Küsse niemals einen Rockstar - Rockstar Sommer (Teil 3) - Sandra Helinski - E-Book

Küsse niemals einen Rockstar - Rockstar Sommer (Teil 3) E-Book

Sandra Helinski

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2,99 €

Beschreibung

Band 3 der neuen Rockstar-Romance-Reihe von Sandra Helinski (Groß, blond, Rockstar! Traummann?)
Erste Vorableserstimmen
"Eine echte Liebesgeschichte mit allem drum und dran" – "Landhaus, Hund, Rockstar - das möchte ich auch <3" – "Für alle, die Romance und Chicklit-Geschichten lieben, perfekt!" Über Rockstar Sommer Band 3: Küsse niemals einen Rockstar, denn dadurch wird dein Leben nicht gerade einfacher! Das weiß Anna sehr genau und dennoch kann sie nichts dagegen tun, dass Eddi Markgraf – der Sänger von „Damn Silence“ – ihr immer mehr den Kopf verdreht. Eigentlich soll sie ihm helfen, seine gesundheitlichen Probleme auszukurieren. Dabei braucht Anna im Moment seine Unterstützung viel mehr, da ihr Traum zu platzen droht. Zum Glück steht ihr der Rockstar mit Rat und Tat zur Seite und auch als Retter in einer brenzligen Situation macht sich Eddi außerordentlich gut. Wie soll Anna es da nur schaffen, sich nicht in ihn zu verlieben? Über die Autorin Nach dem Erfolg ihres Debüt-Romans Groß, blond, Rockstar! Traummann? knüpft Sandra Helsinski an das Thema Rockstar-Romance an und veröffentlicht mit Rockstar Sommer ihre erste Serie. Band 1 – Neuanfang mit Rockmusik – und Band 2 – Stumme Rockstars beißen nicht – sind erstmals im Juli 2016 veröffentlicht worden. Band 3 – Küsse niemals einen Rockstar – und Band 4 – Haben Rocksongs ein Happy End? – sind ab August als E-Book erhältlich.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 210




Über dieses E-Book

Küsse niemals einen Rockstar, denn dadurch wird dein Leben nicht gerade einfacher! Das weiß Anna sehr genau und dennoch kann sie nichts dagegen tun, dass Eddi Markgraf – der Sänger von Damn Silence – ihr immer mehr den Kopf verdreht.

Eigentlich soll sie ihm helfen, seine gesundheitlichen Probleme auszukurieren. Dabei braucht Anna im Moment seine Unterstützung viel mehr, da ihr Traum zu platzen droht. Zum Glück steht ihr der Rockstar mit Rat und Tat zur Seite und auch als Retter in einer brenzligen Situation macht sich Eddi außerordentlich gut. Wie soll Anna es da nur schaffen, sich nicht in ihn zu verlieben?

Rockstar Sommer umfasst vier Bände

Neuanfang mit Rockmusik – Teil 1 ISBN: 978-3-96087-023-4 Taschenbuch-ISBN: 978-3-96087-027-2Mehr Infos hier

Stumme Rockstars beißen nicht – Teil 2 ISBN: 978-3-96087-024-1 Taschenbuch-ISBN: 978-3-96087-067-8Mehr Infos hier

Küsse niemals einen Rockstar – Teil 3 ISBN: 978-3-96087-025-8 Taschenbuch-ISBN: 978-396087-029-6 

Haben Rocksongs ein Happy End? – Teil 4 ISBN: 978-3-96087-026-5 Taschenbuch-ISBN: 978-3-96087-030-2Zur Leseprobe

Impressum

Erstausgabe August 2016

Copyright © 2016, dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH

Made in Stuttgart with ♥

Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 978-3-96087-025-8

Taschenbuch-ISBN: 978-3-96087-029-6

Covergestaltung: Antoneta Wotringer Grafikdesign unter Verwedung eines Motivs von © pixabay.com

Lektorat: Astrid Rahlfs, RaBe Lektorat

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse aller Werke dieser Ausgabe sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

