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Studienarbeit aus dem Jahr 2001 im Fachbereich Pädagogik - Familienerziehung, Note: 2,3, , Sprache: Deutsch, Abstract: Der Scheidungsstatistik von 1997 kann entnommen werden, dass 182.802 Ehen jährlich geschieden werden. Dies bedeutet, dass nach Hochrechnungen heute jede dritte Ehe geschieden wird (Walper & Schwarz zit. n.: Statistisches Bundesamt, 1998).Bei etwa der Hälfte der in Deutschland geschiedenen Ehen sind minderjährige Kinder mitbetroffen. 1997 war dies bei 56 % der geschiedenen Ehen der Fall; so erlebten 163.112 minderjährige Kinder eine Scheidung ihrer Eltern mit. Das ist gegenüber 1996 ein Zuwachs von 9,6 % (Walper & Schwarz zit. n.: Statistisches Bundesamt, 1998). Scheidung bedeutet für Kinder einen langjährigen Prozess, auf den sie keinen Einfluss haben, da der letztendliche Entschluss zu einer Scheidung bei den Eltern liegt. Trennung und Scheidung bringt grundsätzlich für Kinder sowie Eltern eine Lebensveränderung mit sich. Dabei wird die Entwicklung der Kinder nicht durch die endgültige Trennung und Scheidung der Eltern beeinflusst, sondern durch die meist langjährigen, oft konfliktreichen, Phasen vor und nach einer Scheidung (Nowak, Gössweiner 1999). Trennung und Scheidung bedeutet für die Kinder, eine kritische Veränderung der Lebensverhältnisse zu bewältigen. In dieser Hausarbeit werden ausschließlich Bewältigungsformen von Kindern auf Trennung und Scheidung wiedergeben, die Eltern werden dabei außer acht gelassen, da der Umfang der Arbeit es nicht zulässt, darauf einzugehen.
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Veröffentlichungsjahr: 2002
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Der Scheidungsstatistik von 1997 kann entnommen werden, dass 182.802 Ehen jährlich geschieden werden. Dies bedeutet, dass nach Hochrechnungen heute jede dritte Ehe geschieden wird (Walper & Schwarz zit. n.: Statistisches Bundesamt, 1998). Bei etwa der Hälfte der in Deutschland geschiedenen Ehen sind minderjährige Kinder mitbetroffen. 1997 war dies bei 56 % der geschiedenen Ehen der Fall; so erlebten 163.112 minderjährige Kinder eine Scheidung ihrer Eltern mit. Das ist gegenüber 1996 ein Zuwachs von 9,6 % (Walper & Schwarz zit. n.: Statistisches Bundesamt, 1998).
Scheidung bedeutet für Kinder einen langjährigen Prozess, auf den sie keinen Einfluss haben, da der letztendliche Entschluss zu einer Scheidung bei den Eltern liegt. Trennung und Scheidung bringt grundsätzlich für Kinder sowie Eltern eine Lebensveränderung mit sich. Dabei wird die Entwicklung der Kinder nicht durch die endgültige Trennung und Scheidung der Eltern beeinflusst, sondern durch die meist langjährigen, oft konfliktreichen, Phasen vor und nach einer Scheidung (Nowak, Gössweiner 1999).
Trennung und Scheidung bedeutet für die Kinder, eine kritische Veränderung der Lebensverhältnisse zu bewältigen. In dieser Hausarbeit werden ausschließlich Bewältigungsformen von Kindern auf Trennung und Scheidung wiedergeben, die Eltern werden dabei außer acht gelassen, da der Umfang der Arbeit es nicht zulässt, auch darauf einzugehen.
Um darzustellen, wie eine kindliche Entwicklung durch Trennung und Scheidung beeinflusst werden kann, wird in Kapitel 1 - 2 die „normale“ Entwicklung des Kindes anhand von Jean Piagets „kognitiver Entwicklung“ und „Ericksons Psychosozialer“ Entwicklung dargestellt.
In Kapitel 3 werden dann altersspezifische unmittelbare kindliche Reaktionen auf Trennung und Scheidung aus der Sicht von Fthenakis (1995) wiedergegeben. Mit Hilfe der zwei Theorien von Piaget und Erickson finden einige der kindlichen Reaktionen hier Erklärung.
Da Scheidung für die Entwicklung der Kinder nicht nur „negative“ Aspekte beinhaltet, werden in Kapitel 4 positive sowie negative Folgen von Trennung und Scheidung für Kinder beschrieben.
