King of Campus - Lily Red - E-Book

King of Campus E-Book

Lily Red

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Beschreibung

Er ist der King of Campus – sie seine größte Feindin. 

Matthew Leblanc regiert die Montréal Academy unangefochten. Er ist der Kapitän der Eishockeymannschaft, sieht verboten gut aus, und sein Wort ist Gesetz. Es kümmert ihn herzlich wenig, dass der neue Rektor versucht, ihn auf Linie zu bringen. Auftritt Kelsey Cooper: Tochter des Rektors und völlig unbeeindruckt von Matthews kindischen Streichen, seinen angeberischen Sprüchen und seinem Können auf dem Eis. Sie hassen sich und können doch nicht voneinander lassen. Ein Krieg um die Vorherrschaft an der Academy entflammt, und Kelsey und Matthew laufen Gefahr, sich aneinander die Finger zu verbrennen … 

Enemies-to-Lovers at its best: Der Mega-Bestseller aus Italien endlich auf Deutsch!

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Seitenzahl: 886

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Über das Buch

Matthew Leblanc regiert die Montréal Academy unangefochten. Er ist der Kapitän der Eishockeymannschaft, sieht verboten gut aus, und sein Wort ist Gesetz. Es kümmert ihn herzlich wenig, dass der neue Rektor versucht, ihn auf Linie zu bringen. Auftritt Kelsey Cooper: Tochter des Rektors und völlig unbeeindruckt von Matthews kindischen Streichen, seinen angeberischen Sprüchen und seinem Können auf dem Eis. Sie hassen sich und können doch nicht voneinander lassen. Ein Krieg um die Vorherrschaft an der Academy entflammt, und Kelsey und Matthew laufen Gefahr, sich aneinander die Finger zu verbrennen … 

Über Lily Red

Lily Red ist eine italienische Autorin, Jahrgang 1999. Seit jeher hegt sie eine tiefe Leidenschaft für das Schreiben und die Musik. Dank ihres Vaters interessiert sie sich für Eishockey und veröffentlichte davon inspiriert, im November 2023 ihre erste Geschichte auf Wattpad.Instagram: @lilyredstoriesTikTok: @Lilyred__Wattpad: Lilyred__

Janine Malz, geboren 1984, studierte Übersetzen in Germersheim, Triest und München. Nach Stationen in Übersetzungsagenturen sowie im Lektorat eines großen Publikumverlags ist sie heute als freiberufliche Literaturübersetzerin aus dem Englischen, Italienischen und Niederländischen tätig.

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Lily Red

King of Campus

Roman

Aus dem Italienischen von Janine Malz

Übersicht

Cover

Titel

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Titelinformationen

Informationen zum Buch

Newsletter

Widmung

Prolog

Kapitel 1:  Kelsey

Kapitel 2: Kelsey

Kapitel 3: Kelsey

Kapitel 4: Kelsey

Kapitel 5: Kelsey

Kapitel 6: Kelsey

Kapitel 7: Kelsey

Kapitel 8: Kelsey

Kapitel 9: Matthew

Kapitel 10: Matthew

Kapitel 11: Matthew

Kapitel 12: Kelsey

Kapitel 13: Kelsey

Kapitel 14: Kelsey

Kapitel 15: Kelsey

Kapitel 16: Matthew

Kapitel 17: Matthew

Kapitel 18: Kelsey

Kapitel 19: Kelsey

Kapitel 20: Matthew

Kapitel 21: Matthew

Kapitel 22: Matthew

Kapitel 23: Kelsey

Kapitel 24: Kelsey

Kapitel 25: Kelsey

Kapitel 26: Matthew

Kapitel 27: Matthew

Kapitel 28: Kelsey

Kapitel 29: Kelsey

Kapitel 30: Matthew

Kapitel 31: Matthew

Kapitel 32: Kelsey

Kapitel 33: Kelsey

Kapitel 34: Matthew

Kapitel 35: Matthew

Kapitel 36: Kelsey

Kapitel 37: Kelsey

Kapitel 38: Matthew

Kapitel 39: Matthew

Kapitel 40: Matthew

Kapitel 41: Kelsey

Kapitel 42: Kelsey

Kapitel 43: Kelsey

Kapitel 44: Matthew

Kapitel 45: Matthew

Kapitel 46: Kelsey

Kapitel 47: Kelsey

Kapitel 48: Matthew

Kapitel 49: Matthew

Kapitel 50: Kelsey

Kapitel 51: Kelsey

Kapitel 52: Kelsey

Kapitel 53: Matthew

Kapitel 54: Kelsey

Kapitel 55: Kelsey

Kapitel 56: Matthew

Kapitel 57: Kelsey

Kapitel 58: Kelsey

Extra Kapitel: Matthew

Playlist

Danksagung

Impressum

Für meine Familie. Ihr habt mir beigebracht, mich jedem Wettkampf zu stellen, Niederlagen zu überwinden und nach jedem Sturz wieder aufzustehen. Diesmal jedoch spiele ich auf Sieg.

Eishockey ist nichts für Zartbesaitete.

Offiziell gilt es als Sport.

Worte wie Spiel und Turnier werden verwendet, um seine wahre Natur zu verschleiern: Eishockey ist Krieg.

Auf der Eisfläche treten Tausende Kilo rohe Gewalt gegeneinander an, mit scharfkantigen Schlägern, einem Puck aus Hartgummi, der einem den Kehlkopf zertrümmern kann, und messerscharfen Kufen an den Füßen. Wir sollten aufhören, so zu tun, als sei irgendetwas zivilisiert an diesem Sport.

KATE MEADER

Prolog

Im Eishockey gibt es immer einen Sieger. Da werden keine halben Sachen gemacht. Es gibt einen, der gewinnt, und einen, der verliert. Ende der Diskussion.

Heute Morgen jedoch bin ich mit einer ebenso polemischen wie poetischen Sicht auf die Dinge aufgewacht und werde deshalb eine einfache Metapher verwenden, um Eishockey zu beschreiben.

Im Eishockey ist es wie in der Liebe.

Und ich, Matthew Leblanc, habe mich das erste Mal mit Leib und Seele in jemanden verliebt. Mein Mantra lautete stets: Lass dich von niemandem ablenken, halte den Blick immer fest auf dein Ziel gerichtet.

Doch dann kam sie.

Und hat mir den Kopf verdreht.

Mein Vater hat mir von klein auf eingebläut: »Matt, das Schlimmste, was einem Hockeyspieler passieren kann, ist, dass er etwas findet, das ihn mehr schmerzt als eine Niederlage im Spiel.«

»Unmöglich, nichts ist schlimmer als eine Niederlage.«

»Und genau da täuschst du dich, es gibt etwas, das schwerer wiegt und dich aus der Bahn werfen und in den Wahnsinn treiben kann.«

»Wovon redest du, Dad?«

»Von der Liebe.«

Und er hatte recht. Die Liebe ist imstande, dich so leiden zu lassen, wie nie zuvor.

Das habe ich am eigenen Leib erfahren. Sie war mein schönster Sieg, aber ich wusste, sie würde sich früher oder später in meine schmerzlichste Niederlage verwandeln.

Kapitel 1

Kelsey

»Bist du dir sicher, dass sie nicht doch das Montreal in Frankreich meinten?«, frage ich hoffnungsvoll.

Noch vor achtundvierzig Stunden war ich ein glückliches Mädchen aus Kalifornien, aus Eureka, um genau zu sein. Dort bin ich geboren und aufgewachsen, zwischen Sonne, Meer, Surfen, Strandpartys und Spaziergängen im berühmten Redwood-Nationalpark, in dem die größten Mammutbäume der Welt stehen.

Doch dann kam der Umzug und jetzt bin ich in Montreal, Kanada.

Es ist eine Tragödie. Eine Katastrophe. Ein Irrsinn.

Für so eisige Temperaturen wie hier bin ich überhaupt nicht gemacht. Aber mir bleibt keine andere Wahl.

Mein Vater wirft mir einen bösen Blick zu und konzentriert sich dann wieder auf den Verkehr.

Marcus Cooper ist ein gut aussehender Mann. Wäre ich fünfundvierzig, Single, und nicht seine Tochter, wäre er mein Typ, wenn ihr versteht, was ich meine. Groß, dunkle, grau melierte Haare, nussbraune Augen, kleine Nase, schmale Lippen, stets ein nachdenkliches Stirnrunzeln im Gesicht. Durchtrainiert, dazu ein Ansatz von Bartstoppeln am Kinn. In Eureka haben viele Frauen vergeblich versucht ihn zu daten.

Seufzend drehe ich mich zur Seite und blicke aus dem Fenster. Ich hoffe immer noch auf einen Plot-Twist, vielleicht wache ich auf und entdecke, dass alles nur ein Albtraum war. Aber manche Dinge passieren wohl nur im Film.

»Mal im Ernst, es kann doch nur die Stadt in Frankreich gemeint gewesen sein«, beharre ich und zucke mit den Schultern.

»Ich glaube kaum, dass eine Verwechslung vorliegt, immerhin ist zwischen Frankreich und Kanada ein himmelweiter Unterschied«, antwortet mein Vater wenig amüsiert.

»Dad?«

»Hm?«, brummt er.

»Ich mache nur Witze«, sage ich, und er lächelt.

Wir sind gerade auf einer schnurgeraden Straße unterwegs, gesäumt von Geschäften und hübschen kleinen Häuschen mit gelben und orangen Fassaden. Die Leute auf dem Gehweg tragen dicke Wintermäntel, Schals um den Hals und lächerliche Wollmützen.

