Katie, die Braut em Lugengeflecht, Central City Braute, Buch 4 - Cynthia Woolf - E-Book
Beschreibung

Einsam und verlassen, nachdem ihr Stiefvater auf den Straßen von New York ermordet wurde, gibt Katie ihre zwei kleinen Geschwister als ihre eigenen Kinder aus. Sie gibt vor, eine Witwe zu sein und flieht als Versandbraut in das Colorado Territorium, geradewegs in die Arme des gutaussehenden Waffenschmieds Robert Wallace. Sie fühlen sich sofort zueinander hingezogen, aber gerade als alles gut zu werden scheint, holt die Vergangenheit sie ein. Katie erfährt die bittere Wahrheit über ihren Stiefvater, die ihre gesamte Familie in Gefahr bringt. Ihr Stiefvater wahrte ein Geheimnis, das sich nicht einfach abschütteln lässt. Robert Wallace war skeptisch, sah dann aber, wie glücklich seine Freunde mit ihren Versandbräuten waren. Als seine scheinbar perfekte Familie ankommt, ist er begeistert, zumindest bis er erfährt, dass seine Braut in einem Netz aus Lügen verstrickt ist. Schon einmal hatte eine raffinierte Frau versucht, ihn auszutricksen und so eine üble Überraschung würde er nicht noch einmal durchleben, egal wie unschuldig seine Braut scheint und wie sehr er sie begehrt. Katie ist fest entschlossen, ihre neue Familie zusammenzuhalten, koste es, was es wolle. Ihre Familie wird sie sich von niemandem nehmen lassen. Nicht von dem Mann aus New York, der sie nach Colorado verfolgt und auch nicht von ihrer Vergangenheit. Und erst recht nicht von diesem sturen, unwiderstehlichen Schotten, den sie ihren Ehemann nennt.

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Katie

die Braut em Lugengeflecht

Central City Bräute, Buch 4

Cynthia Woolf

KLAPPENTEXT

Einsam und verlassen, nachdem ihr Stiefvater auf den Straßen von New York ermordet wurde, gibt Katie ihre zwei kleinen Geschwister als ihre eigenen Kinder aus. Sie gibt vor, eine Witwe zu sein und flieht als Versandbraut in das Colorado Territorium, geradewegs in die Arme des gutaussehenden Waffenschmieds Robert Wallace. Sie fühlen sich sofort zueinander hingezogen, aber gerade als alles gut zu werden scheint, holt die Vergangenheit sie ein. Katie erfährt die bittere Wahrheit über ihren Stiefvater, die ihre gesamte Familie in Gefahr bringt. Ihr Stiefvater wahrte ein Geheimnis, das sich nicht einfach abschütteln lässt.

Robert Wallace war skeptisch, sah dann aber, wie glücklich seine Freunde mit ihren Versandbräuten waren. Als seine scheinbar perfekte Familie ankommt, ist er begeistert, zumindest bis er erfährt, dass seine Braut in einem Netz aus Lügen verstrickt ist. Schon einmal hatte eine raffinierte Frau versucht, ihn auszutricksen und so eine üble Überraschung würde er nicht noch einmal durchleben, egal wie unschuldig seine Braut scheint und wie sehr er sie begehrt.

Katie ist fest entschlossen, ihre neue Familie zusammenzuhalten, koste es, was es wolle. Ihre Familie wird sie sich von niemandem nehmen lassen. Nicht von dem Mann aus New York, der sie nach Colorado verfolgt und auch nicht von ihrer Vergangenheit. Und erst recht nicht von diesem sturen, unwiderstehlichen Schotten, den sie ihren Ehemann nennt.

KATIE, DIE BRAUT EM LUGENGEFLECHT

Copyright © 2017 English version

Copyright © 2018 German version

Alle Rechte vorbehalten.

ISBN- 978-1-947075-67-2

Bildnachweise: Novel Expressions, Period Images, Deposit Photos, Romcon Custom Covers

INHALTSVERZEICHNIS

KATIE, DIE BRAUT EM LUGENGEFLECHT

Klappentext

Copyright

Widmung

Danksagung

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Epilog

Über die Autorin

Verfügbare Titel auf Englisch

WIDMUNG

Für Jim.

Danke, dass du meine größte Inspiration, mein Ehemann, mein Liebster und mein bester Freund bist. Du nährst mich, bringst mich ins Bett, wenn ich an meinem Schreibtisch einschlafe und umsorgst mich auf so viele Weisen, die hier nicht aufgezählt werden können.

Ich liebe dich Schatz!

FÜR IMMER UND EINEN TAG!

DANKSAGUNG

Für meine Just-Write-Partner Michele Callahan, Karen Docter und Cate Rowan

Für meinen wunderbaren Cover-Künstler, Romcon Custom Covers

Für meine wunderbare Redakteurin, Linda Carroll-Bradd, du machst meine Geschichten so viel besser. Ich weiß nicht, was ich ohne dich tun würde.

KAPITEL 1

10. April 1871

Rockford Residenz, Brooklyn, New York

"Detective Nelson. Was machen Sie hier?"

Katie Kennedy entdeckte den Mann im Schlafzimmer ihres Stiefvaters. Offenbar hatte er sich die Bücher auf Noahs Nachttisch angesehen.

"Oh, ich … ähm … habe nach dem Toilettenhäuschen gesucht."

