Verlag: Mozaika Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

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E-Book-Beschreibung Keep Me - Verwandelt - Anna Zaires

"Sie wurde im Alter von achtzehn Jahren entführt. Sie wurde fünfzehn Monate lang gefangen gehalten. Das liest sich wie eine dieser reißerischen Überschriften aus den Medien. Und trotzdem, ich tat es. Ich habe sie gestohlen. Nora, mit ihrem langen Haar und ihrer seidigen Haut. Sie ist meine Schwäche, meine Besessenheit. Ich bin kein guter Mann. Ich habe niemals vorgegeben einer zu sein. Sie kann mich lieben, doch sie wird mich nicht ändern können. Ich kann sie aber ändern. Ich heiße Julian Esguerra, und Nora gehört mir." Keep Me ist die Fortsetzung von Twist Me, aus Nora & Julians Perspektiven erzählt.

Meinungen über das E-Book Keep Me - Verwandelt - Anna Zaires

E-Book-Leseprobe Keep Me - Verwandelt - Anna Zaires

Keep Me - Verwandelt

Verschleppt 2

Anna Zaires

Aus dem Amerikanischen von Grit Schellenberg

♠ Mozaika Publications ♠

Alle in diesem Roman vorkommenden Personen, Schauplätze, Ereignisse und Handlungen sind vom Autoren frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Ereignissen sind rein zufällig.

Copyright © 2014 Anna Zaires

www.annazaires.com/deutsch.html

Alle Rechte vorbehalten

Kein Teil dieses Buches darf reproduziert, gescannt oder in gedruckter oder elektronischer Form ohne vorherige Erlaubnis verbreitet werden. Ausnahme ist die Benutzung von Auszügen in einer Buchbesprechung.

Veröffentlicht von Mozaika Publications, einer Druckmarke von Mozaika LLC.

www.mozaikallc.com

Lektorin: Kerstin Frashier

Cover: Najla Qamber Designs

www.najlaqamberdesigns.com

e-ISBN: 978-1-63142-060-3

Print ISBN: 978-1-63142-061-0

I

Die Ankunft

1

Julian

Es gibt Tage, an denen der Drang zu verletzen und zu töten einfach zu stark ist, um ihn zu verleugnen. Tage, an denen der dünne Mantel aus Zivilisation, der mich umgibt, fast bei der kleinsten Provokation abfällt und das Monster in meinem Inneren freilegt.

Heute ist einer dieser Tage.

Heute habe ich sie bei mir.

Wir sind im Auto auf dem Weg zum Flughafen. Sie sitzt eng an mich gedrückt, ihre schlanken Arme sind um mich geschlungen und ihr Gesicht ist in meinem Hals vergraben.

Ich wiege sie in einem Arm, ich streichele ihr Haar und genieße seine seidige Struktur. Es ist jetzt lang und reicht bis zu ihrer schlanken Taille hinunter. Ihre Haare sind seit neunzehn Monaten nicht mehr geschnitten worden.

Nicht seit ich sie zum ersten Mal entführt habe.

Ich atme ein und nehme ihren Duft auf — leicht, blumig, köstlich feminin. Es ist eine Mischung aus einem Shampoo und ihrer körpereigenen Chemie, und mir läuft davon das Wasser im Mund zusammen. Ich will ihr die Klamotten vom Leib reißen und diesem Geruch überall hin folgen, jede Kurve und jede Mulde ihres Körpers erkunden.

Mein Schwanz zuckt, und ich erinnere mich selbst daran, dass ich sie gerade erst gefickt habe. Das ist aber egal. Meine Lust für sie ist allgegenwärtig. Dieses besessene Verlangen hat mich anfangs gestört, aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt. Ich habe es akzeptiert, verrückt nach ihr zu sein.

Sie scheint ruhig zu sein, sogar zufrieden. Ich mag das. Ich mag es, wenn sie sich an mich kuschelt, so sanft, so vertrauensvoll. Sie kennt meine wahre Natur und trotzdem fühlt sie sich bei mir sicher. Ich habe sie dazu erzogen, so zu fühlen.

Ich habe sie dazu gebracht, mich zu lieben.