Ich hole mein Handy aus der Handtasche und befrage Google, um mehr über die Stadt zu erfahren, in der wir seit gestern wohnen. Denn mein Vater, Marcus Cooper, wird der neue Rektor der Montreal Academy, eines der prestigeträchtigsten und berühmtesten Colleges in ganz Kanada. Ausgezeichneter Lehrplan, hervorragender Betreuungsschlüssel und bla, bla, bla. Theoretisch ideal für Leute, die wie ich gerade ins erste Semester starten – praktisch aber ein Drama.

Ich klappe die Sonnenblende herunter und betrachte mich im Spiegel. Meine langen kastanienbraunen Haare fallen mir über die Schultern, meine dunklen Augen sind dezent mit Mascara geschminkt, ich habe volle Lippen und eine Stupsnase, auf die ich sehr stolz bin. Kurzum, ich bin hübsch und ich bin mir dessen auch bewusst. Schönheit liegt im Auge des Betrachters, ich weiß, aber ehrlich gesagt mangelt es mir nicht an Selbstbewusstsein.

Ich blicke auf die Uniform hinab, die ich vorhin angezogen habe, in dem Hotel, in dem wir übernachten, solange bis unser Haus fertig ist, und schon jetzt hasse ich sie. Sie besteht aus einem kurzen Rock im Schottenmuster und einer weißen Bluse mit dem Logo der Universität darauf. Zum Glück trage ich meine schwarzen Prada-Winterstiefel dazu.

»Die Uniform steht dir«, bemerkt mein Vater, als könne er Gedanken lesen.

»Nimmst du mich auf den Arm?«, frage ich stirnrunzelnd und verschränke die Arme vor der Brust.

»Nein, sie steht dir wirklich«, bestätigt er.

Mit einem Schnaufen richte ich mich im Sitz auf und blicke wieder aus dem Fenster.

»Wo soll ich dich absetzen?«, fragt Dad, und als ich mich umdrehe, bemerke ich auf dem Navi, dass wir in wenigen Minuten am Zielort ankommen.

»Am College, wo sonst? Am Flughafen vielleicht? Hast du es dir etwa doch anders überlegt und wir kehren nach Eureka zurück?«, frage ich und bereue es sofort, als mein Vater sich mit einem tödlichen Blick zu mir umdreht.

O Gott, Marcus Cooper wird mich irgendwann noch umbringen. Dabei bin ich noch viel zu jung zum Sterben.

»Ich habe etwas anderes gemeint, und das weißt du auch. Möchtest du, dass ich dich direkt vor dem College absetze? Oder soll ich dich lieber ein paar Blocks vorher rauslassen?«

Ich will schon mit Ja antworten, aber dann überlege ich es mir anders: Die anderen wissen zu lassen, dass ich die Tochter des neuen Rektors bin, könnte ganz nützlich sein. Immerhin wird niemand so blöd sein, sich gegen mich zu stellen, richtig?

»Nein«, antworte ich bestimmt.

»Hast du gerade Nein gesagt?«, fragt er und wirft mir einen erstaunten Blick zu.

»Brauchst du einen Termin beim Ohrenarzt? Du wirst doch nicht etwa schwerhörig?«, versuche ich seine Verwunderung zu kontern.

Mein Vater schüttelt den Kopf. »Ich bin nur überrascht, das ist alles.«

»Es ist zwecklos, es verbergen zu wollen, früher oder später kommt ja doch heraus, dass ich die Tochter des neuen Rektors bin«, antworte ich und wische mir die verschwitzten Handflächen an den Oberschenkeln ab. Okay, vielleicht bin ich ein wenig nervös. Na gut, sehr sogar, ich geb’s zu.

»Du hast recht, und es hat auch seine Vorteile, nicht wahr?« Er zwinkert mir zu und fährt dann mit unserem Mietwagen, einer feuerroten Limousine, weiter. Noch eine Minute bis zum Ziel.

O Gott.

Ich zittere. Ich muss mich unbedingt beruhigen. Tief durchatmen.

»Wahnsinnig viele Vorteile«, erwidere ich sarkastisch.

»Ich könnte dir den Code für den Kaffeeautomaten verraten«, antwortet er im Scherz.

»Wow, wie rebellisch«, entgegne ich und schüttele den Kopf.

Plötzlich schlägt er einen ernsten Ton an. »Sie werden mir doch keine Probleme machen, Miss Cooper?«

Mein Vater ist normalerweise ein gutmütiger Golden Retriever, aber unter bestimmten Umständen verwandelt er sich in einen aggressiven Pitbull.

»Hm, definiere, was du mit ›Probleme‹ meinst?«, antworte ich.

»Hast du vor, mal wieder ein Klassenzimmer anzuzünden?«, fragt er.

»Das war ein Unfall!«, protestiere ich schmollend. Ich hatte nur mit einem Feuerzeug einen überstehenden Wollfaden an meinem Pullover absengen wollen, aber irgendwas war eindeutig schiefgelaufen, denn meine Bücher hatten Feuer gefangen. Dadurch war die Sprinkleranlage losgegangen und ich hatte die halbe Schule unter Wasser gesetzt. Das war der mit Abstand verrückteste Tag meines bisherigen Lebens gewesen.

»Ein Unfall, wegen dem du von der Schule geflogen bist«, präzisiert mein Vater.

»Immerhin bin ich dadurch um die Klassenarbeit in Mathe herumgekommen, die ich höchstwahrscheinlich verhauen hätte«, sage ich und schiebe die Brille auf meiner Nase ein Stück runter, um ihm vielsagend zuzuzwinkern. Die Brille trage ich seit ich klein bin und mochte sie früher gar nicht. Aber im Laufe der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und finde inzwischen sogar, dass sie mir steht.

»Okay, ich muss mich also auf Ärger gefasst machen«, brummelt er entnervt.

»Ich werde schon keinen Brand legen, Dad, keine Sorge«, sage ich und unterdrücke ein Lachen.

»Da wären wir«, verkündet mein Vater.

Er lenkt den Wagen zum Haupteingang des Colleges, und wir fahren durch ein großes silbernes Tor. Knapp dahinter steht ein Schild mit der Aufschrift WELCOME TO MONTRÈAL ACADEMY.

Welcome am Arsch. Ich will zurück nach Kalifornien. Aber leider geht das nicht.

Wir fahren eine lange Kiesauffahrt entlang, die von hohen Bäumen und sich schier endlos erstreckenden gepflegten Rasenflächen gesäumt ist. Am Ende der Allee kommen wir vor einem kolossalen Backsteinbau mit einer strahlend weißen Fassade zum Stehen. Vor dem Eingang prangt ein großer Springbrunnen mit zwei riesigen Hai-Skulpturen aus Stein in der Mitte.

Mein Vater stellt den Wagen auf dem für den Rektor reservierten Parkplatz ab. Die Coopers sind eingetroffen.

Dad stellt den Motor aus und dreht sich zu mir.

»Bist du bereit?«, fragt er.

»Los geht’s«, antworte ich und steige unter den Augen aller aus dem Auto aus.

Stolz und erhobenen Hauptes steuere ich auf den Eingang des Colleges zu. In Wirklichkeit schlottern mir die Knie.

Und dann fällt mir mit Schrecken ein Detail auf: Ich bin die Einzige in Uniform. Alle anderen Studierende tragen normale Kleidung, Jeans und T-Shirts. Ich ziehe meinen Rock etwas runter und gehe weiter. Plötzlich ertönt ein Pfeifen von einer Gruppe Jungs, die auf dem Springbrunnenrand hocken, also drehe ich mich um, strecke ihnen den Mittelfinger entgegen und lächle spöttisch.

»Dad, du hättest mir sagen können, dass die Uniform völlig unnötig ist«, raune ich ihm zu.

»Das wusste ich nicht, Kels«, flüstert er zurück.

Resigniert zucke ich mit den Achseln.

»Guten Tag«, begrüßt uns plötzlich eine durchdringende Stimme hinter uns. Mein Vater und ich fahren beide erschrocken zusammen und drehen uns um.

Vor uns steht eine Frau mit einer dicken, runden Brille, in einem schwarzen Hosenanzug. Sie hat dunkle Haare, die sie zu einem Dutt gebunden trägt, blaue Augen und volle Lippen. Eine Frau, die man nicht so leicht übersieht. Genauer gesagt, ist sie bildschön.

»Können Sie sich das nächste Mal bemerkbar machen? Ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen«, rutscht es mir heraus, bevor ich mich zurückhalten kann.

Sie sieht mich schief an und wendet sich in einem Tonfall an meinen Vater, der keinen Widerspruch duldet. »Mr. Cooper, wir erwarten Sie bereits, alle sind in der Sporthalle und warten auf Ihre Ansprache.«

»Und Sie sind wer?«, frage ich und stemme eine Hand in die rechte Hüfte.

Mein Vater knufft mir mit dem Ellenbogen in die Seite. »Entschuldigen Sie bitte meine Tochter, sie ist … neu.«

»Du wolltest wohl eher sagen: Fantastisch? Sensationell? Phänomenal? Spektakulär?«, mische ich mich ein und zeige mein strahlendstes Lächeln. Es gäbe tausend Möglichkeiten, mich zu beschreiben, »neu« gehört nicht dazu. Das wird mir nicht gerecht.

»Kelsey«, ermahnt er mich streng und wendet sich dann wieder der Dame zu. »Fahren Sie bitte fort, Miss …?«

»Oh, entschuldigen Sie bitte, ich bin Harper Turner, Ihre Sekretärin.« Sie streckt meinem Vater die Hand entgegen, doch ich bin schneller und ergreife sie zuerst.