Sie hob eine Augenbraue. "Ich bin sicher, dass Noahs Bücher Ihnen dabei nicht weiterhelfen werden."

Er legte das Buch in seiner Hand wieder auf Noahs Bibel.

"Ich … ich wollte nur etwas zum Lesen … wissen Sie …"

"Lesematerialien liegen an unserem Toilettenhäuschen im Hinterhof schon bereit. Dort steht auch eine Laterne."

Sie deutete auf die Tür.

"Oh, nun, ich denke, dass es ich es noch etwas halten kann."

Das war wahrscheinlich die merkwürdigste Unterhaltung, die Katie je geführt hatte. Nach was suchte David Nelson?

*****

"Auf Wiedersehen. Danke, dass Sie gekommen sind. Ich bin sicher, dass Noah sich über Ihren Besuch gefreut hätte."

Der letzte Besucher der Totenwache für ihren Stiefvater hatte sich gerade verabschiedet und Katie Kennedy schloß die Tür hinter ihm. Nur ihre Freundin Geneva Watson war noch in der Küche. Sie hatte ihr angeboten, beim Aufräumen zu helfen.

Es war zehn Uhr. Sie lehnte sich an die Tür. Vor einigen Stunden hatte sie ihren kleinen Bruder und ihre Schwester ins Bett gebracht. Ethan war fünf und Ruthie gerade einmal drei Jahre alt. Sie hatten noch nicht richtig begriffen, was passiert war und es war schon spät. Eigentlich war sie auch schon viel zu müde, aber der letzte Besucher war gerade erste gegangen.

Noah Rockford war bei seinen Nachbarn sehr beliebt gewesen und offenbar auch bei seinen Polizeikollegen, zumindest wenn man nach dem nicht abreißenden Strom blauer Uniformen vor ihrem Haus urteilte. Sie hasste es, für ihn eine Totenwache veranstalten zu müssen. Katie hatte Noah geliebt. Er hatte sie seit ihrem zehnten Lebensjahr, als er Katies Mutter geheiratet hatte, großgezogen.

Katie seufzte. Ja, alle hatten ihn gemocht, außer sein Mörder.

Sie sah sich das Chaos in dem Haus an und schüttelte den Kopf. Im gesamten Wohnzimmer stand Geschirr herum, das eingesammelt und gewaschen werden musste. Sie sammelte die Teller und Tassen vom Couchtisch, den Beistelltischen und den Bücherregalen. Sie sollte dankbar darüber sein, dass sie und die Kinder immer noch ein Haus hatten, in dem sie die Totenwache halten konnten, denn es gehörte Noah nicht. Mr. Doolittle von nebenan hatte es ihm vermietet.

Nach Noahs Ermordung hatte der alte Mann gesagt, dass Katie und die Kinder einen Monat lang in dem Haus wohnen bleiben konnten, bevor er sich nach einem anderen Mieter umsehen musste. Wahrscheinlich hatte er Mitleid mit ihnen. Vermutlich musste er bei ihrem kleinen Bruder und ihrer kleinen Schwester an seine Enkel denken. Aus irgendeinem Grund war sie dankbar. Aber das war nun schon eine Woche her und sie wusste immer noch nicht, was sie tun sollte. Sie würde ein möbliertes Zimmer mieten müssen, denn das gesamte Mobiliar gehörte dem Vermieter. Das Einzige, was sie einpacken musste, waren ihre Kleider, Bücher, Bilder und ein paar Erinnerungsstücke, wie der Schmuck, den Noah ihr und Ruthie geschenkt hatte. Er hatte große Freude daran gehabt, ihnen diese hübschen Geschenke zu machen. Als sie an den Schmuck dachte, stiegen in ihr schöne Erinnerungen auf.

Das einzige Besitzstück, dass sie auf jeden Fall behalten würde, war Noahs Schrankkoffer. Das Gepäckstück war wunderschön. Scharniere, Ecken und das Schloss waren aus Messing gefertigt. Er war mit dicker, roter Seide gefüttert, ganz im Gegensatz zu den meisten Koffern. Sie hatten meistens kein Futter und waren viel zu groß. In diesem Schrankkoffer und ihren beiden Reisetaschen würde sie alles einpacken, was sie mitnehmen wollten.

Den Schnickschnack, mit dem ihre Mutter die Wände dekoriert hatte, würde sie hier lassen. Katies Meinung nach waren die Teller mit Katzenbildern, die kleinen Keramiktiere und die Schaukästen mit den Naturszenen nur Staubfänger. Mr. Doolittle könnte sie verkaufen oder einfach hängenlassen. Ihre Mutter wäre mit dieser Entscheidung nicht besonders glücklich gewesen, aber für Nostalgien blieb im Moment keine Zeit. Trotzdem musste sie an vergangene Zeiten denken.

Mama ist nun schon drei Jahre tot. Sie ist bei der Geburt meiner süßen, kleinen Ruthie gestorben. Ich trauere um Mama, aber ich gebe Ruthie dafür keine Schuld. Ich habe Noah lange Zeit für ihren Tod verantwortlich gemacht. Dafür, dass er noch mehr Kinder haben wollte und Mama dazu gezwungen hat, aber ich habe mich geirrt. Mama hat sich noch weitere Kinder gewünscht und Noah auch, obwohl er sich bemüht hat, dass es nicht passieren würde. Ich weiß nicht genau, was das bedeuten soll und Noah hat es mir auch nicht erklärt. Er sagte nur, dass er es versucht hatte.