Nach ein paar Minuten bewegt sie sich in meinen Armen und hebt ihren Kopf, um mich anzuschauen. »Wohin fahren wir?«, fragt sie blinzelnd und ihre langen schwarzen Wimpern schwingen wie Fächer nach oben und unten. Sie hat diese Augen, die einen Mann auf die Knie gehen lassen — sanfte, dunkle Augen, bei deren Anblick ich an zerwühlte Laken und nacktes Fleisch denken muss.

Ich zwinge mich dazu, mich zu konzentrieren. Es gibt nichts, was meine Konzentration so sehr stört wie diese Augen. »Wir fliegen zu mir nach Hause, nach Kolumbien«, beantworte ich ihre Frage. »An den Ort, an dem ich aufwuchs.«

Ich war seit Jahren nicht mehr dort — nicht seit meine Eltern ermordet worden sind. Aber die Residenz meines Vaters ist eine Festung, und das ist genau das, was wir jetzt brauchen. In den letzten Wochen habe ich zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen einbauen lassen, so dass dieser Ort jetzt praktisch unbezwingbar ist. Niemand wird mir Nora jemals wieder wegnehmen — das habe ich sichergestellt.

»Wirst du bei mir bleiben?« Ich kann den hoffnungsvollen Ton in ihrer Stimme hören und nicke lächelnd.

»Ja, mein Kätzchen, das werde ich.« Jetzt, da ich sie wieder habe, ist die Notwendigkeit, sie bei mir zu haben, zu stark, um sie verleugnen zu können. Die Insel war einst der sicherste Ort für sie, aber jetzt ist sie es nicht mehr. Jetzt wissen sie von ihrer Existenz — und sie wissen, dass sie meine Achillesferse ist. Ich muss sie bei mir haben, wo ich sie beschützen kann.

Sie leckt sich ihre Lippen, und meine Augen folgen dem Weg ihrer süßen, rosafarbenen Zunge. Ich möchte ihr dickes Haar um meine Faust wickeln und ihren Kopf in meinen Schoß drücken, aber ich widerstehe diesem Drang. Dafür wird später Zeit sein, wenn wir an einem sichereren — und weniger öffentlichen — Ort sind.

»Wirst du meinen Eltern wieder eine Million Dollar schicken?« Ihre Augen sind groß und unschuldig, während sie mich anschaut, aber ich kann die unterschwellige Herausforderung in ihrer Stimme hören. Sie stellt mich auf die Probe — testet die Grenzen dieser neuen Phase unserer Beziehung.

Mein Lächeln verstärkt sich, und ich strecke mich nach ihr aus, um ihr eine Haarsträhne hinter dem Ohr festzustecken. »Möchtest du, dass ich sie ihnen schicke, mein Kätzchen?«

Sie blickt mich ohne zu zwinkern an. »Nicht wirklich«, erwidert sie sanft. »Ich würde sie stattdessen viel lieber anrufen.«

Ich halte ihren Blick. »Okay. Du kannst sie anrufen, sobald wir da sind.«

Ihre Augen werden riesig und ich kann sehen, dass ich sie überrascht habe. Sie hatte erwartet, wieder meine Gefangene zu sein, abgeschnitten von der Außenwelt. Was sie noch nicht erkannt hat ist, dass das nicht länger nötig ist.

Ich habe das erreicht, was ich mir vorgenommen hatte.

Sie gehört jetzt ganz und gar mir.

»Einverstanden«, sagt sie langsam, »das werde ich tun.«

Sie schaut mich an, als könne sie mich nicht einordnen — so als sei ich ein exotisches Tier, das sie niemals zuvor gesehen hat. Sie schaut mich oft so an, mit dieser Mischung aus Vorsicht und Faszination. Sie fühlt sich von mir angezogen — das hat sie von Anfang an — und doch hat sie unterschwellig Angst vor mir.

Ein Raubtier wie ich mag das. Ihre Angst, ihr Zögern — das rundet die ganze Sache ab. Das macht es noch süßer sie zu besitzen, zu spüren, wie sie sich jede Nacht in meine Arme schmiegt.