»Ich bin Kelsey, seine Tochter. Stimmt es, dass ich kostenlos Kaffee kriegen könnte?«

»Ähm … das müsste ich zuerst abklären«, antwortet Miss Turner unsicher.

»Meine Tochter macht nur Witze, Miss Turner.«

Inzwischen hat er mir so viele tödliche Blicke zugeworfen, dass ich sie nicht mehr zählen kann.

»Ja, ich bin ein echter Scherzkeks«, stimme ich zu, um meinen Vater zu besänftigen.

»Wie gesagt, alle Studierenden warten in der Turnhalle auf Ihre Rede. Hier entlang.« Miss Turner bedeutet uns, ihr zu folgen.

Als Nächstes durchqueren wir einen Flur nach dem anderen, und ich fürchte schon, wir kommen niemals an.

»Wo befindet sich denn diese Turnhalle? In New York?«, stöhne ich keuchend und versuche mit ihrem zügigen Tempo Schritt zu halten.

»Kels?« Mein Vater bleibt steht und dreht sich zu mir um.

»Ja, Mr. Cooper«, sage ich und verschränke die Arme vor der Brust.

»Willst du gleich am ersten Tag rausfliegen?«, fragt er mich und zieht die Augenbraue hoch.

»Wir sind wohl schlecht gelaunt, was?«, bemerke ich, als mein Vater weiterläuft.

»Das habe ich gehört«, grummelt mein Vater sauer.

Das nächste Mal muss ich wohl leiser sprechen. Aber, überlege ich, wenn ich gleich am ersten Tag suspendiert werde, denken die anderen, ich wäre eine, vor der man sich fürchten muss. Vielleicht nicht so schlecht.

Schließlich, nach schier unendlichen Minuten, kommen wir in der Turnhalle an. Sobald wir eintreten, werden wir vom Stimmengewirr der Studierenden empfangen, die auf der Tribüne sitzen. Miss Turner führt uns jedoch zum Basketballfeld, in dessen Mitte sich ein kleines erhöhtes Podest mit einem Mikro befindet und daneben Stühle, auf denen die Dozenten sitzen.

Während mein Vater sich anschickt, seinen Platz einzunehmen, strecke ich ihm mutmachend beide Daumen nach oben entgegen. Er schenkt mir ein Lächeln und steigt aufs Podest. Dann tippt er mit dem Zeigefinger ans Mikro, um es zu testen, und um die Aufmerksamkeit der Studierenden zu erregen, die sofort verstummen. Man sieht ihm jetzt schon an, dass ihm diese neue Aufgabe Freude bereitet. Und wenn er glücklich ist, bin ich es auch.

»Hallo. Ich bin Marcus Cooper, euer neuer Rektor. Mr. Johnson musste aus persönlichen Gründen von seinem Amt zurücktreten und hat mich gebeten, die Geschicke dieses College zu lenken.«

Wartet mal, hat er gerade wirklich von »Geschicke lenken« gesprochen?

O Gott, verschone uns.

»Ich wurde von Mr. Johnson auch über das allgemeine schlechte Benehmen an der Academy informiert. Aus diesem Grund scheint es mir angebracht, ein paar Regeln aufzustellen, damit es hier harmonisch zugeht.«

Okay, diese kleine Info hat mein Vater mir gegenüber unterschlagen. Aber ich bin jetzt schon begeistert. Auf der Tribüne wird leise gemurmelt.

»Ruhe!«, brüllt er. Sofort sind alle still.

Bravo, Dad, so ist’s richtig.

»Die Regeln treten ab morgen in Kraft. Zuallererst möchte ich die Uniformpflicht wieder einführen. Es ist von größter Bedeutung, dass in einem so prestigeträchtigen College wie diesem alle angemessen gekleidet sind.«

Plötzlich lenkt mich ein seltsames Quietschen ab. Stirnrunzelnd beginne ich mit meinen Augen den Raum nach dem Ursprung des nervigen Geräuschs abzusuchen. Ich hebe den Blick und stelle fest, dass von der Decke ein Eimer hängt. Als ich sehe, dass sich der Eimer immer mehr neigt, zähle ich blitzschnell eins und eins zusammen, springe auf das Holzpodest und schubse meinen Vater zur Seite.

Dann geht alles ganz schnell.

Ein Eimer kaltes Wasser ergießt sich über mich und durchnässt mich von Kopf bis Fuß.

Wie versteinert stehe ich dort. Die Dozenten sind aufgesprungen, einige haben die Hand vor den Mund geschlagen, andere die Augen weit aufgerissen vor Entsetzen. Meinem Vater steht jedoch ein ganz anderer Ausdruck ins Gesicht geschrieben: eine Mischung aus Wut und Schock.

In der Turnhalle herrscht eisige Stille.

Dann bricht allgemeines Gelächter aus. Offensichtlich galt dieser üble Streich meinem Vater, aber ich war geistesgegenwärtig genug, um zu verhindern, dass er sich direkt an seinem ersten Tag als Rektor blamiert. Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, mir eine kalte Dusche einzuhandeln. Meine Bluse klebt klitschnass an meinem Oberkörper. Wer auch immer sich diesen Scherz ausgedacht hat, darf nicht so einfach davonkommen. Da kommt mir eine geniale Idee. Vielleicht etwas leichtsinnig, aber trotzdem genial.

Lächelnd schaue ich nach oben: Überall sind Brandmelder und Sprinkler angebracht. Ohne zu zögern greife ich in meine Handtasche und hole ein Feuerzeug und ein paar Zettel heraus.

»Kels!«, ruft mein Vater noch.

Aber es ist zu spät. Ich zünde die Zettel an und werfe sie in die Luft. Der Feueralarm wird sofort ausgelöst.

Kurz darauf herrscht eine andere Form von Chaos. Es fängt an von der Decke zu regnen, und die Tribüne leert sich wie von Zauberhand. Fast genauso klitschnass wie ich, rennen die anderen Studierende schreiend Richtung Ausgang, während ich mich schlapp lache.

Lächelnd trete ich ans Mikro. »Zweite Regel: Leg dich nie mit einem Cooper an«, rufe ich ihnen nach.

Jetzt bin ich zufrieden.

»Kelsey, in mein Büro. Sofort!«, befiehlt mein Vater wutentbrannt.

»Aye, aye, Captain«, erwidere ich. Ich sehe meinem Schicksal gelassen entgegen.

Kapitel 2

Kelsey

Nachdem er mit seiner neuen Sekretärin das weitere Vorgehen besprochen hat, bedeutet mir mein Vater, ihm nach draußen zu folgen. Sobald wir die Turnhalle verlassen, sind alle Augen auf uns gerichtet. Es ist mir völlig egal, was die Leute denken, niemand darf sich mit den Coopers einen Scherz erlauben.

»Planänderung, wir reden später. Zieh dich um und geh zum Unterricht«, beschließt mein Vater.

»Ich hol mir eben Wechselklamotten aus dem Auto«, sage ich.

»Miss Turner wird dich begleiten. Nicht, dass du noch mehr Unfug anstellst«, seufzt er und wirft mir die Autoschlüssel zu, während seine Sekretärin plötzlich neben ihm auftaucht wie ein sexy Phantom.

»Könntet ihr mir bitte meine große schwarze Reisetasche aus dem Kofferraum mitbringen? Ich muss mir unbedingt was Trockenes anziehen«, fügt er hinzu, ehe er in seinem Armani-Anzug davongeht, der an ihm klebt.

»Gehen wir«, fordert mich Miss Turner auf.

Schmollend folge ich ihr. Als wir am Parkplatz ankommen, öffne ich den Kofferraum und fange an, im Koffer zu wühlen, bis mir ein schwarzer Jogginganzug in die Hände fällt.

»Wieso zum Henker hing da ein Eimer voller Wasser von der Decke?«, frage ich.

»Falls du denkst, ich wüsste etwas …«, sagt Miss Turner, holt die schwarze Reisetasche meines Vaters heraus, und hängt sie sich über die Schulter.

»Das nicht. Aber irgendwer hat ihn ja schließlich dorthin gehängt, nicht wahr? Ich will wissen, wer.« Wütend knalle ich den Kofferraum zu.

»Zieh dich um und geh dann in den Unterricht. Du bist an der Fakultät für Film und darstellende Kunst eingeschrieben, richtig?«, liest sie von dem Blatt ab, das sie gerade aus ihrer Tasche geholt hat.

Ich nicke und nehme es ihr aus der Hand. »Danke, Hannah.«

»Harper«, korrigiert sie mich verärgert.

»Wie auch immer«, brummele ich, während ich loslaufe.

Nachdem ich ein wenig umhergeirrt bin, finde ich endlich die Damentoilette. Dort trockne ich meine Haare notdürftig mit dem Händetrockner und ziehe mich in einer der Kabinen um.

Als ich die Toilette verlasse, ist der Flur leer – alle anderen Studierenden sind vermutlich im Unterricht. Nach ein paar Schritten springt mir eines der Türschilder ins Auge, und ich bleibe stehen: Musiksaal. Lächelnd betrete ich den Raum.

Doch der Saal ist leer. Nur ein Flügel und eine Reihe Stühle warten auf die nächste Klasse. Als mein Blick auf ein Mikro fällt, das auf einem nahegelegenen Tisch liegt, treten mir Tränen in die Augen.

Seit meine Mutter tot ist, habe ich das Singen aufgegeben. Das heißt, ich singe noch gelegentlich, aber nur heimlich und nicht in der Öffentlichkeit. Als mir mein Vater erzählte, dass es an diesem College jede Menge Gesangskurse gibt, schwor ich mir sofort, keinen einzigen davon zu besuchen.

