Krimi Quartett Superband 1041 - Henry Rohmer - E-Book

Krimi Quartett Superband 1041 E-Book

Henry Rohmer

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Beschreibung

Dieser Band enthält folgende Krimis: VON HENRY ROHMER: Bount Reiniger und das Grab in Beton VON ANTHONY M. RUD: Ein Privatdetektiv und der Bluff/ Eine Schlingpflanze namens Choctow Rose/ Unterwelt-Belohnung In einer Stadt aus Lügen kann die Wahrheit tödlich sein. Privatdetektiv Bount Reiniger hat schon alles gesehen, was die schmutzigen Straßen von New York zu bieten haben – glaubt er. Bis die elegante und geheimnisvolle Eleonora Varelli sein Büro betritt. Ihr Geliebter, der brillante Architekt Julian McCain, ist tot – zerquetscht von einer Betonplatte auf einer Baustelle. Ein tragischer Unfall, sagt die Polizei. Mord, sagt sie. Reinigers Ermittlungen führen ihn in die eiskalte Welt der New Yorker High Society und auf die schlammigen Baustellen des Immobilien-Tycoons Marcus McCain – des Bruders des Opfers. Schnell wird klar, dass es nicht nur um einen Unfall geht. Es geht um ein dunkles Familiengeheimnis, das vierzig Jahre alt ist und buchstäblich im Fundament der Stadt begraben liegt. Als Reiniger der Wahrheit zu nahe kommt, wird er selbst zur Zielscheibe. Gejagt von einem brutalen Schläger und konfrontiert mit einem Gegner, der die ganze Stadt in der Tasche zu haben scheint, muss Bount alles riskieren, um ein Verbrechen aufzudecken, das in einem Beton-Grab versiegelt wurde.

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Seitenzahl: 182

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Anthony M. Rud, Henry Rohmer

Krimi Quartett Superband 1041

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Dieses eBook wurde mit Write ( https://writeapp.io) erstellt.
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Inhaltsverzeichnis

Krimi Quartett Superband 1041

Copyright

Bount Reiniger und das Beton-Grab

Ein Privatdetektiv und der Bluff: Krimi

Eine Schlingpflanze namens Choctow Rose: Krimi

Unterwelt-Belohnung: Krimi

Orientierungspunkte

Titelseite

Cover

Inhaltsverzeichnis

Buchanfang

Krimi Quartett Superband 1041

Henry Rohmer, Anthony M. Rud

Dieser Band enthält folgende Krimis:

VON HENRY ROHMER:

Bount Reiniger und das Grab in Beton

VON ANTHONY M. RUD:

Ein Privatdetektiv und der Bluff/

Eine Schlingpflanze namens Choctow Rose/

Unterwelt-Belohnung

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Bathranor Books, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2026 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Bount Reiniger und das Beton-Grab

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Bount Reiniger und das Beton-Grab: Kriminalroman

von HENRY ROHMER

In einer Stadt aus Lügen kann die Wahrheit tödlich sein.

Privatdetektiv Bount Reiniger hat schon alles gesehen, was die schmutzigen Straßen von New York zu bieten haben – glaubt er. Bis die elegante und geheimnisvolle Eleonora Varelli sein Büro betritt. Ihr Geliebter, der brillante Architekt Julian McCain, ist tot – zerquetscht von einer Betonplatte auf einer Baustelle. Ein tragischer Unfall, sagt die Polizei. Mord, sagt sie.

Reinigers Ermittlungen führen ihn in die eiskalte Welt der New Yorker High Society und auf die schlammigen Baustellen des Immobilien-Tycoons Marcus McCain – des Bruders des Opfers. Schnell wird klar, dass es nicht nur um einen Unfall geht. Es geht um ein dunkles Familiengeheimnis, das vierzig Jahre alt ist und buchstäblich im Fundament der Stadt begraben liegt.

Als Reiniger der Wahrheit zu nahe kommt, wird er selbst zur Zielscheibe. Gejagt von einem brutalen Schläger und konfrontiert mit einem Gegner, der die ganze Stadt in der Tasche zu haben scheint, muss Bount alles riskieren, um ein Verbrechen aufzudecken, das in einem Beton-Grab versiegelt wurde.