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ROCKSTAR SOMMER

Küsse niemals einen Rockstar

Teil 3

Sandra Helinski

Was bisher geschah

Anna Diemer hat Glück: Eine unverhoffte Erbschaft von ihrer Tante eröffnet ihr die Möglichkeit, aus ihrem alten, ungeliebten Leben auszubrechen und noch einmal völlig neu anzufangen. Sie kehrt ihrer Heimatstadt Berlin den Rücken, um ein altes Haus mitten im Niemandsland zu renovieren. Sie verwirklicht ihren Traumberuf und beginnt, Hunden mit Verhaltensproblemen zu helfen. Es gelingt ihr bei ihrem ersten Patienten Pino, einem aggressiven Rottweiler-Mischling, das Vertrauen des Hundes zu wecken und ihn zugänglicher zu machen. Er wächst ihr in dieser Zeit so ans Herz, dass sie ihn schließlich mit nach Hause nimmt.

Unterdessen hat ihre Freundin Suzi, die bei der Plattenfirma von Annas Lieblingsband Damn Silence arbeitet, die spontane Idee, dass deren Sänger Eddi Markgraf, dem eine Auszeit aufgrund gesundheitlicher Überlastung nahegelegt wird, bei Anna auf dem Hof am besten aufgehoben sein könnte.

Das Zusammenleben mit Eddi ist für Anna nicht einfach. Er will nicht einsehen, dass er krank ist. Jeden ihrer Versuche, ihn auf seine Probleme anzusprechen, blockt er ab.

Anna versucht ihr Bestes Eddi zu helfen, ihn mehr in ihr Leben einzubeziehen und ihn mithelfen zu lassen. Nur langsam und fast unmerklich vollzieht sich eine Wandlung in ihm. Er wird offener und beginnt Anna zu vertrauen. Das hat allerdings auch Auswirkungen auf ihr eigenes Seelenleben, denn sie fühlt sich immer stärker zu ihm hingezogen.

1. Kapitel

Es war Montag und damit wieder Zeit für Anna zu arbeiten. Gleich nach dem Frühstück rief sie bei Michael an, dem Besitzer des rüpelhaften Labradors, und vereinbarte einen weiteren Termin mit ihm und Pepper. Sie war sich sicher, die Lösung für seine Probleme gefunden zu haben und wollte nun seine Meinung zu ihrer Idee hören.

Von Eddi war nichts zu sehen. Das war auch besser für Annas Seelenfrieden.

Erst als sie schon fast auf dem Weg zu ihrem Termin war, kam er die Treppe herunter. Anna hielt unwillkürlich die Luft an. Doch Eddi ließ mit keiner Geste durchblicken, dass er den vergangenen Abend irgendwie merkwürdig gefunden hatte.

Im Gegenteil, er lächelte sie an und fragte: „Hi, hast du einen Termin? Wieder ein Hund mit schlechten Manieren?“

Anna musste aufgrund seiner Formulierung grinsen. Sie nickte.

„Ich lasse Pino wieder bei dir, ja? Kaffee steht noch in der Maschine. Mach’ dir was zum Frühstück, ich bin gegen Mittag zurück.“

Als sie hinausging, lächelte sie immer noch.

Sie war erleichtert, dass sich ihr Zusammenleben nicht unnötig verkompliziert hatte, nur weil sie selbst nicht mehr sicher war, was ihr Gefühlsleben anging.

Ihr kurzer Wortwechsel von gerade eben hatte fast etwas von Eheleben. Sie verabschiedete sich zur Arbeit und ließ noch letzte Anweisungen für „ihren Mann“ zurück.

Gerade als Anna ins Auto steigen wollte, fiel ihr ein, dass Professor Laikkonen heute Vormittag kommen wollte. Sie war schon halb auf dem Weg zurück ins Haus, als sie es sich anders überlegte. Eddi sollte keine Chance haben, dem Arzt schon wieder aus dem Weg zu gehen. Also war es besser, sie sagte nichts. Er würde es schon merken, wenn er da war.

Als sie bei ihrem heutigen Kunden klingelte, wurde sie direkt an der Tür von einem aufdringlich hochspringenden und rempelnden Pepper und seinem geknickten Besitzer Michael erwartet. Allerdings meinte sie einen leichten Hoffnungsschimmer in Michaels Miene zu bemerken. Sie hoffte, dass sie etwas gefunden hatte, was das Zusammenleben zwischen ihm und seinem Hund erleichterte.

