King of Grip - Kajsa Arnold - E-Book
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King of Grip E-Book

Kajsa Arnold

5,0

Beschreibung

Connor Fitch-Hutton ist Rennfahrer aus Leidenschaft. Als er das Formel-1-Rennen in Monte Carlo frühzeitig beenden muss und sich in einem Lokal betrinken will, gabelt er Devin Fairchild auf. Dass Devin nicht zufällig dort ist, wird ihm schnell klar. Doch wer sie wirklich ist und warum er nicht mehr von ihr lassen kann, wird ihm zu spät klar. Und auch Devin kann nicht fassen, dass dieser arrogante, selbstverliebte Kerl Gefühle in ihr hervorruft, die sie so nicht mehr fühlen wollte ...

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KING OF GRIP

CONNOR

KAJSA ARNOLD

INHALT

Zitat

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Bonuskapitel

Bonuskapitel 2

Danksagung

Leseprobe

Deutsche Neuveröffentlichung

Ausgabe November 2022

Copyright © 2017 Rhiana Corbin

Das Buch wurde bereits unter dem Titel

Too fast for Love veröffentlicht

Alle Rechte vorbehalten

Nachdruck, auch auszugsweise, nicht gestattet

1. Auflage

Covergestaltung: Andrea Wölk

Foto: arturkurjan– iStockphoto

Liangpv– iStockphoto

Peepo – iStockphoto

Panuwat Sikham - iStockphoto

Tresjoli ./. Andrea Wölk

Lutherstr. 16, 46414 Rhede

www.kajsa-arnold.de

Für Max.

Der wahre F1 Fan!

ZITAT

Ein Mann ist alt,

wenn er morgens ohne Wunsch aufwacht.

Enzo Ferrari

KAPITEL1

Connor

So ein verfluchter Mist!« Völlig außer mir reiße ich die Abdeckung samt Lenkrad aus der Verankerung und pfeffere beides zu Boden. Es ist mir scheißegal, dass ich damit mal locker zwanzigtausend Euro in den Wind schieße. Ich löse wütend meine Sicherheitsgurte, versuche, mich aus dem Wrack zu befreien, das einmal mein Wagen gewesen ist. Wieder ein Auto in den Sand gesetzt. Drei der Streckenposten sind sofort bei mir, wollen mir helfen, doch ich winke nur ab, mache mich mit großen Schritten auf, zurück in die Boxengasse, die ich gerade erst nach dem Boxenstopp verlassen habe. Der Duft von verbranntem Gummi brennt mir in der Nase und aus dem Augenwinkel sehe ich meine Konkurrenten an mir vorbeifliegen. Wer auch immer für diese Schlamperei verantwortlich ist, ich werde ihn einen Kopf kürzer machen.

Ich löse den Überrollbügel vom Helm und setze ihn ab. Mit aller Macht ziehe ich die feuerfeste Kopfhaube ab, stürme zu unserem Boxenbereich. Schon von Weitem sehe ich Sam Sheppard auf mich zustürmen.

»Wer war das?«, brülle ich, doch ich komme nicht weiter, denn Sam hält mich an den Schultern zurück.

»Wir alle waren das. Wir sind ein Team. Wenn wir einen Fehler machen, dann sind wir es gemeinsam. Das weißt du, das muss ich dir nicht erklären, Steel.«

Ich weiß, dass er mich erst einmal beruhigen will, um später dem Schuldigen den Kopf abzureißen, der mich zu früh wieder auf die Strecke geschickt hat, bevor die Muttern nach dem Reifenwechsel alle angezogen waren. Dabei dauert das höchstens drei Sekunden. In der ersten Kurve löste sich das Rad, weil es nicht richtig in der Aufhängung montiert war, und ich donnerte mit über hundert Stundenkilometern in den nächsten Reifenstapel. Der Wagen ist Schrott. Natürlich fragt niemand, wie es mir geht, denn ich bin ja Steel, der Typ aus Stahl, dem nie etwas passiert. Scheiße auch.

