Kidnapper - Theodor Horschelt - E-Book

Kidnapper E-Book

Theodor Horschelt

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  • Herausgeber: BookRix
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2019
Beschreibung

Kriminalroman von Theodor Horschelt Der Umfang dieses Buchs entspricht 204 Taschenbuchseiten. Am Rande des mittelenglischen Grubenreviers herrscht der Sehr Ehrenwerte William Dyber-Ashton, Grubeneigner, Fabrikbesitzer und Herr über Millionen, wie ein ungekrönter König. Er ist das genaue Gegenteil eines Tugendboldes, ein schlechter Ehemann, ein harter, ungerechter Arbeitgeber, ein Menschenverächter. Und doch gibt es auch bei ihm einen Punkt, wo er verwundbar ist. Genau dort setzt ein Verbrecher von eiskalter Gemeinheit und Skrupellosigkeit den Hebel an. In diese ungute Atmosphäre versetzt der Zufall David Lanworth, den Chief Explorer des Anglo American Insurance Pool, einen Privatdetektiv, der Kriminalistik und Kriminologie als reine Wissenschaft betreibt, dabei aber durchaus in der Lage ist, sich notfalls mit Fäusten und Schusswaffen zu schlagen...

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Seitenzahl: 207

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Theodor Horschelt

Kidnapper

Cassiopeiapress Kriminalroman

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Kidnapper

Kriminalroman von Theodor Horschelt

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 204 Taschenbuchseiten.

 

Am Rande des mittelenglischen Grubenreviers herrscht der Sehr Ehrenwerte William Dyber-Ashton, Grubeneigner, Fabrikbesitzer und Herr über Millionen, wie ein ungekrönter König. Er ist das genaue Gegenteil eines Tugendboldes, ein schlechter Ehemann, ein harter, ungerechter Arbeitgeber, ein Menschenverächter. Und doch gibt es auch bei ihm einen Punkt, wo er verwundbar ist. Genau dort setzt ein Verbrecher von eiskalter Gemeinheit und Skrupellosigkeit den Hebel an.

In diese ungute Atmosphäre versetzt der Zufall David Lanworth, den Chief Explorer des Anglo American Insurance Pool, einen Privatdetektiv, der Kriminalistik und Kriminologie als reine Wissenschaft betreibt, dabei aber durchaus in der Lage ist, sich notfalls mit Fäusten und Schusswaffen zu schlagen...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover: Klaus Dill, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

1

Kein vernünftiger Mensch hätte sich eine Kleinstadt im mittelenglischen „Revier“ als Sammelpunkt barocker Kulturen und architektonischer Schönheit vorgestellt, und so war Dave Lanworth nicht enttäuscht, als er am ersten Juli, aus Richtung Bolton – Wigan kommend, die Peripherie von Iron Village erreichte. Die Straße hatte viele Meilen weit durch ein stilles, erhabenes Hochmoor geführt und sich danach allmählich wieder dem Bergbaugebiet zugewandt, um zuletzt etwa fünf Meilen in südwestlicher Richtung parallel zum Drebblekanal zu verlaufen, der den Wehrort mit dem Drebble verband.

Fördertürme mit ihren charakteristischen riesigen Seilscheiben, Kohlen- und Abraumhalden sowie die Betriebs- und Verwaltungsgebäude der Zechen prägten das Bild der Landschaft im Norden, während der westliche Teil durch den Erzberg seinen entscheidenden Akzent erhielt. Die Stadt selbst – laut Lexikon besaß sie 19950 Einwohner, die fast alle entweder in der erzfördernden oder eisenschaffenden Industrie beschäftigt waren – schien sich in eine nördliche Oberstadt und eine südliche Talsiedlung aufzugliedern. Zwischen der Nahtstelle beider Stadtteile und dem Erzabbaugebiet zog sich ein ausgedehntes Industriegelände mit Eisenhütten, Fabriken, Lagerplätzen, Gleisen, Lokomotivschuppen und Wagenhallen hin. Aus vielen Schornsteinen und Hochöfen wirbelte Rauch in die laue, etwas feuchte Luft und lief in etwa 250 Meter Höhe zu einem gigantischen Pilz zusammen. Ruß- und Dreckpartikel verunreinigten die Atmosphäre, und Dave sah mit stummem Missvergnügen die schwärzliche Schicht auf der Scheibe seines Tiger immer dichter werden.

Das Bild, das Iron Village an jenem Freitagnachmittag bot, hätte auch in einem weit weniger sensiblen Menschen als David Lanworth keine erfreulichen Empfindungen ausgelöst. Bei ihm, Dave, war es aber weit mehr, nämlich die bange Ahnung nahenden Unheils, das er auf sich zukommen zu sehen glaubte, und nicht nur auf sich.