In einer Trennungs- und Scheidungssituation sind Kinder häufig auf sich allein gestellt. Oft haben sie keine Ansprechpartner für ihre aus dieser Situation entstehenden Probleme. Sie haben auch wenig Möglichkeiten, diese Lebensveränderung, die eine Trennung und Scheidung mit sich bringt, zu verarbeiten. Daher werden in Kapitel fünf verschiedene pädagogische Hilfsangebote für Kinder und Eltern in Trennungs- und Scheidungssituationen dargestellt.
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Zu Beginn wird das Gruppentraining mit Trennungs- und Scheidungskindern nach Jaede, Wolf, Zeller-König (1996) vorgestellt. Es bietet Kindern in einer Trennungs-und Scheidungsphase Unterstützung und soll ihnen helfen das „Chaos“ der Trennungs- und Scheidungssituation zu ordnen.
In der Hausarbeit sollen ausschließlich Hilfsangebote für Kinder erläutert werden, in denen teilweise auch Eltern miteinbezogen werden können. Ein mögliches Hilfsangebot für Kinder die ihre Erlebnisse vor, während und nach einer Scheidung nicht allein bewältigen können ist die Spieltherapie. Die verschiedenen Rahmenbedingungen einer Spieltherapie gibt Kapitel fünf wieder.
In Kapitel 5.3 werden verschiedenen Grundprinzipien von Virginia M. Axline (1997), die während einer Spieltherapie zu beachten sind, wiedergegeben. Im Kapitel 5.3.9 dieser Arbeit wird dann der Frage nachgegangen, warum die Spieltherapie ein mögliches Hilfsangebot für Kinder nach Trennung und Scheidung sein kann und was dieses Hilfsangebot von anderen unterscheidet. In ein Scheidungsverfahren wird grundsätzlich das Jugendamt mit eingebunden, da es nach § 50 SGB VIII einer Mitwirkungspflicht bei der Sorgerechtsregelung nachkommen muss.
Da sich die Aufgaben des Jugendamtes in erster Line nach dem Wohl des Kindes richten, werden in dieser Arbeit die Tätigkeiten des Jugendamtes am Beispiel der Stadt Regensburg wiedergegeben.
Zum Abschluss wird die Familienpflegestelle am Hamburger Modell aufgeführt. Dieses Beispiel wurde ausgewählt, da es in einer Trennungs- und Scheidungssituation zu Schwierigkeiten kommen kann, sodass Vater/Mutter aus finanziellen oder emotionalen Gründen nicht in der Lage sind ihre Kinder pflichtgemäß zu versorgen. Das Beispiel soll zeigen, wie in solchen Fällen Kindern und Eltern geholfen werden kann.
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Jean Piaget (zit. n.: Baacke 1995 ) beschäftigt sich mit der geistigen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Er geht davon aus, dass diese Entwicklung unter anderem ein Zusammenspiel von „Akkommodation“ und „Assimilation“ ist. Bei der Assimilation nimmt das Kind die Umwelt in seine bereits erworbenen Begriffe und Gedanken auf und versucht so die neuen Umwelteinflüsse zu interpretieren, einzuordnen oder zu deuten. Wenn z.B. für ein Kind ein Klötzchen zum Auto wird, dann assimiliert es das Klötzchen an das eigene kognitive Konzept eines Autos. Akkommodation ist das Gegenstück von Assimilation und setzt ein, wenn die Eigenschaften der Umwelt nicht richtig zu den vorhandenen Konzepten passen (Baacke 1995). Piaget (zit. n.: Mussen, Conger, Kagan, Huston 1993) geht davon aus, dass jeder Organismus ein Gleichgewicht anstrebt. Wird dieses kognitive Gleichgewicht jedoch gestört, zum Beispiel durch die Begegnung mit etwas Neuem, stellen die Prozesse von Assimilation und Akkommodation es wieder her. Piaget (zit. n.: Montada 1987) nennt die verschiedenen Handlungen, die ein Individuum benutzt, „Schemata“. Diese werden im Laufe der Entwicklung immer umfangreicher und differenzierter. Ungeeignete oder nicht mehr ausreichende Schemata werden umgeformt und den veränderten oder andersartigen Umweltbedingungen angeglichen.
