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Diplomarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich BWL - Controlling, Note: 1,1, Hamburger Fern-Hochschule, Sprache: Deutsch, Abstract: Wenn es um generelle Lösungsansätze für die im Gesundheitssystem vermuteten Problemstellungen geht, wird vor allem der Terminus Case Management in aktuelle gesundheitspolitische Überlegungen immer wieder einbezogen. Der Sachverständigenrat für die Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen beispielsweise hält Case Management für ein sehr wichtiges Zukunftsinstrument. Dabei wird der Begriff Case Management inhaltlich keineswegs einheitlich ausgelegt. Die unterschiedlichen praktischen Anforderungen an das Instrument Case Management im deutschen Gesundheitswesen scheinen mit den Vorgaben der Theorie kaum in Einklang gebracht werden zu können. Um diesen Sachverhalt näher zu beleuchten, folgt die vorliegende Arbeit dem Case Management-Ansatz aus der Theorie in die Praxis. Der Autor wählt dafür ein deduktives Vorgehen vom Allgemeinen zum Speziellen: In einem theoretischen Teil wird zunächst generell auf das Konzept des Case Management-Modells eingegangen, bevor sich die Betrachtungsperspektive auf das Gesundheitswesen fokussiert. Die in diesem Bereich an das Instrument Case Management gerichteten Zielvorstellungen und Erwartungen werden in der Folge ebenso vorgestellt wie wichtige Definitionsversuche und Systematisierungsschemata aus der Fachliteratur. Im nächsten Schritt arbeitet der Autor die Besonderheiten und Rahmenbedingungen für den CM-Ansatz im Krankenhaussektor heraus. Ein kurzer Überblick zum aktuellen Entwicklungsstand des klinischen Case Managements in Deutschland bildet dann die Brücke zur Beschreibung eines konkreten Beispiels. Die praktische Anwendbarkeit von Case Management wird an der Implementierung des Instrumentes am St. Anna Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg aufgezeigt. Die Ausgangslage der Klinik, die Intention zur Einführung von Case Management, die Vorbereitungsphase und die konkrete Umsetzung werden dargestellt. Eine erste Zwischenbilanz geht sowohl auf die positiven Wirkungen von CM als auch auf die Probleme bei der Anwendung ein. Außerdem werden Empfehlungen zur Weiterentwicklung des konkreten CM-Ansatzes gegeben. Aus dem geschilderten Exempel heraus wird dann versucht, allgemeine Aussagen über Kongruenz bzw. Divergenz von Theorie und Praxis im Case Management zu treffen. Die Arbeit schließt mit einer persönlichen Stellungnahme des Autors zum Potenzial und zur Zukunft des Case Managements in den deutschen Krankenhäusern.
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Veröffentlichungsjahr: 2011
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Gesetzesverzeichnis
GKV-WSG: Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz, GKV-WSG) vom 26. März 2007, (BGBl. 2007 I Nr.11: 378), zuletzt geändert durch Artikel 10 des Gesetzes vom 28. Mai 2008, BGBl. 2008 I: 874.
KHG: Krankenhausfinanzierungsgesetz. Gesetz zur wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser und zur Regelung der Krankenhauspflegesätze vom 29. Juni 1972 (BGBl. 1972 I: 1009), neugefasst durch Bekanntmachung vom 10 April 1991 (BGBl 1991 I: 886), zuletzt geändert durch Artikel 18 des Gesetzes vom 26. März 2007, BGBl. 2007 I: 378, 455.
SGB V: Sozialgesetzbuch. Fünftes Buch -Gesetzliche Krankenversicherungvom 20. Dezember 1988 (BGBl. 1988 I: 2477, 2482), zuletzt geändert durch Artikel 6 des Gesetzes vom 28. Mai 2008, BGBl. 2008 I: 874.
