Katalogbraut Auf Umwegen - Cynthia Woolf - E-Book
Beschreibung

Sie muss sich auf niemanden verlassen. Und sie will keinen Mann haben, der ihr nur erneut das Herz bricht.
 

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Katalogbraut auf Umwegen

Bräute von Seattle

Buch 3

Cynthia Woolf

KATALOGBRAUT AUF UMWEGEN

Katalogbraut auf Umwegen

Copyright 2018 (English version) 2019 (German version) - Cynthia Woolf

Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 978-1-950152-03-2

INHALTSVERZEICHNIS

KATALOGBRAUT AUF UMWEGEN

Copyright

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Epilog

Über Die Autorin

KAPITEL 1

2. August 1865

Gabe Talbot lief draußen vor der Scheune seines ältesten Bruders Jason um seine Pferde herum und spannte die Reittiere in die Kutsche ein. Bis vor kurzem hatten das Haus und die Scheune ebenfalls ihm gehört - aber er war nun achtundzwanzig Jahre alt und hatte beschlossen, dass er sein eigenes Haus brauchte. Er hatte ein kleines Häuschen, das zwischen Jasons Haus, das auf halbem Wege den Bridal Veil Mountain hinauf gebaut, und Seattle, die Stadt, die an der Küste des Puget Sound ganz unten gelegen war, stand. Mit dem Wagen brauchte man nur wenige Minuten, um beides zu erreichen.

Er sah hinüber zu Jason, der vor dem Gespann stand. Die Sonne ließ die goldenen Strähnen in seinem Haar glänzen und sie blond statt braun schimmern. Er streichelte das große schwarze Pferd hinter dem Ohr. Das große Appaloosa-Pferd wäre als nächstes an der Reihe. Sie passten von ihrer Größe und Stärke her gut zusammen, auch, wenn sie sich in der Farbe unterschieden. „Erklär mir bitte noch mal, warum wir diese beiden Frauen nach Seattle bringen.“

„Weil unsere liebe Schwägerin Lucy die beiden sozusagen adoptiert hat.“ Er ging zu dem anmutigen weißen Pferd mit den rotbraunen Flecken auf der Flanke hinüber. „Sie hat gemeint, dass sie ebenfalls von Harvey Long misshandelt worden sind und das, obwohl es sich um seine Mutter und seine Schwester handelt.“

„Woher weiß Lucy das? Guter Gott, Harvey Long hat sie fast umgebracht und das mehrere Male. Das letzte Mal hat er sie sogar fast erschossen.“

„Weil er sie alleine zurückgelassen hatte, als wir damals den Berg aufgekauft haben. Er hatte den Ehemann der Mutter getötet - den Mann, der uns das Land verkauft hat - das Geld des Verkaufs gestohlen und sie sich selbst überlassen.“

Die Sonne brannte vom Himmel und selbst zu dieser frühen Stunde war die Hitze bereits unerträglich und ließ ihm Schweiß den Rücken hinunterrinnen. Selbst seine Kopfhaut unter seinem dunkelblonden Haar fühlte sich verschwitzt an und der Tag hatte gerade erst begonnen. Was er doch nur für eine frische, kalte Brise geben würde. „Wo in Seattle werden sie dann wohnen?“

„In einem der Häuser, die wir für die Holzfäller gebaut haben, wenn sie heiraten werden. Lucy meint, das ist das Mindeste, was wir tun können.“

„Aber wir haben doch nichts falsch gemacht, oder?“

„Nicht direkt, aber wenn du denkst, dass Drew seiner gerade schwanger gewordenen Ehefrau - die sich übrigens immer noch von dieser Schusswunde erholt -erklärt, dass sie diese beiden Frauen nicht unterbringen und ihnen nicht helfen kann, dann bist du verrückt.“

„Lucy ist schwanger? Das ist toll! Wann ist es denn soweit?“

„Erst in ungefähr sechseinhalb Monaten. Sie haben noch genug Zeit, sich vorzubereiten.“

Gabe legte das Geschirr vollständig an, um die Kutsche für Lucy und Drew fertigzumachen. Dann wandte er sich wieder Jason zu. „Komm, wir holen unsere Pferde.“ Sie liefen zurück in die Scheune. „Erwarten du und Rachel euer Kind nicht ungefähr zur selben Zeit?“

Ihre beiden Pferde waren bereits gesattelt. Gabe folgte Jason hinaus in den Hof, wo der Wagen stand.

