Kalter Schlaf - A.J. Cross - E-Book

Kalter Schlaf E-Book

A.J. Cross

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Beschreibung

Kein Opfer ist je vergessen …

In einem einsamen Waldstück in der Nähe der Autobahn werden Knochen einer menschlichen Leiche gefunden – alles deutet darauf hin, dass es sich um die Überreste von Molly James handelt, die vor fünf Jahren spurlos verschwand. Rechtspsychologin Dr. Kate Hanson wird zusammen mit der Unsolved Crime Unit der Birminghamer Polizei auf den Fall angesetzt. Schnell wird klar: Bei den polizeilichen Ermittlungen zum Verschwinden der jungen Frau wurde gepfuscht. Die damals Beteiligten scheinen von der Wiederaufnahme der Ermittlungen alles andere als begeistert, doch dann taucht eine weitere Frauenleiche auf …

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Buch

In einem einsamen Waldstück in der Nähe der Autobahn werden Knochen einer menschlichen Leiche gefunden – alles deutet darauf hin, dass es sich um die Überreste von Molly James handelt, die vor fünf Jahren spurlos verschwand. Rechtspsychologin Dr. Kate Hanson wird zusammen mit der Unsolved Crime Unit der Birminghamer Polizei auf den Fall angesetzt. Schnell wird klar: Bei den polizeilichen Ermittlungen zum Verschwinden der jungen Frau wurde gepfuscht. Die damals Beteiligten scheinen von der Wiederaufnahme der Ermittlungen alles andere als begeistert, doch dann taucht eine weitere Frauenleiche auf …

Kate ahnt: Sie hat es mit einem Wiederholungstäter zu tun. Und der hat dazugelernt: Er passt sich den neuen Ermittlungsmöglichkeiten an, und er wird brutaler …

Autorin

A. J. Cross ist forensische Psychologin und häufig als Gutachterin vor Gericht tätig. Sie studierte und promovierte an der Universität in Birmingham. In ihrer Eigenschaft als forensische Psychologin arbeitete sie in ihrer Heimatstadt u. a. mit Bewährungshelfern der Abteilung für Sexualstraftäter zusammen. A. J. Cross lebt mit ihrem Ehemann in den West Midlands, England. Kalter Schlaf ist ihr erster Roman.

A. J. Cross

Kalter Schlaf

Roman

Deutsch von Wulf Bergner

Die Originalausgabe erschien 2013 unter dem Titel »Gone in Seconds«

bei Orion Books, London.

1. Auflage

Deutsche Erstausgabe Juni 2013 bei

Blanvalet Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Copyright © der Originalausgabe 2012 by A.J. Cross

Published by Arrangement with Anne Mellor

Dieses Werk wurde vermittelt durch die

Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen.

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2013 by

Verlagsgruppe Random House GmbH, München

Umschlaggestaltung: © Johannes Wiebel | punchdesign,

unter Verwendung eines Motivs von

mack2happy/Shutterstock.com

Redaktion: Ilse Wagner

wr · Herstellung: sam

Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach

ISBN: 978-3-641-09487-4

www.blanvalet.de

Kalter Schlaf ist den folgenden, besonderen Menschen gewidmet: Martyn, Kathy, Hope, Evan und Brian, meinem Mann und bestem Freund.

Ein heißer Sommertag in unschuldigen Zeiten, vor vielen Jahren, zwei kleine Mädchen auf einer vertrauten Straße unterwegs; ein Mann radelt an ihnen vorbei, winkt, verschwindet durch ein nahe gelegenes Parktor. Die Mädchen kennen ihn nicht. Sie denken an Eiscreme. Wenige Minuten später folgen sie mit Eiswaffeln in der Hand seiner Route in den Park. Lachend. Das Eis schleckend.

Der Mann ist dort, lehnt am Rand eines dichten kleinen Wäldchens an seinem Fahrrad, beobachtend, wartend. Er kennt sich mit kleinen Mädchen aus, identifiziert rasch die herrische und verwirft sie intuitiv zugunsten ihrer kleineren Freundin. Er mustert sie, betrachtet ihr lockiges Haar, das kurzärmlige T-Shirt, das rundliche gebräunte Arme sehen lässt, den kurzen gestreiften Rock, den der leichte Wind hochhebt, sodass ein rosa Slip sichtbar wird, als sie mit ihrer Freundin umhertollt.

Ein einziger halblauter Ruf des Mannes genügt, damit sie zu ihm kommt, während seine Hand die rhythmische Bewegung verstärkt. Er blickt ihr in die Augen und sieht, dass sie von seiner Bewegung wie hypnotisiert ist. Dann greift er in ihr üppiges Haar, als sie zurückweicht, wobei ihre Lippen ein stummes »O« bilden. Er stößt einen kehligen Laut aus, und die Locken gleiten aus seinen feuchten Fingern.

Die Zeiten ändern sich. Aber die Menschen nicht. Es gibt immer irgendein Raubtier auf der Suche nach Beute. Eine junge Frau, deren blondes Haar von einem Haarreif zusammengehalten wird und die eine herzförmige Handtasche und die Briefe ihres Vaters trägt, verlässt ihr Haus und verschwindet.

Vier Jahre später schlendert eine weitere junge Frau durch eine Einkaufspassage, lacht mit Freunden. Auch sie verschwindet spurlos, und die Welt dreht sich weiter.

Die Jahre vergehen, der Täter passt sich seiner Umgebung an, aber die junge Frau mit dem Haarreif hat ein winziges Vermächtnis hinterlassen, das in einer Ritze eines Betonbodens auf jemanden wartet, der genug Interesse hat, um hinzusehen.

1

Dr. Kate Hanson kam fast lautlos durch den von einem Vorhang verdeckten Seiteneingang des Hörsaals herein. Der einzige Mensch, den sie hier zu sehen erwartete, war bereits da: Julian Devenish, ihr hagerer hochbegabter studentischer Assistent, der in einem Regiestuhl saß und mit gerunzelter Stirn über einem Skript brütete. Er stand auf, als sie hereinkam.

»Hi, Kate … Dr. Hanson. Ich habe alles vorbereitet«, sagte er und zählte die einzelnen Punkte an den Fingern ab. »Der Soundcheck ist durchgeführt, ich habe die Beleuchtung so angepasst, wie Sie’s wollten, und die PowerPoint-Präsentation ist im Standby. Fotokopien der Vorlesungsunterlagen liegen auf dem Tisch am Ausgang, zum Mitnehmen bereit. Sollte irgendwas schiefgehen – was nicht passieren wird –, bringe ich’s in Ordnung. Wenn Sie anfangen wollen, brauchen Sie nur leicht aufs Mikro zu klopfen …«

Kate sah lächelnd in das ernste Gesicht des großen, langhaarigen Studenten auf, nickte und sagte ruhig: »Danke, Julian. Ich weiß Ihre Hilfe wirklich zu schätzen. Aber bitte lesen Sie weiter. Ich bin sicher, dass alles perfekt klappen wird.«

Sie blieb, an einen Tisch gelehnt, stehen und sah auf ihre Armbanduhr – 13:55 Uhr, Mittwochnachmittag. Sie konnte hören, wie der Saal sich füllte und das Stimmengewirr lauter wurde. In weiteren fünf Minuten würde sie mit ihrer ersten Vorlesung dieses Studienjahrs beginnen. Sie schloss die Augen, atmete mehrmals tief durch und öffnete sie wieder.

