Kreativ fotografieren mit Nikon D7100 - Markus Wäger - E-Book

Kreativ fotografieren mit Nikon D7100 E-Book

Markus Wäger

0,0

  • Herausgeber: dpunkt
  • Kategorie: Lebensstil
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2013
Beschreibung

Kreativ fotografieren mit Nikon D710' ist kein Kamerahandbuch im herkömmlichen Sinn, das versucht die Bedienungsanleitung zu ersetzen. Vielmehr geht es dem Autor darum dem Leser zu vermitteln, wie kreative Fotografie mit der Nikon D7100 in Praxis funktioniert. Das Buch skizziert dem ambitionierten Ein- und Aufsteiger auf anschauliche Weise wichtige fotografische Theorie und Grundlagen und überträgt dieses Wissen dann auf den Einsatz der D7100. Dadurch wird es zur Synthese aus Handbuch, Fotoschule und praktischem Nachschlagewerk.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 317

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Markus Wäger

[email protected]

Lektorat: Gerhard Rossbach

Copy-Editing: Alexander Reischert, Redaktion ALUAN

Layout und Satz: Markus Wäger, Dornbirn (A) Gesetzt in Calluna und Calluna Sans

Herstellung: Friederike Diefenbacher-Keita

Umschlaggestaltung: Anna Diechtierow

Druck und Bindung: M.P. Media-Print Informationstechnologie GmbH, 33100 Paderborn

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National-bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN: 978-3-86490-087-7

1. Auflage 2013

© 2013 dpunkt.verlag GmbH

Ringstraße 19b

69115 Heidelberg

Die vorliegende Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten.

Die Verwendung der Texte und Abbildungen, auch auszugsweise, ist ohne die schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und daher strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder Verwendung in elektronischen Systemen.

Alle Angaben und Programme in diesem Buch wurden von den Autoren mit größter Sorgfalt kontrolliert. Weder Autor noch Herausgeber noch Verlag können jedoch für Schäden haftbar gemacht werden, die in Zusammenhang mit der Verwendung dieses Buchs stehen.

In diesem Buch werden eingetragene Warenzeichen, Handelsnamen und Gebrauchsnamen verwendet. Auch wenn diese nicht als solche gekennzeichnet sind, gelten die entsprechenden Schutzbestimmungen.

5 4 3 2 1 0

Kreativ fotografieren mit Nikon D7100

Markus Wäger

Vorwort von Michael Omori Kirchner

Empfehlenswertes Standardwerk zur Nikon 7100

Vorwort des Autors

Das Buch, das ich mir selbst gewünscht hätte

D7100: Charakter und Vorbereitungen

Der Fotograf, der ich bin

Die D7100 hat kein Vollformat – und das ist gut so!

Die Stärken der D7100

Warum mehr Auflösung nicht unbedingt mehr bringt

ISO-Empfindlichkeit und Bildrauschen

Das F-Mount-Objektivbajonett

DX versus FX

Bessere AF-Messfeldabdeckung

Größere Objektivauswahl

Ist DX die bessere Wahl?

24-Megapixel-CMOS-Bildsensor

Eine Kamera ohne Tiefpassfilter

Die D7100 ist mehr als eine Amateurin

Speicherkarten

Mein wichtigstes Zubehör

Trageriemen

Meine Voreinstellungen

Sensor auf Flecken prüfen

Wiedergabeeinstellungen

Individualfunktionen

System-Einstellungen

Benutzerdefiniertes Menü

Dioptrieneinstellung

Auf Fehlfokus testen

Kreativ fotografieren

Perspektive: Mit Objektiven gestalten

DX-Objektive

FX-Objektive

Das kleine Objektiv-ABC

Grundlagen der Perspektive

Fluchtpunkte

Fliehende Linien und Fluchten

Frontal- und Diagonalansicht

Augenhöhe, Frosch- und Vogelperspektive

Brennweite

Was bedeutet Brennweite genau?

Brennweite, Distanz und Bildausschnitt

Perspektivische Wirkung von Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektiv

Bildsensor, Kleinbildformat und Formatfaktor

Kleinbildäquivalent

Formatfaktor

Brennweitenverlängerung

Bildfeld 1,3 ×

Passende Objektive zur D7100

DX- und FX-Objektive

Normalobjektive und Standardzooms

Normalobjektiv-Festbrennweiten

Standardzooms

Abbildungsmaßstab

Teleobjektive

Das Tele und seine Handicaps

Tele-Festbrennweiten

Telezooms

Telekonverter

Weitwinkel

Architekturfotografie

Weitwinkel-Festbrennweiten

Weitwinkelzooms

Fazit Objektive und Perspektive

Schärfe: Fokus und Schärfentiefe

Schärfentiefe

Brennweite und Schärfentiefe

Distanz und Schärfentiefe

Sensorformat und Schärfentiefe

Fokussierung

Autofokus-Messsystem

Autofokus (AF)

Autofokusmodus

AF-Messfeldsteuerung

Focus and Recompose

Bewegte Motive einfangen

Serienaufnahme

Auslöse- oder Schärfepriorität

AF-On

Manuell oder automatisch fokussieren

Fokusindikator

Scharfstellen in Live-View

Blende

Blende und Schärfentiefe

Belichtungssteuerung

Automatik und Automatik (Blitz aus)

Programm (P)

Zeitvorwahl (S)

Blendenvorwahl (A)

Manuell (M)

Offenblende

Einfrieren und Bewegungsunschärfe

Einfrieren

Bewegungsunschärfe

Mitziehen

Belichtung: Einstellen und korrigieren

Optimale Belichtung

Kehrwert der Brennweite

Belichtung auf mittlere Helligkeit

Zonensystem

Ziel der Belichtungsautomatik: Zone 5

Methoden der Belichtungsmessung

Meine bevorzugte Messmethode

Belichtungsprogramme und Szenen

Motivprogramme

Belichtungsprogramme und -messung

ISO-Empfindlichkeit

ISO-Automatik

Belichtung einstellen und auslösen

Histogramm und Belichtungskorrektur

Das Histogramm

Histogramm und Kontrastumfang

Unter- und Überbelichtung im Histogramm

Belichtungskorrektur

HDR – High Dynamic Range

Belichtungsreihen

HDR in der Kamera

Belichtungsmesswertspeicherung

Manuell belichten

Belichtungskorrektur im manuellen Modus

Belichtungskorrekturtaste im manuellen Modus

Weißabgleich

Warmes und kaltes Licht

Weißabgleicheinstellungen

Wie wichtig ist der Weißabgleich an der Kamera?

Blitzen mit System

i-TTL

Direktes Blitzen

Blitzleistung und Leitzahl

Verschluss und Verschlusszeit

Synchronzeit und FP-Kurzzeitsynchronisation

Speedlight-Systemblitz

Indirektes Blitzen

Mit Blitzen stimmungsvolle Aufnahmen einfangen

Aufhellblitz

Blitzmodus

Entfesseltes Blitzen

Komposition: Auto gibt’s hier nicht

Format

Goldener Schnitt oder Drittelregel?