Ich schaue Sam wütend an und er versucht, mich mit der Kraft seines Blickes zu besänftigen. »Wie geht es dir? Ist dir etwas passiert?«

»Wie soll es mir schon gehen, wenn sich eine Million Euro in Luft auflöst?«, schreie ich wütend und mache mich auf zu meinem Wagen. Nur weg von hier, ich brauche dringend eine Dusche und etwas zu trinken.

Niemand von der Crew nähert sich mir, alle weichen aus, als hafte mir der Duft von Fäulnis an. Soll mir nur recht sein, sonst laufe ich noch Gefahr, dem einen oder anderen eine reinzuhauen.

Einzig Sam wagt es, mir ein: »Denk an die Pressekonferenz!«, hinterherzubrüllen.

Knapp eine Stunde später rase ich Richtung Roquebrune-Cap-Martin. Viel zu schnell, doch mein Porsche kann nicht anders. Er ist nicht dazu gebaut worden, langsam zu fahren. Immerhin halten mich die Haarnadelkurven davon ab, das Pedal ganz durchzutreten. Das Rennen in Monte Carlo ist gelaufen und schon das zweite, dessen Ziel ich nicht erreiche.

Die Saison ist für uns nicht gut gestartet. Bereits das Rennen in Bahrain war ein absolutes Desaster und ich fiel in der ersten Runde aus. Dabei will ich in dieser Saison ein drittes und letztes Mal den Weltmeistertitel holen. Dann trete ich ab. Ich werde nämlich langsam zu alt für diesen Scheiß.

Vor dem Au Grand Inquisiteur parke ich. Jacques ist ein alter Freund, und wann immer ich in der Nähe bin, besuche ich ihn. Das Lokal liegt versteckt in einer Gasse und wird selten von Touristen besucht.

»Ah, Steel, mein Freund. Was kann ich für dich tun? Wie ist das Rennen gelaufen?« Jacques schlägt mir auf die Schulter, umarmt mich.

»Ich habe es frühzeitig beendet. Frag mich also nicht«, brumme ich schlecht gelaunt. »Ich brauche nur einen Tisch, ein Glas, eine Flasche Cognac und meine Ruhe.«

Jacques nickt mir verständnisvoll zu. »Im Restaurant ist nicht viel los. Du wirst deine Ruhe haben. Willst du etwas essen?«, fragt er väterlich besorgt. Er ist weit über sechzig, sein Gesicht ist wettergegerbt. Als Koch ist er einer der Besten, die ich kenne, und das sind eine Menge.

»Später. Ich brauche erst mal etwas zu trinken.«

Das Restaurant hat einen Katakomben ähnlichen Gastraum, in dem die Tische eng beieinanderstehen. Nur drei sind besetzt. Zwei Ehepaare, Touristen. Sie erkennen mich, das merke ich an ihren neugierigen Blicken und dem Getuschel. Ich bin das gewohnt, denn mein Konterfei ziert ständig die Cover der Gazetten. Meistens stehe ich dabei neben einer hirnlosen Blondine, dabei mag ich diese Haarfarbe nicht einmal. Doch der Frauenheld zu sein ist für mein Image wichtig.

Ich ziehe mein Cape tiefer ins Gesicht, zeige so, dass ich nicht angesprochen werden will.

An einem kleinen Tisch ganz in meiner Nähe sitzt eine junge Frau, die mir kurz einen Blick zuwirft, sich dann jedoch wieder ihrem Essen widmet. Ob sie mich erkannt hat, kann ich nicht beurteilen, das ist mir im Moment auch egal. Sie macht auf mich nicht den Eindruck, als würde sie sich in der Rennszene auskennen. Sie trägt sehr hohe High Heels, eine enge Capri Hose und eine schwarze Bluse. Immer wieder wundere ich mich, dass mir solche Details sofort auffallen. Als wäre ich ein beschissener Modepapst.