Julian hielt ihr einen Zettel mit einer kurzen Mitteilung hin. Kate beugte sich nach vorn, um sie entgegenzunehmen, und warf einen Blick darauf, während sie in ihrer Umhängetasche nach ihrem Handy wühlte. Nach einem Blick aufs Display runzelte sie die Stirn. Kein Hinweis auf den Anruf, den sie erwartet hatte. Sie konzentrierte sich wieder ganz auf die Mitteilung. Bitte sofort DS Watts, Rose Road, anrufen. Sie scrollte zu seiner gespeicherten Nummer weiter, wählte und wartete. Keine Antwort. Heute schien niemand mit ihr reden zu wollen. Nochmals ein Blick auf ihre Uhr. Noch eine Minute.

Kate richtete sich auf, strich ihren schmal geschnittenen Rock von Armani über den Hüften glatt und überzeugte sich, dass die Kostümjacke richtig saß. Sie registrierte, dass Julian ihr aufmunternd zunickte, warf ihre üppige rotbraune Mähne mit einer Kopfbewegung nach hinten, zupfte ein letztes Mal an ihrer Jacke und trat, unter erwartungsvollem Schweigen und von hundertfünfzig Augenpaaren genau beobachtet, aufs Podium.

Sie drückte eine Taste des bereitstehenden Laptops, dann wandte sie sich den Reihen junger Gesichter zu. Ein paar erkannte sie aus Bewerbungsgesprächen mit Studienanfängern wieder. Einige wenige kannte sie gut, darunter einen Überraschungsgast, der in einer der letzten Reihen des kühlen Hörsaals saß: blond, in einem makellosen weißen Oberhemd, das das Tageslicht reflektierte. Sie schickte ein kleines Lächeln in seine Richtung, aber er reagierte nicht darauf. Zu weit weg.

»Willkommen zu meiner Einführungsvorlesung zu Kriminologie, Modul eins, ›Psychologie, Verbrechen und Strafrecht‹. Wer sich nur hierher verirrt hat oder kein Interesse an diesem Thema hat, sollte jetzt vielleicht lieber gehen.« Sie wartete. Einige Studenten sahen sich um, aber niemand stand auf. »Gut«, sagte sie zufrieden, »ein aufmerksames Publikum. Also los!«

Ein weiterer Tastendruck füllte den Großbildschirm mit Porträtfotos. Ausschließlich Frauen, ungefähr zwei Drittel Weiße, manche mit altmodischen Frisuren, jung, lächelnd und arglos. Andere mit etwas älteren Gesichtern. Im Hörsaal ertönte leises Gemurmel.

Kate sah auf den Bildschirm, dann wieder in den Hörsaal und sprach mit ruhiger Autorität weiter. »Eine umfangreiche Bildergalerie, nicht wahr?« Sie benutzte ihren Laserpointer. »Zwischen diesen acht Frauen besteht ein Zusammenhang. Diese sieben hier bilden eine weitere Gruppe … genau wie diese vierzehn.«

Die Studenten betrachteten die Fotos. Kate beobachtete sie aus dem Augenwinkel heraus. »Ich vermute, dass die meisten von Ihnen diese Gesichter nicht kennen, aber ich hoffe, dass sie mit ein Grund dafür sind, dass Sie Kriminologie studieren und zu Ihrem Beruf machen wollen. Meiner Ansicht nach ist das dringend notwendig.«

Kate trat langsam an den Rand des Podiums, wo sie ihren schweigenden Zuhörern näher war, und senkte die Stimme, um den ersten Hauptpunkt ihrer Vorlesung zu unterstreichen. »Neunundzwanzig Frauen. Die meisten jung. Aus England, Italien, Deutschland, den USA, Kanada, Australien. Ohne geografische Grenzen. Ich hätte Ihnen noch viele, viele weitere zeigen können.« Einige Sekunden Pause. »Sie und diese neunundzwanzig jungen Frauen warten. Sie warten darauf, dass wir Kriminologen ihnen etwas geben.«

Weil sie wusste, dass die Studenten an ihren Lippen hingen, ging Kate zu dem Laptop zurück. »Diese jungen Frauen sind deshalb zu Opfern geworden, weil ihre Wege sich zufällig mit Männern« – nochmals ein Tastendruck – »wie diesen gekreuzt haben.«

Auf dem Großbildschirm erschien eine Reihe von Männergesichtern. Viele der Studenten holten erschrocken Luft, dann folgte allgemeines Gemurmel.

»Sie werden bestimmt nicht alle erkennen, aber ich gehe jede Wette darauf ein, dass es in diesem Hörsaal niemanden gibt, der nicht mindestens fünf der Abgebildeten benennen kann.« Sie wartete.

Schweigen.

»Ich hätte gewonnen«, sagte sie ruhig. »Merkwürdig, nicht wahr, dass wir Personen, die grausame Verbrechen verüben, besser kennen als ihre bedauernswerten Opfer?« Sie nickte, als sie auf vielen Gesichtern ein verlegenes kleines Lächeln sah. Kate richtete den Laserpointer auf die Brustbilder. »Alle diese Männer sind oder waren Raubtiere. Leben sie noch und fänden erneut Gelegenheit, würden sie weitere Gewalttaten wie die verüben, deretwegen sie hinter Gitter gewandert sind.«

Sie sah zu den Fotos hoch, dann konzentrierte sie sich wieder auf ihre Studenten. »Wir brauchen uns keine Vorwürfe zu machen, wenn das Gesicht des Täters eher Erkennen auslöst und unser Interesse weckt als das seines Opfers. Zu großen Teilen dafür verantwortlich sind die Medien. In allen ihren Formen.«

Kate schwieg einige Sekunden lang. »Bevor Sie Ihr Studium bei mir aufnehmen, möchte ich Ihnen einen Rat geben. Er lautet folgendermaßen: Vergessen Sie die erfundenen Verbrechen und die Krimis, die das Fernsehen oder Hollywood Ihnen gezeigt haben. Vergessen Sie vor allem die weit verbreitete Theorie, dass die Aktivitäten eines Mörders auf einen bestimmten Opfertyp fixiert sind, von dem der Täter später niemals mehr abweicht.«

Eine weitere Pause.

