Katalogbraut-Melodie - Cynthia Woolf - E-Book
Beschreibung

Adam Talbot hat sein Leben durchgeplant und in diesem Plan war keine Ehefrau vorgesehen. Warum also schwirrt dann diese eine Frau Tag und Nacht in seinem Kopf herum? Ihm wurde anvertraut, eine Gruppe von Katalogbräuten von Massachusetts den ganzen Weg bis ins Gebiet Washingtons zu bringen. Karen ist eine von ihnen. Sie ist schön, klug und hat zwei junge Kinder, die Adam schneller abschrecken sollten, als ein wildgewordener Büffel.
Er wurde vor dem Altar versetzt, mit seinem gebrochenen Herzen stehengelassen und die ganze Welt lachte über ihn, als seine Verlobte mit seinem besten Freund durchgebrannt ist. Eine Frau macht mehr Ärger, als er gebrauchen kann. Aber er ist die Motte und sie ist wie eine Flamme. Er weiß, dass er sich verbrennen wird, aber sich zu erlauben, noch eine Frau zu heiraten, steht außer Frage. Und als eine verrückte Frau aus Karens Vergangenheit die sanftmütige Frau bedroht, kann er nicht anders, als sich in sie – und ihre beiden kleinen Lieblinge – zu verlieben. Adam entdeckt, dass es nicht mehr wehtut, durch das Feuer zu gehen – nicht, wenn es ihm das gibt, was er wirklich braucht… seine eigene Familie.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl:261

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi ohne Limit+” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS

Katalogbraut-Melodie

Bräute von Seattle

Buch 5

Cynthia Woolf

KATALOGBRAUT-MELODIE

Bräute von Seattle

Copyright © 2018 (English version) © 2019 (German version) – Cynthia Woolf

Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 978-1-950152-08-7

INHALTSVERZEICHNIS

KATALOGBRAUT-MELODIE

Copyright

Vorwort

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Epilog

Über Die Autorin

VORWORT

15. November 1864, New Bedford, Massachusetts

Gemeindesaal der presbyterianischen Kirche

„Guten Tag, die Damen. Ich bin Adam Talbot. Meine Aufgabe ist es, euch zu erklären, was passieren wird, wenn wir von hier fortgehen.“ Er sah sich im Raum um und blickte in all die eifrigen Gesichter. Seine Schwester Suzanne hatte arrangiert, dass sie den Saal benutzen konnten und die ganzen Stühle hineingebracht worden waren. „Dieser Beteiligung nach zu urteilen, werden wir uns in ungefähr einem Monat auf den Weg nach Seattle im Gebiet Washingtons machen. Das sollte Ihnen genügend Zeit geben, all Ihre Angelegenheiten zu regeln und sich für die Abreise am fünfzehnten Dezember fertigzumachen. Gibt es hier jemanden, der es bis zu diesem Termin nicht schafft?“

Zuerst sagte niemand etwas, aber dann hob sich zögernd eine Hand. Die Frau hatte auffallend schwarzes Haar, dunkelblaue Augen und hielt ihr Kinn gehoben.

„Ja, Miss, wie ist Ihre Frage?“

Sie stand auf. „Bis dahin wird mein Sohn noch nicht von der Schule freigestellt sein. Sie haben bis zum zwanzigsten noch Unterricht.“

„Sie haben Kinder?“, fragte Adam.

„Sie hat Kinder…“, flüsterte eine blonde Frau hinter dem Redner.

„Aber wer bei klarem Verstand“, sagte eine andere Dame weiter hinten im Raum, „würde Kinder mit auf diese Reise nehmen?“

Die Frau, die stand, sah sich trotzig um, ihre Augen waren zusammengekniffen und ihr Mund war zu einer dünnen Linie geformt.

Ihr Gesichtsausdruck brachte all die anderen Frauen zum Schweigen.

„Ja.“ Sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder Adam zu. „Sie haben nicht gesagt, dass wir keine Kinder mitnehmen können, nur, dass wir derzeit mit niemandem verheiratet sein dürfen. Nun ja, ich bin nicht mehr verheiratet und ich habe zwei Kinder.“

Adam fuhr sich mit der Hand durch den Nacken und sah zu Jason hinüber. „Ich weiß nicht. Ich… äh, Jason?“

„Was?“ Jason drehte sich zu ihm, nachdem er mit seinem Bruder Drew geredet hatte.

Adam zeigte auf die Frau mit dem rabenschwarzen Haar, die nun mit zurückhaltend vor sich gefalteten Händen dort stand. „Die Dame hat Kinder.“

Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf Jason. Sie musste wohl Stahlstäbe im Rücken haben, denn Adam war sich sicher, dass er noch nie jemanden mit solch einer steifen Haltung gesehen hatte.

„Das ist richtig, Mr. Talbot. Zwei davon. Bevor Sie sagen, dass ich nicht mitkommen kann, sollten Sie wissen, dass ich eine qualifizierte Hebamme, fast so etwas wie eine Ärztin bin. Ich habe meinen Hochschulabschluss leider nicht ganz beenden können, da ich geheiratet habe. Ich hätte nur noch meine Doktorarbeit fertigstellen müssen. Wenn diese Damen hier heiraten, werden Kinder nicht lange auf sich warten lassen.“ Sie hob eine Augenbraue. „Sie werden mich brauchen.“

„Naja, Miss…“, sprach Jason.