»Erzähl mir von deiner Zeit zu Hause«, sage ich leise und ziehe sie an mich heran bis sie bequemer an meiner Schulter liegt. Ich kämme mit meinen Fingern ihre Haare zurück und blicke auf ihr Gesicht, welches zu mir nach oben schaut. »Was hast du die ganzen Monate lang gemacht?«

Ihre weichen Lippen verziehen sich zu einem selbstironischen Lächeln. »Du meinst, außer dich zu vermissen?«

Ein warmes Gefühl breitet sich in meiner Brust aus. Ich möchte es nicht zulassen. Ich möchte nicht, dass es etwas bedeutet. Ich möchte, dass sie mich liebt, weil ich das kranke Bedürfnis habe, sie ganz und gar zu besitzen — nicht, weil ich ihre Gefühle erwidere. »Ja, genau«, antworte ich ruhig und denke an die vielen Arten auf die ich sie nehmen werde, sobald wir wieder alleine sind.

»Also, ich habe mich mit Freunden getroffen«, beginnt sie und ich höre ihr dabei zu, wie sie mir von dem berichtet, was sie in den letzten vier Monaten getan hat. Vieles davon wusste ich schon. Lucas hatte von sich aus dafür gesorgt, dass Nora diskret beobachtet wurde, während ich mich im Koma befand. Sobald ich aufwachte, erhielt ich einen detaillierten Bericht über alles, was Nora machte.

Dafür schulde ich ihm etwas — und dafür, dass er mir mein Leben gerettet hat. Während der letzten Jahre war Lucas Kent ein unschätzbar wertvolles Mitglied meiner Organisation geworden. Nur wenige andere hätten den Mut gehabt, sich so einzusetzen. Selbst ohne die genaue Wahrheit über Nora zu kennen, war er clever genug gewesen zu erkennen, dass sie mir etwas bedeutete und hatte dafür gesorgt, dass sie sich in Sicherheit befand.

Sie hat davon nichts mitbekommen. »Und, hast du ihn gesehen?«, wollte ich wie nebenbei von ihr wissen und hob meine Hand um mit ihrem Ohrläppchen zu spielen. »Jake, meine ich.«

Ihr Körper versteinert in meinen Armen. Ich kann die feste Anspannung jedes einzelnen Muskels spüren. »Ich habe ihn zufällig kurz nach einem Essen mit meiner Freundin Leah getroffen«, antwortet sie ruhig und schaut mich an. »Wir haben einen Kaffee zusammen getrunken, wir drei, und danach habe ich ihn nicht wieder gesehen.«

Ich erwidere einen Moment lang ihren Blick und nicke dann zufrieden. Sie lügt mich nicht an. Das Gleiche hatte auch in den Berichten gestanden. Als ich es das erste Mal gelesen habe, wollte ich den Jungen mit meinen bloßen Händen umbringen.

Das würde ich immer noch tun, sollte er sich jemals wieder in Noras Nähe begeben.

Der Gedanke an einen anderen Mann in ihrer Nähe erfüllt mich mit blanker Wut. Den Berichten zufolge hat sich Nora während meiner Abwesenheit aber mit niemandem getroffen — mit einer einzigen Ausnahme. »Was ist mit dem Richter?«, frage ich sanft und bemühe mich nach Kräften, meine kochende Wut zu unterdrücken. »Hattet ihr beiden eine schöne Zeit?«

Sie erblasst unter ihrem goldfarbenen Teint. »Ich habe nichts mit ihm gemacht«, erwidert sie und ich kann Besorgnis aus ihrer Stimme heraushören. »In jener Nacht ging ich aus, weil du mir gefehlt hast, weil ich es satt hatte alleine zu sein. Es ist allerdings nichts passiert. Ich trank eine Menge, aber konnte es trotzdem nicht tun.«

»Nein?« Ein Großteil meines Ärgers verfliegt. Ich kann sie gut genug lesen um zu wissen wann sie lügt — und gerade sagt sie mir die Wahrheit. Ich behalte trotzdem im Hinterkopf, diese Sache näher zu untersuchen. Sollte der Richter sie berührt haben, wird er dafür bezahlen.