Sie ignoriert mich und das ärgert mich plötzlich. Warum weiß ich selbst nicht. Jede Frau fährt total auf mich ab. Also, warum tut sie so, als wäre ich ihr scheißegal? Warum ist sie mir nicht scheißegal?

Jacques stellt mir ohne Kommentar ein Glas und eine Flasche Richard Hennessy hin. Ich nicke dankbar. Er hat immer diese besonders teure Sorte für mich parat, von der wir im Laufe der Jahre schon einige Flaschen gekillt haben.

Das erste Glas ist wirklich eine Wohltat, obwohl dessen Inhalt mir in der Kehle brennt. Das zweite Glas leere ich langsamer, und als das dritte vor mir steht, überlege ich, ob es richtig ist, noch einen Schluck zu trinken.

»Sie sollten einen klaren Kopf bewahren, wenn Sie nüchtern zur Pressekonferenz erscheinen wollen.«

Ich blicke die junge Frau an. Wusste ich es doch, dass sie mich erkannt hat. Ihr Desinteresse war nur gespielt.

Ich schätze sie auf Mitte bis Ende zwanzig, schwer zu sagen. Ihr Haar erinnert mich an flüssiges Karamell und ihr Blick ist auf ihren Teller gerichtet. Dann hebt sie ihn und schaut mich mit ihren braunen Augen missbilligend an.

Ohne ihre Zustimmung einzuholen, wechsle ich den Platz und lasse mich an ihrem Tisch nieder.

»Bitte, setzen Sie sich doch«, meint sie voller Ironie, lächelt dabei aber nicht einmal.

»Connor Fitch-Hutton«, stelle ich mich vor.

»Ich weiß, wer Sie sind.« Sie putzt sich sorgsam den Mund mit der Serviette ab und legt sie zurück auf den Tisch. Jacques räumt den Teller ab und füllt ihr Mineralwasser nach.

»Willst du jetzt etwas essen?«, fragt er an mich gewandt und ich nicke.

»Für mich das Rinderfilet und für die Dame bitte das Royal au chocolate«, bestelle ich, ohne sie aus den Augen zu lassen. Sie will protestieren, doch Jacques schlurft auf seine ganz eigene Art in die Küche.

»Vielen Dank.«

»Ich hätte jetzt mit mehr Gegenwehr gerechnet.« Neugierig schaue ich sie an.

»Warum? Wenn etwas gut ist, sollte man es genießen, anstatt sich davor zu verschließen.«

Ich muss grinsen, weil ich mir eine Menge vorstellen könnte, was wir beide Gutes zusammen genießen könnten.

»Sie sind im Vorteil, weil Sie meinen Namen kennen, ich Ihren aber noch nicht.«

Sie nimmt einen Schluck Wasser und schaut mich einen Moment überrascht an. »Namen tun doch nichts zur Sache«, meint sie und streicht über die Serviette. »Erzählen Sie mir lieber, was passiert ist. Warum Sie hier mit mir sitzen, anstatt Ihre Runden in Monte Carlo zu drehen.«

»Totalausfall. Ich habe den Wagen geschrottet und das nicht zum ersten Mal in dieser Saison.«

»Läuft wohl nicht so gut?«, fragt sie spitz und ich kann es nur bestätigen.

Sie schaut mich eine Weile stumm an und auch ich sage nichts, erwidere nur ihren Blick. Ich genieße diese Zweisamkeit. Jedes Wort wäre eigentlich überflüssig. Mir genügt es, hier mit ihr zu sitzen und sie nur anzuschauen. Eine innere Ruhe legt sich über mich und ich weiß nicht genau, wer dafür verantwortlich ist. Der teure Cognac oder sie?

Unser Essen kommt und ich mache mich darüber her, obwohl ich gar keinen Hunger verspüre.