„Mrs. Martell mein Name. Karen Martell.“

„Nun ja, Mrs. Martell, da haben Sie tatsächlich Recht. Wir werden Ihre Dienste benötigen. Ich schlage vor, dass Sie ihre Kinder ein wenig eher aus der Schule nehmen.“

„Nur eines meiner Kinder ist in der Schule, mein Sohn Larry. Er ist in der ersten Klasse.“

Jason legte seinen Kopf ein wenig schräg und kniff seine Augen zusammen. „In so einem jungen Alter wird es nicht schaden, die Schule fünf Tage früher zu verlassen und das wissen Sie. Wo liegt denn nun Ihr Problem, Mrs. Martell?“

Adam dachte, dass Jason ein wenig barsch war, aber verstand, dass er diese Information von der Frau brauchte.

„Ich wollte wirklich wissen, was Sie dazu sagen, dass meine Kinder mitkommen. Es gibt viele Witwen mit Kindern, die nach einem neuen Ehemann suchen.“

Adam nickte und befürchtete, dass seine Antwort die Anzahl an Frauen, die sie nach Seattle begleiteten, einschränken würde. „Ich verstehe Ihre Bedenken. Von einigen Ausnahmen abgesehen bevorzugen wir Frauen ohne Kinder. Wir können nicht garantieren, dass sie Ehemänner finden werden, wenn sie Kinder haben. Viele Männer wollen keine bereits bestehende Familie. Andere wiederum stört es gar nicht, aber wir können nicht sagen, bei welchen das der Fall sein wird und bei welchen nicht.“

Die Frau nickte.

„Das verstehe ich, aber ich glaube, dass Sie da einen Fehler machen.“

„Mrs. Martell“, sagte Adam. „Es gibt immer ein paar Ausnahmen und Sie sind eine davon. Wir möchten, dass Sie uns nach Seattle begleiten.“

Sie lächelte strahlend.

„Vielen Dank. Am fünfzehnten werden wir zur Abreise bereit sein.“ Sie setzte sich, aber das Lächeln wich nicht aus ihrem Gesicht.

„Gut.“ Adam hob eine Augenbraue. „Sehr gut.“

*****

Karen lächelte noch immer, nachdem sie sich wieder gesetzt hatte. Adam Talbot war ein sehr attraktiver Mann. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, waren alle der Talbots ziemlich gutaussehend, aber irgendetwas an Adam zog sie einfach an.

Sie sah auf und war verblüfft, aber auch gleichzeitig erfreut, als sie merkte, dass er sie beobachtete. Karen wandte ihren Blick rasch nach unten ab, aber lächelte weiter.

Auf keinen Fall könnte sie sich mit ihm oder irgendjemand anderem einlassen. Sie liebte Douglas noch immer, den sie erst vor einundzwanzig Monaten zuletzt gesehen hatte. Zu der Zeit wusste sie nicht, dass sie schwanger war oder dass sie in weniger als einem Monat eine Witwe sein würde. Patty wurde am 24. August 1863 geboren.

Die Union hatte den Krieg gewonnen, aber sie hatten einen hohen Preis dafür gezahlt. Die Konföderierten hatten in dem dreitägigen Austausch mehr als 11.000 Männer verloren, laut den Soldaten, die kamen, um ihr von Douglas zu berichten.

Karen war untröstlich gewesen und erst im letzten Monat hatte sie angefangen, wieder Kleidung zu tragen, die nicht schwarz war. Sie musste eine Arbeit finden und das würde hier nicht passieren. Seattle war Neuland. Sie musste diesen Schritt für ihre Kinder und, wenn sie ehrlich war, auch für sich selbst gehen.

Sie vermisste Gespräche unter Erwachsenen. Auch, wenn sie die Zeit mit ihren Kindern schätzte, ging ihnen bald das Geld aus und eine Katalogbraut zu werden, schien die Antwort auf ihre Gebete zu sein.

Als eine Hebamme mit ärztlicher Erfahrung war sie darauf vorbereitet, sich um die Frauen, die Bräute werden und die höchstwahrscheinlich kurz darauf Kinder bekommen würden, zu kümmern und sie zu behandeln. Wenn sie ein Teil dieser Gruppe wäre, hätte sie damit automatisch einen Patientenkreis. Sie hatte nur noch ein weiteres Semester gebrauch, um ihren Abschluss zu bekommen, aber Douglas hatte eine Ehefrau gewollt, die zu Hause bleibt und sich um das Haus und die Kinder kümmert.

Karen blickte zum Podium hinauf. Jason, von dem sie dachte, dass er der älteste der Brüder war, da er den Großteil des Redens übernahm, teilte ihnen mit, wann und wo sie sich trafen. Ihr Blick wanderte zu Adam, der immer noch in ihre Richtung sah.

