Lass dich verführen: Große Gefühle bei Knaur #06 - Lilly Lucas - kostenlos E-Book

Lass dich verführen: Große Gefühle bei Knaur #06 E-Book

Lilly Lucas

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Beschreibung

Lässt du dich gerne von romantischen Geschichten verführen? Schlägt dein Herz auch für einfühlsame, berührende, freche und queere Romane? Dann ist dieser Leseproben-Mix genau das Richtige für dich! Lass dich in »New Chances« von Lilly Lucas in die idyllische Kleinstadt Green Valley mitnehmen: Während ihres Work-and-Travel-Aufenthalts in den USA will Leonie Erfahrung im Craft-Beer-Brauen sammeln, doch alles geht schief, was schief gehen kann – bis sie den einfühlsamen Barkeeper Sam kennenlernt. Begleite in Laura Stevens »Bitches Bite Back« drei junge, toughe Freundinnen auf ihrem Kampf gegen Sexismus und Diskriminierung. Witzig, wortgewandt und mit einer geballten Ladung Girlpower! Oder verliere dich in der romantischen Komödie »Kate in Waiting« von Becky Albertalli in einer Dreiecksbeziehung der ganz besonderen Art: Kate und Andersen sind beste Freunde und teilen, seit sie denken können, alles miteinander – und seit neuestem sogar ihre Anziehung zu Matt, der in ihrem Theater-Kurs aufgetaucht ist … Diese und weitere Liebesgeschichten von Nina Bilinszki, Stella Tack und Alicia Zett findest du in der Leseproben-Sammlung zu den verführerischen Liebesromanen des Knaur Verlages. Mal berührend, mal frech und immer mit viel Herzklopfen. Dieses kostenlose eBook enthält Leseproben zu: - Lilly Lucas, »New Chances« - Becky Albertalli, »Kate in Waiting« - Nina Bilinszki, »A Storm Between us« - Laura Steven, »Bitches Bite Back« - Stella Tack, »Light it up« - Alicia Zett, »No Place For Us«

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Lass dich verführen:Große Gefühle bei Knaur

Ausgewählte Leseproben von Lilly Lucas, Becky Albertalli, Stella Tack u.v.m.

Knaur e-books

Über dieses Buch

Lässt du dich gern von romantischen Geschichten verführen? Schlägt dein Herz auch für einfühlsame, berührende, freche und queere Romane? Dann ist dieser Leseproben-Mix genau das Richtige für dich!

Lass dich in »New Chances« von Lilly Lucas in die idyllische Kleinstadt Green Valley mitnehmen: Während ihres Work-and-Travel-Aufenthalts in den USA will Leonie Erfahrung im Craftbeer-Brauen sammeln, doch alles geht schief, was schiefgehen kann – bis sie den einfühlsamen Barkeeper Sam kennenlernt.

Begleite in Laura Stevens »Bitches Bite Back« drei junge, toughe Freundinnen bei ihrem Kampf gegen Sexismus und Diskriminierung. Witzig, wortgewandt und mit einer geballten Ladung Girlpower!

Oder verliere dich in der romantischen Komödie »Kate in Waiting« von Becky Albertalli in einer Dreiecksbeziehung der ganz besonderen Art: Kate und Andersen sind beste Freunde und teilen, seit sie denken können, alles miteinander – und seit Neuestem sogar ihr Interesse an Matt, der in ihrem Theaterkurs aufgetaucht ist …

Diese und weitere Liebesgeschichten von Nina Bilinszki, Stella Tack und Alicia Zett findest du in den Vorab-Leseproben zu den verführerischen Liebesromanen des Knaur Verlages. Mal berührend, mal frech und immer mit viel Herzklopfen.