Jason legte die Zügel über seinen Sattel, während sie warteten und neben dem Wagen standen. „Ja. Die Babys sollten ungefähr zeitgleich geboren werden, was mich freut. Wenn sie älter sind, werden sie miteinander spielen können. Wie sieht es bei dir aus? In deiner Hütte ist nicht gerade viel Platz, um eine Familie großzuziehen.“

Gabe verzog das Gesicht und rollte mit den Augen. „Welche Familie? Es gibt nur mich und ich erwarte nicht, dass sich das in nächster Zeit ändern wird. Ich habe nicht vor, zu heiraten. Ich bin mit einigen der Bräute ausgegangen, aber nie mit der Absicht, heiraten zu wollen. Hast du vor, alle sieben Schlafzimmer mit Kindern zu füllen, wenn alle von uns ausgezogen sind?“

„Wenn es nach Rachel geht, dann schon. Sie kommt auch aus einer Großfamilie und möchte viele Kinder haben. Sie hat gemeint, dass es Billy gegenüber nicht gerecht wäre, ein Einzelkind sein und für uns beide im hohen Alter verantwortlich sein zu müssen. Mit vielen der Katalogbräuten bist du ausgegangen?“

„Nur mit dreien. Selbst, wenn ich nach einer Ehefrau suchen würde, habe ich noch nicht die richtige für mich gefunden. Jede von ihnen hatte etwas an sich, weshalb ich gesagt habe: „Nein, sie ist nicht die Richtige.““

„Was denn zum Beispiel?“

„Nun ja, Clara Simms hat zu viel geredet. Ich glaube ich habe den ganzen Abend lang keine zwei Sätze herausbekommen. Sadie James war zu schüchtern. Sie war genau das Gegenteil von Clara. Sadie dagegen hat gar nicht geredet. Und Violet Richardson war mir schließlich zu direkt. Nenn mich altmodisch, aber ich möchte die Dame umkämpfen und nicht andersherum.“

Sein Bruder Drew und seine Frau Lucy kamen aus dem Haus auf sie zugelaufen.

Lucy war ein kleines Ding mit fast schwarzem Haar und heute strahlte sie förmlich in einem hübschen, rosafarbenen Kleid. Sie blieb neben der Kutsche stehen. „Sind die Herrschaften bereit zu gehen? Mit dem Wagen wird es ein paar Stunden dauern, bis wir ankommen.“

Drew war sein jüngerer Bruder und von ihnen fünf hatte er die dunkelsten Haare. Seine hellgrünen Augen brachten alle Damen zum Schwärmen - bis Lucy kam. Dann hatte er nur noch Augen für sie. Er stand hinter ihr und zog sie zu sich. „Ah, der wohltuende Klang der Stimme meiner geliebten Ehefrau.“

Gabe beobachtete, wie sie sich in Drews Armen umdrehte, zurücklehnte und ihm völlig vertraute, dass er sie festhielt und sie nicht fallen ließ. Genau in solchen Momenten, wenn er sah, wie glücklich seine Brüder waren, überkam Gabe das schleichende Gefühl der Eifersucht gegenüber ihrem Glück – aber wiederum nicht genug, um sich eine Ehefrau zu suchen und zu heiraten. Dafür war er noch nicht ganz bereit, auch, wenn er seine Brüder etwas anderes glauben ließ. Er ging gelegentlich mit einer den Bräuten aus, sodass seine Brüder ihn damit in Ruhe ließen, dass er sich doch eine Ehefrau suchen solle. Jedoch er traf sich niemals zwei Mal mit der gleichen Frau.

Lucys Worte rissen ihn aus seinen Gedanken.

„Weißt du, seitdem du mir erzählt hast, dass ihr sie gefunden habt, bin ich aufgeregt, sie kennenzulernen.“

Drew lächelte Lucy sanft zu. „Ich weiß. Gabe hat die Tiere bereits in die Kutsche gespannt und ihre Pferde gesattelt, also können wir gehen, wann immer du auch bereit dazu bist.“

„Das bin ich nun.“ Sie ließ ihn los und trat aus seinen Armen zurück.

„Na gut. Lass mich dir in den Wagen helfen.“

Lucy lief auf den Wagen zu und Drew hob sie dann hinauf auf den Sitz. Danach kletterte er neben sie und nahm die Zügel in die Hand.

„Sind alle soweit?“

„Ja. Wir können los.“, sagte Jason, der älteste der Brüder, als er vor die Kutsche ritt.

Gabe schwang sich in den Sattel seines Pferds Buttons und wollte ebenfalls nicht den Staub abbekommen, den das Gespann, das die Kutsche zog, aufwirbeln würde.

Sie folgten dem Pfad um den Bridal Veil Mountain. Dieser zog sich durch das Dickicht des Urwalds der Gegend. Eines Tages würden seine Brüder auch dieses Holz fällen, aber sie versuchten, nicht alles zu roden, sondern stattdessen die kleinen Bäume stehenzulassen, sodass sie im Licht wachsen konnten, da sie dann nicht mehr im Schatten des Dickichts standen.

Der Pfad endete nahe einer kleinen, heruntergekommenen Hütte, die sicherlich noch kleiner war als seine eigene, dachte Gabe. Er schätzte, dass sie nur drei Räume hatte. Wahrscheinlich zwei Schlafzimmer im hinteren Bereich und die Küche, der Essbereich und das Wohnzimmer zusammen bildeten einen großen Raum im vorderen. Das Gebäude war einfach zu klein für alles andere.

Drew brachte den Wagen so in Position, dass das Ende der Ladefläche nahe an der Eingangstür der Hütte stand. Dann stieg er ab und nachdem er Lucy von der Kutsche geholfen hatte, liefen sie über den Hof zum Eingang. Gabe und Jason warteten auf ihren Pferden, da Drew der einzige war, der die Frauen zuvor getroffen hatte.