Bildrahmen und Schnitt

Entwicklung: Digitale Dunkelkammer

Was ist RAW?

Bildentwicklung

Alles nur Manipulation?

JPEG versus RAW

Pro RAW: Größere Farbtiefe

Pro RAW: Größerer Kontrastumfang

Pro RAW: Weißabgleich am Computer

Kontra Raw: Dateigröße?

Kontra JPEG: Verlustbehaftete Komprimierung

Kontra RAW: RAW muss immer entwickelt werden

RAW oder JPEG?

Entwicklungseinstellungen in der D7100

Bildbearbeitung in der Kamera

Aufnahmeeinstellungen

Werkzeuge zur RAW-Entwicklung

Nikon ViewNX und Nikon Capture NX

Photoshop und Bridge

Adobe Photoshop Lightroom

Apple Aperture

Capture One Pro

DxO Optics Pro

Und was gibt’s sonst noch zu sagen?

Anhang: Danksagung

Anhang: Literaturhinweise

Anhang: Index

Vorwort von Michael Omori Kirchner

Empfehlenswertes Standardwerk zur Nikon 7100

Markus Wäger schreibt in seinem eigenen Vorwort: »Das Buch, das ich mir selber gewünscht hätte« Damit spricht er mir aus der Seele. Mittlerweile gehöre ich zwar als Fotograf, der seit etwa 10 Jahren mit digitalen Spiegelreflexkameras arbeitet, nicht mehr zur Zielgruppe, aber gerade in meiner Anfangszeit hätte ich mir ein solches Buch zu meiner DSLR gewünscht.

Die mitgelieferten Handbücher der Kameras gehen nur den ersten Schritt: Sie erklären zwar alle Kamera-Einstellungen, sind aber weder didaktisch gut aufgebaut noch macht es Spaß, sie zu lesen.

Genau hier setzt Markus Wäger an: Er verbindet die Erklärung der Nikon 7100 mit einem Grundlagenkurs Fotografie. Immer da, wo es sinnvoll ist, streut er seine Erläuterungen zu Fokussierung, Tiefenschärfe und Bildaufbau ein. Und er macht das als langjährig erfahrener Trainer in einer Art und Weise, dass sich auch beim erfahrenen Leser immer wieder ein Aha-Erlebnis einstellt.

Für den DSLR-Einsteiger, der vielleicht vorher mit einer Kompakt- oder Bridge-Kamera fotografiert hat, liefert dieses Buch das Grundlagen-Werkzeug, um bewusster zu fotografieren und die eigenen Bildideen kreativ umsetzen zu können. Und der erfahrene DSLR-Fotograf ist dankbar, dass er die wichtigen Grundlagenthemen noch einmal in Erinnerung gerufen bekommt.

Das Buch ist durchgängig farbig und mit sehr vielen gelungenen Beispielfotos und sinnvollen Grafiken versehen. Damit kann der Leser sofort die Erklärungen des Autor nachvollziehen und wird motiviert, selber die Kamera in die Hand zu nehmen und zu fotografieren, und genau das sollte ja Ziel jedes Lehrbuchs zur Fotografie sein

Mein Fazit zu diesem Buch: Markus Wäger hat ein uneingeschränkt empfehlenswertes Standardwerk zur Nikon 7100 geliefert. Aber das hätte ich ehrlich gesagt nach seinen bisherigen Büchern auch gar nicht anders erwartet.

Michael Omori Kirchner, Fotograf und Blogger, fotografr.de

Vorwort des Autors

Das Buch, das ich mir selbst gewünscht hätte

Als ich begann, mich intensiv mit Fotografie zu befassen, und mir eine erste (analoge) Spiegelreflexkamera kaufte, wollte ich natürlich wissen, wie man aus dem Apparat das Beste herausholt. Deshalb ließ ich mir beim Fotohändler gleich ein Buch zur Kamera mit einpacken und besorgte mir beim Buchhändler eine Fotoschule. Im Buch zur Kamera fand ich lediglich den Inhalt des Herstellerhandbuchs auf andere Art noch einmal beschrieben. Gewünscht hätte ich mir, dass es nicht nur erklärt, was ich einstellen kann, sondern auch wie ich es anwende.

Die Fotoschule erklärte mir mehr zu den Hintergründen: welche Arten von Kameras es gibt – von der Kompakten bis zum Großformat –, was Weitwinkel, Normalobjektiv und Teleobjektiv bedeutet, wie die Blende funktioniert und welche Auswirkungen sie hat und so weiter. Theoretisch wurde mir vieles klar. Aber auch das half mir nicht dabei, mit meiner Kamera in der Praxis bewusst gute Bilder gestalten zu können.

Da ich viel verstanden zu haben glaubte, die Resultate aber trotzdem weit unter meinen Erwartungen blieben, verging mir die Lust am kreativen Fotografieren wieder – meist waren Aufnahmen, die ich bewusst zu fotografieren versucht hatte, auch nicht besser als jene, bei denen ich nur draufgehalten und abgedrückt hatte.

Erst Jahre später brachten mich die Fragen der Seminarteilnehmer meiner Photoshop-Kurse zur intensiven Auseinandersetzung mit Fotografie zurück. Ich besuchte wieder den Buchhändler wegen Büchern zur – jetzt – digitalen Fotografie und sammelte Publikationen über Natur-, Porträt-, Landschafts- und Makrofotografie in meinem Bücherregal. Hier fand ich zwar viele Tipps für die Praxis und zahlreiche schöne Beispielbilder inklusive Angaben dazu, welchen Einstellungen sie aufgenommen worden waren. Doch da stets davon ausgegangen wurde, dass der Leser die Zusammenhänge zwischen theoretischen Grundlagen und technischen Funktionen seiner Kamera bereits verstanden hatte, fand ich es schwer zu verstehen, weshalb die Autoren so vorgingen und Einstellungen vornahmen, wie sie es beschrieben.

Über die Jahre hinweg habe ich dann die Zusammenhänge zwischen Theorie, Technik und Praxis teils mühsam recherchiert und erarbeitet, was mich am Ende dazu führte, neben Adobe-CS-Programmen und Grafikdesign auch Fotografie zu unterrichten. Da es mir aus persönlicher Erfahrung als Autodidakt wichtig war, diese Kurse so gestalten, dass sie eine möglichst leicht nachvollziehbare Brücke zwischen Theorie und Praxis bauen, begann ich an einem entsprechenden Konzept zu feilen. In dessen Mittelpunkt standen schon bald die Fragen: Wie funktioniert Fotografie? Geht man raus, definiert Brennweite und Blende und überlegt dann, was für ein Motiv man damit aufnehmen könnte? Oder geht es nicht vielmehr darum, ein Motiv vor Augen zu haben und zu entscheiden, mit welchen Werkzeugen und Funktionen man es am spannendsten inszeniert? Diese Fragestellungen waren die Initialzündung für ein Konzept, das ich »Vier Schritte zum Bild« genannt habe.