Aber wenn ich allein bin, liebe ich es zu singen und Musik zu machen. Das hilft mir, meinen Kopf freizukriegen. Ich greife mir eine der vielen Gitarren, die am Rand aufgereiht stehen, und streiche mit den Fingern über die Saiten. Kurz darauf erfüllen die ersten Noten von Rolling in the Deep die Luft. Ich beginne mit geschlossenen Augen beinahe automatisch zu singen.

Doch je länger ich singe, desto mehr fühlt es sich an, als würde der Boden unter mir schwanken. Aber ich versuche, stark zu sein. Ich darf nicht daran denken. Ich darf nicht an sie denken.

Als ich ein Geräusch höre, höre ich abrupt auf und schlage die Augen auf. Erschrocken blicke ich mich um und lege die Gitarre zur Seite, wo ich sie gefunden habe.

Was, wenn es eine Maus war? Bitte nicht.

Und was, wenn es eine Ratte war? Bitte, bitte nicht.

»Wer auch immer du bist, hat dir niemand beigebracht, dass es unhöflich ist, anderen Leuten hinterherzuspionieren?«, rufe ich in die Leere.

Ein weiteres merkwürdiges Knarren lässt mich zusammenzucken und instinktiv lege ich mir eine Hand ans Herz. Da bemerke ich eine Tür, die ich zuvor nicht gesehen hatte. Ist da wer? Vielleicht jemand, der mir auflauert?

Unsinn, so was passiert nur im Film.

Vorsichtig nähere ich mich der Tür, die plötzlich aufgeht, sodass ich sie fast ins Gesicht bekomme. Vor mir steht ein Riese. Ich, mit meinen knapp einen Meter sechzig, sehe nur eine muskulöse, breite Brust. Instinktiv mache ich einen Schritt zurück und schaue hoch. Ein Typ sieht mich neugierig an. Er ist bestimmt eins neunzig groß, hat hinreißend smaragdgrüne Augen und braune Haare, die er ein wenig nach hinten gegelt hat, aber einige widerspenstige Strähnen fallen ihm in die Stirn. Seine Nase ist schmal und wohlgeformt, seine Lippen voll. Neben ihm steht eine Frau mit hüftlangen blonden Haaren, hellblauen Augen und einem Schmollmund mit einem Kilo Lipgloss darauf. Sie trägt ein rosa Top mit tiefem Ausschnitt, das sie sich in solcher Eile übergezogen haben muss, dass sie es falsch herum trägt. Ihre langen Beine stecken in einer engen, hüfthohen Jeans, dazu trägt sie schlichte weiße Sneaker.

»Habt ihr ein Gespenst gesehen, oder wieso starrt ihr mich so an?«, frage ich genervt.

»Du hast eine sensationelle Stimme«, haucht die Blondine.

»Danke. Ähm … du trägst dein Oberteil übrigens falsch herum.« Ich räuspere mich und deute auf ihr Etikett.

Der Typ starrt mich noch immer an. Er verzieht keine Miene.

»O Gott, wie peinlich«, ruft die Blondine und zieht augenblicklich ihr Top aus.

Täusche ich mich, oder zieht sie sich wirklich vor mir aus? Nein, ich täusche mich nicht.

»Ich wollte nicht stören bei eurem …« Auf der Suche nach dem richtigen Wort werfe ich einen Blick auf beide. »Fick …« Ups, jetzt ist es mir rausgerutscht.

Der Typ blinzelt. Einmal, zweimal. Sein Blick scheint sich einen Moment lang zu verfinstern, dann deuten seine Mundwinkel ein Grinsen an.

»Hast du gerade ›Fick‹ gesagt?«, bequemt er sich endlich dazu, auch etwas zu sagen.

»Wäre dir ›Rendezvous‹ lieber? Oder ›Schäferstündchen‹?« Ich verschränke die Arme vor der Brust und blicke ihn erhobenen Hauptes an.

»Nein, ich glaube, ›Fick‹ trifft es ganz gut«, antwortet er mit einem Schmunzeln.

»Schön. Ich war eigentlich auf der Suche nach dem Hörsaal, in dem der Kurs Mediensoziologie stattfindet. Könntet ihr mir sagen, wo ich den finde? Ich bin im ersten Semester in Film und darstellende Kunst eingeschrieben«, erkläre ich lächelnd und rücke den Träger meiner Umhängetasche auf der Schulter zurecht, die dank der nassen Klamotten nun ziemlich schwer ist.

Unter den zahlreichen Kursen an der Montreal Academy haben mich diese auf Anhieb angesprochen: Zeitgenössische Kunst und Geschichte, Medien- und Kommunikationssoziologie, Musik und darstellende Kunst. Ich bin überzeugt, dass ich genau die richtige Mischung für mich gewählt habe. Aber die Blondine scheint da anderer Meinung zu sein.

»Wieso studierst du Film und darstellende Kunst? So, wie du singst, solltest du Gesang studieren. Deine Stimme ist außergewöhnlich, außerdem ist Professorin Petrova eine tolle Dozentin«, sagt sie mir und ordnet ihre langen Haare auf dem Rücken.

Ich öffne den Mund, um etwas zu erwidern, klappe ihn aber wieder zu, weil ich nicht genau weiß, was. Ich singe nicht, beziehungsweise nicht öffentlich. Mein Blick bleibt an dem Typen hängen, und ich mustere ihn. Er trägt einen schlichten schwarzen Trainingsanzug, der seine muskulöse Figur unterstreicht. Auf seinem Sweatshirt prangt ein Logo mit der Aufschrift Sharks und daneben ein Hai, der die Zähne fletscht.

O Mann, er ist Eishockeyspieler. Das ist das Logo des Uni-Teams. Mir ist bewusst, dass dieser Sport hier in Kanada sehr beliebt ist, aber ich habe nicht die leiseste Ahnung von den Regeln.

»Warum bist du so nass?«, fragt er mich plötzlich.

»Wart ihr nicht in der Turnhalle? Ah klar, natürlich nicht. Ihr wart anderweitig beschäftigt …« Ich setze eine demonstrative Pause und fahre fort. »Um es kurz zu machen: Jemand hat einen Eimer mit kaltem Wasser an die Decke gehängt und direkt über dem Kopf des neuen Rektors ausgekippt. Um ein Desaster zu vermeiden, habe ich mich dazwischen geworfen und ihn beiseite geschubst.«

Beide wechseln einen perplexen Blick. Aber an ihrem Gesichtsausdruck kann ich ablesen, dass sie bereits von dem Streich wissen, auch wenn sie nicht dabei gewesen sind. Das kaum unterdrückte Grinsen des Jungen bestätigt das.

»Aber das ist nicht alles«, fahre ich fort. »Um mich zu rächen, habe ich einen kleinen Brand gelegt und so die Sprinkleranlage ausgelöst. Dadurch sind alle anderen auch nass geworden. Außer euch natürlich. Und jetzt hasst die gesamte Academy mich bereits an meinem ersten Tag.«

Die Blondine und der Typ starren mich mit offenem Mund an. Offenbar habe ich sie überrascht.

»Du verarschst uns doch, Zwerg?«, fragt er mich und fährt sich durch die Haare, auf eine Art und Weise, dass … meine Güte.

Gott, wieso muss er so attraktiv sein?

Moment mal. Hab ich mich eben verhört oder hat er mich tatsächlich Zwerg genannt? Ich darf mich nicht von seinem guten Aussehen blenden lassen.

»Nein, du Grizzly-Verschnitt, leider nicht. Wenn ich denjenigen finde, der die geniale Idee mit dem Eimer hatte, drehe ich ihm höchstpersönlich den Hals um.« Um meine Worte zu unterstreichen, setze ich mein teuflischstes Lächeln auf.

»Moment.« Auf der Suche nach meinem Handy fange ich an, in meiner Tasche zu kramen. »Darf ich ein Foto von euch machen? Ihr solltet eure Gesichter mal sehen«, sage ich und verwirre sie nur noch mehr.

Da tritt der Typ so nah an mich heran, dass ich mir den Hals verbiegen muss, um zu ihm hochzuschauen.

»Ich weiß zwar nicht, wer du bist, Zwerg, aber ich gebe dir einen freundschaftlichen Rat: Sich mit dem König des Campus anzulegen, ist nicht sehr klug«, droht er mir.

König des Campus?

Wo bin ich denn hier gelandet?

»Und wer soll dieser König sein? Du etwa?«, entgegne ich. »Dass ich nicht lache. Wenn du der König des Campus bist, bin ich Taylor Swift«, sage ich verächtlich schnaufend unter seinem bedrohlichen Blick.

»Du bist nicht lustig.« Er zeigt mit dem Finger auf mich, die Lippen zu einer straffen Linie zusammengepresst.

»Ich habe nur einen Witz gemacht. Entspann dich, du Höhlenmensch«, erwidere ich und zucke mit den Achseln.

»Tja, dann lass dir gesagt sein, das war ein richtiger Scheißwitz«, antwortet er gereizt. Dann zieht er eine Augenbraue hoch, wie um mich weiter herauszufordern.

Das war dumm von ihm, denn: Wenn sie herausgefordert wird, macht Kelsey Cooper nie einen Rückzieher.

»Ach ja? Verzeihung, Eure königliche Hoheit«, kontere ich und mache einen Knicks, um mich noch mehr über ihn lustig zu machen.

»Wer zum Teufel glaubst du eigentlich, wer du bist?«, knurrt er und tritt noch näher an mich heran.