Sie ging mit ins Haus und akzeptierte Michaels Angebot, ihr einen Kaffee zu machen. Mit dem Kaffee und ein paar Keksen aus der Packung vor sich erzählte sie ihm von ihrer Vermutung, bei Pepper könnte es sich um einen Retriever aus einer Arbeitslinie handeln.

„Und damit wäre sein Verhalten einfach ein Ausdruck dafür, dass er völlig unterfordert und gelangweilt ist“, schloss sie ihren Monolog.

Das Leuchten in Michaels Augen wurde noch stärker. „Meinen Sie wirklich, dass es so einfach ist? Ich gebe Pepper eine Beschäftigung und dann benimmt er sich besser?“

Sie wiegte den Kopf hin und her.

„So einfach wie es klingt, ist es leider nicht. Für einen Arbeitshund reicht es nicht, hin und wieder auf den Hundesportplatz zu gehen oder mit ihm Apportieren zu üben. Er braucht eine richtige Aufgabe. Arbeit sozusagen. Einen Job, so wie wir, dem er den ganzen Tag lang nachgehen und dann abends seine Freizeit genießen kann.“

Michael schaute sie ungläubig an.

„Sie meinen, er soll zur Arbeit gehen? In ein Büro?“

Anna musste unwillkürlich auflachen.

„Nein, natürlich nicht in ein Büro. Wir brauchen einen Job, den Hunde machen können.“

Dann erzählte sie Michael von diesem Mann, der jetzt mit seinem Schäferhund im Rettungsdienst arbeitete.

Er hörte ihr die ganze Zeit geduldig zu, sie konnte aber sehen, wie es in ihm arbeitete und er schon überlegte, ob das für seinen Hund in Frage kommen könnte.

Genau an diesem Punkt war sie auf Michaels Mithilfe angewiesen. Sie konnte nicht entscheiden, welche Aufgabe für Pepper und ihn angemessen war. Schließlich musste es beiden Spaß machen, sonst würde es auf Dauer nicht gutgehen.

„Hm, ich weiß nicht, ob ich in einer Rettungshundeeinheit mitmachen will. Das ist eigentlich nicht so mein Ding“, gab Michael zu bedenken.

„Er muss ja nicht als Rettungshund arbeiten. Es gibt noch viele andere Aufgaben für Hunde. Es gibt Wach- und Schutzhunde, Hütehunde, Rettungshunde, Therapie- und Begleithunde …“

„Moment“, unterbrach Michael sie. „Ich habe mal von einem Hund gehört, der kranken und behinderten Kindern hilft. Meistens reichte schon die bloße Anwesenheit des Hundes. Würde so etwas auch als Arbeit für Pepper in Frage kommen? Oder ist er dafür zu unerzogen?“

„Klar, für sowas ist Pepper sicher besonders geeignet“, beruhigte sie Michael. Sie war froh, dass er so schnell einen Bereich gefunden hatte, für den er sich interessierte.

„Dafür muss er aber natürlich erst einmal ausgebildet und trainiert werden. Es erfordert sehr viel Selbstdisziplin von einem Hund, in solchen Situationen ruhig zu bleiben. Und genau diese Art Training ist es ja, das Pepper braucht.“

Dann fügte Anna noch hinzu: „Hast du im Beruf mit kranken und behinderten Kindern zu tun?“

Michael schüttelte den Kopf. „Nein, aber ich arbeite in der psychiatrischen Klinik in Berlin. Vor allem mit Demenzkranken. Vielleicht würde denen so ein Hundetherapeut auch helfen?“ Da hatte Anna zwar keine Erfahrungen, konnte es sich aber sehr gut vorstellen.

Michael war Feuer und Flamme für diese Idee. Er malte sich schon in allen Details aus, wie er mit seinem Chef sprechen würde und dass er dann Pepper mit auf die Arbeit nehmen konnte. Das würde sogar sein anderes Problem lösen, weil Pepper bisher immer die Wohnung auseinandernahm, wenn Michael arbeiten war.

