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Diplomarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Didaktik - Theologie, Religionspädagogik, Note: 1,5, Hochschule Hannover, Sprache: Deutsch, Abstract: Das Thema dieser Diplomarbeit lautet: „Kirche braucht Männer! – Brauchen Männer Kirche? Voraussetzungen und Perspektiven für kirchliche Männerarbeit.“ Aus welchem Grund habe ich dieses Thema gewählt und wodurch ist mein Interesse entstanden? Die Wahl des Themas ist nach einer Tagung im Dezember 2006 in Loccum zum Thema: “Was Männern Sinn gibt“ auf die Männerarbeit gefallen. Diese war bis dato weder im Studium noch im Gemeindeleben jemals bewusst thematisiert worden und ich stellte mir die Frage, was Kirche für Männer im mittleren Alter anbietet. Inwiefern wenden sich Männer durch mangelnde Angebote von der Kirche ab und was kann kirchliche Männerarbeit den Männern bieten, was andere Vereine und Institutionen nicht können? Insofern ist meine erkenntnisleitendes Interesse an dieser Arbeit: In welcher Beziehung stehen Männer zur Kirche und inwiefern kann Männerarbeit die Männer erreichen und ist für sie ein geeignetes Angebot im kirchlichen Rahmen und hat welche Perspektiven als Männerarbeit in der Kirche?
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Veröffentlichungsjahr: 2007
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Inhaltsverzeichnis:
1.Einleitung
2.Begriffserklärung
2.1 Mann (Männlichkeit)
2.2 Sinn (Sinn gebende Tätigkeit)
2.3 Spiritualität:
3. Warum Männerarbeit für die Kirche interessant ist
4. Zielgruppe
4.1 Männer eine soziologische Betrachtung/ Stellung des Mannes in der Gesellschaft
4.2 Männer in der Kirche
4.3 Was Männern Sinn gibt
4.4 Spiritualität von Männern
5. Allgemeine Männerangebote
5.1 Lions–Club /Rotary Club
5.2 Sportangebote
6. Ev. Männerarbeit
6.1 Geschichte der Männerarbeit
6.2 Theologischer Auftrag
6.3 Männerarbeit – Frauenarbeit
6.4 Warum Männer eine eigene Gruppe brauchen
6.4.1 Männerkultur
6.4.2 Unterschiede von Frauenkultur zur Männerkultur
6.4.3 Die Zukunft der Männer in der Kirche
6.5 Angebotsformen für Männerarbeit
6.6 Inhalte von Männerarbeit/ -bildung
7. Praxis
7.1 Wer macht Männerarbeit /Rolle des Anbietenden
7.2 Wo kann es Männerarbeit geben
7.3 Wie kann Männerarbeit in den Gemeinden angesiedelt werden
7.4 Themenangebote für Männer theol./relpäd
8. Konzept für kirchengemeindliche Männerarbeit
9. Abschlussresümee
10. Quellenverzeichnis
10.1 Online-Medien
10.2 Digitale Medien
Das Thema dieser Diplomarbeit lautet: „Kirche braucht Männer! – Brauchen Männer Kirche? Vorraussetzungen und Perspektiven für kirchliche Männerarbeit.“ Aus welchem Grund habe ich dieses Thema gewählt und wodurch ist mein Interesse entstanden?
Die Wahl des Themas ist nach einer Tagung im Dezember 2006 in Loccum zum Thema: “Was Männern Sinn gibt“ auf die Männerarbeit gefallen. Diese war bis dato weder im Studium noch im Gemeindeleben jemals bewusst thematisiert worden und ich stellte mir die Frage, was Kirche für Männer im mittleren Alter anbietet. Inwiefern wenden sich Männer durch mangelnde Angebote von der Kirche ab und was kann kirchliche Männerarbeit den Männern bieten, was andere Vereine und Institutionen nicht können? Insofern ist meine Erkenntnisleitendes Interesse an dieser Arbeit: In welcher Beziehung stehen Männer zur Kirche und inwiefern kann Männerarbeit die Männer erreichen und ist für sie ein geeignetes Angebot im kirchlichen Rahmen und hat welche Perspektiven als Männerarbeit in der Kirche?
Um diese Fragen zu beantworten habe ich meine Diplomarbeit nach dieser Einleitung in folgende Kapitel unterteilt.
Das zweite Kapitel definiert die Begriffe Mann, Sinn und Spiritualität, welche für die Arbeit von hoher Relevanz sind.