Ein knallharter Thriller über Gier, Verrat und die Geister der Vergangenheit, die sich nicht zum Schweigen bringen lassen.

Glossar: Das Beton-Grab

Personen

Bount Reiniger: New Yorker Privatdetektiv und Hauptfigur des Romans. Er ist zynisch, aber hartnäckig und bekannt dafür, auch die kompliziertesten Fälle anzunehmen.Eleonora Varelli: Eine elegante und geheimnisvolle Galeristin, die Bount Reiniger engagiert. Sie ist überzeugt, dass der Tod ihres Geliebten, Julian McCain, kein Unfall war, und wird so zur Auslöserin der Ermittlungen."Hammer" O'Malley: Der loyale und brutale Sicherheitschef von Marcus McCain. Er ist bekannt für seine körperliche Einschüchterungsmethode und wird für Bount schnell zu einer physischen Bedrohung.Jimmy O'Connell: Ein Gewerkschaftsführer, der vor vierzig Jahren unter mysteriösen Umständen verschwand, nachdem er sich gegen die Bauprojekte von McCain Senior gestellt hatte. Sein Verschwinden scheint mit dem Grundstück des Phoenix Tower in Verbindung zu stehen.Julian McCain: Ein aufstrebender und visionärer Architekt, dessen mysteriöser Tod auf einer Baustelle den Fall ins Rollen bringt. Er ist der jüngere Bruder von Marcus McCain.June March: Bount Reinigers loyale und äußerst fähige Assistentin. Sie ist eine Meisterin der Recherche und unterstützt Bounts Ermittlungen aus dem Büro heraus.Leo: Ein alter Freund von Bount Reiniger. Er ist ein zurückgezogen lebender, meisterhafter Restaurator und Fälscher von Dokumenten und Kunstwerken.Marcus McCain: Julians älterer Bruder und ein skrupelloser Immobilien-Tycoon, der mit seiner Firma McCain Holdings riesige Bauprojekte in New York leitet, darunter den Phoenix Tower. Er wird schnell zu einer zentralen Figur in Bounts Ermittlungen.McCain Senior: Der verstorbene Patriarch der McCain-Familie und Vater von Marcus und Julian. Sein unternehmerisches Handeln in der Vergangenheit ist ein zentraler Aspekt des Rätsels.Toby Rogers: Ein Captain beim NYPD und ein alter Freund von Bount Reiniger. Er unterstützt Bount oft mit inoffiziellen Informationen, ist aber durch die Bürokratie und den politischen Einfluss der McCains in seinen offiziellen Ermittlungen eingeschränkt.

Orte

Bount Reinigers Büro: Befindet sich in einem Hochhaus an der 7th Avenue mit Blick auf den Central Park. Es dient als Bounts Heiligtum und Kommandozentrale.Julians Studio: Ein geheimes, privates Atelier des verstorbenen Architekten im Stadtteil DUMBO. Es dient als sein persönliches Archiv und ist ein zentraler Ort für Bounts erste wichtige Entdeckungen.Leos Atelier: Das versteckte Atelier des Restaurators und Fälscher-Meisters Leo im Stadtteil Red Hook. Es wird für Bount und Eleonora zu einem wichtigen und sicheren Rückzugsort.Phoenix Tower: Das gigantische Wolkenkratzer-Projekt von Marcus McCain im Herzen Manhattans. Es ist nicht nur die Baustelle, auf der Julian McCain ums Leben kam, sondern auch der Ort, dessen Vergangenheit ein dunkles Geheimnis birgt.Varelli Gallery: Die exklusive Kunstgalerie von Eleonora Varelli im Stadtteil SoHo. Ein Ort der Ästhetik und des Reichtums, der schnell zum Schauplatz von Gewalt wird.