Sie blickte schnell zu Jason hinüber und hörte zu, was er ihnen erklärte. Sie würden am fünfzehnten Dezember vom Hafen aus ablegen. Sie wäre bereit, ihr altes Leben hinter sich zu lassen, aber war sie auch auf das vorbereitet, was vor ihr lag?

KAPITEL 1

6. März 1866

Karen sah zum Küchenfenster hinaus und bewunderte noch immer das Kaskadengebirge in der Ferne. Die untergehende Sonne ließ dessen schneebedeckten Gipfel wie Diamanten glitzern.

Auf der anderen Seite des Hauses sah sie das Wasser des Puget Sound aufbrausen, während der Märzwind über es blies. Adam Talbot kam ihr in den Sinn, wie er es oft tat, wenn sie alleine war.

Ich bin nun seit fast einem Jahr in Seattle und Adam ist auch nicht freundlicher, als er es auf dem Schiff hierher zu mir war. Er war mir damals aus dem Weg gegangen und tut das seitdem immer noch. Bisher habe ich vier Kinder aus den Ehen, die zustande gekommen sind, auf die Welt gebracht. Momentan sind vier Frauen schwanger, inklusive Rachel und Lucy Talbot. Sie haben sich so offensichtlich in ihre Ehemänner verliebt.

Aber Adam scheint nicht an mir interessiert zu sein und er ist der einzige, den ich gerne kennenlernen würde. Ich werde mich auf meine medizinische Praxis konzentrieren und ihn dann vergessen.

Sie lief in das Kinderzimmer. Alice, die den ganzen Tag auf die Kinder aufgepasst hatte, war immer noch dort und hatte sie gerade für die Nacht bettfertig gemacht. Patty zum Schlafen zu bringen wurde immer schwerer, da die Spieluhr von Karens Großmutter aufgehört hatte zu funktionieren. Seitdem sie kaputtgegangen war, liefen keine Lieder mehr, um eine Melodie zu spielen, zu der man singen konnte.

Es klopfte an der Tür und Alice ging, um nachzusehen, wer um solch eine Zeit noch etwas wollte. Karen war nicht überrascht. Sie wurde zu allen Zeiten gerufen, um Kinder zur Welt zu bringen.

Alice klopfte leise an die Tür zum Kinderzimmer.

„Karen? Adam Talbot ist hier. Er meint, dass Rachel ihr Kind bekommt und du am besten mitkommen solltest.“

Karen ging in ihr Schlafzimmer, hob ihren Gladstone-Arztkoffer vom Boden und nahm sich ihr Halstuch vom Bett. Ich sollte mich nicht so darüber freuen, Zeit mit Adam zu verbringen, da er meistens so reserviert und anständig ist. Wenn er doch nur netter wäre… Sie seufzte. Oh, was soll’s. Es wird wahrscheinlich eine stille Fahrt werden.

Alice wartete im Flur vor dem Schlafzimmer. Sie stand dort in ihrem rosafarbenen Kleid, hielt die Lampe und als ihr blondes Haar in dem flackernden Licht so schön schimmerte, fragte sich Karen, warum die Frau noch keinen Mann zum Heiraten gefunden hatte. Natürlich fragten sich viele Leute wahrscheinlich dasselbe bei Karen.

„Ich habe die Kinder gerade ins Bett gebracht. Kannst du sie im Auge behalten, während ich weg bin?“

Alice nickte. „Natürlich. Nun geh und gib Bescheid, wenn Rachel das Baby bekommen hat.“

„Ich werde kurz darauf dann mit den Neuigkeiten zurücksein.“

Karen ging zur Haustür hinaus auf die Veranda, wo Adam stand und wartete. Selbst in dem gedämmten Licht war er der bestaussehendste Mann, den sie je gekannt hatte. Ihr Herz schlug schneller, wann immer er in ihrer Nähe war.

„Guten Abend, Adam.“

„Hallo Karen. Darf ich dir deinen Koffer abnehmen?“

Sie rechte ihm die Tasche. „Gerne.“

Ihre Hände berührten sich nur einen kurzen Moment lang und ihr Inneres erfüllte sich mit Wärme. Selbst Douglas hatte nie so ein Gefühl in ihr ausgelöst.

Ihr Blick schnellte zu Adam hinauf.

Seine Augen wurden groß und er lächelte sie an. „Also…“ war alles, was er sagte, bevor er ihr seinen Arm entgegenhielt.

Sie legte ihre Hand in seine Armbeuge und zusammen gingen sie die Stufen der Veranda zu dem Kutschenwagen hinab, der auf der Straße vor dem kleinen Schindelhaus stand, das sie ihr zu Hause nannte. Es hatte geregnet, weshalb die Straßen schlammig waren, aber Adam hatte für sie den Wagen so nah wie möglich zur Veranda gefahren. Seine Bedachtsamkeit erfreute sie.

Er legte den Koffer auf den Rücksitz.

„Lass mich dir helfen. Du musst nicht schmutzig werden, wenn ich es schon bin.“

Er schwang sie hinauf in seine Arme und trug sie zur Kutsche.

