Beschreibung

Der neue flott-freche Krimi von der Schöpferin der „Wuchtbrumme“.

Ihren Spitznamen schuldet die Geschichtsstudentin Dodo Nonnenmacher einem wegen seiner Tollpatschigkeit längst ausgestorbenen Riesenvogel. Kein Wunder also, dass Dodo während einer Forschungsreise nach Flensburg nicht nur über die Spur eines sagenhaften Bernsteinschatzes stolpert, sondern auch unfreiwillig in ein tödliches Katz- und Mausspiel gerät. Auf ihre unnachahmliche Art gelingt es ihr am Ende, nicht nur zwei mysteriöse Todesfälle aufzuklären, sondern auch noch einen Schatz der besonderen Art zu heben …


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MOBI

Seitenzahl: 225

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TATJANA KRUSE

Küss mich, Schatz!

Buch

Dorothea Nonnenmacher, genannt »Dodo«, beginnt erst mit dreißig ein Studium der Kunstgeschichte. Die Jahre davor hat sie mit einem Mann verbracht, den sie viel zu früh geheiratet und der sie viel zu spät verlassen hat. Jetzt aber ist Dodo fest entschlossen, nur noch für sich selbst da zu sein, und stürzt sich wissbegierig in das Studium mittelalterlicher Architektur. Mit Erfolg: Ihr Professor schickt sie auf eine Forschungsreise nach Flensburg, wo sie den Nachweis erbringen soll, dass Baumeister Nickel Caries nicht nur 1599 das Wasserschloss Glücksburg erbaute, sondern auch entscheidend an der Erbauung des Flensburger Nordertors beteiligt war. Dodo packt ihre Koffer, reist nach Flensburg und macht sich an die Arbeit. Der Norden Deutschlands ist ihr fremd, und von der ehemaligen Dänenherrschaft erfährt sie erst vor Ort. Von Dänemark kannte sie bislang nichts weiter als verwackelte Dogma-Filme und den bei seiner Hochzeit so rührend weinenden Kronprinzen. Jetzt lernt sie bei einer Kirchenbesichtigung Mads Sand kennen, einen dänischen Steinmetz, und prompt hat sie Schmetterlinge im Bauch. Und sie trifft auf Leni, eine sympathische Halb-Dänin, die eine Boutique für Wikingerschmuck führt. Die beiden bringen Dodo Land und Leute näher. Beweise für die These ihres Professors findet Dodo anfangs nicht, dafür stößt sie zufällig auf einen alten Brief, in dem Nickel Caries einen großen »Schatz, den er gefunden und in seinem Herzen bewahret habe« erwähnt. Dodo glaubt, dass der Baumeister Hinweise auf diesen sagenhaften Schatz an mehreren Stellen in der Stadt versteckt hat. Dummerweise erzählt sie davon auch ihren Freunden und ihrer Vermieterin, mit dem Ergebnis, dass letztere kurze Zeit später ermordet aufgefunden wird. Und ganz offenbar trachtet man auch Dodo nach dem Leben, oder bildet sie sich das nur ein? Von nun an spürt Dodo den heißen Atem gesichtsloser Verfolger im Nacken. Als sie in einer Kirche tatsächlich einen Hinweis auf das Versteck des Schatzes findet, scheint sie ganz nah an der Lösung des Rätsels zu sein.

Doch weiß sie nicht mehr, wem sie jetzt noch trauen kann...