Organisationen & Begriffe

McCain Holdings: Das mächtige Immobilien-Imperium, das von Marcus McCain geführt wird. Die Firma kontrolliert riesige Teile des New Yorker Baumarktes und hat weitreichenden politischen Einfluss.NYPD (New York Police Department): Die New Yorker Polizei, bei der Bounts Freund Toby Rogers als Captain arbeitet. Sie repräsentiert die offizielle, aber oft behinderte Seite der Strafverfolgung.

Kapitel 1: Ein kalter Morgen

Der Morgen war so kalt und klar, dass er schmerzte. Einer dieser New Yorker Januartage, an denen die Sonne lügt. Sie hing blass und kraftlos über dem Horizont, eine Münze aus gefrorenem Gold, die keine Wärme spendete, sondern nur die unbarmherzige Geometrie der Stadt in scharfen, bläulichen Schatten zeichnete. Von seinem Büro im zwanzigsten Stock der 7th Avenue aus hatte Bount Reiniger einen Blick, für den andere Leute töten würden. Heute fühlte es sich an, als hätte es bereits jemand getan. Der Central Park war ein Skelett aus schwarzen, kahlen Ästen, überzuckert mit dem Reif der vergangenen Nacht. Die Wege waren dünne, graue Adern, auf denen sich winzige Figuren bewegten – Menschen, die so taten, als wäre ein neuer Tag ein Grund zur Freude.

Bount wusste es besser. Ein neuer Tag war nur eine neue Seite im selben, schmutzigen Buch. Er stand am Fenster, eine Tasse rabenschwarzer Kaffee in der Hand, die Wärme eine ferne, vage Erinnerung an etwas Angenehmes. Er bewegte sich nicht. Er beobachtete nur. Das war ein großer Teil seines Jobs. Beobachten, warten und die Muster erkennen, die die meisten Leute übersahen, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, ihr eigenes, kleines, bedeutungsloses Leben zu führen. Die Stadt unter ihm war ein Organismus, ein unersättliches Biest, das von Gier, Angst und Einsamkeit lebte. Und Bount war einer der wenigen Parasiten, die verstanden, wie man sich von diesem Kreislauf ernährte, ohne selbst gefressen zu werden. Meistens jedenfalls.

Sein Büro war sein Heiligtum und seine Festung. Dunkles Mahagoni, das nach altem Geld roch, ein Schreibtisch so groß wie ein kleines Floß, tiefe Ledersessel, die schon mehr traurige Geschichten gehört hatten als jeder Priester in der South Bronx. An der Wand hingen keine Trophäen, keine Fotos von glücklichen Momenten. Nur ein paar abstrakte, düstere Drucke, die June March einmal als "Spiegel deiner Seele" bezeichnet hatte. Er hatte gelacht, aber sie nie abgehängt. Der Geruch von frisch gemahlenem Kaffee, Lederpolitur und dem Hauch von Bounts sündhaft teurem Bourbon, der immer in Reichweite stand, lag in der Luft. Es war der Geruch von kontrolliertem Chaos, der Duft eines Mannes, der seinen Frieden damit gemacht hatte, am Rande des Abgrunds zu leben.

Die Stille wurde vom sanften Summen des Intercoms durchbrochen. Junes Stimme, klar und sachlich wie immer. "Bount, du hast Besuch. Ohne Termin."

Bount seufzte leise. Unangemeldeter Besuch bedeutete entweder Ärger oder Geld. Oft beides. "Ich bin beschäftigt, June. Sag ihnen, sie sollen wiederkommen."

Eine kurze Pause. "Ich glaube nicht, dass sie das tun wird. Sie ist nicht unser üblicher Schlag."

Das weckte seine Neugier. Junes Definition von "üblicher Schlag" umfasste betrogene Ehefrauen, verängstigte Kleinunternehmer, die von der Mafia erpresst wurden, oder Väter, die ihre ausgerissenen Töchter suchten. Jemand, der aus diesem Raster fiel, war entweder sehr reich oder sehr gefährlich. "Gib mir zwei Minuten", sagte er und stellte seine Tasse auf dem polierten Fensterbrett ab.

