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Examensarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Pädagogik - Pädagogische Psychologie, Note: 13, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Sprache: Deutsch, Abstract: Bis Mitte der 1960er Jahre war der schulische Unterricht von einem konkurrenzorientierten und individualistischem Lernen geprägt. Kooperative Arbeitsweisen waren recht unbekannt oder wurden gänzlich ignoriert (Johnson & Johnson, 2008:16). Durch den gesellschaftlichen Wandel gewannen auch Gruppenarbeiten an Anerkennung, sodass sie sich zu einem beliebten Element in den neueren Unterrichtsformen entwickeln konnten. Die Idee des gemeinsamen Lernens wurde unter der Bezeichnung „Kooperatives Lernen“ neu aufgegriffen und weiterentwickelt. Seinen Anfang fand das angloamerikanische Cooperative Learning durch die Gestalt- und Gruppentherapie. Man ging von der Annahme aus, dass die gegenseitige Abhängigkeit der Gruppenmitglieder entscheidend ist im Hinblick auf die Gruppendynamik und der jeweiligen Zielvorgabe. Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Themenfeld des kooperativen Lernens im Schulunterricht auseinander. Kapitel 2 beinhaltet die Fragestellung, wieso die Verwendung kooperativer Lernformen im Unterricht eine Notwendigkeit darstellt und legt dar, welche gesellschaftlichen Veränderungen den Bedarf an neuen Lehrformen steigern. Zu diesem Zweck wird in den folgenden Kapitel 3 und 4 auf die Fragestellung eingegangen, was allgemein unter dem Begriff „kooperatives Lernen“ zu verstehen ist. Darüber hinaus werden Grundgedanken und Prinzipien dieser Lernform aufgezeigt und näher beleuchtet. Entwicklungspsychologische Hintergründe, die bei der Betrachtung kooperativen Lernens von großer Bedeutung sind, werden in Kapitel 5 erläutert. Kapitel 6 umfasst die Zielsetzung dieser Lernform. Eine neue Unterrichtsform fordert auch Veränderungen im Klassenzimmer. Kap.7 geht daher auf die vier grundlegenden Veränderungen ein und definiert die neuen Rollen der Beteiligten. Kap.8 gibt einen Einblick in den Typus kooperativer Lernformen und seiner Variationen. In Kap.9 wird die Fragestellung beantwortet, wie ein Klassenzimmer mit solch einer Lernform in günstiger Weise zu leiten ist. Im Anschluss stelle ich in Kap.10+11 kooperative Lehr- und Lernformen vor, die, wie auch in Kap.12 beschrieben, auf den Fremdsprachenunterricht angewendet werden können. Große Unklarheiten im Rahmen des kooperativen Lernens lassen sich jedoch häufig in der Frage nach Bewertungsmöglichkeiten kooperativer Arbeit finden. In Kap.13 werden daher drei unterschiedliche Formen der Leistungsbewertung aufgegriffen und auf das kooperative Lernen übertragen.
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Veröffentlichungsjahr: 2009
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Der Einsatz kooperativen Lernens im
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1.1. Zur Entwicklung des Gegenstandes
Bis Mitte der 1960er Jahre war der schulische Unterricht von einem konkurrenzorientierten und individualistischem Lernen geprägt. Kooperative Arbeitsweisen waren recht unbekannt oder wurden gänzlich ignoriert (Johnson & Johnson, 2008:16). Durch den gesellschaftlichen Wandel gewannen auch Gruppenarbeiten an Anerkennung, sodass sie sich zu einem beliebten Element in den neueren Unterrichtsformen entwickeln konnten.