»Die eigentliche Frage müsste vielmehr lauten: Wer glaubst du, wer du bist?«, antworte ich zornig und richte einen Finger auf seine Brust.

»Leute, es reicht. Schön dich kennenzulernen. Ich heiße Alison, und das ist Matthew, mein Freund«, schaltet sich die Blondine ein, um die er sofort besitzergreifend einen Arm legt, als sie einen Schritt nach vorn macht.

Matthew. Sogar der Name nervt. Er ist ebenso gut aussehend wie unsympathisch und arrogant. War ja klar, dass ich gleich das größte Arschloch auf dem Campus treffen musste. Der Tag wird nur noch besser.

»Genau, und wer zum Henker bist du, Zwerg?«, fragt mich Matthew.

»Eine, die dir jede Menge Ärger machen kann, wenn du sie noch einmal ›Zwerg‹ nennst«, antworte ich und versuche mich nicht von ihm beeindrucken zu lassen.

Er ist nicht einfach nur attraktiv, sondern einer dieser Typen, bei denen einem der Mund offen stehen bleibt.

»Willst du mich weiter provozieren? Kein sehr schlauer Move.« Kopfschüttelnd vergräbt er die Hände in den Hosentaschen und schaut mich weiter so an, als sei ich ein Käfer, den es zu zerquetschen gilt.

»Matt, wir müssen los, der neue Rektor wird eh schon wegen des Vorfalls vorhin stinksauer sein. Wenn wir auch noch zu spät kommen, kriegt er bestimmt ’nen Tobsuchtsanfall«, versucht die Blondine die Situation zu entschärfen.

»Vorher will ich aber verflucht noch mal rausfinden, wer die da ist«, beharrt er und zeigt auf mich.

»Erstens: Nimm deinen Finger runter. Zweitens: Wer ich bin, geht dich überhaupt nichts an.«

Matthew wirft mir einen hasserfüllten Blick zu. »Zwerg, pass lieber auf, was du sagst. Das, was mit dem Rektor passiert ist, war erst der Anfang.«

Während er die letzten Worte ausspricht, schenkt er mir ein provokatives, boshaftes Lächeln. Ich würde fünfzig Dollar verwetten, dass er hinter dem Wassereimer steckt. Auch wenn ich keine Beweise habe, mein Instinkt ist untrüglich.

»Soll das eine Drohung sein?«, frage ich.

»Sieh es eher als eine Art Warnung«, antwortet er mit einem Zwinkern, verstärkt den Griff um die Taille seiner Freundin und eilt dann gemeinsam mit ihr zur Tür.

»Weißt du was, Matthew, es ist auch nicht sonderlich klug, der Tochter des Rektors zu drohen«, flöte ich und schneide den beiden den Weg ab. »Wenn ihr mich jetzt entschuldigt«, sage ich mit einem spöttischen Lächeln. Mit Genugtuung registriere ich ihre verdatterten Gesichtsausdrücke, als ich den Musiksaal verlasse.

Hat er gerade wirklich Kelsey Cooper gedroht? Ganz schlechter Move.

Lieber Matthew, du hast keine Ahnung, mit wem du dich da anlegst.

Kapitel 3

Kelsey

Zu meinem großen Erstaunen erweist sich der restliche Tag als erträglich … zumindest einigermaßen.

Er bestand die letzten Stunden vor allem darin, wie eine verlorene Seele über den Campus zu irren und mich von einem Kurs zum nächsten zu hangeln. Zugegebenermaßen hat sich die Academy doch als richtige Wahl herausgestellt. Die Kurse fand ich interessant und die Dozierenden waren zwar streng, aber auch hilfsbereit.

Die Studierenden hingegen haben mich gemieden wie die Pest, mir finstere Blicke zugeworfen und »Pyromanin« geraunt, sobald ich an ihnen vorüberging. Ich hasse meine Kommilitonen jetzt schon. Und noch mehr hasse ich diesen Matthew. Der Gedanke an unsere Begegnung vorhin irritiert mich. Eher bleibe ich bis ans Ende meiner Tage allein hier an der Academy, als dass ich mich mit diesem muskelbepackten, hirnlosen Bad Boy herumschlage. Der König des Campus, was glaubt er eigentlich, wer er ist?

Ich hasse ihn.

Nervige Leute habe ich mit meinen neunzehn Jahren schon einige getroffen, aber er übertrifft alle. Um Längen.

Plötzlich keimt Nervosität in mir auf. Eine Flut an Sorgen überrollt mich und bringt meine Selbstsicherheit ins Wanken. Werde ich mich an diesem College jemals eingewöhnen? Wahrscheinlich nicht. Werde ich je Freunde finden? Ganz sicher nicht, nach dem was ich in der Turnhalle veranstaltet habe.

Auf einmal verspüre ich das dringende Bedürfnis, frische Luft zu schnappen. Ich gehe nach draußen, und der Wind peitscht mir ins Gesicht. Mein Blick schweift über das Gelände, und ich bestaune den ausgedehnten Park, der das gesamte College samt seinen Nebengebäuden umgibt. Neben der Turnhalle, die ich fast in Brand gesetzt hätte, gibt es noch ein Schwimmbad und das Eisstadion.

Ich schiebe mir die Tasche auf die Schulter, rücke meine Brille zurecht, gehe an dem Springbrunnen mit den Haien vorbei und biege dann nach rechts auf einen weißen Betonweg ein, der von hohen Pinien und einigen Gebüschen flankiert wird.

Die anderen Studis bilden Grüppchen, einige sitzen auf Bänken und plaudern mit den Umstehenden, andere liegen auf der Wiese und lernen. Ich setze mich auf die erste freie Bank, die ich finde, und ziehe mein Handy aus der Tasche, um die Leute zu ignorieren, die mich anstarren, als wäre ich eine Serienkillerin, die gerade aus dem Knast ausgebrochen ist.

»Ich komme in Frieden. Hättest du Feuer für mich?«, fragt mich eine unbekannte Stimme.

Ich sehe auf, und die Frau, die mich soeben angesprochen hat, hebt beschwichtigend die Hände. Mit hochgezogener Augenbraue mustere ich sie: Sie trägt eine löchrige schwarze Jeans, ein weißes T-Shirt mit FUCK THE POLICE-Aufschrift und graue Boots mit Nieten an der Seite. Ihre Haare, die ihr knapp bis über die Schultern reichen, sind weißblond, fast schon platinblond, sodass ich sie insgeheim ›Blondie‹ taufe. Aber das, was mich am meisten erstaunt, sind ihre blauen Augen, kristallklar wie Wasser.

Ich stecke das Handy wieder in die Tasche. »Hast du den Eimer mit kaltem Wasser in der Turnhalle aufgehängt?«, frage ich sie. Ich bin immer sehr direkt.

»Nein.« Sie schüttelt den Kopf.

»Dann muss ich ja nichts Schlimmes befürchten«, erwidere ich, nehme meine Brille ab, und fange an, sie vorsichtig mit einem Brillenputztuch zu reinigen.

»Ich hab einfach nur gesehen, dass du ganz allein bist, deshalb dachte ich mir, ich spreche dich an. Du bist echt cool, Girl«, sagt sie begeistert.

Etwas zu begeistert für meinen Geschmack. Und hat sie mich gerade Girl genannt?

O Gott.

»Äh, danke, aber könntest du mich nicht ›Girl‹ nennen? Das ist ein bisschen seltsam.« Ich setze mir die Brille wieder auf und steck das Tuch in meine Tasche.

»Verstanden. Ich bin übrigens Janette.« Mit einem warmen Lächeln streckt mir die Blondine eine zierliche Hand entgegen.

Ich schüttele ihr die Hand und erwidere das Lächeln. »Kelsey.«

Blondie macht gar keinen so schlechten Eindruck. Eine Art rebellische Version 2.0 von Paris Hilton.

»Aber sag mal, stimmt das, was man sich erzählt?«, flüstert sie, und ihr Blick schnellt nach links und rechts, als wolle sie sichergehen, dass niemand uns zuhört.

»Ja, ich habe in der Turnhalle Feuer gelegt«, bestätige ich zufrieden.

Das war das Mindeste, was ich tun konnte, nachdem jemand versucht hat, meinem Vater am ersten Morgen eine kalte Dusche zu verpassen. Okay, letztlich wurde Marcus Cooper meinetwegen doch pitschnass.

»Das meinte ich nicht, auch wenn das echt lustig war. Stimmt es, dass du die Tochter vom neuen Rektor bist?«, raunt sie mir zu und setzt sich neben mich.

»Wieso flüsterst du?« Stirnrunzelnd drehe ich mich zu ihr.

Janette kichert und stellt ihre Tasche auf der Bank ab. »Ich dachte, vielleicht willst du nicht, dass es jeder gleich erfährt, aber jetzt wo du mich darauf aufmerksam machst, komme ich mir etwas albern vor«, sagt sie beschämt.

»Ja, ich bin die Tochter vom neuen Rektor, und nein, leider kann ich keinen Gratiskaffee aus dem Automaten ziehen.« Ich zucke mit den Achseln und ziehe eine Grimasse. Das mit dem Kaffee sollte ich unbedingt noch mal in Angriff nehmen, vor allem weil ich keine Lust habe, jeden Tag Geld dafür auszugeben. Vielleicht könnte ich meinem Vater den Schlüssel zum Automaten klauen. Hm, darüber muss ich noch mal nachdenken.

»Na toll, dabei wollte ich mich nur mit dir anfreunden, um kostenlos an Kaffee ranzukommen«, stöhnt sie und verschränkt die Arme vor der Brust wie ein bockiges Kind.

