Königreich der Träume - Sequenz 1: Die schlafende Prinzessin - I. Reen Bow - E-Book
Beschreibung

Jessica Blair erwacht in einem muffigen Motel. Bis auf ein paar Habseligkeiten besitzt sie nichts; nicht einmal mehr ihre Erinnerungen. Die einzigen Hinweise auf ihre Identität sind ein Busticket in das "Königreich der Träume" und ein Name, den jemand mit Lippenstift auf ihren Badezimmerspiegel geschrieben hat. Während der Busfahrt stößt sie auf hysterische Fans der Träumerin, eine weltberühmte Attraktion, die ihre Träume in die Realität zu holen vermag. Jessicas Sitznachbar Dave, der Gardist im Königreich der Träume, spricht von wundersamen Traumgestalten und Magie, die Jessi in der Stadt erwarten. Doch statt Einhörnern und Prinzessinnenkleidern begegnet sie wahr gewordenen Alpträumen, die sie zu jagen beginnen. Dave ist der Einzige, der sie durch die apokalyptische Stadt in ihr vergessenes Leben geleitet.

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Table of Contents

Titelseite

Königreich der Träume

»Die schlafende Prinzessin«

Wer bin ich?

Ein blendendes Licht holt mich wieder zurück.

Vorschau

Seriennews

Impressum

Königreich der Träume

Sequenz 1

»Die schlafende Prinzessin«

von I. Reen Bow

 

 

 

 

 

 

Die Stadt, in der Träume Realität werden.

 

Wer bin ich?

Ich halte meine Hand gegen die Sonnenstrahlen, die durch das Fenster einfallen und betrachte das Licht- und Schattenspiel, das meine Finger dabei erzeugen. Warum fühle ich mich, als wäre ich aus einem ewigen Schlaf erwacht und würde die Welt zum allerersten Mal erblicken?

Lange Zeit bleibe ich einfach im Bett liegen, während ich mich zu orientieren versuche. Mein Kopf ist leer, ist aber dazu bereit, sich mit Wissen vollzusaugen; mit logischen Bildern zu füllen, die mir erklären, was zum Teufel vor sich geht. Dieser Zustand bereitet mir seltsamerweise keine Angst, tief in mir spüre ich, dass ich damit sogar gerechnet habe.

Langsam schiebe ich meine Beine über die Bettkante und richte mich auf, betrachte meine Knie, meine Arme und mein rotbraunes Haar, das in schweren Locken auf meine Brust fällt. Ich fühle in meinen Körper hinein, ob mir neben der Orientierungslosigkeit noch etwas anderes fehlt. Scheint alles in Ordnung zu sein.

Erneut stelle ich mir die Frage: Wer bin ich? Doch dieses Mal bleibe ich nicht mehr so ruhig. Sofort stehe ich auf, drehe mich um meine eigene Achse und schaue mir den Raum an, in dem ich mich befinde. Es ist eine schäbige Absteige, ein altmodisches Motel, wie ich vermute. Hier riecht es nach abgestandener Luft, als hätte hier jemand schon des Öfteren Würstchen gebraten. Die Tapete ist olivgrün und hat weiße Längsstreifen, passend dazu hängen ausgeblichene Vorhänge in einem großen Karomuster an dem einzigen Fenster hier, das die Aussicht auf einen Parkplatz zeigt. Außer dem Bett, einem kleinen Tisch mit Stuhl, über dem ein paar Anziehsachen hängen und auf dem ein khakigrüner Rucksack liegt, gibt es hier nichts weiter von Bedeutung.

In zwei Schritten bin ich beim Stuhl, werfe dabei aus Versehen die Kleidung von der Lehne und sehe in den Rucksack hinein. Darinnen sind noch mehr Klamotten, ein paar halbleere Wasserflaschen, eine Papiertüte, in der ein angebissenes Käsesandwich liegt, ein Täschchen mit Kosmetik und Make-Up, ein Musik-Player um den verknotete Kopfhörer gebunden sind und ein Portemonnaie, das ich sofort nach Papieren durchsuche. Bis auf etwas Kleingeld und einem Busticket finde ich nichts. Das Portemonnaie lasse ich wieder in den Rucksack fallen, behalte jedoch das Ticket in der Hand.