Autorin

Tatjana Kruse, Jahrgang 1960, ist in Schwäbisch Hall aufgewachsen, wo sie nach einigen Jahren in Stuttgart heute wieder lebt. Für ihre Bücher erhielt sie verschiedene Auszeichnungen, darunter den »Marlowe« der Raymond-Chandler-Gesellschaft für den besten deutschen Kurzkrimi. »Küss mich, Schatz!« entstand im Sommer 2005 während eines dreimonatigen Aufenthalts der Autorin als »Krimistadtschreiberin« in Flensburg. Tatjana Kruse ist Mitglied bei den »Sisters in Crime« und im Syndikat. Ihre Homepage im Internet:

www.tatjanakruse.de

Von Tatjana Kruse außerdem als Goldmann Taschenbuch erschienen:

Achtung: Wuchtbrumme! (44994)

Die Wuchtbrumme kehrt zurück (45266)

Wuchtbrummenalarm. Roman (45528)

1. Auflage

Originalausgabe Oktober 2006

Copyright © 2006 by Tatjana Kruse

Copyright © dieser Ausgabe 2006

by Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

ISBN 978-3-641-01436-0

www.goldmann-verlag.de

Datenkonvertierung eBook:

Kreutzfeldt Electronic Publishing GmbH, Hamburg

www.kreutzfeldt.de

Sämtliche Orte in diesem Buch sind real.Alle handelnden Personen sind jedoch frei erfunden.Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen wärenrein zufällig. Versuchen Sie ja nicht, Rückschlüsse zuziehen – dazu habe ich mir die Charaktere viel zusorgfältig morgens um fünf ausgedacht!Ich will jedoch gern zugeben, dass ich ausdramaturgischen Gründen an der Zeituhr gedreht habe.Alles, was die Stadt Flensburg im Laufe eines ganzenSommers zu bieten hatte, habe ich zeitrafferisch inzehn Tage gesteckt.

Vorspiel

Er wusste, dass er sterben würde. Ihm blieben nur noch wenige Stunden. Nun hieß es, Eile walten zu lassen, denn erst dort, wo er hinging, spielte Zeit keine Rolle mehr.

Die Stadt erwachte. Gleich tauchten die ersten Gläubigen auf. Draußen waren schon die bimmelnden Glöckchen der Leprakranken zu hören.

Der Hahn hatte ihn zu spät geweckt. Dieser Hahn wusste nie genau, wann der Morgen eigentlich graute. Meist erwachte er um zwei Uhr nachts schlagartig kreischend zum Leben. Erst gegen halb drei pflegte er seinen Irrtum zu bemerken und den Schnabel zu halten. Doch an diesem Morgen hatte das dumme Tier verschlafen und er somit auch.

Schwach, wie der alte Mann war, kam er kaum die Leiter hoch. Aber er hatte in seinem Leben schon so viele Gebäude erklommen, da würde er jetzt nicht kurz vor dem Ziel aufgeben. Seine Anstrengung diente einem höheren Zweck. Er tat es für seine Kinder und Kindeskinder. Und er musste es selbst tun. Er konnte niemandem vertrauen. Nein, das hätte geheißen, Perlen vor die Säue zu werfen.

Ein eisiger Wind blies ihm durch die Ritzen im Mauerwerk ins Gesicht. Mit arthritischer Hand zog er die Pelzmütze tiefer. Draußen regnete es. Wie schon seit Wochen. Die streng Gläubigen hielten es für die Neuauflage der Sintflut, die das Böse ertränken sollte. Aber er wusste, dass das Böse schwimmen konnte.

Dort! Ja, das war ein guter Platz. Ein Versteck, das die Zeit überdauern würde. Zitternd holte er sein Werkzeug aus dem Lederbeutel und machte sich an die Arbeit. Er musste sich beeilen. Und dann galt es ja noch, aus dem Hahn eine nahrhafte Suppe zu kochen. Womöglich die letzte seines Lebens...

Wer nach Zeichen sucht, findet sie auch.

415 Jahre später...

Prolog

Der Dodo (Raphus cucullatus) war einst ein schnuckliger Vogel, etwa so groß wie ein Truthahn, von kindlicher Unschuld und völlig furchtlos, weswegen ihn seine Entdecker, die 1598 ihre Erobererfüße auf den Boden der Insel Mauritius setzten, für geistig minderbemittelt, sprich: dämlich, hielten. Dabei hatte er nur ein sanftes Gemüt und glaubte an das Gute, auch an das Gute im Menschen, selbst wenn diese bereits mit Musketen auf ihn zielten. Ergo war er keine achtzig Jahre später ausgestorben. Vielleicht war der Dodo ja doch dämlich.

