Könnte Jesus Christus heute katholisch sein? -  - E-Book

Könnte Jesus Christus heute katholisch sein? E-Book

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Beschreibung

Erleuchtete Worte des Heiligen Geistes, empfangen von der Braut Christi, der katholischen Kirche, festgehalten im Katechismus. Worte des Herzens vom Autor. Interesse? Dann lesen Sie dieses Buch, ein Gespräch des Autors mit seinem Verstand und seinem Gewissen über die katholische Lehre!

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Seitenzahl: 482

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Hans/John R. Brunner-Kuster

Könnte Jesus Christus heute katholisch sein?

br33 Verlag Hans R. Brunner

1. Auflage

Erschienen am 25. Mai 2011

©br33 Verlag Hans R. Brunner

Dorfstrasse 30

CH-6390 Engelberg / Schweiz

E-Mail: [email protected]

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk „Könnte Jesus Christus heute katholisch sein?“ einschliesslich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne die Zustimmung des Verlags und des Autors unzulässig, besonders auch Auszüge, Vervielfältigungen, Übersetzungen und die Einspeicherung und Verbreitung durch elektronische Systeme.

Lektorat: lic. phil. Iwona Eberle, Zürich

Korrektorat: Nicole Lötscher und Doris Zakel

Umschlagsgestaltung: Cornelia Diethelm, bicorne Graphic Design

eISBN: 978-3-03303-734-2

ePub Produktion durch INTEC/ANSENSO

www.inteconline.com

Widmung

Mit allergrösster Dankbarkeit und Demut

widme ich dieses Buch

allen sichtbaren und unsichtbaren Wesenheiten,

die zu seinem Gelingen beigetragen haben.

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich meiner lieben Frau von ganzem Herzen dafür danken, dass sie mich immer unterstützt hat. Es war für sie nicht immer angenehm, manchmal sogar sehr schwierig, mich auszuhalten. Das Suchen nach Antworten auf für mich sehr wichtige Glaubensfragen ist eine gewaltige Herausforderung. Sie beanspruchte mich manchmal total, sie machte mich teilweise sehr nervös und es war für meine Frau und auch für meine Kinder sicher eine sehr schwierige Zeit. Meiner Frau und meinen Kindern danke ich von Herzen für ihre Liebe zu mir und ihre Toleranz. Dieses Geschenk half mir, durchzuhalten.

Inhalt

Ein spannendes Vorwort vom „zukünftigen Papst, Johannes XXIV.“

Eine langweilige Einleitung vom Autor

Gespräch meines Verstandes mit meinem Gewissen

Wer bist Du, Katechismus der katholischen Kirche?

Jesus Christus, wer ist Dein Vater?

Jesus Christus, wer bist Du?

Jesus Christus, lehrt ‚Deine‘ Kirche Deine Wahrheit?

Jesus Christus, sprichst und handelst Du durch die Bischöfe?

Jesus Christus, spendest Du sieben Sakramente?

Das Sakrament der Taufe

Das Sakrament der Firmung

Das Ehesakrament

Das Sakrament der Eucharistie

Das Sakrament der Busse und Versöhnung

Das Sakrament der Krankensalbung

Das Weihesakrament

Jesus Christus, ermächtigst Du Menschen zur Unfehlbarkeit?

Jesus Christus, haben Engel und Menschen so viel Macht über Dich?

Jesus Christus, hat Dein Vater die Natur verflucht?

Jesus Christus, warum lässt Du uns sündigen?

Jesus Christus, was sind Deine Gebote?

Jesus Christus, hast Du auch so einen Sexualkomplex wie ‚Deine‘ Kirche?

Jesus Christus, betest Du das Apostolische Glaubensbekenntnis ‚Deiner‘ Kirche?

Jesus Christus, ist das „Vaterunser“ Dein Gebet?

Ich frage Dich, den Katechismus der katholischen Kirche: Könnte Jesus Christus heute katholisch sein?

Ich frage Dich, mein Gewissen: Könnte Jesus Christus heute katholisch sein?

Jesus Christus, ich übergebe Dir einen offenen Brief für Deinen Vater

Jesus Christus, ich träume von einer neuen katholischen Kirche

Jesus Christus, ich träume, dass der Papst Dich heute zu einer Audienz empfängt

Ich frage die Leserinnen und Leser: Könnte Jesus Christus heute katholisch sein?

John, warum hast Du dieses Buch geschrieben?

John, wer bist Du?

Quellen

Anhang 1: Wichtigste Glaubenswahrheiten der katholischen Lehre in einfach verständlichen Worten

Anhang 2: Das Taufritual zu meiner Jugendzeit

Anhang 3: Das heute gültige Taufgelübde

Anhang 4: Das Beichtritual und der Beichtspiegel zu meiner Jugendzeit

Ein spannendes Vorwort vom „zukünftigen Papst, Johannes XXIV.“

Liebe Brüder und Schwestern,

als von Christus zum Nachfolger des Apostels Petrus gewählter Papst lastet auf mir als Bischof von Rom und den anderen Bischöfen eine sehr grosse Verantwortung. Was will Christus den Gläubigen durch uns sagen? Diese Frage beschäftigt uns täglich. Eine grosse Freude bereitet es mir, wenn Menschen sich so intensiv mit dem katholischen Glauben auseinandersetzen, wie es der Autor dieses Buches, ein Laie, getan hat. Der Glaube an Christus kann ohne Kritik und Zweifel nicht wachsen. Dass der in Bezug auf unseren Glauben sehr kritische Autor sich die aufrüttelnde Frage gestellt hat: „Könnte Jesus Christus heute katholisch sein?“, zeigt mir, dass unsere Kirche auf dem richtigen Weg ist. Es ist ihr einmal mehr gelungen, einen ihrer Katholiken dazu zu motivieren, unseren Glauben zu erforschen. Wir alle sind dazu eingeladen, auch Sie! Zweifel an unserem Glauben schwächen Sie selbst und damit unsere Kirche. Besiegen Sie Ihre Zweifel, indem Sie sich mit diesen auseinandersetzen. Erforschen Sie diese mit Ihrem Herzen. Beten Sie, und Gott beschenkt Sie mit den für Sie richtigen Antworten. Je zweifelsfreier Sie glauben, desto mehr werden Sie mit dem grössten Geschenk belohnt, mit Seiner unaussprechlichen Liebe.

Wer sich mit Christus auseinandersetzt, lässt sich herausfordern. Zweifel, ob das, was wir tun und lehren, das Richtige ist, das, was Christus uns aufgetragen hat, sind an der Tagesordnung. Jeder Gläubige kennt den täglichen Kampf gegen seine Zweifel. Auch wir als Bischöfe und Priester werden immer Mal wieder von Zweifeln heimgesucht. Nur wer diesen Kampf gegen seine Zweifel kämpft und gewinnt, wird im Glauben bestärkt. Als Bischof oder als Priester können wir die gewaltigen Herausforderungen nur durch unser wachsendes Vertrauen in Gott bewältigen. Das grosse Leiden zum Beispiel sehr vieler Menschen, welches wir täglich erfahren, können wir nur verkraften, weil unser Glauben uns stark macht. Hätten wir diesen Glauben und das grosse Vertrauen in unseren Vater nicht, würden wir daran zerbrechen. Gott hilft uns. Das erfahren wir täglich. Immer wieder bedanken sich Menschen bei uns dafür, dass wir ihnen dabei helfen konnten, ihre Zweifel zu beseitigen und im Glauben an Gott ihr Leiden besser zu ertragen.

Kritik, vor allem Selbstkritik, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Gott. Das wissen wir. Der Autor dieses Buches übt Kritik an der katholischen Lehre. An vielem, was wir, erleuchtet durch den Heiligen Geist, in unserem Katechismus lehren, zweifelt er. Den Kampf gegen seine Zweifel hat er gewonnen. Er hat nach Antworten auf seine brennenden Fragen gesucht und solche gefunden. Seine Antworten zu seinen wichtigen Glaubensfragen entsprechen nicht dem, was wir im Laufe der Zeit mit der Hilfe Gottes, seines Heiligen Geistes, als christliche Glaubenswahrheiten erkennen durften. Was der Heilige Geist uns gelehrt hat, respektieren wir als unantastbare, ewig gültige Wahrheiten, an die wir als Christen glauben müssen. Wenn der Autor in Ihnen Zweifel sähen mag, hilft dies Ihnen, im Glauben zu wachsen. Wir, als von Gott dazu Auserwählte, helfen Ihnen dabei, Ihre Zweifel zu beseitigen. Wo der Autor Ihre Zustimmung erntet, ermuntert und beflügelt dies uns Bischöfe und Priester, Sie vom richtigen und damit einzig wahren Glauben zu überzeugen. Wir alle freuen uns auf Ihren Besuch und Ihre Fragen.

Ich empfehle Ihnen dieses Buch zur Lektüre. Es fordert Sie dazu heraus, Ihren Glauben zu überprüfen und dadurch in ihm zu wachsen. Je stärker Ihr Glaube wird, desto gewisser und berechtigter dürfen Sie auf Erlösung zum ewigen Himmelreich hoffen. Wenn das Buch Ihre Zweifel an der Richtigkeit der katholischen Lehre verstärkt, empfehle ich Ihnen, sich an einen Priester oder Bischof Ihrer Wahl zu wenden. Sie sind geschulte und erprobte Gesprächspartner. Sie werden sich freuen, Ihnen dabei zu helfen, Ihre Zweifel zu besiegen und das zu glauben, was uns der Heilige Geist eingegeben hat. Gelingt dies den Priestern und Bischöfen nicht, wird Christi Auftrag an uns nicht erfüllt. Dann wenden Sie sich im Gebet direkt an Christus. Er antwortet jedem, der Ihn fragt.