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Tabellenverzeichnis
Tabelle Bezeichnung Seite
Tabelle 1: Case Management-Ziele nach Zeithorizont 17
Archetypen des Case Managements 20 Tabelle 2:
Tabelle 3: Systematisierung von CM-Modellen 26
Ziele und Maßnahmen von Case Management 27 Tabelle 4:
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Abbildungsverzeichnis
Abbildung Bezeichnung Seite
Abbildung 1: Übersicht über die Abteilung Medizin 42
Abbildung 2: Die Case Management-Vision: 46
Qualität und Wirtschaftlichkeit durch 47 Abbildung 3:
Abbildung 4: Kooperation zwischen 52
Abbildung 5: Der CM-Stempel 57
Vergleich Case Mix Index 2007 und 2008 60 Abbildung 6:
PCCL-Verschiebung 2007/2008 61 Abbildung 7:
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Abbildung 8: Zeitraum zwischen Entlassung und 63
Abbildung 9: MDK-Fallkonferenzen. 64
Abbildung 10: MDK-Fallkonferenzen. 65
Überschreitungen der OGVD 68 Abbildung 11:
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Abkürzungsverzeichnis
Abs. Absatz ACMA American Case Management Association AOK Allgemeine Ortskrankenkasse AOP Ambulante Operation(en) AöR Anstalt des öffentlichen Rechts BGA Blutgasanalyse BGBl. Bundesgesetzblatt bzw. beziehungsweise ca. circa CC Komplikation und/oder Komorbidität CCL Clinical Complexity Level CH Charrière CM Case Management(s) cm Zentimeter CMI Case Mix Index CRP C-reaktives Protein DBfK Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe DBSH Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. DGCC Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management e.V. DGS Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit e.V. d.h. das heißt DK Dauerkatheter DKR Deutsche Kodierrichtlinien DRG(s) Diagnosis Related Group(s) DUV Deutscher Universitäts-Verlag EDV Elektronische Datenverarbeitung EPA Elektronische Patientenakte Ern. Ernährung(-s) et al. et alii / et aliae etc. et cetera e.V. eingetragener Verein f. und folgende Seite ff. und folgende Seiten G-AEP German Appropriate Evaluation Protocol G-DRG German Refined Diagnosis Related Groups GFR Glomeruläre Filtrationsrate GKV Gesetzliche Krankenversicherung GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung HNO Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde Hrsg. Herausgeber Hz Handzeichen ICD International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems ID Identification IGSF Fritz Beske Institut für Gesundheits-System-Forschung KielInEK Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus GmbH
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inkl. inklusive KHG Krankenhausfinanzierungsgesetz KIS Krankenhausinformationssystem KM Kontrastmittel km Kilometer KTQ®Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen m² Quadratmeter MDK Medizinischer Dienst der Krankenversicherung min. Minute ml Milliliter Microsoft®Corporation MS MVD Mittlere Verweildauer Nr. Nummer OGA Orthopädengemeinschaft Amberg OGVD Obere Grenzverweildauer OP Operation(-s) OPS Operationen- und Prozedurenschlüssel OR Operating Room OT Ortsteil PC Personal Computer PCCL Patient Clinical Complexity Level PDCA Plan Do Check Act pdf Portable Document Format PwC PricewaterhouseCoopers International Limited QM Qualitätsmanagement QS Qualitätssicherung RR Riva-Rocci s. siehe s.a. siehe auch SGB Sozialgesetzbuch sog. so genannt(-e, -en, -er, -es) St. Sankt svr-gesundheit Sachverständigenrat für die Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen TEP Totalendoprothese UGVD Untere Grenzverweildauer USA United States of America UZ Uhrzeit V.a. Verdacht auf ven. venöser vgl. vergleiche VPU Verband der PflegedirektorInnen der Unikliniken VS Verlag für Sozialwissenschaften VWD Verweildauer WSG Wettbewerbsstärkungsgesetz z.B. zum Beispiel ZPA Zentrale Patientenaufnahme
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Anlagenverzeichnis
Anlage Bezeichnung Seite
Anlage 1: Case Management Schulungskalender. 95
Anlage 2: Fieberkurve mit Raum für 96
Anlage 3: Stationär oder AOP: 97 Standardisiertes Vorgehen.
Anlage 4: Abteilung Medizinmanagement. 98
Pneumonie. 99 Anlage 5:
Chronische Niereninsuffizienz. 100 Anlage 6:
Hinweise zu Diagnostik und Kodierung.
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Desintegration und Diskontinuität werden zu den zentralen Problemen innerhalb von und zwischen den budgetierten Sektoren des Gesundheitswesens gezählt. Sie scheinen auch ein Grund für mangelnde Effizienz und Effektivität, für fehlende Transparenz und Qualität sowie für unzureichende Patienten- und Ergebnis-orientierung zu sein (vgl. Ewers, Schäffer 2005: 8 f.).
Die politischen Bemühungen der letzten Jahre waren deshalb unter anderem darauf ausgerichtet, die Voraussetzungen für kontinuierliche und integrierte Ver-sorgungsstrukturen zu schaffen.
Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass es durchaus auch Experten gibt, die das deutsche Gesundheitssystem gerade im internationalen Vergleich sehr positiv beurteilen (vgl. zum Beispiel IGSF 2005: 1 ff.).
Wenn es um generelle Lösungsansätze für die im System vermuteten Problemstellungen geht, wird vor allem der Terminus Case Management in aktuelle ge-sundheitspolitische Überlegungen immer wieder einbezogen.