»Rückfahrt zum Königreich der Träume«, lese ich mit verschlafener Stimme und spüre, dass sich in meiner Brust ein seltsames Gefühl rührt.

Ich setze mich mit dem Ticket auf das Bett und starre das Stückchen Papier an. In der rechten Ecke ist ein Kreis mit einer feinen, silbernen Krone aus Folie geprägt. Darunter steht in schlichten Buchstaben: Sean-Corporation. Mein Finger fährt über die Krone, sie ist etwas erhaben und wirkt edel. Es sieht eher aus wie eine Eintrittskarte statt eine Buskarte. Vielleicht ist es sogar beides? Es steht weder ein Datum noch eine Uhrzeit darauf, nichts, was mir irgendwie helfen würde, mich zu erinnern. Mit dem Ticket laufe ich in das Badezimmer nebenan. Dieses ist so winzig, dass ich mich gerade mal um mich selbst drehen kann. Ich kann also auf der Toilette sitzen, während ich dusche – praktisch. Doch mir fällt eine Sache auf: Auf dem Spiegel steht etwas mit rotem Lippenstift geschrieben.

Jessica Blair – Sequenzwacht

Ich lese diese Worte mehrmals. Sie ergeben für mich keinen Sinn.

»Jessica«, versuche ich laut auszusprechen, doch da macht nichts klick. Wenn es mein Name wäre, würde ich mich nicht daran erinnern?

Ich betrachte mich im Spiegel. Sehe ich aus wie eine Jessica? Über meinen Mund ist ebenfalls Lippenstift verschmiert, sogar in der gleichen Farbe. Meine Locken stehen vom Schlafen in alle Richtungen ab und mein Mascara ist leicht verwischt. Warum bin ich geschminkt schlafengegangen? Oder hat man mich betäubt ins Bett gelegt? Was ist gestern geschehen?

Auf meiner Stirn steht eine Sorgenfalte.

Meiner Stirn.

Es ist seltsam, diese fremde Person im Spiegel als mich selbst zu bezeichnen. Andererseits scheint sie mir so vertraut zu sein, mit ihren tiefblauen Augen und dem schmalen Gesicht. An der hellblonden Farbe meiner Augenbrauen, stelle ich fest, dass mein Haar dunkler gefärbt ist. Ich schnuppere an einer Strähne, sie riecht nach Chemie, also muss das Haarefärben erst vor kurzem stattgefunden haben. Ich weiß nicht, ob mir dieser Hinweis hilft. Im Moment verspüre ich keine inneren Erkenntnisse.

Ich betrachte meine Augen, in ihnen erkenne ich violette Sprenkel. Seltsam, denke ich, verwerfe diesen Gedanken jedoch sofort.

Ich atme tief durch, schmeiße das Busticket aus dem Badezimmer zurück in das Motelzimmer und schließe die Tür, damit ich duschen und mein verschmiertes Gesicht abwaschen kann.

Zwanzig Minuten später laufe ich mit nassem Haar und mit dem Rucksack über den Motel-Parkplatz. Mein Ziel ist der Busbahnhof auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Das blöde Busticket ist der einzige Hinweis auf meine Identität und es muss doch etwas bedeuten, dass ich genau neben einem Busbahnhof aufgewacht bin. Dass das Ticket und der Rucksack überhaupt mir gehören, entnehme ich der Kleidergröße der Anziehsachen, die darin lagen. Sie passen mir perfekt. Ich trage eine kurze gelbe Hose und ein weißes, ärmelloses, hochgeschlossenes Oberteil, das am Kragen mit einer schwarzen Schleife gebunden ist. Meine Füße stecken in ein paar bequemen Sneakers, die sich anfühlen, als hätte ich darin schon sehr viele Meilen zurückgelegt.