Sie blickt mich an und ich kann fühlen, wie ihre eigene Anspannung nachlässt. Sie kann meine Stimmungen spüren wie kein anderer. So als sei sie irgendwie auf mich abgestimmt. So war das von Anfang an mit ihr. Im Gegensatz zu den meisten Frauen konnte sie schon immer mein wirkliches Ich spüren

»Nein.« Ihre Mundpartie wird hart. »Ich konnte seine Berührung nicht zulassen. Ich bin schon zu verändert, um noch mit einem normalen Mann zusammen sein zu können.«

Ich hebe meine Augenbrauen und bin unfreiwillig belustigt. Sie ist nicht mehr das verängstigte Mädchen, das ich auf meine Insel gebracht hatte. In der Zwischenzeit waren meinem kleinen Kätzchen scharfe Krallen gewachsen und es hat angefangen, sie auch zu benutzen.

»Das ist gut.« Ich lasse meine Finger spielerisch über ihren Hals gleiten und nähere mich mit meinen Kopf, um ihren süßen Duft einzuatmen. »Niemand darf dich anfassen, Baby. Niemand außer mir.«

Sie antwortet nicht, sondern blickt mich einfach weiterhin an. Sie braucht nichts zu sagen. Wir verstehen uns perfekt. Ich weiß, ich werde jeden Mann umbringen, der Hand an sie legt, und sie weiß das auch.

Es ist eigenartig. Niemals zuvor war ich so besitzergreifend bei einer Frau. Das ist Neuland für mich. Vor Nora waren alle Frauen in meinem Kopf austauschbar — nur weiche, hübsche Kreaturen, die durch mein Leben rauschten. Sie kamen freiwillig zu mir, wollten Sex, wollten Schmerzen spüren und ich erfüllte ihre Verlangen. Gleichzeitig wurden meine eigenen körperlichen Bedürfnisse befriedigt.

Meine erste Frau nahm ich mit vierzehn Jahren, kurz nach dem Tod meiner Mutter. Sie war eine der Huren meines Vaters; er sandte sie zu mir, nachdem ich zwei von Marias Mördern umgebracht hatte, indem ich sie in ihrem eigenen Hause kastrierte. Ich denke, mein Vater hatte die Hoffnung, dass die sexuelle Verlockung mich von meinen Racheplänen abbringen würde.

Ich muss wohl nicht extra sagen, dass dieser Plan nicht aufging.

Sie trat mit einem engen schwarzen Kleid bekleidet in mein Zimmer. Ihr Make-up war perfekt und ihr satter, voller Mund glänzte rot. Als sie damit begann, sich vor mir zu entkleiden, reagierte ich genauso wie jeder Teenager — mit sofortiger, heftiger Lust. Aber ich war zu diesem Zeitpunkt nicht irgendein Teenager. Ich war ein Mörder; und das schon seit meinem achten Lebensjahr.

In jener Nacht nahm ich die Hure grob. Ich war zu unerfahren, um mich zu kontrollieren und wollte meinem Vater — und der ganzen beschissenen Welt — eins auswischen. Ich ließ meinen ganzen Frust an ihrem Fleisch aus, hinterließ Schrammen und Bissspuren — und sie kam die darauffolgende Nacht zurück, weil sie mehr wollte, dieses Mal ohne das Wissen meines Vaters. So ging das einen ganzen Monat lang. Sie schlich sich wann immer sie die Gelegenheit dazu hatte in mein Zimmer und lehrte mich was sie mochte... was ihrer Meinung nach viele Frauen mochten. Sie wollte keinen süßen und zärtlichen Sex; sie wollte Schmerz und Gewalt. Sie wollte jemanden, bei dem sie sich lebendig fühlte.

Und mir fiel auf, dass ich das mochte. Ich mochte es, sie schreien und betteln zu hören, während ich ihr wehtat und sie kommen ließ. Die Gewalt, die in mir wohnte, hatte ein anderes Ventil gefunden und ich ließ sie heraus so oft ich Gelegenheit dazu fand.

Das reichte natürlich nicht. Die Wut, die tief in mir brodelte konnte nicht so leicht beruhigt werden. Marias Tod hatte etwas in meinem Inneren geändert. Sie war das einzige Reine und Schöne in meinem Leben gewesen und jetzt war sie weg. Ihr Tod erreichte mehr als die Ausbildung durch meinen Vater: sie tötete den letzten Rest meines Gewissens, falls ich jemals eines besessen haben sollte. Ich war nicht länger der Junge, der zögerte, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Ich war das Raubtier, das nach Blut und Rache dürstete. Ich ignorierte die Anweisung meines Vaters, die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen. Ich spürte einen nach dem anderen auf und ließ sie bezahlen, berauschte mich an ihren Schmerzensschreien und ihrem Flehen nach einem schnelleren Tod.

