Kinder alkoholabhängiger Elternteile - Anja Esch - E-Book

Kinder alkoholabhängiger Elternteile E-Book

Anja Esch

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Beschreibung

Diplomarbeit aus dem Jahr 2011 im Fachbereich Soziale Arbeit / Sozialarbeit, Note: 1,3, Technische Universität Dortmund, Sprache: Deutsch, Abstract: Jahrelang wurde eine Alkoholabhängigkeit als ein Problem gesehen von dem lediglich die süchtige Person selbst betroffen ist. Den Angehörigen des Suchtkranken wurde dabei wenig Beachtung geschenkt (Mörder, 2009). Sowohl in der Suchtkrankenhilfe als auch in Präventionsprojekten gab es kaum Unterstützung für betroffene Familienmitglieder. Der heutige Forschungsstand zeigt jedoch, dass die Suchterkrankung eines Angehörigen auch die gesamte Familie mitbetreffen kann. Aufgrund dessen wurden zunächst (Ehe-) Partner des Abhängigen in eine Therapie/Beratung/Behandlung mit eingebunden (Arenz-Greiving, 1998). Leider wird auch heute noch die Betroffenheit der Kinder kaum beachtet, weder in der Psychiatrie und in der Suchthilfe, noch in der Kinder- und Jugendhilfe, obwohl bereits 1969 Margaret Cork ein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „The forgotten children“ (Die vergessenen Kinder) herausbrachte. Die erste deutsche Fachtagung zu diesem Thema fand erst Jahre später (1987) statt. Mit dem Titel „Kinder von Suchtkranken – zum Schweigen verurteilt!“ wurden Kinder suchtkranker Eltern zum ersten Mal Thema von öffentlichem Interesse. Einige im Verlauf dieser Arbeit aufgeführten Studien, Statistiken und Schätzungen zeigen über-einstimmend, dass es eine hohe Anzahl von Kindern alkoholabhängiger Eltern(teile) in Deutschland gibt (Klein, 2001; 2006). In dieser Arbeit mit dem Thema: „Kinder alkoholabhängiger Eltern(teile) – Möglich-keiten und Grenzen der Prävention“ werden nun besonders Kinder alkoholabhängiger Eltern(teile) betrachtet. Zunächst wird zum einheitlichen Verständnis der Begriff „Alkoholabhängigkeit“ ge-nau erläutert. Des Weiteren werden die Situation der betroffenen Kinder und die mög-lichen Folgen einer elterlichen Alkoholabhängigkeit aufgezeigt, bevor abschließend die Möglichkeiten und die Grenzen von Präventionsarbeit mit betroffenen Kindern dargestellt werden.

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Veröffentlichungsjahr: 2012

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Inhaltsverzeichnis

 

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungen

1. Einleitung

2. Kinder alkoholabhängiger Eltern(teile)

2.1 Zahlen und Fakten

2. 2 Alkoholabhängigkeit

2.2.1 Definition von Sucht und Alkoholabhängigkeit

2.2.2 Kennzeichen der Alkoholabhängigkeit

2.3 Merkmale einer alkoholbelasteten Familie

2.3.1 Die Situation der Kinder

2.3.2 Rollenmodelle

2.3.3 Co-Abhängigkeit

2.3.4 Gestörte Eltern-Kind Beziehung

3. Auffälligkeiten bei Kindern alkoholabhängiger Eltern(teile)

3.1 Körperliche Auffälligkeiten

3.1.1 Alkohol in der Schwangerschaft

3.1.2 Intelligenz und sprachliche Fähigkeiten

3.2 Verhaltensauffälligkeiten

3.2.1 Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)

