29,99 €
Masterarbeit aus dem Jahr 2016 im Fachbereich Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden, Note: 1,3, , Veranstaltung: Grundschulbildung, Sprache: Deutsch, Abstract: Immer wieder erscheinen in den Medien Nachrichten über Gewaltangriffe in der Schule. Die Jugend von heute sei wesentlich aggressiver und gewaltbereiter. Egal welche Art von Gewalt; alle Formen sind für die Opfer unerträglich. Vor allem Lehrer sind in ihren Klassen sichtlich überfordert und ratlos, wie sie gegen die Aggressionen der Schülerinnen und Schüler ankommen. Eine Art der Pädagogik, die sich mit dem Umgang von aggressiven Kindern und Jugendlichen beschäftigt, ist die Konfrontative Pädagogik. Durch intensive Konfrontation mit der Gewalttat, soll der Täter nachhaltig und erfolgreich lernen, mit seinen Aggressionen um-zugehen und sie nicht in Form von Gewalt an anderen auszulassen. Die Konfrontative Pädagogik nutzt dazu unterschiedliche Methoden wie z.B. Bootcamps. Diese Camps sind insbesondere in den USA weitverbreitet. Dort soll vor allem mehrfachauffälligen Straftätern aus der Kriminalität und Gewalt herausgeholfen werden. Das Konzept der Camps findet mittlerweile auch in Schulen Anwendung. Ein Beispiel ist die Glen Mills School in Pennsylvania. Diese Schule versucht junge Nachwuchskriminelle bereits seit Jahren mit Bootcamps auf den richtigen Weg zu bringen. Auch in Deutschland gibt es vermehrt ähnliche Einrichtungen wie z.B. die Akademie Lothar Kannenberg oder andere Erziehungscamps. Da bisher die pädagogisch-didaktische Methode in Form von Bootcamps bzw. Erziehungsschulen so noch nicht an Grundschulen erprobt wurde, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit daher mit Konfrontativer Pädagogik und Bootcamps als Handlungsperspektive im Kontext der Grundschule. Diesem Thema soll im Folgenden nachgegangen werden, indem zuerst ein Überblick über Bootcamps und deren Anwendungsfälle gegeben wird. Daran anschließend wird die Konfrontative Pädagogik genauer anhand von Handlungskonzepten und Zielen betrachtet. Weiterhin werden die Arten der Konfrontativen Pädagogik in der Schule näher beleuchtet. Anschließend wird ein Modell zur Aggressionstherapie in der Grundschule aufgestellt. Hierbei sollen der Schulalltag wie auch Unterrichtsprinzipien und Organisatorisches bedacht werden. Letztlich werden am Ende der Arbeit die Erkenntnisse in einem abschließenden Ausblick zusammengefasst sowie ein Fazit gezogen.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2016
Impressum:
Copyright (c) 2015 GRIN Verlag / Open Publishing GmbH, alle Inhalte urheberrechtlich geschützt. Kopieren und verbreiten nur mit Genehmigung des Verlags.
Bei GRIN macht sich Ihr Wissen bezahlt! Wir veröffentlichen kostenlos Ihre Haus-, Bachelor- und Masterarbeiten.