Ich lache auf. »Du bist auch cool, Janette, ich glaube, wir können offiziell Freundinnen werden.«

Blondie gefällt mir, sie ist lustig, schlagfertig und vor allem nicht so eingebildet wie die anderen Studis.

»Hauptsache du zündest nicht den kompletten Campus an. Ich habe keine Lust, direkt im ersten Jahr die Uni wechseln zu müssen«, witzelt sie. Das heißt, sie ist Ersti, genau wie ich.

»Ich kann nichts versprechen«, antworte ich finster. Ich zünde auch die komplette Stadt an, wenn noch mal jemand versucht, meinem Vater einen Streich zu spielen.

»Also, Kelsey Cooper, woher kommst du eigentlich?«, fragt sie mich und holt Zigaretten aus der Tasche. Eine Schachtel Rothmans.

»Aus Eureka«, antworte ich melancholisch und schaue in die Ferne.

»Ist das in Ägypten?«, fragt sie.

Mein Kopf schnellt zu ihr herum, und ich blicke sie verwundert an. »Ägypten? Das ist in Kalifornien.«

Die ist ja verwirrt.

Sagt ausgerechnet wer? Die Verwirrteste von allen.

»Eureka«, wiederholt sie und starrt ins Leere. »Vom Namen her klang das irgendwie ägyptisch.«

»Es ist aber in Kalifornien«, beharre ich.

»Ich kann dir jedenfalls garantieren, dass die kanadischen Jungs deutlich besser sind als die kalifornischen«, sagt sie, stupst mich gegen den Arm und zieht eine Zigarette aus der Schachtel.

»Gut zu wissen. Kann ich auch eine haben?«, frage ich sie und deute auf die Schachtel in ihrer Hand.

Nach den Ereignissen des Vormittags brauche ich dringend eine Zigarette, um mich zu entspannen.

»Kriege ich Ärger mit dem Rektor, wenn ich seine Tochter zum Rauchen anstifte?«, fragt Blondie.

»Nicht, solange er es nicht erfährt«, erwidere ich mit einem Zwinkern, und Janette reicht mir daraufhin eine.

Ich stecke mir die Kippe zwischen die Lippen und gebe uns beiden Feuer.

»Alles ist so anders hier«, spreche ich meine Gedanken laut aus.

»Tja, das kann ich mir vorstellen. Tatsächlich habe ich einen Vorschlag für dich. Der dir helfen könnte, dich einzugewöhnen.« Sie steckt die Zigarettenpackung wieder ein, steht von der Bank auf, nimmt einen tiefen Zug und stößt den Rauch dann himmelwärts aus.

»Schieß los«, entgegne ich lächelnd und ziehe kräftig an meiner Zigarette, aber der Rauch verfängt sich und ich beginne zu husten.

»Heute Abend findet eine Feier in der Villa der Eishockeymannschaft statt, eine Art Homecoming-Party zum Start des Semesters und der Saison«, erklärt sie mir. Sie scheint ziemlich gut informiert zu sein für eine Ersti.

Eishockeymannschaft, das heißt, der Grizzly wird ebenfalls da sein. Wenn ich hingehe, könnte ich ihm eine reinhauen dafür, wie er sich mir gegenüber verhalten hat … Das muss ich mir durch den Kopf gehen lassen.

»Und weiter?«, ermutige ich sie fortzufahren.

Janette lächelt, wirft die Kippe zu Boden und tritt sie aus. »Na ja, und ich habe mich gefragt, ob du Lust hättest, mit mir hinzugehen? Das wird bestimmt spaßig.«

»Hm, gibt’s da Tequila?«, frage ich interessiert.

»Tequila? Ja, klar. Wir hier in Kanada wissen, wie man feiert, Kelsey. Was denkst du denn über uns?«, fragt sie gespielt beleidigt.

»Na gut, ich denke drüber nach.« Mit einem Grinsen auf den Lippen werfe auch ich meine Kippe zu Boden. Blondie tritt sie sogleich mit ihrem Stiefel aus. Dann nimmt sie ihre Tasche von der Bank und hängt sie sich über die Schulter.

»Ich hab da was, das dich überzeugen wird. Komm mit«, sagt sie und bedeutet mir mit einer Kopfbewegung, ihr zu folgen.

Ich stehe auf und sehe sie leicht stirnrunzelnd an.

»Du hast mich mit dem Tequila bereits überzeugt«, antworte ich, während ich ihr hinterhergehe.

Wir folgen dem Weg bis zum Eishockeystadion. Dort bleibt Janette vor einer schwarzen Tür stehen, öffnet sie und schlüpft hinein. Ich gehe ihr hinterher und höre einen lauten Schlag, der mich hochschrecken lässt.

»Es ist stockfinster, Janette«, stoße ich hervor und halte mich an ihrem Arm fest, um mich nicht zu verirren.

»Komm mit«, fordert sie mich auf und zieht mich in die Dunkelheit hinein.

Als sie schließlich eine weitere Tür öffnet, stelle ich fest, dass wir uns unter der Tribüne des Eisstadions befinden.

»Was machen wir hier?«, frage ich und versuche etwas durch die Sitze hindurch zu sehen.

»Wir gucken beim geheimen Training der Sharks zu«, antwortet sie wie elektrisiert.

O nein … das Team des Grizzlys.

Ich bleibe neben ihr stehen, und nach ein paar Sekunden schießen Jungs auf Schlittschuhen in mein Blickfeld. Sie tragen eine blaue enorm gepolsterte Schutzausrüstung, die ihnen das Dreifache an Körpervolumen verleiht, und einen Helm mit durchsichtigem Visier. Alle halten einen Hockeyschläger in der Hand und jagen dem Puck hinterher, der sich irrsinnig schnell übers Eis bewegt.

»Ich verstehe nichts von Eishockey«, flüstere ich Janette zu und rücke so nah wie möglich an sie heran, damit mich die Spieler auf dem Feld nicht hören können.

»Ich auch nicht«, erwidert sie.

Ob Matthew auch da ist? Bestimmt.

Nicht, dass ich scharf darauf wäre, ihn wiederzusehen … Unsere erste Begegnung hat mir gereicht.

Ich beobachte weiter die Spieler, die von einer Spielfeldseite zur anderen gleiten, und ich frage mich, wie zum Teufel sie es schaffen, sich überhaupt in dieser gepolsterten Montur zu bewegen? O Mann, ich an ihrer Stelle würde vor Hitze eingehen.

»Leblanc, du spielst wie ein Rentner, beweg deinen Arsch, gottverdammt!«, schreit jemand.

»Wer auch immer das eben war, ist mein neues Idol.« Ich kichere und halte mir eine Hand vor den Mund.

»Das ist Coach Smith«, flüstert Janette.

»Sanders, hast du einen Stock im Arsch? Leg mal einen Zahn zu, sonst können wir uns den Meistertitel dieses Jahr abschminken«, schreit mein neues Idol, der Coach.

»Okay, wieso sollte mich das hier überzeugen, heute Abend zu kommen?«, frage ich mit hochgezogener Augenbraue.

Ein plötzlicher Knall vom Spielfeld lässt mich hochschrecken. Zwei Jungs geraten aneinander und zwei weitere versuchen, sie auseinanderzuziehen.

»Sanders, Croix. Schluss jetzt, verdammt, oder ich hänge euch an der Decke auf!«, brüllt Smith.

»Er hat angefangen!«, ruft einer der Jungs.

»Es ist mir scheißegal, wer angefangen hat. Ab unter die Dusche und geht mir nicht auf den Sack. Leblanc, du auch, du brauchst dringend eine Abkühlung. Du kommst mir heute vor wie ein hysterischer Büffel.«

Angesichts der Beleidigungen von Coach Smith kriege ich fast Lust, aufs Spielfeld zu rennen und ihm die Hand zu schütteln, um ihm zu seinen originellen Einfällen zu gratulieren.

Die drei genannten Jungs lehnen sich an die Bande, trinken etwas, nehmen die Helme ab und wischen sich mit dem Trikotzipfel den Schweiß ab. Allen dreien kleben die zerzausten Haare an der Stirn. Sie quatschen untereinander weiter, machen aber keine Anstalten, dem Trainer zu gehorchen und duschen zu gehen.

Einer der drei dreht sich um.

Matthew. Ausgerechnet.

»Was für ein Arschloch«, sage ich schnaubend und gehe ein paar Schritte zurück, um nicht entdeckt zu werden.

»Was?«, fragt mich Janette.

»Dieser Typ … Matthew, ist so ein Arschloch«, wiederhole ich und kaue nervös auf der Unterlippe herum.

»Matthew Leblanc? Na ja, aber ein ziemlich hübsches Arschloch, würde ich sagen«, antwortet sie.

»Ich habe ihn bereits kennengelernt und es war alles andere als ein Vergnügen«, erwidere ich.

»Aber einen knackigen Hintern hat er«, murmelt Janette und besieht ihn sich näher.

Ich mache wieder ein paar Schritte nach vorn, und verdammt, Janette hat recht.

Matthew steht uns nun mit dem Rücken zugewandt und gibt den Blick frei auf seinen schön runden Knackarsch.

»Aber er ist und bleibt ein Arschloch«, stelle ich klar.

»Bei einem solchen Hintern verzeiht man das. Es kommt ja schließlich nicht von ungefähr, dass er der König des Campus ist«, bemerkt sie.

O Gott, diese Geschichte schon wieder?

»König des Campus? Der?«, frage ich eine Spur zu laut.

Tatsächlich drehen sich alle drei Jungs schlagartig zu uns um. Instinktiv ducken Janette und ich uns.