Eine weißhaarige Frau kam hinaus, um sie zu begrüßen.

„Mr. Talbot.“, sagte sie und streckte Drew ihre Hand entgegen. „Ich war mir nich‘ sicher, ob Sie kommen würden.“

Er legte seinen Kopf schräg. „Warum das denn, Mrs. Parker?“

Sie schüttelte ein klein wenig mit dem Kopf. „Wäre nich‘ das erste Mal, dass uns jemand etwas verspricht, das dann nich‘ zustande kommt. Und bitte nennen Sie mich doch Wilma.“

„Du wirst sehen, dass wir Talbots unsere Versprechen halten. Nenn mich bitte Drew.“

Sie kicherte. „In der Tat. Und wer ist die reizende Dame neben dir?“

Drew legte seinen Arm um Lucys Schulter.

„Verzeihung. Das ist meine Ehefrau Lucy.“

Lucy trat nach vorne und streckte ihr ihre Hand entgegen. „Freut mich sehr, Sie kennenzulernen, Wilma.“

„Mich auch. Es tut mir leid, was Harvey Ihnen angetan hat, Mrs. Talbot-“

„Einfach nur Lucy, bitte.“

„Nun, Lucy, er war schon immer ein böses Kind gewesen. Ich habe es nie geschafft, ihn unter Kontrolle zu bringen und das schon, seitdem er ein kleiner Junge war.“

„So wie Drew mir erzählt hat, habt ihr auch sehr unter Harveys Einfluss gelitten – genau wie ich.“

Und in diesem Moment sah Gabe sie und das ganze Gespräch zwischen Drew, Lucy und der Parker-Dame trat in den Hintergrund. Er erblickte eine große, schlanke Frau mit dunkelbraunem Haar und braunen Augen. Sie kam aus der Hütte gelaufen und trug ein kariertes Männerhemd und Wollhosen. Ihr Haar war zu einem einzelnen Zopf zusammengebunden, der ihr über ihre Schulter bis fast zu ihren Hüften fiel. Sie war schön, aber nicht im klassischen Sinne. Ihr Gesicht war definiert, mit einem markanten Kiefer und hohen Wangenknochen, aber sie zog Gabe an, wie es zuvor noch nie eine Frau getan hatte - trotz ihrer Herrenkleidung. Kleidung, die ihr die sehr gut stand. Auf einmal war er wirklich froh, dass sein kleiner Bruder ihn zu diesem Ausflug überredet hatte.

Sie ging direkt auf Lucy zu und hielt ihr ihre Hand entgegen. „Josie Long.“

Josie. Ein schöner Name.

Lucy schüttelte ihre Hand mit ihren beiden. „Miss Long, es freut mich, Sie kennenzulernen.“

Josie hob eine Augenbraue und legte ihren Kopf schräg, während sie auf Lucy hinabsah, die deutlich kleiner war als sie. „Warum sind Sie so nett zu uns, Mrs. Talbot? Die meisten Leute würden uns nicht helfen wollen – vor allem nicht nach all dem, was Harvey Ihnen angetan hat.“

Das hatte sich Gabe selbst auch gefragt, da Harvey Lucy verprügelt und sie fast erschossen hatte. Aber am Abend zuvor hatte Drew ihm erklärt, dass Lucy eben so war. Sie hasste es, jemanden leiden zu sehen und wenn es einen Weg gab, wie sie helfen konnte, dann würde sie das auch tun.

„Als Harvey bei mir damit geprahlt hat, was er euch angetan hat und als dann Drew mir von euch erzählte,“, sagte Lucy, „wusste ich, dass wir einfach helfen müssen. Harvey hat euch beide genau so misshandelt, wie er mich misshandelt hat, oder vielleicht sogar noch mehr.“

„Das hat er.“, sprach Wilma Parker. „Wir wissen, dass er mit dem Geld des Verkaufs des Bridal Veil Mountain abgehauen war, aber wir waren uns bei der Sache mit Elias nich‘ sicher. Wisst ihr genaueres? Das würde zumindest mein Gewissen beruhigen.“

„Ja, Ma’am. Es tut mir wirklich leid, aber Harvey hat mir gesagt, dass er Elias umgebracht und irgendwo hier am Berg vergraben hat. Wo, weiß ich aber leider nicht.“

„Habe ich es dir nicht gesagt, Mama?“ Josie sah zu Lucy und Drew hinüber. „Ich wusste, dass er ihn um die Ecke gebracht hat.“ Sie legte einen Arm um die Schultern ihrer Mutter. „Er war eifersüchtig, da Mama wieder glücklich war.“

Gabe konnte nicht länger warten, kam auf Drew zugelaufen und stellte sich neben ihn.