Katie seufzte, ging in die Küche und setzte sich an den Tisch, auf dem immer noch das Essen von der Totenwache stand. Sie schenkte sich und ihrer Freundin Geneva Watson eine Tasse Tee ein. Geneva war dünn, hatte aber ein hübsches Gesicht und schöne goldbraune Haare. "Was soll ich jetzt nur tun? Ich habe zwei kleine Kinder und keine Mittel, um sie zu versorgen!"

Wenn sie über ihre Zukunft nachdachte, bekam sie Magenschmerzen. Damals war immer jemand da gewesen, den ich in solchen Situationen um Hilfe bitten konnte … Mutter oder Noah … jetzt ist mir keiner der beiden mehr geblieben.

"Ich weiß, dass das vielleicht nach einer verrückten Idee klingt, aber warum meldest du dich nicht als Versandbraut", meinte Geneva und blickte zur Decke hinauf. "Ich habe eine Freundin, die das gemacht hat und sie scheint sehr glücklich zu sein." Geneva zog aus ihrem Pompadour ein Blatt Papier hervor. "Hier. Das ist die Agentur, zu der meine Freundin gegangen ist. Es ist eine Zeitungsanzeige."

Eigentlich hatte ich mir meine Ehe anders vorgestellt. Ich habe immer gedacht, dass ich mein Leben mit einem Mann verbringen würde, den ich liebe und mit dem wir gemeinsame Kinder bekommen würden. Aber dieser Mann ist mir offensichtlich noch nicht begegnet. Ich bin im Moment nicht verliebt. Aber trotzdem …

Katie schüttelte den Kopf. "Welcher Mann will denn eine alte Jungfer und noch zwei kleine Kinder dazu?"

Geneva winkte ab. "Dann sei doch keine alte Jungfer. Sag einfach, dass du kürzlich verwitwet bist und immer noch in Trauer bist. Du bist eine schöne Frau, Katie. Du hast blondes Haar, blaue Augen und eine Figur, für die ich töten würde. Ethan und Ruthie sehen genauso aus wie du und könnten leicht als deine Kinder durchgehen. Du könntest angeben, dass du etwas älter als fünfundzwanzig Jahre alt bist, weil Ethan ja fünf ist. Du wirst dich die ganze Zeit schwarz kleiden müssen, dann wird dich dein neuer Ehemann aber auch nicht gleich ins Bett zerren."

"Ich möchte nicht lügen. Mama hat außerdem gesagt, dass diese Männer, die ihre Bräute bestellen, nur eine Frau haben wollen, die ihnen das Bett wärmt und für sie kocht und putzt. Sie hat sich geweigert, sich als Versandbraut registrieren zu lassen, obwohl sie es hätte tun können. Damals hat das Geschäft mit den Versandbräuten gerade erst angefangen. Aber sie wollte mehr. Als sie dann Noah getroffen hat, hat sie sich sofort in ihn verliebt. Er hat sie von Anfang an gut behandelt."

"Mein Bruder sagt, das ist der einzige Grund, warum er geheiratet hat. Damit er eine Frau hat … mit der er … naja, du weißt schon … das Bett teilen kann."

"Ich kenne deinen Bruder nicht, aber glaubst du das wirklich? Denkst du nicht, dass er seine Frau liebt?"

"Das kann schon sein. Darüber spricht man mit seinen Geschwistern meistens nicht, aber ich habe ihn einmal gefragt, warum er geheiratet hat und das war seine Antwort. Er scheint Claire zu lieben, vielleicht wollte er mich aber auch einfach nur aufziehen."

"Aber wie kannst du nur glauben, dass ich lügen könnte? Hast du jemals den Eindruck gehabt, dass ich dazu fähig wäre? Denn ich werde es ganz bestimmt nicht tun."

"Das wirst du. Ich weiß, dass du es tun wirst. Du hast zwei kleine Kinder, um die du dich kümmern musst und wenn du nicht gerade vorhast, sie in ein Waisenhaus zu stecken, und ich glaube nicht, dass du es vorhast, dann wirst du es tun müssen."

"Ich glaube nicht, dass ich mit so einer Lüge durchkommen würde. Außerdem möchte ich meine Ehe nicht mit einer Lüge beginnen. Es muss einfach eine andere Möglichkeit geben. Sicherlich gibt es eine Anstellung bei einer wohlhabenden Familie, wo ich unterrichten kann oder als Kindermädchen arbeiten kann." Sie ließ die Schultern sinken. "Ich habe diese Anstellung einfach noch nicht gefunden."

Geneva schüttelte den Kopf. "Hast du dich umgesehen?"

"Ja, ich habe es versucht. Vergeblich. Aber ich werde es weiter versuchen. Es muss etwas geben …"

"Hör dir einmal selbst zu. Du sprichst so, als würdest du keinerlei Verantwortung tragen, aber das tust du. Glaubst du wirklich, dass dich jemand mit zwei kleinen Kindern im Schlepptau anstellt?"

"Nun, ich … ich … ich habe es versucht."