3.2.2 Störungen des Sozialverhaltens

3.2.3 Schulische Probleme

3.3 Psychische Auffälligkeiten

3.3.1 Depression und Angststörung

3.3.2 Psychosomatische Störungen

3.4 Risiko einer Suchtentwicklung

4. Kindeswohlgefährdung in einer Alkoholikerfamilie

4.1 Grundlagen und Definition

4.2 Kindeswohlgefährdung bei Kindern alkoholabhängiger Eltern(teile)

4.3 Möglichkeiten/Aufgaben der SPFH bei einer Kindeswohlgefährdung

5. Präventionsarbeit

5.1 Begriffserklärung - Prävention

5.1.1 Primärprävention bei Kindern alkoholabhängiger Eltern(teile)

5.1.2 Sekundärprävention (Intervention) bei Kindern alkoholabhängiger Eltern(teile)

5.1.3 Tertiärprävention bei Kindern alkoholabhängiger Eltern(teile)

5.2 Bedeutung der Förderung von Resilienzen

5.3 Ziele der Präventionsarbeit mit Kindern alkoholabhängiger Eltern(teile)

5.4 Mögliche Grenzen der Präventionsarbeit

6. Präventionsangebote

6.1 Mögliche Präventionsmaßnahmen der Hilfsorganisationen

7. Fazit

8. Zusammenfassung

9.Literaturverzeichnis

10. Anhang

 

Abbildungsverzeichnis

 

Abbildung 1: Multifunktionales Faktoren-/Ursachenmodell (Kielholz und Ladewig, 1973)

Abbildung 2a und 2b: Probleme des Kindes, als Folge eines familiären Alkoholproblems (Mehrfachnennungen möglich) (Hinze und Jost, 2006)

Abbildung 3: Links: Kleinkind mit deutlichen Kennzeichen einer AE im Gesicht.

Abbildung 4: Entwicklungsverlauf externalisierter Verhaltensstörungen (Loeber, 1990)

Abbildung 5: Risiko- und Schutzfaktoren in der Entwicklung des Kindes (Petermann, 2000)

Abbildung 6: Challenge Modell (Wolin und Wolin 1995)

Abbildung 7: Casita - Das Haus der Resilienzen (Zedler, 2006)

 

Tabellenverzeichnis

 

Tabelle 1: Häufigkeit von elterlicher Alkoholabhängigkeit bei alkoholabhängigen Patienten und klinischen Kontrollgruppen (Cotton, 1979)

Tabelle 2: Alkohol- und Drogenkonsum, Depressionen und Ängste bei Frauen mit und ohne Missbrauchserfahrungen (Wilsnack et al., 1997)

Tabelle 3: Die sieben Resilienzen und ihre Entwicklung über die Lebensspanne (Wolin und Wolin 1995)

 

Abkürzungen

1. Einleitung

Jahrelang wurde eine Alkoholabhängigkeit als ein Problem gesehen von dem lediglich die süchtige Person selbst betroffen ist. Den Angehörigen des Suchtkranken wurde dabei wenig Beachtung geschenkt (Mörder, 2009). Sowohl in der Suchtkrankenhilfe als auch in Präventionsprojekten gab es kaum Unterstützung für betroffene Familienmitglieder. Der heutige Forschungsstand zeigt jedoch, dass die Suchterkrankung eines Angehörigen auch die gesamte Familie mit betreffen kann. Aufgrund dessen wurden zunächst (Ehe-) Partner des Abhängigen in eine Therapie/Beratung/Behandlung mit eingebunden (Arenz-Greiving, 1998). Leider wird auch heute noch die Betroffenheit der Kinder kaum beachtet, weder in der Psychiatrie und in der Suchthilfe, noch in der Kinder- und Jugendhilfe, obwohl bereits 1969 Margaret Cork ein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „The forgotten children“ (Die vergessenen Kinder) herausbrachte. Die erste deutsche Fachtagung zu diesem Thema fand erst Jahre später (1987) statt. Mit dem Titel „Kinder von Suchtkranken - zum Schweigen verurteilt!“ wurden Kinder suchtkranker Eltern zum ersten Mal Thema von öffentlichem Interesse. Einige im Verlauf dieser Arbeit aufgeführten Studien, Statistiken und Schätzungen zeigen übereinstimmend, dass es eine hohe Anzahl von Kindern alkoholabhängiger Eltern(teile) in Deutschland gibt (Klein, 2001; 2006).

In dieser Arbeit mit dem Thema: „Kinder alkoholabhängiger Eltern(teile) - Möglichkeiten und Grenzen der Prävention “ werden nun besonders Kinder alkoholabhängiger Eltern(teile) betrachtet.