„Ach du meine Güte.“ Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und genoss das Gefühl, von einem starken Holzfäller getragen zu werden. Sein Duft umgab sie – Sandelholz, Kiefer und Mann.

Ihr Kopf sagte ihr, dass sie es nicht zu sehr genießen sollte und dass er nicht an ihr interessiert war, aber in ihrem Herzen hatte sie immer noch Hoffnung.

Er ließ sie sicher auf dem Vordersitz hinunter, lief dann hinten um das Gefährt herum und rutschte auf den Sitz neben sie.

Er nahm die Zügel in die Hand. „Bist du bereit?“

„Ja.“

Adam klapperte einmal mit den Zähnen und schwang die Zügel dann hinunter auf die Hinterteile des Pferdes. „Hü!“

Das Pferd lief zügig los. Als sie am Stadtrand angekommen waren, schwang er die Zügel erneut. Der schöne, schwarze Hengst war derselbe, den Adam sonst normalerweise ritt. Das Tier trabte den Hügel zum Hause der Talbots hinauf.

„Wie lange hat Rachel schon Schmerzen?“

„Schon lange. Ungefähr sechs Stunden. Zumindest hat uns Jason dann davon erzählt und angefangen, im Wohnzimmer auf und ab zu laufen.“

„Ich schätze mal, dass sie schon viel länger in den Wehen liegt, aber es wahrscheinlich niemandem gesagt hat.“ Karen rechnete damit, dass Rachel mittlerweile zwölf bis achtzehn Stunden in den Wehen lag und es gut möglich sein konnte, dass sie schon bereit war, das Kind zu bekommen.

Er zuckte mit den Schultern. „Vielleicht. Ich kenne mich nicht sehr gut mit dem Kinder-bekommen aus. Billys Geburt und die der Welpen, nachdem Jason und Rachel Lucky nach Hause gebracht hatten, waren alles, was ich bisher mitbekommen habe.“

Sie lächelte. „Das ist nicht gerade viel Erfahrung, da es einen großen Unterschied gibt, ob man nun Welpen oder Babys auf die Welt bringt.“ Sie atmete die Luft tief ein, die nach dem immergrünen Wald duftete, durch den sie fuhren. Die frische, kühle Luft schien den Kiefernduft frischer zu machen und ließ alles so rein wirken. Sie sah nach oben und die Sterne funkelten so hell wie wunderschöne Diamanten.

Er sah zu ihr hinüber. „Ja, Ma’am, das stimmt. Ich muss zugeben, dass ich völlig ahnungslos bin.“

„Naja, Rachel zuliebe, bin ich froh, dass ich das nicht bin.“

„Ich auch.“

Karen legte eine Hand auf seinen Arm. „Jason ist krank vor Sorge, dass er sie verlieren wird, wie es bei Cassie, seiner ersten Ehefrau, passiert ist. Aber Rachel ist sehr stark und ich kann mir keinen Grund ausmalen, weshalb etwas schiefgehen sollte. Ich bin mir sehr sicher, dass alles gut gehen wird.“

„Ich hoffe es. Ich glaube nicht, dass Jason so etwas noch einmal durchstehen könnte.“

„Vertraue mir, wenn ich dir sage, dass Rachel das schaffen wird.“

„Das tue ich - dir vertrauen, meine ich.“

Karen lächelte, war froh, dass er Vertrauen in sie hatte.

Er bremste das Pferd vor dem zweistöckigen Blockhaus ab. Es war das größte Haus in Seattle. Adam setzte die Bremse fest, bevor er hinuntersprang und um den Wagen herumrannte, um Karen nach unten zu helfen.

Sie strich ihren Rock glatt, während er ihre Arzttasche vom Rücksitz holte, bevor sie beide die Stufen zur Veranda hoch und dann in das Haus eilten.

Jason kam auf sie zugelaufen, als sie das Wohnzimmer betrat.

„Karen! Ich bin so froh, dass du hier bist.“

Er nahm ihre Hand und zog sie förmlich zu der Treppe, die im Wohnzimmer direkt gegenüber der Eingangstür lag.

„Jason.“ Sie ruckte an ihrer Hand und brachte ihn zum Stehen. Sie sah sich um und merkte, dass all seine Brüder, seine Schwägerin Josie und alle Kinder mit ihm auf die Geburt warteten. „Jason. Mach langsam. Ich kenne den Weg zum Schlafzimmer und kann selbst die Treppen hinauflaufen.“

„Natürlich tust du das.“ Jason fuhr sich mit seinen Händen durch sein dunkelbraunes Haar, wodurch ein Teil davon nun abstand und ihn ziemlich neben der Spur wirken ließ. „Tut mir leid. Ich bin fast schon verrückt vor Sorge um sie.“ Seine Stimme wurde zu einem Flüstern. „Ich könnte es nicht ertragen, sie zu verlieren.“