Darauf folgten Gegenschläge, die wiederum vergolten wurden. Menschen starben. Die Männer meines Vaters. Die Männer seines Rivalen. Die Gewalt eskalierte so lange, bis mein Vater beschloss seine Partner zu beschwichtigen indem er mich aus dem Geschäft ausschloss. Ich wurde weggeschickt, nach Europa und Asien... und dort fand ich Dutzende weiterer Frauen wie diejenige, die mich in den Sex eingeführt hatte. Wunderschöne, willige Frauen, die meine eigenen Neigungen widerspiegelten. Ich erfüllte ihnen ihre dunkelsten Fantasien und sie gaben mir vorübergehendes Vergnügen — ein Arrangement, das perfekt in mein Leben passte. Besonders dann, als ich zurückkehrte, um die Leitung des Unternehmens meines Vaters zu übernehmen.

Erst vor neunzehn Monaten, auf einer Geschäftsreise nach Chicago, hatte ich sie gefunden.

Nora.

Die Reinkarnation meiner Maria.

Das Mädchen, welches ich für immer behalten will.

2

Nora

Während ich in Julians Umarmung sitze, fühle ich die vertraute Mischung aus Aufregung und Angst. Unsere Trennung hat ihn überhaupt nicht verändert. Er ist immer noch der gleiche Mann, der fast Jake getötet hatte und nicht zögerte das Mädchen zu entführen, welches er wollte.

Er ist auch der Mann, der fast gestorben ist um mich zu retten.

Jetzt, da ich weiß, was mit ihm passiert ist kann ich die körperlichen Anzeichen seiner Qualen erkennen. Er ist schlanker als zuvor und seine gebräunte Haut spannt leicht auf den scharfkantigen Wangenknochen. Auf seinem Ohr befindet sich eine ungleichmäßige rosafarbene Narbe und sein dunkles Haar ist sehr kurz. Auf der linken Seite seines Schädels wachsen die Haare etwas unebenmäßig, so als versteckten sie dort eine weitere Narbe.

Trotz dieser kleinen Makel ist er immer noch der umwerfendste Mann den ich jemals gesehen habe. Ich kann meinen Blick nicht von ihm abwenden.

Er lebt. Julian lebt und ich bin wieder bei ihm.

Es fühlt sich immer noch so unwirklich an. Bis heute Morgen dachte ich, er sei tot. Ich war überzeugt davon gewesen, dass er bei der Explosion umgekommen war. Vier unendlich scheinende Monate lang hatte ich mich gezwungen stark zu sein, mein Leben weiterzuleben und den Mann zu vergessen, der jetzt neben mir sitzt.

Der Mann, der mir meine Freiheit gestohlen hat.

Der Mann, den ich liebe.

Ich hebe meine linke Hand und fahre zärtlich den Umriss seiner Lippen mit meinem Zeigefinger nach. Er hat den unglaublichsten Mund den ich jemals gesehen habe — einen Mund zum Sündigen. Als ich ihn berühre, öffnen sich seine wundervollen Lippen und er fängt meine Fingerspitze mit seinen scharfen weißen Zähnen. Er beißt leicht hinein, bevor er den Finger in seinen Mund hineinsaugt.

Eine Welle der Erregung rollt über mich hinweg, als seine nasse Zunge mit meinem Finger spielt. Meine inneren Muskeln ziehen sich zusammen und ich spüre, dass meine Unterwäsche feucht wird. Ich bin für ihn so leicht zu haben. Ein Blick, eine Berührung und ich begehre ihn. Mein Geschlecht fühlt sich geschwollen und etwas wund an seit er mich vorhin genommen hat, aber mein Körper sehnt sich danach, sich erneut mit ihm zu vereinigen.

Julian lebt und er nimmt mich wieder einfach mit.

