ich hatten auch keine spannenderen Pläne in der Hinterhand. Das Spiel konnte ich vergessen und für Pete war heute bloß ein ganz normaler Dienstag.

»Na gut«, sagte ich schließlich. »Aber warten wir erst mal die Durchsagen ab.«

Wir wussten, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die Durchsagen kamen. Wahrscheinlich würden sie zuerst das Spiel absagen, etwas später dann den Nachmittagsunterricht. Aber noch blieb der Lautsprecher stumm, der über unseren Köpfen im Flur hing, und wir mussten uns sputen, wenn wir es rechtzeitig zur nächsten Stunde schaffen wollten.

3

Die nächste Stunde. Ich glaube, ich kann guten Gewissens behaupten, dass wirklich niemandem nach Geometrie zumute war. Vielleicht nicht mal Mr Peragrino, der sonst allem Anschein nach keinen anderen Sinn im Leben hatte. Trotzdem ließ er uns eine Ex schreiben. Er hatte die Aufgaben schon ausgedruckt und warum sollten wir uns die Wartezeit auf die offiziellen Durchsagen nicht mit einer Ex vertreiben?

Kaum hatten wir die Köpfe über die Blätter gebeugt, meldeten sich die ersten Handys. Aber natürlich nicht mit einem Klingeln, denn in der Tattawa Regional Highschool waren Handys strengstens verboten, und dieses Verbot war durchaus ernst gemeint. Beim ersten Verstoß wurde man verwarnt, danach rückte man auf die »Schulverbotsbrücke« vor. Im Klartext: Beim zweiten Mal gab’s Nachsitzen, beim dritten Mal ein längeres Nachsitzen, beim vierten Mal Schulverbot.

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