»Verraten Sie mir wenigstens Ihren Vornamen.«

Sie nimmt einen Löffel Chocolate und schließt genießerisch die Augen. »O Gott, ist die gut.«

»Ich wusste, dass es Ihnen schmecken würde«, erkläre ich und grinse.

»Devin, mein Name ist Devin«, sagt sie leise und ich weiß nicht, ob diese Enthüllung die Belohnung dafür ist, dass ich ihr das Dessert bestellt habe.

»Sie kennen sich also in der Formel 1 aus, Devin?«, frage ich herausfordernd.

Sie hebt die Schultern. »Ein wenig. Zumindest kenne ich mich mit Kerlen aus, die ständig auf den Titelseiten der Frauenmagazine zu finden sind.«

»Kann es sein, dass Sie mich aus irgendeinem Grund nicht besonders leiden können?« Es ist noch nie vorgekommen, dass eine Frau mir gegenüber so zugeknöpft war. Normalerweise bekomme ich den Zimmerschlüssel in die Hand gedrückt, bevor wir ein Wort gewechselt haben.

»Es tut nichts zur Sache, ob ich Sie leiden kann oder nicht.«

Aus dieser Antwort werde ich auch nicht schlau. Was hat sie nur an sich, das mich so reizt? Ich trinke einen Schluck und sie schaut mich mit einer hochgezogenen Augenbraue an. »Was ist mit der Pressekonferenz?«

»Die dürfte mittlerweile im Gange sein und wird ohne mich stattfinden.«

»Und der Ball?«

»Ich werde heute Abend nicht am Ball teilnehmen.«

»Aber der Gastgeber ...«

»Der wird sich auch ohne mich amüsieren. Er wird verstehen, warum ich nicht auftauche.«

»Sie sollten sich eine gute Entschuldigung ausdenken.«

»Wir sind zusammen zur Schule gegangen. Er ist ein Freund und wird es mir nicht nachtragen.«

Ich trinke einen weiteren Schluck und merke, wie sich Wärme in meinem Bauch ausbreitet. Ich sollte nicht mehr fahren, doch ich habe noch lange nicht genug getrunken, um in mein Hotelzimmer zurückzukehren.

»Warum sind Sie hier?«, frage ich neugierig. »Machen Sie Urlaub? Woher stammen Sie?«

»Ich bin Kanadierin und beruflich hier.«

»Wegen des Rennens? Sagen Sie jetzt nicht, dass Sie Journalistin sind.« Wenn rauskommt, dass ich die Pressekonferenz schwänze und mir hier die Kante gebe, wird Sam toben.

»Nein, ich bin keine Journalistin, Sie können ganz beruhigt sein. Aber ich gehöre zu diesem Zirkus.«

»Was ist Ihre Aufgabe?«

Sie schüttelt den Kopf. »Das würden Sie mir nicht glauben.« Nun lächelt sie und mein Unterleib regt sich. Verdammt, sie ist wirklich heiß. Als sie auch noch ihr Haar über die Schultern wirft, werde ich steif und muss mich anders hinsetzen, weil meine Hose zu eng wird.

Jacques räumt den Tisch ab und setzt sich einen Augenblick zu uns. »Was ist passiert? Ich habe in der Küche am Fernseher deinen Unfall mitverfolgt.«

Ich hebe die Schultern und trinke ein weiteres Glas. »Das passiert, wenn man sich nicht auf seine Crew verlassen kann«, erkläre ich voller Zorn, auch wenn ich mittlerweile weiß, dass ich ungerecht bin. Sam hat recht, wir gewinnen als Team und wir verlieren als Team, nur kann ich mit Niederlagen nicht so gut umgehen und muss jemand anderem als mir die Schuld aufs Auge drücken.

»Du wirst wieder siegen, mein Junge. Im nächsten Jahr. Sei froh, dass du unbeschadet aussteigen konntest. Auch wenn du verdammt sauer aussahst.« Er lacht verhalten, erhebt sich, um sich anderen Gästen zu widmen.