Ich wurde natürlich auch oft wegen Buchtipps gefragt. Allerdings war mir kein einzelnes Werk bekannt, das mir in der Lage schien, Autodidakten das komplexe Thema im Zusammenhang näherzubringen. Eine Seminarteilnehmerin fragte mich dann eines Tages, weshalb nicht ich das fehlende Buch schreibe. Also begann ich, an »Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt« als allgemeine Fotoschule zu arbeiten. Wünschenswert wäre für mich aber immer gewesen, so ein Buch nicht allgemein auf alle Kameras bezogen zu schreiben, sondern zugeschnitten auf ein bestimmtes Modell. Das wäre es gewesen, was ich mir als Anfänger in der großen Welt der Fotografie gewünscht hätte – ein Buch, das mir erklärt, wie ich mit meiner Kamera in der Praxis krativ fotografieren kann.

»Kreativ fotografieren mit Nikon D7100« ist nun das zweite Buch, das diesem Konzept folgt, und ich hoffe, es werden noch mehr. Ich persönlich finde ja, es sollte für jede Kamera so etwas geben (einmal abgesehen von Profi-Kameras, deren Anwender die Zusammenhänge ja verstanden haben sollten). Ich hoffe, dass das Buch auch Ihnen hilft, nicht nur die Knöpfe an Ihrer Kamera zu finden, sondern auch zu verstehen, was sie bewirken und wie Sie sie in der Praxis einsetzen können.

Wenn Sie Fragen zum Inhalt oder Verbesserungsvorschläge haben, zögern Sie nicht, mir eine Mail zu senden. Ich habe schon Nachrichten von Lesern erhalten, die schrieben, dass ihnen eines meiner Bücher geholfen habe und mir ein paar Aufnahmen im Anhang oder als Link zeigten – was mich auch immer sehr gefreut hat.

Markus Wäger, Mai 2013, [email protected]

D7100: Charakter und Vorbereitungen

Auch wenn es vielen Käufern der D7100 nicht bewusst sein dürfte: Diese Kamera ist nicht einfach ein evolutionärer Nachfolger der D7000, sondern eine richtige kleine Revolution. Warum ich das so sehe, werde ich im Laufe dieses Kapitels, in dem ich unter anderem den Charakter der D7100 skizzieren möchte, ausführen. Doch bevor ich den Charakter der Kamera beschreibe, will ich ein paar Worte über meinen Charakter verlieren – zumindest über meinen fotografischen Charakter.

Abb. 1: Der Autor unterwegs mit der D7100

Der Fotograf, der ich bin

Jeder Fotograf konzentriert sich auf bestimmte Themen, mit denen er sich bevorzugt befasst. Manche fotografieren vorzugsweise Street Photography, andere Landschaft und wieder andere Sport, Porträt, Akt, Makro oder Panorama. Street Photography setzt andere Anforderungen an Kamera und Ausrüstung als Landschaft, Sport oder Porträt. Verschiedene fotografische Genres erfordern unterschiedliche Arbeitsweisen und verlangen nach anderen technischen Features. Hinzu kommen rein subjektive Vorlieben, was Bedienung und Einstellung angeht. Nicht zuletzt führen oft auch unterschiedliche Wege an dasselbe Ziel.

Abb. 2: © Nikon GmbH 2013

Ich kann Ihnen die D7100 nur vor dem Hintergrund des Fotografen, der ich bin, vorstellen. Alle Beschreibungen in diesem Buch sind Resultat meiner subjektiven Vorlieben auf Basis meiner Erfahrungen, die ich mit den von mir bevorzugten Motiven sammelte. Ich bin sicher, dass mir viele Fotografen bei den meisten Beschreibungen zustimmen werden, doch in manchen Details werden einzelne anderer Meinung sein. Ein bisschen über mich als Fotografen Bescheid zu wissen, wird Ihnen möglicherweise das ein oder andere Mal helfen zu verstehen, weshalb ich in bestimmten Situationen so vorgehe, wie ich es beschreibe.

Mein bevorzugtes fotografisches Thema ist der Mensch, genauer gesagt das Porträt. Meine Modelle fotografiere ich in meinem kleinen Studio oder on Location. Ich bin niemand, der Aufnahmen großartig inszeniert. Zwar sehe ich mir gerne aufwändige Fashion-, Glamour- und Beauty-Aufahmen an und habe großen Respekt vor den Fotografen, die sie inszenieren. Aber mein Ding ist das nicht. Ich bevorzuge es unkompliziert, arbeite meist mit Laien-Modellen, die sich einfach aus Spaß vor meine Kamera stellen, und verzichte nach Möglichkeit darauf, die Terminplanung dadurch zu erschweren, dass ich neben dem Modell auch noch auf die Kalender von Stylisten, Visagisten und Assistenten Rücksicht nehmen muss. Das mag zum einen damit zu tun haben, dass ich ein doch eher fauler Mensch bin, liegt zum anderen aber auch daran, dass ich nicht unbedingt ein Team-Player bin, sondern am liebsten alleine arbeite – nicht nur in der Fotografie.

Außer Porträt- spielt bei mir die Reisefotografie eine Rolle. Urlaub bedeutet für mich immer auch mit der Kamera unterwegs zu sein. Man könnte auch sagen, ich porträtiere die Länder, durch die ich reise.

Der dritte Bereich, mit dem ich liebäugle, ist die Street Photography. Leider steht größerer Ambition in diesem Bereich entgegen, dass ich zu den eher scheuen Zeitgenossen zähle und es mir nicht leichtfällt, Leute auf der Straße spontan anzusprechen. Natürlich lässt sich Street Photography auch mit langen Brennweiten aus der Distanz betreiben, um dadurch von den Opfern unentdeckt zu bleiben und nicht mit ihnen in Kontakt treten zu müssen. Aber zum einen wirken Aufnahmen aus großer Distanz immer ein bisschen distanziert und zum anderen habe ich hier auch wieder Hemmungen, und zwar davor, den Leuten ihre intimen Momente zu stehlen.

Neben diesen Themen, die mir speziell am Herzen liegen, fotografiere ich von allem ein bisschen, und das teile ich wohl mit den meisten Hobby- und Amateurfotografen, auch wenn bei mir die Fotografie zum Lebensunterhalt beiträgt. Ich glaube, das prädestiniert mich auch dafür, ein Buch über eine Kamera für Hobby- und Amateurfotografen zu schreiben.

Als Grafikdesigner arbeitete ich mit Bildern erfahrener Profifotografen, lange bevor ich mich selbst intensiver mit Fotografie auseinandersetzte. Qualität und Professionalität von Aufnahmen beurteilen zu können, gehört für den Grafiker zum Berufsalltag. Als professioneller Bildbearbeiter gewann ich einen präzisen Blick für Abbildungs- und Wiedergabedetails, die dem Laien meist entgehen.