Das dritte Kapitel widmet sich der Frage, warum Kirche die Männer braucht. Hierbei geht es nicht nur um eine ökonomische Beziehung, also die Einnahmen durch Kirchensteuern, sondern auch darum, welche Funktion Männer im Gemeindealltag haben und welche Ressource sie für die Kirche bieten.
Das vierte Kapitel wendet sich den Männern als Zielgruppe zu. Hier versuche ich die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse, in denen Männer sich befinden, aufzunehmen und versuche aufzuzeigen, was ihnen Sinn gibt und wie eine männliche Spiritualität aussehen kann.
Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit alternativen Männerangeboten, wie Sportangebote oder „Service-Clubs“ und betrachtet deren Sinnhaftigkeit und Anreiz für Männer im Vergleich zur kirchlichen Männerarbeit.
Das sechste Kapitel beschäftigt sich mit der Männerarbeit an sich, wie sie entstand, worauf sie sich begründet und wie sie sich zur Frauenarbeit positioniert. Ebenso beschreibe ich hier, welche Unterschiede zwischen Männer- und Frauenkultur herrschen und aus welchem Grund Männer eigene Gruppen für sich gebrauchen können.
Das siebte Kapitel widmet sich der Praxis, was bei der Initiierung einer Männergruppe zu bedenken ist, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen und mit welchen Themen Männer sich in ihrer Gruppe beschäftigen können.
Im achten Kapiteln stelle ich ein Schema bzw. ein Kleinkonzept für den exemplarischen Verlauf einer Gruppenstunde dar und welche Anforderungen die Gruppen an das pädagogische Personal stellen.
Für die weitere Arbeit sei noch gesagt, dass ich auf die klischeehafte Darstellung des „armen Mannes“ oder der „armen unterdrückten Frau“ verzichte, wie sie leider sehr häufig in der Literatur geschieht. Ich sehe keine Notwendigkeit für so etwas, weil ich von dem Standpunkt aus agiere, dass man sich selbst erst definieren muss und sich nicht in Bezug auf andere definieren sollte, durch Auf- oder Abwertung der eigenen Gender-Position.
Des Weiteren benutze ich Literatur der katholischen Männerarbeit sowohl für die Theorie als auch für die Praxis, wie z.B. Zulehner oder Mackmull. Ich sehe hier für die Ev. Männerarbeit keine Widersprüche oder Probleme, da man sich von den Ideen oder Erkenntnissen anderer durchaus aus bereichern kann und es für den Mann in der Männergruppe her keinen Unterschied darstellt, ob nun katholische Theorie oder evangelische Theorie hinter dem Konzept seiner Stunde steht. Dies zeigt sich auch in den Veröffentlichungen zur Männerarbeit, die meist in ökumenischer Form herausgegeben werden.[1]
Im Verlauf der Diplomarbeit werde ich Begriffe verwenden, die auf den ersten Blick recht allgemeinverständlich klingen, deren genaue Erklärung aber gerade im Kontext dieser Arbeit von hoher Relevanz ist. So werde ich versuchen die Begriffe aus mehreren Perspektiven zu erklären. Hierzu ziehe ich sowohl theologische Fachlexika (RGG, TRE, Evangelisches Kirchenlexikon) heran als auch soziologische Lexika und Fachbeiträge. Ziel ist es, eine Definition der Begriffe für den Verlauf der Arbeit heraus zu kristallisieren. Aus der Definition ergeben sich auch Rückschlüsse für die weitere Bearbeitung.
Mann und Frau sind Wesensausformungen einer Art.[2] Allerdings unterscheidet sie mehr als nur die reine biologische Geschlechtlichkeit. Sie unterscheiden sich in ihrer Wesensart, und auch in ihrer gesellschaftlichen Funktion und Stellung. Ohne den Kontrast zu einer Frau, einer Weiblichkeit, ist die Männlichkeit nicht zu definieren. Zu unserer Kultur gehört es, dass geschlechterspezifische Charaktereigenschaften polarisierend nebeneinander gestellt werden.[3]
Nach der Definition des australischen Professors für Soziologie Robert W. Connell ist eine unabhängige Definition nicht möglich ohne eigenen Standpunkt, wobei sich dieser durch die Auswahl der beschreibenden Kriterien auswirkt.[4]Connell, der für die Gender- und Männlichkeitsforschung im soziologischen Rahmen bekannt ist, schreibt auch, dass die Geschlechterfrage in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext gesehen werden muss, es gibt nicht nur ein, sondern mehrere Männlichkeits- und Weiblichkeitskonstrukte, nicht nur Über- und Unterordnungen zwischen, sondern auch quer zu den Geschlechtern.[5]Die modernen Ausformungen von Geschlechtlichkeit werden immer mehr verwaschen und eine klare Abgrenzung ist inzwischen schwierig geworden.