Dieses kostenlose E-Book enthält Leseproben zu:

– Lilly Lucas, »New Chances«

– Becky Albertalli, »Kate in Waiting«

– Nina Bilinszki, »A Storm Between us«

– Laura Steven, »Bitches Bite Back«

– Stella Tack, »Light it up«

– Alicia Zett, »No Place For Us«

Inhaltsübersicht

VorwortLilly Lucas – New ChancesBecky Albertalli – Kate in WaitingStella Tack – Light it upLaura Steven – Bitches Bite BackAlicia Zett – No Place for UsNina Bilinszki – A Storm Between Us
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Liebe Leser*innen,

ihr liebt romantische Geschichten genauso sehr wie wir? Dann freuen wir uns, euch die Liebesgeschichten aus unserem Programm der nächsten Monate vorstellen zu dürfen! Witzig, einfühlsam, frech, berührend, liebevoll – in unserer Leseproben-Sammlung sind Romantic Comedys ebenso enthalten wie wunderschöne Liebesgeschichten zum Wegträumen. Wir hoffen, dass ihr die eine Geschichte findet, die euer Herz höherschlagen lässt.

Wunderbare Lesestunden wünscht euch

Euer Droemer Knaur-Team

 

P.S.: Wir sind gespannt auf eure Meinung. Besucht uns auf Instagram und erzählt uns, auf welchen Roman ihr euch am meisten freut: Auf @knaurromance teilen wir alle Neuigkeiten rund um unsere romantischen Bücher mit unserer Community.

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Lilly Lucas

New Chances
Roman
Redaktion: Anika Beer

»Warum willst du deine Gefühle ignorieren?«, brachte ich heiser hervor.

»Weil ich Angst habe vor dem, was passiert, wenn ich es nicht tue.«

Während eines Work-and-Travel-Aufenthalts in den USA ihren Traum verwirklichen und Erfahrungen im Craftbeer-Brauen sammeln – das hat sich die 21-jährige Leonie gewünscht. Doch dann geht schief, was nur schiefgehen kann, und Leonie strandet in der Kleinstadt Green Valley, auf der Suche nach irgendeinem Job. Einziger Lichtblick ist der ebenso attraktive wie einfühlsame Barkeeper Sam, dem sie prompt ihr Herz ausschüttet. Keiner von beiden ahnt, dass sie sich schon am nächsten Tag wiedersehen werden: Leonie bewirbt sich als Nanny für die kleine Maya, obwohl sie keinerlei Erfahrung mit Kindern hat – und ohne zu wissen, dass Sam Mayas Vater ist …

 

»New Chances« ist der fünfte Liebesroman der romantischen New-Adult-Reihe »Green Valley Love«. Die übrigen Bände sind in folgender Reihenfolge erschienen:

New Beginnings (Lena und Ryan)

New Promises (Izzy und Will)

New Dreams (Elara und Noah)

New Horizons (Annie und Cole)

New Chances (Leonie und Sam)

1.

Tage, die beschissen anfangen, enden auch beschissen. Es hätte mich also nicht wundern sollen, dass ich den Bus, der mich nach Denver bringen sollte, nur noch von hinten sah. Und dass es der letzte an diesem Abend gewesen war. Keuchend stand ich da und atmete die knochentrockene Hitze des Mesa Countys ein.

»Fuck«, fluchte ich, ließ mich auf meinen Koffer sinken und wischte mir mit dem Handrücken über die schweißnasse Stirn.

»Wo musst du denn hin, Kleine?«, ertönte eine Reibeisenstimme hinter mir.

Erschrocken sah ich auf und blickte in das Gesicht einer Frau. Sie musste zwischen sechzig und siebzig sein, trug ein zerschlissenes Kiss-Shirt und hatte sich das graue Haar zu zwei Zöpfen geflochten, die unter einem Bandana hervorspitzten. In ihrer rechten Hand hielt sie eine prall gefüllte KFC-Papiertüte, die nach zu Tode frittiertem Hähnchen roch und meinen Magen augenblicklich zum Knurren brachte. Wann hatte ich zuletzt etwas gegessen? Im Flugzeug? Nein, im Bus, erinnerte ich mich und dachte an das halb geschmolzene Balisto, das einen kackbraunen Fleck auf meiner Jeans hinterlassen hatte. Die Jeans, die mir gerade wie eine zweite Haut auf den Schenkeln klebte.