Die Seelsorge ist die grösste Sorge von uns Bischöfen und Priestern. Sie beginnt bei Ihnen selbst. Tragen Sie Sorge zu sich selbst und Ihrer Seele. Möge dieses Buch Sie dazu ermuntern, im Glauben zu wachsen, um mehr und mehr mit der unbeschreiblichen Liebe Gottes gesegnet zu werden. Wenn dieses Buch dazu beiträgt, dass Sie als Leserin oder als Leser erkennen, dass wir den richtigen Glauben bekennen, dann ist das Buch katholisch in unserem Sinne.

Ich segne Sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Ihr Diener

Papst Johannes XXIV.

Eine langweilige Einleitung vom Autor

„Man muss Gott mehr gehorchen als dem Menschen.“

Apostelgeschichte 5.29, Verteidigungsrede der Apostel

vor dem jüdischen Rat

Ich frage Sie, sehr geehrte Frau Leserin, sehr geehrter Herr Leser, ob ich Ihnen das Du anbieten darf. Mit dem Sie bleiben wir uns fremd. Mit dem Du werden wir vertrauter. Mit dem Sie gehen wir auf Distanz zueinander, mit dem Du suchen wir die Nähe. Mit dem Sie sprechen wir den Verstand an, mit dem Du das Herz. Ich möchte Ihr Herz berühren. Mein Name ist John. Und Deiner?

Liebe Leserin, lieber Leser, machen Deine Vorstellungen von Gott Dich glücklich? Macht es Dich glücklich, wenn Du glaubst, dass Du eine Sünderin oder ein Sünder bist, unwürdig, Gott bei Dir zu Hause zu empfangen? Macht es Dich glücklich, wenn Du Angst hast vor einem Gott, der kommen wird, um Dich auf ewig zu erlösen oder zu verdammen? Macht es Dich glücklich, wenn Du glaubst, dass die Verstorbenen im Fegefeuer gewaltige Qualen erleiden, um von ihren Sünden befreit zu werden? Macht es Dich glücklich, wenn Du glaubst, dass Du nach Deinem Tod auch im Fegefeuer für Deine Sünden büssen wirst? Macht es Dich glücklich, wenn Du Dir die Liebe Gottes und damit auch die Liebe ‚Seiner’ Kirche durch gute Gedanken, Taten und Spenden verdienen musst? Macht es Dich glücklich, Dich schuldig und damit machtlos zu fühlen, ausgeliefert all jenen Menschen, die Dir versprechen, dass sie Dir helfen können, unschuldiger und damit glücklicher zu werden? Macht es Dich glücklich, machtlos auf die Erlösung Gottes zu warten und zu warten und zu warten? Macht es Dich glücklich, dass Gott nur eine einzige Kirche dazu auserwählt hat, Seine Wahrheit zu erkunden und zu lehren, nämlich die heilige katholische Kirche?

Wenn Dein Glaube Dir hilft, die Widrigkeiten des Lebens besser zu meistern, dann lege dieses Buch weg. Es ist nicht für Dich geschrieben. Es ist für all jene geschrieben, die bereit sind, bisherige ‚Glaubenswahrheiten’ zumindest infrage zu stellen, besser noch sie so zu ändern, dass sie sich glücklicher fühlen. Fühlst Du Dich glücklicher, wenn Du einen unbedingt liebenden Gott kennen lernst, der alle erlösen und niemanden auf ewig verdammen will und wird? Hast Du mehr Vertrauen in einen Gott, der Dich so liebt, wie Du bist, so sündig und so tugendhaft? Fühlst Du Dich glücklicher, wenn Du ohne Angst vor Gott und ohne Schuldgefühle gegenüber Ihm leben darfst? Fühlst Du Dich glücklicher, wenn Du nicht mehr warten musst, bis Gott das Böse in Dir besiegt, sondern Du es selbst in Dir besiegen kannst?

Gott kann Dich davon befreien, als Sklave der Angst und der Schuldgefühle zu leben, wenn Du das willst. Dieses Buch will Dich dazu inspirieren, Deinen Glauben zu überprüfen, vielleicht sogar zu ändern. Mit der Entscheidungsfreiheit zusammen mit der Erkenntnisfähigkeit hat Gott Dir die Möglichkeit geschenkt, so an Ihn zu glauben, wie Du es entscheidest und willst, nicht so, wie Religionen es ihren Gläubigen vorschreiben. Du entscheidest, was Du glauben willst, niemand sonst. Möge mein Buch Dich dazu animieren, tausendjährige ‚Glaubenswahrheiten’ infrage zu stellen. Möge es Dich davon befreien, ein Sklave von ‚Glaubenswahrheiten’ zu sein, die mit Drohungen und Angst herrschen, statt Dich zu einer Liebe hin zu befreien, die weder Angst noch Schuldgefühle kennt. Die Liebe Gottes schenkt sich jedem, so wie die Sonne für jeden scheint, wie sündig er auch sei. Und Gott tauft mit Regenwasser sowohl den Acker, der einem Verbrecher gehört, als auch jenen, der ‚Seiner’ Kirche gehört. Er ernährt tugendhafte Menschen genauso wie grösste Sünder.

Am Anfang des Buches möchte ich Dir anhand von wörtlich wiedergegebenen Zitaten aus dem katholischen Katechismus klar machen, als was sich die katholische Kirche versteht. ‚K:’ bezieht sich auf den hier verwendeten Katechismus, die Zahl daneben auf den entsprechenden Abschnitt. Im Laufe des Buches begegnest Du noch einmal diesen Zitaten:

„Und so ist Gott, der einst gesprochen hat, ohne Unterlass im Gespräch mit der Braut seines geliebten Sohnes, und der Heilige Geist, durch den die lebendige Stimme des Evangeliums in der Kirche und durch sie in der Welt widerhallt, führt die Gläubigen in alle Wahrheit ein und lässt das Wort Christi in Überfülle unter ihnen wohnen” (K: 79). Die Braut seines geliebten Sohnes ist die katholische Kirche (vgl. K: 79 und 796). „Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes authentisch auszulegen, ist allein dem lebendigen Lehramt der Kirche – das heisst den Bischöfen in Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri, dem Bischof von Rom – anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird“ (K: 85). „Der Papst und die Bischöfe sind authentische, das heisst mit der Autorität Christi versehene Lehrer, die dem ihnen anvertrauten Volk den Glauben verkündigen, der geglaubt und auf die Sitten angewandt werden soll. Das universale ordentliche Lehramt des Papstes und der in Gemeinschaft mit ihm stehenden Bischöfe lehrt die Gläubigen die zu glaubende Wahrheit, die zu lebende Liebe und die zu erhoffende Seligkeit“ (K: 2034).

Demzufolge ist alles, was der katholische Katechismus lehrt, und worüber Du in diesem Buch sehr viel mehr erfährst, nicht nur für Katholikinnen und Katholiken, sondern für alle Christen ‚die zu glaubende Wahrheit, die zu lebende Liebe und die zu erhoffende Seligkeit.’

Geführt durch den Heiligen Geist, das heisst durch Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist haben die Päpste mit den auserwählten Mitgliedern des katholischen Lehramtes beschlossen, was zu glauben ist. So geschieht es heute noch immer und wird in Zukunft so bleiben. Der katholische Katechismus lehrt also göttliche und damit unantastbare Wahrheit!

Ich glaube, dass der Papst und ‚Seine’ Bischöfe Menschen sind. Demzufolge will ich dem folgen, was Gott meinem Herzen eingemeisselt hat, nicht dem, was die katholischen Autoritäten mir zu glauben vorschreiben.

„Warum hat der Autor als Laie und ungebildet in Theologie dieses Buch gewagt und geschrieben?“, fragst Du Dich vielleicht. Nun, ich weiß es nicht. Ich empfinde dieses Buch als einen Auftrag einer höheren und wohlwollenden Macht an mich. Zufälle waren der Anstoss dafür. Mehr dazu findest Du im Kapitel am Schluss des Buches: „John, warum hast Du dieses Buch geschrieben?“ In vielen Gesprächen habe ich festgestellt, dass die Gläubigen nicht wissen, was sie gemäss katholischem Katechismus glauben müssen. Dieses Buch ermöglicht den interessierten katholischen Leserinnen und Lesern, die Grundlage ihres Glaubens zu entdecken und das kennenzulernen, was der katholische Katechismus als göttliche Wahrheit lehrt. Viele Katholiken nehmen das, was im Katechismus steht, nicht ernst. Sie wollen sich nicht damit auseinandersetzen, was sie glauben müssen. Sie glauben so, wie sie glauben wollen! Auch katholische Bischöfe und Priester, die ich befragte, haben in mancherlei Hinsicht ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu dem, was der Katechismus der katholischen Kirche lehrt. Sie lassen sich durch ihr Gewissen leiten. Sie arrangieren sich mit den Autoritäten der katholischen Kirche, ihren Vorgesetzten und ihren Arbeitgebern. Wozu dient ein Katechismus, wenn vieles, was er als göttliche Wahrheit lehrt, den Gläubigen entweder nicht bewusst ist oder durch diese bewusst verdrängt und nicht beachtet wird? Mein Buch wird Dich überraschen. Du wirst wie ich staunen und Dich manchmal ärgern.

