Labyrinth der Spiegel - Sergej Lukianenko - E-Book

Labyrinth der Spiegel E-Book

Sergej Lukianenko

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Beschreibung

Eine Welt, so real wie die Wirklichkeit – aus der keiner entkommt ...

Jeden Tag schalten Milliarden Menschen ihren Computer ein, um zu arbeiten und sich zu unterhalten. Doch ihr Leben ändert sich schlagartig, als ein geheimnisvolles Programm namens Deep die Kontrolle über das Internet übernimmt. Die Folge: Jeder, der dieses Programm öffnet, wird in eine virtuelle Welt gezogen, die bald nur noch »Die Tiefe« genannt wird. Keiner kann aus der Tiefe entkommen – keiner außer Leonid. Als skrupellose Konzerne auf Leonids Fähigkeiten aufmerksam werden, beginnt für ihn das Abenteuer seines Lebens…

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Seitenzahl: 640

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Das Buch

Eine Stadt in der Stadt: Das virtuelle Deeptown eröffnet den Bewohnern Sankt Petersburgs eine völlig neue Welt. Hier gehen Träume in Erfüllung, nichts ist verboten, alles erlaubt. Doch dieses Paradies kann schnell zum Alptraum werden, denn die User können Deeptown ohne die Hilfe eines in der Realität verankerten Timers nicht wieder verlassen. Sollte dieser versagen, schweben sie in höchster Gefahr. Leonid, Mitte Dreißig und ein genialer Hacker, ist einer der wenigen, die das außergewöhnliche Talent besitzen, den virtuellen Raum einzig und alleine mit Hilfe ihres Bewusstseins wieder verlassen zu können. Als ein User sich in den Wirren Deeptowns verirrt, wird Leonid von den Betreibern der Stadt beauftragt, diesen zu retten. Doch im Laufe seiner Mission muss Leonid feststellen, dass ihn in der Tiefe des virtuellen Raumes etwas erwartet, das nicht nur sein Leben für immer verändern wird …

Der Autor

Sergej Lukianenko, 1968 in Kasachstan geboren, studierte in Alma-Ata Medizin, war als Psychiater tätig und lebt nun als freier Schriftsteller in Moskau. Er ist der populärste Fantasy und Science-Fiction-Autor der Gegenwart, seine Romane und Erzählungen wurden mehrfach preisgekrönt. Die Verfilmung von Wächter der Nacht war der erfolgreichste russische Film aller Zeiten.

Von Sergei Lukianenko sind im Wilhelm Heyne Verlag erschienen: Wächter der Nacht, Wächter des Tages, Wächter des Zwielichts, Wächter der Ewigkeit, Der Herr der Finsternis, Weltengänger, Weltenträumer, Sternenspiel, Sternenschatten, Spektrum, Drachenpfade, Das Schlangenschwert, Die Ritter der vierzig Inseln.

Inhaltsverzeichnis

Das BuchDer AutorERSTER TEIL - Der Diver
Kapitel 00Kapitel 01
Copyright

St. Petersburg, kurz vor der Jahrtausendwende …

Wir arbeiten im Dunkeln – Wir tun, was wir können, Wir geben, was wir haben, Wir arbeiten im Dunkeln.

Aus Zweifeln wurde Leidenschaft, Aus Leidenschaft dann Schicksal. Der Rest – das ist die Kunst, Im Wahnsinn du selbst zu bleiben.

Hacker-Hymne,russische Variante

ERSTER TEIL

Der Diver

00

Am liebsten würde ich die Augen zukneifen. Aber das ist normal. Das bunte Kaleidoskop, der Flitter, der funkelnde Sternenwirbel – alles sehr schön, doch ich weiß, was hinter dieser Schönheit steckt.

Die Tiefe. Eigentlich heißt sie Deep, aber das russische Wort trifft die Sache meiner Ansicht nach genauer. Kein schickes Icon, sondern eine Warnung. Tiefe! Hier lauern Haie und Polypen. Hier ist alles ruhig – nur dass der unendliche Raum, den es eigentlich gar nicht gibt, auf dir lastet. Schwerer und immer schwerer.

Dabei ist sie im Grunde gut, die Tiefe. Auf ihre Art natürlich. Sie weist keinen zurück. Du brauchst nicht mal besonders viel Kraft, um in sie einzutauchen. Um den Boden zu erreichen und wieder nach oben zu gelangen, allerdings schon. Vor allem aber darfst du eins nie vergessen: Ohne uns ist die Tiefe tot. Du musst an sie glauben – und darfst auf keinen Fall an sie glauben. Sonst wirst du eines Tages nämlich nicht mehr auftauchen.

01

Die ersten Bewegungen sind am schwierigsten. Das Zimmer ist ziemlich klein, in der Mitte steht ein Tisch, vom Computer ziehen sich Kabel zur unterbrechungsfreien Stromversorgung in der Ecke, von dort aus weiter zur Steckdose. Ein dünnes Kabel führt zur Telefonbuchse. Unter einem bunten Wandteppich steht ein Sofa, vor der offenen Balkontür ein kleiner Kühlschrank. Mehr brauche ich nicht. Vor fünf Minuten habe ich die Vorräte im Kühlschrank überprüft, verhungern werde ich in den nächsten vierundzwanzig Stunden garantiert nicht.

Als ich den Kopf nach rechts und nach links drehe, wird mir kurz schwarz vor Augen, aber das ist gleich wieder vorbei. Kein Grund zur Panik. So was kommt vor.

»Alles in Ordnung, Ljonja?« Die Kopfhörer sind voll hochgedreht. Ich verziehe das Gesicht.

»Ja«, antworte ich, »den Ton leiser.«

»Den Ton leiser«, wiederholt Windows Home. »Leiser, leiser …«

»Das reicht, Vika«, befehle ich. Es ist ein gutes Betriebssystem. Verlässlich, intelligent und kooperativ.

Etwas von sich eingenommen, wie alle Produkte von Microsoft, aber damit musst du dich abfinden.

»Viel Glück«, wünscht mir Vika. »Wann soll ich bereit sein?«

Ich blicke auf den Bildschirm, auf die Stelle, in der in einer Aureole aus orangefarbenen Funken ein Frauengesicht prangt, jung und ganz hübsch, aber nichts Besonderes. Außerdem habe ich von Schönheit inzwischen genug.

»Ich weiß nicht.«

»Ich bräuchte zehn Minuten für den Selbsttest.«

»Gut. Aber nicht länger. In zehn Minuten müssen alle Ressourcen zur Verfügung stehen.«

Das Gesicht auf dem Bildschirm runzelt die Stirn, während die Software die Schlüsselwörter herausfiltert.

»Nur zehn Minuten«, wiederholt Windows Home brav. »Ich mache dich jedoch erneut darauf aufmerksam, dass mein Arbeitsspeicher häufig nicht ausreicht, um die mir gestellten Aufgaben zu bewältigen. Eine Erweiterung auf …«

»Klappe!« Ich stehe auf. Klappe – das ist ein kategorischer Befehl, danach traut sich Vika nicht mehr zu widersprechen. Ich mache einen Schritt nach links, einen nach rechts … bestens. O nein, ich will keinesfalls fliehen – eher kerkere ich mich freiwillig ein. Ich gehe zum Kühlschrank, hole mir eine Dose Sprite raus und öffne sie. Die Limo rinnt mir kalt durch die Kehle. Das ist schon eine Art Ritual, denn in der Tiefe bekomme ich immer einen trockenen Mund. Mit der Dose in der Hand trete ich auf den Balkon, in den warmen Sommerabend hinaus.