Ich schaue kurz in die Sonne, es ist so warm, dass mein Haar schon halb trocken ist. Wie spät es jetzt wohl ist? Leider bin ich nicht so vertraut damit, die Uhrzeit am Sonnenstand abzulesen und im Motelzimmer gab es nur eine Uhr, deren Batterie lange keiner gewechselt hat. Aus der Entfernung sehe ich eine Uhr auf dem Busbahnhof, es ist zwölf Uhr und sobald ich die Zeiger erkenne, meldet sich mein Magen mit einem Knurren. Mir kommt das Käsesandwich in den Sinn und während ich auf die wartenden Busse zulaufe, hole ich es aus dem Rucksack und beiße hinein. Es schmeckt fad. Offensichtlich liegt es schon mehrere Tage in der Tasche. Ich spucke den Bissen auf die Straße und bekomme eine abfällige Bemerkung einer älteren Dame, deren kleiner Hund mit schwarzen Knopfaugen gierig zum ausgespuckten Sandwichstückchen zu gelangen versucht und piepsig bellt, als sein Frauchen ihn wegzieht. Sobald ich am Bahnhof am ersten Mülleimer vorbeikomme, neben dem eine Gruppe Uniformierter steht, will ich das Sandwich wegwerfen, bleibe jedoch skeptisch vor den Männern stehen. Sind das etwa Soldaten? Irgendetwas an deren Uniform finde ich seltsam. Sie ist lila, hat also keinerlei Tarnfunktion, vor allem, weil dieses Violett im Sonnenlicht sogar noch kräftig leuchtet. An der Naht erkenne ich goldene Streifen und an der Brust ist eine Nadel mit einer vergoldeten Sonne angepinnt.

»Hey«, sagt einer der Soldaten, an den ich herantrete, als ich mein Sandwich wegwerfe.

»Hi«, antworte ich und gehe wortlos weiter, wobei ich mein Ticket aus der Hosentasche hole und erneut das Reiseziel anschaue.

Rückfahrt zum Königreich der Träume.

Was ist das für ein Ort?

Daneben steht Buslinie 777. Sie ist schnell gefunden, denn ich stehe direkt davor. Der Bus ist von außen royalblau und ist mit vielen Krönchen beklebt. Das ist ganz bestimmt der richtige Bus.

Die Fahrerin trägt ihr feines, rotes Haar zu einem dünnen Zopf geflochten, der ihr wie ein Rattenschwanz auf ihren knochigen Rücken fällt. Sie kaut ausgiebig auf ihrem Kaugummi und sobald sie mich an der Tür erkennt, lächelt sie mir entgegen und zeigt ihre Zahnlücke, die der Frau ein sympathisches Aussehen verleiht.

»Königreich der Träume?«, fragt sie mit einem seltsamen Akzent, den ich nicht zuordnen kann.

Ich zeige ihr das Ticket und sie nickt freundlich, wobei sie eine Lochzange hervorholt, auf der ebenfalls ein Logo mit einer silbernen Krone klebt, das gleiche, wie auf dem Ticket und dem Bus. Sie entwertet das Busticket genau durch die silberne Krone. Diese Handlung wirkt altmodisch, hat aber auch ihren Reiz, vielleicht bin ich gerade dabei, eine Erlebnisreise anzutreten, und das gehört bereits dazu.

Hier drin ist es deutlich wärmer als draußen und es ist laut. Erstaunlich sitzen viele Jugendliche hier, die teilweise, wie die Soldaten vor dem Bus, seltsame Kleidung tragen. Ich laufe an den Passagieren vorbei und betrachte sie genauer. Die meisten haben Shirts an, auf denen ich weitere Kronen erkenne. Einige Mädchen tragen Prinzessinnenkleider und Diademe im Haar. Zwischen den Jugendlichen und Kindern sind auch viele Erwachsene anwesend. Einige von ihnen sehen aus wie Geschäftsleute mit Anzügen, Aktenkoffern und einem fehlenden Lächeln; andere tragen merkwürdigerweise aber Prinzessinnenkostüme und wirken äußerst ausgelassen. Ich erkenne noch ein paar von diesen violetten Soldaten und dann sind da auch noch Männer und Frauen, die sich mit ihrem großen Gepäck auf den Sitzen breitmachen und diese wie ihren Schatz beschützen. Die Taschen sehen aus, als beinhalten sie große Kameras und Objektive, zumindest vermute ich das, weil auf einem der Sitze ein zusammengeklapptes Stativ liegt.