Ihre Kehle schnürte sich zu und sie musste ihre Tränen zurückhalten. Sie wusste genau, wie er sich fühlte, da sie Douglas verloren und sie das fast umgebracht hatte. Sie nahm seine Hand und drückte sie. „Das wirst du nicht. Vertraue mir und lass mich meine Arbeit machen.“

Jason atmete tief durch. „In Ordnung. Geh. Lass mich wissen, wenn du irgendetwas brauchst.“

Sie legte eine Hand auf das Geländer und drehte sich dann wieder zu Jason zurück. „Ist Lucy bei ihr?“

„Ja“, antwortete Drew, der jüngste der Talbot-Brüder und Lucys Ehemann. „Sie ist schon den ganzen Nachmittag bei ihr. Ich bin mir nicht sicher, ob das gut für Lucy ist, wenn sie sieht, was Rachel durchmacht, da unser Kind in circa einem Monat auch kommen soll.“

Karen lächelte. Sie hatte viel Erfahrung damit, mit besorgten Ehemännern umzugehen. Sie ließ das Geländer los und klopfte Drew auf die Schulter. „Lucy geht es gut. Sie wird sich dadurch besser auskennen und wissen, dass sie keine Angst haben muss. Das ist etwas Gutes.“

Er schüttelte mit dem Kopf und legte eine Hand in seinen Nacken. „Wenn du das sagst. Ich mache mir Sorgen, dass sie Angst haben wird, wenn sie sieht, was Rachel durchsteht.“

„Vertrau mir. Alles wird gut. Ich brauche ihre Hilfe und wenn ich sie beschäftige, wird das ihre Gedanken davon ablenken, was passiert, bis das Baby hier ist. Dann werde ich sie das Baby saubermachen lassen, bevor ich ihn… oder sie Rachel übergebe. Wenn ihr mich jetzt entschuldigt, ich werde mich um meine Patientin kümmern gehen.“

„Ich komme mit dir mit. Ich muss wissen, dass es ihr gut geht“, sagte Jason. „Ich bin schon viel zu lange hier unten.“

„Na gut, aber bleibe oben am Kopfteil des Bettes und mir aus dem Weg. Verstanden?“ Ich bin mir nicht sicher, wie schlau es ist, ihn im Zimmer bleiben zu lassen, aber durch seine Vergangenheit muss er wissen, dass es ihr gut geht.

„Ja, Ma’am.“

Karen und Jason betraten das Zimmer, als Rachel, die blass und verschwitzt war, gerade wegen einer besonders heftigen Wehe stöhnte.

„Guten Abend, meine lieben Freunde. Was haben wir denn hier? Ich habe aus der Gerüchteküche erfahren, dass hier heute ein Kind zur Welt kommen soll und… verdammt, wenn das mal nicht der Fall zu sein scheint“, scherzte Karen.

„Hör auf, zu versuchen, lustig zu sein, Karen“, entgegnete Rachel gereizt. Sie lag auf dem Bett und ihr hübsches, blondes Haar klebte an ihrer Wange. „Hol einfach dieses Kind aus mir heraus.“

„In Ordnung. Lass mich mal nachsehen, wie weit wir schon sind.“

Karen wusch sich ihre Hände und holte dann ihre Geburtszange aus dem Koffer, bevor sie Rachel untersuchte. „Ach du liebes Bisschen. Sieht so aus, als wäre ich gerade rechtzeitig hier angekommen. Du bist schon weiter, als ich gedacht habe. Sieht so aus, als wäre das Kleine bereit, auf die Welt zu kommen. Das Köpfchen ist schon ein klein Wenig zu sehen.“ Karen richtete sich auf, um Rachel direkt anzusprechen: „Wie lange liegst du schon in den Wehen?“

Rachel stieß ihren Atem aus. „Seit letzter Nacht, aber da hat es nur ein wenig wehgetan - nichts Großes.“

Karen legte ihre Instrumente auf das Bett. „Auch kleine Wehen sind Wehen. Wenn die Schmerzen heftig werden, sagt man, dass man in der Austreibungsphase ist oder am Beginn davon. Da das Baby bereits zu sehen ist, will ich, dass du presst. Jason, wenn du hierbleiben möchtest, lass sie deine Hand zur Unterstützung halten. Ich bin froh, dass ihr das Wachstuch untergelegt habt, da ihr sonst die Matratze austauschen müsstet. Bereit?“ Rachel lag auf dem Bett und Jason stand am Kopfteil und hielt ihre Hände. Karen legte ein Handtuch hin, um das Baby und die Flüssigkeiten so gut wie möglich aufzufangen. Dann musste sie ihren Rock hochziehen, um auf das Fußende des Bettes zu klettern. „Pressen. Ich möchte, dass du deine Hände auf deinen Bauch legst und die Muskeln so sehr anspannst, wie du nur kannst. Okay, press jetzt mit all deiner Kraft. Spann die Muskeln an. Fester. Pressen!“

Rachel presste und drückte kräftig. „Ich kann nicht mehr.“

„In Ordnung. Ruhe dich kurz aus.“ Karen legte ihr Stethoskop auf Rachels Bauch und horchte nach dem Herzschlag des Kindes. Er war stark. Ohne, dass sie es wollte, kam ihr die Erinnerung an das Baby, das sie verloren hatte. Sie drängte sie aus ihrem Kopf und konzentrierte sich auf Rachel. Sie würde nicht noch ein weiteres Kind verlieren.