Mein Buch möchte Dich dazu anregen, Dein Gewissen zu befragen. Die für Dich im Moment besten Antworten auf Deine Fragen gibt Dir Dein Gewissen. Die von Deinem Verstand nicht zensierten Antworten Deines Gewissens auf Deine Fragen sind besser als alle von einer Kirche vorgedachten und verordneten Glaubensanweisungen. Die Antworten auf Deine Fragen, die Dir Dein Gewissen gibt, sind für Dich selbst die wichtigsten. Die Lektüre meines Buches wird Dich davon überzeugen. Lass Dich herausfordern.

„Könnte Jesus Christus heute katholisch sein?“ ist eine sehr provokative Frage. Ich bin mir dessen bewusst. Die katholischen Bischöfe allein fühlen sich zur christlichen Wahrheit berechtigt. Gläubige haben den Bischöfen zu gehorchen. Wo sich Gläubige dem Gehorsam verweigern, versündigen sie sich gegen Christus und den, der Ihn gesandt hat.

Wer die Bischöfe „hört, hört Christus, und wer sie verachtet, verachtet Christus und den, der Christus gesandt hat“, lehrt der katholische Katechismus im Abschnitt 862.

Wer so glaubt, wird jedem Kritiker sagen ‚Weiche! Du versündigst Dich mit Deiner Kritik an Gott’. Oder er macht kritische Bischöfe, Priester und Theologen mundtot, indem er sie in die Wüste verbannt, ihnen die Lehrerlaubnis entzieht, Schweigen verordnet oder ihnen verbietet, Messen zu feiern. Kritiken von Laien werden unterdrückt, je mehr Beachtung sie finden, desto mehr. Schade, dass ‚Seine’ Kirche Kritik verdrängt, statt sich ihr zu stellen. Sie herrscht mit Glaubensbefehlen in dem Glauben, dass Gott es so will. Christus gab auch Seinen härtesten Kritikern stets Antwort auf ihre unbequemen Fragen. Seine Antworten sind ein unschätzbarer Reichtum in den Evangelien.

Die Antwort auf die Frage „Könnte Jesus Christus heute katholisch sein?“ setzt voraus, den katholischen Glauben zu erforschen und zu kennen. Ohne die Kenntnis dessen, was der katholische Katechismus als ‚christlich erleuchtete Wahrheit’ lehrt, kann die Frage nicht beantwortet werden. Das Studium und die Kenntnis der ‚Guten Nachricht Das Neue Testament in heutigem Deutsch’, dessen, was Christus gelehrt habe, und was Seine Apostel verstanden haben, ist ebenfalls eine unverzichtbare Grundlage, um die Hauptfrage meines Buches zu beantworten. Dieser Herausforderung habe ich mich als Laie gestellt. Um die Frage jedoch beantworten zu können, musste ich aufgrund der Lehre des katholischen Katechismus und der ‚Guten Nachricht, Das Neue Testament in heutigem Deutsch’ mir eine eigene Meinung bilden und diese begründen. Das war sehr harte Arbeit. Zweifel wie „Soll ich das?“, „Darf ich das?“, „Will ich das?“, „Versündige ich mich damit gegen Gott?“, „Werde ich dafür bestraft?“, haben mich immer wieder bedrängt.

Das Buch ist geboren, ich habe meine Zweifel besiegt. Das, was ich als wichtigste Glaubensinhalte empfunden und beurteilt habe, findest Du in diesem Buch. Mein Gewissen gab mir Antworten zum Glauben, die ich als sehr grosses Geschenk empfinde. Es sind Antworten, die es mir ermöglichen, an Gott und an Jesus Christus zweifelsfrei zu glauben. Du wirst meine Antworten auf all meine Zweifel in Bezug auf das, was der Katholik glauben muss, in diesem Buch finden. Es soll Dich dazu beflügeln, Deinen Glauben zu ergründen. Dass ich Wesentliches übersehen haben mag oder mich in der Deutung dessen geirrt habe, was im Katechismus der katholischen Kirche geschrieben steht, möge mir verziehen werden. Im Gegensatz zu ‚Seiner’ Kirche darf ich mich irren. Meine Aussagen kannst Du überprüfen. Die in Klammern angegebenen Nummern weisen auf den wörtlich oder sinngemäss zitierten Abschnitt im katholischen Katechismus hin. Du wirst staunen und Dich ärgern wie ich.

Alles, was Gott und Jesus Christus betrifft, schreibe ich in Grossbuchstaben, zum Beispiel Ihn, Er, Seine, Selbst und so weiter. Wo ich von ‚Seiner’ Kirche schreibe, bezeichne ich damit die katholische Kirche. Dass ‚Seine’ Kirche als einzige Kirche Seine Kirche ist, glaube ich nicht. Darum setze ich ‚Seine’ in Anführungszeichen.

Ich verwende zwei Darstellungen:

Mit Einzug, wie Du es jetzt gerade liest, sind wörtlich oder sinngemäß Zitate aus dem Katechismus zu meinen Fragen wiedergegeben. (K: xxx) bedeutet Abschnitt xxx im Katechismus. Alle meine Aussagen kannst Du also auf deren Richtigkeit überprüfen.

Ohne Einzug findest Du meine Fragen, die als Autor stelle. Sie richten sich entweder an den Professor, meinen Verstand, der verstehen will, oder an mein Gewissen. Manchmal jedoch geben mein Professor oder mein Gewissen unaufgefordert Antworten.

Mit dieser Schrift, die Du jetzt gerade liest, gebe ich die katholische Lehre so wieder, wie ich sie verstanden habe.

Du wirst feststellen, dass die Zitate zum Teil sehr schwer verständlich sind. Wo ich dieser Meinung bin, habe ich in einfach verständlichen Worten das wiedergegeben, was ich verstanden habe. Es handelt sich um meine Interpretation dessen, was der katholische Katechismus lehrt.

Dieselbe Schrift verwende ich auch für alle Gespräche zwischen den drei Gesprächspartnern, nämlich zwischen mir, dem Autor, meinem Verstand, dem Professor und meinem Gewissen.

Ich grüsse Dich von Herzen zu Herzen.

Dein John

Gespräch meines Verstandes mit meinem Gewissen

Liebe Leserin, lieber Leser, in meinem Buch sprechen drei Personen miteinander, wie Du weißt. Mein Gewissen wohnt in meinem Herzen, ist aber mit diesem nicht identisch. Der ‚Herr Professor‘, mit dem ich befreundet bin und ihn duze, widerspiegelt meine Gedanken, also meinen Verstand. Von meinem Gewissen fühlt mein Verstand sich in seiner Autorität bedroht. Darum will er von meinem Gewissen als Herr Professor angesprochen werden. So fühlt er sich in seiner Autorität und seinem Wissen respektiert. Mein Gewissen akzeptiert dies. Die dritte Gesprächsperson schliesslich bin ich, John, der Autor dieses Buches.

Mein Verstand besteht aus vielen Ebenen. Denn ich habe auf vielen Ebenen gelernt und trainiert zu denken. Der Herr Professor, mein Verstand versucht, die katholische Lehre zu verstehen. Er will seinen Freund, mich, den Autor, davor schützen, sich bei den Leserinnen und Lesern lächerlich zu machen. Mein Gewissen verfügt über ein Wissen, welches nicht aus meinem begrenzten Verstand geboren ist, sondern anderen Quellen entspringt. Wo diese Quellen rein und ungetrübt fliessen, geben sie mir göttliche Antworten auf meine Fragen. Wo sie durch meinen Verstand und meine Lebenserfahrungen verunreinigt oder beeinflusst worden sind, geben sie durch meinen Verstand und meine Lebenserfahrung getrübte oder beeinflusste Antworten. Ich selbst, der Autor, stelle meinem Gewissen sehr kritische Fragen zur katholischen Lehre. Dessen Antworten gebe ich so wieder, wie ich sie verstanden habe.

Das folgende Gespräch findet zwischen meinem Professor und meinem Gewissen statt. Der Professor ist davon überzeugt, dass er sehr viel weiß, auch über Gott und Christus. Mein Gewissen sagt mir, dem Autor, dass das Wissen des Professors, mag es noch so gross sein, sehr beschränkt ist im Vergleich zu dem, was es selbst weiß. Mein Gewissen hat Gott mir geschenkt. Damit hat es Zugang zu göttlichen Quellen. Einige Antworten meines Gewissens auf meine Fragen empfinde ich als göttlich inspirierte Wahrheiten. Bei einigen Antworten habe ich das Gefühl, dass der Herr Professor sie beeinflusst hat.