»Natürlich haben Sexualstraftäter ihre Vorlieben, aber sie sind weit davon entfernt, sich gegenüber all ihren Opfern stereotypisch gleich zu verhalten. Dass sie das angeblich immer tun, ist in den letzten zwei Jahrzehnten leider zu einer vorherrschenden Überzeugung geworden, weil es spannende Bücher, Fernsehkrimis und Filme ermöglicht. Aber das ist auch schon alles. Wir müssen uns davor hüten, auf der Grundlage unzuverlässiger Theorien allzu bequeme Schlüsse zu ziehen.«

Ihr Blick glitt über ihre Zuhörer. »Straftäter sind keineswegs so festgefahren, wie man vielleicht glauben würde.« Kate trat einige Schritte auf ihre Studenten zu. »Warum nicht?« Sie senkte die Stimme. »Weil die Fantasien dieser Männer sich verändern. Und weil sie sich wie wir alle anpassen. Sie lernen«, fügte sie noch leiser hinzu. »Und genau das wird in den kommenden Wochen auch hier passieren, hoffe ich.«

Der Glockenschlag vom Chamberlain Tower hallte über den üppig grünen, für Ende September ungewöhnlich heißen Campus und in den Hörsaal. Keiner der Studenten bewegte sich.

»Ich habe gesagt, dass die jungen Frauen, deren Fotos ich Ihnen vorhin gezeigt habe, etwas erwarten. Von Ihnen und von mir. Aber worauf warten sie?«

Sie hörte mehrere Antworten, die aus einem einzigen Wort bestanden, und nickte dankbar. »Richtig. Und wenn Sie später als Kriminalisten arbeiten, wird es weitere Opfer geben. Dann müssen Sie unvoreingenommen arbeiten und verlässliche Theorien anwenden, um ihnen die Gerechtigkeit zu verschaffen, auf die sie warten.«

Kate musterte ihre Zuhörerschaft erneut, bevor sie den nächsten Hauptpunkt betonte. »Diese Männer hören niemals auf«, sagte sie ruhig. »Weil ihr Verhalten von tiefen psychologischen Bedürfnissen gesteuert wird. Dass sie eine Zeit lang pausieren, ist nicht ungewöhnlich. Vielleicht ein Jahr, vielleicht länger.« Sie schwieg kurz. »Aber verlassen Sie sich darauf: Irgendwann machen sie weiter.«

Im Hörsaal herrschte Schweigen, dann wurde zögernd eine Hand gehoben.

»Ja?«, fragte Kate.

»Weshalb? Warum … pausieren sie?«

Kate lächelte der ratlosen Studentin zu. »Für eine angehende Kriminologin gehört ›warum‹ zu den stärksten Wörtern überhaupt.«

Sie kehrte an den vorderen Rand des Podiums zurück. »Weshalb legen sie Pausen ein? Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass Pausen auftreten können, wenn im Leben von Wiederholungstätern irgendein Wechsel zum Besseren eintritt. Wenn sich etwas Neues ereignet, das sie mit Zufriedenheit erfüllt und ihre zwanghafte Mordlust dämpft. Vielleicht ein neuer Job oder eine neue Beziehung, die lohnend genug ist, um die Täter von verbrecherischen Gedanken und Verhalten abzulenken.« Die Studenten beobachteten, wie Kate vor ihnen auf und ab ging und ihre Worte mit nachdrücklichen Handbewegungen unterstrich. »Aber irgendwann kommt unweigerlich der Augenblick, an dem die neue Befriedigung nicht mehr stärker als der Drang einer erregten Fantasie und der Nervenkitzel einer Wiederholungstat ist. Sobald der Täter eine ›Auszeit‹ genommen hat, kehrt er zurück.«

Kate lächelte schwach und richtete den Laserpointer wieder auf die Fotos auf dem Großbildschirm, ohne die jungen Leute vor ihr aus den Augen zu lassen. »Eine letzte Ermahnung, die vor allem den Frauen unter Ihnen gilt. Sehen Sie sich diese Bilder gut an. Durchschnittsmänner? Einige sogar recht attraktiv?«

Ein Grinsen auf vielen Gesichtern.

Im nächsten Augenblick wurde Kate wieder ernst. »Für manche der jungen Frauen, die ich Ihnen gezeigt habe, könnte eines dieser Gesichter das Letzte gewesen sein, was sie in ihrem Leben gesehen haben. Einer dieser Männer kann ein personifizierter Albtraum gewesen sein. Einen Mann dieser Art dürfen Sie niemals unterschätzen. Er ist nicht nur ein Schauspieler.« Sie machte eine Pause. »Im Theater der Serienmorde ist er der Regisseur.«

Die Worte schienen in der stillen Luft des Hörsaals zu hängen.

Kate stellte sich vor, dass vermutlich einige ihrer Studentinnen den realen Sexualstraftäter in der Beschreibung, die sie geben würde, wiedererkennen würde. »Sollte es Ihnen also passieren, dass der nett aussehende Mann mit einem Arm in der Schlinge Ihnen eine Ladung Bücher vor die Füße kippt und Sie bittet, ihm zu helfen, sie in seinen Mini zu laden, erklären Sie ihm bitte: ›Sorry, ich würde Ihnen gern helfen, aber ich kenne Sie leider überhaupt nicht.‹«

Nach den letzten Worten flammten im Hörsaal die Deckenleuchten auf, und als die Spannung sich löste, brachen ihre Studenten in spontanen Beifall aus. Sie lächelte, dann winkte sie knapp, überquerte rasch das Podium und verschwand durch die Tür.

2

Kate spürte, dass ihr Puls beschleunigt war, als sie bei Stimmengewirr und dem Lärm der hochschnellenden Klappsitze ihre Unterlagen zusammensuchte. Keine ungewöhnliche Erfahrung, das wusste sie, nach den langen Semesterferien.

Julian trabte in abgeschnittenen Jeans an ihr vorbei, um die Geräte vom Podium zu holen. Grateful stand vorn auf seinem schwarzen T-Shirt, Dead auf dem Rücken. Als er mit dem Laptop und dem Laserpointer zurückkam, bedachte Kate ihn mit einem warmen Lächeln.

»Danke, dass Sie heute hier waren, Julian. So kann ich mich auf meinen Vortrag konzentrieren, ohne ständig an die Technik denken und Angst haben zu müssen, ich könnte Fehler machen.«

»Null Problemo, Kate.«

Kate, die keinen großen Wert auf ihren Titel legte oder übertriebenen Respekt forderte, gestattete Julian außerhalb von Vorlesungen diese informelle Anrede – vor allem auch, weil er bei ihrer gelegentlichen Arbeit für die West Midlands Police ihr jüngerer Kollege war.

Julian winkte ihr zu, als er merkte, dass sie gehen wollte.

»Wir sehen uns beim nächsten Kolloquium.«

»Worauf Sie sich verlassen können.«

Kate verließ den Hörsaal und trat in die Nachmittagshitze hinaus. Sie schritt zielbewusst aus, folgte dem heißen Asphaltweg zwischen braun vertrockneten Rasenflächen und unter bewegungslosen Campusbäumen, die noch ihr Sommerlaub trugen, das sich bei manchen schon bunt zu verfärben begann und bald abfallen würde.