Wahrscheinlich liegt es an diesem Hintergrund, dass ich mit den Grenzen der Abbildungsqualität von Kompakt- und Einsteiger-Spiegelreflexkameras nicht ausreichend glücklich werde. Obwohl ich immer betone, dass nicht die Kamera das Bild macht, sondern der Fotograf, kann ich nicht leugnen, dass eine hochwertige Ausrüstung gut inszenierten Motiven eine Brillanz verleiht, die mit preiswerten Geräten nicht zu erreichen ist. Allerdings darf man nicht erwarten, dass eine teure Kamera automatisch zu beeindruckenderen Aufnahmen führt. Fotografie besteht in meinen Augen zu 45 % aus einem guten Motiv, zu 45 % aus gekonnter Umsetzung und zu 10 % aus technischer Exzellenz der Ausrüstung – so würde ich jedenfalls kalkulieren, wenn ich das Thema auf eine einfache Formel bringen wollte.

Ein Berufsfotograf kann auf kein Quäntchen fotografischer Brillanz verzichten, will er anspruchsvolle Kunden aus Industrie, Verlagswesen und Werbung bedienen. Fotografiert man jedoch aus reiner Leidenschaft und nicht um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, stellt sich die Frage, wie viel Investition in teure Ausrüstung für die Erfüllung eigener Ansprüche sinnvoll ist.

Mein Hintergrund als Bildbearbeiter hat meinen Anspruch an meine eigenen Fotos auf professionelles Niveau getrieben. Doch ich weiß, dass ich auch ohne Ausrüstung vom oberen Ende der Preisskala gute Bilder machen kann, auch wenn ich sehr genau sehe, wo ich dadurch die Brillanz der Top-Profis nicht erreiche. Aber wie gesagt: Wer Fotografie ausschließlich aus dem Blickwinkel technischer Qualität betrachtet, wird zwar viel investieren, aber nicht automatisch gute Fotos machen.

Abb. 3: Dieses Bild wurde mit einer Kompaktkamera aufgenommen. Die Detailschärfe ist bestenfalls ausreichend und der Hintergrund verrauscht. Dennoch wird es durch das witzige Motiv und die bewusst gewählte Perspektive zum Hingucker.

Die D7100 hat kein Vollformat – und das ist gut so!

Die D7100 ist die perfekte Kamera für alle, die nach Qualität streben, aber kein Vermögen investieren wollen. Dabei hat sie viele Eigenschaften, die sie auch zur ersten Wahl zahlreicher Profis werden lassen wird. Auch wenn manche zu glauben scheinen, dass Professionalität Vollformat bedeutet, ist diese Sichtweise doch zu einseitig. Tatsächlich haben kleinere Bildsensoren, wie der DX-Sensor der D7100, gegenüber ihren größeren Vollformatbrüdern Vorteile, über die noch zu sprechen sein wird.

Ich habe vor einigen Jahren begonnen, meine Ausstattung an Objektiven am Vollformat auszurichten. Allerdings lag das weniger daran, dass das Vollformat in meinen Augen die richtige Antwort auf alle Fragen darstellt, sondern schlicht an dem Umstand, dass ich damals den Auftrag bekam, ein Buch über die Nikon D700 zu schreiben, und die D700 ist eine Vollformatkamera. Es drängte sich mir dadurch auf, den Weg des Vollformats einzuschlagen. Hat man sich einmal für das Vollformat entschieden, ist es sinnvoll, dabei zu bleiben, denn die Objektive, die man als erfahrener Fotograf ja sehr bewusst ihrer Brennweite wegen auswählt, entwickeln am kleineren DX-Format ganz andere Abbildungseigenschaften. Zwar kann ich all meine Objektive an einer DX-Kamera wie der D7100 nutzen, aber bei vielen entspricht die Brennweite dann nicht mehr dem, was ich für meine Arbeit brauche und erwarte.

Da ich mich eben mit dem Vollformat verheiratet habe, wäre die D7100 höchstens als Zweitkamera eine Option für mich. Das könnte zum Beispiel sinnvoll sein, wenn die Naturfotografie zu meinen bevorzugten Themen gehören würde. Ein Objektiv, das an meinen Vollformatkameras 300 mm Brennweite aufweist, wird an der D7100 zum 450-mm-Objektiv – mit der neuen 1,3-fach-Bildfeldoption sogar zum 600-mm-Objektiv. Allerdings bin ich eben kein Naturfotograf.

Im vergangenen Herbst habe ich mich mit Nikons neuer Vollformatkamera, der D600, ausgestattet. Die D600 ist für meine Anforderungen im aktuellen Nikon-Line-up die erste Wahl. Aber eben nur, weil ich vor einigen Jahren auf den Vollformat-Zug aufgesprungen bin. Wäre dem nicht so, wäre die D7100 meine erste Wahl.

Die Stärken der D7100

Der Volksmund weiß: Viel hilft viel. Getreu dieser Binsenweisheit bewerten Laien die Qualität von Digitalkameras. »Wie viel Megapixel hat deine Kamera?« »24.« »Boa eh! Geiles Gerät.« Doch das ist zu kurz gedacht. Eine hohe Auflösung schafft nur dann einen Mehrwert, wenn exzellente Objektive eingesetzt werden, die Ingenieure der Kamera die hohe Pixeldichte auf dem Sensor nicht auf Kosten eines schlechten Rauschverhaltens erreichten und der Fotograf die Kamera der gehobenen Detailschärfe entsprechend einzusetzen weiß. Letzteres bedeutet kürzere Belichtungszeiten, öfter das Stativ aufstellen und weniger mit Offenblende fotografieren. Wird das nicht berücksichtigt, erzeugt die höhere Auflösung keine höherwertigen Bilder, sondern nur größere Dateien, die Computer sinnlos ausbremsen und Festplatten schnell vollstopfen.

Warum mehr Auflösung nicht unbedingt mehr bringt

Meine kleine Sony RX100 (Abb. 4) ist ein gelungener Beleg dafür, dass eine hohe Sensorauflösung völlig sinnlos ist, wenn das eingesetzte Objektiv der Auflösung nicht gerecht wird. Nehmen wir als Beispiel dieses Bild eines Vogelhäuschens vor der Kulisse des Vorarlberger Rheintals (Abb. 5). Abbildung 6 zeigt einen 100-%-Ausschnitt des 20-Megapixel-Originals. Für eine Kompaktkamera ist das Resultat durchaus beeindruckend.