In Deeptown ist fast immer Abend. Leuchtreklamen überfluten die Straßen mit ihrem Licht, die dahinschie-ßenden Autos brummen leise. Die Menschen bewegen sich in einem gewaltigen Strom vorwärts. Fünfundzwanzig Millionen ständige Einwohner, die größte Metropole der Welt. Von meinem zehnten Stock aus kann ich die Gesichter natürlich nicht erkennen. Ich trinke die Sprite aus, werfe die Dose nach unten und kehre zurück ins Zimmer.

»Wie unfein«, brummt der PC. Ohne auf ihn zu reagieren, gehe ich in die Diele, ziehe mir Schuhe an und öffne die Wohnungstür. Das Treppenhaus ist leer, hell und sehr, sehr sauber. Während ich am Schloss herumhantiere, versucht eine winzige Wanze durch die noch halboffene Tür in die Wohnung zu kriechen. Ach ja, amüsieren sich die Lamer mal wieder! Ich habe für das dreiste Insekt bloß einen ironischen Blick übrig, denn in meiner Wohnung zieht es – so dass es immer wieder zurückgetragen wird. Als ich endlich die Tür schließe, knallt die Wanze bereits völlig ausgelaugt dagegen. Es gibt eine kurze Explosion, und das Ding trudelt zu Boden.

»Soll ich beim Hausbesitzer Beschwerde einlegen?«, fragt Windows Home. Die Stimme kommt nun aus silbernen Nadeln am Revers meines Hemdes.

»Ja«, antworte ich. Ich vergesse ständig, Vika klarzumachen, dass ich selbst der Hausbesitzer bin.

Der Fahrstuhl wartet in meinem Stockwerk. Normalerweise nehme ich die Treppe … und schiele dabei in fremde Wohnungen rein. Da wohnt sowieso niemand. Aber jetzt habe ich es eilig. Der Aufzug bringt mich im null Komma nichts nach unten. Als ich aus dem Haus trete, spähe ich die Straße hinunter. Ob sich der Insektenfan noch hier herumdrückt? Aber nein, nirgends entdecke ich eine verdächtige Person, alle haben es verdammt eilig. Die Wanze ist ohne Frage importierte Massenware. Auf der Straße werden die Dinger vergiftet, in den Wohnungen erschlagen  – trotzdem sterben diese Viecher nicht aus.

Früher habe ich mich selbst mal mit solchem Quatsch beschäftigt. An wirklich interessante Informationen bin ich durch meine Wanzen jedoch nur selten rangekommen.

»Ljonja, die Immobiliengesellschaft Poljana hat eine Beschwerde vom Mieter Nr. 1 erhalten.«

»Ignoriere sie«, knurre ich, während ich einen Kerl beobachte, der die Straße hinunterläuft, eine echt abgefahrene Type. Der junge Arnold Schwarzenegger gekreuzt mit dem älteren Clint Eastwood. Sieht zum Brüllen komisch aus. Als er meinen spöttischen Blick auffängt, legt er einen Zahn zu.

Ich hebe den Arm, kurz darauf hält ein gelber Wagen am Straßenrand.

»Ljonja, die Immobiliengesellschaft Poljana hat deine Beschwerde ignoriert!«

»Schon gut, macht nichts.«

Das könnte ewig so weitergehen, nur habe ich im Moment keine Lust auf diese Spielchen. Ich steige ins Auto, der Fahrer – ein lächelnder Mann mit tadellosem Haarschnitt und gestärktem Oberhemd – dreht sich zu mir um. Mit solchen Leuten fahre ich gern, sie sind gut ausgebildet und reden nicht viel.

»Die Gesellschaft Deep-Explorer freut sich, Sie begrüßen zu dürfen!«

Meinen Namen nennt er nicht, denn die Software hat das Taxi anonym gerufen.

»Wie wollen Sie zahlen?«

»So«, sage ich und ziehe einen Revolver aus der Tasche. Ich ramme dem Typen die Mündung gegen die Schläfe. Er will sich wehren, doch das bringt nichts. Ich beobachte sein kreidebleiches Gesicht und packe ihn am Kragen. »Ins Viertel Al Kabar«, befehle ich.

»Die genannte Adresse existiert nicht«, presst der Fahrer heraus. Er ist geradezu ausgeknockt und leistet keinen Widerstand mehr.

»Al Kabar. Acht-Sieben-Sieben-Drei-Acht.« Der einfache Code öffnet den Zugang zu den Dienstadressen des Deep-Explorers. Ich hätte den Fahrer nicht zu schlagen brauchen, aber dann wäre meine Fahrt in den Logs der Gesellschaft aufgetaucht.

»Wird erledigt.« Der Fahrer lächelt, er ist jetzt wieder genauso freundlich und zuvorkommend wie vorher. Wir fahren los. Ich sehe aus dem Fenster, die Wohnviertel Deeptowns mit ihren Wolkenkratzern, die bis unters Dach mit kleinbürgerlichem Gesindel vollgepfercht sind, die pompösen Firmenbüros ziehen vorbei. Ich mache die langen grauen Kästen von IBM, die prachtvollen Paläste von Microsoft, die filigranen Türme von AOL und die bescheideneren Niederlassungen anderer IT-Konzerne aus.

Klar, es gibt auch Möbelhäuser, Lebensmittelfirmen, Immobiliengesellschaften, Reisebüros, Transportunternehmen oder Krankenhäuser, schließlich legt es jedes halbwegs solvente Unternehmen darauf an, eine Dépendance in Deeptown zu eröffnen.

Gerade dieser Überfluss lässt Deeptown ja boomen. Im Grunde hätte ich mich auch zu Fuß durch die Stadt bewegen können, nur würde das viel zu lange dauern. Stattdessen rasen wir nun durch die Straßen, bremsen an Kreuzungen, nehmen Tunnel und brettern über Autobahnkreuze. Von mir aus. Ich hätte den Fahrer anweisen können, den kürzesten Weg zu wählen, doch in dem Fall hätte er sich mit der Zentrale in Verbindung setzen müssen. Und ich hätte eine Spur hinterlassen …

Die Stadt endet abrupt, als sei die Wand aus Palästen und Wolkenkratzern mit einem riesigen Messer abgesäbelt worden. Direkt hinter der Ringautobahn liegt Wald. Dichter, dunkler Wald – der alle, die sich nicht unbedingt auf dem Präsentierteller wiederfinden wollen, abschirmt.

»Halt an!«, sage ich, als wir die Mangobäume hinter uns haben und durch und durch mittelrussische Sträucher erreichen. »Beim nächsten Pfad.«

»Bis zum Viertel Al Kabar ist es aber noch weit«, gibt der Fahrer zu bedenken.