Anna hoffte, dass sie mit Pepper richtig lag. Noch hatten sie nicht einmal ausprobiert, ob der Hund wirklich nur unterfordert war. Deshalb unterbrach sie Michaels Zukunftsträume abrupt, als sie aufstand und sagte: „Lass uns rausgehen und mal ein paar Sachen testen. Dann sehen wir ja, ob er sich wirklich für eine so schwierige Ausbildung eignen würde.“

Ausgerüstet mit ein paar Leckerli und einer langen Leine machten sie sich auf in den nahen Wald. Pepper benahm sich genauso rüpelhaft wie bei Annas erstem Besuch. Er achtete überhaupt nicht auf die Menschen am anderen Ende seiner Leine. Höchstens, wenn sie ihm lästig wurden, weil sie seine Scheinangriffe auf vorbeifahrende Autos stoppten. Dann drehte er sich schon mal um und kläffte kurz in ihre Richtung.

Zum Glück war es nicht weit bis zum Wald. Nun würde sich zeigen, ob die Lösung für Peppers Problem wirklich so einfach war.

Bisher hatte er nicht viel Erziehung genossen. Nicht, weil Michael es nicht probiert hätte. Nach dessen Aussage hatte Pepper alles zwar schnell gelernt, aber auch ebenso schnell wieder vergessen. Anna tippte in Anbetracht ihrer Vermutung eher darauf, dass der Hund eben auch schnell gelernt hatte, dass er nicht auf seinen Besitzer hören musste, weil dieser nicht konsequent genug war. Das war Michael auch gar nicht vorzuwerfen. Wirklich schlaue Hunde zu erziehen, war eine schwierige und nervenaufreibende Angelegenheit. Nur, wenn man absolut konsequent blieb und den längeren Atem als sein Hund bewies, hatte man überhaupt eine Chance.

Anna zeigte Pepper als Erstes ein Stück Futter. Immerhin war er hier ein typischer Vertreter seiner Rasse. Futter ging über alles. Sie warf das Futterstück, sobald sie seine Aufmerksamkeit hatte, auf den Wegrand. Pepper schaute sie kurz an, als ob sie ihren Verstand verloren hätte.

Was sollte das jetzt? Erst zeigte sie ihm das Futter und dann warf sie es weg? Sie hätte es ihm doch geben können.

Dann senkte er jedoch seine Nase in der Nähe der Stelle, an der das Futterbröckchen gelandet war. Kurz darauf hatte er es gefressen. Statt wie andere Hunde jetzt aber auf den nächsten Leckerbissen zu warten, hatte schon wieder etwas anderes seine Aufmerksamkeit gefesselt. Offenbar hatte er etwas Interessantes gerochen, denn er zog jetzt tiefer zwischen die Bäume und sein Herrchen direkt mit, denn der hatte damit nicht gerechnet.

Michael war enttäuscht, doch Anna beruhigte ihn. Es war typisch für intelligente Hunde, dass sie sich schnell ablenken ließen. Jedenfalls so lange sie nichts Interessantes fesselte. Und ein Futterbröckchen am Wegrand zu suchen war für Pepper keinerlei Herausforderung.

Beim nächsten Mal warf Anna das Bröckchen etwas weiter ins Gehölz. Diesmal suchte Pepper schon etwas länger, fand es aber auch bereits nach kurzer Zeit. Diesmal schaute er schon aufmerksamer zu Anna.

Nun wollte sie noch einen Schritt weitergehen.

Sie setzte den Futterbeutel ein. Es dauerte keine drei Versuche, da hatte Pepper verstanden, dass er den Futterbeutel zu seinem Herrchen bringen musste, um etwas daraus zu bekommen.

Wo andere Hunde mehrmals versuchten, den Beutel auf eigene Faust zu öffnen, probierte es Pepper einmal und gab dann schnell auf, als er einsehen musste, dass er keine Chance hatte. Anna war wirklich erstaunt, wie schnell der Hund die Zusammenhänge zu begreifen schien. Sie war optimistisch, dass sie auf der richtigen Spur war.

Der nächste Schritt war dann, dass Michael Pepper anbinden und den Beutel im Wald verstecken musste. Die Verstecke sollten mit der Zeit immer komplizierter werden, bei einem Hund wie Pepper musste die Herausforderung immer größer werden, damit er nicht das Interesse verlor. Zum Glück verstand auch Michael schnell, was von ihm verlangt wurde, so dass sich Anna auf ein paar Erklärungen beschränken konnte.

Sie beendeten die Trainingseinheit nach einer halben Stunde, in der Pepper viel weiter gekommen war als andere Hunde in wesentlich mehr Trainingseinheiten.