Abb. 4: Sony Cybershot RX100

Abb. 5: Aufnahme der 20-Megapixel-Kompaktkamera RX100

Abb. 6: 100-%-Ausschnitt

Abb. 7: 100-%-Ausschnitt einer Kopie, die aus 10 Megapixeln hochgerechnet wurde

Abbildung 7 zeigt denselben Ausschnitt, mit dem dezenten Unterschied, dass ich ihn mit Photoshop erst auf 10 Megapixel hinunter- und dann wieder auf 20 Megapixel hinaufgerechnet habe. Das Resultat ist dasselbe, als wäre das Bild von vornherein mit 10 Megapixeln aufgenommen und dann mit Photoshop auf das Doppelte aufgeblasen worden. Sehen Sie einen Unterschied zwischen dem 20-Megapixel-Original in Abbildung 6 und der aus 10 Megapixeln hochgerechneten Kopie in Abbildung 7? Ich auch nicht! Dies belegt, dass eine hohe Auflösung gar nichts bringt, wenn nicht alle Komponenten auf sie abgestimmt sind.

Die RX100 ist eine tolle Kompaktkamera – in meinen Augen eine der besten Kompakten, die aktuell auf dem Markt sind. Aber mit einem kompakten Mehrfach-Zoomobjektiv in so einem kleinen Gehäuse darf man keine Wunder erwarten. Auch nicht wenn das Gerät in der Preisklasse von Einsteiger-Spiegelreflexkameras mitspielt.

Aber warum bauen die Kameraingenieure denn Kameras mit so hohen Auflösungen, wenn es am Ende außer größeren Dateien nichts bringt? Der Grund heißt: Marketing! Marketing ist die Kunst, den Kunden das zu geben, was sie haben wollen und wofür sie bereit sind Geld auszugeben. Da der Kunde in der Regel davon ausgeht, dass sich die Qualität einer Kamera in Megapixeln messen lässt, verkaufen sich Kameras mit sinnlos hohen Auflösungen gut und sinnvoll ausgestattete Modelle dürfen Staub in den Verkaufsregalen sammeln – um es etwas überspitzt zu formulieren.

Die D7100 hat mit 24 Megapixeln (MP) auch eine hohe Auflösung. Im Gegensatz zu einer Kompaktkamera ist sie aber in der Lage, diese Auflösung sinnvoll zu nutzen. Als Nikon die D600 ankündigte, war ich zunächst skeptisch ob der hohen Auflösung von 24 Megapixeln. Ich hatte davor mit der D700 fotografiert und mit deren 12 Megapixeln mein Auslangen gefunden. Die D7100 zwängt ihre 24 Megapixel auch noch auf einen kleineren Sensor, was sich eigentlich negativ auf die Anfälligkeit für sogenanntes Bildrauschen auswirken sollte.

ISO-Empfindlichkeit und Bildrauschen

Fotografie braucht ein lichtempfindliches Aufnahmemedium. In der analogen Fotografie ist das chemischer Film. Standard-Fotofilme sind für die Lichtintensität während des Tages ausgelegt. Für Aufnahmen bei schwächeren Lichtverhältnissen muss ein empfindlicherer Film eingesetzt werden. Die Lichtempfindlichkeit wird heute meist als ISO-Wert angegeben. Standardfilme für Tageslicht haben in der Regel eine Empfindlichkeit von ISO 100. Analoge Filme von ISO 800 und mehr bezeichnet man als hoch lichtempfindlich. Deren grobe Körnung verleiht zwar manchen Motiven einen charmanten Charakter (Abb. 8), für viele Anwendungen ist diese jedoch unerwünscht.

Abb. 8: Analogaufnahme mit Agfachrome-1000-RS-Diafilm mit deutlich sichtbarem Filmkorn; © Dietmar Walser

Digitale Fotoapparate machen es möglich, die Empfindlichkeit per Knopfdruck zu ändern. Dabei sind Werte erreichbar, von der bei analoger Fotografie nicht zu träumen ist – bei der D7100 ist das ISO 100 bis ISO 6400 (erweiterbar auf ISO 25 600). Bislang führte ein Anheben der ISO-Empfindlichkeit allerdings zu verstärktem Bildrauschen. Abbildung 9 zeigt eine Aufnahme einer Spiegelreflexkamera bei ISO 2000, Abbildung 10 einen Ausschnitt, der Bildrauschen erkennen lässt. Dieses besteht hier aus helleren und dunkleren Punkten, dem Korn des analogen Films nicht unähnlich. Diese Form des Rauschens nennt man Helligkeitsrauschen. Abbildung 11 zeigt eine Aufnahme einer Kompaktkamera bei ISO 800, Abbildung 12 einen vergrößerten Ausschnitt. Auch hier ist Rauschen zu erkennen, allerdings in diesem Fall auch in Form farbiger Punkte – man spricht deshalb von Farbrauschen. Farbrauschen ist bedeutend unangenehmer als Helligkeitsrauschen.

Abb. 9: Aufnahme mit DSLR bei ISO 2000

Abb. 10: Dieser 300-%-Ausschnitt von Abb. 9 zeigt das nicht so böse Helligkeits- oder Luminanzrauschen der Aufnahme

Abb. 11: Aufnahme mit Kompaktkamera bei ISO 800

Abb. 12: In 300-%-Ansicht sieht man, dass das Bild das gefürchtete Farbrauschen enthält

Was uns diese Beispiele zeigen, ist, dass eine Aufnahme einer Kompaktkamera bereits bei deutlich geringerer ISO-Empfindlichkeit zu viel unangenehmerem Rauschen führt als bei einer Spiegelreflex. Allerdings hat es nichts mit Spiegel oder kompakt zu tun. Die Ursache findet sich darin, dass in kompakten Kameras so gut wie immer viel kleinere Bildsensoren verbaut werden. Möchte man auch auf kleinen Sensoren große Auflösungen unterbringen, müssen die lichtempfindlichen Sensorzellen dichter zusammengedrängt werden. Je dichter das Gedränge auf dem Sensor, desto mehr Rauschen entsteht.

Bislang war das ein Problem. Allerdings macht die technische Entwicklung riesige Schritte. Setzte die Nikon D700 mit 12 Megapixeln vor vier Jahren in ihrer Preisklasse noch Maßstäbe, sieht diese heute neben aktuellen Vollformatmodellen, wie der D600 mit 24 Megapixeln und der D800 mit 36 Megapixeln, sprichwörtlich alt aus. Und auch die D7100 gibt sich in dieser Hinsicht keine Blöße.

Das F-Mount-Objektivbajonett

Will man die Sache mit den Sensorgrößen verstehen, fängt man am besten beim Objektivanschluss an, also bei dem System aus elektronischen Kontakten und Gewinde, über das Sie ein Objektiv an einer Kamera befestigen. Diesen Anschluss bezeichnet man als Objektivbajonett. Das Bajonettsystem muss klaren Normen folgen, sollen Kameras und Objektive beliebig miteinander kombinierbar sein. Allerdings verfolgt hier jeder Kamerahersteller seine eigene Norm. Bei Nikon-Spiegelreflexkameras heißt dieses Anschlusssystem »F-Bajonett« beziehungsweise »F-Mount«. Eingeführt wurde das F-Bajonett 1959 mit der Nikon F (Abb. 13). Nikon hat das F-Bajonett seither immer weiterentwickelt, dabei aber stets rückwärtskompatibel gehalten, sodass an der D7100, mit wenigen Ausnahmen, noch alle Nikkore seit 1959 angesetzt werden können (»Nikkor« ist der Markenname für Nikon-Objektive).