»Gehen wir«, flüstert sie und bedeutet mir, ihr zu folgen.

Als wir schließlich das Eisstadion verlassen haben, kann ich endlich wieder frei atmen.

»Wegen dir hätten sie uns beinahe erwischt, Kelsey! Und außerdem, warum verabscheust du Leblanc so?«, will Janette wissen.

»Ich hab mich im Gebäude verlaufen und hab ihn erwischt, wie er mit seiner Freundin rumgemacht hat. Er ist sauer geworden, weil ich reingeplatzt bin, und hat sich als ›König des Campus‹ aufgespielt.«

Janette bleibt stehen und sieht mich verdattert an. »Du hast Matthew und Alison beim Rummachen erwischt?«

»O Gott, nein, sie waren schon fertig. Sie hatte ihr Oberteil falsch herum an«, erkläre ich.

»Und was ist dann passiert?« Janette zieht eine weitere Zigarette aus der Schachtel und zündet sie an.

Sie raucht echt wie ein Schlot.

»Na ja, wir haben gestritten«, antworte ich. »Wir haben uns ein wenig angeblafft, und ich hab ihm gesagt, dass es nicht sonderlich klug ist, der Tochter des Rektors zu drohen«, sage ich mit einem Augenzwinkern.

»Oha«, kommentiert sie und macht große Augen.

»Wieso ›Oha‹?«, frage ich und schiebe mir eine Strähne hinters Ohr.

»Na ja, du hast den König herausgefordert. Ich möchte nicht in deiner Haut stecken.« Sie raucht ihre Zigarette auf und wirft sie zu Boden.

»Himmel, kann mir mal jemand erklären, wieso Matthew Leblanc sich selbst für einen Gott hält?«, erwidere ich genervt. »Was soll überhaupt dieses ständige Gelaber von wegen ›König des Campus‹?«

Janette sieht mich verständnislos an und schüttelt den Kopf.

»Auf mich wirkt er lediglich wie ein aufgeblasener Grizzly mit einem Ego, das so groß ist, dass man es vom Weltall aus sehen könnte. Soll ich mich deiner Meinung nach von einem Typen einschüchtern lassen, der in seiner Hockeyausrüstung aussieht wie ein Michelin-Männchen?«, frage ich, doch Janette steht mit aufgerissenen Augen da und reckt das Kinn immer wieder nach oben. Scheiße, ich verstehe endlich, was sie mir sagen will.

»Er steht hinter mir, stimmt’s?«, frage ich unsicher.

Janette nickt unmerklich. Seufzend drehe ich mich um und pralle erneut gegen eine harte Brust.

»Alter, das mit dem Michelin-Männchen war lustig, das muss man ihr lassen«, bemerkt ein anderer Typ hinter ihm.

»Sanders? Halt die Klappe oder du guckst dir das nächste Spiel von der verdammten Ersatzbank aus an, kapiert?«, fährt ihn Grizzly an.

»Na, alles klar, Matthew? Lang nicht gesehen«, sage ich betont lässig.

»Was ist eigentlich dein Problem, Kelsey Cooper?« Sein Name auf meinen Lippen ist Musik in meinen Ohren.

Was sag ich denn da? Matthew Leblanc ist alles andere als Musik. Er ist eher der Tinnitus in meinen Ohren.

»Ah, schau an, du hast also herausgefunden, wie ich heiße. Glückwunsch, Leblanc.« Ich fange langsam an zu klatschen.

»Und du hast meinen Nachnamen herausgekriegt. Da hat wohl jemand brav seine Hausaufgaben gemacht«, verspottet er mich.

»Ich … ich«, stottere ich und merke, dass mir keine schlagfertige Antwort einfällt.

»Ich … ich was, Cooper?«, äfft er mich nach. Er trägt dasselbe Trikot wie heute Morgen und hat noch nasses Haar von der Dusche nach dem Training.

»Hör mal, Leblanc …«, setze ich an, aber er unterbricht mich.

»Nein, du hörst mir zu, Cooper. Ich weiß nicht, ob du besonders clever oder besonders dumm bist, aber ich gebe dir einen freundschaftlichen Rat: Rede niemals schlecht über mich, solange du an diesem College bist. Kapiert?« Matthew fährt sich mit der Hand durchs Haar.

Für wen hält er sich eigentlich?

»Ich denke gar nicht daran, du aufgeblasenes Muskelpaket. Ich wette fünfzig Dollar, dass du es warst, der meinem Vater den Streich gespielt hat, insofern geb ich dir jetzt mal einen freundschaftlichen Rat«, sage ich und male Anführungszeichen in die Luft. »Kratz die Kurve auf deinen Schlittschuhen und geh mir nicht auf die Nerven.«

»Wow, die hat’s dir aber gegeben, Leblanc«, murmelt sein Freund.

»Sanders?« Matthew dreht sich zu ihm um. »Wie gefällt dir die Aussicht darauf, dem Spiel in Zukunft vom Rand aus zuzuschauen?«

»Komm schon, Leblanc«, protestiert dieser schnaubend.

»Und was dich angeht, Cooper, falls du den Mumm hast, und davon gehe ich aus, dann komm doch heute Abend zu unserer Party. Vielleicht verstehst du dann, wer hier das Sagen hat und dir das Leben zur Hölle machen kann«, presst Matthew zwischen den Zähnen hervor.

»Soll das eine Herausforderung sein, Leblanc?«

»Nimmst du sie an, Cooper?« Er grinst mir ins Gesicht.

»Bis heute Abend.«

Ohne seine Antwort abzuwarten, drehe ich mich um und geh weg. Aber Janette steht immer noch wie vom Donner gerührt da und starrt Matthew und seine Freunde an. Also drehe ich um und ziehe sie am Arm davon.

Als ich sicher bin, dass wir weit genug weg sind, stoße ich einen Seufzer aus und mache meinem Ärger Luft. »Hast du das gesehen? Was für ein Wichser!«, platzt es aus mir heraus.

Einige Studierende drehen sich nach uns um, und ich werfe ihnen vernichtende Blicke zu.

O Gott, ich bin wie mein Vater.

»Ich hatte eher befürchtet, ihr reißt euch gleich gegenseitig die Klamotten vom Leib«, kommentiert Janette.

»Was? Das hätte er wohl gern, dieser … dieser … Mist, mir gehen langsam die Beleidigungen aus«, sage ich und stampfe frustriert mit dem Fuß auf dem Boden auf.

»Auf jeden Fall lag ziemlich viel Spannung in der Luft zwischen euch«, beharrt sie.

»Eher würde ich einem Affen den Rücken entlausen als dem Typen näher zu kommen«, erwidere ich sauer und rücke mit dem Zeigefinger meine Brille zurecht.

»Okay, Tiger, treffen wir uns dann halb elf vorm Tor? Warte, ich geb dir meine Nummer«, sagt Janette und wechselt das Thema.

Ich ziehe mein Handy aus der Tasche, tippe ihre Nummer ein und speichere sie unter »Blondie« ab, was sonst.

»Ich warte dann mal auf meinen Vater. Er hat noch ein Hühnchen mit mir zu rupfen, schätze ich. Bis später!«, verabschiede ich mich von ihr.

Janette geht davon, und ich setze mich auf die Motorhaube unseres Mietwagens. Ich sollte mir Sorgen über den Anschiss von ihm machen, stattdessen quälen mich andere Gedanken. Dieser Idiot Matthew Leblanc ist echt mein Untergang. Was fällt ihm eigentlich ein, so mit mir zu reden? Hat ihm niemand jemals einen Funken Anstand beigebracht?

Plötzlich ertönt Gejohle. Es sind die Spieler der Eishockeymannschaft, die vor einigen Studierenden her stolzieren. Sobald er mich sieht, zwinkert mir Matthew zu und marschiert dann erhobenen Hauptes weiter.

Was glaubt er eigentlich, wer er ist?

Kapitel 4

Kelsey

Mein Vater kommt aus der Eingangstür des Colleges und geht auf mich zu, diesmal in einem trockenen Armani-Anzug.

Mach dich auf was gefasst, Kelsey, gleich kriegst du was zu hören.

Ich muss mich einfach nur entschuldigen und dann kann ich zu dieser verdammten Party gehen und diesem Matthew Leblanc in den Hintern treten.

»Kein Wort«, sagt er nur, als er mich erreicht. »Ins Auto.«

Ich gehorche. Mein Vater steigt ein und fährt los.

»Dad, ich kann das erklären …«, beginne ich.

»Das waren genau die Probleme, die ich vermeiden wollte, vor allem am ersten Semestertag«, unterbricht er mich.

»Dad, da hing ein Eimer Wasser von der Decke, wenn ich nicht …«

»Du hast mich vor einer möglichen Blamage bewahrt, Kelsey, und dafür danke ich dir, aber du hättest trotzdem kein verfluchtes Feuer legen dürfen. Das ganze Kollegium ist wütend auf dich.« Er schnaubt vernehmlich und schüttelt den Kopf.

»Ich weiß, im Kurs haben mich alle angeschaut, als wäre ich eine Serienmörderin.«

»Wundert dich das?«, antwortet er.

»Na ja, egal. Die viel wichtigere Frage ist: Wer hat dir diesen Streich gespielt?«, sage ich, obwohl ich genau weiß, wer dahintersteckt. Eine gewisse Person namens Matthew Leblanc.

»Die anderen Lehrkräfte haben so ihre Meinung dazu, aber mit Sicherheit werden wir es nie erfahren.«

Es war Matthew Leblanc, Dad.