Als mir diese Tatsache bewusst wird ziehe ich meine Finger von seinen Lippen zurück. Plötzlich fühle ich eine leichte Kälte auf meiner Haut und mein Verlangen lässt nach. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich kann meine Meinung nicht mehr ändern. Julian hat erneut die Kontrolle über mein Leben übernommen und diesmal habe ich mich sogar freiwillig in sein Spinnennetz begeben, mich seiner Gnade ausgesetzt.

Natürlich hätte es auch nichts geändert, wenn ich nicht zugestimmt hätte, rufe ich mir in Erinnerung. Ich denke an die Spritze in Julians Tasche und weiß, dass das Ergebnis immer das gleiche gewesen wäre. Bei Bewusstsein oder betäubt, in jedem Fall hätte ich ihn heute begleitet. Aus irgendeinem nicht ganz logischen Grund fühle ich mich mit diesem Wissen besser. Ich lege meinen Kopf zurück an Julians Schulter und entspanne mich.

Es ist sinnlos, gegen das Schicksal zu kämpfen und ich fange an, diese Tatsache zu akzeptieren.

Wegen des Straßenverkehrs dauert unsere Fahrt zum Flughafen etwas mehr als eine Stunde. Zu meiner Überraschung ist es nicht O'Hare. Stattdessen kommen wir bei einer kleinen Piste an, auf der ein großes Flugzeug auf uns wartet. Ich erkenne die Buchstaben 'G650' auf seinem Heckflügel.

»Gehört das Flugzeug dir?«, frage ich, als Julian mir die Autotür öffnet.

»Ja.« Er schaut mich weder an, noch geht er näher darauf ein. Stattdessen fährt sein Blick unsere Umgebung ab, so als würde er sie nach versteckten Bedrohungen absuchen. Sein Benehmen zeigt eine Wachsamkeit, die ich vorher noch nie gesehen habe. Zum ersten Mal wird mir klar, dass die Insel auch sein Rückzugsort gewesen war, ein Ort, an dem er sich wirklich entspannen und nicht ständig auf der Hut sein musste.

Sobald ich aussteige umfasst Julian meinen Arm und drängt mich zum Flugzeug. Der Fahrer folgt uns. Ich hatte ihn davor nicht sehen können, da eine Verkleidung den hinteren Sitzbereich von den Sitzen vorne getrennt hatte. Jetzt erhasche ich einen Blick auf ihn, während wir zum Flugzeug gehen.

Dieser Mann muss einer von Julians Navy SEALs sein. Sein blondes Haar ist kurz geschnitten und die blassen Augen in diesem eckigen Gesicht sind eiskalt. Er ist sogar noch grösser als Julian und bewegt sich mit der gleichen athletischen Anmut wie ein Krieger. Jede seiner Bewegungen ist kontrolliert. In seiner Hand befindet sich ein großes Sturmgewehr und ich zweifele nicht daran, dass er genau weiß wie man damit umgeht. Noch ein gefährlicher Mann... einer, den viele Frauen wegen seiner gleichmäßigen Gesichtszüge und seines muskulösen Körpers zweifellos attraktiv finden. Auf mich trifft das nicht zu, aber ich bin auch verwöhnt. Nur wenige Männer können mit dieser Anziehungskraft eines dunklen Engels mithalten, die Julian ausstrahlt.

»Was für ein Flugzeug ist das?«, frage ich ihn als wir die Stufen hinaufgehen und eine luxuriöse Kabine betreten. Ich verstehe nichts von Privatjets, aber dieser hier sieht beeindruckend aus. Ich versuche, nicht alles anzustarren, aber ich versage kläglich. Die cremefarbenen Ledersitze im Inneren sind riesig und es gibt ein richtiges Sofa mit einem Kaffeetisch davor. Ich sehe außerdem eine offene Tür, die in den hinteren Teil des Flugzeugs führt und erhasche einen Blick auf das Kingsize Bett, welches sich darin befindet.

Meine Kinnlade klappt vor Erstaunen nach unten. Dieses Flugzeug hat ein Schlafzimmer.