Auf dem Rückweg wirkte Michael sehr gelöst und erleichtert.

„Was mich am meisten fasziniert hat, war, dass er die ganze Zeit bei der Sache war. Er hat nicht einmal randaliert. Nicht mal, als dieses Pärchen mit dem Mops vorbeigegangen ist. Das ist wirklich toll, danke.“

Sie redeten noch eine Weile darüber, wo Michael sich und den Hund weiter ausbilden lassen konnte, dann waren sie auch schon bei ihm zuhause angekommen und Anna verabschiedete sich. Sie vereinbarten ein weiteres Treffen in zwei Wochen, damit Anna sehen konnte, wie weit er und Pepper schon gekommen waren und damit sie gegebenenfalls noch einmal korrigierend eingreifen konnte. Sie legte Michael auch nahe, sie jederzeit anzurufen, falls sich das Verhalten des Hundes verschlechterte oder neue Probleme dazukamen. Bei Annas nächstem Besuch wollten sie sich dann auch Peppers Unarten widmen.

Insgeheim hoffte sie, dass sich ein paar dieser Unarten schon allein aufgrund des Trainings erledigen würden, aber das sagte sie Michael nicht. Sie wollte seine Erwartungen nicht zu hoch schrauben.

Der Weg bis nach Milmersdorf war lang und dann musste sie noch bis zu ihrem Grundstück fahren. Anna hatte genug Zeit über Pepper, dessen Probleme sie vermutlich lösen konnte, und dann auch über Eddi, dessen Probleme sie nicht lösen konnte, nachzudenken.

Schade, dass sie Eddi nicht auch einfach eine Aufgabe geben konnte und dann wären seine Probleme verschwunden. Er hatte bereits einen Job, der ihn forderte. Sogar so sehr, dass es letztlich zu viel gewesen war. Er war bei ihr, um sich zu erholen. Arbeitstherapie war da sicher das falsche Mittel. An Arbeit und Herausforderungen hatte es ihm nie gemangelt. Höchstens jetzt im Moment. Da war ihm sicher öfter langweilig. Aber er sollte sich ja ausruhen.

Zur Ruhe kommen klang irgendwie nach Ruhestand. Das konnte sie sich bei Eddi nicht vorstellen. Und sie glaubte auch nicht, dass er nach dieser Phase der Ruhe und Erholung etwas anders machen wollte als vorher. Die Band und alles darum herum war schließlich sein Traum. Warum sollte er etwas anderes machen? Das machte doch gar keinen Sinn. Und das konnte auch nicht gut sein.

Der Arzt hatte gesagt, Eddi müsse kürzertreten. Er hatte jedoch nicht gesagt, dass er mit dem, was er tat, aufhören müsste.

Aber konnte Eddi überhaupt kürzertreten? Wie sollte das gehen?

Er musste nun mal all diese Termine, Interviews und Konzerte absolvieren. Es war seine Band und er war das Aushängeschild. Die anderen konnten ihm dabei nur schwer helfen. Und die Band brauchte all das, um weiterhin diesen Erfolg zu haben. Alles andere war keine Alternative.

Wenn der Erfolg ausblieb, würde die Plattenfirma sie sicher nicht weiter unterstützen wollen. Es war ein Dilemma.

In diesem Business ging es immer nur darum voranzukommen. Jeder Rückschritt konnte das Aus bedeuten.

Als Anna vor ihrem Tor stand und es öffnete, war sie mit ihren Gedanken noch keinen Schritt weitergekommen. Für Eddi gab es einfach keine Lösung. Jedenfalls fand sie im Moment keine.

2. Kapitel

Zuhause fand Anna nur einen Zettel mit der Nachricht, dass Eddi mit Pino spazieren gegangen war. Auch gut, dachte sie, da hatte sie einen Moment Ruhe.

Sie hatte sich gerade erschöpft hingesetzt, als das Telefon klingelte.

Anna war versucht nicht abzuheben, dann stand sie aber doch auf und suchte den Hörer.

„Anna Diemer am Apparat.“

„Frau Diemer? Hier ist Thomas Schubert von Universal Music. Ist es bitte möglich, mit Herrn Markgraf zu sprechen?“

„Äh nein, tut mir leid“, antwortete Anna stockend.