»Stopp!«

Das Auto bleibt stehen. Ich steige aus und trete einen Schritt vom Taxi weg. Der Fahrer wartet. Ich ebenfalls, denn auf der Straße nähern sich Lichter. Und wozu Zeugen? Doch irgendwann …

Ich ziele auf das Auto und drücke ab. Der Schuss ist kaum zu hören, der Rückstoß nur schwach. Trotzdem geht die Karre in Flammen auf. Der Fahrer sitzt da und stiert vor sich hin. Kurz darauf hat Deep-Explorer einen Wagen weniger.

Bestens. Soll nur alles aussehen, als hätten sich ein paar Rowdys einen Scherz erlaubt. Ich verdrücke mich in den Wald.

»Wie unfein«, brummt Windows Home aus der Nadel.

»Sind alle Einstellungen optimal?«

»Ja.«

»Dann brauche ich jetzt deine Hilfe. Such das Versteck! Codename Iwan.«

»Der leuchtende Baum«, teilt mir Vika mit.

Ich sehe mich um. Aha. Da drüben, da leuchtet eine riesige Eiche mit einem magischen blauen Feuer. Und zwar nur für mich. Zu ihr gehe ich, stecke die Hand in eine Aushöhlung und hole eine große, schwere Rolle heraus. Ich ziehe mich um und stehe schließlich in Hosen, einem weißen Leinenhemd und einem gemusterten Gürtel da. Ein Kurzschwert in einer Scheide, ein paar Sachen in meinen Hosentaschen. Das Versteck habe ich vor ein paar Tagen illegal angelegt, von einem Rechner in der Zentrale der transkaukasischen Eisenbahn aus. Bei den schwachen Admins, die die haben, werden sie den kleinen Hack nicht so schnell bemerken.

»Wo ist der Bach?«, frage ich.

»Rechts.«

Über das sprudelnde Wasser gebeugt betrachte ich mein Spiegelbild. Ein paarmal schlage ich mit der flachen Hand darauf, dann ziehe ich die Konturen mit dem Finger nach und lösche es damit. An seiner Stelle zeichnet sich in dem vibrierenden Spiegel nach und nach ein kräftiger, dunkelblonder Mann ab. Das Gesicht ist so gutmütig und naiv, dass ich kotzen könnte.

»Danke«, sage ich Vika und richte mich auf. Ein Weilchen genieße ich einfach den Wald. Teufel auch, ich bin verdammt lange nicht aus der Stadt mit ihrer verpesteten Luft herausgekommen!

»Sag, edler Prinz, wartest du gar auf mich?«, fragt da jemand hinter mir. Als ich herumfahre, tritt aus den dichten Büschen ein stattlicher, mir bis an die Brust reichender Wolf heraus.

»Kann schon sein«, antworte ich und betrachte voller Faszination den Wolf. Was für ein prächtiges Tier! Er ist nicht einfach grau, sondern hat ein fast schwarzes Fell, mit einem Schuss Wolfsfarbe. An einigen Stellen ist es verfilzt, an der rechten Vorderpfote klebt eine Klette.

»Wie du mir wohl munden würdest, edler Prinz?«, sinniert der Wolf und fletscht die Zähne. Die gelben Fänge wirken wie die Zähne eines Rauchers, einer ist völlig abgebrochen. Ein ausgewachsenes, erfahrenes Tier.

»Hüte deine Zunge, so du mein Ritterschwert nicht kennenlernen willst«, improvisiere ich. »Zeig mir, dass du deines Futters würdig bist!«

Lächelnd lässt sich der Wolf nieder. »Und wie entlohnst du mich, Recke?«

»Mit dreitausend Dollar«, antworte ich. Der Wolf nickt zufrieden und reibt sich mit der Pfote über die Schnauze. »Al Kabar?«, erkundigt er sich.

»Richtig geraten.«

»Unsere Mission?«

»Diebstahl.«

»Wer ist der Auftraggeber?«

Ich zucke die Achseln. Welche Antwort erwartet er auf diese Frage? Solche Auftraggeber werfen nicht gern mit Visitenkarten um sich.

»Versuchen wir es!«, sagt der Wolf. »Du bist bereit?«

»Ja.«

»Dann steig auf!«

Sobald ich auf dem Rücken des Wolfs sitze, trottet er in leichtem Trab los. Instinktiv ducke ich mich vor den Zweigen weg, was den Wolf zu einem leisen Kichern veranlasst. Gut, der Spaß sei ihm gegönnt!

Schon nach ein paar Minuten preschen wir aus dem Wald heraus. Unter uns liegt jetzt gelber Wüstensand. Es ist heiß, verdammt heiß sogar, und Windböen zwingen mich, die Augen zusammenzukneifen. Vor mir klafft eine hundert Meter breite Schlucht, auf der anderen Seite erhebt sich eine orientalische Stadt. Minarette, Kuppeln, alles in orangefarbenen, gelben und grünen Tönen. Sieht ziemlich gut aus. Ganz in der Nähe führt eine … mhm … na, sagen wir mal, eine Brücke über die Schlucht. Ein feiner Faden, zart wie eine Saite. Das eine Ende führt zur Stadtmauer, das andere hält eine monströse, zehn Meter hohe Steinfigur in der Hand. Ihre Fratze ist einfach widerlich.

»Na, da wartet ja ein ordentliches Stück Arbeit auf uns«, bemerkt der Wolf. »Meinst du nicht, du hättest mehr für den Job verlangen sollen, Iwan Zarewitsch?«

»Ist wahrscheinlich nur halb so wild«, murmele ich, während ich die Statue mustere. »Außerdem hat man mir gesagt, dass es hier eine Brücke gibt.«

»Was willst du eigentlich klauen?«

»Ein paar güldene Äpfelchen.«

»Deshalb also die Maskerade als Märchenprinz.« Abermals kichert der Wolf. »Und womit sind diese Äpfelchen gefüllt?«

»Keine Ahnung.« Ich springe vom Rücken des Wolfes, stelle mich neben ihn und halte ihn mit der Hand am Fell fest. »Du, ich bin gleich wieder da, ich will nur schnell eine Limo trinken.«

»Tu dir keinen Zwang an«, erwidert der Wolf und sieht sich um.

Ich schließe die Augen.

Tiefe, Tiefe, ich bin nicht dein … Tiefe, Tiefe, gib mich frei …

Ich zuckte zusammen und stand auf. Auf den winzigen Displays erkannte ich die Wüste, die Schlucht, die Statue und im Hintergrund die Stadt. Alles war recht nett designt. Al Kabar hatte gute Designer.

Der VR-Helm, ein aufgemotztes Serienprodukt von Sony, war schwer. Es besaß exzellente Farbdisplays, Top-Kopfhörer samt eingebautem Mikro und einen Ventilator, der mir Luft in der adäquaten Temperatur ins Gesicht pustete. Gerade in der Hitze der Wüste. Ich nahm den Helm ab, legte ihn auf den Tisch, neben die Tastatur. Auf dem Bildschirm erschien das vertraute Frauengesicht. »Willst du die Verbindung trennen, Ljonja?«, erklang es aus den Kopfhörern.