„Drew, möchtest du uns nicht vorstellen?“ Gabe hielt seinen Blick auf Josie gerichtet und merkte, wie ihre Augen groß wurden, als sie ihn ansah. Das ist gut, sehr gut. Sie ist interessiert. Sie ist nicht schüchtern wie Sadie James. Sie sagt, was sie denkt, aber redet nicht zu viel wie Clara Simms und falls sie mich wie Violet Richardson erobern möchte, lasse ich sie das vielleicht sogar.

Drew trat zurück, sodass Gabe zwischen ihm und Josie stand, während sein Blick ihrem nicht wich.

„Oh, natürlich. Miss Parker, Miss Long.“ Drew klopfte Gabe auf den Rücken. „Das ist mein älterer Bruder Gabe und der Mann auf dem Pferd dort ist mein ältester Bruder Jason. Ich bin der jüngste der Familie.“

„Freut mich, Sie beide kennenzulernen.“, rief Jason.

Gabe trat nach vorn und schüttelte die Hand von Mrs. Parker. „Erfreut, Sie kennenzulernen, Ma’am.“

Dann wandte er sich Josie zu und streckte ihr seine Hand entgegen. „Miss Long. Es freut mich sehr, Ihre Bekanntschaft zu machen.“

Das elektrische Knistern, das durch ihn durchfuhr, als sie seine Hand berührte, erschreckte ihn zutiefst. Sie riss ihre Augen noch weiter auf und ihre Nasenflügel bebten. Sie versuchte ihre Hand wegzuziehen, aber Gabe hielt sie sanft fest. „Sehr erfreut, in der Tat.“

„Sie können mich nun loslassen, Mr. Talbot.“

Ihre Stimme war ein feuriges, aber leises Flüstern, fast so, als ob sie wollte, dass nur er es hörte. Widerwillig öffnete er seine Hand und langsam zog sie ihre weg, während sie ihn mit ihren Fingern striff.

Jason kam dazu und klopfte ihm auf den Rücken. „Wollen wir die Sachen der Damen aufladen und sie in ihr neues zu Hause bringen?“

„Ja, na klar.“ Freut mich, dass du näher bei uns wohnen wirst, Josie Long. Ich würde dich gerne besser kennenlernen.

Mit der gemeinsamen Hilfe von allen außer Lucy, die sich immer noch von der Schusswunde von Harvey Long erholte, waren sie in ungefähr einer Stunde damit fertig, den Wagen zu beladen.

Gabe und Josie liefen durch die drei Räume und suchen nach Dingen, die sie vergessen hatten.

„Ist das alles?“, fragte Gabe.

Josie ging zur Spüle und öffnete den Schrank darunter. Dort heraus holte sie ein paar Karotten. „Ja, das wäre alles.“

Sie liefen aus dem Haus hinaus auf den Hof, wo Wilma stand und die Zügel zweier Pferde in der Hand hielt. Die Pferde wirkten gut gepflegt und sahen im Gegensatz zu der Hütte erstklassig aus.

„Sie haben schöne Reittiere.“, meinte Gabe.

Josie hob ihr Kinn ein wenig und lächelte. „Eine Sache, die mein Vater uns beigebracht hat, ist, keine Abstriche zu machen, wenn man Pferde kauft. Eines Tages werden sie einem das Leben retten.“

Gabe nickte. „Da hatte er recht. Ich schätze es sehr, wenn jemand sich gut mit Pferden auskennt und weiß, wie man sie pflegt. Wollen wir los?“

„Ja.“

Er beobachtete sie, als sie zu ihrem Tier lief. Sie grüßte das Pferd wie einen alten Freund, streichelte ihm über die Schnauze, gab ihm eine Karotte als Leckerbissen und steckte den Rest des Gemüses in ihre Satteltaschen. Dann stieg sie auf und wirkte ungezwungen, als ob sie nun ein Teil des Tieres war.

Er stieg ebenfalls auf und ritt neben sie.

„Wie heißt Ihr Pferd?“

„Er heißt Storm, da seine Augen die Farbe grauer Sturmwolken haben.“

„Mein Pferd ist Buttons. Mein Neffe hat ihn benannt. Billy war damals erst drei.“

Sie kicherte. „Wie lieb von Ihnen, dass Sie den Namen nicht geändert haben.“

„Oh, das konnte ich nicht. Das hätte ihm das Herz gebrochen. Wollen wir auf dem Weg nach Seattle vorausreiten?“ Es scheint so lange her gewesen zu sein, obwohl es erst sieben Jahre her war. Er hat sich so sehr verändert und ist so groß geworden, von einem kleinen strohblonden Jungen zu einem Elfjährigen, der fast schon zu klug für sein eigenes Wohl ist. Er ist ein wirklich helles Köpfchen. Er wird kein Holzfäller werden, sondern ein Wissenschaftler oder vielleicht ein Lehrer.

„Ja, auf geht's.“

Der Ritt war langsam, da die Pferde den voll beladenen Wagen nur im Schritt ziehen konnten, also brauchten sie von der westlichen Seite des Berges fast drei Stunden nach Seattle.

Gabe und Josie ritten vorne an, gefolgt von Jason, Wilma und dem Wagen.