Er näherte sich der Kreuzung Ostwestachse/Nordsüdachse bei Rot, fuhr zügig weiter und bog bei Gelb rechts ab, um die Schlange wartender Fahrzeuge zu überholen. Als der Tiger noch zwei Meter vor dem weißen Stoppstrich rollte, erschien Grün auf der Ampel, und Dave gab Gas. Im zweiten Gang schoss der geschlossene Sportwagen über die Kreuzung, als von rechts ein schwarzes Jaguar-Coupe heranraste und mit heulenden Reifen brutal in die Rechtskurve gerissen wurde. Mit traumwandlerischer Sicherheit riss Dave seinen Wagen ruckartig nach links, bremste und entging auf diese Weise um Haaresbreite dem Rammstoß des Jaguars, der angesichts der Gewichtsdifferenz zwischen beiden Fahrzeugen und der enormen Geschwindigkeit des Coupes vernichtend gewesen wäre.

Ohne Zeit zu verlieren, schaltete Dave auf den ersten Gang zurück, fuhr an und nahm die Verfolgung des rücksichtslos davonjagenden Fahrers auf, der einwandfrei bei Rot die Kreuzung passiert hatte. Der starke Tigermotor war dem Jaguar gewachsen. Schon nach ein paar Sekunden konnte Dave das amtliche Kennzeichen seines Vordermannes lesen: TWL 228. Gleichzeitig wurde er von einem knallroten MG-Sportwagen überholt, dessen Fahrer sich nun mit rücksichtsloser Brutalität in die Lücke zwischen Tiger und Jaguar hineinzwängte und Dave erneut zum Bremsen zwang. Jetzt war dieser endgültig bedient, fuhr links an den Randstein heran und hielt. Er nahm sein Taschenbuch und einen Kugelschreiber aus dem Jackett und machte sich eine Notiz: 14.13 Uhr, Kreuzung beider Achsen; schwarzes Jaguar-Coupe TWL 228; offener roter MC-A TWL 93 …

Jemand riss die rechte Seitentür auf.

„Zum Teufel, Mann, was treiben Sie hier?“, fauchte eine widerlich kehlige Stimme. Dave fuhr überrascht auf. Er sah breite Schultern, einen runden, von rötlichem Flaum bedeckten Schädel und ein Gesicht, das einer Dieselramme längere Zeit als Polster gedient haben mochte; die Ohren glichen Blumenkohl der teuren Preisklasse „A“, die Nase war um 22 Grad gegen die normale Richtung versetzt, und ihr fleischiger Doppelflügel knochenlos und breitgewalzt. Ein Mund, der große Ähnlichkeit mit einer Flammenwerferdüse hatte, ein charakterschwaches Kinn und die tückischen Augen eines gereizten Stiers rundeten das Bild einer Persönlichkeit ab, deren Interessen zuallerwenigst auf geistigem Gebiet lagen.

„Machen Sie keine Mätzchen, Mann! Was wollen Sie überhaupt, he?“

„Das“, erwiderte Dave und gab Gas, „geht Sie …“, er ließ die Kupplung kommen – „… einen feuchten Kehricht an!“ Der Wagen schoss davon, die Tür knallte von selbst zu, und der Gorilla drehte eine Pirouette, wie Dave mit Befriedigung im Rückspiegel feststellte.

*

Das Polizeirevier am Marktplatz war wie tausend andere eingerichtet, die Dave in englischen Kleinstädten gesehen hatte. Er trat an die Barriere und fixierte einen bulligen Beamten, der eben dabei war, sich mit Hilfe eines langen Schnappmessers aus einem Streichholz einen Zahnstocher zu schnitzen. Erst als dieser schön lang und spitz war, legte er das Messer aus der Hand, erhob sich und trat langsam zu Dave an die Barriere. „Sir?“

„Guten Tag, Wachtmeister!“, erwiderte Dave missbilligend. „Ich bin der Privatdetektiv David Zacharias Habakuk Lanworth, geboren am 17. April 1924 zu Dagenham, und in London W. 8. St. Marcus Circus 14, wohnhaft. Ich möchte gegen den Fahrer des Coupes Jaguar XK 100, Farbe schwarz, Kennzeichen TWL 228 …“

„Kleinen Moment, Sir“, bat der Beamte konsterniert, „sagten Sie schwarzer Jaguar TWL 228?“

„So sagte ich in der Tat“, nickte Dave.