»Sie sollten wirklich aufhören zu trinken und zum Hotel zurückfahren«, meint Devin und schaut mich an, als wäre sie meine Mutter.

»Ich kann nicht mehr fahren«, meine ich bestimmt, als wäre das die Berechtigung dafür, dass ich mich weiter betrinken darf.

»Dann werde ich Sie fahren.«

Ich ringe mir ein Lachen ab. »Mit meinem Porsche? Niemals. Diesen Wagen vertraue ich noch nicht einmal Sam Sheppard an, dem Menschen, dem ich am meisten vertraue.«

»Ich kann Sie beruhigen. Ich fahre selbst einen.« Sie sagt es mit einem Ton von Arroganz in der Stimme. Sie mag es wohl nicht, wenn man sie unterschätzt.

»Was für einen fahren Sie?«

»Cayman GTS.«

Als hätte ich es nicht gewusst. Der Wagen vor der Tür ist mir sofort ins Auge gefallen und kommt mir überraschend bekannt vor.

Anerkennend nicke ich. Genau das Modell, das ich ihr zugetraut habe. »340 PS und Doppelkupplungsgetriebe. Ein feines Auto. Was machen Sie, dass Sie sich so eins leisten können?«, frage ich scheinheilig.

Ein kleines Lächeln gleitet über Devins Gesicht. »Mein Arbeitgeber stellt mir den Porsche zur Verfügung. Kommen Sie, Connor, ich fahre Sie ins Hotel.«

Abschätzend schaue ich sie an. Hat sie etwa auf mich gewartet, um mich abzuschleppen? Gehört sie zu meiner Fan-Schar, die genau weiß, wohin es mich nach einem Ausfall zieht? Oder ist es einfach nur Zufall, dass wir uns hier begegnet sind?

Ich nehme die Flasche Richard und signalisiere Jacques, dass er alles auf die Rechnung setzen soll. Er winkt mir und ruft uns etwas zu, dass Devin in perfektem Französisch kommentiert. Was genau sie sagen, bekomme ich nicht mit. Verflucht, ich habe mehr getrunken, als mir klar ist.

KAPITEL2

Devin

Er ist echt heiß. Natürlich darf ich ihm das nicht zeigen, doch sein kurzes schwarzes Haar und die grauen Augen bewirken bei Connor Fitch-Hutton, dass er düster wirkt, als wäre er ständig schlecht gelaunt. Dunkel und geheimnisvoll. Ich frage mich, ob seine grauen Augen dafür verantwortlich sind, dass alle Welt ihn Steel nennt. Passen würde es.

Jacques’ Bitte, auf ihn aufzupassen, konnte ich nur mit einem Aber natürlich! Dazu bin ich ja hier bestätigen.

Er läuft vor mir her, Richtung seines Porsches, und mir fällt sein knackiger Hintern auf, der in einer gut sitzenden Jeans steckt. Egal, was er trägt, er sieht immer heiß aus, soweit ich das von den Titelbildern her beurteilen kann.

Nicht, dass ich zu seinem Fan-Kreis gehöre, aber man kommt an ihm einfach nicht vorbei. Sämtliche Zeitungen benutzen ihn als Aufhänger, dichten ihm Romanzen an, nur um etwas über ihn zu berichten. Er hat nun mal ein Megalächeln, wenn er nicht gerade mal sauer über irgendetwas ist. Und das kommt in letzter Zeit immer öfter vor. Andauernd berichten die Zeitungen über Ausraster, über Prügeleien, an denen er beteiligt ist, und über Affären. Sein Ruf ist wirklich nicht der Beste.

Er will noch einmal Weltmeister werden. Zum dritten Mal und dann aufhören, berichten zumindest die Medien. Mit zweiunddreißig scheint es auch Zeit zu werden, wenn man bedenkt, dass die Konkurrenz teilweise fünfzehn Jahre jünger ist.