„Also Gabe, womit verdienen Sie Ihr Geld?“

„Vier meiner Brüder und ich leiten das Holzfällerunternehmen am Stadtrand.“

„Wie viele Brüder sind Sie denn?“

„Insgesamt sind wir fünf Brüder und drüben im Osten haben wir noch eine Schwester.“

„Ich habe gehört, dass Sie eine Hand voll Bräute für Ihre Arbeiter mit hierhergebracht haben.“

„Genau, das stimmt. Einhundert von ihnen sind von Massachusetts aus mit uns hierhergekommen. Sie alle waren bereit dazu, die Reise auf sich zu nehmen, um die Chance auf eine Ehe und eine Familie zu ergreifen.“

„Und was ist mit Ihnen? Hoffen Sie, unter den hundert eine Ehefrau zu finden?“

Er beobachtete sie aufmerksam und war von der Frage überrascht.

„Nein, das wäre ein Fehler, ein schreckliches Missverständnis, wenn eine der Bräute denken würde, dass sie mich heiraten könnte. Ich habe mich bisher nicht danach gesehnt zu heiraten.“ Bis jetzt.

Sie legte ihren Kopf zur Seite, aber sagte nichts.

„Keiner von uns hat erwartet, seine Ehefrau unter den Damen zu finden, aber genau das war bei Jason und Drew der Fall. Lucy haben Sie ja gerade kennengelernt und Jasons Ehefrau, Rachel, war auch eine der Bräute. Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?“

„Darüber habe ich noch nicht wirklich nachgedacht. Mama und ich haben nicht gerade viel Zeit für Freizeitaktivitäten. Die meiste Zeit haben wir nur das getan, was wir mussten, um zu überleben. Ich habe mich die letzten zehn Jahre lang um uns gekümmert - seitdem ich dreizehn war. Aber ich schätze mal, dass ich am liebsten reiten gehe. Wenn ich mal in Seattle bin, reite ich mit Storm immer am Strand entlang. Im Sand zu reiten gibt uns mehr Freiheit als irgendwann sonst. Wie sieht es mit Ihnen aus?“

„Ich gehe gerne jagen und angeln, zum Vergnügen und natürlich auch zu unserer Verpflegung.“

„Nun, jetzt wo Sie es erwähnen, muss ich sagen, dass ich das auch gerne tue. Wenn ich freie Zeit zur Verfügung habe, packe ich mir Brotzeit ein, reite zu einem meiner liebsten Plätze zum Fischen und verbringe dort den Tag. Solche Dinge wie Häkeln und Nähen mache ich nicht. Das habe ich nie gelernt und das wollte ich auch nie.“

Gabe und Josie unterhielten sich fast den ganzen Weg zurück nach Seattle. Er war ein wenig überrascht, als er die kleine Enklave mit fünf Häusern vor ihnen sah. Die Zeit war wie im Flug vergangen. Er und die anderen Reiter hielten an der Seite an und ließen den Wagen an ihnen vorbeiziehen.

Zurzeit standen alle Häuser leer, sie alle hatten denselben Grundriss - vier Räume, davon zwei Schlafzimmer, eine Küche und ein Wohnzimmer. Jedes war mit einem Herd, einer Kühltruhe und einem Tisch mit Stühlen in der Küche ausgestattet, aber die Spüle hatte keine eigene Pumpe. Sie würden das Wasser aus dem Gemeinschaftsbrunnen holen müssen.

Im Wohnzimmer standen ein Sofa und ein Sessel vor dem Kamin. Kattun-Vorhänge hangen vor allen Fenstern, mit freundlicher Genehmigung der Bräute.

Er, Jason und Wilma banden ihre Pferde an die Stange vor dem Haus und warteten dann auf Drew und Lucy, bevor sie hineingingen.

„Das Haus ist nicht sehr groß, aber ich denke, es ist größer als eure Hütte zuvor. Ich hoffe, es gefällt Ihnen.“, sagte Jason zu Wilma und Josie.

„Ich bin mir sicher, dass wir es lieben werden, Mr. Talbot.“, meinte Wilma.

Gabe sah zu Josie hinüber. Sie lächelte und ihre Augen funkelten. Es würde ihm gefallen, wenn sie ihn so ansehen würde.

So schnell hatte er seine Meinung geändert - er wollte nie heiraten und jetzt wünschte er sich Josie als seine Braut. Nun musste er sie überzeugen.

Dann luden sie den mit Möbeln bepackten Wagen ab, auf dem alles aus den Schlafzimmern in doppelter Ausführung stand - zwei Betten, Kleiderschränke, Nachttische und Kommoden. Für das Wohnzimmer hatten sie zwei handgeschnitzte Schaukelstühle und zwei kleine Tische mitgebracht, die gerade groß genug waren, um eine Lampe und ein Buch daraufzustellen.

„Möchte jemand eine Tasse Tee?“, fragte Wilma. Ich habe in der Küche alles eingerichtet. Wir haben einen Wasserkessel, Wasser, Tee uns genügend Tassen für alle.“

„Ja, sehr gerne.“, antwortete Gabe, als er Josie beobachtete, wie sie ihrer Mutter half. Er würde sogar für ein Glas Wasser direkt aus einer matschigen Pfütze bleiben, wenn er dafür in Josies Nähe bleiben konnte.