Ich suche mir einen Doppelsitz und nehme Platz. Ich möchte nicht, dass sich einer der extrem gutgelaunten Teenager neben mich setzt, weswegen ich meine Schuhe ausziehe, und meine Beine auf dem zweiten Sitz ausbreite. Dabei lehne ich mit dem Rücken an das Fenster.

Der Bus füllt sich weiterhin mit aufgeregten Menschen, die ihre Euphorie verströmen. Erneut kommt mir der Gedanke, dass wir nicht in eine Stadt, sondern in einen Freizeitpark fahren. Königreich der Träume klingt zumindest danach.

Drei Jungs, rennen gerade vom Eingang zu den hintersten Plätzen und nehmen diese lautstark in Beschlag. Deren vorfreudige Schreie versprechen eine unvergessliche Fahrt.

Das erinnert mich daran, dass ich im Rucksack einen Musik-Player gesehen habe. Ich fische das kleine, silberne Gerät aus den Untiefen der Tasche, wobei ich feststelle, dass sich das Kopfhörerkabel abgewickelt hat und nun stärker verworren ist. Nachdem ich das Kabel entknotet habe und die Stecker in meine Ohren führe, schalte ich die Musik an. Ich warte darauf, dass mich ein Schwall voller Gefühle umfängt, wenn ich den ersten Track höre, doch die Musik sagt mir nichts, löst in mir weder Erinnerungen noch Gedanken oder Gefühle aus. Bevor ich länger darüber grüble, klicke ich ein anderes Lied an und versuche dem Text zu folgen, vielleicht verrät er mir ja ein bisschen etwas über mich. Zu meiner Überraschung kann ich im Kopf sogar mitsingen, was mir Gänsehaut bereitet. Schnell reiße ich die Kopfhörer an der Schnur aus meinen Ohren. Die lauten Teenager sind wohl im Moment ungefährlicher als ein Date mit meiner Vergangenheit.

»Wow, ich dachte, diese Dinger sind vor Jahren ausgestorben«, sagt ein junger Mann, der gerade seinen Rucksack in der Gepäckablage über meinem Doppelsitz verstaut und dann auf den Musik-Player in meiner Hand zeigt. »Lass mich raten, du bist einer von diesen Rebellen, die sich weigern, einen Mediachip implantieren zu lassen.«

Ich runzle die Stirn und fahre mit meinen Fingern prüfend hinter mein rechtes Ohr, an dieser Stelle werden Mediachips immer implantiert.

Warum weiß ich so etwas, aber nicht meinen eigenen Namen?

Ich erspüre nur eine kleine Narbe und keinerlei Erhebung, die so ein Mikrochip mit sich mitbringt.

»Hab’s nicht vertragen«, lüge ich. »Willst du dich etwa zu mir setzen?«

»Wenn du mich so freundlich zu dir einlädst«, sagt er lächelnd.

Er trägt auch diese seltsame violette Uniform und etwas in meinem Kopf sagt mir, dass ich mich nicht mit ihm anlegen sollte. Also will ich bereits meine Füße vom zweiten Sitz runterschieben, doch der junge Mann schnappt sich meine Beine geschickt an den Kniekehlen, hebt sie leicht an und setzt sich. Dabei legt er meine Beine über seine und klopft freundschaftlich auf mein nacktes Schienbein.

»Mich stört das nicht«, sagt er und ich starre verwirrt und fasziniert seine Grübchen an. Ich glaube nicht, dass ich schon mal einen Mann gesehen habe, der so ein strahlendes Gesicht hatte.

»Ich kann mich auch normal hinsetzen«, sage ich, obwohl ich diese Position sogar bequem finde.

»Das ist alles, was du dazu sagst? Willst du mich nicht wegen sexueller Belästigung anzeigen?«, fragt er.

Ich betrachte meine Beine auf seinem Schoß. Eine Erinnerung zerrt an meinen Gedanken und ich lege meine Hand kurz auf meine Schläfe.

»Passiert dir so etwas oft?«, sagen meine Lippen kokett, doch ich beobachte mich nur dabei, als stünde ich neben mir.