Er ging zu seinem Schreibtisch, ließ sich in den schweren Sessel fallen und schaltete die kleine, unauffällige Tischlampe an. Sie warf einen warmen Lichtkegel auf die makellose Oberfläche. Es war ein kleiner theatralischer Trick, den er über die Jahre perfektioniert hatte. Das Licht zog die Aufmerksamkeit auf sich, schuf eine intime, fast beichtstuhlartige Atmosphäre und ließ den Rest des Raumes in einem schützenden Halbschatten versinken, in dem er beobachten konnte.

Als die Tür aufging, verstand er, was June gemeint hatte.

Die Frau, die eintrat, bewegte sich mit einer stillen Anmut, die in diesem Teil der Stadt selten war. Sie trug einen langen, anthrazitfarbenen Kaschmirmantel, dessen schlichter Schnitt mehr über ihren Kontostand verriet als ein Pelzmantel es je gekonnt hätte. Darunter blitzte der Saum eines dunkelgrünen Kleides hervor. Ihre Hände waren von dünnen, schwarzen Lederhandschuhen bedeckt. Kein auffälliger Schmuck, nur eine schlichte, elegante Uhr an ihrem Handgelenk und eine Handtasche, deren Marke er nicht kannte, von der er aber wusste, dass sie mehr kostete als die Monatsmiete der meisten New Yorker.

Sie war vielleicht Anfang dreißig, mit hochgestecktem, dunklem Haar, das ein paar widerspenstige Locken freigab, die ihr strenges, fast klassisches Gesicht umrahmten. Aber es waren ihre Augen, die ihn fesselten. Sie waren graugrün, wie ein Wintermeer kurz vor einem Sturm – tief, unergründlich und voller unterdrückter Energie. Sie musterte das Büro mit einem einzigen, schnellen Blick, der alles erfasste und bewertete, und richtete ihre Aufmerksamkeit dann voll auf ihn.

"Mister Reiniger?", fragte sie. Ihre Stimme war tiefer, als er erwartet hatte, ruhig und kontrolliert, aber mit einem kaum hörbaren Unterton, der wie das Vibrieren einer gestimmten Saite klang.

"Der bin ich", sagte Bount. "Nehmen Sie Platz." Er deutete auf den Ledersessel gegenüber seinem Schreibtisch, direkt im Lichtkegel der Lampe. Sie bewegte sich geräuschlos und setzte sich. Sie legte ihre Handtasche neben sich auf den Boden, verschränkte aber ihre behandschuhten Hände nicht im Schoß, sondern ließ sie ruhig auf den Armlehnen ruhen. Eine Frau, die es gewohnt war, die Kontrolle zu behalten, selbst wenn sie sie gerade verlor.

"Ich nehme an, Sie trinken Kaffee", sagte sie. Es war keine Frage, sondern eine Feststellung. "Schwarz."

Bount lehnte sich zurück, aus dem direkten Licht heraus. "Manchmal mit einem Schuss Enttäuschung. Was kann ich für Sie tun, Miss...?"

"Varelli. Eleonora Varelli." Sie zog langsam, Finger für Finger, ihre Handschuhe aus. Ihre Hände waren schlank, ihre Nägel perfekt manikürt, aber unlackiert. Eine weitere Geste der disziplinierten Zurückhaltung. Sie legte die Handschuhe exakt nebeneinander auf den Rand des Schreibtisches. "Ich komme wegen Julian McCain."

Der Name sagte Bount nichts. Er wartete.

"Er ist tot", fuhr sie fort, ihre Stimme immer noch gleichmäßig. "Vorgestern Nacht. Die Polizei sagt, es war ein Unfall. Ich glaube das nicht."

Bount nahm einen Stift vom Schreibtisch und tippte damit leise auf einen leeren Notizblock. "Unfälle passieren. Besonders in dieser Stadt. Warum sollte ich Ihre Meinung mehr schätzen als die des NYPD?"