„Nehmen Sie bitte einen Augenblick Platz, Sir, damit ich alles zur Aufnahme des Protokolls vorbereiten kann.“

Dave gehorchte achselzuckend. Der Wachtmeister ging zur Hintertür, drehte sich noch einmal um, fixierte den Detektiv sekundenlang kopfschüttelnd und verschwand. Dieses Kopfschütteln bezog Dave auf seine Erscheinung, die in nichts jener törichten Vorstellung entsprach, die durch gewisse amerikanische Kriminalfilme beim Publikum genährt wird, in denen der Privatdetektiv 250 Pfund schwer, ein harter Fighter und brutaler Schläger zu sein hat, der pro Woche mit seiner „Taschenkanone“ vier bis siebzehn Gangster „killt“ und ständig eine Literflasche Brandy, sowie an jedem Arm eine vollbusige, gewagt gekleidete Blondine mit sich umherschleppt.

David Lanworth war nur mittelgroß – etwa eins-siebzig – drahtig-schlank, blond und konventionell gekleidet. In seinem schlanken Gesicht stand ein Zug entschlossener Energie dem menschlicher Güte gegenüber, die hohe Stirn ließ Geist und Verstand vermuten, und in seinen wachen Augen fehlte der Ausdruck gutmütiger Verschmitztheit so wenig wie um seinen Mund der humorvolle Ausdruck. Wer Dave für einen liebenswürdigen, etwas versponnenen Privatgelehrten hielt, irrte indessen sehr. Lanworth bekleidete seit Jahren beim ANGLO AMERICAN INSURANCE POOL die verantwortungsvolle Position eines CHIEF EXPLORER, und in dieser Eigenschaft war er an der New Yorker Waterfront so gut zu Hause wie in den Farbigen-Quartieren London-Sohos und gewissen finsteren Gassen des Hafens von Palermo.

Er wollte sich gerade eine Philip Morris anzünden, als der Wachtmeister zurückkehrte und ihn bat, „die Güte haben zu wollen“, zu Sergeant Lee mitzukommen.

Dave erhob sich gehorsam und folgte dem Beamten.

Heavens, die brechen sich wegen der popeligen Anzeige noch einen ab!, dachte er. Vermutlich haben sie Ehrenjungfrauen besorgt, und deswegen hat’s so lange gedauert.

*

„Donald Lee – Revier-Sergeant“, las Dave auf dem Schild, das auf dem Schreibtisch stand. Lee war ein rundlicher Mann und mochte ein Altersgenosse von Lanworth sein. Sein feistes Gesicht war der Spiegel einer melancholischen Seele – oder eine gute Tarnung. Er begrüßte den Privatdetektiv mit wohlgesetzten Worten und bat ihn um eine Schilderung des Sachverhalts. Dave gehorchte und nahm Platz; jetzt schon bereute er, den Zwischenfall nicht einfach übersehen zu haben.

„Der Jaguar-Fahrer hat sich meiner Meinung nach der vorsätzlichen Übertretung des Straßenverkehrsgesetzes schuldig gemacht, der grob fahrlässigen Herbeiführung einer Gemeingefahr und eventuell – das käme auf die spezielle Auffassung des Richters an – der Fahrerflucht“, hörte er sich am Ende selbst sagen. „Bei dem MG-Fahrer treffen die beiden ersten Punkte ebenfalls zu. Er hat sich brutal zwischen meinen Wagen und den Jaguar geschoben, offenbar in der Absicht, mich abzudrängen, und sein Verhalten danach hat einwandfrei den Tatbestand der Nötigung erfüllt. Er versuchte nämlich, mir mit Gewalt, das Taschenbuch abzunehmen ...“

„Ha, das ist mir auch klar“, unterbrach ihn der Sergeant. „Sie betreiben eine Agentur, Mister Lanworth, in London?“

Komischer Gedankensprung!, dachte Dave und verneinte, um dann seine Stellung beim Insurance Pool zu erläutern.

„Dann sind Sie nicht dienstlich hier?“

„Nein.“

„Sondern zu welchem Zweck?“

„Ich habe die Absicht ...“, Goddam, jetzt platzt mir aber bald der Kragen, „… das Ehepaar Calhoun zu besuchen und ein paar Tage dort zu bleiben. Ich war mit George Calhoun zusammen in Korea.“

„Und das sagt schon alles!“, fiel der Sergeant mitfühlend ein.

Er seufzte, faltete die Hände auf der Tischplatte und fuhr bedrückt fort: „Darf ich Ihnen als Mensch – nicht als Beamter – einen guten Rat erteilen?“

„Bitte!“

„Verzichten Sie auf die Anzeige, denn Sie würden doch nur den Kürzeren ziehen! Außerdem wollen Sie doch sicher Ihrem Freund Calhoun keine Schwierigkeiten machen, oder?“

„Was hat denn George mit der Affäre zu tun?“, fragte Dave entgeistert.