»Es wäre das erste Mal, gebe ich zu.« Wieder diese Grübchen und ich spüre, dass meine Mundwinkel sich bei ihrem Anblick hochziehen.

»Wie heißt du?«, fragt er.

Ich beiße mir lächelnd auf die Lippe und richte meinen Blick in meine Gedanken. Auf dem Spiegel heute Morgen stand Jessica, und da vermute ich, dass das mein Name sein könnte.

»Jessi – Jessica«, hauche ich, noch immer in Gedanken verloren. Dann blinzle ich und lächle den Fremden an.

»Jessi. Schöner Name«, sagt er und nickt mehrmals, als würde er im Kopf abwägen, ob dieser Name wirklich schön ist. Oder prüft er, ob dieser Name überhaupt zu mir passt? Stellt er vermutlich gleich fest, dass ich nicht wie eine Jessica aussehe?

»Ja, kann sein«, sage ich, um ihn von solch möglichen Überlegungen abzulenken. Wieso habe ich das Gefühl, nicht auffliegen zu wollen? Bin ich nicht Jessica? Bevor ich jedoch ins Grübeln verfalle, frage ich ihn: »Wie ist dein Name?«

»Dave.« Seine Augen verengen sich, als er lächelt. Sein Gesicht sieht gutmütig aus. Ich finde, er strahlt eine Ruhe aus und diese bringt mich dazu, Dave zu mögen. Er ist der erste Mensch, der nicht in einer Wolke aus vergessener Vergangenheit gehüllt zu sein scheint und das fühlt sich gut an.

Ich lehne mich an das Fenster und mache es mir gemütlich, während Dave mich weiterhin anlächelt. Keine Ahnung, wie lange diese Busfahrt dauern wird, aber sie wird mir gefallen.

 

 

»Oh, die Busfahrten haben mir gefehlt«, sagt Dave. »Seit zwei Wochen habe ich keine Nerds mehr gesehen – na ja, außer meinen großen Bruder Steven, aber der ist auf eine andere Art ein Nerd.«

Ich schaue mir die Jungs an, die nicht einfach stillsitzen können und irgendwelche Szenen aus Filmen nachspielen, die ich mit Sicherheit nie angesehen habe. Ein Junge trägt eine Zahnspange und lispelt dabei, aber er spielt seine Rolle mit voller Inbrunst, was von den anderen mit Applaus gewürdigt wird. Diese Teenager sehen blass aus, kein Zeichen dafür, dass sie ihre Sommerferien mit Ballspielen draußen verbringen.

»Was zeichnet diese Nerds hier aus?«, frage ich.

»Sie folgen ihren Verschwörungstheorien, was die Träumerin angeht.«

»Nichts in diesem Satz hat für mich eine Erklärung.«

»Du bist ja auch kein Nerd«, sagt Dave und als ich ihn immer noch fragend ansehe, runzelt er die Stirn. »Du siehst aus, als hättest du auf dem Mond gelebt.«

Da ist wieder dieses Gefühl, erwischt worden zu sein. Doch wenn ich keine Fragen stelle, werde ich nicht weiterkommen, also sage ich: »Okay, ich muss zugeben, dass ich absolut keine Ahnung von dem Ort habe, an den wir fahren.«

Dave lacht leise. »Du veräppelst mich.«

»Hmmm, nein?«

»Du willst mir sagen, dass du noch nie vom Königreich der Träume gehört hast? Das ist ja nur eine weltbekannte Attraktion.«

»Ich komme ja auch vom Mond.«

Dave betrachtet mich lange Zeit und sieht dann aus zusammengekniffenen Augen. »Ich kann mir nicht helfen, aber du kommst mir bekannt vor.«

»Allerweltsgesicht«, sage ich und bemühe mich, ein echtes Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

»Absolut nicht«, sagt er, was wohl ein Kompliment sein soll.

Ich räuspere mich und lehne meinen Kopf an die Glasscheibe. Das Vibrieren des Fensters an meinem Hinterkopf verrät mir, dass die Busfahrerin den Motor gestartet hat.

»Was denkst du, woher -« In diesem Moment fährt der Bus los und ich werfe einen Blick über die Schulter, wobei ich das Motel an mir vorbeiziehen sehe.