Ein schwaches, fast bitteres Lächeln umspielte ihre Lippen. "Weil das NYPD nach Fakten sucht, die in ihre Berichte passen. Ich bezahle Sie dafür, nach einer Wahrheit zu suchen, die unbequem ist." Sie schob einen kleinen, dicken Umschlag über den Schreibtisch. Er war nicht versiegelt. Bount öffnete ihn nicht, sah aber, dass er mit Hundert-Dollar-Scheinen gefüllt war. Ein Vorschuss. Ein sehr großzügiger Vorschuss.

"Ich höre", sagte er und ließ den Umschlag liegen.

"Julian war Stadtplaner. Einer der besten, der aufstrebende Stern am Himmel von New Yorks Architektur- und Bauszene." Ihre Augen verloren für einen Moment den Fokus, als sie in die Vergangenheit blickte. "Er wurde in seinem Auto gefunden. Auf einer Baustelle in Midtown. Eine Betonplatte hat ihn zerquetscht. Eine Platte, die von einem Kran herabgestürzt ist."

"Materialermüdung. Menschliches Versagen. Windböe. Suchen Sie sich was aus", sagte Bount tonlos. "Das sind die üblichen Verdächtigen bei solchen 'Unfällen'."

"Julian war nicht zufällig dort", widersprach sie scharf, und zum ersten Mal blitzte das Feuer unter der eisigen Oberfläche auf. "Er war um zwei Uhr morgens auf dieser Baustelle. Er war paranoid in den letzten Wochen. Er sprach davon, dass er etwas Großem auf der Spur sei. Etwas, das tief in den Fundamenten dieser Stadt vergraben liegt." Ihre Stimme wurde leiser, fast ein Flüstern. "Er sagte, er sei kurz davor, die Geister der Stadt zu wecken."

Bount unterdrückte ein Grinsen. "Geister. Ich habe es meistens mit sehr lebendigen Problemen zu tun, Miss Varelli. Was war Ihre Beziehung zu Julian McCain?"

Ihre Augen trafen seine direkt, ohne auszuweichen. "Er war mein Geliebter."

"War er verheiratet?"

"Nein. Julian war nur mit seiner Arbeit verheiratet. Und mit seinen Dämonen."

Bount tippte weiter mit dem Stift. "Dämonen. Geister. Das klingt alles sehr poetisch. Ich brauche Fakten. Namen. Wer hatte einen Grund, ihn tot sehen zu wollen?"

Eleonora zögerte. Sie blickte auf ihre Hände, als würde sie dort die Antwort finden. "Jeder und niemand. Julian war brillant, aber auch rücksichtslos. Er hat sich auf seinem Weg nach oben Feinde gemacht. Konkurrenten, die er ausgestochen hat. Investoren, deren Projekte er als 'seelenlos' kritisiert hat. Aber das... das war anders. Es war persönlicher."

"Wie persönlich?", fragte Bount.

"Es ging um seine Familie. Um seinen Bruder." Sie sprach den Namen aus, als würde er einen schlechten Geschmack im Mund hinterlassen. "Marcus McCain."

Jetzt klingelte eine Glocke. Marcus McCain war nicht nur ein Name, er war eine Institution. Ein Immobilien-Tycoon der alten Schule, dessen Firma, McCain Holdings, halb Manhattan besaß oder gerade dabei war, es zu bauen. Ein Mann, dessen Foto man oft in den Gesellschaftsspalten sah, immer mit einem zu breiten Lächeln und den kalten Augen eines Hais.

"Die Baustelle, auf der Julian starb...", begann Bount.

"...ist das Vorzeigeprojekt von Marcus McCain", beendete Eleonora den Satz. "Der Phoenix Tower. Ein Monument seiner eigenen Gier, das er auf den Ruinen der Vergangenheit errichtet."

Bount lehnte sich vor, in den Lichtkreis. "Sie mögen ihn nicht besonders, was?"

"Ich verachte ihn", sagte sie mit einer leisen Intensität, die bedrohlicher war als jeder Schrei. "Die beiden waren wie Kain und Abel, nur dass beide Kain sein wollten. Julian war der kreative Geist, der Visionär. Marcus ist der Zerstörer, der nur in Quadratmeterpreisen und Profitmargen denkt. Julian hat für seinen Bruder gearbeitet, oder besser gesagt, unter ihm. Eine explosive Mischung."