Ein gutes Stück vor ihr ging eine sportliche Gestalt in Jeans und weißem Oberhemd und mit einem Matchsack über einer Schulter. Der Überraschungsgast in ihrer heutigen Vorlesung. Sie hastete hinter ihm her. »Harry! Hey, Harry, warte!«

Keine Reaktion. Sie versuchte es erneut, diesmal lauter. Er blieb stehen, zog Ohrhörer heraus und drehte sich mit abweisend missmutiger Miene um, während auf beiden Seiten Studenten an ihm vorbeiströmten. Kate erinnerte sich an Harrys Vorliebe für Mahler und Wagner. Diese beiden konnten jeden trübselig werden lassen.

Sobald Harry sie erkannte, hellte sich seine Miene auf, und er grinste breit, als sie rasch die letzten Meter zwischen ihnen zurücklegte. Als Kate ihn erreicht hatte, spürte sie, dass ihr winzige Schweißperlen auf der Stirn standen; sie schob ihre Sonnenbrille etwas höher und nahm den Aktenkoffer in die andere Hand.

»Hatte nicht erwartet, heute Morgen dich in meiner Vorlesung zu sehen.«

Harry Creed leitete das forensische Spurensicherungsteam in der Zentrale der West Midlands Police, die Eingeweihte wegen ihrer Adresse als Rose Road kannten. In den letzten eineinhalb Jahren hatte Kate als Beraterin des dortigen Departments für ungelöste Fälle gelegentlich Kontakt mit Harry und seinen Kollegen gehabt. Sie fühlte sich ihm zu Dank verpflichtet, weil er Julian im vorigen Semester gestattet hatte, die Spusi zu begleiten, was dem Studenten ein zusätzliches Modul für sein Studium eingebracht hatte. Außerdem fand sie den Anfangsvierziger Harry sympathisch.

»Hi, Kate. Ich wollte mir bloß mal ansehen, wie die wenigen Glücklichen unter uns ihre Tage in Akademia verbringen.«

Sie lächelte, weil sie wusste, dass Harry, der Kriminologie studiert hatte, gern in Teilzeit Dozent in der pychologischen Fakultät der Universität geworden wäre.

»Also, was denkst du? Hat dir gefallen, was du gesehen hast?«

Er nickte begeistert. »Absolut. Ich kann mir gut vorstellen, ein Teil davon zu sein. Die Studenten sind eifrig bei der Sache, und in der Vorlesung ist man Herr seines eigenen Universums – oder in deinem Fall die ›Herrin‹.«

Kate lachte, als sie nebeneinander weitergingen. »Nun ja … manchmal.«

Nach einigen Schritten sah sie zu Harry. »Was hat Professor Bennett gesagt, als du bei ihm warst?« Hier an der Universität Birmingham war Aiden Bennett Professor für Kriminologische Psychologie, und Kate hatte sich bereit erklärt, ihm von Harrys Interesse an einer akademischen Position zu erzählen. Das hatte sie gern getan, weil sie wusste, wie gut Harry mit Studenten umgehen konnte, was seine Interaktion mit Julian gezeigt hatte. Ihres Wissens hatte Harry einen Termin mit Professor Bennett vereinbart, um mit ihm zu besprechen, ob er als ersten Schritt gelegentlich einen – unbezahlten – Vortrag über seine forensische Arbeit halten könnte.

»Ich war noch nicht bei ihm.«

»Ich dachte, ihr hättet einen Termin vereinbart?«, fragte Kate überrascht.

Harry schüttelte den Kopf. »Nein. Aber das tue ich demnächst. Unbedingt. Ich möchte gut vorbereitet sein, wenn ich mit ihm spreche. Er soll merken, wie viel mir daran liegt, junge Menschen auszubilden …«

»Willst du nicht mal ganz zwanglos mit ihm reden? Um zu sehen, wie die Dinge stehen?«, fragte Kate.

»Ich möchte Bennett mein Engagement und meine Stärken so nachdrücklich wie möglich schildern …« Kate betrachtete ihn forschend; er wirkte unübersehbar eifrig, aber sein Tonfall ließ vermuten, dass es irgendein Problem gab. »Aber ich habe im Augenblick ziemlich viel um die Ohren. Donalds Zukunft ist ungewiss. Er hat nur einen Zeitvertrag, und wenn jetzt Kürzungen kommen, muss er sich vielleicht einen anderen Job suchen.« Zwischen ihnen entstand eine Pause. Kate wusste, dass Harry einen Lebenspartner hatte. »Und mit der Gesundheit meiner Eltern steht es nicht zum Besten. Ich komme gerade von ein paar Tagen bei ihnen zurück.«

Kate nickte verständnisvoll. Kurz nachdem sie die Arbeit in der Rose Road aufgenommen hatte, war Harry zu dem Department für ungelöste Fälle gestoßen, in dem sie versuchte, sich mit einigen Grundlagen der Polizeiarbeit, die sie für ihre neue Position verstehen musste, vertraut zu machen. Sie hatten sich eine Zeit lang unterhalten. Kate hatte ein bisschen von sich erzählt, und Harry hatte über seine Situation gesprochen – vor allem über die Tatsache, dass seine Eltern seine Beziehung zu Donald billigten und unterstützten.

Sie setzte zu einem mitfühlenden Kommentar an, aber Harrys Miene hatte sich bereits aufgehellt. »Irgendwie kommt alles wieder ins Lot, und ich rufe Professor Bennett bestimmt an und vereinbare einen Termin bei ihm. Ich erzähle dir dann, wie’s mir ergangen ist. Ich bin dir wirklich sehr dankbar dafür, Kate, dass du ein gutes Wort für mich eingelegt hast.«

Kate lächelte. »Ich habe nur deinen Namen erwähnt, aber Aiden hat interessiert gewirkt.«

Sie hatten den kurzen Weg zu dem mehrstöckigen Parkhaus erreicht.

»Bist du mit dem Auto da? Oder soll ich dich mitnehmen?«, fragte Kate, während sie das Erdgeschoss des Parkhauses betraten, in dem sie nur ungern parkte.

Ihr Blick glitt rasch über die mit parkenden Autos voll gestellte Fläche, zwischen denen tiefe Schatten lagen. Ihre Vorsicht war eine Folge ihrer theoretischen Kenntnisse als Dozentin für Forensische Psychologie und ihrer Arbeit als Gerichtsgutachterin bei der Verurteilung oder Entlassung von Straftätern oder Häftlingen. In dieser Rolle hatte sie alle möglichen Fragen zu beantworten, aber das Wesentliche blieb immer gleich: Wie hoch schätzte sie das Risiko ein, dass der Begutachtete in Zukunft noch mal Sexual- und/oder Gewaltverbrechen begehen würde? Durch ihre Arbeit hatte sie Kontakt mit einem Sammelsurium von problematischen Typen, darunter Opportunisten, Neurotiker und Bösartige, und manchmal musste sie ihre Beurteilung vor Gericht verteidigen.

»Ich bin heute zu Fuß unterwegs. Soll ich dich zu deinem Wagen begleiten?«, fragte Harry, der Kates Gesichtsausdruck und ihr kurzes Zögern richtig deutete. Sein ritterliches Angebot kam nicht überraschend, aber sie lehnte es dankend ab.