Der Professor eröffnet das Gespräch: „Sehr geehrtes Gewissen, warum will John Sie befragen? Ich kann ihm alle seine Fragen beantworten.“

„Mag sein, sehr geehrter Herr Professor“, antwortet das Gewissen, „doch John weiß, dass ich, sein Gewissen, sehr viel mehr weiß als sein Verstand, das heisst, als Sie, sehr geehrter Herr Professor.“

„Das ist doch Blödsinn“, meint der Professor verärgert, „Wissen muss hart erarbeitet werden. Ich habe noch nie gelesen oder gehört, dass das Gewissen hart arbeite.“

Dazu erwidert das Gewissen: „Das Gewissen muss nicht hart arbeiten, um Wissen zu bilden. Das Gewissen ist mit Gott verbunden. Es weiß darum sehr viel mehr als alle Professoren der Welt. Es muss nichts lernen, weil es eine Verbindung zu Gott hat und damit zu Seinem Wissen. Doch der Verstand glaubt das nicht. Er meint, er sei die Quelle des Wissens. Er verhindert mit Erfolg, dass Menschen ihr Gewissen befragen. Und wenn sie es trotzdem tun, dann sät der Verstand grosse Zweifel. Er urteilt und beurteilt das, was das Gewissen antwortet, so gescheit wie Sie, sehr geehrter Herr Professor. Sie überlegen bei John, ob meine Stimme, diejenige seines Gewissens also, stimmt. Sie ziehen aus Ihren Überlegungen Schlussfolgerungen. Weil diese gescheit sind, beginnt unser Freund John noch mehr an meinen Antworten zu zweifeln. So lange, bis er Ihnen, seinem Verstand gehorcht.“

„Das ist doch gut so, oder nicht? John ist mit meinen Antworten immer sehr gut beraten gewesen. Niemand weiß, was aus John geworden wäre, hätte er nicht auf mich, seinen Professor, gehört“, meint der Professor etwas überheblich.

„Da haben Sie recht, niemand weiß es“, meint das Gewissen, „auch ich nicht. John hat das Gefühl, dass ein Mensch besser beraten ist, wenn er auf sein Gewissen hört. Und John trainiert seit Jahren, auf sein Gewissen zu hören. Leider verwirren Sie ihn immer wieder, sehr geehrter Herr Professor.“

Jetzt ist der Professor wütend geworden. Welch ein Vorwurf, denkt er sich. Ich habe John so gut beraten und das ist der Dank seines Gewissens für meine harte Arbeit. Wie undankbar doch sein Gewissen ist! Sehr erregt sagt der Professor zum Gewissen: „John ist mein allerbester Freund. Ich werde es nicht zulassen, dass er nur auf Sie, sein Gewissen, hört, Ihnen also blind folgt. Ich möchte nicht, dass er sich blamiert. Alles, was Sie ihm sagen, sehr verehrtes Gewissen, werde ich genauestens prüfen. Ich werde feststellen, ob es intelligent ist. Wenn Ihre Antworten, sehr verehrtes Gewissen, meiner umfassenden Prüfung nicht genügen, werde ich John mit aller mir zur Verfügung stehenden Macht davon abhalten, sie in diesem Buch wiederzugeben. Alles muss sehr wohl überdacht sein, wenn es der Leserschaft genügen soll. Wenn John nicht auf meine wohlüberlegten Ratschläge hört und unüberlegt Ihnen, seinem Gewissen, vertraut, dann läuft er Gefahr, sich lächerlich zu machen. Das möchte ich meinem Freund mit der Kraft meiner ganzen Intelligenz ersparen.“

„Ich weiß“, entgegnet das Gewissen dem Professor etwas besorgt. „Ich wünsche John von ganzem Herzen, dass er sich von Ihren Ratschlägen befreit, und dass er das schreibt, was ich ihm auf seine Fragen antworte. Auch dann, wenn Sie es als unsinnig bewerten und meinen, dass John sich damit gegenüber der Leserschaft lächerlich macht.“

Wer bist Du, Katechismus der katholischen Kirche?

„Alles Wissen geht aus einem Zweifel hervor

und endigt in einem Glauben.“

Marie von Ebner-Eschenbach

Liebe Leserin, lieber Leser, Du fragst Dich vielleicht, warum ich als Grundlage dieses Buches den ‚Katechismus der katholischen Kirche‘, auch als Weltkatechismus bezeichnet, und warum ich ,Die Gute Nachricht, Das Neue Testament in heutigem Deutsch’ verwende. Der hier verwendete Katechismus ist für alle örtlichen Katechismen in der Welt verbindliche Grundlage. Er wurde auf Wunsch von vielen Bischöfen und Priestern erarbeitet. Diese waren nach dem zweiten Vatikanischen Konzil verunsichert. Sie wünschten sich Klarheit darüber, was nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil noch immer gilt, was aufgehoben wurde und was neu zu beachten ist. Die ‚Gute Nachricht, Das Neue Testament in heutigem Deutsch’, welches mir in diesem Buch als Bezugspunkt dient, ist von der katholischen, der protestantischen und der lutheranischen Kirche in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich als gemeinsames Werk herausgegeben worden. Damit wollte ich vermeiden, mich auf spezifisch katholische Übersetzungen des Neuen Testamentes festzulegen.

Dieses Kapitel zeigt Dir, welchen Anspruch der katholische Katechismus gegenüber den Gläubigen erhebt. Dieses weltweit gültige Lehrbuch dient dazu, mir und Dir in der Beantwortung der Frage ‚Könnte Jesus Christus heute katholisch sein?’ Hinweise zu vermitteln. Vielleicht stellst Du Dir selbst die Frage: Möchte ich so katholisch sein, wie es der katholische Katechismus mir vorschreibt?

Die „Erneuerung des Denkens, des Handelns, der Sitten und der moralischen Kraft, der Freude und Hoffnung“ waren das Ziel des letzten Vatikanischen Konzils, welches Papst Johannes XXIII. einberufen hatte und welches am 11. Oktober 1962 eröffnet wurde (K: APOSTOLISCHE KONSTITUTION „FIDEI DEPOSITUM“, Seite 30).

Der Katechismus der katholischen Kirche – die Frucht einer intensiven Auseinandersetzung der katholischen Bischöfe in jüngster Zeit – „hatte die Absicht und den Wunsch, die apostolische und pastorale Sendung der Kirche zu erhellen, die Wahrheit des Evangeliums aufleuchten zu lassen und so alle Menschen zum Suchen und Aufnehmen der Liebe Christi, die alle Erkenntnis übersteigt, hinzuführen“ (K: APOSTOLISCHE KONSTITUTION „FIDEI DEPOSITUM“, Seite 29). „Ein Katechismus muss getreu und organisch die Lehre der Heiligen Schrift, der lebendigen Überlieferung in der Kirche und des authentischen Lehramtes, ebenso wie das geistliche Erbe der Väter, der heiligen Männer und Frauen der Kirche darstellen, um das christliche Geheimnis besser erkennen zu lassen und den Glauben des Volkes Gottes besser zu verlebendigen. Er muss die Entfaltung der Lehre berücksichtigen, die der Heilige Geist im Laufe der Zeit der Kirche eingegeben hat. Er soll auch eine Hilfe sein, mit dem Licht des Glaubens die neuen Situationen und Probleme zu beleuchten, die sich in der Vergangenheit noch nicht ergeben hatten“ (K: APOSTOLISCHE KONSTITUTION „FIDEI DEPOSITUM“, Seite 32).

Der katholische Katechismus lehrt nicht das, was Menschen, hier der Papst mit seinen Bischöfen, als christlichen Willen und Auftrag erkannt haben. Er lehrt das, was der Heilige Geist und damit Gott im Laufe der Zeit den Bischöfen ‚eingegeben’, also diktiert hat.

Im Jahre 1986 erteilte der damalige Papst Johannes Paul II. „einer Kommission von zwölf Kardinälen und Bischöfen unter Vorsitz von Herrn Kardinal Josef Ratzinger“ den Auftrag, „einen Entwurf für den von den Synodenvätern gewünschten Katechismus vorzubereiten. Ein Redaktionskomitee von sieben Diözesanbischöfen sowie Fachleuten für Theologie und Katechese hat die Kommission in ihrer Arbeit unterstützt“ (K: APOSTOLISCHE KONSTITUTION „FIDEI DEPOSITUM“, Seite 31). (Eine Diözese, auch Bistum genannt, ist in der Regel ein territorial abgegrenzter kirchlicher Verwaltungsbezirk. Siehe dazu Wikipedia)

„Dieser Katechismus wird ihnen (den Hirten der katholischen Kirche und den Gläubigen Anm. Verfasser) anvertraut, damit er als sicherer und authentischer Bezugstext für die Darlegung der katholischen Lehre und in besonderer Weise für die Ausarbeitung der örtlichen Katechismen dient. Er wird zugleich allen Gläubigen angeboten, die die Kenntnis der unerschöpflichen Reichtümer des Heiles vertiefen möchte“ (K: APOSTOLISCHE KONSTITUTION „FIDEI DEPOSITUM“, Seite 34).

Dieser Katechismus wurde am 25. Juni 1992 durch den damaligen Papst Johannes Paul II. genehmigt, und „am 11. Oktober 1992, dem dreissigsten Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzils“ zur Veröffentlichung freigegeben. Er „ist eine Darlegung des Glaubens der Kirche und der katholischen Lehre, wie sie von der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung und vom Lehramt der Kirche bezeugt oder erleuchtet wird.“ Die Veröffentlichung des Katechismus der katholischen Kirche stellt „einen Dienst dar, den der Nachfolger Petri der heiligen und katholischen Kirche und allen Einzelkirchen erweisen möchte, die in Frieden und Gemeinschaft mit dem apostolischen Stuhl in Rom stehen: den Dienst nämlich, alle Jünger des Herrn Jesus im Glauben zu stärken und zu bekräftigen, und die Bande der Einheit im gleichen apostolischen Glauben zu festigen“ (K: APOSTOLISCHE KONSTITUTION „FIDEI DEPOSITUM“, Seiten 33/34).