Der Sachverständigenrat für die Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen beispielsweise hält Case Management für ein sehr wichtiges Zukunftsinstrument. Der Ausdruck wird im entsprechenden Gutachten aus dem Jahr 2007 mehr als einhundertmal verwendet (vgl. svr-gesundheit 2007: 142 ff.).
Das vielfältige Fort- und Weiterbildungsangebot zum Thema hat sich bereits bis in den Hochschulbereich ausgeweitet und ist mittlerweile kaum mehr überschaubar (vgl. zum Beispiel Fachhochschule Potsdam 2008).
Dabei wird der Begriff Case Management inhaltlich keineswegs einheitlich ausgelegt. Die Interpretationen der Praktiker sind zum Teil sogar sehr divergierend.
Die unterschiedlichen praktischen Anforderungen an das Instrument Case Management im deutschen Gesundheitswesen scheinen mit den Vorgaben der Theo- rie kaum in Einklang gebracht werden zu können.
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Um diesen Sachverhalt näher zu beleuchten, folgt die vorliegende Arbeit dem Case Management-Ansatz aus der Theorie in die Praxis.
Der Autor wählt dafür ein deduktives Vorgehen vom Allgemeinen zum Speziellen: In einem theoretischen Teil wird zunächst generell auf das Konzept des Case Management-Modells eingegangen, bevor sich die Betrachtungsperspektive auf das Gesundheitswesen fokussiert.
Die in diesem Bereich an das Instrument Case Management gerichteten Zielvorstellungen und Erwartungen werden in der Folge ebenso vorgestellt wie wichtige Definitionsversuche und Systematisierungsschemata aus der Fachliteratur.
Im nächsten Schritt arbeitet der Autor die Besonderheiten und Rahmenbedingungen für den CM-Ansatz im Krankenhaussektor heraus. Ein kurzer Überblick zum aktuellen Entwicklungsstand des klinischen Case Managements in Deutschland bildet dann die Brücke zur Beschreibung eines konkreten Beispiels.
Die praktische Anwendbarkeit von Case Management wird an der Implementierung des Instrumentes am St. Anna Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg aufgezeigt.
Die Ausgangslage der Klinik, die Intention zur Einführung von Case Management, die Vorbereitungsphase und die konkrete Umsetzung werden dargestellt. Eine erste Zwischenbilanz geht sowohl auf die positiven Wirkungen von CM als auch auf die Probleme bei der Anwendung ein. Außerdem werden Empfehlungen zur Weiterentwicklung des konkreten CM-Ansatzes gegeben.
Aus dem geschilderten Exempel heraus wird dann versucht, allgemeine Aussagen über Kongruenz bzw. Divergenz von Theorie und Praxis im Case Management zu treffen.
Die Arbeit schließt mit einer persönlichen Stellungnahme des Autors zum Poten- zial und zur Zukunft des Case Managements in den deutschen Krankenhäusern.
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Der Case Management-Ansatz ist zwar nicht primär für das Gesundheitswesen entwickelt worden, besitzt jedoch vor allem in den USA, in Kanada und in Australien bereits eine lange praktische Tradition in den jeweiligen Gesundheitssystemen.
In Deutschland zeigten die zentralen Berufsgruppen - Krankenhausmanager, Ärzte und Pflegende - lange Zeit kaum Interesse an der Diskussion über die Einführung von Case Management-Modellen.
Erst die Einführung des G-DRG-Systems in den Jahren 2003 und 2004 hat dies verändert und Case Management zu einem fast schon inflationär verwendeten Ansatz zur Lösung der Probleme des deutschen Gesundheitssystems werden lassen. Denn im DRG-Zeitalter sollen Gesundheitsdienstleistungen vernetzt, eine kontinuierliche Versorgung garantiert und bessere Ergebnisse erzielt werden. Die Qualität der Patientenversorgung ist zu steigern und die vorhandenen Ressourcen sind effizient zu nutzen.
Das DRG-System und die demografische Entwicklung verlangen speziell von den Kliniken eine erhebliche Produktivitätssteigerung und eine Erhöhung ihrer Anpassungsfähigkeit. Die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus sinkt trotz tendenziell höherer Morbidität der Patienten, die Fallzahl steigt dagegen bei sinkender Betten- und Krankenhausanzahl an (vgl. Köpfer 2008: 1 f.).
Deshalb müssen auch und vor allem im Klinikbereich Qualitätsdefizite, unnötig hohe Kosten und Ineffizienzen in der Versorgung beseitigt werden.
Dem Case Management-Ansatz wird das Potenzial zur Bewältigung dieser Auf- gabe vielerorts zugesprochen.