Hierbei hat es sich gezeigt, dass die unabhängigste Definitionsart darüber verläuft, indem Mann und Frau gegenübergestellt werden und der Mann letztendlich, aus meiner Sicht heraus, als “Nicht-Weiblichkeit“ definiert wird. Was meint, dass der Mann den Gegenpol, also das Gegenteil von weiblichen Verhalten zeigt.[6]
Diese strikte Gegenüberstellung widerspricht allerdings meiner Ansicht von Männlichkeit, weil auch ein Mann durchaus eine weibliche Verhaltensart aufweisen kann, ohne seine Rolle als Mann zu verlieren.
Soziologisch möchte ich mich dabei einer weiteren Ausführung von Cornell anschließen, die besagt: “Männlichkeit ist (…)eine Position im Geschlechterverhältnis; die Praktiken, durch die Männer und Frauen diese Position einnehmen, und die Auswirkungen dieser Praktiken auf körperliche Erfahrungen, auf Persönlichkeit und Kultur.“[7] Insofern lässt sich die Männlichkeit einer Person auf eine schwer definierbare innere Reife, ein Rollenverständnis und eine Authentizität reduzieren, sowie auf eine selbstbezogene Position innerhalb der Geschlechterkonstellation. Auf das Rollenverständnis und das Selbstverständnis von Männern komme ich in Kapitel 4.1. noch näher zu sprechen, hier schließt sich dann Paul Zulehner mit seiner empirischen Studien zur Wahrnehmung von Männern von sich selbst und von Frauen an.
Im theologischen Verständnis sind der Mann und auch die Frau, nach 1.Mose 1,27 von Gott geschaffene Kreaturen, die nach seinem Bilde geschaffen sind (Gottesebenbildlichkeit). Die Geschlechtlichkeit und die damit verbundenen Unterschiede sind von Gott gewollt.
Der Mann in der Bibel ist im Alten als auch im Neuen Testament omnipräsent. Am auffälligsten ist dabei Jesus, der als „vollends integrierte Mann ohne Berührungsängste vor Frauen, ohne projektive Verfallenheit: zärtlich aber konfliktfähig, hellsichtig ohne jede Animosität, stark und fordernd, jenseits aller Geschlechterzuweisungen „mütterlich“ nährend und „väterlich“ - konfrontierend, selbstbewusst und selbstlos“[8] gilt. Jesus repräsentiert insofern den perfekten Mann, wenn auch über sein Beziehungsleben wenig bekannt ist. Dies ist insbesondere deswegen interessant, weil diese Definition aus einem Frauenlexikon stammt. Jesus wird hier als (fast) perfekter Mann angesehen.
In der Beziehung zu Gott hat der Mann keine gesonderte Rolle. Paulus schreibt in seinem Brief an die Galater „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“[9] Vor Gott sind alle Menschen gleich.
Ich werde den Begriff in zweierlei Perspektiven definieren, einmal systemtheoretisch-soziologisch und einmal im christlichen Kontext. Dies soll aufzeigen, dass das Thema „Sinn“ und die Suche nach dem selbigen ein Thema für säkularisierte als auch für christliche Menschen ist und dass es in unserem Leben einen zentralen Stellenwert hat.
Wilke bezeichnet den Begriff des „Sinns“ als grundlegend und gerade deshalb als schwierig zu beschreibend. Er zeichnet das Bild, nach dem Sinn eine Filterinstanz der Wahrnehmung ist, die die Kommunikation auf ihre Syntax hin überprüft und in persönlichen Bezug oder einen Nicht-Bezug stellt. Interaktion und Kommunikation basieren demnach auf einem gemeinsamen Sinngehalt. Sinn beinhaltet Weltbilder, Menschenbilder, Normen und Rollen. Der Sinn gibt den Menschen Orientierung und Antrieb in ihrer Welt.[10] Ohne hier nun weiter auf die Systemtheorien einzugehen, bliebe noch zu sagen, dass Tiedemann[11] Sinn als die Deutung des Verhältnisses zwischen dem Menschen und seiner Welt sieht, wohingegen Luhmann[12] Sinn als Prämisse der Erlebnisverarbeitung sieht. Sinn ist demnach das Antriebgebende für Motivation und stellt zwischen unserem Handeln und Sein einen Bezug zur Umwelt her. Wenn nach dem Sinn von etwas gefragt wird, muss einer der folgenden Punkte erfüllt sein:
1. es sich um ein Geschehen handeln. (Geschehen ist hier im weiteren Sinne auch Sprachgeschehen und daher auch auf sinnvolle Sätze anwendbar.)