Geneva neigte den Kopf zur Seite. "Das werden sie nicht und das weißt du sehr genau. Du hast dich schon vorher als Gouvernante, als Kindermädchen und als Lehrerin beworben und das, bevor du zwei Kinder hattest, um die du dich kümmern musstest. Diese Anstellungen sind nur schwer zu bekommen und für eine unverheiratete Frau mit Kindern ist es noch schwerer. Die einzig vernünftige Lösung, ist es, eine Versandbraut zu werden, das weißt du doch auch?!"

Katie seufzte, stützte ihren Ellenbogen auf den Tisch und vergrub ihr Kinn in ihrer Hand. "Ich nehme an, du hast recht. Ich werde die Kinder wohl nur als Versandbraut behalten können. Sie bedeuten mir einfach alles."

"Dann geh und stell dich der Heiratsvermittlerin vor. Sie sagte, dass sie ein paar tolle Herren zur Auswahl hat. Ich vertraue ihr."

Katie sah sich die Anzeige an und nickte. "In Ordnung, ich werde zur Agentur gehen und mich als Witwe Kennedy vorstellen und nicht als die alte Jungfer Kennedy." Ich habe keine andere Wahl! Ich bin fest entschlossen, Ethan und Ruthie bei mir zu behalten. Es geht nicht anders.

"Gut. Ich komme morgen früh vorbei und passe auf die Kinder auf, während du weg bist."

Katie griff nach der Hand ihrer Freundin. "Was würde ich ohne dich nur tun? Ich bin noch nicht einmal weg und ich vermisse dich jetzt schon furchtbar."

Geneva lachte und drückte Katies Hand. "Wir werden uns oft schreiben. Du musst mir sofort einen Brief schicken, sobald du angekommen bist und mir deine Adresse mitteilen. Außerdem musst du mir von deinem Ehemann erzählen."

Bei dem Gedanken, verheiratet zu sein, wurde es Katie warm, aber das änderte nichts an der Übelkeit, die in ihrer Magengrube saß. Sie wollte wirklich nicht lügen, aber sie war zu allem bereit, wenn es um das Wohl dieser Kinder ging. "Das werde ich. Hoffentlich kann ich dir schon etwas über ihn berichten, bevor ich fortgehe."

"Das hoffe ich auch. Vielleicht hat er auch ein Bild geschickt."

"Ja, aber das Bild kann ja auch jemand anderen zeigen, sein bester Freund oder so. Woher will man wissen, dass es wirklich er ist?"

"Sie sagt, dass sie die Männer mit großer Sorgfalt auswählt. Außerdem hat sie einen Assistenten, der die Identität der Männer überprüft."

"Na schön, das klingt besser, als ich dachte. Ich werde hingehen, aber wenn mir die Agentur nicht gefällt, werde ich mich nicht anmelden." Sie seufzte und lehnte sich auf dem Stuhl zurück. "Obwohl ich auch nicht wüsste, welche Option ich sonst noch habe."

Nach ein paar Minuten verabschiedete sich Geneva von Katie. Sie sah sich in der Küche um. Eigentlich musste sie alles aufräumen, aber im Moment fehlte ihr einfach die Kraft dazu.

Katie ging zu ihrem Bett. Als sie an Noahs Zimmer vorbeiging, musste sie an das seltsame Verhalten von Detective Nelson denken. Sie ging in Noahs Zimmer, nahm seine Bibel vom Nachttisch und stellte sie zu den anderen Büchern ins Regal. Sie wollte sie auf keinen Fall vergessen. Diese Bibel war etwas von den wenigen Dingen, die Noah seinen Kindern hinterlassen hatte und sie würde sichergehen, dass sie es später bekommen würden.

Schade, dass die Juwelen, die Noah für uns Mädchen gekauft hat, nicht echt sind. Ich hätte sie verkaufen und so im Haus bleiben können. Aber was dann? Selbst dann würde ich immer noch einen Arbeitsplatz finden müssen. Es ist sowieso egal. Wenn ich die Kinder behalten will, ist es wirklich das Beste, eine Versandbraut zu werden. Meine Träume sind jetzt unwichtig. Ruthie und Ethan stehen an erster Stelle und ich werde alles tun, was nötig ist, um sie bei mir behalten zu können.

*****

Geneva kam um acht Uhr morgens, um auf die Kinder aufzupassen.

Katie zog Ethan zur Seite. "Ich muss nur ein paar Besorgungen machen, dann bin ich wieder da. Tante Geneva wird bei dir und Ruthie bleiben, bis ich zurückkomme. Seid artig, in Ordnung?"

Ethan nickte. "Okay. Bringst du uns ein paar Süßigkeiten mit?"

"Süßigkeiten! Zum Frühstück? Das ist keine gute Idee."

Der Junge lachte. "Nicht zum Frühstück. Einfach, weil du uns lieb hast und wir uns so gut benehmen werden."

"Wir werden sehen. Ich muss jetzt gehen. Gib mir einen Kuss." Sie beugte sich zu ihm herunter, damit er an ihre Wange reichen konnte.

Gehorsam gab er ihr einen Kuss.

"Das ist mein großer Junge."

Sie richtete sich auf und sah Geneva an. "Bist du sicher, dass du mit ihnen alleine zurechtkommst?"

Geneva lachte. "Wir werden schon miteinander auskommen. Geh schon."

"Sie haben schon gefrühstückt. Ich habe keinen Bissen herunter bekommen. Ich bin so nervös."

"Das brauchst du nicht."