Dorothea Nonnenmacher aus Schwäbisch Hall hatte ihren Spitznamen schon früh erhalten. Viel zu früh, als dass ihre Klassenkameradinnen am Mädchenlyzeum vom mauritischen Dodo gehört haben konnten. Aber die Charakterisierung des Vogels traf auch auf sie zu: heiter, gutgläubig und gerade deshalb unerschrocken.

Kurzum: die weibliche Version von Mr. Bean. Sie hatte es ebenfalls schon einmal fertig gebracht, zum Picknick in den Ackeranlagen eine gefüllte Warmwasserflasche mitzunehmen, in die sie dann einen Teebeutel hängte, weil sie die Thermoskanne um keinen Preis hatte finden können.

Doch zurück zum Dodo. Es gibt zwar noch ein komplettes Skelett dieses Vogels, der im Übrigen auch Dronte heißt und das Wappentier von Mauritius ist, aber kein ausgestopftes Ganzkörperexemplar. Man kann also nur ungefähr erahnen, wie so ein Dodo ausgesehen hat. Aber im Grunde würde es reichen, wenn man sich Dodo Nonnenmacher näher anschaute.

Dodos Haare sahen immer leicht gerupft aus, weswegen sie mit Vorliebe rote Strickmützen trug. Sie hatte etwas zu kurze Arme und Beine, ähnlich den Stummelflügeln des Dodo. Und einen relativ großen Kopf. Den »abnorm großen Mutantenschädel«, wie ihre Klassenkameradinnen zu necken pflegten. Nicht so riesig, dass es für eine Freakshow gereicht hätte, aber doch groß genug, dass sich Dodo während ihrer Pubertät manche Nacht in den Schlaf weinte, weil in der Tanzstunde keiner der Jungs mit ihr aufs Parkett wollte. Noch heute witzelten die Mädels auf Klassentreffen darüber.

Womöglich war sie deshalb so anfällig für den Charme von Stefan gewesen.

Stefan kam aus Berlin, was für die Dorfmaus Dodo gleichbedeutend mit dem pulsierenden Nabel der Welt war. Okay, Stefan verkaufte Zeitungsabonnements an Haustüren, um sich sein Studium zu finanzieren, aber das hatte einen gewissen verwegenen Charme. Nicht für die Menschheit im Allgemeinen, dafür jedoch für Dodo im Speziellen.

Am Tag nach ihrem 18. Geburtstag war sie verheiratet. Zwei Tage nach ihrem 18. Geburtstag traf sie in der Fünf-Zimmer-Wohnung von Stefans Mutter in Berlin-Kreuzberg ein. Eine Woche später erlitt Stefans Mutter einen Schlaganfall und wurde zum Pflegefall. Stefan wechselte daraufhin an die medizinische Fakultät. Dodo legte ihre Unipläne ad acta, blieb in der Altbauwohnung und pflegte völlig aufopfernd seine Mutter. Was unter anderem dadurch erträglich wurde, weil beide Frauen Tom Jones liebten und bisweilen gemeinsam It’s not unusual to be loved by anyone schmetterten, wobei Stefans Mutter insgeheim Delilah und Dodo Sex Bomb bevorzugt hätte.

Irgendwann wurde Stefan Assistenzarzt an der Berliner Charité. Dodo pflegte weiterhin seine Mutter. Das wahre Leben erlebte Dodo nur beim Türken um die Ecke, wenn sie Lebensmittel einkaufte. Ansonsten stellte sie neue Rekorde im Dauerfernsehen auf. Der übergroße Flachbildschirm diente ihr als Tor zur Welt, vorzugsweise zu Hollywood. Sie stand kurz davor, parasoziale Beziehungen zu Fernsehfiguren zu knüpfen, da starb Stefans Mutter.