„Ihr Freund ist Technischer Oberdirektor der Ashton Iron Limited und zugleich Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Old William. In ersterer sind die Eisenhütten und das Walzwerk, in letzterer die beiden Bergbaubetriebe der Familie Dyber-Ashton zusammengefasst. Der Mann, den Sie anzeigen wollen, ist The Right Honorable William Dyber-Ashton, das gegenwärtige Haupt der Familie. Würden Sie ihn anzeigen, und er erführe davon, so könnte sich das ungünstig gegen Ihren Freund auswirken, und Sie selbst, lieber Mr. Lanworth, würden dabei auch in Bedrängnis kommen.“

„Ach so“, murmelte Dave und bekam einen roten Kopf. „Ach so! Ich habe begriffen. – Darf ich Sie darauf aufmerksam machen, dass in unserem demokratischen Rechtsstaat alle vor dem Gesetz gleich sind, der Armenhäusler wie der Millionär?“

Nun errötete Lee. „Pardon, Sie haben mich ganz falsch verstanden, Lanworth! Natürlich gelten unsere Gesetze für alle gleichermaßen, und es sind sehr faire Gesetze, die den Bürger vor Vergewaltigung und Bevormundung bewahren. So müsste ich Sie beispielsweise selbst dann gentlemanlike behandeln, wenn ich von Ihrer Täterschaft an einem Mord zutiefst überzeugt wäre, den Beweis aber nicht führen könnte. Eine kleine Minderheit, die sich nicht nur aus Verbrechern rekrutiert, nützt das raffiniert aus. Und wenn nun einer davon ausgerechnet der Mann ist, von dem neun Zehntel der Bevölkerung einer kleinen Stadt direkt oder indirekt wirtschaftlich abhängig sind, kann er sich allerlei Extratouren erlauben, die einen anderen zu Fall brächten, und die Polizei steht mit gebundenen Händen daneben; denn sie kann ohne exakten Beweis nichts unternehmen. Wenn Sie beispielsweise morgen Nacht mit blutigem Kopf und gebrochenen Rippen im Hospital liegen und mir dann sagen: Vermutlich hat mich Dyber-Ashtons Gorilla Blake so zusammengeschlagen, dann muss ich Sie fragen, ob Sie es beschwören können, aber das werden Sie nicht tun können. Ebenso wenig wird es Zeugen geben, denn wer zeugt schon gegen einen Dyber-Ashton? Das ist die Kehrseite der Medaille.“

„Die mir – da es sich nur um einzelne Auswüchse handelt – lieber ist als etwa die Allmacht der Behörden östlicher Prägung“, warf Dave rasch ein, „die es jederzeit in der Hand hat, aus Recht Unrecht und aus Unrecht Recht werden zu lassen. Well, Sergeant, ich habe begriffen, und wir wollen von der Anzeige nicht mehr reden, wenn ich es auch verwunderlich finde, ausgerechnet in einem kleinen mittelenglischen Städtchen Verhältnisse a la Chicago anzutreffen.“ Dave erhob sich und starrte Lee fragend an. „Dyber-Ashtons Gorilla Blake ist also mein Mann mit dem roten MG?“

„Sicher!“, bekannte der Sergeant verdrossen. „Sehen Sie bloß zu, dass Sie mit dem Mann keinen Krach bekommen!“

„Danke für den Hinweis, aber ich weiß mich notfalls zu wehren. Wiedersehen, Sergeant, und vielen Dank!“

„Wiedersehen, Mr. Lanworth, ist gerne geschehen!“

In der oberen Stadt wohnten die sogenannten besseren Leute von Iron Village, die zuallermeist nur reichere waren. Das sanft ansteigende Gelände zwischen dem ersten und zweiten Höhenrücken trug große und kleine Bungalows und Villen, die alle inmitten geräumiger Gartengrundstücke standen, aber das ganze Gelände wurde von Staub und Kohlenruß umdüstert, wenn auch nicht in dem Maße wie die im Tal gelegene Arbeitersiedlung. Das Plateau hinter dem zweiten Höhenrücken schien allein Blacksmith Hold vorbehalten zu sein, dem schlossartigen Herrensitz der Familie Dyber-Ashton.

Fast bereute es Dave, der Einladung seines Kriegskameraden gefolgt zu sein, denn er war ein modern und liberal eingestellter Mensch, dem der patriarchalische Lebenszuschnitt, den man in Iron Village bevorzugte, in keiner Weise behagte und ihm ein besonders unsympathischer Anachronismus zu sein schien.

Im Zentrum der Villenkolonie stoppte Dave, um nachdem Weg zur „Villa Eve“ zu fragen. Der Twen, an den er sich gewandt hatte, wusste sich so deutlich auszudrücken, dass Dave den Weg nicht verfehlen konnte. Je mehr er sich der Behausung seines Freundes näherte, desto mehr verblasste in ihm der Ärger über den Zwischenfall an der Kreuzung, während sich die Wiedersehensfreude in den Vordergrund drängte und nicht zuletzt ein gutes Teil Neugierde auf Calhouns junge Frau. Er hatte George eine wahre Ewigkeit nicht mehr gesehen, aber erst vor einem Vierteljahr war ihm die lakonische Mitteilung Georges auf den Schreibtisch geflattert, wonach er die Absicht habe, mit Miss Perkins in den heiligen Stand der Ehe zu treten und ihn, Dave, herzlich bitte, als sein Trauzeuge zu fungieren.