»Danke, Harry, ich komme allein zurecht.« Um Mitternacht hätte sie sein Angebot vielleicht angenommen, aber an einem sonnigen Nachmittag um halb vier?

Sie winkte Harry zu, als er in Richtung Hauptausfahrt davonging, dann hastete sie in das Parkhaus und auf kürzestem Weg zu ihrem im Halbdunkel geparkten, schwarzen Audi TT. Als sie den kleinen Wagen erreichte, blickte sie sich erneut im Parkgeschoss um. Zu dieser Zeit, Semesteranfang, herrschte auf dem Campus Hochbetrieb. Als sie kurz vor Vorlesungsbeginn eingetroffen war, hatte sie dringend einen Parkplatz gebraucht. Dieser hier war als Einziger frei gewesen.

Kate schaltete die Alarmanlage aus und entriegelte die Türen. Dann bin ich eben paranoid. Aber ich bin am Leben. Sie warf ihre Sachen in den Kofferraum, legte die Kostümjacke darauf, öffnete die Fahrertür und setzte sich ans Steuer. Hier zu parken hatte den Vorteil, dass der Wagen kein Brutofen war, wenn man zurückkam.

Nach einem Blick auf ihre Uhr rief sie das Adressbuch ihres Handys auf und wählte eine Nummer. Das Mobiltelefon klingelte endlos lange. Sie versuchte es stirnrunzelnd nochmals. Diesmal hinterließ sie eine kurze Nachricht. Als ihr die Telefonnotiz einfiel, die Julian ihr zuvor gegeben hatte, tippte sie diese Nummer ein. Auch damit hatte sie kein Glück. Sie ließ das Handy seufzend ins Kleingeldfach fallen, drehte den Zündschlüssel nach rechts und schaltete die Klimaanlage an. Als sie mit dem Audi das Parkhaus verließ, um zum Haupttor des Campus zu fahren, begutachtete sie das große Klinkergebäude gegenüber. Eine nach König Eduard VI. benannte Highschool für Mädchen. Dort drüben hatte sie vorhin angerufen. Sie trommelte kurz mit den Fingern aufs Lenkrad, dann überquerte sie die Straße und folgte der geschwungenen Einfahrt zu dem weit offenen, zweiflügligen Portal des Schulgebäudes, wobei sie die Schülerinnen begutachtete, die einzeln oder in kleinen Gruppen an ihr vorbeischlenderten.

Kate hielt an und spähte durch das Portal – darüber das Schulmotto »Die Wahrheit soll euch erlösen« – in die holzgetäfelte Eingangshalle mit dem kühlen Marmorboden. Verlassen. Alle längst fort. Nach einem weiteren Blick auf ihre Uhr fuhr sie zur Straße zurück und ordnete sich wieder in den Nachmittagsverkehr ein.

3

Mutter und Tochter trugen die Machtprobe in der großen quadratischen Küche aus, in der es allmählich kühler wurde, seit die deckenhohen Terrassentüren zu dem weitläufigen Garten hin geöffnet waren. Kate, die eine dunkelgrüne Militärhose und ein kohlegraues T-Shirt von agnès b. trug, packte ihre Einkäufe aus und lief auf dem hellen Fliesenboden hin und her, um Packungen, Dosen und Gläser in verschiedene Kirschbaumschränke zu verteilen, während sie redete.

»Wir haben vereinbart, dass du mich vormittags oder nach der Mittagspause anrufst, damit ich weiß, wann ich dich abholen kann. Du hast nicht angerufen«, stellte sie gereizt fest und schloss eine der Schranktüren energisch, um das Gesagte zu unterstreichen.

Seit ihrem zehnten Geburtstag hatte Maisie ihrer Mutter ständig zugesetzt, ein Handy haben zu dürfen, aber Kate hatte diesem Druck ungefähr eineinhalb Jahre lang widerstanden. Seit damals erwartete sie, Maisie werde verlangen, sich bei Facebook anmelden zu dürfen. Überraschenderweise war dieser Wunsch bisher nicht geäußert worden. Sollte er eines Tages kommen, wollte Kate darauf bestehen, dass es kein Facebook gab, bevor Maisie durch die Benutzung ihres Handys bewiesen hatte, dass sie vertrauenswürdig und zuverlässig war.

Hinter ihren Augen begann ein dumpfer Schmerz zu pochen. Führe keinen Krieg, bevor er ausgebrochen ist. Sie öffnete die zweiflügelige Tür des hohen Gefrierschranks, legte Tiefkühlpackungen hinein, nahm andere heraus und schloss die Türen mit einem Fuß und einem Ellbogen.

Maisie, die, an dem großen blank gescheuerten Holztisch sitzend, den Kopf in eine Hand stützte, funkelte Kate an und verdrehte ihre großen blauen Augen. Ihr herzförmiges Gesicht trug einen trotzigen Ausdruck, der gebräunte Teint unter der lockigen Haarmähne war gerötet.

»Weil ich wusste, dass du heute Vormittag mit Erstsemestern beschäftigt warst, sodass ein Anruf zwecklos gewesen wäre! Was ist überhaupt dagegen einzuwenden, den Bus zu nehmen?« Maisie stand auf und schlenderte zu der Keksdose auf einer der Arbeitsplatten aus schwarzem Granit hinüber.

Auf diese Frage hatte Kate noch keine Antwort parat, deshalb ignorierte sie sie, weil sie davor zurückschreckte, Maisie gegenüber ihre eigenen Ängste in Bezug auf persönliche Sicherheit zu bekennen. »Du weißt genau, dass du eine Nachricht hinterlassen sollst, wenn ich mich mal nicht melde. Du und ich müssen uns auf Grundregeln für dein Verhalten außer Haus einigen, Maisie, die unbedingt zu beachten sind, damit …«

Plötzlich hallte lautes Klopfen an der massiven Haustür aus Eichenholz durch die geräumige Diele und drang bis in die Küche. »Wer ist das?«

»Woher soll ich das wissen?«, maulte Maisie, ließ sich wieder auf ihren Stuhl fallen und knabberte an einem Keks.

Kate hörte den Staubsauger im ersten Stock verstummen, dann kamen schwere Schritte die Treppe herunter. Noch immer wütend auf Maisie, nutzte sie die Gelegenheit, der angespannten Atmosphäre in der Küche zu entkommen, und ging in die Diele hinaus, in der ihre Haushälterin Phyllis zur Tür unterwegs war. Kate ging langsamer und beobachtete, wie Phyllis sich bewegte: eine Galeone unter vollen Segeln, ihr Busen ein imposantes Bollwerk, das Haar eine Mischung aus Wasserstoffblond und Grau. Als Kate vor vielen Jahren einen untreuen Ehemann gehabt hatte und Maisie noch ein rotwangiges dickes Baby gewesen war, hatte Phyllis angefangen, bei ihr zu arbeiten. Die beiden Frauen verstanden sich gut. Phyllis hatte die Tür erreicht und riss sie auf.