Zunächst wird zum einheitlichen Verständnis der Begriff „Alkoholabhängigkeit“ g0065nau erläutert. Des Weiteren werden die Situation der betroffenen Kinder und die möglichen Folgen einer elterlichen Alkoholabhängigkeit aufgezeigt, bevor abschließend die Möglichkeiten und die Grenzen von Präventionsarbeit mit betroffenen Kindern dargestellt werden.

2. Kinder alkoholabhängiger Eltern(teile)

 

2.1 Zahlen und Fakten

 

Durch die ambulanten Suchtberatungsstellen in Deutschland (EBIS) und durch das Dokumentationssystem der Suchthilfe (SEDOS) gibt es zum Bereich suchtkranker Eltern und deren Kinder umfangreiches Zahlen- und Datenmaterial (Klein, 2007).

 

So ist bekannt, dass in Deutschland etwa 2,65 Millionen Kinder suchtkranker Eltern(teile) leben. Davon sind die meisten Eltern von einer Alkoholabhängigkeit betroffen.

 

Durch eine Studie des Max Planck Instituts für Psychiatrie in München konnte bestätigt werden, dass in jeder siebten Familie Kinder zeitweise oder dauerhaft von der Alkoholabhängigkeit wenigstens eines Elternteils betroffen sind. In etwa jeder 20. Familie sind beide Elternteile alkoholabhängig (Lachner und Wittchen, 1997). Laut Ergebnissen der Statistik der ambulanten Suchtberatungsstellen in Deutschland (EBIS) haben 75 % der alkoholabhängigen Frauen und 63 % der alkoholabhängigen Männer wenigstens ein Kind.

 

Alkohol hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Der Pro-Kopf-Konsum in Deutschland liegt seit mehreren Jahren stabil bei 10,5-11 Litern pro Jahr. Deutschland liegt damit im Vergleich mit 50 anderen Staaten sehr weit vorne (unter den ersten zehn). In den westlichen Industriestaaten ist Alkohol -nach Tabak- die am häufigsten konsumierte legale Droge (Wissenschaftliches Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, 2003).

 

Dabei betreiben ca. 12% der über 14-Jährigen einen „riskanten Konsum“ (40-80g bei Männern und 20-40g bei Frauen Reinalkohol am Tag). Die Prävalenzrate der Männer ist in etwa dreimal so hoch wie die der Frauen.

 

Einen „gefährlichen Konsum“ (60-120g bei Männern und 40-80g bei Frauen Reinalkohol pro Tag) betreiben ca. 3-5% der über 14-Jährigen bundesweit. Auch hier ist die Prävalenzrate bei Männern dreimal so hoch wie die der Frauen (Klein und Zobel, 1997).

 

Zu bedenken ist, dass ca. 1,6 Millionen Menschen (ca. 2,4% der über 18-Jährigen) in der Bundesrepublik Deutschland akut alkoholabhängig sind, damit einher gehen schwere gesundheitliche und soziale Folgen. Ein Alkoholmissbrauch liegt bei ca. 7,8 Millionen Menschen vor (Klein und Zobel, 1997).

 

Auch in gesundheitlichen Belangen kann der starke Alkoholkonsum einen großen Einfluss auf unsere Gesellschaft haben. In Deutschland kommt es pro Jahr zu etwa 42.000 Todesfällen durch ihren Alkoholkonsum und sogar rund 73.000 Menschen sterben aufgrund, eines kombinierten Konsums von Alkohol und Tabak (Wissenschaftliches Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, 2003).

 

Zwischen drei und fünf Millionen Menschen sind als enge Familienmitglieder unmittelbar von den Konsequenzen der Alkoholabhängigkeit eines Angehörigen betroffen. Die genannten Studien, Statistiken und fundierten Schätzungen (der EBIS, der SEDOS und vom Max Planck Institut München) zeigen übereinstimmend, dass von einer hohen Anzahl von Kindern mit alkoholabhängigen Eltern(teilen) auszugehen ist (Klein, 2001; 2006).