»Nein, warte!«

In der realen Welt sah mein Zimmer genauso aus wie im virtuellen Raum. Nur dass draußen kein Sommerabend in Deeptown war, sondern ein verregneter Herbstabend in St. Petersburg. Der feine Regen brachte Kälte mit, in der Ferne hupte ein Auto. Ich öffnete den Kühlschrank und nahm mir eine Dose Sprite. Diesmal würde ich in der realen Welt trinken! Ich machte mir den Spaß und schaute vom Balkon auf die Straße. Die leere Dose, die ich im virtuellen Raum hinuntergeworfen hatte, gab es natürlich nicht. Dann wollen wir die Unterschiede mal beseitigen!

Meine Haare waren nass, ich rubbelte sie mit einem Hemd, das überm Stuhl lag, trocken, setzte mich an den Rechner, überprüfte die Kabel, die von meinem Sensoranzug zur Deep-Platine führten. Alles bestens, auch wenn meine Bewegungen leicht verlangsamt waren, als liefe ich durch Sand. Mein linkes Bein musste ich stärker nachziehen, weil die Feinabstimmung mal wieder zu wünschen übrigließ. Egal, darum würde ich mich später kümmern!

Als ich mir den Helm wieder aufsetzte, kam es mir vor, als würde ich den Kopf in einen Backofen stecken. Diese Schweine aus Al Kabar! Verschanzten sich hinter den miserabelsten Bedingungen!

Nun hatte ich wieder die virtuelle Welt vor Augen, die aber noch genauso unrealistisch wirkte wie ein billiger Trickfilm. Eine körnige Darstellung, eine schöne, aber grobe Grafik eben. Mehr brachte der Rechner nicht.

Aber das verlangte auch niemand von ihm. Die Tiefe ohne den Menschen – wo kämen wir denn da hin?

Ich blinzelte und entspannte mich, versuchte aus eigener Kraft in den virtuellen Raum einzudringen. Natürlich klappte das nicht. Statt in der Wüste hockte ich immer noch zu Hause, vor meiner Kiste … Mir blieb nichts anderes übrig, als den Arm auszustrecken und den Befehl einzugeben.

Deep.

Enter.

Prompt explodiert in der Wüste die Farbenpracht des Deep-Programms. Eine Sekunde lang sehe ich noch die winzigen Displays, spüre ich das weiche Polster des Helms, dann driftet mein Bewusstsein ab. Mein Hirn will Widerstand leisten – aber es ist zu schwach. Die Deep-Software wirkt auf alles.

Allerdings gibt es Menschen – und zwar einen von dreihunderttausend  –, die die Beziehung zur Realität nicht vollständig verlieren. Die selbstständig aus der Tiefe auftauchen können. Die Diver.

Mich zum Beispiel.

Der Wolf grinst mich an.

»Hast du dir die Kehle befeuchtet, Recke?«

»Ja.«

Ich überzeuge mich rasch, dass alles in Ordnung ist. Im virtuellen Raum ist mein Körper eine simple Zeichnung, die vom Rechner an jeden x-beliebigen Punkt in Deeptown oder seiner Umgebung übertragen wird. Aber das Schwert an meinem Gürtel und die Sachen in meiner Tasche, das sind nicht einfach nur Zeichnungen. Es sind Icons, mit denen ich weitere Anwendungen starten kann. Und ohne die wäre ich jetzt aufgeschmissen.

»Also, pass auf«, sage ich. »Ich geh allein über die Brücke, schnappe mir die Trophäen, und dann hauen wir ab.«

»Wie du meinst«, erwidert der Wolf.

Ich gehe über den Sand, der heiße Wind gibt immer noch keine Ruhe, ja, ich meine sogar, die Sandkörner würden mir in den Augen pieksen. Dieser Eindruck ist bereits nicht mehr dem Helm zu verdanken. Das ist mein Hirn, das wahrnimmt, was es in einer echten Wüste wahrnehmen müsste.

Die Statue kommt immer näher, wirkt immer realer. Der gehörnte Kopf mit den gefletschten Zähnen, die Pfoten mit den steinernen Muskelbergen. Ein Ifrit, nehme ich an. In der arabischen Mythologie kenne ich mich nicht sonderlich gut aus. In der linken Hand hält er den dünnen Faden.

Eine Brücke aus einem Pferdehaar.

Ich mache mich daran, den Fuß des Monsters hochzukraxeln. Wie dämlich mein Körper jetzt in der leeren Wohnung aussehen muss, wenn er Klimmzüge in der Luft macht! Aber ich sollte besser bei der Sache bleiben!

Der letzte Meter ist der schwerste. Ich stemme mich an dem stacheligen Steinknie ab und versuche, die Hand zu erreichen, aber Fehlanzeige. Ich nehme an, für die legalen Besucher von Al Kabar ist ein anderer Weg vorgesehen.

Jedenfalls muss ich erst mal den Granitphallus dieses Monstrums erklimmen. Ich höre den Wolf kichern. Der Mistkerl. Der hat gut lachen.

Endlich stehe ich auf dem Handteller. Ich teste den Faden mit dem Fuß aus, er schwankt leicht. Wie eine Saite. Unten, weit, weit unter mir, sind Felsen und die blaue Schlange eines Flusses zu erkennen.

»Nur Mut, mein Held!«, feuert mich der Wolf an.

Normale VR-Besucher können nicht über diese Brücke gehen, irgendwas stimmt mit dem Ding nämlich nicht.

Mit einem Mal bewegt sich die Hand, auf der ich stehe, und ballt sich langsam zur Faust. Die Haarbrücke zittert und droht zu reißen. Über mir lauert die Fratze mit den gebleckten Zähnen des zum Leben erwachten Monsters.

»Wer bist du?«, brüllt der Kerl so laut, dass ich fast taub werde. Übrigens brüllt er auf Russisch!

»Ein Gast!«, schreie ich und setze alles daran, meine Beine aus der Umklammerung der Granitfinger zu befreien.

»Ein Gast bringt keine verbotenen Dinge mit«, lacht das Monster.

Der Zeigefinger der rechten Hand schießt auf mich zu, als wolle er mich zerquetschen. Ob ich will oder nicht, ich kneife die Augen zusammen. Aber das Monster zeigt nur auf das Schwert.

O nein, hier habe ich es nicht mit einem schlichten und wehrlosen Programm zu tun, wie es hinter dem Fahrer vom Deep-Explorer gesteckt hat. Hier habe ich es mit einer hervorragenden, pseudointelligenten Sicherheitssoftware zu tun, die Windows Home weit überlegen ist. Wie hätte es sonst meine Muttersprache rausgekriegt?

»Ein Gast kommt nicht ungebeten.«

»Aber man hat mich hergebeten!«

»Wer?«

Jetzt muss ich alles auf eine Karte setzen.

»Du hast nicht das Recht, mich nach seinem Namen zu fragen.«

»Ich habe jedes Recht«, teilt mir das Monster mit.

Und damit schließt sich die Faust.

Eigentlich müsste ich jetzt, nach diesem »tödlichen Angriff«, in die Realität zurückkatapultiert werden. Sonst könnte mein Hirn nämlich einen echten Schmerzschock imaginieren, mit allen Folgen.

Genau deshalb blockiert auch nur ein Selbstmörder die Sicherheitsvorrichtung des Deep-Programms.

Oder ein Diver.