Die kognitive Entwicklung von Kindern erklärt Piaget (zit. n.: Montada 1987) anhand von 6 aufeinanderfolgende Stufen. Diese werden von allen Kindern in der gleichen Reihenfolge durchlaufen, da sie aufeinander aufbauen. Beim Übergang von einer Stufe zur nächsten erwerben die Kinder immer wieder neue Möglichkeiten, die Welt qualitativ zu begreifen (Mussen, Conger, Kagan, Huston 1993).
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Die Stufe der Sensomotorische Entwicklung ist die früheste Phase der kindlichen Entwicklung; sie umfasst den Zeitraum ab der Geburt bis zum zweiten Lebensjahr. Piaget unterteilt die sensomotorische Entwicklung in 6 aufeinander folgende Stufen (Montada 1987). 1.Stufe: Übung angeborener Reflexmechanismen
Ein Säugling kommt mit angeborenen Reflexen auf die Welt, wie z.B. Schlucken, Greifen oder Saugen. In dieser Stufe der Entwicklung werden diese angeborenen Reflexe immer wieder wiederholt und dadurch geübt. Er nennt die Ausführung der Reflexe wie auch das Verhalten überhaupt Schemata, also eine allgemeine Struktur der Handlung, die sich auf verschiedene Situationen anwenden lässt. So liegt z.B. dem Saugen ein Saugschemata zugrunde, welches die einzelnen Bewegungen organisiert. Ganz wichtig in dieser Stufe ist das Üben der einzelnen Schemata, welche zur Verfestigung und Anpassung an die Umwelt führen.
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2. Stufe: Primäre Kreisreaktionen.
In dieser Stufe entdeckt der Säugling, dass bestimmte Handlungen zu immer gleichen Ergebnissen führen. „Es sind diese auf den Körper bezogene Gewohnheiten wie beispielsweise das Daumenlutschen. Sie werden zufällig entdeckt und aufgrund angenehmer Resultate beibehalten“. (Scharlau1996, S. 34) Die angeborenen Reflexe wie das Saugen oder Greifen wird in dieser Stufe nun immer mehr auch auf andere Gegenstände und auf die Umwelt übertragen, so dass Piaget (zit. n.: Montada 1987) hier von einer Assimilation (Einverleibung) bestimmter Schemata spricht.
3. Stufe: Sekundäre Kreisreaktionen
Anders als in der vorherigen Stufe ist das Kind nun in der Lage, zu erkennen, dass eine bestimmte Handlung zu einem ganz bestimmten Ergebnis führt. Es kann also zwischen Mittel (Handlung) und Zweck (Ergebnis) klar unterscheiden. So strampelt z.B. ein Baby nicht mehr, weil es Freude daran hat, sondern weil es z.B. zufällig beim Strampeln an ein Glöckchen gestoßen ist und diesen Klang nun wieder hören möchte.
4. Stufe: Die Koordinierung der erworbenen Handlungsschemata und ihre Anwendung auf neue Situationen
In dieser Phase der Entwicklung wenden Kinder ihre vorhandenen Schemata auf das gleiche Objekt an, sie experimentieren mit einem Gegenstand und passen ihre Handlungen dem Gegenstand an. Bei diesem Ausprobieren kommt es zu Zusammenkünften mehrerer unterschiedlicher Handlungen (Schemata), wie z.B.: das Werfen und Greifen eines Gegenstandes, welches wiederum das Loslassen voraussetzt.
Die Handlungen des Kindes werden nun von Stufe zu Stufe immer flexibler und zielorientierter (Mussen, Conger, Kagan, Huston 1993).
5. Stufe: Teritäre Kreisreaktionen.
In der Entwicklungsstufe der Teritären Kreisreaktionen entdecken die Kinder durch das Ausprobieren neuer Vorgehensweisen, und es folgen so neue Handlungen, die das Kind vorher noch nicht gezeigt hat. „So mag es die Tischdecke heranziehen, um an ein außer seiner Reichweite auf der Decke liegendes Spielzeug zu gelangen“ (Montada 1987, S. 416).
6. Stufe: Übergang vom sensomotorischen Intelligenzakt zur Vorstellung. Ungefähr ab dem 2. Lebensjahr kann ein Kind die Ergebnisse einer Handlung vorhersehen; es ist so bereit, sie sich gedanklich vorzustellen. Ab dem 6. oder 8. Monat merken Kinder, dass ein Gegenstand weiterhin vorhanden ist, auch wenn sie ihn nicht sehen können. Dies macht deutlich, dass die Kinder sich einen Gegenstand innerlich vorstellen können, wozu sie in früheren Monaten noch nicht fähig sind.