Nachdem sie mehrere Male gepresst und sich ausgeruht hatte, war Rachel vollkommen erschöpft. Sie ließ sich zurück ins Kissen fallen. „Ich bin völlig erschöpft.“

„Ich weiß, aber du musst noch einmal pressen. Dieses Mal so kräftig, wie es dir nur überhaupt möglich ist.“ Karen war bereit, das Kind aufzufangen, wenn es auf die Welt kam.

„Komm schon, Liebes, du schaffst das.“ Jason stand neben Rachels Kopf. Er hielt ihre Hand und sie drückte sie so stark, dass ihre Knöchel weiß wurden – was gut war.

Er blieb dort oben und kam Karen nicht in die Quere. Sie war über die emotionale Unterstützung froh, die er Rachel gab. Diese Qual war leichter für sie zu ertragen, wenn er in der Nähe war. „Okay, los geht’s, noch ein letztes Mal pressen. Gib alles, was du kannst.“

Rachel schrie, während sie presste und dann kam das schmierige Baby zur Welt.

„Und?“, fragte Rachel, die sich auf ihre Ellbogen stützte. „Was ist es? Ein Junge oder ein Mädchen?“

Karen lächelte. „Ihr habt ein wunderschönes, kleines Mädchen bekommen. Lasst Lucy sie noch saubermachen.“

Karen untersuchte das Baby nach irgendwelchen äußerlichen Fehlbildungen, hielt sie dann verkehrtherum, säuberte ihren Mund und tastete ihn von innen ab, um sicherzugehen, dass ihr Gaumen fest war. Sobald der Mund frei war, gab die Kleine einen winzigen Schrei von sich, der durch den stillen Raum hallte.

Danach übergab Karen Lucy das Kind, die sie wusch und einwickelte.

„Hier, bitteschön, Karen. Bereit für die Mama.“

Lucy gab Karen das weinende Baby, das in eine Windel und eine dünne Decke gewickelt war, zurück in Karens Arme.

„Sie hat ein ganz schön lautes Organ, unsere kleine Abbie. Das hast du wirklich gut gemacht. Wie geht es dir, mein Schatz?“ Jason beugte sich nach unten und gab seiner Ehefrau einen Kuss.

Rachel blickte in sein grinsendes Gesicht hinauf. „Ja, das hat sie, nicht wahr? Ich bin erschöpft, aber hocherfreut. Mir geht es wunderbar und ich kann es gar nicht abwarten, sie in meinen Armen zu halten.“

Jason half ihr, sich aufzusetzen und schüttelte die Kissen hinter ihr auf.

„Dein Wunsch sei mir Befehl.“ Karen kam mit dem Baby zurück. Rachel streckte ihr ihre Arme entgegen. „Kannst du sie mir geben, bitte? Ich möchte sie bei mir haben.“

Karen legte das rosafarbene Baby in die Arme seiner Mutter. „Also nennt ihr sie Abbie? Das ist ein hübscher Name.“

„Ja, das hatten wir vor.“ Rachel wandte ihren Blick nie von der Kleinen. „Sie ist nach Jasons Mutter benannt.“

„Oh, wie schön. Brauchst du Hilfe dabei, sie zu stillen? Manchmal haben Babys Schwierigkeiten damit, anzufangen, zu saugen.“

„Ich weiß nicht. Ich glaube, ich bekomm‘ das hin.“

Rachel brachte Abbie an ihre Brust, rieb mit ihrer Brustwarze an ihren Lippen entlang, bis sie öffnete, sie in ihren Mund nahm und anfing, daran zu saugen.

„Gut gemacht. So schnell habe ich noch nie gesehen, dass eine neue Mutter ihr Baby zum Nuckeln bekommt.“ Jetzt wird es einfacher sein, die Plazenta zu holen, da ihre Gebärmutter sich wieder verengt und die Blutung stoppt.

Rachel sah zu ihr hinauf und strahlte.

„Abbie ist ein schlaues Mädchen“, sagte Jason erfreut.

„Das sehe ich. Und ich kann auch sehen, dass sie einen sehr stolzen Papa hat. Jetzt muss ich noch die Plazenta holen, das wird noch ein paar Minuten dauern.“ Sie drückte auf Rachels Unterleib, bewegte ihre Hände auf ihrem Bauch, bis die Plazenta aus dem Geburtskanal war, Karen sie dann herausziehen konnte und sie untersuchte, um sicherzustellen, dass sie ganz war. Zum Glück war das der Fall und sie wickelte sie in ein Handtuch, damit alles nachher entsorgt werden konnte. „Du wirst deine Monatsbinde ein paar Tage lang tragen müssen. Wenn der Ausfluss wieder rot wird, holt mich bitte sofort. Ich lasse euch ein Schrieb mit den Anweisungen auf dem Schreibtisch liegen. Lest sie, damit ihr sie nicht vergesst.“ Karen wusch ihre Hände, packte ihren Arztkoffer wieder zusammen und machte alles für den nächsten Patienten fertig.