Dave hatte dieser Bitte nicht entsprechen können, weil er schon vorher für den Zeitpunkt der Hochzeit dienstlich nach den USA berufen war. Später war er von den Frischvermählten geradezu bedrängt worden, wenigstens einen Teil seines Urlaubes in Iron Village zu verbringen. Eine neuerliche Absage hätte nur allzu leicht als Kränkung aufgefasst werden können. Deshalb hatte Lanworth zugesagt.

Er fuhr noch eine Viertelmeile nach Norden und bog dann in die Zufahrt zu einem großen Grundstück ein, halb Park, halb Garten, an dessen Vorderseiten ein flacher Bungalow stand. Dave fuhr durch das offene Tor in den Hof und stoppte zwischen Haus und Garage neben einer neuen beigefarbenen Morgan-Limousine.

Während Dave ausstieg, trat ein großer, stattlicher Mann aus dem Haus, mit rotblondem, lockigem Haar, hellen Augen und einem sympathischen, energischen Gesicht. Er trug ein blaues Sporthemd mit offenem Kragen, eine legere Flanellhose und an den unbestrumpften Füßen Sandaletten, ein Dress, der sich gegenüber Daves korrektem Glencheck-Anzug fast frivol ausnahm.

Zu gleicher Zeit gingen die beiden Männer aufeinander zu. Ein strahlendes Händeschütteln folgte.

Dave trat einen Schritt zurück, musterte George befriedigt und sagte mit Wärme: „Du hast dich kein bisschen verändert, George, und die Ehe scheint dir gut zu bekommen. Man sieht’s dir an. – Soll ich gleich meine Koffer …“

„Das hat Zeit“, erwiderte George strahlend. „Erst will ich dich mit Eva bekannt machen, und dann trinken wir einen Cocktail zusammen.“

George führte seinen Gast durch ein winziges Vestibül in den großen, lichten Wohnraum, der nach amerikanischer Manier eingerichtet war – eine Feinheit, die der allem steifen Prunk abholde Dave besonders zu schätzen wusste. Hier gab es eine riesige Polsterbank, bequeme Sessel mit verschiedenfarbigen Bezügen, Wandteppiche mit frechen Darstellungen, ein Blumenfenster, eine Hausbar; in der gegenüber liegenden Ecke eine kombinierte Radio- und Fernsehtruhe. Der teppichlose Mosaikfußboden schien aus einem unverwüstlichen Kunststoff zu bestehen.

„Nun – was sagst du?“

George wandte sich halb zu seinem Freund um und blickte ihn stolz an.

„Dein Heim kann sich sehen lassen“, erwiderte Dave schmunzelnd, „und wenn die Hauptattraktion den Nebenattraktionen entspricht, dann hast du zweifellos den Zenit deiner Laufbahn erreicht, aber, und das ist ein entscheidender Pluspunkt, zwanzig Jahre früher als der normale Erfolgsmensch.“

Die Hauptattraktion ließ nicht auf sich warten. Sie trat durch die Hintertür ein, eine etwas über die Norm große, überschlanke Frau mit einer Fülle hochblonder Haare, die wie gesponnene Seide glänzten. Sie war eine klassische Schönheit, aber eine auffällige, mit bläulich-schwarzen Vergissmeinnicht-Augen, zarter Haut und sanft gebräuntem Teint. Sie war langbeinig, mit Hüften, deren Linien und Proportionen stimmten, und hatte eine kleine, straffe Brust. Ihr unifarbenes grünes Kleid mit dem hochgeschlossenen Kragen brachte das alles unaufdringlich, aber zugleich unübersehbar zur Geltung.

George deutete strahlend auf Dave und sagte herzlich: „Eve, hier hast du nun David Lanworth in voller Lebensgröße, meinen Freund Dave, der dich während des Koreakrieges insgesamt viermal aus der Gefahr errettet hat, dir einen anderen Ehegatten wählen zu müssen. Ich hoffe, dass ihr gute Freunde werdet!“

Eve reagierte mit einem konventionellen Lächeln, das weder entgegenkommend noch abweisend, sondern ganz einfach neutral war. Die Dame des Hauses empfing den ihr völlig gleichgültigen besten Freund ihres Mannes und machte in guter Haltung die Honneurs – mehr nicht.