Mein zermatschter Körper liegt auf der Hand des Monsters. Mein Schädel ist platt wie eine Flunder, ein Auge starrt in den staubigen, heißen Himmel, das andere auf den steinernen Fußnagel. Der Ifrit bricht in schallendes, hochzufriedenes Gelächter aus. »Du, der du in Gestalt eines Wolfs gekommen bist!«, schreit er. »Präge dir das Schicksal deines Freundes ein!«

So hat er also meine Muttersprache herausgekriegt! Er hat unser Gespräch belauscht. Allerdings reicht sein »Verstand« nicht aus, um zu begreifen, mit wem er es zu tun hat …

Das Monster versteinert wieder. Ich warte noch eine Sekunde, dann stehe ich auf. Mein Körper setzt sich langsam wieder zusammen. Ein normaler User käme jetzt in der Realität zu sich, vor einem vorwurfsvoll summenden Rechner.

Ob die Sicherheitssoftware von Al Kabar überhaupt etwas von Divern weiß?

Das Monster rührt sich nicht. Klar, ich bin ja tot, und zwar schon eine ganze Weile. Vorsichtig trete ich auf die Haarbrücke.

»Wer bist du?«

Schon wieder …! Anscheinend reagiert er ausschließlich auf die Berührung der Brücke. Das zu wissen macht die Sache jedoch nicht leichter.

»Einer, der nicht in deiner Macht ist«, antworte ich.

»In wessen dann?«

Mal was Neues.

»In der Allahs«, sage ich auf gut Glück.

Diesmal schlägt das Monster mit der freien Hand zu, so dass ich halb über den Rand seines Handtellers schlittere. »Es steht dir nicht zu, den Namen des Allmächtigen im Mund zu führen, Dieb«, belehrt er mich.

Der Wolf wälzt sich lachend im Sand. Das nehme ich mit meinem unverletzten Auge immerhin noch wahr.

Ach ja, der Humor von Entwicklern ist nun mal eher amerikanisch als arabisch geprägt. Während ich auf der Hand liege, denke ich nach. Irgendwann stehe ich wieder auf. Noch rührt sich das Monstrum nicht.

»Gibt es einen anderen Weg, Vika?«, frage ich.

»Auf dieser Seite ist das der einzige Kanal«, teilt mir mein Rechner unverzüglich mit. Die Stimme leiert und hat jede Intonation eingebüßt. Ich muss mir wirklich mehr Speicherplatz zulegen. »Alle anderen Kanäle nach Al Kabar öffnen sich nur auf Befehl von innen.«

»Können wir mit Gewalt etwas ausrichten?« Ich fasse nach dem Schwertgriff. Das Viren-Programm zur Anwendung vor Ort ist winzig, ich müsste es nicht mal von zu Hause downloaden. Ich bräuchte bloß das Schwert zu ziehen, zuzuschlagen und …

»Dann würde der Kanal zerstört werden.«

Klar. Das Monster hält die Brücke schließlich nicht umsonst in seiner Hand: Sobald ich die Sicherheitssoftware knacke, reißt das Haar über der Schlucht.

»Scheiße.«

»Das habe ich nicht verstanden.«

»Klappe!«

Nun betrachte ich das Monster genauer. Die steinernen Lider sind halboffen, aus dem Mund hängt ein kleiner Stalaktit aus Spucke. Das ist pure Show, logisch, eine Beigabe für Gäste mit schwachen Nerven. Der übliche Wachhund am Eingangsgate. Aber irgendwo im Haar liegt der Verbindungskanal, der ins Viertel Al Kabar führt. Und von eben da kommen die Signale, die regeln, ob man den ungebetenen Gast einlässt oder vernichtet.

»Hey, Iwan Zarewitsch, ich hab nicht ewig Zeit!«, schreit der Wolf.

Stimmt, ich muss endlich was unternehmen. Bisher hat mich das Programm automatisch ausgeknockt, aber nächstes Mal könnten sich durchaus die Systemadministratoren von Al Kabar einschalten. Und zwar sowohl die virtuellen wie auch die traditionellen.

»Belebe den Schatten!«, befehle ich Vika.

Die dunkle Silhouette auf dem Handteller fängt an sich zu bewegen, gewinnt Volumen, richtet sich auf, füllt sich mit Farbe. Ich schneide meinem Doppelgänger eine Grimasse, der bleibt mir nichts schuldig.

»Bewege den Schatten!«, kommandiere ich. »Finde das Passwort!«

Es dauert einen Moment, denn der Rechner muss erst auf die Dateien zugreifen, um dem Schatten alles zu überspielen, was er über Al Kabar weiß. Schließlich betritt mein Doppelgänger die Brücke. Natürlich bringt mir das rein gar nichts – bis auf Zeit.

»Wer bist du?«, brüllt das Monster und packt sich den Schatten. Als sich die Finger schließen, schaffe ich es gerade noch zu entwischen, über die geballte Faust zu kriechen und auf den Faden zu springen.

»Wer bist du?«, donnert es da hinter mir. Und sogleich schmeißt mich das Monster mit seiner rechten Hand zu Boden. Ich zersplittere in tausend kleine Scherben. Auf dem Rücken liegend beobachte ich meinen Doppelgänger, der auf der Hand herumzappelt.

Also, auf den kann ich mir wirklich was einbilden. Eine solide Arbeit.

»Wer bist du?«, wiederholt das Monster seine Frage.

»Einer, der nicht in deiner Macht steht.« Auch mein Doppelgänger versucht, den Ifrit auszutricksen.

»In wessen Macht befindest du dich?«

»In meiner eigenen.«

Wie viele Todesarten dieses Monster wohl noch für Diebe auf Lager hat? Immerhin wären da noch die Zähne, die Hörner … auch mit dem Phallus könnte es bestimmt etwas anstellen …

»Weshalb bist du hierhergekommen?«

»Um Macht über mich selbst zu erlangen.«

»Dann gehe und finde sie!«

Die Faust öffnet sich, das Monster versteinert. Ich bleibe liegen und ringe nach Atem. Mein Doppelgänger steht reglos am Rand des Handtellers.

»Vika, woher kriegt der Schatten seine Antworten?«

»Aus einer offenen Datei von Al Kabar, sie heißt Die virtuelle Stellenbewerbung.«

Der Wolf kommt näher. »Was ist passiert?«, flüstert er.

Ich erkläre es ihm.

»Sag mal, Iwan Zarewitsch, du bist nicht eigentlich Iwan der Dumme?«, knurrt der Wolf.

Was soll ich darauf sagen? Klar, ich hätte mir erst mal alle Dateien ansehen müssen, und nicht nur die geklauten zur virtuellen Ausgestaltung des Viertels.

»Vika, verschmelze uns!«, befehle ich.

Der Schatten saugt mich förmlich auf. Jetzt übernimmt dieser Körper das Kommando. Und er ist bereits auf der Brücke.

Allerdings ist das ein Pyrrhussieg. Der Ifrit hat nämlich längst Meldung über den Besucher gemacht, der gerade die Brücke überquert. Also wird auf der anderen Seite ein Empfangskomitee auf mich warten.

Ein Einzelner, der es mit einer Gruppe aufnimmt, ist jedoch zum Tode verurteilt – in jedem Raum, selbst im virtuellen.