»Es ist eines der luxuriöseren Gulfstream Flugzeuge«, antwortet er und dreht mich herum, um mir meinen Mantel abzunehmen. Seine warme Hand berührt dabei meinen Hals und ein angenehmer Schauer durchfährt mich. »Ein Geschäftsjet für extra lange Strecken. Er kann uns ohne nachzutanken bis zu unserem Ziel bringen.«

»Sehr nett«, sage ich und schaue Julian dabei zu, wie er meinen Mantel in den Schrank neben der Tür hängt und danach seine eigene Jacke auszieht. Ich kann mich von diesem Anblick nicht abwenden und mir wird bewusst, dass ein Teil von mir immer noch Angst hat, dass das hier nicht real ist — dass ich aufwachen und herausfinden werde, dass es sich nur um einen Traum handelt und Julian in Wirklichkeit bei der Explosion umgekommen ist.

Der Gedanke lässt mich erzittern und Julian bemerkt meine ungewollte Bewegung. »Ist dir kalt?«, fragt er und kommt auf mich zu. »Ich kann die Temperatur erhöhen lassen.«

»Nein, es ist alles in Ordnung.« Trotzdem genieße ich Julians Wärme als er mich zu sich heranzieht und einige Sekunden lang über meine Arme reibt. Ich kann die Wärme seines Körpers durch meine Kleidung spüren und sie verjagt die Erinnerung an diese furchtbaren Momente, in denen ich dachte ich hätte ihn verloren.

Ich schlinge meine Arme um Julians Taille und drücke ihn fest. Er lebt und ich habe ihn bei mir. Das ist im Moment alles was zählt.

»Wir sind startklar.« Eine unbekannte Stimme erschreckt mich und ich lasse Julian los um mich umzusehen. Der blonde Fahrer steht da und blickt uns mit einem unlesbaren Ausdruck auf seinem harten Gesicht an.

»Gut.« Julian lässt seinen Arm auf mir liegen und hält mich fest an seiner Seite als ich versuche wegzugehen. »Nora, das ist Lucas. Er ist derjenige, der mich aus dem Lagerhaus gezogen hat.«

»Oh, ich verstehe.« Ich sehe den Mann mit einem strahlenden und ehrlichen Lächeln an. Dieser Mann hat Julians Leben gerettet. »Ich freue mich sehr, Sie kennenzulernen, Lucas. Ich weiß gar nicht wie ich Ihnen für das, was Sie getan haben, danken soll—«

Seine Augenbrauen zucken leicht, so als sei er über das, was ich ihm gerade gesagt habe überrascht. »Ich habe nur meine Arbeit gemacht«, erklärt er mit einer tiefen, leicht belustigten Stimme.

Julians Mundwinkel verzieht sich zu einem leichten Lächeln, aber er antwortet nicht darauf. Stattdessen fragt er: »Ist auf dem Anwesen alles vorbereitet?«

Lucas nickt. »Alles ist bereit.« Dann schaut er mich an und sein Gesicht ist genauso ausdruckslos wie vorher. »Es freut mich auch Sie kennenzulernen, Nora.« Danach dreht er sich um und verschwindet im Cockpit.

»Er ist dein Fahrer und deinPilot?«, möchte ich von Julian wissen, nachdem Lucas weg ist.

»Er ist sehr vielseitig«, erwidert Julian und führt mich zu den weichen Sesseln. »Wie die meisten meiner Männer.«

Sobald wir sitzen kommt eine umwerfend schöne dunkelhaarige Frau aus dem vorderen Bereich des Flugzeugs in die Kabine. Ihr weißes Kleid sieht aus, als sei es auf ihre Kurven gegossen worden. Mit ihrem perfekten Make-up sieht sie genauso glamourös aus wie ein Filmstar — abgesehen von dem Tablett mit der Flasche Champagner und den beiden Gläsern, das sie in ihren Händen hält.

Ihr Blick streift mich, bevor er zu Julian gleitet. »Möchten Sie sonst noch etwas, Herr Esguerra?«, fragt sie, während sie sich nach vorne beugt um das Tablett auf den Tisch zwischen unseren Sitzen zu stellen. Ihre Stimme ist sanft und melodisch und der hungrige Blick mit dem sie Julian anschaut lässt mich mit den Zähnen knirschen.