»Okay, und was willst du jetzt machen?«

»Nichts«, erwidert er trocken.

»Nichts?« Ich sehe ihn mit großen Augen an.

»Ganz recht. So wie ich es verstanden habe, sind die Studierenden nicht gerade erpicht darauf, Regeln zu respektieren oder eine Uniform zu tragen. Die Situation hier ist viel dramatischer als ich dachte.«

Marcus Cooper will aufgeben? O Gott, dann muss die Lage wirklich ernst sein.

»Dad, ich bin sicher, du schaffst das.« Ich lege meine Hand auf seine Schulter.

»Und du? Wie ist es bei dir gelaufen? Hast du noch mehr Brände gelegt?«

»Hm nein, auch wenn man mich ›Pyromanin‹ nennt. Was hältst du von diesem neuen Spitznamen? Mir gefällt er, klingt so, als wäre ich total tough«, bemerke ich.

Er schnaubt. »Tough? Ich glaube nicht, dass er so auf andere wirkt.«

»Egal, zumindest werden sie sich von mir fernhalten. Hier sind alle so was von eingebildet.« Ich rolle mit den Augen.

»Die anderen Dozierenden haben mir erzählt, dass die Eishockeymannschaft ihre Finger da drin hat. Wusstest du, dass sie seit zwei Jahren Titelverteidiger sind?«, sagt er mit einer Mischung aus Genugtuung und … Bewunderung. Ich kann es nicht fassen.

Jetzt haben sie meinen Vater auch schon dieser Eishockey-Gehirnwäsche unterzogen.

»Ich habe keinen Zweifel daran, dass alles mit ihnen zusammenhängt«, kommentiere ich und verziehe das Gesicht.

»Was meinst du damit?«, fragt er und verzieht den Mund.

»Nichts, nichts«, murmele ich und schaue weg.

»Da wären wir – unser neues Zuhause.«

Mein Vater parkt das Auto vor einem zweistöckigen Haus, nur wenige Minuten von der Uni entfernt. Es ist klein, wirkt aber einladend mit seiner dunkelorangen, etwas verblichenen Fassade. Ich kann immer noch nicht glauben, dass wir diesen so wichtigen und zugleich so schwierigen Schritt getan haben. Wir haben unser ganzes Leben lang in Eureka gelebt, und jetzt sind wir Tausende von Kilometern entfernt. Es ist surreal.

»Unser neues Zuhause«, flüstert er noch mal, legt seinen kräftigen Arm um meine Schulter und drückt mich fest an sich, als wir davor stehen.

»Wenn Mom hier wäre, wäre sie stolz auf uns«, flüstere ich mit erstickter Stimme.

»Sie wäre ein bisschen weniger stolz auf das Feuer«, sagt er lachend.

»Sie würde sagen, dass ich das gut gemacht habe«, erwidere ich.

»Na, komm schon, Pyromanin«, scherzt er.

Nachdem wir unsere Taschen aus dem Kofferraum geholt haben, sind wir bereit, das Haus zu erkunden. Wir gehen eine kurze Betoneinfahrt entlang, die von einem üppigen grünen Garten umgeben ist. Dad sucht den richtigen Schlüssel und nachdem er ihn gefunden hat, gehen wir hinein. Vor uns, im Eingangsbereich, befindet sich eine Treppe. Rechts liegt ein gemütliches Wohnzimmer mit einem Kamin, einem Sofa und einem Fernseher. Auf der linken Seite befindet sich eine moderne Küche mit einem Tisch in der Mitte.

»Hübsch, nicht wahr?«, fragt Dad.

Ich antworte nicht und beiße mir auf die Unterlippe.

»Was ist los, Kels?«, fragt er und stellt die Koffer auf den Boden.

Jetzt oder nie, Kels, los, frag ihn.

»Heute Abend …«, beginne ich und stelle meinen Koffer ab.

Doch mein Vater kommt mir zuvor. »Nein.«

»Du weißt noch nicht mal, was ich fragen wollte«, schnaube ich und blicke ihn an.

»Egal. Die Antwort lautet Nein«, wiederholt er entschlossen.

»Heute Abend ist hier in der Nähe eine kleine Party und Janette hat mich eingeladen mitzukommen«, sage ich in einem Atemzug, in der Hoffnung, sein Herz zu erweichen.

»Wer zum Teufel ist Janette?«, fragt er verärgert.

»Eine neue Freundin, sie ist echt in Ordnung«, antworte ich schnell.

»Bestimmt ist sie das, wenn sie bei dir Eindruck hinterlassen hat …« Er rollt mit den Augen.

»Was wollen Sie damit sagen, Mr. Cooper?« Ich ziehe eine Augenbraue hoch.

»Von jetzt an Rektor Cooper.« Er strafft seine Krawatte.

»Na schön, habe ich Ihre Erlaubnis, Rektor Cooper?«

»Wo genau findet die Party statt?«, erkundigt er sich und mustert mich von oben bis unten.

»Danke, Dad«, rufe ich und werfe mich in seine Arme.

»Ich habe noch nicht Ja gesagt, Pyromanin. Wo ist diese Party?«, wiederholt er betont langsam.

Okay, das könnte zum Problem werden. Wenn ich meinem Vater sage, dass die Party vom Eishockeyteam veranstaltet wird, wird er mich nie gehen lassen, also muss ich ihn anlügen.

»Im Haus von Janettes Freunden«, antworte ich und versuche möglichst überzeugend zu wirken.

Doch meine Lippe zittert. Mein Körper verrät mich.

»Wieso nur nehme ich dir das nicht ab?« Er verschränkt die Arme vor der Brust.

»Das ist die Wahrheit«, protestiere ich.

»Soso. Kels, jedes Mal, wenn du lügst, zittert deine Lippe, genau hier.« Er berührt meine inkriminierte Stelle und lacht herzhaft.

»Das stimmt nicht«, erwidere ich und entziehe mich ruckartig seiner Hand.

»Und ob. Trotzdem werde ich so tun, als würde ich dir glauben und dich gehen lassen. Aber unter einer Bedingung …« Er hebt einen Zeigefinger.

»Ich werde nicht bis Mitternacht zurück sein«, komme ich ihm zuvor.

Mein Vater öffnet den Mund, klappt ihn aber wieder zu, als ihm klar wird, dass er genau das sagen wollte.

»Ich werde aber zu einer vernünftigen Zeit zurück sein, darauf kannst du dich verlassen«, versichere ich ihm.

»Das solltest du auch, schließlich hast du morgen ab halb neun Unterricht.«

»O Gott, wieso weißt du immer alles?«, witzele ich.

Er grinst, antwortet aber nicht.

»Ich gehe dann mal in mein Zimmer«, beschließe ich und hebe meinen Koffer an.

Ich hieve ihn die Treppe hinauf und entdecke auf Anhieb mein Zimmer. Es ist ein Traum: In der Mitte steht ein Doppelbett, daneben ein Nachttisch. An der Wand ein viertüriger Kleiderschrank mit Spiegeln. Ein Fenster erhellt den Raum und direkt darunter steht ein Schreibtisch aus Holz.

Nachdem wir uns einigermaßen eingerichtet haben, bestellen Dad und ich uns was Leckeres vom Chinesen. Nach dem Essen gehe ich in mein neues Zimmer und mache mich fertig für die Party. Ich dusche ausgiebig und föhne meine gewellten Haare nur, ohne sie zu glätten, und ziehe dann ein kurzes knallblaues Kleid an. Es reicht mir bis zum Knie und ist am Dekolleté tief ausgeschnitten. Ich beschließe, ein Foto an Janette zu schicken.

Kelsey: Was meinst du? Schreit dieses Kleid »Bin ich hot« oder »Bin ich sexy«?

Blondie: Wenn du mich fragst, schreit es »Achtung, alle bitte herschauen!«.

Kelsey: Dann sehe ich heiß aus. Danke, Blondie.

Janette schickt mir ihrerseits ein Foto. Sie trägt ein umwerfend rotes glitzerndes Etuikleid, das ihr bis zu den Oberschenkeln reicht, und niedrige Absatzschuhe in der gleichen Farbe.

Blondie: Schreit dieses Kleid »Macht mit mir, was ihr wollt« oder »Sharks, knackt mich wie eine Muschel«?

Kelsey: Wie eine Muschel?

Blondie: Ja, du weißt schon. Muscheln werden doch geknackt. Hätte nichts dagegen, wenn einer dieser Bad Boys das mit mir macht.

Kelsey: O mein Gott, sexten wir beide jetzt schon?

Blondie: Das würde dir so passen, ich gehe jetzt los, bis gleich.

Ich bin bereit, mich in die Höhle der Haie zu begeben.

»Ich gehe jetzt!«, rufe ich, als ich die Treppe herunterkomme. »Komm nicht so spät zurück und benimm dich!«, ruft mir Dad aus dem Wohnzimmer zu.

»Wie immer«, scherze ich und trete in die kalte Abendluft hinaus.

Ich mache mich auf den Weg zum College. Der Weg ist glücklicherweise nicht lang, und vor den geschlossenen Toren wartet Janette mit ihrem fantastischen roten Glitzerkleid und ihrer üblichen Zigarette zwischen den Fingern auf mich.

»Wie viel qualmst du eigentlich?«, frage ich zur Begrüßung.

Janette zuckt mit den Schultern und pustet mir Rauch ins Gesicht. »So viel wie nötig, wir sterben sowieso.«

»Du bist echt weird«, kommentiere ich mit einem Lächeln. »Lass uns gehen, Pyromanin«, erwidert Janette und hakt sich bei mir unter.