Die Idee des gemeinsamen Lernens wurde unter der Bezeichnung „Kooperatives Lernen“ neu aufgegriffen und weiterentwickelt. Seinen Anfang fand das angloamerikanischeCooperative Learningdurch die Gestalt- und Gruppentherapie. Man ging von der Annahme aus, dass die gegenseitige Abhängigkeit der Gruppenmitglieder entscheidend ist im Hinblick auf die Gruppendynamik und der jeweiligen Zielvorgabe. Im Jahre 1979 fand die ersteInternational Conference on Cooperation in Educationin Tel-Aviv statt. Dabei ist zu erwähnen, dass die Idee des kooperativen Lernens vor allem in Israel, Nordamerika und Kanada seine erstmalige Anwendung fand (Borsch, 2005:10). In heutiger Zeit hat das Kooperative Lernen jedoch sowohl an Schulen als auch an Hochschulen Anerkennung gefunden und findet sich mittlerweile auf der ganzen Welt wieder.
1.2. Zur Auswahl des Kooperativen Lernens als Thema der ArbeitDas Interesse und die Idee den Themenbereich des kooperativen Lernens zum Thema meiner wissenschaftliche Hausarbeit zu nehmen, entstand im Rahmen eines Seminars, das ich an der Hochschule belegte. Dr. Frank Borsch stellte in diesem Seminar das kooperative Lernen vor, erläuterte die theoretischen Grundlagen und diskutierte mit den Seminarteilnehmern empirische Ergebnisse. Ich erhielt die Möglichkeit, verschiedene
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kooperative Methoden selber auszuprobieren und auszuwerten. Da ich in meiner Schulzeit nicht die Möglichkeit hatte, kooperatives Lernen kennenzulernen, war mir diese Lernform völlig neu. Dennoch begeisterten mich die Inhalte des kooperativen Lernens, da sie meiner Meinung nach wertvolle Gedanken und Anregungen beinhalten, die interessante und produktive Lernsituationen für die Schülerschaft schaffen können.
1.3. Zum Aufbau der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Themenfeld des kooperativen Lernens im Schulunterricht auseinander. Kapitel 2 beinhaltet die Fragestellung, wieso die Verwendung kooperativer Lernformen im Unterricht eine Notwendigkeit darstellt und legt dar, welche gesellschaftlichen Veränderungen den Bedarf an neuen Lehrformen steigern. Zu diesem Zweck wird in den folgenden Kapitel 3 und 4 auf die Fragestellung eingegangen, was allgemein unter dem Begriff „kooperatives Lernen“ zu verstehen ist. Darüber hinaus werden Grundgedanken und Prinzipien dieser Lernform aufgezeigt und näher beleuchtet. Entwicklungspsychologische Hintergründe, die bei der Betrachtung kooperativen Lernens von großer Bedeutung sind, werden in Kapitel 5 erläutert. Kapitel 6 umfasst die Zielsetzung dieser Lernform. Eine neue Unterrichtsform fordert auch Veränderungen im Klassenzimmer. Sowohl die Schülerschaft als auch die Lehrkraft müssen eine neue Rolle einnehmen, um ein erfolgreiches kooperatives Lernen zu ermöglichen. Kapitel 7 geht daher auf die vier grundlegenden Veränderungen ein und definiert die neuen Rollen der Beteiligten. Kapitel 8 gibt einen Einblick in den Typus kooperativer Lernformen und seiner Variationen. In Kapitel 9 wird die Fragestellung beantwortet, wie ein Klassenzimmer mit solch einer Lernform in günstiger Weise zu leiten ist. Im Anschluss stelle ich in Kapitel 10 und 11 kooperative Lehr- und Lernformen vor, die, wie auch in Kapitel 12 beschrieben, auf den Fremdsprachenunterricht angewendet werden können. Große Unklarheiten
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im Rahmen des kooperativen Lernens lassen sich jedoch häufig in der Frage nach Bewertungsmöglichkeiten kooperativer Arbeit finden. In Kapitel 13 werden daher drei unterschiedliche Formen der Leistungsbewertung aufgegriffen und auf das kooperative Lernen übertragen.
Die vorliegende Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und einem Schlusskommentar ab.