Wenn ich ihn mir so ansehe, ist er in blendender Verfassung. Ein Mann, der immer attraktiver wird, je älter er wird, wenn das überhaupt noch möglich ist. Seine kantigen Gesichtszüge werden durch einen Bartschatten noch hervorgehoben, und wenn er seine dichten Augenbrauen zusammenzieht, läuft es mir kribbelnd den Rücken hinunter.

Aber nein, ich will ihn nicht begehrlich finden. Das ist nicht meine Aufgabe. Ich muss mich von ihm fernhalten, damit werde ich sicherer fahren.

Wir stehen an seinem Wagen und er schaut mich skeptisch an. »Ich verspreche, ganz langsam zu fahren. Ihnen wird kein Haar gekrümmt.« Ich muss ein wenig lachen, weil er scheinbar wirklich Angst um seinen Porsche hat, obwohl er selbst gerade erst ein Vermögen an die Wand gesetzt hat, aber das erwähne ich besser nicht.

Er hält mir den Schlüssel hin und ich schnappe danach, doch er ist schneller und greift nach meiner Hand, zieht mich an seine breite Brust.

»Sie wissen, dass dieser Spezialumbau eine halbe Millionen gekostet hat?«

Er ist mir so nah, dass ich den Cognac in seinem Atem rieche. Es ist nicht abstoßend, sondern riecht angenehm, obwohl ich strikt gegen Alkohol bin. Damit verbinde ich einfach keine guten Erinnerungen.

»Sollte ich ihn heute schrotten, sind Sie mir immer noch eine halbe Million voraus!«

O Gott!

Jetzt ist er raus, der Satz, den ich unter allen Umständen vermeiden wollte.

Mit einem Schlag scheint Connor nüchtern. Er wird blass. »Wer sind Sie?«, presst er so leise zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, dass mir einen Moment angst und bange wird.

»Devin Fairchild«, antworte ich erschrocken.

Er setzt die Flasche an die Lippen und trinkt einen tiefen Schluck. »Wenn ich bisher keinen Grund zum Trinken hatte, Sie haben ihn mir gerade geliefert.«

Er lässt mich los und geht hinüber zur Beifahrerseite.

Vorschriftsmäßig fahre ich Richtung Monte Carlo. Connor Fitch-Hutton sitzt neben mir und lässt sich volllaufen. Na toll! So war das nicht gedacht. Eigentlich sollte ich ihn davon abhalten, sich zu betrinken, und mit ihm am Abend auf dem Ball erscheinen. Ziel verfehlt.

Nach einer scharfen Kurve hebt er die Hand. »Halt! Fahren Sie rechts, Devin! Dann geradeaus. Halten Sie auf das Hotel zu.«

Vor uns ragt das Vista Palace Hotel in die Höhe.

»Wir werden hier übernachten«, brummt er. Mittlerweile ist die Flasche fast leer.

»Aber Sie haben eine Suite im Monte Carlo Bay, genau wie Sam und ich.«

»Da wimmelt es vor Geiern. Die Presse wartet nur darauf, mich fertig zu machen. Was glauben Sie, was morgen los ist, wenn die Fotos von mir schießen, betrunken, mit Ihnen an meiner Seite? Ich weiß nicht, ob Sie das wirklich wollen.« Seine Stimme ist nicht mehr ganz klar, doch sein Verstand scheint noch zu funktionieren.

»Sie gehen jetzt da hinein und mieten eine Suite, auf Ihren Namen. Hier ...« er drückt mir eine Kreditkarte in die Hand. »Die läuft auf den Namen der Firma. Ich warte hier auf Sie. Und wagen Sie es nicht, sich mit der Kreditkarte aus dem Staub zu machen.«

Ich muss lachen. Dass er mir das zutraut, ist wirklich albern.

Kurze Zeit später kehre ich zum Auto auf dem hoteleigenen Parkplatz zurück.

»Das Hotel ist ausgebucht ...«

»Verdammter Mist«, nuschelt er.