»Nach Denver.«

»Denver, hm?« Bedauernd schnalzte sie mit der Zunge. »Liegt nicht auf meiner Tour.«

Tour? Als hätte sie das Fragezeichen in meinen Augen bemerkt, wies ihr Kopf auf einen feuerwehrroten Truck, der ein paar Meter entfernt auf dem Großparkplatz stand. Besser gesagt … thronte. Er hatte gigantische silberne Auspuffrohre an der Fahrerkabine und einen schier endlos langen Sattelauflieger mit einem Logo, das ich noch nie gesehen hatte.

»Ich kann dich aber ein Stück mitnehmen«, sagte sie, während ich noch damit beschäftigt war, die Räder des imposanten Gefährts zu zählen. »Bis nach Green Valley. Von da kannst du den Bus nehmen.«

Sofort hatte ich die Stimme meiner Mutter im Ohr, der ich vor meiner Abreise hoch und heilig versprochen hatte, nie per Anhalter zu fahren – in ihren Augen der sichere Weg in die Arme eines Serienkillers. Allerdings sah die Frau vor mir nicht unbedingt aus, als würde sie mich zersägen und in eine Mülltüte stecken wollen. Noch dazu war sie mindestens einen Kopf kleiner als ich und … dreimal so alt?

»Wo liegt Green Valley?«

»Bisschen was über zwei Stunden von hier«, nuschelte sie. »Mitten in den Rockys.«

»Und von dort fährt heute noch ein Bus nach Denver?«, erkundigte ich mich skeptisch. Es war bereits halb sechs, und wenn es stimmte, was sie sagte, würden wir dieses Green Valley frühestens um acht erreichen.

»Wenn du aufhörst, herumzutrödeln … schon.« Sie lachte kehlig. Ein Lachen, das sich nach zwei Schachteln Zigaretten und einer Flasche Jack Daniels am Tag anhörte. »Ich bin übrigens Elsie.«

»Leonie«, antwortete ich und ergriff etwas zögerlich die Hand, die sie mir hinhielt. Für eine so zierliche Person hatte sie einen überraschend festen Händedruck.

»Wo kommst du her?«

»Aus Deutschland.«

Elsie schielte auf meinen Koffer. »Bist du auf dem Weg zum Flughafen?«

Ich stieß ein bitteres Seufzen aus. »Eigentlich … komme ich von dort.«

Sie runzelte die Stirn.

»Lange Geschichte«, murmelte ich.

»Kannst du mir unterwegs erzählen.« Elsie machte Anstalten, zu ihrem Truck zu gehen. Im Eilverfahren ging ich meine Optionen durch – von denen ich streng genommen nur zwei hatte. Ich konnte eine Nacht hier in Grand Junction bleiben, mir ein Motelzimmer suchen und morgen den ersten Bus zurück nach Denver nehmen – oder in den Truck einer wildfremden Frau steigen, die aussah, als hätte man meine Oma mit einem Hells-Angels-Mitglied gekreuzt. Klar, dass ich mich für Zweiteres entschied. Mit meinem Koffer im Schlepptau folgte ich Elsie und versuchte, mir nicht anmerken zu lassen, wie schwer er war. Ich hatte das Limit von 23 Kilo voll ausgeschöpft, schließlich hatte ich mich auf einen sechsmonatigen Aufenthalt in Colorado eingestellt. Sechs Monate, die heute Morgen auf zwei Tage geschrumpft waren, wenn nicht noch ein Wunder geschah.