Okay, das lässt sich nicht ändern. Ich muss jetzt losgehen, muss diese Haarbrücke betreten.

Ehrlich gesagt, ist dieser Hochseilakt praktisch unmöglich, sogar für Profi-Akrobaten. Die Brücke ist wirklich nur ein Faden über einer Schlucht. Die Türme von Al Kabar in der Ferne locken, sind aber unerreichbar.

Tiefe, Tiefe, ich bin nicht dein …

Ich kniff die Augen zusammen, öffnete sie aber gleich wieder. Vor meiner Nase sah ich die Schlucht, den Faden darüber, die Gebäude in der Ferne. Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht schaffe! Den Blick nach unten geheftet setzte ich vorsichtig einen Fuß vor den anderen und balancierte über die Brücke.

Das ist bloß ein Bild!, rief ich mir in Erinnerung. Ohne Erdanziehung! Außerdem hat ein Avatar sowieso keinen Körperschwerpunkt! Tritt also ruhig auf den Faden, du wirst sehen, es klappt. Jetzt fiel mir übrigens auch auf, dass der Boden der Schlucht nur flüchtig designt war. Den Fluss hatte ich mir selbst ausgedacht. Ein anderer an meiner Stelle hätte vielleicht unter sich Baumkronen oder einen Lavastrom gesehen.

Jetzt, wo mein Bewusstsein nicht ins Spiel involviert war, schmolz der Abstand rasch. Eine halbe Minute – und schon hatte ich die Schlucht überquert.

Die Brücke mündete in die Zinnen der breiten Festungsmauer. Auf ihr standen bereits zwei Mann, die mit Gefolge auf mich warteten. Kompakt designte Muskelprotze mit Schwertern an den Gürteln, einer mit Turban, einer mit Glatze. Sobald ich auf die »Ziegel« der Mauer trat, flüsterte ich: »Vika, starte Deep.«

Feuerfunken tanzen vor meinen Augen. Heute treibe ich wirklich Missbrauch mit meinem Unterbewusstsein, indem ich es ständig ein- und ausschalte. Morgen sind mir Kopfschmerzen, Herzrasen und totale Erschöpfung garantiert. Sei’s drum – heute ist heute, morgen ist morgen.

Inzwischen hat mein Empfangskomitee auch einen einwandfreien menschlichen Körper.

»Das ging ja schnell, Gast«, bemerkt der Kahle. Er hat das gutmütige Gesicht eines arabischen Wachpostens aus dem Märchen Sindbad der Seefahrer. Der andere ist genauso klischeehaft auf Araber getrimmt, sieht aber wesentlich gemeiner aus. Seine Augen funkeln, er nimmt nicht eine Sekunde die Hand vom Schwert. Ein Kampfvirus in meinem Rechner, das hätte mir echt noch gefehlt!

»Brauchen andere Besucher denn länger?«, frage ich.

»Diese Brücke hat noch nie jemand überwunden«, erklärt mir der kahle Posten freundlich. »Ein Mensch ist einfach außerstande, auf dem Pferdehaar das Gleichgewicht zu halten.«

»Dann muss das Paradies leer sein«, sage ich und seufze. Anscheinend lenke nicht ich das Geschehen, sondern das Geschehen mich. Solche Wendungen mag ich nicht.

»Dafür gibt es in der Hölle genügend Platz für alle.«

Schöne Aussicht.

»Gehen wir!«

Jetzt bloß keinen Widerstand leisten! Immer hübsch brav und freundlich. In einem fremden Kloster verlangt man nicht nach dem eigenen Gebetbuch.

Von der Mauer führt eine breite, steile Treppe nach unten. Die nehmen wir. Der gutmütige Wachposten geht voraus, der finstere schnaufend hinter mir her. Ich gebe mir alle Mühe, Letzteren zu ignorieren, und starre die ganze Zeit auf die Glatze des Gutmütigen. Mitten auf dem Scheitelpunkt prangt eine dicke Warze. Ob die tatsächlich designt ist oder mir mein Unterbewusstseins etwas vorgaukelt? Aber es wäre unklug, aus der Tiefe aufzutauchen, nur um eine solche Lappalie zu klären.

Das Viertel Al Kabar ist relativ klein, höchstens ein Quadratkilometer im virtuellen Raum. Das heißt allerdings gar nichts. Sicher, manche Firmen, so auch Microsoft, stellen ihren Mitarbeitern ganze Paläste für die Arbeit zur Verfügung. Das kostet ja nicht viel, ist dafür aber sehr eindrucksvoll. Andere dagegen geben sich mit billigen Standardbüros zufrieden, bei denen du dich fragst: Wozu bitte schön haben wir eigentlich die virtuelle Welt?!

Al Kabar gehört offenbar zur zweiten Kategorie. Ich spähe durch ein Fenster in einen der flachen Steinbauten hinein, an denen wir vorbeigehen.

Die Einrichtung kenne ich zu wenig, um Näheres darüber sagen zu können. Mehrere Tische, an denen Leute sitzen. Ein Typ hält ein Reagenzglas in der Hand. Ha! Chemische VR-Experimente! Mal was Neues. Auch wenn so was nur bei Versuchen mit hochgiftigen Stoffen sinnvoll ist. Oder mit Bakterienkulturen. Trotzdem werd ich’s mir merken.

»Wohin bringt ihr mich?«, frage ich. Der Glatzkopf dreht sich nicht um, antwortet aber. »Zum Direktor des Konzerns.«

Den Namen nennt er nicht, aber auch so hat er mir genug verraten. Al Kabar ist ein multinationaler Konzern, spezialisiert auf die Herstellung von Pharmaka, auf Telefonverbindungen und, wenn ich mich nicht irre, Erdölgewinnung. Trotz der ganzen arabischen Aufmachung hat das Unternehmen seinen Sitz in der Schweiz. Ihr Direktor ist Friedrich Urmann, eine viel zu bedeutende Persönlichkeit, als dass sie mit jedem x-beliebigen Besucher sprechen würde.

Aber mir bereitet man diesen warmen Empfang …

Wir bleiben an einer kleinen, von Weinreben umrankten Laube stehen. Als ich von hinten einen Schubs kriege, trete ich ein. Die beiden Wachen beziehen draußen Posten.

Drinnen ist es wesentlich geräumiger, als es von draußen den Anschein hat. Hier stellt sich die Laube als riesiger Pavillon dar, mit einem Becken in der Mitte, in dem funkelnde Fische träge ihre Bahnen ziehen. Neben einem Tisch stehen zwei Sessel. Überall gibt es Blumen, deren Duft ich mit der Zeit sogar wahrnehme.

Außer mir ist hier sonst niemand.

Dann wollen wir mal warten. Ich setze mich in einen der beiden Sessel.

Vor meine Augen schiebt sich ein zarter Schleier – womit ich allerdings gerechnet habe. Sie sondieren jetzt meinen Verbindungskanal, denn sie wollen herauskriegen, woher ich komme, wie viel Daten ich pro Sekunde empfangen und weiterleiten kann, welche Programme ich dabeihabe …

Na, dann viel Spaß! Euch erwarten sechs Router, die ich nur heute benutzt habe. Einer reicht die Datenpakete an den nächsten weiter, und keiner von ihnen ist leicht zu knacken. Am Ende landet dann alles bei einem bezahlten Gateway in Österreich, über den ich in den virtuellen Raum gelangt bin.

