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Sarah ist eine Frau im besten Alter. Doch sie hat ein Problem. Immer nach dem Sex geht es ihr dreckig und sie wird scheinbar grundlos von einer Welle aus tiefschwarzen Gefühlen überrollt, die ihr nur eine Möglichkeit lassen, sich wieder wie ein Mensch zu fühlen. Der Mann muss sterben. Bald lernt sie jemand neues kennen, der ihr auf den zweiten Blick unheimlich gefällt. Es kommt wie es kommen muss und beide liegen zusammen im Bett. Doch auch hier macht ihre Gefühlswelt keine Ausnahme. Muss sie auch ihn umbringen, um sich wieder besser zu fühlen oder gibt es einen Ausweg?
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Seitenzahl: 46
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Guamo
Kurzgeschichte der gruseligen Art
Sarah und die (toten) Männer
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Sarah und die toten Männer
Impressum neobooks
Sarah stand vorm dem Balkonfenster und schaute nach draußen in die Nacht. Es war ein schöner Tag gewesen, an dem sich Schleierwolken am Himmel jagten, während die Sonne ihren täglichen Dienst verrichtete. Jetzt blickte sie hinaus in die Dunkelheit. Aber der Himmel war nicht schwarz, gesäumt von funkelnden kleinen Lichtern, sondern trug das trügerische graue Eisenrot. Wolken die nichts Gutes verhießen, hatten sich bereits am frühen Abend versammelt. Nun war es eine geschlossene Wolkendecke, aus der hin und wieder Blitze zuckten. Ein schaurig schönes Gewitter. Sie konnte nichts machen, stand einfach nur da und wartete auf den nächsten hellen Lichtbogen, der ihre Pupillen kurzzeitig verengen sollte. Es hielt sie einfach in ihren Bann. An ihrem Körper bildeten sich langsam ganz kleine Tropfen, war es doch eine schwül-heiße Nacht in dieser trostlosen Stadt. Die Fenster waren verschlossen. Damit war zwar kein Luftaustausch möglich, aber es drang auch kein lauter Donner an ihr Ohr. Schon komisch, das sich eine gestandene Frau, welche nackt vorm dem Balkonfenster stand und sich die grellen Blitze anschaute, vor lauten Geräuschen fürchtete. Aber es gab noch einen weiteren Grund, die Fenster, besonders das Balkonfenster, verschlossen zu halten. Als sie so nach draußen schaute, fielen die ersten Tropfen auf die Erde. Zuerst bemerkte sie sie gar nicht, doch als sie leise gegen die Scheibe platschten, schaute sie ihnen interessiert zu. Aus kleinen Tropfen wurden größere und aus größeren wurden kleine Bäche, die sich von der Schwerkraft angezogen fühlten. Sarah verfolgte einen großen Einzelkämpfer, der langsam an der Scheibe hinunterglitt. Auf der Hälfte der Glasfläche machte er kurz halt. Ob er das Unglück, die verblasste Angst, das vergangene Märtyrium sah, bleibt ein Rätsel. Danach glitt er langsam weiter und vereinigte sich mit dunkelroten Kleksen, um in einem hohen Tempo als roter Streifen nach unten zu rasen. Nach ihm folgten viele weitere kleinere und größere rotgefärbte Bäche. Sarah bückte sich, was ein unangenehmes Knacken im linken Knie nach sich zog, um die Quelle der Rotfärbung genauer zu betrachten. Diese bestand aus 5 kleinen Blutflecken oben und einem großen etwas weiter unten, sprich einem blutverschmierten Handabdruck. Unbeeindruckt dessen, was es war, schaute sie langsam zu, wie mehr und mehr Wasserbäche, den Handabdruck verblassen ließen und später gänzlich auflösten. Ihre Augen fokussierten immer noch die Stelle, an der der blutige Abdruck gewesen war, bis sie ein neues Ziel fanden. Ruhig blickten sie nun in ein weiteres Augenpaar. Weit geöffnet, mit dicht verzweigten Blutäderchen schaute es sie an. Großen Regentropfen platschten hinein. Eigentlich ein Grund, um die Lider zu schließen und die Augen zu schützen. Nur das es hier nichts mehr zum Schützen gab. Alles Leben war entwichen. Die Augen waren nicht voller Zorn, Wut oder Trauer. Sie hatten ihren Frieden gefunden, auch wenn darin etwas Vorwurfsvolles verborgen war. Sarah hatte keine Emotionen bei dem Anblick des toten Mannes auf ihrem Balkon. Es war wie es war. Und es war nicht das erste Mal, dass sie jemand Totes, nur diejenigen die auf ihr Konto gingen, gesehen hatte. Im Endeffekt sehen sie alle gleich aus. Leblose Hüllen einer einst prächtigen Zeit. Die Todesursache war nicht schwer zu erkennen, betrachtete sie den dunkelroten See auf dem Balkon. „Er ist verblutet“ werden die Gerichtsmediziner sagen, dachte Sarah. An und für sich auch vollkommen richtig, auch wenn sie hierbei kräftig nachhelfen musste. Der Kopf wies eine tiefe Wunde auf, aus der immer noch eine Menge verdünntes Blut quoll. „Aber das reichte dem Herren ja nicht“, dachte Sarah, als sie sich erinnerte, wie sie mit dem Baseballschläger versuchte, einen Homerun zu schlagen. Nein, er hatte sich geduckt. Wenn auch nicht sehr erfolgreich, aber es kam nicht zum erhofften Blackout. Taumelnd wankte Evan, so hieß ihr heißer Verehrer heute, zur Tür. Nicht wirklich panisch, aber dennoch mit erhöhtem Tempo, schnappte sie sich das gute alte Cuttermesser von Stainley’s und bereitete der Farce ein Ende. Wie sagt man so schön: „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.“ Wie dem auch so, neben der klaffenden Kopfwunde befand sich am Hals ein sauberer Schnitt von links nach rechts. Das war der eigentliche Grund für das beschleunigte Ende von Evan. Nach dem Vergnügen, und damit war nicht der gewaltsame Tod gemeint, sondern der heiße und innige Akt davor, kam mal wieder die Arbeit. Evan hatte es tatsächlich geschafft, sich bis zu seinem Ableben ein ganzes Stück durch das Schlafzimmer zu bewegen. Er lag wie ein nasser Sack auf dem putzfreundlichen Laminatboden und musste zum Ausnüchtern auf dem Balkon. Auch wenn Sarah sich einem 100 Kilo-Klotz gegenübersah, brachte sie doch nur zarte 55 Kilo auf die Waage bei einer Größe von 164 cm, schaffte sie diesen Kraftakt. Kein Wunder, stand sie nun schweißgebadet vor dem Balkonfenster. Auf Gewissenbisse nach Reue, Bedauern, Mitgefühl brauchte sie nicht zu reagieren. Keiner hatte sie gefragt, wie sie sich damals fühlte, als sie es langsam innen heraus auffraß.