Unter dem Vordach stand in weißen Hemdsärmeln, umgehängtem Jackett und mit vor der breiten Brust verschränkten Armen ein Mann, der Ende fünfzig, Anfang sechzig sein musste. Das grau melierte Haar klebte in der Hitze an seinem Kopf, das Gesicht war gerötet, den scharfen Augen unter buschigen Brauen entging nichts, als er jetzt grinste, wobei zwischen den oberen Schneidezähnen eine kleine Lücke sichtbar wurde, die seine Erscheinung noch etwas zwielichtiger wirken ließ.

»Tag, Kindchen, ist deine Mami zu Hause?«

Als Phyllis sich angewidert abwandte, war aus der Küche ein Kichern zu hören.

Kate nickte dem Besucher zu. »Oh, du bist’s. Komm rein.« Sie machte kehrt und ging in die Küche zurück. »Alles klar, Phyllis.«

»Auch dir einen schönen Tag«, antwortete Detective Sergeant Bernard Watts von der West Midlands Police und folgte ihr hinein.

Bernie Watts und Kate hatten sich vor ungefähr eineinhalb Jahren kennengelernt, als es bei der West Midlands Police erste Überlegungen gegeben hatte, ein Department für ungelöste Fälle ins Leben zu rufen, das »kalte« Sexualdelikte und Morde erneut aufrollen sollte. Ihre Arbeitsbeziehung zu Watts und den anderen Kollegen in der Kommission für ungelöste Fälle, KUF genannt, hatte sich kameradschaftlich entwickelt – trotz ihres anfänglichen Misstrauens wegen der schroffen, oft sarkastischen Art des Sergeant, seines breiten Birminghamer Dialekts und seiner historischen und lokalen Anspielungen, die sie nicht immer sofort verstand. Auch schwarzer Humor und Neckereien hatten zu ihrer Einführung in den Dienstalltag der Polizei gehört. Beides erkannte sie mittlerweile als notwendige Bewältigungsmechanismen.

Als Kate in die Küche zurückkam, sah sie Maisie mit berechnendem Gesichtsausdruck auf dem Küchentisch sitzen. Sie warf ihrer Tochter einen warnenden Blick zu, dann trat sie an eine der Arbeitsflächen, um ihr ein Sandwich zu machen, wobei sie über die Schulter weitersprach.

»Wir sind mit dieser Diskussion noch nicht fertig, Maisie, aber die hat Zeit bis später.« Ihre Tochter reagierte mit einem theatralischen Seufzen.

Ihr Besucher setzte sich an den Küchentisch, grinste Maisie an. »Was hast du angestellt, Baby?«

Maisie zog eine Schnute. »Nichts! Das ist es ja gerade! Ich darf überhaupt nichts, jeder Schritt, den ich mache, wird hinterfragt. Wer? Wann? Was? Warum? Wo?« Sie seufzte nochmals. »Ich habe keinerlei Privatleben«, schloss sie, indem sie ihre Mutter unter langen Wimpern hervor beobachtete.

Kate drehte sich mit dem Buttermesser in der Hand müde um, obwohl sie wusste, dass es besser gewesen wäre, diesen Disput zu beenden. »Maisie, du bist zu jung, um ein ›Privatleben‹ zu haben. Du bist erst zwölf Jahre alt, und solange …«

»Tatsächlich werde ich in achtzehneinhalb Wochen dreizehn Jahre alt, Mutter.«

»… du noch so jung bist und ich für dich verantwortlich bin, müssen wir uns auf Grundregeln einigen. Ich muss wissen, wo du dich aufhältst, wenn du nicht hier im Haus bist.«

Maisie sprang mit finsterer Miene vom Tisch herab und lief, Unverständliches vor sich hin murmelnd, aus der Küche.

»Was hat sie gesagt?«, fragte Kate, während sie ihrer in Richtung Treppe verschwindenden Tochter nachsah. »Und diese Shorts sind zu … kurz!«

Einige Sekunden lang herrschte Stille, dann wurde oben eine Tür zugeknallt. Kate seufzte und stellte den Sandwichteller auf den Küchentisch.

»Irgendwas wie ›Kein Wunder, dass Dad abgehauen ist‹«, antwortete Bernie hilfsbereit. Während Kate einen großen Getränkekarton mit fettarmer Milch aus dem Kühlschrank nahm, schnappte er sich eine Hälfte des von Maisie verschmähten Sandwichs. »Darf ich dir ’nen Rat geben, Doc? Vergiss es. Das Leben ist ohnehin schwer genug.«

»Etwas Kaffee dazu?«, fragte Kate. »Das Dumme ist nur, dass sie sich darauf versteht, mich zur Weißglut zu bringen. Ich weiß, dass sie in einem Alter ist, in dem man sich einbildet, alle Entscheidungen selbst treffen zu können. Aber das kann sie offenbar nicht. Deshalb führen wir ständig dieses Theater auf. Ich lege Regeln und Richtlinien fest, sie ignoriert sie oder widerspricht mir, ich lasse mich von ihr provozieren … ein endloser Rundlauf. Im Vergleich zu dem Stress, den ich hier habe, ist mein Arbeitsleben – ja, ich weiß. Ich hab’s vergessen. Siehst du?« Sie setzte ein künstliches Lächeln auf, das gleichmäßige weiße Zähne sehen ließ, und stellte den Tetrapak auf den Tisch.

»Gibt’s in diesem Haus auch anständige Milch?«

Kate massierte sich die Schläfen. »Fang bloß nicht auch noch damit an. Wieso bist du überhaupt hier? Ich habe deine Nachricht bekommen und dich angerufen. Zweimal. Aber du warst nicht da.«

Bernie wischte seine dicken Finger mit Küchenpapier ab und griff in sein Jackett, während Kate sich an der Kaffeemaschine zu schaffen machte. »Möglicherweise hat die KUF einen weiteren kalten Fall zu bearbeiten. An der Umgehungsstraße bei Halesowen sind menschliche Überreste entdeckt worden. Wir haben vermutlich schon einen Namen, so unglaublich das klingen mag. Hier, sieh dir das an.«

Er holte einen flachen braunen Umschlag aus der Tasche und warf ihn auf den Tisch. Kate griff danach, sah hinein und zog ein einzelnes Farbfoto im Format dreizehn mal achtzehn heraus.

»Wer ist sie?«

Bernie beugte sich nach vorn, tippte mit dem Zeigefinger auf das Foto. Kate las den Namen von dem Goldkettchen um den Hals der jungen Frau ab. »›Molly‹.«

»Wenn sie’s ist, heißt sie mit vollem Namen Molly Elizabeth James. Achtzehn. Im Jahr 2002 aus dem Einkaufszentrum Touchwood verschwunden.« Er machte eine kurze Pause, um noch einmal abzubeißen. »Du weißt, dass Joe wieder da ist?«

Kate nahm sich die zweite Hälfte des Sandwichs, konzentrierte sich ganz darauf. »Ja, das habe ich gehört«, sagte sie leichthin.