Abb. 13: Nikon F; © Nikon GmbH 2012

Abb. 14: Einheit mit F-Mount-Bajonettanschluss der D7100:; © Nikon GmbH 2012

Nikon bietet drei verschiedene Produktlinien an Kamerasystemen mit Wechselobjektiven und unterschiedlich großen Bildsensoren: FX-Kameras, DX-Kameras und das Nikon-1-System.

CX-Kameras • Neben den Spiegelreflexkameras mit F-Mount gibt es seit einiger Zeit die Nikon-1-Serie im Segment der sogenannten Systemkameras, auch bekannt als EVIL (»Electronic Viewfinder Interchangeable Lens« 1) oder als MSC (»Mirrorless System Camera« 2). Das Sensorformat der Nikon 1 beträgt 13,2 × 8,8 mm – Nikon nennt es »CX-Format«. Das Bajonettsystem der 1-Serie nennt Nikon 1-Bajonett. Objektive für DX- und FX-Kameras, beide mit F-Mount-Bajonettsystem, können über einen Adapter (Abb. 3) an eine Nikon 1 angeschlossen werden. Umgekehrt hingegen ist es nicht sinnvoll, denn die Nikon-1-Objektive sind für DX- und FX-Kameras und deren größere Bildsensoren zu klein. Die Objektive der Nikon-1-Serie sind für uns also uninteressant.

Abb. 15: Nikon V2 mit Bajonettadapter FT1 für DX- und FX-Nikkore; © Nikon GmbH 2012

FX-Kameras • FX-Kameras haben einen Bildsensor im Kleinbildformat von 36 × 24 mm. Kleinbild wird mit »KB« abgekürzt, oft bezeichnet man es als »Vollformat« und gelegentlich hört man auch die analoge Bezeichnung »35-mm-Format«, wobei sich 35 mm auf die Breite (Abb. 16) der Filmrolle (Abb. 17) bezieht, mit der die 36 × 24 mm großen Fotos aufgenommen werden.

Abb. 16: Maße des Kleinbildfilms

Abb. 17: Analoger Kleinbild-Negativfilm; © remik44992 – fotolia.com

DX-Kameras • Die analoge Fotografie wurde in den letzten Jahrzehnten vor der Digitalfotografie klar vom Kleinbildformat dominiert. Als das Interesse an digitalen Fotoapparaten zunahm, stand man vor dem Problem, dass größere Bildsensoren ausgesprochene Preistreiber sind (das ist heute noch so). Deshalb beherbergten DSLRs (»digital single-lens reflex camera«, also »digitale Spiegelreflexkamera«) zunächst ausschließlich kleinere Sensoren als das Format des analogen Kleinbildfilms. Bei Nikon beträgt dieses kleinere Format ca. 24 × 16 mm und wird DX genannt. Die allgemeine Bezeichnung für Bildsensoren in dieser Größe lautet außerhalb der Nikon-Markenwelt APS-C.

Die Abkürzung APS-C stammt aus dem »Advanced Photo System«, ein analoges Filmformat, das Mitte der 1990er Jahre als Alternative zum Kleinbild lanciert wurde. APS ermöglichte es, unter drei verschiedenen Unterformaten für eine Aufnahme zu wählen: APS-H, APS-C und APS-P. Das Kürzel APS-C wurde später für die Bezeichnung mittelgroßer Bildsensoren übernommen, sowohl für das 24-×-16-mm-Format – das eben bei Nikon DX heißt und auch von Sony, Samsung und Pentax verwendet wird – als auch für das 22,3-×-14,9-mm-Format, das Canon nutzt.

Abb. 18: Sensorformate: Kleinbild (FX) (A), APS-C (DX) (B), Nikon CX (C), Nikon P7700 (D), Apple iPhone 4S (E)

Landläufig gilt die Meinung, dass Profi-Kameras einen Vollformatsensor (Abb. 18-A) enthalten müssen, während die kleineren Bildwandler eher den Consumer-Kameras vorbehalten sind. Bei Nikon ist das eben das DX-Format (Abb. 18-B; Abb. 19 zeigt den Sensor der D7100, Abb. 20 jenen der D600). Tatsächlich aber hat Nikon die im Profi-Segment positionierte D300s mit DX-Sensor im Programm und wer mit Pentax oder Olympus fotografiert, muss generell auf Vollformat verzichten. Das heißt aber nicht, dass Modelle von Pentax und Olympus unter Profis keine Freunde fänden. Ich habe mich zum Beispiel selbst unlängst ganz bewusst mit einer Olympus OM-D als Zweitkamera, neben meiner D600, ausgestattet. Nicht nur deshalb, weil dieses Modell wegen des kleinen Sensors und des Verzichts auf einen Spiegel sehr kompakte Baumaße aufweist, sondern gerade auch weil der kleinere Sensor eben ganz andere Abbildungseigenschaften hat als der Vollformatsensor der D600.

Abb. 19: DX-Sensor der Nikon D7100; © Nikon GmbH 2013

Abb. 20: Vollformatsensor der Nikon D600; © Nikon GmbH 2012

DX versus FX

Ich habe oft den Eindruck, dass viele Fotografen glauben, alles unter Vollformat wäre nur zweite Klasse. Kaum einer, der nicht von einer Kamera mit dem größeren Sensor träumt. Es wäre interessant zu erfahren, wie viele dieser Träumer auf die Frage, was denn eine Vollformatkamera besser kann als eine DX, eine konkretere Antwort wissen als »bessere Fotos machen«. Aber ist das tatsächlich richtig? Macht eine Vollformatkamera tatsächlich von Natur aus bessere Bilder als eine Kamera mit einem kleineren Bildsensor? Die Antwort lautet »nein«. Eine DX-Kamera bietet gegenüber einer FX sogar einige Vorteile. Da wäre einmal der Umstand, dass Nikon bei den top positionierten DX-Modellen oft dieselben Autofokusmesssysteme verbaut wie in professionellen FX-Vollformatmodellen.

Bessere AF-Messfeldabdeckung

Abbildung 21 zeigt den Sucher des professionellen Vollformatmodells D4. Da es kosteneffizient ist, Bauteile nicht nur in einem Modell zu verbauen, wurde dieses System ursprünglich kompatibel zur ebenfalls professionell positionierten, aber mit einem DX-Sensor ausgestatteten D300 entwickelt. Deshalb muss das System auch im Bildfeld der D300 Platz finden. Das führt aber dazu, dass beim Vollformat nicht der ganze Bildbereich mit AF-Messfeldern abgedeckt wird, was in Abbildung 21 deutlich zu sehen ist. Die D7100 profitiert von dieser Gleichteilepolitik. Ihr AF-Messsystem (Abb. 22) deckt das Bildfeld besser ab.