Sie war mehr als verwundert, warum irgendjemand von Universal bei ihr anrief. Sie hatten doch wohl Eddis Handynummer?

„Er ist leider gerade nicht da.“

Sie hörte Stimmengemurmel am anderen Ende. Das Gemurmel wurde aufgebrachter, aber Anna verstand noch immer kein Wort.

Dann hörte sie ein Kratzen und Schaben und eine Frauenstimme, die sagte „Lass mich mal mit ihr sprechen“. Es war Suzi.

Dann war Thomas Schubert bestimmt Tom.

„Anna? Hier ist Suzi. Ist Eddi wirklich nicht da? Bitte, es ist ganz wichtig, dass wir mit ihm reden.“ Suzis Stimme war ganz eindringlich und aufgeregt. Da war irgendetwas los. Nur leider konnte Anna ihr im Moment nicht helfen. Sie konnte Eddi schlecht herzaubern.

„Nein, sorry Süße“, antwortete sie ihrer Freundin. „Er ist gerade unterwegs mit Pino und ich weiß nicht, wann er zurückkommt.“

„Oh nein! So ein Mist!!!“

Anna musste den Hörer ein Stück vom Ohr weghalten, so sehr hatte Suzi gebrüllt. Da lag anscheinend wirklich etwas im Argen.

„Was ist denn los?“, fragte Anna vorsichtig nach.

Suzi antwortete nicht gleich. Stattdessen hörte Anna sie wieder mit Tom reden. Oder eher streiten.

„Nein, natürlich sage ich ihr, was los ist! Sie ist meine Freundin. Außerdem ist sie die Einzige, die uns noch helfen kann.“

Was Tom darauf erwiderte, verstand Anna nicht.

Suzi allerdings hatte den Telefonhörer wohl noch in der Hand, denn sie war klar und deutlich zu verstehen, als sie sagte: „Ich pfeif’ auf die Vorschriften! Wir brauchen die Unterschrift und du weißt genau, dass daran dein Job hängen könnte. Und meiner auch!“

Das war eindeutig und klang ziemlich ernst. Anna musste dennoch ein wenig lächeln, als sie hörte, wie Suzi mit Tom, der ja ihr Chef war, umsprang. Der hatte es bestimmt zuhause nicht leicht mit ihr.

„Anna?“

 „Ja?“

„Entschuldige die Unterbrechung. Tom meint, dass ich dich nicht einweihen dürfe, aber mit dieser Meinung steht er leider allein da.“

Anna konnte sich gerade bildlich vorstellen, wie Suzi bei diesen Worten giftige Blicke in Richtung ihres Freundes schickte.

„Jedenfalls“, fuhr sie fort, „hat dein Eddi sich tatsächlich bequemt, uns eine E-Mail zu schicken, um darin mitzuteilen, dass das Konzert am Freitag ausfallen muss.“

Anna verdrehte die Augen, als Suzi „dein Eddi“ sagte.

Er war nicht „ihr Eddi“.

Sie sagte aber nichts, sondern hörte weiter zu.

„Leider hat er sich danach auf alle weiteren Versuche, mit ihm Kontakt aufzunehmen, totgestellt. Dabei brauchen wir unbedingt seine Freigabe, damit wir die Stellungnahme wegen der Absage des Konzertes rausschicken können. Er reagiert weder auf E-Mail, noch auf Anrufe oder Textnachrichten. Du bist unsere letzte Hoffnung!“

Beim letzten Satz klang Suzi richtig verzweifelt.

„Könnt ihr die Stellungnahme nicht einfach so rausschicken? Oder kann sie nicht jemand anderes von der Band freigeben?“, versuchte Anna eine Lösung zu finden.

„Nein!“ Suzi klang genervt. „Wir haben einen Vertrag mit der Band und da steht klipp und klar drin, dass jegliche Meldung an die Öffentlichkeit der schriftlichen Freigabe mit Unterschrift von Eddi Markgraf persönlich bedarf. Diesen Passus hat Eddi damals durchgesetzt und er war ihm auch sehr wichtig. Bisher gab es da auch keine Schwierigkeiten, aber diesmal …“

Suzi ließ den Satz in der Luft hängen.