»Für den Moment ist das alles. Danke, Isabella«, erwidert er und lächelt sie kurz an. Ich fühle ein kurzes, schmerzhaftes Aufflackern von Eifersucht. Julian hatte mir einmal gesagt, er habe seit unserer Begegnung keinen Sex mit anderen Frauen gehabt, aber ich frage mich trotzdem, ob er in der Vergangenheit Sex mit dieser Frau hatte. Sie ist eine Sexbombe und ihr Verhalten macht deutlich, dass sie mehr als bereit dazu wäre, Julian alles zu servieren was er möchte — auch sich selbst, nackt auf einem Silbertablett.

Bevor meine Gedanken noch weiter in diese Richtung abdriften können, atme ich tief durch und zwinge mich dazu, aus dem Fenster auf den fallenden Schnee zu schauen. Ein Teil von mir weiß, dass es krank und unlogisch ist so besitzergreifend zu sein. Jede rational denkende Frau wäre erfreut darüber, wenn der Entführer seine Aufmerksamkeit auf jemand anderes lenken würde. Aber was Julian betrifft bin ich nicht mehr rational.

Stockholm Syndrom. Bindung während der Gefangenschaft. Traumatische Bindung. Meine Therapeutin hatte diese Begriffe während unserer wenigen Sitzungen benutzt. Sie hatte versucht mit mir über meine Gefühle für Julian zu sprechen, aber es war zu schmerzvoll für mich gewesen, über den Mann zu reden, den ich verloren hatte. Ich hörte auf zu ihr zu gehen. Ich schlug die Begriffe aber später nach und ich kann verstehen, warum sie auf meine Erlebnisse angewendet werden können. Ich weiß aber nicht, ob es so einfach ist. Oder ob es überhaupt wichtig ist. Eine Sache verschwindet nicht, nur weil man ihr einen Namen gibt. Was auch immer der Grund für meine emotionale Bindung zu Julian ist, ich kann sie nicht abstellen. Ich kann ihn nicht weniger lieben.

Als ich mich wieder umdrehe um Julian anzuschauen hat die Flugbegleiterin die Kabine schon verlassen. Ich höre, wie die Motoren aufheulen und lege automatisch meinen Gurt um, genauso wie ich es mein ganzes Leben lang gemacht habe.

»Champagner?«, fragt er und greift nach der Flasche auf dem Tisch.

»Na klar, warum nicht«, sage ich und schaue ihm dabei zu, wie er mir ein Glas einschenkt.

Er reicht es mir und ich lehne mich in dem geräumigen Sitz nach hinten, und nehme einen Schluck von dem prickelnden Getränk während das Flugzeug zu rollen beginnt.

Mein neues Leben mit Julian hat begonnen.

3

Julian

Ich nehme einen Schluck aus meinem Glas und betrachte Nora wie sie durch das Fenster auf die immer kleiner werdende Landschaft blickt. Sie trägt Jeans, ein Sweatshirt aus blauem Fleece und ihre Füße stecken in einem grob aussehenden Paar Stiefel aus Schafsfell. Ich glaube, die heißen Uggs. Trotz dieser abschreckenden Schuhe sieht sie immer noch sexy aus — aber ich sehe sie lieber in Sommerkleidern, in denen ihre weiche Haut in der Sonne schimmert.

Ich betrachte ihren ruhigen Gesichtsausdruck und frage mich, was sie wohl gerade denkt; ob sie es bedauert, mich begleitet zu haben.

Das sollte sie nicht. Ich hätte sie sowieso mitgenommen.

Als spüre sie meinen Blick auf sich, dreht sie sich zu mir herum. »Wie haben sie von mir erfahren?«, will sie mit ruhiger Stimme wissen. »Die Männer die mich entführt haben, meine ich. Woher wussten sie, dass ich existiere?«

Bei ihrer Frage spannt sich mein ganzer Körper an. Meine Gedanken wandern zurück zu diesen höllischen Stunden nach dem Angriff in der Klinik und ich werde von der gleichen Mischung aus brennendem Hass und lähmender Angst ergriffen.

Sie hätte sterben können. Sie hätte sterben können, wenn ich sie nicht rechtzeitig gefunden hätte. Auch wenn ich ihnen das gegeben hätte, was sie verlangten, hätten sie sie immer noch umgebracht, um mich dafür zu bestrafen, ihren Forderungen nicht eher nachgegeben zu haben. Ich hätte sie verloren. Genauso wie ich Maria verloren habe.

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