In einfachen Worten ausgedrückt heisst das: Der von mir verwendete Katechismus lehrt das, was Gott will, nicht das, was der Papst mit ‚Seinen’ Bischöfen will. Der Papst mit seinen Bischöfen ist durch Gott zum einzig wahren Glauben erleuchtet worden. Sie empfangen den Heiligen Geist so, wie die Apostel an Pfingsten Ihn empfingen. Der katholische Katechismus dient dazu, den Glauben in der heiligen katholischen Kirche zu festigen. Er dient aber auch dazu, alle nichtkatholischen Kirchen, die in Frieden mit der katholischen Kirche leben, zum einzig wahren Glauben ‚zu erleuchten’, zum Glauben nämlich, dass die einzig wahre Kirche die katholische ist. Wie ‚Seine’ Kirche mit all jenen Kirchen umgeht, die nicht in Frieden mit der heiligen katholischen Kirche leben, ist leider nicht erwähnt. Entweder hat der Heilige Geist dem Papst und seinen Bischöfen dazu nichts ‚eingegeben’ oder Er hat die Autoritäten der einzig wahren Kirche dazu aufgefordert, Seine Weisungen streng vertraulich zu behandeln, soweit sie feindliche Kirchen betreffen.

Der katholische Katechismus behandelt im ersten Teil das Glaubensbekenntnis, im zweiten Teil die Feier des christlichen Mysteriums, das heisst die Sakramente des Glaubens, im dritten Teil das Leben in Christus, in welchem die Berufung des Menschen und die Zehn Gebote erklärt werden, und im vierten Teil das christliche Gebet, in welchem das Gebet im christlichen Leben und das Gebet des Herrn, das ‚Vaterunser‘ behandelt werden. (vgl. Inhalt Seite 5-27 und K: 13 bis 17). Er ist vor allem für die Bischöfe als Lehrer des Glaubens und Hirten der Kirche bestimmt. „Er will aber auch eine nützliche Lektüre für alle anderen gläubigen Christen sein“ (K: 12).

Das apostolische Glaubensbekenntnis enthält die wesentlichen Glaubensinhalte der katholischen Lehre. Durch das Beten entsteht die Beziehung einer oder eines Gläubigen zu Gott.

„Das Gebet ist die Erhebung der Seele zu Gott oder eine an Gott gerichtete Bitte um die rechten Güter” (K: 2559). Die Demut ist die Grundlage des Betens, denn der Mensch ist vor Gott ein Bettler. „Das Herz betet. Ist dieses fern von Gott, ist das Gebet sinnentleert” (K: 2562). Im Gebet zeigt sich das unendliche Sehnen des Menschen nach Gott. Aber auch Gott sehnt sich nach dem Menschen. Der „lebendige und wahre Gott ruft unermüdlich jeden Menschen zur geheimnisvollen Begegnung mit ihm im Gebet” (K: 2567). „Das Horchen des Herzens, das sich für Gott entscheidet, gehört wesentlich zum Gebet” K: 2570).

Im Gebet preisen und loben wir Gott, danken Ihm, bitten Ihn, dass wir Seinen Willen in Liebe annehmen können. Wir öffnen unser Herz, damit wir Gottes Willen erkennen und tun können. Ähnlich heisst es im katholischen Katechismus an einer anderen Stelle: „Die Liebe ist die Quelle des Gebets; wer aus ihr schöpft, erreicht den Höhepunkt des Betens “ (K: 2658). In der Bibel bittet der Evangelist Lukas: „Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat” (Lk 11,1 in K: 2759).

Das Vaterunser, welches Christus Seine Jünger Selbst gelehrt hat, ist das christliche Grundgebet. Es ist gemäss des katholischen Katechismus die Zusammenfassung des ganzen Evangeliums (vgl. K: 2761).

„Das schönste Gebet ist jenes,

in welchem du nichts für dich selbst wünschst, sondern bittest,

die Liebe, Macht und Weisheit Gottes erkennen zu können.

Es ist die Sehnsucht der Seele, mit Gott vereint zu sein.

Wenn eine Seele so beten kann,

wird kein Geschehen auf Erden ihr etwas anhaben können.

Sie erfleht nicht, es möge sich dies oder jenes ereignen.

Niemals sucht sie die eigene Befriedigung

auf irgendeinem Gebiet.

Sie sucht nur noch die Vereinigung mit ihrem Schöpfer.

In diesem Sinne wird jedes Gebet erhört.“

White Eagle

„Liebes Gewissen, war der katholische Katechismus eine nützliche Lektüre für mich?“ fragt John.

„Lieber John“, meint das Gewissen, „zuerst möchte ich etwas klären: Es ist gut, wenn Du mich, Dein Gewissen oder Deinen Professor fragst. Es ist sehr gut, wenn Du klar unterscheiden willst, was Dein Verstand Dir auf Deine Fragen antwortet und was ich als Dein Gewissen Dir auf Deine Fragen antworte. Doch bedenke, Du bist viel mehr als Dein Gewissen und Dein Verstand zusammen. Darum, lieber John, bilde Dir immer eine eigene Meinung! Und nun zu Deiner Frage, ob der katholische Katechismus für Dich eine nützliche Lektüre war. Lieber John, und wie! Das intensive Studium des katholischen Katechismus hat Dich dazu beflügelt, den Kontakt zu mir zu vertiefen. Du hast erkannt, dass ich, Dein Gewissen, Dir die besten Antworten auf Deine Fragen gebe, wenn Du Dich durch Deinen Professor nicht verwirren lässt. Je mehr Du mich befragt hast, desto mehr Vertrauen in mich hast Du gewonnen. Der katholische Katechismus, der Verstand der katholischen Kirche, hat Dich enttäuscht. Auf viele Deiner brennenden Fragen fandest Du im katholischen Katechismus keine befriedigenden Antworten. Auch Dein Verstand hat Dir auf viele wichtige Fragen keine überzeugenden Antworten geben können. Du als John hast verstanden, wie wenig Du mit Deinem Verstand dennoch verstehst. Dies frustriert Deinen Professor sehr. Und Du hast Dich an mich gewendet. Glaubst Du, lieber John, dass Du das getan hättest, wenn der katholische Katechismus Dich nicht so sehr frustriert hätte? Und wenn Du nicht erkannt hättest, dass Dein Verstand begrenzt ist? Dein unermesslicher Wissensdrang suchte nach einer anderen Quelle des Wissens. Dein Verstand und der Verstand der katholischen Kirche befriedigten Deinen Wissensdrang nicht. In mir hast Du eine Wissensquelle gefunden, der Du im Laufe des Buches mehr und mehr Vertrauen schenktest. Meine Antworten stellten Dich zufrieden.“

„Danke, liebes Gewissen“, antwortet John.

Die Leitlinie der katholischen Lehre ist im katholischen Katechismus wie folgt umschrieben: „Die ganze Belehrung und Unterweisung muss auf die Liebe ausgerichtet sein, die kein Ende hat. Mag man also etwas vorlegen, was zu glauben, zu erhoffen oder zu tun ist – immer ist dabei vor allem die Liebe zu unserem Herrn zu empfehlen, damit jeder einsieht, dass alle Werke vollkommener christlicher Tugend einzig und allein in der Liebe entspringen und auf kein anderes Ziel gerichtet werden können als auf die Liebe” (K: 25).

Die Liebe zu Gott beruht auf der Angst vor Bestrafung, auf Schuldgefühlen gegenüber Gott und darauf, für vollbrachte Sünden in einem endlichen Leben unendlich auf ewig bestraft zu werden. Die Liebe zu Gott ist eine Gnade und wird nur Auserwählten zuteil. Die nicht von Gott dazu Auserwählten erfahren Seine Liebe nicht.

„Liebes Gewissen“, fragt John, „ist alles, was die katholische Kirche lehrt, auf die Liebe ausgerichtet, die kein Ende hat?“

„Lieber John“, antwortet das Gewissen, „ich danke Dir für Deine Frage. Die Autoritäten der katholischen Kirche bemühen sich mit der Lehre und den Sakramenten, die Gläubigen auf die unermessliche, göttliche Liebe auszurichten. In der Lehre benützen sie vor allem ihren Verstand, nicht ihr Herz. Mit dem Verstand kannst Du nicht lieben. Du kannst tausend Mal denken, beten und sagen: ‚Ich liebe Dich.’ Und viele tun dies. Doch nützt es nichts, wenn Du nicht mit Deinem Herzen liebst. Wenn Du mit Deinem Herzen liebst, sagst und denkst Du nichts. Du gibst Dich hin, mit all Deinen Sinnen. Der Geliebte spürt dies, ohne die Worte: ‚Ich liebe Dich’. Lieben und Denken sind nicht dasselbe. Wer wirklich liebt, lebt diese Liebe. Und jeder spürt es. So wie Christus es uns gezeigt hat. Wenn Du an die Liebe denkst, denkst Du auch an das Böse. Dein Denken orientiert sich immer auch am Gegenteil dessen, was es denkt. Denkt ‚Seine’ Kirche an Gott als die allumfassende Liebe, denkt sie sofort auch an den Teufel als das allgegenwärtige Böse. Mit Deinem Verstand, lieber John, kommst Du Gott nicht näher. Höre also auf Dein Herz, den Sitz von mir, Deinem Gewissen. So kommst Du Gott näher.“

„Lieber Professor, Du bist so still. Du sagst und kommentierst nicht, was mein Gewissen mir auf meine Fragen geantwortet hat“, sagt John zu seinem Verstand, dem Professor.