Anna war ratlos. Aber Eddi würde bestimmt demnächst zurückkommen. Das sagte sie Suzi auch. Die war allerdings nicht halb so beruhigt wie Anna gedacht hatte.

„Anna, du musst uns hier unbedingt helfen!“, bat sie eindringlich. „Du musst ihn dazu bringen, diese Stellungnahme zu unterschreiben. Ich habe sie dir gerade per E-Mail geschickt.“

Doch Suzi war noch nicht fertig: „Und – Anna? Bitte lass dir nicht zu lange Zeit damit. Wenn er Änderungswünsche hat, muss das hier auch wieder intern abgesegnet werden, bevor es rausgehen kann. Die Meldung sollte spätestens morgen früh in den Zeitungen stehen, damit die Leute auch noch genügend Zeit haben, ihre Reiseplanungen abzusagen. Sonst kommen da immense Schadensersatzforderungen auf uns zu. Und die Kosten sind jetzt schon in astronomische Höhen gestiegen.“

Anna versprach, ihr Bestes zu geben und Eddi, sobald er auftauchte, die Stellungnahme unter die Nase zu halten.

Nachdem Anna das Telefonat beendet hatte, warf sie das Telefon wütend auf den Tisch. Schon wieder hatte sie sich freiwillig eine Verantwortung aufgeladen, von der sie keine Ahnung hatte, ob sie ihr gewachsen war. Vielleicht hatte Eddi seine Gründe, warum er diese Stellungnahme nicht unterschrieb. Und nun verließen sich sowohl Suzi als auch Tom auf sie, dass sie seine Meinung ändern konnte.

Und von Eddi war immer noch nichts zu sehen. Wohin war er mit Pino gegangen?

Sollte heute Vormittag nicht auch noch Eddis Arzt dagewesen sein? Hoffentlich war er da nicht auch schon unterwegs gewesen. Sie hätte ihm wahrscheinlich doch Bescheid geben müssen. Alles machte sie falsch! Sie war einfach die falsche Person, um für Eddi verantwortlich zu sein.

Missmutig setzte sich Anna nach draußen, um auf ihn und ihren Hund zu warten. Eigentlich hätte sie gut im Garten arbeiten oder im Stall weitermachen können. Aber sie hatte einfach keine Motivation, sich umzuziehen und die Arbeitsgeräte herauszuholen. Lieber grübelte sie noch eine Weile über ihre Situation nach.

Eigentlich ging es ihr gut. Sie hatte diesen tollen Hof geerbt und eine Menge Geld noch dazu. Deshalb konnte sie jetzt endlich ihren Traum leben und als Verhaltenstherapeutin arbeiten. Nicht ganz erfolglos, sollte man meinen. Sie hatte einen eigenen Hund und außerdem wohnte ihr Lieblingssänger bei ihr. Und es war Sommer.

Was wollte sie mehr?

Kein Grund Trübsal zu blasen.

Anna spürte, wie ihre gute Laune zurückkehrte. Sie lehnte sich zurück und schloss die Augen. Jetzt konnte sie die Wärme spüren, die sie umhüllte. Konnte die Bienen um sich herum summen hören. Sie meinte sogar, diesen typischen Sommergeruch wahrzunehmen, der nach Heu und dem schweren, süßen Duft der Jasminblüten von dem Busch hinter dem Haus roch.

Sie müsste mal wieder den Rasen hinten mähen, das Gras stand schon wieder mehr als knöchelhoch. Außerdem wollte sie das kleine Gemüsebeet hinter dem Haus von Unkraut befreien.

Aber das alles hatte auch noch Zeit. Es war niemand da, der sie dafür kritisierte, jetzt hier zu sitzen und einfach nichts zu tun. Niemand, der ihr mit Sprüchen wie „Zeit ist Geld“ oder „Nichtstun macht dumm“ kam, nur weil sie sich mal fünf Minuten Pause gönnte. Sie war so froh, ihrer früheren Arbeit den Rücken zugekehrt zu haben.

Sie hörte Pino auf sich zu rennen und öffnete die Augen. Die Zunge hing ihm bis zum Anschlag aus dem Maul und die Ohren klappten bei jedem seiner Galoppsprünge vor und zurück. Er bremste kurz vor ihr ab und ließ sich dann zur Begrüßung erst einmal ausführlich streicheln.