"Und Sie glauben, Marcus hat seinen eigenen Bruder ermorden lassen?"

"Ich weiß es nicht", gab sie zu. "Aber ich weiß, dass Julian in den letzten Wochen wie besessen war von diesem Projekt. Er hat alte Pläne studiert, war ständig in den Stadtarchiven. Er hat etwas gefunden. Etwas über das Grundstück, auf dem der Phoenix Tower gebaut wird. Etwas, das Marcus um jeden Preis geheim halten wollte. Julian hat mir nicht gesagt, was es war. Er sagte nur, es würde alles verändern."

Bount schwieg eine Weile. Der Fall nahm langsam Konturen an. Ein Familiendrama, in dem es um Milliarden ging. Ein toter Visionär, ein skrupelloser Bruder und eine geheimnisvolle Geliebte, die mitten im Sturm stand. Das war die Art von Sumpf, in dem die Wahrheit oft ertrank, aber in dem man auch gut verdienen konnte.

"Warum kommen Sie zu mir? Warum nicht zur Polizei mit Ihren Vermutungen?"

"Weil die Polizei Marcus McCain nicht anrühren wird", sagte sie bitter. "Er spendet für die richtigen Wahlkämpfe, sitzt in den richtigen Vorständen und isst mit dem Bürgermeister zu Abend. Ein Privatdetektiv ist diskreter. Und, so habe ich gehört, hartnäckiger." Sie blickte auf den Umschlag. "Und ich bin bereit, für diese Hartnäckigkeit zu bezahlen."

Bount öffnete den Umschlag. Er zählte das Geld nicht, aber er schätzte es auf zehntausend Dollar. Ein guter Anfang. "Das ist der Vorschuss", sagte er. "Mein Tagessatz beträgt fünfhundert Dollar, plus Spesen. Wenn es gefährlich wird, verdoppelt er sich."

"Geld spielt keine Rolle", erwiderte sie kühl. "Finden Sie heraus, wer Julian das angetan hat. Finden Sie heraus, was er entdeckt hat."

"Und was ist, wenn es doch nur ein Unfall war?", fragte Bount, um sie zu testen. "Wenn die Paranoia Ihres Freundes nur das war – Paranoia?"

Ihre graugrünen Augen verengten sich. "Dann haben Sie leichtes Geld verdient, Mister Reiniger. Aber wir beide wissen, dass das nicht der Fall sein wird, nicht wahr?"

Sie stand auf, ihre Bewegungen wieder fließend und kontrolliert. Sie zog ihre Handschuhe an, nahm ihre Handtasche. An der Tür hielt sie inne.

"Julian hat ein privates Studio. Abseits seines offiziellen Büros bei McCain Holdings. Niemand weiß davon, nicht einmal Marcus." Sie legte einen einzelnen Schlüssel auf den Schreibtisch. "Hier ist die Adresse. Vielleicht finden Sie dort den Anfang seiner Geschichte."

Sie warf ihm einen letzten, undurchdringlichen Blick zu. "Seien Sie vorsichtig, Mister Reiniger. Die Geister dieser Stadt mögen es nicht, wenn man ihre Gräber stört."

Dann war sie weg. Die Tür schloss sich leise hinter ihr. Das Büro war wieder still, aber die Stille war anders. Sie war aufgeladen, schwer von den unausgesprochenen Worten und dem Geruch von Gefahr.

Bount stand auf und ging wieder zum Fenster. Er nahm den Schlüssel und den Umschlag vom Schreibtisch. Er blickte hinunter auf die Stadt, die sich unter ihm ausbreitete. Sie sah nicht mehr aus wie ein abstraktes Muster. Sie sah aus wie ein Tatort. Ein riesiges, weitläufiges Grab, gebaut aus Beton, Stahl und den Lügen reicher Männer.

Eleonora Varelli hatte ihn nicht nur engagiert. Sie hatte ihm eine Einladung überreicht. Eine Einladung in die Dunkelheit, die unter dem glitzernden Pflaster von Manhattan lauerte.