Abb. 21: AF-Messsystem im Sucher der D4

Abb. 22: AF-Messsystem im Sucher der D7100

Abb. 23: FX-Bildfeld und DX-Bildfeld im Bildkreis des Nikon-F-Bajonetts

Größere Objektivauswahl

Ebenfalls ein Vorzug ist, dass man mit einer DX-Kamera sowohl die eher preiswerten DX- als auch die meist höherwertigen FX-Objektive einsetzen kann. Umgekehrt kann man DX-Objektive an FX-Kameras hingegen nur eingeschränkt nutzen. Der Grund: Das F-Bajonettsystem wurde für das Kleinbildformat von 36 × 24 mm (Abb. 23-A) entwickelt. Dafür ist ein Bildkreis von 43,27 mm (Abb. 23-C) erforderlich. In den Randbereichen des Bildkreises kommt es oft zu Abschattung (Vignettierung) und die Detailschärfe nimmt zum Rand hin meist ab. Objektive zu bauen, die im gesamten Bildkreis gleichmäßig scharf und ohne Abschattung abbilden, ist teurer. So kostet zum Beispiel das AF-S 24–120 mm f4 (Abb. 25) beinahe das Doppelte des AF-S DX 16–85 mm f3,5–5,6 (Abb. 24), obwohl beide umgerechnet auf Kleinbild etwa denselben Zoombereich abdecken.

Abb. 24: AF-S DX 16–85 mm 1:3,5–5,6 G ED VR; © Nikon GmbH 2013

Abb. 25: AF-S 24–120 mm 1:4 G ED VR; © Nikon GmbH 2013

DX-Objektive nutzen zwar denselben Bildkreis (Abb. 23-C), schneiden sich allerdings nur einen kleineren Bereich im Format von 24 × 16 mm (Abb. 23-B) heraus – das Sahnestück sozusagen. Die Konstruktion darf bei ihnen deshalb problemlos so ausfallen, dass in den Randbereichen Abschattungen und Unschärfen entstehen, da diese sowieso nicht auf die Aufnahme kommen. Deshalb sind solche Objektive in der Regel kompakter und preiswerter. Selbstverständlich ist der Umstand, dass ein FX-Sensor immer nur das Sahnestück aus dem Bildkreis nutzt, auch bei hochwertigsten FX-Objektiven ein Vorteil.

Als Besitzer einer Nikon DX-Kamera sind Sie also mehrfach im Vorteil. Sie haben die größere Auswahl an Objektiven, weil Sie sowohl Nikon-DX- als auch FX-Objektive sinnvoll nutzen können. Die Auswahl wird noch größer, wenn Sie das Angebot von Drittherstellern wie Sigma, Tamron, oder Tokina hinzurechnen. Diese haben in der Regel sogar ein deutlich größeres Angebot an DX-kompatiblen Objektiven als an solchen, die für FX optimiert sind.

Der geringere Preis von DX-Objektiven bedeutet zwar oft, dass etwas weniger professionelle Materialien eingesetzt werden, aber meist nicht, dass man bei der Abbildungsqualität große Abstriche machen muss. Sogar der Einsatz von weniger Metall und mehr Plastik hat seinen Vorteil: Die Objektive sind leichter. Und wie gesagt: Als Besitzer einer DX können Sie FX-Objektive nutzen, wenn Sie bei der Qualität keine Kompromisse eingehen wollen, aber Sie können auch Low-Budget fahren und DX einkaufen. Als FX-Fotograf hat man diese Wahl kaum! Da heißt es in der Regel kompromisslose Qualität zu kompromisslosen Preisen.

Abb. 26: So viel Detailschäfe war bislang wohl noch bei keiner DX-Kamera zu sehen. AF-S DX 18–200 mm 1:3.5–5.6 G ED VR; 300 mm (KB); f 5.6; 1/320 s; ISO 100

Ist DX die bessere Wahl?

Zum deutlich breiteren Spektrum bei der Auswahl von Objektiven gesellt sich der Vorteil der besseren Abdeckung des Bildfeldes mit AF-Messfeldern, den ich bereits nannte. Kameras und Objektive sind kleiner und leichter. Und dabei kostet die D7100 selbst gerade einmal etwa die Hälfte der preiswertesten Nikon-Vollformatkamera, der D600. Sie genießen mit der D7100 also viele Vorteile. Aber gibt es auch Nachteile? Mir fallen kaum sachliche Argumente gegen DX-Modelle ein. Ganz im Gegenteil. Wenn ich als frisch gebackener Besitzer der D600 auf das Funktionsangebot der D7100 blicke, werde ich neidisch. In vielen Bereichen liegt die D7100 mit der D600 auf Augenhöhe, in manchen bietet sie sogar mehr.

Weshalb glauben trotz dieser Vorteile von DX-Kameras so viele Hobbyfotografen, es müsse unbedingt eine FX sein? Ich kann Ihnen diese Frage nicht beantworten. Ich vermute, es hat viel mit der Volksweiseit »Viel hilft viel« zu tun. Größerer Sensor? Besser! Natürlich bietet ein Vollformatsensor mehr Potenzial, die Schärfentiefe sehr gering zu gestalten. Aber mit lichtstarken Objektiven ist die Schärfentiefe bei Offenblende auch mit DX oft eher zu gering. Natürlich müssen auf Vollformatsensoren für höhere Auflösungen die Pixel weniger dicht gedrängt verteilt werden, was sich positiv auf die Lichtempfindlichkeit und das Rauschverhalten auswirkt. Aber beim extrem guten Rauschverhalten der Sensoren neuester Generation ist das Problem eher zu vernachlässigen.

Und wer braucht mehr als 24 MP Bildauflösung? In erster Linie Landschafts- und Architekturfotografen, die ihre Aufnahmen in großen Posterformaten printen wollen. Diese haben in der Regel die Erfahrung und die Ausrüstung, diese hohen Auflösungen sinnvoll nutzen zu können. Wer hingegen bei Objektiven nicht wirklich tief in die Tasche greifen will, für den sind schon 24 MP mehr als genug.

24-Megapixel-CMOS-Bildsensor

Folgt man Nikons Angaben, weist der Bildsensor der D7100 effektiv 24,1 Megapixel auf, hat aber insgesamt 24,71 Megapixel. Ich runde das hier einmal salopp auf 24 Megapixel, schließlich sind das auch die Auflösung der Bilder gerechnet, die die Kamera ausspuckt: 6000 Pixel in der Breite mal 4000 Pixel in der Höhe; ergibt 24 000 000 Pixel, also 24 Megapixel!