„Das wäre wirklich nett.“, sagte Lucy. „Eine Tasse Tee könnte ich gut vertragen. Ich befürchte, dass ich, obwohl ich nichts weiter getan habe als zuzusehen, trotzdem müde geworden bin. Wie mein Ehemann gesagt hat“, sie sah zu Drew hinauf, „habe ich mich noch nicht genug erholt, dass ich diesen Ausflug vollkommen nutzen kann, aber ich wollte es mir auf keinen Fall entgehen lassen.“

Bald schon pfiff die Teekanne und Wilma servierte allen Tee.

Jason setzte sich am Tisch neben Wilma. „Was haben Sie vor zu tun, nun, da Sie hier leben? Dasselbe wie bisher? Jagen und Fischen, um über die Runden zu kommen?“

„Darüber habe ich noch nicht wirklich nachgedacht, um ehrlich zu sein.“, sagte Wilma. „Josie hatte immer frisches und geräuchertes Fleisch und Fisch an einen Metzger in Tacoma verkauft, aber hier haben wir keine Räucherkammer.“

Gabe und Josie lehnten sich mit ihren Rücken an die Küchentheken.

„Ich bin mir sicher, dass der Metzger hier auch das frische Fleisch kaufen würde.“, meinte Jason. „Ich habe nur gedacht, dass Sie nun, da Sie die Möglichkeit haben, vielleicht etwas anderes tun möchten.“

Nach dem Gespräch mit Josie fragte sich Gabe, was sie sonst noch tun konnte. Sie würde sich definitiv nicht um die Wäsche kümmern, das war sicher.

Wilma hörte kurz auf, das heiße Wasser aufzugießen, bevor sie zu Jason sagte: „Nun, Ihre Frau und Drews Lucy werden Josie hier zu einer richtigen Dame machen, damit sie sich einen Ehemann schnappen kann. Oder etwa nicht?“

Josie rollte mit ihren Augen. „Ich bin eine Frau, Mama. Ich kleide mich nur nicht wie eine und ich habe auch nicht vor, nun damit anzufangen.“

„Ich finde daran, wie Josie sich anzieht, ist nichts auszusetzen.“, sagte Gabe. Er lächelte und zwinkerte Josie zu.

Was denke ich mir nur dabei? Ich war mit den Bräuten nur spazieren, um meine Ruhe vor meinen Brüdern zu haben. Josie ist nicht die Art von Frau, mit der man tändeln sollte - nicht mit dem Gedanken an eine Hochzeit. Aber nach dem, was mit Marian passiert war, muss ich wohl keinen guten zukünftigen Ehemann abgeben. Marian hatte die Vereinbarung, die ihr Vater getroffen hatte, so sehr gehasst - dass, nachdem ich versucht habe, sie zu küssen - sie eine Nonne geworden ist, um eine Ehe zu vermeiden. Wenn ich so unliebenswürdig bin, wie kann ich überhaupt darüber nachdenken, Josie den Hof zu machen? Und trotzdem habe ich mich nie zuvor zu einer Frau so hingezogen gefühlt.

Was, wenn sie mich zurückweist, wie Mutter es getan hat? Wird sie lieber gehen, als eine Umarmung oder einen Kuss von mir zu akzeptieren?

Ich habe gesehen, was eine Ehe bewirken kann, wenn man jemanden heiratet, den man liebt. Jason war am Boden zerstört, als Cassie gestorben war, da er sie geliebt hatte. Und doch hatten sie, neben meinen Eltern, einer der schönsten Ehen, die ich jemals gesehen habe. Nun sehe ich ihn mit Rachel, genau wie Drew mit Lucy und sie lieben sich offensichtlich auch und sind wirklich glücklich. Aber wie haben sie ihre Ängste hinter sich gelassen und sich wieder verlieben können?

Vielleicht könnten Josie und ich ja Freunde werden. Ich bin nicht bereit, die Gefühle zu ignorieren, die ich habe. Sie sind zu stark, zu wichtig, um sie zu ignorieren.

Josie lief knallrot an und sah zu Boden.

Lucy sah zu Gabe hinauf, hob eine Augenbraue, legte ihren Kopf schräg und kniff ihre Augen zusammen.

„Das ist aber interessant.“, sagte sie, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder denen am Tisch zuwandte.

Jason legte seine Tasse in die Spüle. „Ich befürchte, dass wir nun langsam wieder gehen müssen. Meine Ehefrau erwartet, dass ich - und ihr drei ebenfalls - zum Abendessen zu Hause bin.“ Er nickte in die Richtung von Gabe, Drew und dann Lucy.

„Er hat recht. Ich muss Rachel helfen.“, sagte Lucy.

„Nein, du musst ins Bett und dich ausruhen.“, verbesserte Drew.

Lucys Mundwinkel hingen nach unten und ihre Augenbrauen runzelten sich schmollend.