Ehrfürchtig blieb ich vor dem monströsen Truck stehen und beobachtete, wie Elsie die Fahrertür aufzog und anscheinend mühelos meinen Koffer hinaufwuchtete. Kurz darauf stieß sie von innen die Beifahrertür auf. Ein Potpourri aus Kaffee, altem Zigarettenrauch und klimatisierter Luft schlug mir entgegen, als ich die zwei Stufen ins Führerhaus nahm und mich auf einem Ledersitz niederließ, der erstaunlich bequem war. Ich schnallte mich an und blickte durch die Fensterscheibe, auf der sich der rote Staub des Mesa Countys niedergelassen hatte. Elsie verstaute meinen Koffer indessen in der winzigen Schlafkabine hinter unseren Sitzen. Als mein Blick die schmale, sichtlich durchgelegene Matratze streifte, überkam mich eine so heftige Müdigkeit, dass ich meine gesamte Willenskraft aufbringen musste, um nicht nach hinten zu klettern und mit meinem Koffer zu tauschen. Ich war seit über vierundzwanzig Stunden auf den Beinen, hatte einen Langstreckenflug und eine fünfstündige Busfahrt hinter mich gebracht und sehnte mich nach einem Bett und mindestens zehn Stunden Schlaf.

Der Motor sprang an, und der Truck setzte sich in Bewegung. Aus dem Augenwinkel beobachtete ich Elsie, die gänzlich entspannt hinter dem Lenkrad thronte und das wuchtige Fahrzeug ohne Probleme aus der Parklücke manövrierte. Mit einer flüchtigen Handbewegung grüßte sie die Fahrer der anderen Trucks, während wir in gemächlichem Tempo über den Parkplatz rollten. Bis wir Grand Junction verlassen hatten, sprachen wir kein Wort miteinander, und auch, wenn es mir nicht unangenehm war, verspürte ich das Bedürfnis, mehr über die Frau zu erfahren, in deren Truck ich gestiegen war.

»Wie lange machst du das schon? Truck fahren, meine ich.«

»Mein halbes Leben lang«, erwiderte sie unaufgeregt. »Als junges Mädchen wollte ich Automechanikerin werden. Aber dann hab ich einen Trucker geheiratet. Jeff und ich sind die Touren lange zusammen gefahren. Quer durchs Land.« Ihr Blick verklärte sich. »War eine tolle Zeit.«

»Was ist passiert?«, fragte ich vorsichtig.

»Herzinfarkt.«

»Das tut mir leid«, flüsterte ich.

Sie tat es mit einer Handbewegung ab. »Ist schon über zehn Jahre her. Seitdem fahre ich Big Betty allein.«

Fast liebevoll tätschelte sie das Lenkrad.

»Big Betty?«

»So hat Jeff sie immer genannt. Nach seiner Großmutter aus Alabama. Muss eine beeindruckende Lady gewesen sein.« Sie zuckte mit den Schultern. »Was ist mit dir? Womit verdienst du dein Geld?«

»Ich bin Brauerin.«

»Brauerin«, wiederholte sie und klang dabei nicht so überrascht, wie ich es gewohnt war. Vielleicht, weil wir beide in einer Männerdomäne arbeiteten. Oder weil das hier in der Gegend ein gängiger Beruf war. Schließlich besaß Colorado mehr Brauereien pro Kopf als jeder andere Staat in den USA. Nur aus diesem Grund war ich hier.

»Machst du Urlaub in Colo?«

»Äh … nein. Work and Travel.«

»Work and Travel?«

Dass sie damit nichts anfangen konnte, wunderte mich nicht. Ausgerechnet im Land der unbegrenzten Möglichkeiten waren die Möglichkeiten, arbeiten und reisen zu verbinden, nämlich sehr begrenzt. Es hatte mich Tage gekostet zu durchschauen, welches Visum ich wo beantragen musste und welche Regularien ich zu beachten hatte, wenn ich ein bezahltes Praktikum machen wollte. Alles umsonst, wie es jetzt schien. Je weiter wir uns von Grand Junction entfernten, umso mehr sickerte diese Erkenntnis in mein Bewusstsein.

»Ich wollte hier eigentlich für eine Craftbeer-Brauerei arbeiten. Und danach noch ein bisschen reisen. Zumindest war das der Plan …«

»Ich nehme an, jetzt beginnt die Geschichte«, bemerkte sie und griff in die KFC-Tüte, als wäre es das Popcorn zu dem Blockbuster, der jeden Moment startete. In Sekundenschnelle erfüllte der Geruch von Hähnchen und Frittierfett das Führerhaus. »Bedien dich«, lud sie mich ein. Zögerlich spitzte ich in die Tüte und zog mir ein paar Pommes heraus.