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Zunächst lässt sich die Frage aufwerfen, warum ein Individuum in einer Gruppe lernen sollte. Dabei ist anzumerken, dass unsere Gesellschaft eine Entwicklung vollzogen hat, die immer neue Anforderungen an das Wissen und an die Bildung des Einzelnen stellt. Dies begründet sich darin, dass in den letzen Jahrzehnten gesellschaftliche, soziale und wirtschaftliche Veränderungen vonstatten gingen, welche im weiteren Verlauf dieser Arbeit erläutert werden (vgl. Weidner, 2008:18). Folglicherweise muss sich ebenso der Schulunterricht ständig an Veränderungen und den neuen Erwartungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen anpassen und sich neu organisieren. Zusätzlich zum Fachwissen, wird von der Institution Schule erwartet, Kompetenzen wie z.B. die Entwicklung von Lernstrategien zu vermitteln. Auch lernpsychologische Erkenntnisse weisen eine neue Herausforderung auf, denn die Erkenntnisse der Gehirnforschung und die der pädagogischen Psychologie lassen erkennen, dass Lernen nicht nur das Übernehmen von Informationen bedeutet, sondern vielmehr, dass der Lerner die erhaltenen Informationen individuell verarbeitet und aktiv in seine Wissensstrukturen integrieren kann (vgl. Brüning & Saum, 2007:11). Unser Gehirn empfängt also nicht nur Informationen, sondern verarbeitet diese auch. Ruhl, Hudges und Schloss (1987) erkannten, dass Schüler besser Informationen speichern, wenn sie die Möglichkeiten besitzen, zusätzlich auch mit anderen Schülern zu diskutieren und sich auszutauschen. (vgl. Kooperatives Lernen und Lernpsychologie-http://www.learnline.nrw.de/angebote/greenline/lernen/grund/cl_lernen.ht ml, rev. 06.02.2009). In jedem Fall besteht ein tiefgründiges Lernen nicht allein im Behalten von Informationen oder Zusammenhängen, denn auch, wenn die Gedächtnisfähigkeit eine wesentliche Rolle im Rahmen des Lernen besitzt, ist ein Großteil der Informationen nur im Kurzzeitgedächtnis verankert. Um zu behalten, was man uns beibringt, müssen wir es verarbeiten.
Lernen wird demnach verstärkt, wenn wir aktiv die empfangen Informationen verarbeiten, u.a. durch
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Ohne die Gelegenheit sprachlich zu kommunizieren, wird echtes Lernen nicht eintreten. Mit Bezug auf das Themenfeld „kooperatives Lernen“, lässt sich feststellen, dass Lernen durch die kooperative Zusammenarbeit der Schüler unterstützt wird. Grundidee ist hier der Gedanke, das Wissen nicht nur zu empfangen, sondern gemeinsam zu erarbeiten, zu diskutieren und besser einzuprägen.
•Veränderung familiärer Strukturen
Veränderungen im Bereich der Familienstruktur sind besonders prägend für die Begründung kooperativen Lernens. In Deutschland wird etwa jede dritte Ehe wieder geschieden. Dies hat zur Folge, dass die Kinder oft nur mit einem Elternteil oder in Stieffamilien aufwachsen müssen. Für die Kinder kann dies bedeuten, dass sie in komplizierten Verhältnissen aufwachsen. Die daraus entstehenden Probleme sind meist in Ballungsgebieten zu erkennen, in denen Kinder vermehrt aggressives und destruktives Verhalten sowie eine erhöhte Gewaltbereitschaft aufweisen (vgl. Weidner, 2008:18.). Des Weiteren deutet Weidner darauf hin, dass der Wandel familiärer Strukturen eine Veränderung der Erziehungsvorstellungen zur Folge hat (2008:19).
„Ein eher liberaler, partnerschaftlicher Erziehungsstil ist geprägt von Verständnis, weniger Strenge und Gewährung von mehr Freiheiten und geht einher mit dem Abbau einer einseitig dominanten Erwachsenenautorität“(ebd.)
Dieser freie Erziehungsstil kann sich in dem Verhalten der Kinder im Schulunterricht widerspiegeln, die ihre Lehrkraft nicht als