»Aber ich habe mit viel Überredungskunst die Suite im obersten Stock bekommen. Allerdings wird Ihnen der Preis für eine Nacht kaum gefallen.«

»Der Preis ist mir so was von egal.« Connor schält sich aus den Wagen. Wir haben kein Gepäck, das wird sicher Fragen aufwerfen. Aber ich werde ihn schließlich nur in seinem Zimmer absetzen und dann zusehen, dass ich zurück nach Monte Carlo komme.

»Nehmen Sie die Tasche aus dem Kofferraum«, befiehlt er mir.

Ich schaue nach, finde dort eine Reisetasche und werfe ihm einen überraschten Blick zu.

Er hebt die Schultern. »Allzeit bereit.«

Mit der Zimmerkarte fahren wir direkt in den obersten Stock. Die Suite ist riesig und hat eine tolle Terrasse. Wow, die Aussicht haut einen einfach um.

»Kommen Sie rein, sonst werden Sie noch fotografiert. Trinken Sie lieber etwas mit mir«, brüllt Connor aus dem Wohnzimmer.

Warum mutieren Männer immer zu Kleinkindern, wenn sie etwas getrunken haben?

»Ich denke nicht, dass Sie noch mehr trinken sollten.« Ich nehme ihm die Flasche aus der Hand.

»Hey, Sie sind doch nicht meine Mutter!«

»Ich komme mir aber so vor.«

Er lässt sich auf das Sofa fallen und legt die Beine auf den Tisch. Ich schütte den Rest der Flasche in den Ausguss. Es tut mir noch nicht einmal leid, obwohl ich weiß, wie teuer dieser edle Tropfen ist. Doch genug ist genug.

»Schalten Sie den Fernseher an, ich will hören, was die Nachrichten über meinen Unfall bringen.«

»Connor, ich glaube nicht, dass Sie sich das ansehen ...«

»Devin, machen Sie schon.«

»Okay, okay, wenn Sie sich selbst quälen wollen.«

»Nein, es wäre mir lieber, das würden Sie für mich übernehmen.« Er schaut mich an und einen Moment wird mir heiß. Sam hat recht - diesem Mann kann man nur schwer widerstehen.

Ich schalte den Fernseher an, zappe zum Sportkanal, auf dem eine Zusammenfassung des Rennens gesendet wird. Gaël Lucas, sein Teamkollege, ist immerhin Fünfter geworden. Zehn Punkte für die Teamwertung. Als ich ihm die Fernbedienung in die Hand drücke, zieht er mich zu sich auf das Sofa.

»Ich werde jetzt gehen und Sie allein lassen.« Es ist das Beste, wenn ich mich aus dem Staub mache. Connor ist hier gut aufgehoben und ich habe meinen Job erledigt.

»Sie werden nicht gehen. Ich bin in einem Zustand, in dem man mich nicht alleine lassen sollte. Sam hat Ihnen doch sicherlich aufgetragen, gut auf mich aufzupassen, oder?«

Ich versteife mich merklich.

»Devin, Sie glauben doch nicht, ich würde Ihnen abnehmen, dass wir uns zufällig begegnet sind. Und da Sam der Einzige ist, der sich immer Sorgen um mich macht, wird er Sie beauftragt haben, sich um mich zu kümmern. Also, wer sind Sie wirklich?«

»Sagte ich Ihnen bereits: Devin Fairchild. Ich bin Ihre neue Imageberaterin, Sam hat mich eingestellt.«

»Seit wann stellt Sam Leute ein?«, fragt er aufgeregt.

»Seit Sie immer öfter zu dem da greifen.« Ich zeige auf die leere Flasche, die noch auf dem Tresen steht.

»Wollen Sie etwa behaupten, ich wäre ein Trinker?«

Connor erhebt sich und ich habe schon Angst, dass er sich aus der Minibar weiteren Alkohol besorgt, doch er kehrt mit einer Flasche Mineralwasser und zwei Gläsern zurück. Er füllt sie und wirkt seltsam nüchtern.