»Tja, also … morgen wäre mein erster Tag bei Kettle Brew gewesen, aber …«

»Oh«, stieß sie hervor und zog die Nase kraus, was mir verriet, dass sie den Ausgang der Geschichte bereits kannte.

»Ja«, seufzte ich und sah mich wieder vor dem verkohlten Backsteingebäude mit dem gelben Absperrband stehen.

»Hab’s heute in der Zeitung gelesen. Üble Sache. Irgendein Kabelbrand …«

Von einem cable fire hatte auch Zack, der Inhaber der Brauerei, gesprochen, als ich ihn heute Morgen völlig aufgelöst angerufen hatte. Er war gerade bei seiner Versicherung gewesen und hatte nicht viel Zeit gehabt. Sich nur immer wieder entschuldigt, weil er mir nicht mehr rechtzeitig Bescheid gegeben hatte, dass ich mein Praktikum nicht wie vereinbart antreten würde können. Die Stelle, auf die ich mich von Deutschland aus beworben hatte. Die Voraussetzung für mein Visum war. Mein Magen krampfte sich zusammen.

»Die Brauerei muss vorerst den Betrieb einstellen. Ich bin also vollkommen umsonst hierhergekommen«, sagte ich bitter und schob mir noch ein paar Pommes in den Mund.

»Nichts ist umsonst. Glaub mir …« Zweifelnd schielte ich zu ihr, aber Elsie beließ es bei dieser kryptischen Aussage. Inzwischen fuhren wir auf der Interstate, die schnurgerade die karge Landschaft zerschnitt. Das westliche Colorado war vollkommen anders als der Rest des Staates, das hatte ich bereits auf der Busfahrt von Denver nach Grand Junction bemerkt. Hier herrschte nicht das Grün der Wälder vor, das Blau der Seen und Gebirgsbäche. Stattdessen ragten, so weit das Auge reichte, orangerote Sandsteinfelsen in den Himmel.

»Kannst du nicht für eine andere Brauerei arbeiten? Gibt doch hier genügend.«

»Ja, aber leider hat keine von denen spontan ein sechsmonatiges Praktikum übrig. Erst recht kein bezahltes.«

Nach meinem Telefonat mit Zack und einem Heulanfall hatte ich die Zähne zusammengebissen und zu googeln begonnen. Stundenlang. Ich hatte mit Brauereien in Denver telefoniert, in Fort Collins, Boulder, Colorado Springs, Durango – Städte, von denen ich teilweise noch nie zuvor gehört hatte – und schließlich sogar jemanden von der Colorado Brewers Guild an die Strippe bekommen. Von dem Brand bei Kettle Brew hatten die meisten bereits gewusst. Und alle hatten beteuert, wie leid ich ihnen täte. Nur einen Praktikumsplatz hatte niemand für mich gehabt. Eine Brauerei, Gravity Brewing in Louisville, hatte mir eine unbezahlte Stelle ab Dezember angeboten, aber das war in zweierlei Hinsicht zu spät: Ich brauchte in den nächsten 48 Stunden einen Ersatz-Praktikumsplatz, wenn ich legal in diesem Land bleiben wollte. Da hatte sich die Frau vom Konsulat klar ausgedrückt. Noch dazu würde ich mit meinem ohnehin knappen Reisebudget höchstens einen Monat über die Runden kommen.

»Und was hast du jetzt vor?«

»Nach Hause fliegen«, antwortete ich geknickt und fügte leise »Außer es geschieht noch ein Wunder« hinzu.

Elsie stieß indessen ein Brummen aus, ging vom Gas und drückte auf die Warnblinkanlage. Vor uns stauten sich die Autos, und in der Ferne blinkte Blaulicht. Ihre fast angeboren wirkende Gelassenheit begann zu schwinden. Ungeduldig trommelte sie mit den Fingern auf dem schwarzen Vinyl des Lenkrads herum. Erst mit etwas Verzögerung fiel mir ein, dass sie womöglich einen Zeitplan einzuhalten hatte.