Jetzt beiwww.grin.com
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bootcamps
2.1 Begriffsdefinition und allgemeine Merkmale
2.2 Einrichtungsbeispiel: Die Glen Mills School
2.3 Modell- und Beispieleinrichtungen in Deutschland
3 Konfrontative Pädagogik und Schule
3.1 Begriffsdefinition und allgemeine Merkmale
3.2 Grundsätzliche Handlungskonzepte und Ziele
3.3 Konfrontative Pädagogik in der Schule
4 Modellprojekte für die Grundschule
4.1 Projekt: Konfrontative Pädagogik in Kooperation
4.2 Projekt: Boxenstopp - Wir für uns
4.3 Systematische Präventionsarbeit in der Grundschule
5 Ausblick
6 Literaturverzeichnis
7 Abbildungsverzeichnis
Immer wieder erscheinen in den Medien Nachrichten über Gewaltangriffe in der Schule. Die Jugend von heute sei wesentlich aggressiver und gewaltbereiter. Egal welche Art von Gewalt; alle Formen sind für die Opfer unerträglich. Vor allem Lehrer sind in ihren Klassen sichtlich überfordert und ratlos, wie sie gegen die Aggressionen der Schülerinnen und Schüler ankommen. Eine Art der Pädagogik, die sich mit dem Umgang von aggressiven Kindern und Jugendlichen beschäftigt, ist die Konfrontative Pädagogik. Durch intensive Konfrontation mit der Gewalttat, soll der Täter nachhaltig und erfolgreich lernen, mit seinen Aggressionen umzugehen und sie nicht in Form von Gewalt an anderen auszulassen. Die Konfrontative Pädagogik nutzt dazu unterschiedliche Methoden wie z.B. Bootcamps. Diese Camps sind insbesondere in den USA weitverbreitet. Dort soll vor allem mehrfachauffälligen Straftätern aus der Kriminalität und Gewalt herausgeholfen werden. Das Konzept der Camps findet mittlerweile auch in Schulen Anwendung. Ein Beispiel ist die Glen Mills School in Pennsylvania. Diese Schule versucht junge Nachwuchskriminelle bereits seit Jahren mit Bootcamps auf den richtigen Weg zu bringen. Auch in Deutschland gibt es vermehrt ähnliche Einrichtungen wie z.B. die Akademie Lothar Kannenberg oder andere Erziehungscamps. Da bisher die pädagogisch-didaktische Methode in Form von Bootcamps bzw. Erziehungsschulen so noch nicht an Grundschulen erprobt wurde, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit daher mit Konfrontativer Pädagogik und Bootcamps als Handlungsperspektive im Kontext der Grundschule. Diesem Thema soll im Folgenden nachgegangen werden, indem zuerst ein Überblick über Bootcamps und deren Anwendungsfälle gegeben wird. Daran anschließend wird die Konfrontative Pädagogik genauer anhand von Handlungskonzepten und Zielen betrachtet. Weiterhin werden die Arten der Konfrontativen Pädagogik in der Schule näher beleuchtet. Anschließend wird ein Modell zur Aggressionstherapie in der Grundschule aufgestellt. Hierbei sollen der Schulalltag wie auch Unterrichtsprinzipien und Organisatorisches bedacht werden. Letztlich werden am Ende der Arbeit die Erkenntnisse in einem abschließenden Ausblick zusammengefasst sowie ein Fazit gezogen.
Bekannt wurde der Begriff „Bootcamp“ zunächst vor allem durch die gnadenlose Grundausbildung der US-Armee, welche des Öfteren auch in den deutschen Medien als eine der härtesten Ausbildungen überhaupt geschildert wurde (vgl.: Krauel 2009). Neben der Militärausbildung wurde der Begriff Bootcamp in den letzten Jahren vermehrt auch in Verbindung mit Schule und schwererziehbaren Kindern und Jugendlichen gebracht. Wie genau das Konzept Bootcamp zu definieren ist und welche Einrichtungen verknüpft mit Schule bestehen, wird im folgenden Kapitel näher betrachtet.
Der Begriff „Bootcamp“ setzt sich aus dem englischen Verb „to boot“ zu Deutsch „einen Fußtritt geben“ (vgl.: Hornby / Wehmeier 2005, S. 167) und „camp“, zu Deutsch „Lager“ (vgl.: Hornby / Wehmeier 2005, S. 214) zusammen. Sinngemäß bilden beide Silben den Begriff Erziehungslager. Ein Bootcamp kann beispielsweise im Sinne eines Gesundheitscoachings für übergewichtige Menschen stattfinden oder aber auch als Synonym der Grundausbildung des amerikanischen Militärs stehen. Bekannt geworden sind Bootcamps jedoch in den letzten zwei Jahrzehnten vor allem durch „jail Bootcamps“ und „juvenile Bootcamps“. Diese Erziehungslager versuchen durch strengen und militärischen Drill, mehrfach