»Sie stehen also auf meiner Gehaltsliste«, murmelt er nachdenklich.

»Ich stehe auf der Gehaltsliste des Rennstalls«, stelle ich richtig.

»Der mir gehört.«

Diese Neuigkeit muss ich erst einmal verdauen. Ihm gehört der Rennstall? Warum hat Sam mir das verschwiegen?

»Nun sind Sie überrascht, nicht wahr? Ich habe einige Strohmänner in den Vordergrund gestellt, damit ich mich in Ruhe auf das Fahren konzentrieren kann.«

»Warum erzählen Sie mir das, Connor? Wer sagt Ihnen, dass ich diese Informationen nicht an die Presse verkaufe?«

Er setzt sich zu mir, viel zu nah, wie mir scheint. »Weil Sie scharf auf den Cayman sind, den Ihnen Sam zur Verfügung stellt. Glauben Sie, ich hätte das Auto nicht auf Jacques Parkplatz erkannt? Was ist das zwischen Sam und Ihnen?« Er ist mir so nah, dass ich das Grau seiner Iris genau erkennen kann. »Was haben Sie an sich, dass Sam Sie eingestellt hat?«

»Ich bin Imageberaterin und Sam ist der Meinung, dass ich die einzige Frau wäre, die Ihnen wohl widerstehen könne.«

»Ist das so?«, fragt er mit sanfter Stimme.

Was ist nur los? War er nicht vor einigen Minuten noch betrunken?

Ich muss schlucken, denn sein Körper ist meinem sehr nah, zu nah.

Plötzlich ist mir ganz schwindelig von diesem Mann. Nein, das darf ich nicht zulassen. Ich kann mich nicht auf ihn einlassen. Das habe ich Sam versprochen. Mein Job stünde auf dem Spiel, wenn das herauskäme.

»Sie sind unglaublich anziehend, Devin. Und ich bin mir sicher, dass Sie das sehr genau wissen.« Er streicht mir mit dem Daumen über meine Unterlippe.

Ich atme langsam ein, doch irgendwie habe ich das Gefühl, gleich zu ersticken. Er nimmt mir die Luft zum Atmen. Sein Blick liegt auf mir, die Augen sind vom Alkohol ein wenig gerötet, jedoch klar. Sein Duft steigt mir in die Nase, ein herbes Duschgel oder Rasierwasser, gepaart mit einem Hauch Motorenöl, oder bilde ich mir das nur ein? Egal, ich liebe diesen Geruch seit meiner Kindheit.

Niemals hätte ich erwartet, dass dieser Mann so eine Versuchung für mich darstellen könnte. Doch er meint es nicht ernst, das rufe ich mir streng ins Gedächtnis. Sein Flirten ist ein Test, um mir zu beweisen, dass er jede Frau bekommt.

»Los, Devin, sagen Sie mir, was Sam in Ihnen sieht?«, fragt er und sein Blick ist hypnotisch. Er bannt mich, und als seine Hand mich berührt und meine Wange streichelt, kann ich kaum noch klar denken.

»Ich bin seine Schwester.«

Er springt auf, als hätte er sich verbrüht. »Sam ist Ihr Bruder?«, bricht es aus ihm heraus und er fährt über sein kurzes Haar. »Aber Sie heißen Fairchild!«

»Ich bin geschieden«, gebe ich zu, wenn auch nur ungern. Meine Ehe, die leider nicht mal ein Jahr hielt, geht eigentlich niemanden etwas an. Selbst meinen Chef nicht.

»Verdammt, Sam hätte das mit mir absprechen müssen.«

Ich muss lachen. »Hätten Sie zugestimmt, dass er Ihnen einen Aufpasser aufs Auge drückt? Das glauben Sie doch wohl selbst nicht.«

KAPITEL3

Connor

E