Kathrin spricht mit den Augen - Wie ein behindertes Kind lebt - Kathrin Lemler - E-Book

Kathrin spricht mit den Augen - Wie ein behindertes Kind lebt E-Book

Kathrin Lemler

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Beschreibung

Obwohl Kathrin nicht sprechen kann, hat sie doch viel zu sagen. Es war ihr Wunsch anderen mitzuteilen, was ihr wichtig ist. Als 10-jährige Schülerin beschreibt sie ihren Tagesablauf. 8 Jahre später macht Kathrin Abitur und erzählt in einem Interview, was sie denkt und fühlt. Heute studiert Kathrin Erziehungswissenschaft in Köln und arbeitet an ihrer Bachelor-Arbeit. Ihren Tagesablauf als Studentin ohne Lautsprache schildert sie in einem Nachwort.

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ISBN: 978-3-935265-21-8

eISBN: 978-3-943199-89-5

Kathrin LemlerStefan Gemmel

KATHRIN SPRICHTMIT DEN AUGEN

Wie ein behindertes Kind lebt …

Für Mama und Niklas:Danke, dass Ihr immer an mich geglaubt habt.Kathrin

Inhalt

Hallo, ich heiße Kathrin! Ich bin zehn Jahre alt ... (1995)

Interview mit Kathrin Lemler und Stefan Gemmel zu der gedruckten Neuauflage (2005)

Kathrin studiert mit den Augen – Nachwort zum e-book „Kathrin spricht mit den Augen“ von Kathrin Lemler (2014)

ISAAC – International Society for Augmentative and Alternative Communication

Hallo, ich heiße Kathrin! Ich bin zehn Jahre alt ...

Hallo, ich heiße Kathrin! Ich bin zehn Jahre alt und wohne mit meiner Mama und meinem Bruder Niklas in einem großen Haus in der Stadt. Ich mag gern Musik und Geschichten. Nachmittags lese ich viel oder ich spiele mit Niklas.

Wir liegen dann auf der Erde und machen Quatsch oder wir toben miteinander.

Doch das ist nicht immer leicht, denn ich kann meine Arme und Beine nicht so bewegen, wie ich das gern möchte. Allein gehen oder stehen kann ich nicht.

Deshalb habe ich einen Rollstuhl. Der fährt elektrisch und mit ihm bewege ich mich fort.

Aber leider sitze ich viele Stunden am Tag in diesem Rollstuhl. Oft sehe ich den anderen dabei zu, wie sie herumlaufen und miteinander spielen, und ich kann es ihnen nicht nachmachen. Solche Momente machen mich traurig.

Auch das Sprechen fällt mir schwer. Kurze Wörter wie „ja“ oder „nein“, „Mama“ oder „Papa“ kann ich zwar leicht sagen, doch ganze Sätze kann ich nicht aussprechen.

Eigentlich rede ich mit meinen Augen.

Wenn ich etwas haben möchte, schaue ich es an und jemand anders muss es mir bringen. Wenn ich spazieren fahren möchte, blicke ich zur Tür, und wenn ich Hunger habe, sehe ich den Tisch an.

Alle Leute, die mich kennen, wissen Bescheid und verstehen mich auf diese Art. Andere Menschen verstehen mich nicht so leicht. Es dauert lange, bis sie herausfinden, was ich möchte. Und das ist anstrengend für mich, denn ich muss immer wieder auf neue Weise versuchen ihnen klar zu machen, was ich meine.

Deshalb habe ich seit einigen Jahren eine Buchstabentafel. Sie hilft mir etwas zu sagen. Ich sehe dazu auf die Buchstaben und setze so das Wort zusammen, das ich sagen möchte. Das dauert zwar lange, aber die Tafel hilft mir doch sehr.

Denn bis ich diese Buchstabentafel hatte, konnten mich die meisten Leute nicht verstehen. Nur mit den Blicken zu sprechen ist schwierig und man kann auch nicht alles ausdrücken, was man möchte.

Lange Zeit habe ich mich gefragt, wie sich die Wolken anfühlen, und ich wollte mit jemandem darüber reden, warum es behinderte Kinder aufder Welt gibt.

Doch erst mit der Tafel konnte ich Sätze buchstabieren und so musste ich lange warten, bis jemand mit mir über diese Dinge gesprochen hat.

Natürlich ist es schwer für mich, nicht sprechen zu können. Oft bin ich deswegen traurig. Aber es gibt einen Satz. Den habe ich mir ausgedacht und meine Mutter hat ihn ganz groß aufgeschrieben und über mein Bett gehängt:

„Nicht lachen können ist schlimmer als nicht reden können.“ Und lachen, das kann ich sehr gut.

„Nicht lachen könnenist schlimmer als nicht reden können.“

Dieser Satz wurde zu meinem Lebensmotto.

Wenn ich auch bei vielen Dingen die Hilfe von anderen Leuten brauche, gibt es doch einiges, was ich alleine kann, zum Beispiel lesen, malen, Geschichten erfinden und vieles mehr.