"Das kannst du so leicht sagen."

"Denk einfach daran, dass du es für die Kinder tust."

Katie atmete tief ein und wieder aus. "Gut, ich gehe jetzt. Ich werde in etwa einer Stunde zurück sein."

"Bleib so lange du willst. Ich habe heute nichts anderes vor."

Katie nahm Genevas Hände in ihre. "Vielen Dank."

*****

Katie war in der Baker Street 221 angekommen. Neben den anderen, unscheinbaren, schwarzen Türen der umliegenden Häuser stach die hellblaue Tür der Agentur sehr heraus und entlockte Katie ein Lächeln. Nach ihrer schlaflosen Nacht schien die fröhlich leuchtende Tür wie ein Zeichen für eine strahlende helle Zukunft. Und dieses Zeichen brauchte sie.

Sie hasste es, schwarz tragen zu müssen. Sie hatte zwei schwarze Kleider, die sie normalerweise nur zu Beerdigungen trug. Der Stoff beider Kleider war steif, weil sie so selten angezogen wurden. Gewöhn dich lieber daran, Katie. Das ist alles, was du ein Jahr lang tragen wirst. Sie versuchte den Gedanken mit einem Kopfschütteln loszuwerden, zupfte ihre schwarze Jacke zurecht, strich ihren Rock glatt und öffnete dann die Tür.

Als sie eintrat, ertönte eine Glocke.

"Hallo. Kann ich Ihnen weiterhelfen?"

Einer etwa dreißig Jahre alten Frau mit feurrotem Haar, die ein üppiges smaragdgrünes Kleid trug, sah sie an. Als Katie näher heran trat, konnte sie erkennen, dass das Kleid der Frau fast dem Farbton ihrer Augen entsprach.

"Ja, hallo. Ich bin Katie Kennedy und ich möchte eine Versandbraut werden."

"Kommen Sie bitte herein und setzen Sie sich, Miss Kennedy. Ich bin Margaret Selby. Sind Sie in Trauer?"

"Ja." Gott sei Dank, mein Plan funktioniert. "Mein Mann ist kürzlich verstorben. Ich habe zwei Kinder im Alter von fünf und drei Jahren, die ich versorgen muss. Ich schaffe das nicht alleine. Ich brauche einen Ehemann, Miss Selby."

"Mrs. Selby, aber Sie können mich ruhig Margaret nennen." Sie saß mit gefalteten Händen vor dem Schreibtisch und hatte ihre gesamte Aufmerksamkeit auf Katie gerichtet. "Ich bin selbst Witwe und weiß, dass es schwierig sein kann, sich in so einer Situation zu versorgen."

Katie knetete mit den Händen ihr Pompadour. Würde diese Frau, eine echte Witwe, ihre Farce durchschauen? Katie nickte. "Bitte nennen Sie mich doch Katie. Sie müssen Ihren Mann sehr geliebt haben."

"Eigentlich, nein, das habe ich nicht. Es war eine arrangierte Ehe. Im Grunde genommen hat mein Vater mich an meinen Ehemann verkauft. Und das bisschen Liebe, dass ich für ihn übrig hatte, ist verschwunden, als ich herausfand, dass er mir einen riesigen Schuldenberg hinterlassen hat."

"Das verstehe ich. Noah, mein verstorbener Ehemann, hat uns ohne jegliche Rücklagen zurückgelassen. Bevor ich heiratete, arbeitete ich als Gouvernante, aber jetzt mit zwei Kindern … Die Leute wollen keine Gouvernante oder ein Kindermädchen, das selbst Kinder hat. Leider hat Noah uns auch keine Vermögenswerte hinterlassen. Das Haus, in dem wir leben, ist gemietet und der Besitzer hat mir einen Monat freigestellt, damit ich für uns ein neues Zuhause finden kann. Ich brauche schnell einen Ehemann, Margaret. In nur zwei Wochen werden meine Kinder und ich keine Obdach mehr haben."

"Von Ihrem Namen, Kennedy schließe ich, dass Sie Schottin sind."

"Ja, mein Vater war Schotte."

"Sie haben Glück, Katie. Ich habe einen Mann in Central City. Das liegt im Colorado Territory. Ich habe bereits für alle seine Freunde eine Frau gefunden, aber bis Sie gekommen sind, konnte ich keine für ihn finden."

Wo liegt das Colorado Territory? Ist das nicht weit weg? Ich hatte eigentlich gehofft, ich könnte in hier der Nähe bleiben, dann könnte ich Geneva ab und zu besuchen. Aber vielleicht ist das der einzige Mann, den sie im Moment anzubieten hat.

"Warum nicht? Ist er furchtbar hässlich? Wenn ja, ist es mir egal. Ich möchte einfach einen Ehemann haben. Aber ich brauche einen anständigen Mann, keinen, der mich oder meine Kinder misshandelt. Aber wenn er der einzige Mann ist, den Sie anzubieten haben, nehme ich ihn. Wie Sie sehen können, bin ich verzweifelt. Alles, worum es mir im Moment geht, sind meine Kinder."

Mrs. Selby lächelte. "Ich habe viele Herren zur Verfügung, die sich bei Matchmaker & Co. angemeldet haben. Ich bemühe mich, jedem Mann die Frau zu schicken, mit der er am besten zusammenpasst."

"Oh und der Mann, von dem Sie reden, wünscht sich Kinder?"