„Du weißt, lieber Freund“, gibt der Professor zur Antwort, „zunächst einmal lasse ich das Ganze auf mich wirken, dann beginne ich, es zu ordnen. Ich prüfe das, was Dein Gewissen gesagt hat und vergleiche es mit dem, was ich weiß. Gott kannst Du nicht mit meiner Hilfe erfassen. Das stimmt. Kein Mensch kann es. Mit meiner Hilfe, Deinem Verstand, kannst Du jedoch viele Eigenschaften Gottes beschreiben. Diese Beschreibungen helfen Dir, Dich auf Deinen Weg zu Gott zu begeben. Erst wenn Du fragst, kann Dein Gewissen Dir antworten, aber ohne mich, ohne Verstand gibt es keine Fragen, lieber John. Darum bin ich, Dein Verstand, sehr wichtig, damit Du Dich Gott annähern kannst. Was meinen Sie dazu, sehr geehrtes Gewissen?“

„Sehr geehrter Herr Professor“, antwortet das Gewissen, „viele Fragen ergeben sich aus unserem Denken. Das stimmt. Die wirklich wichtigen Fragen des Lebens jedoch stelle ich, das Gewissen, nicht Sie mit Ihrem Verstand, sehr geehrter Herr Professor. So auch die Frage des Buches von John ‚Könnte Jesus Christus heute katholisch sein?‘ In vielen Fällen stellen sich Menschen Fragen, auch gewöhnliche wie zum Beispiel ‚Soll ich meinen Freund anrufen?’ oder ‚Soll ich den Zug oder das Auto nehmen?’ Immer gebe ich spontan Antworten. Die meisten Menschen jedoch beginnen, zu überlegen, zu bewerten, Vor- und Nachteile abzuwägen und kommen dann zu einem anderen Schluss als meine Empfehlung. Häufig kann es passieren, dass diese Menschen später erkennen, dass sie auf mich hätten hören sollen. Sie sagen dann zum Beispiel: ‚Hätte ich nur auf mein Gefühl gehört!’ Du, lieber John, hast das schon einige Male erlebt. Nun zurück zur Frage von John: Ist alles, was die katholische Kirche lehrt, ‚auf die Liebe ausgerichtet, die kein Ende hat?‘ Die Liebe zu Gott und zu allem, was Er geschaffen hat oder an Bösem zulässt, ist der unübersehbare Wegweiser zu Ihm. Ich erinnere John immer wieder an diesen Wegweiser. Immer wieder stelle ich Fragen. Ich will damit John auffordern, Antworten auf seine Fragen zu suchen. Meistens sucht er mit seinem Verstand, mit Ihnen, sehr geehrter Herr Professor, nach Antworten. Sie geben ihm auch Antworten. Diese befriedigen ihn jedoch nicht, weil sie voller Widersprüche sind. So sucht und sucht John weiter nach den Antworten, die ihn zufriedenstellen, sei es im katholischen Katechismus, sei es in Gesprächen, sei es in Büchern oder in Zeitungsartikeln. Hat er Antworten bekommen, die ihn zufriedenstellen, fragt er nicht weiter. Die hervorragenden, hoch gebildeten und mit Verstand ausserordentlich reich beschenkten Päpste und Bischöfe geben auf wichtige Glaubensfragen Antworten, die mehr Fragen erzeugen, als dass sie solche beantworten.

Die Verfasser des katholischen Katechismus haben es sich zur Aufgabe gestellt, auf alle wichtigen Glaubensfragen ewig gültige Antworten zu finden. Solche einmal gefundene Antworten, festgehalten in den Konzilien, erleuchtet durch den Heiligen Geist, dürfen nicht mehr geändert, etwa den heutigen Erkenntnissen und Lebensgewohnheiten angepasst werden. Ein Musterbeispiel sind die Vorschriften in Bezug auf die Sexualität. Die vielen Konzilien, die päpstlichen Enzyklika, die vielen Schriften der Heiligen, aber auch die vielen Predigten beweisen sehr eindrücklich, wie der Mensch immer und immer wieder nach ewig gültigen Antworten sucht und nur sehr selten solche findet. Wer die ewig gültigen, richtigen Antworten kennt, schreibt keine Bücher, keine Enzyklika, stellt keine Fragen mehr. Er braucht keine Konzilien, keine Dogmen, keine Lehrbücher. Er lebt die Wahrheit, so wie Christus es tat.“

Der Felsen, auf welchem die katholische Kirche ihren Glauben aufbaut, wird durch das heilige katholische Lehramt und die Tradition ‚Seiner’ Kirche gelegt. Der Papst zusammen mit auserwählten Bischöfen bildet das Lehramt. Es bestimmt letztinstanzlich, was zu glauben und wie es umzusetzen ist, wer welche Kompetenzen hat und wie Verstösse gegen die Lehre zu bestrafen sind. Die Exkommunikation ist die härteste Strafe. Es bedeutet, einen Menschen von Gott zu trennen. Wer getrennt von Gott wird beziehungsweise sich selbst von Gott trennt, ist zur ewigen Hölle verdammt. Sünden bestraft Gott durch das Fegefeuer, wenn Er sie nicht beim Spenden des Sakramentes der Busse und Vergebung getilgt hat. Weltliche Strafen sind zum Beispiel das Verbot, weiterhin Sakramente zu spenden. Damit werden zu kritische Priester bestraft. Sie sind jedoch auf ewig von Gott zum Priester geweiht worden. Der Entzug der Lehrerlaubnis oder das Verbot, sich weiterhin kritisch zu äussern mit dem Befehl, zu schweigen, sind auch kirchliche Strafen für all zu kritische Priester und Bischöfe.

Das vom Heiligen Geist erleuchtete Lehramt weiß und lehrt, wie Gott oder Christus diejenigen belohnen wird, die den Deutungen und Richtlinien, festgehalten im katholischen Katechismus, gehorchen und diese befolgen, und wie diejenigen durch Ihn bestraft werden, die den Gehorsam verweigern. Wer also die Weisungen ‚Seiner‘ Kirche befolgt, wird von Gott belohnt, wer sie missachtet, wird von Ihm bestraft.

„Liebes Gewissen“, fragt John, „kann ein Mensch wissen, was für Gott gut und was für Ihn schlecht ist? Kann ein Mensch wissen, wie Gott gute Menschen belohnt und wie Er schlechte bestraft?“

„Lieber John“, antwortet das Gewissen, „kein Mensch weiß das. Hingegen wissen wir mit unserem Herzen, was für uns Menschen und die Natur gut ist und was schlecht. Dieses Wissen hat Gott uns allen mit der Erkenntnis mitgegeben, sozusagen in unsere Herzen eingemeisselt. Daran sollten wir uns halten. Wissenschaftliche Erkenntnisse zur harmlosen Umweltverschmutzung oder zu den gesundheitlich belanglosen Wirkungen des Elektrosmogs oder zu den Wirkungen von chemisch-physikalisch behandelten Nahrungsmitteln zeigen sehr eindrücklich, wie der menschliche Verstand das verdrängt, was ihm sein Herz durch sein Gewissen sagt. Denn das Herz sehr vieler Menschen weiß, wie bedrohlich die Umweltverschmutzung für unser gesundes Überleben ist, wie viel Schaden an unserer Gesundheit durch den Elektrosmog verursacht wird, und wie chemisch-physikalisch behandelte Lebensmittel ein unberechenbares Risiko für unsere Gesundheit sind. Mit unserem Herzen wissen wir sehr viel mehr als wir es uns zutrauen. Wir wissen, was für uns gut und was für uns schlecht ist. Mehr möchte ich dazu im Moment nicht sagen. Später beim Sündenfall werden wir das Thema ‚Gut und Böse’ vertieft behandeln. Sei also geduldig!“

„Liebes Gewissen“, meint John, „ich möchte schon jetzt mehr wissen. Geduldig zu sein fällt mir so schwer. Kannst Du mir helfen, geduldiger zu sein?“

„John“, erwidert das Gewissen, „Du weichst vom Thema des Buches ab. Im Sinne Deines Buches möchte ich Dir zum Thema ‚Geduld’ jedoch sagen: Warte geduldig auf meine Antworten zu Deinen brennenden Fragen. Du bekommst sie zur richtigen Zeit. Vertraue mir. Ungeduld schadet der Qualität Deines Buches. Wenn Du Deine Ungeduld nicht meisterst, dann sinke in Dich zurück. Bewundere aus Deinem tiefsten Inneren mit grösster Aufmerksamkeit alles, was Du siehst, hörst, riechst, schmeckst, ertastest und sonst spürst. Tue dies mit der kindlichen Neugierde. Bewerte es nicht, urteile und verurteile es nicht. Versuche nicht, das, was Du erlebst, zu verstehen, zu beschreiben. Vergleiche es nicht mit Dingen, die Du zu verstehen glaubst. Nimm es einfach so wahr, wie es ist, so, wie Gott es gemeint hat, nicht so, wie Du denkst, dass es sei, sein könnte oder sein müsste. Dies hilft Dir, ruhiger zu werden. Je ruhiger Du wirst, desto besser verstehst Du Gott mit allem, was Du bist.“