Sicher, ich habe Spuren hinterlassen – nur führen sie ins Nichts.

Sie können die Verbindung natürlich auch jederzeit unterbrechen und mich aus dem Viertel werfen. In dem Fall würden sich aber alle Programme, die ich bei mir habe, sofort schließen. Dann hätten sie nicht mehr viel, das sie untersuchen könnten. Darauf sind sie aber erpicht, und zwar extrem, das bezweifle ich nicht im Geringsten.

»Der erste Router ist identifiziert«, teilt mir Windows Home mit.

Das ging schnell. Ich schüttle den Kopf – und danach ist der Sessel mir gegenüber plötzlich nicht mehr leer.

Herr Friedrich Urmann hält nichts von arabischer Tracht. Er trägt Shorts und ein Hemd mit Blumenmuster. Ein älterer Mann, sehnig, ernst.

»Guten Tag …«, begrüßt er mich. Auf Russisch. Doch seine Stimme klingt unnatürlich, durch das Übersetzungsprogramm verzerrt. »… Diver.«

Das also ist der Grund für die hohe Ehre.

»Ich fürchte, da irren Sie sich, Herr Direktor.«

»Als wir vor einem halben Jahr die Brücke gebaut haben, haben wir dabei nur ein Ziel vor Augen gehabt, Herr Diver. Jemanden wie Sie zu entdecken. Ein Mensch, der sich im virtuellen Raum befindet, könnte diese Brücke nämlich nie überqueren.« Urmann deutet ein Lächeln an. »Ich sehe zum ersten Mal einen echten Diver.«

Eins zu null. Gegen mich.

»Und ich sehe zum ersten Mal einen echten Multimillionär. Damit hat unser Gespräch also bereits erste Früchte getragen.«

»Der zweite Router ist identifiziert«, raunt Windows Home.

Urmann runzelt die Stirn: Anscheinend erhält er die gleiche Mitteilung. »Verzeihen Sie, aber über wie viele Computer sind Sie eigentlich hierhergekommen?«, fragt er mich.

»Ich habe sie nicht gezählt, tut mir leid.«

Urmann zuckt die Achseln. »Wie soll ich Sie nennen?«

»Iwan Zarewitsch.«

Eine kurze Pause, dann ein Lächeln. Man hat ihm das Ganze erklärt.

»Oh, ein russischer Märchenheld! Sie sind Russe?«

»Spielt das etwa eine Rolle?«

»Nein, natürlich nicht … Herr Diver, wie die Dinge liegen, sind Sie illegal in unser Viertel eingedrungen …«

»Ach ja?«, entgegne ich erstaunt. »Ehrlich gesagt, suche ich Arbeit. Und als ich Ihre Anzeige gelesen habe, bin ich einfach über die Brücke gegangen … Aber dann habe ich doch gemacht, was diese merkwürdigen Wachposten von mir verlangt haben.«

Eins zu eins.

»Ja, ja, schon gut.« Friedrich Urmann fegt meinen Einwand buchstäblich beiseite. »Wir wollen Ihnen daraus gar keinen Strick drehen, Herr Diver. Selbst die etwas befremdlichen Dinge, die Sie bei sich haben …«

Langsam und theatralisch leere ich meine Taschen. Ein Kamm, ein Taschentuch, ein kleiner Spiegel. »Bitte sehr. Wollen Sie das Schwert auch noch haben?«

»Ich bitte Sie, wozu denn das?« Urmann winkt bloß ab. »Keiner von uns will ja wohl ein Gemetzel, oder? Lassen Sie uns also in aller Ruhe miteinander reden.«

»Der dritte Router ist identifiziert.«

»Nur schade, dass uns immer weniger Zeit für dieses Gespräch bleibt«, erwidere ich und seufze.

»Wohl wahr, daran fehlt es ja immer. Also, Herr Diver, ich habe Grund zu der Annahme, dass einige Personen an verschiedenen unserer neuen Produkte interessiert sind. Diese Personen haben sogar einen Diver angeheuert … der die fremden Früchte ernten soll.«

»Die Äpfel«, konkretisiere ich.

»Ganz genau. Wir beschäftigen einen hervorragenden russischen Programmierer, der für unsere geschützten Daten ein sehr schönes Design gefunden hat.« Urmann klatscht in die Hände. Die Luft um uns herum trübt sich, verdichtet sich. Prompt materialisiert sich ein kleiner Baum voller Früchte. »Ich nehme an, am meisten interessiert Sie der hier, dieser kleine grüne Apfel am untersten Zweig.«

Ich betrachte die heiß begehrte Frucht. Der Apfel ist klein, unreif und wurmstichig.

»Was meinen Sie, Diver, wie viel die Konkurrenz wohl für diese Datei zahlen würde?«

»Zehntausend«, übertreibe ich ein wenig.

Urmann sieht mich an. »Zehntausend Dollar?«, hakt er nach.

»Ja.«

»Ehrlich gesagt, wären nicht einmal hunderttausend zu viel. Aber lassen wir das. Gehen wir einmal davon aus, dass ich demjenigen, der versucht, diese Datei zu stehlen, einhundertundfünfzigtausend anbiete. Unter der Bedingung, dass er mit uns kooperiert. Selbstverständlich gegen ein angemessenes Honorar.«

»Was ist das?«, frage ich. »Ein Mittel gegen Krebs?«

»Nein.« Urmann schüttelt den Kopf. »Das wäre unbezahlbar. Das ist lediglich ein Mittel gegen Erkältung. Allerdings ein sehr, sehr wirksames. Wir planen, es in die Produktion aufzunehmen, jedoch erst nachdem die Vorräte der weniger effizienten Medikamente verkauft sind. Was sagen Sie zu meinem Angebot?«

»Ich fürchte, ich muss Sie enttäuschen«, antworte ich und versuche, nicht an die Summe zu denken, die er mir genannt hat. »Aber der Ehrenkodex der Diver verbietet solche Deals.«

»In Ordnung.« Urmann erhebt sich. »Ich habe mit dieser Antwort gerechnet. Und ich respektiere Ihre Einstellung.«

Er tritt an den kleinen Baum heran und pflückt mit einer gewissen Anstrengung den Apfel. Seine Lippen bewegen sich dabei, offenbar spricht er das Passwort. »Bitte!«

Der Apfel wandert in meine Hand. Ein schweres Ding, bestimmt zwei Megabyte. Jeden Versuch, das Ding sofort zu kopieren, kann ich mir sparen. Mir wird nichts anderes übrigbleiben, als ihn mitzunehmen. Ich stecke den Apfel in meinen Ausschnitt, hefte die Datei also an mein Avatar. Dann sehe ich Urmann wieder an.