"Nun, er hat nicht direkt um Kindern gebeten, aber er hat auch nicht angegeben, dass er keine Frau mit Kindern haben will. Er hofft, dass er mit seiner Braut Kinder haben wird, wie es in seinem Brief heißt, und ich glaube, Sie werden eine gute Ehefrau für Mr. Robert Wallace sein."

Margaret erhob sich, ging zu den Tischen hinter dem Schreibtisch und kam mit einem Aktenordner zurück.

"Hier ist ein Foto. Es ist der Mann rechts außen."

Katie nahm das Foto entgegen. Es zeigte vier Männer in Unionsuniformen. Er ist ein gutaussehender Mann. Ich mag seine dunklen Haare. Ich frage mich, ob sein Haar wirklich so schwarz ist, wie es aussieht. Das werde ich wohl dann erst herausfinden, aber auf dem Bild wirken seine Augen hell und zum Glück ist er ordentlich rasiert. Bärte oder Schnurrbärte habe ich noch nie gemocht.

"Diese Männer sehen alle sehr gut aus. Warum sollte irgendeiner von ihnen eine Versandbraut suchen?"

Margaret lächelte. "Das habe ich mir zuerst auch gedacht, aber in Central City, dem Ort, in dem sie leben, gibt es nicht besonders viele Frauen."

Vielleicht war ihm ihr Alter und die Kinder dann egal, wenn es nicht besonders viele Frauen zur Auswahl gab.

"Ich hoffe, dass mein Mann und ich uns irgendeinmal lieben werden, aber natürlich wird das nicht sofort passieren."

Ich hatte immer gehofft, dass ich mich in einen hübschen jungen Mann verlieben würde, der meine Gefühle erwidert und ihn dann heiraten würde.

Margaret hielt ihr ein Blatt Papier hin. "Hier ist der Brief, den er zusammen mit dem Foto geschickt hat. Ich habe auf die richtige Frau für ihn gewartet."

7. Dezember 1870

Sehr geehrte Mrs. Selby,

Dies ist mein zweiter Brief an Sie. Da ich auf den ersten Brief, den ich Ihnen im Juli zugesendet habe, keine Antwort von Ihnen erhalten haben, schreibe ich nun noch einmal.

Mein Name ist Robert Wallace. Meine Freunde, Jack Colton, Lucky Madigan und Henry Jacobs, haben mir Ihre Agentur empfohlen. Sie alle haben Ihre Dienste in Anspruch genommen und sind mit ihren Ehefrauen sehr glücklich. Alle lieben ihre Bräute und erwarten bereits ein Kind oder haben schon gemeinsame Kinder.

Ich suche nicht nach der großen Liebe und die Frau, die meine Braut wird, sollte sich dessen bewusst sein. Ich werde ihr ein Zuhause, Essen und Gesellschaft bieten. Hoffentlich werden wir eines Tages Kinder haben, aber das ist schon alles, was ich versprechen kann.

Ich möchte, dass meine Frau etwas Bildung hat und auch gut kochen kann. Sie muss bereit sein, mit anzupacken, da ich Junggeselle bin und sich das auch in meinem Zuhause widergespiegelt. Sie wird das Haus in ein einladendes Zuhause umwandeln müssen.

Ich bin gebürtiger Schotte und kam als fünfzehnjähriger Junge nach Amerika. Ich bin jetzt zweiunddreißig Jahre alt. Von Beruf bin ich Waffenschmied und mein Geschäft wummert sozusagen gerade zu.

Katie grinste. Der Mann hatte offensichtlich einen Sinn für Humor. Gut. Sie las weiter.

So sehr, dass ich nach einem Lehrling suche, der mir dabei hilft, einen zweiten Laden zu eröffnen.

Nun etwas zu meinem Aussehen. Ich bin sechs Fuß groß, habe schwarzes Haar und grüne Augen. Ich bin schlank und hätte nichts dagegen, aufgrund des guten Essens meiner Frau, etwas an Gewicht zuzulegen.

Ich hoffe, dass Sie eine Frau finden können, die bereit ist, hierher zu kommen, um mir tatkräftig zur Seite zu stehen, wofür sie natürlich belohnt werden wird. Ich hätte nichts dagegen, wenn sie hübsch ist.

Hochachtungsvoll,

Robert Wallace

Nachdem Katie den Brief gesenkt hatte, beugte Margaret sich vor und stützte sich auf den Schreibtisch ab. "Also, was denken Sie? Scheinbar ist sein erster Brief verloren gegangen. Er ist nie bei mir angekommen. Ich habe ihm geschrieben und ihm versichert, dass ich diesen hier erhalten habe."

"Abgesehen davon, dass er sich weigert, seine Frau zu lieben, klingt er zu gut, um wahr zu sein. Warum haben Sie für ihn nicht schon früher eine Frau gefunden?"

Margaret runzelte die Stirn. "Um ehrlich zu sein, weil er Schotte ist. Die Frauen, denen ich ihn vorgeschlagen habe, wollten keinen Schotten haben. Ich verstehe die Voreingenommenheit selbst nicht, aber das ist der wahre Grund."

Katies Augen wurden groß. "Das verstehe ich auch nicht. Ich bin Schottin und ich bin eine ganz normale Person. Wenn er bereit ist, mich zu heiraten, würde ich Mr. Robert Wallace gerne zum Mann nehmen."