„Jetzt gerade wünsche ich mir, ich wäre Pino“, hörte sie plötzlich Eddis tiefe Stimme neben sich.

Sie hatte gar nicht bemerkt, dass er nähergekommen war.

Sie verzichtete auf eine Antwort und schaute Eddi stattdessen nur an.

Pino nutzte den unbeobachteten Moment und fuhr einmal mit seiner nassen Zunge quer über ihre Nase.

„Bäh!“, rief Anna aus.

„Meine Küsse wären auf jeden Fall sanfter“, kommentierte Eddi lachend die Situation.

Wie kam er denn jetzt auf so etwas?

Doch weil er immer noch lachte, beschloss Anna, dass sie diesen Kommentar nicht ernst nehmen musste und lachte mit.

Eddi ließ sich auf den Stuhl ihr gegenüber fallen und streckte seine langen Beine unter dem Tisch aus.

„Ah, das tut gut“, seufzte er behaglich.

Anna überlegte, wie sie möglichst unverfänglich nach dem Besuch des Arztes fragen konnte.

„Wie lange wart ihr unterwegs?“, wollte sie deshalb zunächst wissen.

„Hm, wie spät ist es?“, fragte Eddi nach kurzem Überlegen zurück und massierte dabei seine Oberschenkel.

Anna sagte es ihm.

„Dann waren wir zwei Stunden unterwegs. Wir sind losgelaufen, als Professor Laikkonen gegangen ist.“

Er hatte den Arzt also zumindest getroffen.

Dennoch war ihre Neugierde noch nicht gestillt.

Hatten sie miteinander gesprochen?

Was war passiert?

War Eddi deshalb wieder unterwegs gewesen?

All diese Fragen brannten Anna auf der Zunge, aber sie traute sich nicht, sie zu stellen. Also wartete sie ab, in der Hoffnung, dass Eddi von sich aus mehr erzählen würde.

Das hatte er aber offenbar nicht vor, denn er lehnte sich wieder zurück und schloss die Augen. Anna starrte ihn noch eine Weile an, aber von ihm kam keine Reaktion mehr.

Sie entschloss sich, dass jetzt ein ebenso guter wie zugleich schlechter Zeitpunkt sein könnte, diese Unterschrift, die Universal noch von ihm brauchte, anzusprechen.

„Eddi? Heute hat Tom von Universal Music angerufen. Thomas Schubert“, fügte sie noch hinzu, falls er mit dem Namen Tom nichts anfangen konnte. Von Eddi kam immer noch keine Reaktion.

„Eddi?“

Jetzt öffnete er zumindest ein Auge und schaute sie an. Sie redete weiter.

„Es geht um eine Stellungnahme zu dem Konzert am Freitag. Weil das ja ausfallen soll. Sie brauchen da wohl noch eine Unterschrift von dir, dass es so an die Presse gehen kann. Sie sagen, dass sie dich versucht haben zu kontaktieren, dich aber nicht erreichen konnten.“

Sie hatte die ganze Zeit ohne Luft zu holen gesprochen und verstummte jetzt.

Eddi hatte die Augen wieder geschlossen. Sie wartete ab, doch er reagierte nicht. Was sollte das jetzt? Er hatte sie eindeutig gehört.

„Eddi? Ich weiß nicht, ob du das verstanden hast …“, begann sie, wurde jedoch plötzlich von Eddi unterbrochen. Er hatte die Augen geöffnet und sah sie durchdringend an.

„Oh, ich habe dich sehr gut verstanden! Aber es ist egal.“

Jetzt verstand Anna kein Wort. Was war egal? Dass sie gesprochen hatte? Dass er sie verstanden hatte? Oder dass Universal eine Unterschrift von ihm wollte? Sie konnte einfach nicht nachvollziehen, was er meinen könnte.

Eddi setzte sich wieder ein wenig aufrechter hin und lächelte sie plötzlich an. „Warst du schon mal im Wald hinter dem Grundstück? Da ist es wunderschön. So ruhig und friedlich. Ich mag es wirklich sehr!“

Anna glaubte, sich verhört zu haben. Redete er jetzt wirklich über ihren Wald? Sie hatten doch noch gar nichts geklärt. Was sollte das schon wieder?