»Er trifft sich in ungefähr zehn Minuten hier mit mir«, sagte Bernie.

Kates Herz machte einen kleinen Sprung.

»Wir wollen rausfahren und uns den Auffindungsort ansehen«, berichtete der Sergeant. »Connie ist seit dem frühen Morgen draußen.« Kate fiel auf, dass Bernie sich bei der Erwähnung der attraktiven Pathologin aus der Rose Road unwillkürlich mit einer Hand übers Haar fuhr. Sie stellte ihm einen Kaffee hin, goss sich selbst eine Tasse ein und setzte sich ihm am Tisch gegenüber.

»Wie steht’s damit, Doc? Vielleicht wäre es gut, wenn du mitkämst. Willst du in meinem Auto mitfahren?« Die buschigen Augenbrauen gingen kurz nach oben.

Kate sah auf ihre Uhr, dann nickte sie. »Ja, gern, auch wenn meine Mutter mich immer vor genau solchen Einladungen gewarnt hat.«

Bernie, der mit dem Sandwich fertig war, sah sich auf dem Küchentisch um. Als Kate aufstand, kam Phyllis mit dem Staubsauger herein. Bernie und sie musterten einander misstrauisch. Sie hatten sozusagen eine gemeinsame Geschichte, denn sie stammten beide aus den Arbeitervierteln Birminghams, die Bernie stets »den alten Bezirk« nannte. Kate wusste nicht genau, wo er lag und ob er nach der gewaltigen städtebaulichen Erneuerung Birminghams in den vergangenen vierzig Jahren überhaupt noch existierte.

Als Phyllis vor vielen Monaten erfahren hatte, dass Kate beruflich mit der Polizei in der Rose Road – und vor allem mit Detective Sergeant Bernard Watts – zu tun haben würde, hatte sie Kate einen kleinen Grundsatzvortrag über die hiesige Arbeiterklasse in den Fünfzigerjahren und Bernies Platz darin gehalten.

»Detective Sergeant? Ha! Seine Mutter hatte sieben Kinder, müssen Sie wissen. Wie die Orgelpfeifen.« Phyllis hatte mit der Hand angedeutet, wie regelmäßig die Kinderschar der Watts’ sich vermehrt hatte. »Sie war ein richtiger Drache. Hat an der Ecke ihrer Straße gestanden und die Namen ihrer Bälger gekreischt – ›Chrissie! Josie! Malky!‹ –, die daraufhin aus allen Richtungen zusammengelaufen sind. Er war der Jüngste. Meine Mutter hat sie ›gewöhnlich‹ genannt.« Nach kurzer Pause hatte Phyllis hinzugefügt: »Wir hatten einen Fernseher. Und ein Auto.«

Jetzt wandte Kate sich an ihre Haushälterin. »Phyllis, ich habe Ihnen doch gesagt, dass Sie mich rufen sollen, damit ich den Staubsauger runtertrage. Möchten Sie einen Kaffee?«

Phyllis drängte sich geschäftig an ihr vorbei. »Später, ich hab noch zu tun. Was will er schon wieder?«, murmelte sie dann.

Bernie setzte einen neutralen Gesichtsausdruck auf. »Der Doc unterstützt die Polizei bei ihren Ermittlungen.« Er sah zu Kate hinüber. »Der Arsch will den Fall bei der morgigen Dienstbesprechung aufs Tapet bringen.« Kate nickte, um zu zeigen, dass sie den Hinweis auf Inspector Roger Furman verstanden hatte und zu der Besprechung kommen würde. Zu Semesterbeginn hatten ihre Vorlesungen noch nicht richtig begonnen. Von Phyllis war ein missbilligender Laut zu hören, vermutlich wegen des Worts »Arsch«, während sie den Staubsauger in seinem Schrank verstaute.

»Sie hat schon genug zu tun, ohne dass Sie ihr noch mehr aufhalsen. Sie muss dieses Mädchen allein aufziehen, sie ist ständig in der Universität und bei Gericht …«

Bernie starrte Kate stirnrunzelnd an. »Hast du dich wieder beim Ladendiebstahl erwischen lassen?«

»Schon in Ordnung, Phyllis. Ich komme gut zurecht.«

Aber Phyllis war jetzt in Fahrt und nicht so leicht zu stoppen.

»Bestimmt nicht brauchen kann sie, dass Sie oder dieser andere hier mit Geschichten von Mord …« Sie senkte die Stimme und sprach die folgenden Worte fast unhörbar leise aus. »… und Sex aufkreuzen. Und wer weiß noch was alles. Sie könnte mal Urlaub brauchen.«

Phyllis wandte sich wieder an Kate. »Hab ich Ihnen schon erzählt, dass Avis gerade aus der Republico Domingo zurückgekommen ist? Sie sagt, dass es dort fantastisch war!«

Kate stellte Bernie ein weiteres Sandwich hin und funkelte ihn warnend an, als Phyllis die Küche verließ.

Er schüttelte grinsend den Kopf. »Sie verdient jedes Pfund, das du ihr zahlst – allein wegen ihres Unterhaltungswerts.«

»Pssst!«, zischte Kate. »Würde Phyllis jemals kündigen, säße ich echt in der Patsche.«

Im nächsten Augenblick wurde nochmals an die Haustür geklopft, dann waren Phyllis’ schwere Schritte, Stimmengemurmel und das leise Knarren der aufgehenden Tür zu hören. Kate vernahm eine volle, tiefe Stimme, die ihr Herz höher schlagen ließ. Sekunden später erschien Phyllis wieder in der Küche.

»Der andere ist da. Der Yankee. Ich habe ihm gesagt, dass er warten muss. Soll ich ihn hereinlassen?«

»Natürlich, Phyllis!«

Kate beugte sich etwas zur Seite, um beobachten zu können, wie der große, breitschultrige Neuankömmling die Diele durchquerte und die Küche betrat. Er trug ein blaues Hemd in der Farbe seiner Augen, Jeans und braune Arbeitsstiefel von Frye. Sein Haar war gewachsen, seit Kate ihn zuletzt gesehen hatte; es war aus seinem gebräunten Gesicht zurückgekämmt, hatte von der Sonne helle Strähnen und war jetzt nackenlang. Und er hatte sich einen Schnauzer in grau meliertem Braun wachsen lassen. Kate fand es eigenartig beunruhigend, welche Veränderungen ungefähr acht Wochen bewirkt hatten. Sie betrachtete ihn und erriet, dass er sich seiner körperlichen Wirkung so wenig bewusst war wie an jenem Tag vor etwas über einem Jahr, an dem er seinen Dienst in der Rose Road angetreten und vielen der Polizeibeamtinnen und weiblichen Zivilangestellten in der Zentrale den Kopf verdreht hatte.

Kate verließ den Tisch, um eine weitere Tasse zu holen.