"Wunderbar." Margaret klatschte in die Hände. "Ich möchte, dass Sie einen Brief an Mr. Wallace schreiben, in dem Sie ihm von sich berichten. Ich werde solange den Vertrag aufsetzten. Mr. Wallace hat Geld für Ihre Reisekosten und für neue Kleidung geschickt, falls Sie Kleidung brauchen."

"Meine Kinder und ich haben ausreichende Kleidung und ich kann auch nähen. Wir brauchen keine neue Kleidung. Das Geld kann ich aber für die Fahrkarten der Kinder verwenden. Gehe ich richtig in der Annahme, dass ein Zug direkt nach Central City fährt?"

Die Heiratsvermittlerin zuckte zusammen. "Nun, nicht bis nach Central City. Sie müssen den Zug nach Denver nehmen und reisen dann mit einer Postkutsche nach Golden City und dann mit dem Güterwagen nach Central City. Haben Sie viel Gepäck?"

Ach du meine Güte. Ich hoffe, dass die Kinder die Reise gut mitmachen. Sie werden sich für eine lange Zeit auf engsten Raum aufhalten müssen. In den Pausen muss ich sie so oft wie möglich herumlaufen lassen und aufpassen, dass sie die anderen Passagiere dabei nicht verärgern. Vielleicht haben wir Glück und auf der Reise gibt es auch andere Kinder.

"Nur einen Schrankkoffer und zwei Koffer. Wir besitzen nicht viel."

"Dann sollten Sie gut zurechtkommen."

"Ethan ist für sein Alter sehr zuverlässig und wird mir mit Ruthie helfen."

"Gut. Dann sollte es gut klappen. Ich werde Sie jetzt in Ruhe Ihren Brief schreiben lassen."

Katie nahm das Blatt Papier, Feder und Tinte von Margaret entgegen und begann zu schreiben. Sie hasste es, ihren zukünftigen Ehemann belügen zu müssen. So sollte man seine Ehe eigentlich nicht beginnen, aber sie hatte keine andere Wahl.

11. April 1871

Sehr geehrter Mr. Wallace,

Mein Name ist Kathleen Kennedy, aber alle nennen mich Katie. Ich bin eine Witwe und habe zwei kleine Kinder, Ethan ist fünf Jahre alt und Ruthie ist drei. Mein Mann war Polizist und wurde vor drei Wochen im Dienst getötet. Ich verspreche, Ihnen eine gute Ehefrau zu sein.

Ich bin eine gute Köchin, kann nähen und werde auch das Haus in Ordnung halten.

Ich bin fünfundzwanzig Jahre alt, habe blondes Haar und blaue Augen. Ich bin fünf Fuß und fünf Zoll groß.

Meine Mutter und mein Vater kamen aus Schottland, aber ich wurde in Amerika geboren und spreche sehr wenig Gälisch. Meine Mutter wollte, dass ich als Amerikanerin Englisch spreche. Ich kenne allerdings einige Wörter und kann meistens herausfinden, was gerade gesagt wurde. Sprechen Sie zu Hause Gälisch? Wenn ja, müssen Sie es mir und den Kindern unbedingt beibringen. Wir würden es gerne lernen.

Wenn alles gut geht, werde ich New York am 20. April verlassen. Mir wurde gesagt, dass die Reise nach Central City ungefähr sechs Tage dauert und ich würde somit am 26. April 1871 bei Ihnen ankommen.

Hochachtungsvoll,

Katie Kennedy

Katie reichte Margaret den Brief.

"Ich habe ihm nur ein bisschen von mir erzählt, weil ich nicht weiß, was er wissen will."

Ich habe ihm so wenig wie möglich berichtet. Ich will nicht mehr lügen, als ich es sowieso schon tue. Ich möchte eigentlich gar nicht lügen, aber ich weiß nicht, was ich sonst tun soll. Ich bin keine gute Lügnerin. Ich hoffe, der Herr im Himmel vergibt mir, Ich weiß einfach nicht, wie ich die Kinder sonst versorgen soll.

Margaret las das Anschreiben.

"Ich denke, das ist in Ordnung. Ich wusste sofort, dass Sie die Richtige für ihn sind. Sie sind das erste schottische Mädchen, das zu mir gekommen ist. Ich muss auf Sie gewartet haben. Ich werde Ihre Zugfahrkarten nach Denver kaufen. Die Postkutschentickets nach Golden City müssen Sie selbst kaufen, sobald sie in Denver angekommen sind. Ich werde Ihnen den Rest des Geldes, das er geschickt hat, geben, wenn Sie Ihre Tickets abholen."

"Wie viel hat er gesendet?"

"Dreihundert Dollar. Die Zugfahrt wird für Sie und die Kinder ungefähr zweihundert Dollar kosten. Ich werde Ihnen weder die teuersten noch die billigsten Plätze reservieren, sondern die zweite Klasse. Ihre Sitze sollten dann gepolstert sein und Rückenlehnen haben. Sie werden die Sitze aber nicht in ein Bett umwandeln können."

Er muss wirklich wohlhabend sein, wenn er es sich leisten kann, so viel Geld schicken zu können. Sollte es wirklich wahr sein, dass ich einen gutaussehenden Mann heirate, der zudem auch noch reich ist? Oder hat er lange Zeit gespart, um das Geld zusammenzubekommen?