„Danke“, freut sich John, „ich werde an Dich denken und üben, wenn ich das nächste Mal unruhig und manchmal auch verzweifelt auf Deine Antworten zu meinen Fragen warte.“

Zur Tradition gehört es, dass die katholische Kirche seit Hunderten von Jahren in gleicher Art wirkt und wirken will. Erneuerungen in der Tradition, zum Beispiel die Änderung, den Gottesdienst nicht mehr in lateinischer Sprache zu vermitteln, sondern in der jeweiligen Landessprache, sind für ‚Seine’ Kirche gewaltige Veränderungen. Dass der Priester die Wandlung nicht mehr mit dem Rücken zur Kirchgemeinde vollzieht, sondern den Gläubigen zugewendet, gehört auch dazu. Diese Neugestaltungen der heiligen Messe waren möglich, weil der Katechismus der katholischen Kirche keine Formvorschriften enthält.

„Liebes Gewissen, ich bin davon überzeugt, dass die Traditionen und die Rituale für die katholische Kirche und die Gläubigen sehr viel wichtiger sind als die kühle, vor allem durch den Verstand bestimmte Glaubenslehre des katholischen Katechismus“, meint John.

„John“, ermahnt das Gewissen, „jetzt urteilst Du. Die katholische Kirche ist ein Ganzes aus Verstand, darauf beruhender Lehre, Intuition, Tradition, Glauben, Machtstreben, persönlicher Interpretation der Bischöfe und Priester und noch vieles mehr. Wenn Du die Kirche, zu der Du gehörst, besser verstehen willst, musst Du immer das Ganze im Auge behalten und – wie ich Dir schon gesagt habe – nimm es so wahr, wie es ist, nicht so, wie Du es Dir wünschst oder erträumst.“

„Danke, ich will mich bemühen, Deine Empfehlung zu befolgen. Bitte erinnere mich immer wieder daran, wenn ich es vergesse“, meint John.

„Mit grösstem Vergnügen“, antwortet das Gewissen.

„Liebes Gewissen“, meint John, „der Katechismus der katholischen Kirche ist also für alle Gläubigen die einzig wahre und verpflichtende Lehre in allen Glaubensfragen. Für mich ist der Katechismus der katholischen Kirche in keiner Weise verpflichtend. Einzig und allein das, was ich von Dir lerne, ist für mich entscheidend. Der katholische Katechismus fordert mich dazu heraus, Dich, mein Gewissen zu befragen. Das ist der grosse Verdienst dieses Werkes. Dafür bin ich Gott und der katholischen Kirche dankbar.“

„Lieber John“, antwortet das Gewissen, „der katholische Katechismus ist aus dem Verstand der katholischen Kirche geboren worden. Er ist wesentlich mitgeprägt durch den heutigen Papst. Unvorstellbar viel Gedankenarbeit ist geleistet worden. Dein Herz blieb beim Studium dessen, was der katholische Katechismus als verbindliche und damit gottgewollte Wahrheit lehrt, meistens unberührt. Dein Verstand begann zu rebellieren. Du fragtest Dich: ‚Warum hat die katholische Kirche immer noch so viel Erfolg? Warum gehen Abertausende von jungen und älteren Menschen an eine Veranstaltung, die der Papst persönlich leitet? Warum nehmen sie dafür teils enorm grosse Strapazen auf sich?’ An der Lehre, wie Du sie im katholischen Katechismus vorgefunden hast, liegt es nicht. In der gelebten Praxis der katholischen Kirche erleben viele Katholiken Geborgenheit, Zuneigung, Verständnis, Liebe und die Hoffnung, dass es besser wird. Die Sakramente wirken in dieser Art. Sie schaffen Vertrauen. Sie sind so geheimnisvoll, wie Gott es auch ist. Sie berühren die Herzen der Gläubigen, sie sprechen deren Gefühle an. Sie lassen den Gläubigen die Freiheit, sie so anzunehmen, wie sie diese empfinden und wie sie an diese glauben. Das sind die Hauptursachen des Erfolges der katholischen Kirche.“

„Danke, liebes Gewissen“, meint John, „zum Abschluss dieses Kapitels habe ich eine Frage an Dich: Was ist Deiner Meinung nach der Katechismus der katholischen Kirche, auf welchen ich mich hier beziehe?“

„Lieber John“, antwortet das Gewissen, „die Bischöfe ‚Seiner’ Kirche glauben, er sei das Werk Gottes. Er lehrt also unantastbare, ewige Wahrheiten. Der Katechismus der katholischen Kirche, der Dir in diesem Buch als Leitlinie dient, enthält demzufolge die für alle Katholiken verpflichtende Glaubenslehre, das, was ‚Seine’ Bischöfe als vom Heiligen Geist erleuchtete Wahrheit deuten. Christus leitet seit Seiner Auferstehung die Kirche in Gemeinschaft mit dem Papst und den Bischöfen. Das glauben der Papst und seine Bischöfe. Christus höchstpersönlich hat dem Papst und den dafür verantwortlichen Bischöfen den Inhalt des katholischen Katechismus diktiert. Mit ‚Seinen‘ Nachfolgern, den heutigen Bischöfen, ist Christus auch heute noch so im Gespräch wie damals mit den Aposteln, glaubten die verstorbenen Bischöfe und glauben deren Nachfolger, die heutigen Bischöfe immer noch. Gott ist unfehlbar. Was Er den Bischöfen lehrt, ist auch unfehlbar. Die Bischöfe kleiden ihr Wissen in Worte. Das Denken wird angesprochen, nicht das Fühlen. Mit dem richtigen Glauben und damit dem richtigen Denken soll das einzig wahre christliche Fühlen und Handeln gefördert und verbreitet werden. Das ist das Ziel des Katechismus der katholischen Kirche. Denken ist kalt, Fühlen erwärmt das Herz. Der Katechismus ist kalt, die Sakramente erwärmen die Herzen der Gläubigen. Dass der Katechismus der katholischen Kirche mit den vielen Enzyklika und Aussagen von Heiligen, die er berücksichtigt, ein Werk des Denkens ist, zeigt auch sein Umfang von über siebenhundert Seiten. In ihm zeigt sich sehr klar, wie wenig der Mensch mit seinem Denken Gott versteht. Gemäss Matthäus 10,25 sagte Christus: ‚Ich danke dir, Vater, Herr über Himmel und Erde, dass du den Unwissenden zeigst, was du den Klugen und Gelehrten verborgen hast.‘ Der katholische Katechismus ist ein Werk der ‚Klugen und Gelehrten’ der katholischen Kirche. Der Katechismus Christi, lieber John, braucht keine Erklärungen. Er versteht sich von selbst, denn er spricht jeden Menschen persönlich in seinem Herzen an. Wenn wir Gott darum bitten, dass Er uns vom Denken befreie, um als Unwissende Ihn zu erfahren, öffnen wir ungeahnte Türen zu Ihm. Deine Aufgabe, lieber John, ist es, das zu glauben und zu leben, was Dir Dein Herz sagt.“

Jesus Christus, wer ist Dein Vater?

„Gott erschuf Dich, damit Du ihn liebst,

nicht damit Du ihn verstehst.“

Voltaire

Wer bist Du Gott Vater, der Du uns erlöst hast, indem Du Deinen Sohn am Kreuz geopfert hast? Wer bist Du, Gott Vater, der Du uns so viel Leiden und Schmerzen ertragen lässt? Wo bleibt Deine Erlösung von all dem Bösen, auf die wir so dringend hoffen? Wer bist Du, der Menschen mit Gesundheit und Überfluss beschenkt und andere unermesslich leiden und am Hunger sterben lässt? Wo bist Du, Gott Mutter? Denn ohne Gott Mutter gibt es keinen Gott Vater.

Liebe Leserin, lieber Leser, dieses Kapitel ist eines der wichtigsten in diesem Buch. Was lehrt uns der katholische Katechismus über Gott? Ich fasse es kurz am Anfang dieses Kapitels zusammen: Gott wird als Schöpfer gedeutet, der aus dem Nichts erschafft. Er hat alles erschaffen, was ist, ausser dem Bösen, welches Er zulässt. Er ist Ziel und Ursprung von allem. Er ist Vater, Gott als Mutter gibt es nicht. Er ist Liebe, die so gross ist, dass Er dem Heil der Menschen zuliebe Seinen Sohn opfert. Er ist Wahrheit. Er ist allwissend und allmächtig. Er ist eifersüchtig, was zeigt, dass Er uns Menschen wirklich liebt. Er ist ein verzeihender Gott. Er rettet aus Liebe Israel immer wieder und Er vergibt Israel seine Untreue zu Ihm, nämlich die Sünden der Israeliten. Er ist Einer und als Gott ist Er auch Vater, Sohn und Heiliger Geist, zwar drei Personen, aber eine Wesenheit. Er ist unerbittlicher Richter. Er ist Leiter ‚Seiner’ Kirche, Er ist als Christus der Verlobte ‚Seiner‘ Kirche, der makellosen Braut. Er ist Retter von uns allen. Er ist das Ebenbild von uns Menschen als Frau und Mann. Er ist geschlechtslos, also weder Mann noch Frau. Des Weiteren lehrt der katholische Katechismus, dass wir Menschen Gott erkennen können, dass Er aber ein unaussprechliches Geheimnis ist. Und mit Christus hat uns Gott alles gesagt, was Er uns sagen wollte. Vieles davon ist bis heute noch nicht vollständig verstanden und muss in seiner Tragweite noch Schritt für Schritt erfasst werden. Ich habe wichtige Aussagen des katholischen Katechismus zu Gott ausgewählt. Sie zeigen, wie schwer es auch für die Autoritäten der katholischen Kirche ist, zusammen mit dem Heiligen Geist, Gott zu beschreiben und zu erfassen.