2. ein materialer Träger von Sinn vorhanden sein.
3. das Geschehen ein Ziel haben (Zielorientierung).
4. das Geschehen einen Zweck haben (Prozessorientierung).
5. ein Sinngeber oder ein Sinnursprung vorhanden sein.
6. ein vom Handelnden unabhängiges Sinnmaß existieren.[13]
Im kirchlichen Kontext wird die Frage nach Sinn gelegentlich in Predigten aufgenommen, um einen Ausweg aus Krisen aufzuzeigen. „(…)Als ob die Warnung D. Bonhoeffers, mit der Verkündigung nicht bei den Schwächen des Menschen anzusetzen, nicht mehr gültig wäre, (wird die Predigt) zum Ansatzpunkt genommen, den Glauben als hilfreichen Ausweg aus der erfahrenen oder drohenden Sinnlosigkeit des Daseins anzubieten.“[14] Die Ängste aufzunehmen ist durchaus sinnvoll, allerdings muss auch bedacht werden, was es bedeutet, bei den Ausweglosigkeiten menschlicher Sinnfindung Gott als Lösungsmöglichkeit ins Spiel zu bringen. Hier sollten lieber die Stärken und Sinnhaftigkeit der Gemeinschaft und des Einzelnen aufgenommen werden, zumal sich die Sinnfrage in der Beschäftigung mit dem Glauben ohnehin stellt, wie z.B. bei der Theodizee-Frage. Schließlich birgt auch Gemeinschaft häufig ein hohes Sinnpotenzial für das Individuum.
Paul Tillich hat sich der neuzeitlichen Sinnfrage gestellt und einen Ansatz zur Beantwortung dieser Frage erstellt. Diesen Ansatz möchte ich kurz skizzieren: Tillich versteht den Menschen als Wesen, welches nach Sinn fragt. Es fragt, weil die bisherigen aufgezeigten Antwortversuche innerhalb des Glaubens (Gott, Jesus Christus, etc.) diese nicht hinreichend beantworten, weil diese Inhalte grundsätzlich bezweifelbar sind. Deshalb muss ein anderer Weg der Sinnfindung gefunden werden. „Tillich zeigt, daß die Frage nach dem Sinn insofern Sinn voraussetzt, als das Zweifeln ein Unterfangen ist, das auf die Gewinnung von Sinn zielt.“[15] Ist die Person also fähig, nach einem Grund für die Sinnleere oder Verzweifelte Situation zu suchen, so muss sie Vorraussetzen, dass es einen Sinn gibt und seine Existenz einen Sinn hat. Durch dieses Verständnis für Sinn ist der Mensch wieder empfänglich für christliche Symbole und Sinnverständnisse, wobei die Symbole nicht als Sinn angenommen werden, sondern durch sie der Sinn „durchscheint“. Insofern ist also der eigene Weg der Sinnfindung, die Suche und das Entdecken viel wichtiger als das einfache Anbieten von Sinnhaftigkeit. Mit dieser Klärung öffnet Tillich die christliche Symbolwelt dem neuzeitlichen Denken. Auferstehung, Erlösung, Versöhnung, Reich Gottes etc. sind Symbole, die vom Menschen nicht verlangen, ein supranaturalistisches Weltbild anzuerkennen, sondern auf das hinweisen, was in der Zerrissenheit des Daseins als heilend erfahren werden kann. Diesen Sachverhalt formuliert Helmut Gollwitzer, zwar unter anderen theologischen Voraussetzungen, so: „Sinn ist Voraussetzung, nicht Ergebnis, Empfangenes, nicht Geleistetes, Gnade, nicht Verdienst. Sinnvolles Handeln gründet in vorweg gewährtem Sinn.“[16]
Die evangelische Theologie nimmt die aktuelle Diskussion um den Sinn des Ganzen, des Einzelnen und die Ziele auf und versucht die darin gezeigte Veränderung des modernen Bewusstseins aufzunehmen.[17] Sie knüpft an die psychologischen und soziologischen Sinntheorien an, etwa in der Übernahme der Systemtheorie. Der Mensch schafft sich nicht den Sinn in seiner Welt, sondern er findet sich in der Schöpfung vor, in die Gott Sinn eingestiftet hat, den der Mensch im Vollzug seines Lebens und in der Teilhabe an Gottes Geschichte mit der Welt entdeckt.