Gabe war nicht bereit, Josie schon zu verlassen. „Meine Damen, ihr beiden müsst nichts zum Abendessen zubereiten. Wieso lasst ihr mich euch nicht zum Essen ins Seattle Inn einladen?“

„Nein.“, entgegnete Josie sofort.

Das werde ich nicht persönlich nehmen. Sie kennt mich noch nicht gut genug, um mich nicht leiden zu können, aber vielleicht wird das später noch der Fall sein.

„Nun.“ Wilma sah zwischen Josie und Gabe hin und her und grinste dann. „Ich finde, dass das wirklich nett wäre. Josie, wasch dich doch bitte und dann können wir gleich los.“

„Mama-“

Wilma kniff ihre Augen zusammen und eine Falte bildete sich zwischen ihren Augenbrauen. „Widersprich mir nicht, Mädchen. Geh und wasch dir dein Gesicht, damit wir essen gehen können.“

Josie blickte Gabe finster an. Er lächelte nur zurück. Er würde noch herausfinden, warum sie es so verwerflich fand, Zeit mit ihm zu verbringen, aber fürs erste war er erstmal glücklich, dass sie ihn zum Abendessen begleitete.

Drew schüttelte mit dem Kopf, während Lucy und Jason grinsten. Dann ließen sie Gabe mit den beiden Frauen alleine.

Nachdem Josie ihr Gesicht und ihre Hände gewaschen hatte, liefen die drei zwei Blocks den Hügel hinunter zum Inn.

Das Restaurant im Seattle Inn war ausgezeichnet und so gut wie immer gut besucht, gefüllt mit Holzfällern und nun auch Bräuten, die nicht immer nur ihr eigenes Gekochtes essen wollten.

Wenn er und seine Brüder nicht die einhundert Frauen als Bräute für ihre Angestellten aus dem Osten mitgebracht hätten, wäre das Restaurant nun voller Männer. Die einzigen Frauen, die in der Stadt lebten, waren Dolly und die beiden Mädchen Mazie und Trixie, die sie anstellte, um die Männer zu bespaßen, jedoch nicht als Prostituierte, sondern nur als Saloon-Damen. Was die Mädchen aber in ihrer Freizeit machten, konnte sich Gabe nur denken.

Die Talbots versorgten die Holzfäller im Lager mit Mahlzeiten, aber was an dem jeweiligen Tag angeboten wurde, hing oft von der Laune des Kochs ab. Manchmal waren sie wirklich lecker, aber gelegentlich auch nicht.

An diesem Abend war das Restaurant gut gefüllt. Fast alle der Tische mit den rot karierten Tischdecken waren besetzt. Der einzige freie stand vor dem Fenster und Gabe mochte den Gedanken nicht, Josie und Wilma zur Schau zu stellen.

„Könnten Sie bitte die Vorhänge schließen, Miss?“, fragte er die Bedienung, die jedem von ihnen eine Speisekarte reichte.

„Wo ist das Problem, Mr. Talbot? Wollen Sie nich' mit uns gesehen werden?“

Josies Tonlage forderte ihn dazu auf, es zu verneinen. Er hob eine Augenbraue, aber fragte sich, was er getan hatte, wodurch er sie so streitlustig gemacht hatte. „Ich wollte einfach nicht, dass ihr das Gefühl habt, dass ich euch zur Schau stelle. Aber wenn es euch nicht stört, mich stört es ganz bestimmt nicht. Ich bin ziemlich erfreut darüber, alle wissen zu lassen, dass ich mit zwei solch schönen Damen zu Abend esse.“

Josie öffnete ihren Mund, um etwas zu sagen, aber schloss ihn dann wieder.

Die Bedienung wartete, um den Vorhang zu schließen und tat dies auch letztlich, als Josie sprachlos dasaß. „Ich bin in Kürze wieder bei Ihnen, um ihre Bestellung aufzunehmen.“

Wilma lachte. „Es passiert nich' oft, dass es meiner Josie die Sprache verschlägt. Glückwunsch, Mr. Talbot.“

Gabe kicherte. „Könnten wir das Mr. Talbot bitte weglassen? Gabe ist mir lieber, nur Gabe.“

„Das ist in Ordnung. Dann nenn uns bitte Wilma und Josie, das ist viel einfacher.“

„Da stimme ich zu. Nun, wisst ihr denn schon, was ihr essen möchtet?“

„Ich würde das gebratene Hühnchen nehmen.“, meinte Wilma. „Um diese Zeit letztes Jahr haben wir unsere letzten Hühner gegessen und konnten sie nie durch neue ersetzen. Auch gut, denke ich. In der Stadt könnten wir sie nicht halten.“

„Ich wüsste nicht wieso eigentlich nicht. Wir werden eine Scheune für eure Pferde bauen müssen, wieso also nicht auch noch einen Hühnerstall dazu? Ich werde die Männer gleich damit beginnen lassen. Ihr könnt den Stall einfach an der Seite der Scheune anbauen, dann ist es quasi alles ein Gebäude und nicht zwei.“

„Wir können nicht für einen Hühnerstall zahlen und erst recht nicht für eine Scheune, Mr. Talbot.“

„Nun, ähm, das gehört zum Haus dazu.“

Die Bedienung kam zurück und nahm ihre Bestellung auf.