»Ich setze alles auf eine Karte«, sagt er sehr ernst. »Ich opfere eine überaus erfolgversprechende Entwicklung. Sie können sie Herrn Schöllerbach geben, mit den besten Grüßen von mir. Aber ich habe eine Bitte: Wenden Sie sich danach noch einmal an uns und verhandeln Sie mit uns über eine feste Anstellung. Ich will gar kein Geheimnis daraus machen, dass wir sehr dringend einen Diver bräuchten.«

»Der vierte Router ist identifiziert … der fünfte Router ist identifiziert … Alarm! Alarm! Alarm!«

»Einverstanden.« Jetzt stehe ich ebenfalls auf. Das alles kommt ziemlich überraschend. Außerdem hätte ich nie gedacht, dass führende Geschäftsleute zu derart großen Gesten fähig sind. »Ich verspreche wiederzukommen. Wenn Sie mich jetzt aber entschuldigen wollen …«

»Nein, Herr Diver, jetzt müssen Sie schon mich entschuldigen. Sie werden unser Territorium ungehindert verlassen können, allerdings erst nachdem wir Ihre ständige Adresse eruiert haben. Gewissermaßen als Garantie für das Versprechen, das Sie uns eben gegeben haben.«

Die Gitterwände des Pavillons dunkeln ein, als habe man sie unter festem Stoff verhüllt. Ich mache einen Schritt, was mir nicht leichtfällt. Obwohl sie meine Verbindung noch nicht gekappt haben, dauert die Übertragung mittlerweile viel länger. Urmann macht nur noch abgehackte Bewegungen, vor meinen Augen verschwimmt alles, der Apfel droht, aus meinem Hemd auf den Boden zu fallen, Vikas Stimme holpert und hat die Intonation eingebüßt: »Alarm … A …larm …«

Das war’s dann wohl. Diese Multimillionäre sind verdammt gute Spieler.

Genauer gesagt, ihre Angestellten, zu denen man mich unbedingt auch stecken will.

»Vika, eine geringere Auflösung!«, flüstere ich, während ich mich weiter zum Tisch vorkämpfe. Wenn die Software mich jetzt bloß versteht, wenn sie jetzt bloß keine konkreteren Befehle verlangt!

Doch da verändert sich der Pavillon auch schon. Das gitterartige Muster verschwindet von den Wänden, die Blumen verlieren ihre Blüten und einen Teil der kleinen Blätter, Urmanns Hemd wird gröber.

Dafür komme ich nun aber an meine Sachen auf dem Tisch. Ich schnappe mir das Taschentuch. Ach ja, wie wichtig doch die Dinge der persönlichen Hygiene sind …

Kaum wedel ich einmal mit dem Tuch – ganz langsam, als befände ich mich unter Wasser –, zerschneidet eine funkelnde Lichtsense die schlummernde kleine Welt des Pavillons. Die einen nennen diese Anwendung Saugfisch, die anderen Weg. Beide Bezeichnungen sind zutreffend. Die Software sucht mir fremde Verbindungskanäle, die ich nutzen kann.

Ein hypermodernes und seltenes Programm, das fast nie versagt.

Eine Wand stürzt teilweise ein, so dass der Weg nach draußen für mich frei ist. Offenbar greife ich auf Friedrichs persönliche Verbindung zurück. Bevor ich abhaue, schnappe ich mir noch den Spiegel und den Kamm.

Aus der Wand fahren gezahnte, spitze Lanzen heraus. Die Sicherheitssoftware von Al Kabar. Im verzweifelten Versuch, zwischen den Lanzen hindurchzuschlüpfen, setze ich zum Sprung an.

Tiefe, Tiefe, ich bin nicht dein …

Der Helmventilator blies mir eisige Luft ins Gesicht. Auf den Displays sah ich einen langsam dahingleitenden Streifen: Da wurden Daten übertragen. Unter ihm schloss sich rasant eine Öffnung, das war der Verbindungskanal, der immer enger wurde. So viel zur Schönheit erbitterter virtueller Kämpfe! Dahinter steckt nicht mehr als ein Mix aus Streifen, Buchstaben und Ziffern. Ein Kampf von Programmen, Modems und Bytes.

Das wollte ich gar nicht sehen. Das war ekelhaft und schmerzlich.

»Deep!«, befahl ich.

Sofort kriege ich Kopfschmerzen, aber das ist mir scheißegal. Ich hechte zwischen den Lanzen hindurch und lande auf dem Boden. Ein funkelndes Band schlängelt sich über die Straße und zerstört alles, was ihm in die Quere kommt. Die Gebäude krachen in sich zusammen, die Wand fliegt polternd auseinander. Das Band bewegt sich über die Schlucht und schießt weiter …

Die zwei Posten von vorhin stürmen mir entgegen. Beide mit blanken Schwertern, aber auch ich habe meine Klinge bereits gezückt. Wessen Virus wohl perfider und schneller ist?

Meiner.

Maniac, ein Spezialist für Computerviren, hat ihn mir geschenkt. Ein tödliches kleines Geschenk: Unter dem Schlag meines Schwerts explodiert die Luft und donnert wie der Rülpser eines Drachen über die beiden Posten weg. Sie verbrennen im Handumdrehen, verwandeln sich in schwarze, verkohlte Knochengerüste.

Maniac liebt solche Effekte. Die Computer der Wachen sind jetzt bis über beide Ohren mit einer unglaublich wichtigen Arbeit beschäftigt: Sie berechnen die Zahl Pi, mit einer Genauigkeit von einer Million Stellen hinterm Komma. Sie haben nicht mal genügend Ressourcen, um Admins aus dem virtuellen Raum hinzuzuziehen. Bestens! Sollen sie ruhig noch ein wenig in der Tiefe hocken – statt sich über fremde Rechner herzumachen.

»Wie unfein«, flüstert Windows Home mit mitleidiger Stimme.

Ich sprinte über das Band. Die Verbindung ist nun wieder exzellent, bereits nach ein paar Sekunden erreiche ich die Mauer. Das Band unter mir federt, trägt mich weiter, schießt dahin. Ich lache und blicke mich immer wieder um.

Ha!

Da! In Al Kabar! Die Straßen sind plötzlich voller Menschen, über das Band verfolgen mich neue Wachposten, und aus einem der Häuser kriecht etwas Gigantisches, Schlangenartiges und Ekelhaftes heraus. Ich habe nicht die Absicht, mir das näher anzusehen.

Schneller!

Das Band setzt zum Sprung an. Es schlägt einen hohen Bogen über den Ifrit und will mich hinter ihm absetzen. Das Monster wird jedoch wieder lebendig, vibriert und reißt die Pfoten hoch, so dass die Haarbrücke birst. Trotzdem kriegt er mich nicht zu fassen. Außerdem kann er sich nicht von der Stelle rühren, da er fest mit seinem Verbindungskanal verankert ist.

Auf den letzten Metern fängt das Band allerdings mit einem Mal an zu wackeln und will mich zurückbefördern. Anscheinend haben es die Admins aus Al Kabar doch unter ihre Kontrolle gebracht.

Titel der russischen Originalausgabe

Лабиринт отражений

Deutsche Erstausgabe 01/2011

Redaktion: Hana Hadas

Copyright © 2009 by Sergej W. Lukianenko

Copyright © 2011 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlaggestaltung: Animagic, Bielefeld

Satz: C. Schaber Datentechnik, Wels

eISBN 978-3-641-09198-9

www.heyne-magische-bestseller.de

www.randomhouse.de

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