CMOS ist eine Abkürzung für »Complementary Metal Oxide Semiconductor«. Ich habe keine Ahnung, was das genau bedeutet, aber für mich ist die physikalisch-technische Konstruktion eines Bildsensors so wichtig wie die chemische Zusammensetzung eines analogen Films für einen Analogfotografen. Mich interessieren die Resultate und was ich damit machen kann. Wichtiger ist für mich, wie die lichtempfindlichen Pixel auf dem Sensor angeordnet sind. Die Anordnung der Pixel auf dem Sensor der D7100 (Abb. 27) folgt – wie bei jeder anderen Nikon-Kamera auch – einem Muster, das als Bayer-Matrix (Abb. 28) bekannt ist.

Abb. 27: Sensor-Einheit der D7100; © Nikon GmbH 2013

Abb. 28: Anordnung rot-, grün- und blausensibler Pixel eines Sensors auf Basis der Bayer-Matrix

Generell gilt, dass die lichtempfindlichen Pixel eines Bildsensors nie für alle Farben des Spektrums sensibel sein können, sondern immer nur für eine der drei Grundfarben: Rot, Grün oder Blau. So gut wie alle Farben, die wir sehen, setzen sich aus einer Mischung dieser drei Grundfarben zusammen. Gelb beispielsweise besteht im Wesentlichen aus Rot und Grün.

Gelb besteht aus einer Mischung von Rot und Grün, werden Sie sich jetzt vielleicht fragen, wenn Sie mit dem Mischen von Pigmentfarben vertraut sind. Tatsächlich würde das Mischen eines roten Farbstoffs mit einem grünen eine schmutzig graue Farbe ergeben. Doch die Mischung von Lichtfarben verhält sich ziemlich exakt gegensätzlich zur Mischung von Farbstoffen und Pigmentfarben. Ein rosaroter oder violetter Farbton besteht in Spektralfarben sogar aus Anteilen aller drei Grundfarben, Rot, Grün und Blau. Um also alle Farben – Gelb, Orange, Violett, Braun, Grau und so weiter – aufnehmen zu können, muss ein Bildpixel eines digitalen Fotos immer aus Informationen von mindestens drei Aufnahmepixeln des Sensors berechnet werden. Bildpixel in Digitalfotos, die mit einem Sensor auf Basis der Bayer-Matrix aufgenommen werden, sind sogar aus Informationen von vier Aufnahmepixeln berechnet worden: einem blausensiblen, einem rotsensiblen und zwei grünsensiblen. Diese vier sind bei diesen Bildsensoren jeweils im Quadrat zueinander angeordnet (Abb. 28).

Merken Sie etwas? An der Farbinformation eines Pixels eines Digitalbildes sind jeweils vier Sensorpixel beteiligt. Die D7100 erzeugt Digitalbilder mit 24 Megapixeln. Also müsste der Sensor 4 × 24 Millionen Pixel tragen, also 96 Millionen. Er trägt aber nur 24 Millionen. Wie funktioniert dieser Zauber? Das Zauberwort dafür heißt »Interpolation«. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet es, dass aus den Farbinformationen von vier Sensorpixeln immer ein Bildpixel berechnet und dieser wieder um drei dazuerfundene Pixel erweitert wird, damit das Digitalbild dieselbe Auflösung bekommt, wie der Sensor sie hat. Bei der Berechnung dieser »interpolierten« drei Zusatzpixel werden auch die Informationen der jeweiligen Nachbarpixel einbezogen, was zu einem recht präzisen, scharfen und farblich stimmigen Resultat führt.

Ein generelles Problem in der digitalen Fotografie sind sogenannte Moirés. Ein Moiré kann entstehen, wenn sich zwei ähnlich feine Muster überlagern. Die Verteilung der Pixel auf dem Sensor ist ein regelmäßiges Muster. Fotografiert man damit eine Oberfläche, zum Beispiel eine Textilie mit einem sehr feinen Muster, bildet sich häufig ein Moiré. Abbildung 29 zeigt ein Moiré, das durch das Abfotografieren eines Videos auf einem Monitor entstanden ist – die Überlagerung des Pixelmusters des Monitors mit dem Pixelmuster des Sensors hat die für Moirés typischen gebogenen Linien erzeugt.

Abb. 29: Moiré

Eine Kamera ohne Tiefpassfilter

Um die Gefahr von Moirés zu reduzieren, werden üblicherweise sogenannte »optische Tiefpassfilter« über den Bildsensor gelegt, zumindest bei Sensoren auf Basis der Bayer-Matrix. Ein unangenehmer Nebeneffekt der Tiefpassfilter ist allerdings, dass durch sie auch ein bisschen Detailschärfe verloren geht. Leica und Pentax haben bereits Kameras ohne einen solchen Filter am Markt und auch Nikon bietet die D800 in Form der D800E ohne Tiefpassfilter an. Nun geht mit der D7100 eine Kamera in Serie, die sich primär an Hobbyfotografen richtet, und zwar nicht als Sonderoption wie bei der D800E, sondern generell. Damit kämpft dieses Modell mit an vorderster Front einer kleinen Revolution, was Sensortechnik angeht.

Nikon scheint davon auszugehen, dass mit 24 MP auf DX eine Pixeldichte erreicht worden ist, die das Muster der Bayer-Matrix so fein werden lässt, dass die Gefahr von Moirés auch ohne Tiefpassfilter kaum höher ausfallen lässt als mit. Der Vorteil: Die Resultate können von höherer Detailschärfe profitieren.

Die D7100 ist mehr als eine Amateurin

Die D7100 vereint viele Eigenschaften und Bauteile ihrer großen Schwestern wie der D600, der D800E und der D4 in einem kompakten, leichten und preiswerten Gehäuse.

Gehäuse • Als DX-Kamera ist die D7100 wie gesagt kleiner und leichter als professionelle FX-Modelle, dennoch hat sie genug Volumen, um auch bei ausgedehnten Foto-Sessions gut in der Hand zu liegen, auch wenn die Hände etwas größer sind. Wie die großen Schwestern ist sie gut gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet (Abb. 30). Das heißt zwar nicht, dass Sie mit ihr auf Tauchstation gehen sollten, aber Sie müssen auch nicht gleich in Panik verfallen, sollten Sie beim Fotografieren einmal vom Regen überrascht werden.

Abb. 30: Abdichtungen gegen Staub und Feuchtigkeit; © Nikon GmbH 2013

Ebenfalls mit den großen Schwestern teilt die D7100 ein Gehäuse aus Magnesium (Abb. 31). Magnesium-Body und Abdichtungen sorgen dafür, dass sie jene Nehmerqualitäten aufweist, die Profi-Fotografen von einer Kamera erwarten, besonders wenn sie viel outdoor unterwegs sind. Zusammen mit der sogenannten Brennweitenverlängerung (-> 90) durch den DX-Sensor wird die D7100 damit wohl zum idealen Begleiter von Natur- und Tierfotografen.

Abb. 31: Das Magnesiumgehäuse; © Nikon GmbH 2013

Verschluss •