 

2. 2 Alkoholabhängigkeit

 

2.2.1 Definition von Sucht und Alkoholabhängigkeit

 

Sucht:

 

Als eine stoffgebundene Sucht bezeichnet man eine Abhängigkeit von einer Substanz, die durch Toleranzentwicklung oder Entzugserscheinungen zu erkennen ist (Brömer, 2007). Dabei bedeutet Toleranzentwicklung, dass für den Betroffenen stets eine Dosissteigerung nötig ist, um einen gleichbleibenden Effekt zu erzielen. Entzugserscheinungen können auftreten, wenn der Alkoholkonsum vermindert oder unterbrochen wird (beispielsweise in Form von Magen-Darm-Störungen, Schlafstörungen, starkes Schwitzen, Neurologischen Störungen, Psychischen Störungen und/oder Bewusstseinsstörungen) (Soellner, 2000). Der Konsum des Suchtmittels nimmt für den Süchtigen einen besonders hohen Stellenwert ein, sodass dabei oft andere, teilweise wichtige Dinge (wie z.B. die Familie, die Arbeit) vernachlässigt werden (Brömer, 2007).

 

Es gibt physische (körperliche) und psychische (seelische) Abhängigkeiten. Im DSM IV[1] (ein System zur Einordnung und Diagnose psychischer Störungen) werden vier Diagnosekriterien für eine Sucht benannt:

 

1. Die Toleranzentwicklung (Gewöhnung)

 

2. Das gesteigerte Verlangen

 

3. Die psychische und physische Abhängigkeit

 

4. Die schädlichen Folgen für den Abhängigen und seine Umwelt.

 

Erst wenn diese Kriterien erfüllt sind, spricht man von einer Sucht. Alkoholabhängigkeit:

 

Im zweiten, besonders in Deutschland gebräuchlichen Kassifikationssystem zur Diagnostik psychischer Störungen dem ICD 10[2] , wird eine Alkoholabhängigkeit folgendermaßen definiert:

 

„Eine Gruppe von Verhaltens-, kognitiven und körperlichen Phänomenen, die sich nach wiederholtem Substanzgebrauch entwickeln. Typischerweise besteht ein starker Wunsch, die Substanz einzunehmen, Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren, und anhaltender Substanzgebrauch trotz schädlicher Folgen. Dem Substanzgebrauch wird Vorrang vor anderen Aktivitäten und Verpflichtungen gegeben. Es entwickelt sich eine Toleranzerhöhung und manchmal ein körperliches Entzugssyndrom. Das Abhängigkeitssyndrom kann sich auf einen einzelnen Stoff beziehen (z.B. Tabak, Alkohol oder Diazepam), auf eine Substanzgruppe (z.B. opiatähnliche Substanzen), oder auch auf ein weites Spektrum pharmakologisch unterschiedlicher Substanzen.“ (Dilling, 1993)

 

Weiter sind im ICD 10 acht Kriterien definiert, von denen mindestens drei erfüllt sein müssen, um die Diagnose einer Alkoholkrankheit stellen zu können (Dilling, 1993):

 

1. starker Wunsch oder Zwang, Alkohol zu konsumieren

2. verminderte Kontrollfähigkeit in Bezug auf Menge, Beginn oder Ende des Konsums

3. Alkoholkonsum mit dem Ziel der Linderung von Entzugssymptomen und der Wiederherstellung der entsprechenden positiven Erfahrung

4. körperliche Entzugserscheinungen bei Konsumstopp oder Konsumreduktion

5. Nachweis einer Toleranz (Um die ursprünglich durch niedrige Dosen hervorgerufene Wirkung zu erreichen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich, die

bei Konsumenten ohne Toleranzentwicklung zu schweren Beeinträchtigungen oder gar zum Tode führen würden.)

6. ein eingeengtes Verhaltensmuster im Umgang mit Alkohol, wie z.B. die Tendenz, Alkohol an Werktagen wie an Wochenenden zu trinken, und die Regeln eines gesellschaftlich üblichen Trinkverhaltens außer Acht zu lassen

7. fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Alkoholkonsums (erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen)

8. anhaltender Substanzkonsum trotz Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen (wie z.B. Leberschädigung durch exzessives Trinken, depressive Verstimmungen infolge starken Alkoholkonsums oder eine Verschlechterung der kognitiven Funktionen)