Gabe hatte das erste gesagt, was ihm in den Sinn gekommen war. Er schien seinen Blick nicht von Josie wenden zu können, aber merkte, dass es unhöflich war, so wie er starrte und zwang sich dazu aufzuhören. Jedoch hatte er noch nie jemanden gesehen, der so aussah wie sie. Sie war wahnsinnig interessant. Ihre Augen erinnerten ihn an seinen liebsten Brandy, wenn er gerade genug erhitzt wurde, dass der Dampf das Glas füllte und die braune Flüssigkeit wunderbar schimmerte. Ihre Nase war klein und die Spitze zeigte ein klein wenig nach oben. Sie hatte hohe, etwas angewinkelte Wangenknochen. Jedoch waren ihre Lippen ihr schönstes Merkmal, wenn sie nicht nach unten verzogen waren. Sie waren perfekt - herzförmig und rot wie eine junge Rosenknospe.

Er sah Wilma an, die lächelte und nickte. Sie war offensichtlich erfreut über das Interesse, das er an ihrer Tochter zeigte.

Aber Josie? Der Protest in ihrem Blick zufolge sagte ihm, dass sie lieber überall anders wäre als hier… bei ihm.

Er sollte froh sein, dass sie nichts mit ihm zu tun haben wollte, aber er konnte das Gefühl nicht vergessen, das elektrische Knistern, das bei ihrer Berührung durch seinen Körper gefahren war. Solch starke Gefühle mussten definitiv erkundet werden, oder nicht? Aber diese starke Anziehung hieß bestimmt nicht, dass er sich verlieben wollte. Nein, ganz und gar nicht. Nicht er. Nicht nach Marian. Solchen Schmerz würde er nie wieder mitmachen.

KAPITEL 2

Nach dem Abendessen erlaubte Josie Gabe die beiden zurück zu ihrem neuen Haus zu bringen.

„Warum setzt ihr beiden jungen Leute nicht hier draußen für eine Weile auf die Schaukel?“, sagte ihre Mutter. „Ich habe innen noch ein paar Dinge zu erledigen.“

Josie starrte ihrer Mutter hinterher, während sie ins Haus lief. Die Frau drängte Josie Gabe fast schon auf. Es war unmöglich, dass sie etwas mit diesem teuflischen Mann zu tun haben wollte. Ihre Mutter hatte sie nichts außer ihr Gesicht und ihre Hände waschen lassen. Ihr Haar war zerzaust und der Zopf löste sich langsam, also flocht sie ihn erneut auf einer Seite, während sie liefen.

Was dachten sich er und Mama nur? Hatten sie das geplant? Nein. Ihre Mutter hatte Gabe Talbot vor dem heutigen Tage nicht einmal gekannt.

Josie blieb stehen und verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust. „Was wollen Sie, Mr. Talbot?“

Er lehnte sich in der Schaukel zurück und sah sie an. „Legen wir nun die Karten auf den Tisch? Nun gut. Ich möchte Sie kennenlernen, vielleicht Ihnen sogar den Hof machen. Was halten Sie davon?“

Er beäugte sie genau, sein Blick glühte förmlich auf ihrer Haut. Wenn sie sich nicht an das Geländer der Veranda angelehnt hätte, wäre sie nun bei seiner Aussage am Boden gewesen.

Sie grunzte. „Seien Sie doch nicht albern! Sie kennen mich nicht mal.“

Gabe saß einfach nur mit einem breiten Grinsen im Gesicht dort, sein Lächeln verschwand nicht.

Ich bin mir nicht sicher, ob er glücklich oder dumm im Kopf ist.

„Dann lernen wir uns doch gegenseitig kennenlernen. Dann können Sie sich immer noch entscheiden.“

Einen Moment lang dachte sie über seinen Vorschlag nach. Ich weiß, dass er eine Liebesbeziehung sucht, aber ich will nicht, dass mir ein Mann sagt, was ich zu tun habe. Oh, das kann er versuchen, aber dann soll er sich auf etwa gefasst machen. „Gehen Sie heute in einer Woche mit mir angeln und dann reden wir ausführlicher darüber.“

„Warum erst in einer Woche?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Weil ich Verpflichtungen habe. Morgen früh mache ich mich auf den Weg nach Olympia, um Besorgungen zu erledigen und ich werde erst in ungefähr fünf Tage zurück sein. Also haben wir nun eine Verabredung oder nicht?“

„Sie können doch Ihre Dinge hier in Seattle erledigen, warum gehen Sie denn extra nach Olympia?“

Sie verschränkte ihre Arme vor der Brust. „Weil ich bereits für die Waren in Olympia bezahlt habe. Aber ich denke nicht, dass Sie das etwas angeht.“

„Da haben Sie Recht. Ihre Angelegenheiten sind Ihre Angelegenheiten, aber wir haben eine Abmachung. Angeln - nächste Woche.“ Er stand auf und streckte ihr seine Hand entgegen.