auffällige junge Straftäter zu resozialisieren. Die ersten juvenilen Bootcamps wurden in den amerikanischen Staaten Oklahoma und Georgia im Jahr 1983 eröffnet (vgl.: Gescher 1998, S. 45). In den USA haben straffällig gewordene Jugendliche die Möglichkeit, ihre Haftstrafe für zirka drei bis sechs Monate in einem Bootcamp zu absolvieren, anstatt sie in einem Gefängnis absitzen zu müssen. Voraussetzung dafür ist, dass die Straftäter jung und zum ersten Mal straffällig geworden sind. Straftäter, die Gewaltdelikte wie Vergewaltigungen oder bewaffnete Raubüberfälle begangen haben, dürfen meist nicht an einem Bootcamp teilnehmen (vgl.: Gescher 1998, S. 131). Im Alltag wird der Begriff Gewalt meist mit physischen Verletzungen wie Schlägen verbunden, jedoch kann Gewalt auch psychisch angewendet werden, zum Beispiel in Form von Demütigung. Außerdem gibt es noch die verbale Gewalt die bei Beleidigungen oder Erniedrigungen ausgeübt wird. Bisher zeigt sich kein einheitliches Modellkonzept zu Bootcamps, jedoch gibt es einige gemeinsame Grundauffassungen, die alle Bootcamp Programme verfolgen. Allen Bootcamps liegt eine militärische Grundstruktur zugrunde, die unter anderem auch hartes Arbeiten vorsieht. Die Jugendlichen sind aufgrund des jungen Alters besonders gut zu beeinflussen und besitzen außerdem ein Defizit in sozialen Fertigkeiten, Disziplin wie auch „Selbsteinschätzung und Verantwortungsbewußtsein“ (Gescher 1998, S. 12). Mithilfe der militärischen Struktur, sollen Bootcamp Programme „eine Änderung dieser Defizite herbeiführen“ (Gescher 1998, S. 12) können. Die Strafvollzugsalternative Bootcamp ist durch einen auf die Minute geplanten Tagesablauf, strikte Regeln und Disziplin wie auch physischem Training gekennzeichnet. Wesentlich ist außerdem, dass die Jugendlichen aus dem Camp von den restlichen Insassen der Justizvollzugsanstalt räumlich getrennt sind (vgl.: MacKenzie 1990, S. 44f.). Vorschrift für alle Bootcamps in den amerikanischen Staaten ist weiterhin, Unterrichtseinheiten von mindestens drei Stunden pro Tag zu erteilen. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Camps, folgt dann eine individuelle und unterschiedlich intensive Bewährungsüberwachung (vgl.: MacKenzie 1993, S. 1). Grundlegend wird zwischen Bootcamps für verurteilte Jugendliche, wie es in den USA gehandhabt wird und Bootcamps, die mehrfachauffälliges und aggressives Verhalten bei Jugendlichen zu therapieren versuchen, auch wenn diese noch nicht verurteilt wurden oder teilweise sogar noch nicht einmal strafmündig sind, differenziert. Kern beider Bootcamps jedoch ist Disziplin und Drill (vgl.: Wolffersdorff 2008, S. 76).
Abbildung 1: Bootcamp-Programme für Jugendliche in den USA
Um eine genauere Vorstellung von Bootcamps in Amerika zu bekommen, lässt eine Gegenüberstellung der verschiedenen Camps in den Staaten einen Vergleich herstellen. Neben den unterschiedlichen Namen der Camp Programme, unterscheiden sie sich auch in Träger, Eröffnungsjahr, Kapazität, Programmdauer und Altersgrenze der Teilnehmer. Auffallend ist vor allem, dass alle Bootcamps, bis auf das Orleans Parish Prison in New Orleans, Louisiana, das bereits im Jahr 1985 eröffnet wurde, in den 1990-er Jahren eröffnet wurden. Das minimale Alter, mit dem Jugendliche beziehungsweise Kinder an einem Bootcamp in den USA teilnehmen können, liegt bereits bei zehn Jahren. Das Maximalalter hingegen bei 20 Jahren. Alle Camps ergeben eine Durchschnittsaufenthaltsdauer von ~111 Tagen, wobei es Bootcamps gibt, die mit 30 Tagen eine kürzere Programmdauer haben oder, mit 168 Tagen als längster Aufenthalt, relativ stark vom Durchschnitt abweichen. Aufgrund ungenauer Angaben konnten die Camps Polk County, Florida und Orleans Parish Prison, New Orleans, Louisiana nicht mit einbezogen werden. Des Weiteren können die Camps durchschnittlich bis zu ~80 Jugendliche aufnehmen, wobei die Zahlen der Aufnahmekapazitäten von Camp zu Camp dennoch stark schwanken. Die höchste Teilnehmerzahl ist 275, die kleinste 6.
Abbildung 2: Gewichtung der Programmelemente in Bootcamps
Weiterhin kann prozentual zwischen der Gewichtung von Drill, Arbeit und Training sowie