Jason zog seine Schultern nach hinten und streckte seine Brust heraus.

„Ja, das bin ich. Ein sehr stolzer Papa.“

„In Ordnung, ich gehe dann mal. Ihr könnt mir morgen das Geld geben, wenn ich noch einmal herkomme, um sicherzusehen, dass ihr keine Probleme habt.“

„Nein, ich bezahle dich gleich. Was schulde ich dir?“

„Drei Dollar sollten genügen.“

Jason reichte ihr einen fünf Dollar Schein. „Vielen Dank, Karen. Ich bringe dich noch zur Tür.“

„Schon gut, ich kenne den Weg und du musst hier bei deiner Ehefrau und Tochter bleiben. Ich bin mir sicher, dass mich jemand nach Hause bringen wird.“

Rachel hörte auf, Abbie anzuschauen und sah auf. „Ich weiß, dass Adam dich liebend gerne fahren würde.“

Karen verzog das Gesicht. „Da bin ich mir nicht so sicher, aber irgendwer wird mich bestimmt zurückbringen können.“

Jason und Rachel sahen sich mit gerunzelter Stirn an.

„Alles wird gut. Macht euch keine Sorgen“, meinte Karen.

Sie und Lucy gingen hinunter ins Wohnzimmer.

„Meine Lieben, ihr habt eine neue Nichte und Billy, du hast eine kleine Schwester bekommen. Abbie Talbot. In einer halben Stunde ungefähr könnt ihr bestimmt alle zu ihr. Mami und Papi brauchen erst ein wenig Zeit mit ihr alleine. Und ich bräuchte jemanden, der mich bitte nach Hause bringt.“

„Ich werde dich fahren.“ Adam stand auf.

Karens Augen wurden groß. „Das ist wirklich nett von dir.“

Ein Lächeln wandelte seinen Gesichtsausdruck von abweisend zu einladend. „Mit Vergnügen.“

Ihre Wangen erwärmten sich, aber sie hielt Blickkontakt. „Dankeschön.“

„Bist du bereit, loszugehen?“

„Ja, ich würde heute noch gerne ein wenig schlafen. Die Patienten kommen jeden Tag früher und früher.“

„Hier, lass mich dir das abnehmen.“

Er griff nach ihrer Tasche und als sie sie ihm überreichte, berührten sich ihre Hände. Karen sah auf und bemerkte, dass seine Augen erneut groß wurden. Er spürt es auch. Beide Male. Eine Verbindung. Etwas, das ich noch nie gespürt habe. Das einzige Mal, dass ich Hände ohne Handschuhe berührt habe, waren Douglas‘ und er hat mir definitiv nie solch ein… Gefühl gegeben.

„Wollen wir los?“

Sie nickte und atmete tief durch. „Ja.“ Sie wandte sich den Leuten im Raum zu. „Gute Nacht, ihr alle. Bis morgen.“

Als sie am Wagen ankamen, half ihr Adam wieder hinein, aber da sie dieses Mal wusste, dass da etwas Besonderes zwischen ihnen war, war sie darauf vorbereitet, das Kribbeln wieder zu spüren. Aber das tat sie nicht. Sie dachte, dass sie sich wohl geirrt haben musste, als sie zuvor das Knistern gefühlt hatte. Ja, das war es. Sie wollte zu sehr, dass da etwas war - etwas Außergewöhnliches.

Sie waren auf halber Strecke den Berg hinuntergefahren, bevor sie sich dazu entschied, das Schweigen zu brechen.

„Also Adam, wie wäre es, wenn du nächsten Sonntag zum Abendessen vorbeikommen würdest?“

„Ich kann nicht. Familiäre Dinge zu tun.“

Er klingt verärgert. Vielleicht hätte ich ihn nicht fragen sollen. „Oh. Die Familie sollte immer an erster Stelle stehen.“

Stille herrschte, sie sprach das Thema vom Abendessen nicht mehr an.

Sie kamen kurz nach Mitternacht wieder an ihrem Haus an und war froh, dass sie sich ihren Schal mitgenommen hatte, bevor sie gegangen war. Adam kam zu ihrer Seite, um ihr zu helfen. Dieses Mal hob er sie hoch und hielt sie nah an seinem Körper, als er sie hinunterließ. Sie spürte seinen Atem an ihrem Gesicht, blickte nach oben und merkte, dass er sie, wie sie sich sicher war, mit… Hunger in seinem Blick ansah. Nun, wenn das der Fall war… wieso küsste er sie dann nicht einfach? Sie hatte diesen Gedanken kaum verarbeitet, schon hatte er sie von sich weggedrückt.

Aber sie wusste, was sie gesehen hatte und dieser Blick gab ihr Hoffnung. Sie würde es erneut versuchen, aber anstatt sonntags, würde sie ihn Samstag zum Abendessen einladen.