Dave trat rasch näher, nahm ihre ausgestreckte Hand, verbeugte sich und sagte überhöflich: „Ich freue mich aufrichtig, Sie kennenzulernen, gnädige Frau, und hoffe sehr, dass Sie meinen Besuch nicht als Störung empfinden.“

Sie musterte ihn aufmerksam, kam aber gar nicht dazu, etwas zu erwidern, weil ihr Mann burschikos dazwischen hieb.

„Was heißt hier Störung, und was gnädige Frau? Dave, nenn’ sie gefälligst Eve, und für dich, Eve, heißt er Dave, und nicht anders. Ich wünsche, dass ihr recht, recht gute Freunde werdet. Das ist ein Befehl!“

„Damit wäre die Sache entschieden, Mr. Lanworth“, sagte Eve, „Pardon, Dave, wollte ich selbstverständlich sagen. Herzlich willkommen! Ich hoffe, dass Sie sich bei uns wohlfühlen, und ich habe ehrlich das Bedürfnis, Sie näher kennenzulernen, denn der Mann, an den sich mein sonst so reservierter George begeistert anschließt, muss über ganz besondere Qualitäten verfügen.“

Aus früheren Mitteilungen seines Freundes wusste Dave, dass Eve als Sekretärin bei der „Ashton Iron Limited“ gearbeitet und George dort kennengelernt hatte, aber allein ihre Art zu sprechen zerstreute in ihm die Befürchtung, sie könne aus den Kreisen des niederen Mittelstandes stammen. Sie sprach akzentuiert, unter sorgfältiger Betonung der Endsilben und bewies allein durch ihren Real Oxford Accent, dass sie zur „Gentry“ gehörte, also gesellschaftsfähig war.

„Darf ich den Herren jetzt einen Cocktail mixen?“, fuhr sie knapp fort. „Dave, Sie sind unser Gast und haben zum Einstand die Wahl.“

Während sie vor der Hausbar in die Hocke ging und die beiden Türflügel öffnete, zog George seinen Gast mit sich auf die Couch, deutete auf seine Frau und raunte ihm mit strahlendem Besitzerstolz zu: „Sie ist ein wahres Genie im Mixen. Sie mixt dir jeden Cocktail – auch den ausgefallensten.“

„So was höre ich gerne!“, erwiderte Dave höflich und winkte in Eves Richtung mit dem Kinn. „Ich bitte um einen Emmerson oder um einen Guggenheim, Eve.“

„Da mir zu einem Guggenheim Fernet Branca fehlt, darf es sicher ein Emmerson sein?“

Sie nahm den Shaker, goss je zur Hälfte italienischen Wermut und Old Tom Gin ein, warf drei Würfel Eis hinein und presste eine halbe Zitrone aus, deren Saft sie samt drei Spritzern Maraschino dazu fügte. Dann fügte sie die beiden Shakerhälften zusammen, schüttelte den Cocktail heftig und goss ihn in hübsche farbige Gläser ein.

Der Cocktail war wirklich vollendet, wie Dave ehrlich zugeben musste. Eve nahm den beiden Freunden gegenüber in einem Ledersessel Platz. Steil aufgerichtet, mit parallel auf den Boden gesetzten Füßen saß sie da, ganz beherrschte Dame von Welt, und beteiligte sich höflich an der Unterhaltung.

Dave, von Berufs wegen Menschenkenner und Psychologe, beobachtete sie insgeheim und machte die Feststellung, dass ihr Herz völlig unbeteiligt war. Einige Male, wenn sie sich unbeobachtet wähnte, ließ sie sich sekundenlang gehen, und ein Zug tiefer Sorge überschattete dann ihr bildschönes Gesicht.

Einmal glaubte Dave, es in ihren Augen feindselig aufblitzen zu sehen, als sie ihn beobachtete. Kein Zweifel, die Anwesenheit eines Gastes war ihr unwillkommen, vielleicht war er ihr auch persönlich unsympathisch.

In diesem Augenblick stand Daves Entschluss fest, keine volle Woche zu bleiben, sondern sich durch ein fingiertes Telegramm dienstlich abberufen zu lassen.

Von ihrer persönlichen Aversion gegen Dave ganz abgesehen machte sie nicht den Eindruck einer glücklichen Ehefrau.

Was hat sie bloß?, fragte sich Dave besorgt. George ist blind in sie verliebt, das ist deutlich zu spüren, er vergöttert sie, er trägt sie auf Händen. Er ist der beste Kerl auf der Welt, stammt aus einer vornehmen Familie, ist klug und geistvoll, besitzt beste Manieren und nicht zuletzt eine mit einem hohen Einkommen verbundene, bedeutende Position, wie sie einer unter Zehntausend erringt.

Diese Gedanken ließen sich nicht unterdrücken, so sehr er sich auch darum bemühte. Hat sie ihn etwa nur wegen seiner gesellschaftlichen Stellung geheiratet, wegen seines Geldes?, fragte er sich. Gab es vielleicht einen anderen Mann in ihrem Leben?