Er griff nach dem Telefonhörer und drückte die Taste für Junes Durchwahl.

"Ja, Bount?", meldete sich ihre Stimme.

"June, wir haben einen neuen Fall. Such mir alles raus, was du über McCain Holdings, Marcus McCain und seinen verstorbenen Bruder Julian finden kannst. Bauprojekte, Skandale, schmutzige Wäsche. Besonders alles, was mit einem Projekt namens 'Phoenix Tower' zu tun hat."

"Wird gemacht. Die Dame schien wichtig zu sein."

"Wichtiger, als sie zugeben will", murmelte Bount. Er legte den Hörer auf und goss sich einen großzügigen Schuss Bourbon in ein Glas. Er trank ihn in einem Zug. Die Flüssigkeit brannte angenehm in seiner Kehle.

Er blickte auf den Schlüssel in seiner Hand. Der Anfang von Julians Geschichte, hatte sie gesagt. Bount hatte das ungute Gefühl, dass es auch der Anfang von etwas ganz anderem sein könnte. Etwas, das mit einem kalten Morgen begann und sehr gut in einer noch kälteren Nacht enden konnte, zerquetscht unter dem Gewicht der Geheimnisse, die diese Stadt so gut zu verbergen wusste. Er nahm seinen Mantel. Die Arbeit wartete.

Kapitel 2: Die Baustelle

Der Bourbon hinterließ eine Spur wohliger Wärme, die sich von Bounts Magen ausbreitete, ein kleiner, flüchtiger Waffenstillstand gegen die Kälte des Tages und die noch tiefere Kälte des neuen Falls. Er ließ das Glas auf dem Schreibtisch stehen, ein bernsteinfarbener Leuchtturm in einem Meer aus Mahagoni, griff nach seinem Mantel und verließ das Büro. June saß an ihrem Platz, bereits in ihre Arbeit vertieft. Ihre Finger tanzten über die Tastatur, ihr Blick war auf den Bildschirm geheftet. Sie blickte nicht auf, als er vorbeiging, aber er wusste, dass sie ihn bemerkt hatte. Sie bemerkte alles. Das war einer der Gründe, warum sie seit sieben Jahren für ihn arbeitete und er sich ein Leben ohne sie kaum noch vorstellen konnte.

Unten auf der Straße schlug ihm der Wind wie eine offene Hand ins Gesicht. Er zog den Mantelkragen enger und winkte ein Taxi heran. Das gelbe Blechknäuel quietschte vor ihm zum Stehen, als hätte es Schmerzen. Bount stieg ein und warf dem Fahrer die Adresse der Baustelle in Midtown zu. Der Mann, dessen Gesicht im Rückspiegel wie eine zerknitterte Landkarte aussah, nickte nur und fädelte sich mit der aggressiven Gleichgültigkeit eines echten New Yorkers zurück in den Verkehrsstrom.

Die Fahrt war eine Tour durch die Eingeweide der Stadt. Vorbei an glitzernden Fassaden, die den Himmel zu zerkratzen schienen, und gleich daneben an dunklen, feuchten Gassen, aus denen Dampf wie der Atem eines unterirdischen Drachen aufstieg. Die Stadt war ein Ort der Extreme, ein ständiger Kampf zwischen Ehrgeiz und Verfall, und nirgendwo war dieser Kampf sichtbarer als hier, wo alte, ehrwürdige Gebäude dem unersättlichen Appetit der Immobilienhaie zum Opfer fielen. Der Phoenix Tower war nur das jüngste und größte dieser Raubtiere.

Schon aus zehn Blocks Entfernung konnte man ihn sehen. Er war noch ein Skelett, ein gigantisches Gerippe aus Stahl und Beton, das sich in den bleichen Winterhimmel krallte. Kräne ragten wie die Gliedmaßen prähistorischer Insekten empor, ihre Bewegungen langsam und majestätisch. Je näher sie kamen, desto lauter wurde das Dröhnen der Maschinen, ein unaufhörlicher, metallischer Herzschlag, der den Rhythmus des gesamten Viertels diktierte.