„Danke, dass du mich nach Hause gebracht hast.“

Er neigte seinen Kopf. „Klar. Jederzeit.“

Dann fuhr er davon und sie sah der Kutsche hinterher, bis sie völlig von der Dunkelheit verschluckt wurde.

Dieser Funke zwischen ihnen musste erforscht werden. War sie mutig genug, dem… nein, demjenigen… nachzugehen, den sie wollte?

KAPITEL 2

Karen war die umwerfendste Frau, die Adam je getroffen hatte. Eine gute Mutter und eine gute Ärztin noch dazu. Sie war so viel mehr als nur eine Hebamme, konnte alles behandeln - von einer Erkältung bis hin zu Schusswunden. Jedoch war sie immer noch eine Frau und Frauen waren nur an einer Sache interessiert.

Hatte Phoebe Eagleton diese Tatsache nicht bestätigt? Dass Frauen nur hinter Geld her waren? Sie hatte ihn an ihrem Hochzeitstag betrogen, indem sie mit seinem Trauzeugen und besten Freund Ralph Jenson durchgebrannt war. Ralph war reich, fast schon reich wie Krösus. Adam hoffte, dass sie die letzten zehn Jahre sehr glücklich waren. Seine Brüder hatten Glück gehabt. Sie hatten Frauen gefunden, in die sie sich verliebt hatten, die nicht auf Geld aus waren. Er hätte wissen müssen, dass mit Phoebe etwas nicht stimmte, als sie anfing, tagsüber ihre tief ausgeschnittenen Abendroben zu tragen, wenn Ralph da war.

Er hatte Phoebe geliebt und deshalb hatte es ihn so sehr verletzt, hintergangen zu werden. Aber er hatte seine Lektion gelernt. Er würde sich nicht mehr verlieben. Er würde nie wieder so verletzlich sein.

Aber Karen schien anders zu sein. Sie wollte den Menschen helfen und das war alles. Zumindest war er sich ziemlich sicher, dass das alles war.

Er hielt vor der Scheune an, spannte das Pferd aus der Kutsche aus und führte ihn in die Scheune, bevor er den Wagen wegbrachte.

Als er das Haus durch die Küche betrat, wurde er an der Tür von einem Trommelfeuer aus Fragen von seiner Schwägerin Lucy begrüßt.

„Na, worüber haben du und Karen geredet? Wirst du sie kennenlernen und ihr den Hof machen?“

„Nein.“ Adam schloss seine Augen und atmete tief durch. „Sie hat mich zum Essen eingeladen, aber ich habe nein gesagt.“

„Nein?“ Lucy schlug sich gegen die Stirn und rollte mit den Augen. „Was hast du dir dabei gedacht?“

„Die Einladung war für Sonntag. Du weißt, da ist unser Familientag.“ Sein Gesichtsausdruck wurde finster, da er ihr die Sache mit der Familienzeit erklären musste. „Am Samstag und Sonntag essen wir immer alle zusammen zu Abend.“

Lucy stemmte ihre Hände in die Hüften. „Ich glaube, dass du ruhig mal ein Essen verpassen könntest. Oder mehrere. Nimm diese Sache in die Hand, Adam. Karen ist eine wundervolle Frau und sie mag dich ganz offensichtlich, sonst hätte sie dich nicht zum Essen eingeladen.“

Er steckte seine Hände in seine Hosentaschen. „Ich weiß. Ich bin aber nicht bereit für eine Beziehung.“

„Seit wann?“, fragte Michael, als er auf dem Weg ins Wohnzimmer vorbeilief. „Das mit Phoebe ist lange her. Du musst damit abschließen. Lass die Vergangenheit hinter dir, Bruder. Zehn Jahre sind seitdem vergangen.“

Adam hob seine Arme. Wenn Michael zehn Jahre sagt, klingt das wirklich nach einer langen Zeit. „Ich weiß. Ich muss nicht darüber belehrt werden. Nicht von dir oder irgendwem sonst.“ Er stampfte die Treppen zu seinem Zimmer hinauf und schmiss die Tür zu.

Er würde sich dafür entschuldigen müssen, die Beherrschung verloren zu haben, aber dieser Wutanfall war es wert, den Gesichtsausdruck der beiden zu sehen, als der normalerweise so ruhige Adam mal widersprochen hat. Worüber war er überhaupt so wütend? Hatte er selbst nicht schon das Gleiche gedacht?

Ich würde Karen gerne besser kennenlernen. Vielleicht sollte ich wirklich anfangen, ihr den Hof zu machen. Aber bin ich tatsächlich bereit, Phoebes Treuebruch hinter mir zu lassen? Karen ist völlig anders als Phoebe. Ich glaube, die Zeit ist gekommen, darüber nachzudenken, zu heiraten. Ich hatte nicht daran gedacht, eine bereits bestehende Familie zu bekommen, aber Larry und Patty scheinen gute Kinder zu sein.

Und Karen wäre eine wundervolle Ehefrau. Lucy hat Recht. Was habe ich mir dabei nur gedacht? Ich muss diese Situation in die Hand nehmen und dem nachgehen, was ich will. Und ich will Karen.

*****