"Dreihundert Dollar! Du meine Güte, dieser Mann muss reich sein! Danke, dass Sie die Tickets für die zweite Klasse kaufen. Das hört sich wunderbar an. Ich habe schon befürchtet, wir müssten auf der gesamten Reise auf Holzbrettern sitzen, was aber trotzdem besser wäre, als den ganzen Weg mit einem Güterwagen oder der Postkutsche zurückzulegen."

"Komm Sie morgen wieder und holen Sie Ihre Tickets ab. Sie haben ausreichend Zeit, um Ihre Sachen zu packen und sich vorzubereiten. Packen Sie wirklich all Ihre Kleidung ein, besonders Ihre Winterkleidung. Soweit ich weiß, kann es in Central City ziemlich viel Schnee geben."

Katie erhob sich und zog einen Handschuh an.

Sie hatte der Heirat zugestimmt. Jetzt gab es kein zurück mehr. Aber ich würde meine Meinung auch gar nicht ändern. Für die Kinder würde ich es wieder tun. Aber es fällt mir immer noch schwer, diese Lüge zu erzählen. Ich weiß nicht, was passieren wird, wenn Robert herausfindet, dass ich ihn hintergangen habe.

"Vielen Dank, Margaret. Sie haben mir sehr geholfen. Ich werde die Tickets morgen Nachmittag gemeinsam mit den Kindern abholen. Ich hoffe, das stört Sie nicht.

Margaret lächelte. "Überhaupt nicht. Ich liebe Kinder."

Katie streckte ihre rechte Hand aus und schüttelte Margaret zum Abschied die Hand.

"Abgemacht, Katie Kennedy oder sollte ich lieber sagen, zukünftige Mrs. Robert Wallace?"

Katie hatte Schmetterlinge im Bauch. Sie wollte hinauslaufen und der Welt verkünden: "Ja! Endlich passiert etwas Gutes in meinem Leben."

Zuerst habe ich Vater verloren, dann Mutter und jetzt Noah. Wie viele Menschen muss ich noch gehen sehen?

*****

Als sie nach Hause kam, bedanke sie sich bei Geneva dafür, dass sie auf die Kinder aufgepasst hatte. Geneva hatte Ruthie sogar für Ihren Mittagsschlaf zu Bett gebracht.

Nun saß Katie mit Ethan im Wohnzimmer.

"Ethan, du weißt doch, dass Ruthie mich Mama nennt?" Drei Jahre lang war Mama nun schon tot. Ruthie und Ethan sind wirklich wie meine Kinder und nicht nur mein Bruder und meine Schwester.

"Mh-hm."

"Du wirst mich auch Mama nennen müssen. Von nun an bin ich deine Mutter. Ich hab dich liebe und ich möchte, dass du das für mich tust. Schaffst du das?"

"Ja, Mama." Er grinste.

Katie nahm ihn in die Arme.

"Habe ich dir schon gesagt, dass ich dich lieb habe?"

"Mh-hm. Du sagst es mir jeden Abend, wenn du mich ins Bett bringst."

"Nun, mein Kleiner, ich liebe dich ja auch sehr."

"Ich hab dich auch lieb, Katie … ich meine Mama."

Sie drückte ihn fest an sich. Mit etwas Glück würden sie das schaffen. Es konnten so viele Dinge schiefgehen. Aber sie hoffte, dass ihr Ehemann sich bereits an sie und die Kinder gewöhnt hätte, wenn er die Wahrheit herausfand. Aber was, wenn nicht?

*****

Katie erwachte von dem Geräusch zerberstender Glasscherben. Unten. Jemand war unten. Sie holte Noahs Dienstpistole aus der Nachttischschublade, sah sie sich an und legte sie wieder zurück. Sie hatte keine Ahnung, wie man sie bedienen sollte oder ob sie geladen war.

Sie zündete die Lampe neben ihrem Bett an und trug sie ins Kinderzimmer. Die Kinder schliefen tief und fest.

Katie wusste nicht, was sie tun sollte. Sie ging zurück zum Nachttisch und holte die Waffe hervor. Sie könnte dem Einbrecher damit drohen und ihn vielleicht täuschen. Mit der linken Hand hielt sie die Lampe und mit der rechten die Waffe. Sie stieg die Treppe hinunter.

Aus dem Wohnzimmer drangen Geräusche und Katie betrat den Raum.

"Wer auch immer Sie sind, verschwinden Sie, bevor ich schieße."

Sie richtete die Waffe auf den Mann, der die Bücher in den Regalen durchsuchte.

"Verschwinden Sie."

Sie hob die Waffe und drückte ab. Die Pistole feuerte. Der Druck warf Katie fast um, aber sie hatte ihr Ziel erreicht. Der Einbrecher flüchtete aus dem eingeschlagenen Fenster.

Katie wollte sichergehen, dass der Mann nicht wieder ins Haus einsteigen würde und holte ein paar Holzstücke aus Noahs Werkstatt im Keller, mit denen sie das zerbrochene Fenster zunagelte. Dann machte sie sich daran, das Zimmer aufzuräumen und die Bücher wieder in das Regal zu stellen. Sie sollte eigentlich die Polizei rufen, aber was könnten sie schon tun? Es schien nichts zu fehlen. Was auch immer die Person gesucht hatte, sie hatte es nicht gefunden.