Das Taxi hielt vor einem hohen, mit Stacheldraht gekrönten Bauzaun, der das gesamte Areal umschloss. Dahinter herrschte organisierte Anarchie. Männer in schmutzigen Overalls und bunten Helmen wimmelten umher wie Ameisen, Lastwagen manövrierten rückwärts, während schrille Warnsignale ertönten, und von irgendwoher kam das Kreischen einer Metallsäge. Der Geruch von nassem Zement, Diesel und geschweißtem Stahl hing schwer in der Luft.

Bount bezahlte den Fahrer und stieg aus. Er stand einen Moment da und ließ die Szenerie auf sich wirken. Dies war das Königreich von Marcus McCain. Ein Reich aus Schlamm, Lärm und roher Gewalt, aus dem am Ende etwas Glänzendes und Teures hervorgehen würde. Und irgendwo in diesem Chaos war Julian McCain gestorben.

Der Haupteingang war ein breites Stahltor, bewacht von einem Mann in einer beheizten Kabine, dessen Gesichtsausdruck verriet, dass er für Freundlichkeit nicht bezahlt wurde. Bount wusste, dass er mit seiner echten Identität hier nicht weiterkommen würde. Er zückte eine alte Brieftasche, die er für solche Gelegenheiten aufbewahrte, und zog eine Visitenkarte heraus, die ihn als "Schadensregulierer" der "Metropolitan Assurance Group" auswies. Eine fiktive Firma für einen fiktiven Job.

Er klopfte an das Fenster der Kabine. Der Wachmann schob das Fenster mit einem Ruck auf. "Was gibt's?", knurrte er.

"Reiniger. Metropolitan Assurance", sagte Bount und hielt ihm die Karte hin. "Ich bin wegen des Vorfalls von vorgestern hier. Der McCain-Fall. Muss mir die Unfallstelle ansehen. Für die Versicherungsprotokolle."

Der Wachmann nahm die Karte, ohne sie wirklich anzusehen. Seine Augen, kleine, misstrauische Perlen, musterten Bount von Kopf bis Fuß. "Hat keiner was von gesagt."

"Deshalb bin ich ja hier", sagte Bount mit der gelangweilten Autorität eines Bürokraten. "Die Mühlen der Verwaltung mahlen langsam. Sie kennen das ja. Wenn ich den Bericht nicht heute fertigstelle, bekommt die Rechtsabteilung schlechte Laune. Und das wollen wir doch alle nicht."

Der Wachmann zögerte. Der Name der Rechtsabteilung war meist ein guter Hebel. Er bedeutete Papierkram, Ärger und Leute in Anzügen, die unangenehme Fragen stellten. Er seufzte. "Okay, aber Sie brauchen einen Helm. Und Sie reden mit Sal. Er ist der Vorarbeiter für diesen Abschnitt. Der große Kerl da drüben, der aussieht, als hätte er auf einem Nagel gefrühstückt." Er deutete auf einen stämmigen Mann, der mit verschränkten Armen neben einem Betonmischer stand und zwei Arbeiter anbrüllte.

"Danke", sagte Bount, nahm den schmutzigen gelben Helm, den der Wachmann ihm durch die Luke reichte, und trat in das Chaos.

Der Boden war ein Meer aus gefrorenem Schlamm, durchzogen von tiefen Reifenspuren und übersät mit Holzbrettern, die als provisorische Wege dienten. Der Lärm war ohrenbetäubend. Bount navigierte durch das Gewirr aus Maschinen und Menschen und steuerte auf den Vorarbeiter zu. Der Mann, Sal, drehte sich um, als Bount näher kam. Sein Gesicht war wettergegerbt und von tiefen Falten durchzogen, seine Nase war irgendwann einmal gebrochen und schlecht verheilt.

"Was willst du?", bellte er, noch bevor Bount etwas sagen konnte.

Bount wiederholte seine Geschichte. Versicherung, Unfall, Protokoll.