Stefan eröffnete daraufhin seiner Frau, dass er sich in jemand anderen verliebt habe, es sei keine Absicht gewesen, das sei einfach so geschehen. Er wolle sich finanziell großzügig zeigen, die Wohnung müsse Dodo aber verlassen und das hurtig – Rüdiger und er wollten möglichst bald zusammenziehen.

Für den Bruchteil einer Sekunde verlor Dodo ihre Gutmütigkeit. Wenn sie nur irgendetwas zur Hand gehabt hätte. Pfefferspray. Ein Küchenmesser. Einen Baseballschläger. Eine Atombombe. Aber dann verstrich dieser erschreckende Moment der Gutmütigkeitslosigkeit. Die Gefühle für Stefan waren ihr irgendwann beim Dauereinsatz als Vollzeitpflegerin ohnehin abhanden gekommen. Nur aus Zuneigung zu der alten Frau hatte Dodo so lange die Stellung gehalten. Letztlich tat es Dodo auch nur um den ultramodernen Breitbildfernseher Leid.

So stand sie nun da: 28 Jahre alt und noch nichts vom Leben oder von der Welt gesehen.

Dodo zog zurück nach Schwäbisch Hall zu ihren Eltern, denen das »Wir haben’s dir ja gleich gesagt« in den Augen stand, weinte sich eine Woche lang in den Schlaf, wischte sich dann rigoros den Rotz ab, stellte ihre Grinsebäckchen wieder auf Dauerbetrieb und schrieb sich an der Uni Stuttgart für ein Kunstgeschichtsstudium ein.

Um nochmal auf den Vogel zu sprechen zu kommen: Nur die Eier des Dodo schmeckten wirklich köstlich, das Fleisch war alles andere als wohlschmeckend. Und wenn man den Dodo zu lange kochte, wurde er sogar zum »Ekelvogel«, wie ein spanischer Conquistador in sein Rezeptbuch schrieb, nachdem er im Jahre 1681 den letzten Dodo erschlagen hatte. Also nur kurz anbraten und reichlich würzen, lautete sein Rat, der aber hinfällig war, weil es ja nun keine Dodos mehr gab.

Das Schicksal hatte Dodo Nonnenmacher ebenfalls nicht weich, sondern zäh gekocht. Sie war nunmehr bereit und fest entschlossen, ihr Glück zu finden.

Vier Jahre später...

1. KAPITEL

Moin, moin

Dodo schwante nichts Gutes, als sie in das Büro von Professor Tücking bestellt wurde. Der »tückische Alte«, wie er gern genannt wurde, weil es einfach auf der Hand lag, hegte enorme Vorbehalte gegen ältere Studierende. Sie nähmen jungen am Anfang ihrer Laufbahn stehenden Menschen den Studienplatz weg, pflegte er mit sauertöpfischer Miene zu dozieren. Dabei hatte ihm seinerzeit nur der Numerus clausus den Zugang zur medizinischen Fakultät versperrt und kein Fünfzigjähriger, der sich zum Albert Schweitzer berufen fühlte.

Es war 15 Uhr. Die Sonne brannte gnadenlos in das Hochhaus-Eckbüro, in dem die Universität Stuttgart ihren leitenden Kunsthistoriker untergebracht hatte. Dodo war hundemüde. Um sich finanziell durchzubringen, putzte sie jeden Morgen ab sechs Uhr – bevor sie mit dem Zug nach Stuttgart pendelte – die Räumlichkeiten eines Yogastudios. Dummerweise ging es dem Yogastudio finanziell auch nicht so rosig. An diesem Morgen hatte ihr der Swami, ein ausgemergelter Hungerhaken mit Lederhaut und strohigem Haar, angeboten, sie in Naturalien auszuzahlen. »Yoga gratis«, hatte er gesäuselt und dabei an seinem hüftlangen graublonden Pferdeschwanz gezupft. »Plus eine Tantra-Massage pro Woche. Was sagst du dazu?«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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