Sie war nicht mehr jung – er schätzte sie auf etwa achtundzwanzig – also sprach die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es vor George bereits Männer in ihrem Leben gegeben hatte.

Dave hätte es zutiefst bedauert, wenn sich seines Freundes Heirat als Missgriff erwiesen hätte, aber er sagte sich, dass die Dinge seiner Einwirkung entzogen seien und, da in der intimen Sphäre liegend, ihn nichts angingen.

„Du bist unaufmerksam, Dave!“, rügte George. „Ich habe dich jetzt schon zweimal gefragt, warum du mit einer Stunde Verspätung gekommen bist. Das soll natürlich keine Rüge sein, aber es fällt mir auf, weil ich dich eigentlich immer nur als Pünktlichkeitsfanatiker gekannt habe.“

„Das bin ich auch heute noch“, erklärte Dave, und seine Miene verfinsterte sich. „Meine Verspätung verdankst du indirekt deinem famosen Oberboss, dem es durch sein brutales Verhalten gelungen ist, sogar mich auf die Palme zu treiben.“

George fuhr erstaunt auf. Die Haltung seiner Frau versteifte sich. Sie furchte ärgerlich die Stirn, und ihr Gesicht hatte etwas Starres, Verschlossenes angenommen, seine hinreißende Schönheit aber unverändert beibehalten.

Auf Drängen seines Freundes gab Dave widerwillig die ärgerliche Geschichte zum Besten und meinte am Ende maliziös: „Bei euch hier in Iron Village scheinen reizende Verhältnisse zu herrschen. Nun, die Stadt sieht auch ganz danach aus. Wenn man sich Autos und Telefonleitungen wegdenkt, fühlt man sich ins Jahr achtzehnhundert-siebzig zurückversetzt.“

„Hm – eigentlich hast du recht“, gab George gereizt zu. „William führt sich wie ein Feudalherr auf, wie ein indischer Nabob, und seitdem er sich nach amerikanischem Muster einen Leibwächter zugelegt hat, ist mit ihm alles noch schlimmer geworden.“

„Richtig, der Gorilla“, erinnerte sich Dave. „Heißt er nicht Blake? Ja, natürlich, Cyril Blake! Komisch – ich hatte sofort den Eindruck, dem Kerl schon einmal begegnet zu sein. Aber Blake hat er da bestimmt nicht geheißen.“

„Vermutlich fand diese frühere Begegnung im zoologischen Garten statt“, murmelte George trocken, „vermutlich hieß er damals Orang-Utan oder Gorilla, und vermutlich hast du ihn mit Bananen gefüttert.“

Mit silberhellem Klang schlug die Pendule die vierte Nachmittagsstunde an. Das Telefon klingelte.

George richtete sich auf und wollte sich erheben, aber Eve kam ihm zuvor. Sie federte auf und trippelte erregt, wie Dave bemerkt zu haben glaubte, zur Bücherwand, wo der Apparat auf einem winzigen Wandbord stand, hob ab und meldete sich.

Die Blicke der beiden Männer hefteten sich auf sie, aber sie wurden aus ihrem Gesprächsbeitrag nicht schlau.

„Ja, natürlich! – Du meine Güte, so sei doch nicht so schwerfällig! – Schließlich kann ich auch nicht immer ... Wie konntest du nur! – Ja, natürlich, du kannst dich darauf verlassen! – Zeff, nein, Zeff genügt, und wenn ich dir das sage, muss es dir auch genügen! – Ende!“

Beinahe wäre der Hörer ihrer zitternden Hand entglitten. Sie konnte ihn gerade noch mit der anderen auffangen. Sekundenlang blieb sie mit geschlossenen Augen stehen, ehe sie sich langsam umwandte.

„Um Himmels Willen, Eve, was ist denn geschehen?“, fragte George ehrlich besorgt und erhob sich.

Sie streckte abwehrend beide Hände aus, als ob sie ihn zurückdrängen wolle, und murmelte kopfschüttelnd: „Nichts! Nichts ist los! Was soll denn los sein?“

„Wer war es denn, Liebes?“

„Was seid ihr Männer doch für ein neugieriges Volk! Tom war es, Tom Balchin, Elgas Mann.“ Sie blickte sich wie gehetzt um, biss sich auf die Lippen und gewann allmählich die Beherrschung zurück.

Sie sah wieder auf und warf Dave einen bittenden, nein, einen flehenden Blick zu. „Dave, ich kenne Sie fast nur aus den Erzählungen Georges, aber danach nehme ich als sicher an, dass Sie mir Generalpardon für den Fauxpas geben werden, den ich jetzt begehe: Ich bin dringend abgerufen worden; zu einer Freundin, an der mir viel liegt. Es kann sein, dass ich nicht rechtzeitig zurück bin, um ein Dinner zu richten. Deswegen möchte ich George bitten, mit Ihnen auswärts zu essen.“

„Goddam, Eve, das geht doch nicht!“, rief ihr Mann aufgebracht.