Joe Corrigan. Kate wusste, dass die hiesige Polizei dankbar zugegriffen hatte, als sich die Möglichkeit bot, diesen erfahrenen Polizeibeamten und Schießausbilder aus Boston, Massachusetts, hierher versetzen zu lassen – und das zu einer Zeit, in der alle britischen Polizeireviere ihre Spezialkräfte wegen erhöhter Terrorgefahr schleunigst besser ausbilden und bewaffnen mussten.

Sie spürte, wie ihre Laune sich besserte, als sie sein sanftes »Hi« hörte, und sah lächelnd zu ihm auf, als er die angebotene Tasse Kaffee entgegennahm. Er bedankte sich mit einem müden Grinsen.

Kaum zwei Minuten später stand Bernie auf und zog seine weit geschnittene Hose hoch. »Kommt, wir müssen los.«

Kate ging mit ihnen in die Diele hinaus, rief nach oben: »Phyllis? Können Sie bleiben, bis ich zurückkomme? Ich bringe Sie dann nach Hause. Ich fahre mit Bernie und Joe.«

Auf eine anscheinend positive Antwort hin wandte sie sich ab, um ihren Kollegen zu folgen. Über ihnen erschien Maisie auf dem Treppenabsatz, lehnte sich ans Geländer und sah ihnen nach, als sie zur Haustür gingen.

Bernie schaute zu ihr hinauf und blinzelte ihr zu. »Du sollst deine Mutter nicht immer ärgern, okay?«

Joe nickte ihr grinsend zu. »Hi, Rotschopf. Wie geht’s mit Mathe?«, fragte er, womit er Maisies außergewöhnliche mathematische Begabung meinte, die in Kate sehr zwiespältige Gefühle hervorrief: Stolz auf ihre Tochter, aber auch Angst, ihr Talent könnte sie in der Klasse isolieren. Bisher war das allerdings noch nicht passiert. Maisie litt nicht unter ihrer Begabung.

Maisie erwiderte sein Grinsen. »Kinderspiel«, sagte sie nüchtern. Dann fiel ihr wieder ein, dass sie eigentlich sauer war; sie verzog das Gesicht, warf den Kopf zurück und sah kurz zu ihrer Mutter hinüber. »Ich will zu Chelsey. Können Sie mich in der Hamilton Avenue absetzen, Bernie?«

Der Sergeant wandte sich an Kate, die kaum merklich nickte. »Kann ich machen. Bist du fertig?«, fragte Bernie.

Maisie kam Sekunden später mit ihrem Rucksack zurück. Kate folgte ihr, als sie das Haus verließ.

»Halb acht, Maisie. Nicht vergessen! Und ich hab dir gesagt, dass du deinen Namen nicht darauf einsticken lassen sollst.« Sie deutete auf den rosa Rucksack. »Es ist unnötig riskant, solche persönlichen Dinge preiszugeben.«

»Sei doch nicht so pingelig. Das ist bloß ein Name«, murmelte Maisie, während eine kleine schwarz-weiße Katze an ihren Knöcheln vorbei durch die offene Tür flitzte.

»Phyllis«, rief Kate in die Diele. »Mugger ist da!«

Sie gingen in der bleiernen Nachmittagshitze die Einfahrt hinunter und stiegen in Bernies Geländewagen. Als sie losfuhren, erkundigte sich Kate, die mit Maisie hinten saß, bei Joe nach seinem Rückflug über den Atlantik.

»Wie war dein Flug?«

Er zuckte mit den Schultern. »Ganz gut, aber diesmal hat der Jetlag mich voll erwischt. Ich kann kaum die Augen offen halten.«

Maisie kicherte. Nach einem Blick zu ihrer Mutter hinüber beugte sie sich nach vorn und sprach direkt mit dem Amerikaner.

»Haben Sie Lust, mal wieder zum Abendessen zu uns zu kommen, Joe? Mom könnte einen Curry machen.« Ihr Tonfall wurde beruhigend. »Keine Sorge, er ist in Ordnung. Sie macht ihn mit einer Fertig…«

»Maisie!«

Wenige Minuten später fuhr Bernie langsamer, als sie sich einer Villa in imitiertem Tudor-Stil hinter einem schwarzen schmiedeeisernen Einfahrtstor näherten. Als er hielt, öffnete Maisie rasch ihre Tür und sprang hinaus.

»Punkt halb acht Uhr, Maisie. Keine Minute später!«

Maisie schüttelte mit offenem Mund den Kopf, wie um »Ja, ja, schon gut« zu sagen, rannte zum Tor und drückte den Klingelknopf der Sprechanlage. Sie sprach kurz hinein, dann glitt eine Torhälfte lautlos zurück und gab den Weg frei. Bernie löste die Handbremse und fuhr wieder an.

»Noch nicht«, wies Kate ihn an.

Er bremste scharf. »Bist du so herrisch auf die Welt gekommen, oder hast du’s erst lernen müssen?«

Kate beobachtete, wie Maisie die Einfahrt entlangrannte und die Haustür erreichte, die fast augenblicklich geöffnet wurde. Eine große, elegante Blondine winkte ihnen zu. Chelseys Mutter.

Als Kate befriedigt nickte, fuhr Bernie wieder an. Wenige Minuten später waren sie auf der mehrspurigen Hagley Road, einer der Hauptverkehrsadern der Stadt, stadtauswärts unterwegs.

4

Als sie auf der Fahrt zum Fundort waren, wurde Kates erwartungsvolle Haltung plötzlich zu nervöser Anspannung, die sie leicht erschauern ließ. In all den Monaten als Angehörige der KUF hatte sie niemals menschliche Überreste zu Gesicht bekommen. War dies die junge Frau, deren Foto Bernie ihr gezeigt hatte? Als könne er Gedanken lesen, suchte Bernie ihren Blick im Rückspiegel.

»Wir haben die Halskette, aber sie braucht nicht zu dieser Toten zu gehören, Doc. Ihre persönlichen Daten sind in der PNC-Datenbank unter ›Vermisste Personen‹ gespeichert, aber du weißt selbst, wie viele Menschen in einem Jahrzehnt verschwinden.«

Kate nickte und sah wieder aus dem Fenster, an dem eine flache Landschaft vorbeizog. Obwohl sie schon vor vielen Jahren aus dem Südosten nach Birmingham gekommen war, staunte sie noch immer darüber, wie rasch man aus der zweitgrößten Großstadt Englands ins Grüne kommen konnte. Sogar von der Stadtmitte aus dauerte das nur wenige Minuten. Theoretisch. In der Praxis musste man eine halbe Stunde für Staus dazurechnen.

Sie schwammen noch einige Zeit im Verkehrsstrom mit, dann brach Joes Stimme in Kates Gedanken ein. »Wir sind fast da.«

Als sie aufsah, waren seine blauen Augen auf sie gerichtet, bevor er wieder nach vorn blickte. Kate beugte sich zwischen ihren Kollegen nach vorn, um zu sehen, worauf Joe zeigte. Ziemlich weit vor ihnen waren Polizeifahrzeuge am Straßenrand geparkt, fast ohne den fließenden Verkehr zu behindern.

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