„Gott ist die Fülle des Seins und jeglicher Vollkommenheit, ohne Ursprung und ohne Ende“ (K: 213). Auch verkündet Er: Alles, was wir haben und sind, empfangen wir von Gott (vgl. K: 213). „Die Welt und der Mensch bezeugen, dass sie weder ihre erste Ursache noch ihr letztes Ziel in sich selbst haben, sondern dass sie am ursprungslosen und endlosen Sein schlechthin teilhaben. Auf diesen verschiedenen Wegen kann also der Mensch zur Erkenntnis gelangen, dass eine Wirklichkeit existiert, welche die Erstursache und das Endziel von allem ist, und diese Wirklichkeit wird von allen Gott genannt (K: 34).

Gott ist also die Ursache von allem, was ist. Und Er ist das Ziel von allem, was ist.

Zum Vater meint der katholische Katechismus: „VATER, das ist das ewige Leben, dass sie dich, den einzig wahren Gott, erkennen und Jesus Christus, den Du gesandt hast”. Gott, unser Retter, „will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen” (K: 74). „Es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen, als der Name JESUS“ (PROLOG des Katechismus, Seite 37).

„Liebes Gewissen“, ereifert sich John, „mein Verstand beginnt zu rebellieren. Warum sendet Gott Seinen Sohn als Richter auf die Welt, um Menschen auf ewig zu verdammen, statt alle zu retten, wie es hier steht? Der katholische Katechismus sagt dazu im Abschnitt 678: ‚Dann wird der sündige Unglaube, der die von Gott angebotene Gnade verschmäht hat, verurteilt werden‘. Und warum verurteilt Gott Adam und Eva, vertreibt sie aus dem Paradies und mit ihnen uns alle, weil sie, wie es ebenfalls der katholische Katechismus im Abschnitt 74 lehrt, ‚zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen wollten, wie Gott es will, und damit zur Erkenntnis, dass Gott alle Menschen erretten will?‘“

„Lieber John“, antwortet das Gewissen, „ich danke Dir für Deine Fragen. Dein Verstand rebelliert. Das verstehe ich. Es ist ein riesiger Widerspruch, wenn von einem Gott gesprochen wird, der alle Menschen erretten will, und gleichzeitig viele auf ewig verdammt. Oder Gott so aufgefasst wird, dass Er alle zur Erkenntnis der Wahrheit führen will, aber Adam und Eva und damit uns alle dafür bestraft, dass sie vom Baum der Erkenntnis assen. Niemand versteht, dass ein liebender Gott als Vater Seinen über alles geliebten Sohn, Jesus Christus, an das Kreuz nageln und am Kreuz sterben lässt, obwohl Er dies mit Seiner Allmacht hätte verhindern können. Wir sind hier auf der Ebene des Verstandes. Darum rebelliert ja auch Dein Verstand. Dein Herz ärgert sich. Auf der Ebene des Verstandes sind Widersprüche normal. Du wirst noch viele solche im katholischen Katechismus entdecken. Auf der Ebene des Verstandes ist Gott so, wie Ihn der Mensch denkt. Und damit voller Widersprüche. Auf der Ebene des Herzens regiert das Gefühl. Es entzieht sich dem Verstand. Es spürt Gott so, wie Er ist.

Wenn Du Gott kennen lernen willst, gehe in die Stille, öffne Dein Herz, befreie es von allem, was Du denkst, was Dich stört, was Deine Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Lass alles an Dir vorbeiziehen, ohne es festhalten zu wollen, ohne ihm Deine Aufmerksamkeit zu schenken. Je stiller Du wirst, je weniger Du Dich stören lässt, desto eher hörst Du die Stimme Gottes, desto mehr fliesst Du in das unendliche Meer Seiner Liebe. Ich wünsche Dir viel Erfolg.“

„Liebes Gewissen“, fragt John, „warum gibt es Menschen, die mit Gesundheit und mit Reichtum beschenkt sind, und andere, die krank oder todkrank sind, die leiden, die sich kaum ernähren können oder am Hunger sogar sterben?“

„Eine wichtige Frage“, meint das Gewissen, „jeder Mensch ist hier auf der Erde, um als Mensch zu lernen. Er lernt, mit dem umzugehen, was ihm bestimmt ist oder was er sich selbst bestimmt hat. Gewisse Menschen nämlich glauben, dass der Mensch vor seiner Geburt, beraten durch einen ‚Engel’, sich sein Schicksal selbst ausgewählt hat, um das zu lernen, was er noch nicht kennt. Wie dem auch sei, wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass es Gottes Wille ist. Wir wissen auch, dass wir denjenigen, die leiden und hungern, helfen sollen. Lieber John, ich habe keine Antwort, die Dich oder Deine Leserinnen und Leser befriedigt. Es ist und bleibt ein göttliches Geheimnis. Du als Mensch jedoch bist aufgefordert, im Rahmen Deiner Fähigkeiten zu helfen. Deine Hilfe an solche, welchen es weniger gut geht als Dir, beschenkt zuerst einmal Dich selbst. Dir wird geholfen werden, wenn Du Hilfe brauchst. Wo Du Liebe schenkst, erfährst Du Liebe. Wo Du Hass verbreitest, erlebst Du Hass. Wo Du ständig andere kritisierst, erlebst Du ständige Kritik an Dir. Hilfe in diesem Sinn ist sehr egoistisch, weil Du selbst mehr beschenkt wirst, als jene, welchen Du hilfst. Es gilt jedoch der Grundsatz, den andern zu helfen, sich selbst zu helfen. Wähle also Hilfsorganisationen aus, die bedürftigen Menschen helfen, sich selbst zu helfen. Wo Du einer Hilfsorganisation Geld spendest, die mit Gütern hilft, nicht mit Hilfe zur Selbsthilfe, erzeugt deren Hilfe eine Anspruchshaltung derjenigen, welche mit Hilfsgütern beschenkt worden sind. Sie wollen mehr und mehr, ohne dafür etwas leisten zu wollen. Und dadurch bleiben sie arm und hungern.“

„Das ist das Äußerste

menschlichen Gotterkennens,

zu wissen, daß wir Gott nicht wissen.“

Thomas von Aquin

Der katholische Katechismus lehrt, dass der Verstand des Menschen Gott erkennen kann, dass Gott aber ein unaussprechliches Geheimnis sei! „Die heilige Mutter Kirche hält fest und lehrt, dass Gott, der Ursprung und das Ziel aller Dinge, mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen gewiss erkannt werden kann. Ohne diese Befähigung wäre der Mensch nicht imstande, die Offenbarung Gottes aufzunehmen. Der Mensch besitzt diese Fähigkeit, weil er „nach dem Bilde Gottes“ erschaffen ist” (K: 36).

Hier lernen wir, dass die katholische Kirche die heilige Mutter aller Gläubigen ist. Mit Christus hat Maria die katholische Kirche ‚geboren’. Christus ist der Vater aller Christen. In anderen Worten ausgedrückt: Die katholische Kirche ist nicht nur die Verlobte Christi. Sie ist auch die heilige Mutter Maria aller Christen.

Weil der Mensch eine Ähnlichkeit mit Gott hat, kann er Gott erkennen. „Die Kirche vertritt die Überzeugung, dass die menschliche Vernunft Gott zu erkennen vermag. Damit bekundet sie ihre Zuversicht, dass es möglich ist, zu allen Menschen und mit allen Menschen von Gott zu sprechen” (K: 39). „Da unsere Gotterkenntnis begrenzt ist, ist es auch unser Sprechen von Gott. Wir können nur von den Geschöpfen her und gemäss unserer beschränkten menschlichen Erkenntnis- und Denkweise von Gott sprechen” (K: 40). Gott bleibt aber ein unaussprechliches Geheimnis. „Verstündest Du ihn, es wäre nicht Gott” K: 230). Sein „innerstes Wesen als heilige Dreifaltigkeit stellt ein Geheimnis dar, das der Vernunft nicht zugänglich ist.“ (K: 237)

Wo die Bischöfe ‚von Gott sprechen’, sprechen sie nicht gemäss ihrer beschränkten menschlichen Erkenntnis- und Denkweise. Gott Selbst spricht durch sie. Darum können Bischöfe sich nicht irren, wenn sie von oder über Gott sprechen! Denn Gott irrt Sich nicht!