„Natürlich geht das“, schaltete sich Dave besänftigend ein. „Freundespflicht geht mancher anderen vor. Außerdem versäumen Sie nicht das Mindeste, Eve, wenn sie den Abend ohne uns verbringen, denn wenn wir uns in unsere Erinnerungen verlieren, bringen wir stundenlang doch nur Dinge zur Sprache, die Ihnen böhmische Dörfer sind.“

„Danke!“, hauchte sie und wandte sich auf dem Absatz um. Hastig verließ sie den Raum.

„Entschuldige mich einen Augenblick, Dave“, bat George und folgte ihr ebenso hastig.

Sekunden später lief ein Motor an, heulte auf; ein Wagen schien zurückzufahren, zu stoppen und wieder anzufahren. Dave konnte es akustisch mitverfolgen.

George kam niedergeschlagen zurück. „Sie ist weg!“

2

„Sag mal, George, was ist eigentlich mit deinem Chef?“, fragte Dave, um seinen Freund auf andere Gedanken zu bringen. „Der Sehr Ehrenwerte William Dyber-Ashton scheint mir ein Tyrann zu sein?“

„Und ob er ein Tyrann ist!“ George seufzte. „Das heißt – ich darf mich über ihn eigentlich nicht beklagen, denn so dumm ist er denn doch nicht, sich mit den paar leitenden Direktoren zu verkrachen. Aber die anderen können ein Lied davon singen. Unter anderem auch Eve. Sie war vier Jahre lang seine Privatsekretärin. Von 1954 bis 1958. Sie kam durch ihre Freundin Marisa in die Firma.“

„Wer ist Marisa?“

„Die geborene Porelli, Williams Frau. Eine wirklich reizende Frau, kann ich dir sagen! Aber sie hat bei ihrem Mann auch die Hölle auf Erden. Marisa und Eve waren im gleichen Pensionat, stammen beide aus besten, aber verarmten Familien. 1950 lernte William Marisa auf einer Geschäftsreise kennen, verliebte sich in sie und heiratete sie. Vor seiner Heirat war er ein brutaler Genussmensch, und er ist es auch nach seiner Heirat geblieben. 1953 – es war wohl im Dezember, und damals lebte Evas Mutter noch – verloren die Perkins den letzten Rest ihres Vermögens, und Eve sah sich vor die Alternative gestellt, arbeiten zu gehen. Marisa verschaffte ihr den Job bei ihrem Mann. Eve spricht über die vier Jahre nie, die sie im Vorzimmer Dyber-Ashtons verbracht hat, aber ich glaube, sie hatte nichts zu lachen. Anschließend war sie anderthalb Jahre bei unserer amerikanischen Repräsentanz in Washington, und damals fing, so komisch es klingen mag, unsere Romanze an. Während der vier Jahre, während der wir hier in Iron Village nebeneinander her lebten, hatte nie einer dem anderen Interesse gezeigt. Als ich in den folgenden anderthalb Jahren zweimal zwei und einmal drei Monate drüben verbringen musste, schlossen wir uns aneinander an, da wir beide mit unseren amerikanischen Vettern nicht viel im Sinn hatten. Mit welchem Erfolg, ist dir bekannt.“ George sah seinen Freund offen an. „Dave, Eve hatte bei dir heute keinen guten Start, ich weiß. Aber ich bitte dich, sei ihr trotzdem gut! Sie ist ein anständiger, wertvoller Mensch.“

„Selbstverständlich, George!“, pflichtete Dave dem Freund bei, obwohl er dabei kein reines Gewissen hatte. „Sie scheint mir nur abgehetzt, müde, etwas nervös. Hat es zwischen euch beiden etwas gegeben? Entschuldige, es geht mich ja eigentlich nichts an.“

George griff die Bemerkung nur zu gern auf. Er ging zur Bar, goss sich einen Whisky ein und erklärte überzeugend, dass zwischen seiner Frau und ihm alles in Butter sei. Seit dem 20. Juni, also seit zehn Tagen, habe sich allerdings eine bestürzende Veränderung in ihrem Wesen ergeben. Sie wirke seitdem bedrückt, unfrei, von einer Sorge geplagt.

„… und da sie offenbar zu mir kein Vertrauen hat“, wetterte George plötzlich los, „habe ich mir gedacht, es hieße deine Freundschaft nicht überfordern, wenn ich dich bäte, während deines Hierseins unauffällig ein wenig Augen und Ohren offen zu halten.“

Damit ich mich zwischen alle Stühle setze, dachte Dave verstimmt, und später euch beide zum Feind habe!