»Was transportierst du eigentlich?«

»Sprengstoff.«

Ich verschluckte mich an einem Stück Pommes und begann zu husten, woraufhin Elsie in Gelächter ausbrach. »Toilettenpapier.«

Röte schoss mir in die Wangen.

»Der ganze Truck ist voller Toilettenpapier?«

»Ein paar Paletten Papierhandtücher sind auch dabei, aber ansonsten … ja. Sollte dieser Stau also länger dauern, darfst du dich gern bedienen.«

Nach weiteren zehn Minuten, in denen wir kein Stück vorangekommen waren, zückte Elsie ihr Smartphone.

»Earl, hier ist Elsie«, meldete sie sich kurz darauf. »Wird heute später bei mir. Die 70 ist dicht. Kein Vorankommen.«

Mir fiel auf, wie schnell sie plötzlich sprach. Wie ausgeprägt ihr Slang war.

»Weiß ich noch nicht«, raunte sie. Eine längere Pause entstand. »Ja, bis dann!«

Sie legte das Smartphone zurück in die Mittelkonsole und blickte mürrisch durch die Frontscheibe. Nach wie vor herrschte Stillstand auf der Interstate.

»Kriegst du Ärger, wenn du nicht pünktlich beim Kunden bist?«

Stirnrunzelnd sah sie mich an, bevor ihr ein Licht aufging. »Das war nur mein Bruder. Ich übernachte immer bei ihm, wenn ich die Tour fahre. Green Valley liegt auf halber Strecke. Bietet sich an.« Sie streckte die Arme von sich und ließ ihren Nacken kreisen, bis die Wirbel knackten. »Ich muss heute nur noch zu einem Kunden, und dem ist es herzlich egal, wann ich aufschlage.«

Wenig später kam der Verkehr wieder in Gang. Eine ganze Weile lang folgten wir dem steten Strom gen Osten, während rot glühende Felswüsten zu tiefgrünen Wäldern und schroffen Bergformationen wurden und nach und nach mehr von dem Colorado zutage kam, das ich vor Augen gehabt hatte, als ich in den Flieger gestiegen war. Erschöpft lehnte ich den Kopf gegen die Scheibe und ließ die Landschaft an mir vorbeiziehen, während Elsie neben mir eine Melodie summte, die mir vage bekannt vorkam. Ich dachte an zu Hause, an meine Eltern, die längst schliefen. Nach der Landung hatte ich ihnen, wie versprochen, eine kurze Nachricht geschrieben. Von dem Feuer, das nicht nur die Brauerei, sondern auch meine Pläne zerstört hatte, wussten sie noch nichts. Gott sei Dank. Meine Mutter hätte sich nur Sorgen gemacht und mein Vater sich darin bestätigt gefühlt, dass mein Vorhaben von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Was willst du bei denen lernen? Wie man Bier braut, das wie Wasser schmeckt? Sein spöttisches Lachen noch im Kopf, schloss ich die Augen und ließ mich von einer Welle der Müdigkeit davontragen. Icherwachte erst wieder, als mich jemand kräftig am Arm rüttelte.

»Hey! Kleine! Aufwachen!«

Erschrocken fuhr ich hoch und stieß mir das Knie am Handschuhfach. Der Schmerz, der mir ins Bein schoss, sorgte dafür, dass ich im Nu hellwach war.

»Wo sind wir?«, nuschelte ich und blickte mit verkniffenen Augen aus dem Fenster. Die Fassade einer Kirche ragte in den dämmrigen Himmel. Leicht versetzt befand sich ein Bushaltestellenhäuschen mit einer Anzeigentafel. Einer leeren Anzeigentafel. Kein gutes Zeichen, flüsterte mir mein Unterbewusstsein zu.

»In Green Valley«, antwortete Elsie. »Also … es gibt eine schlechte und eine sehr schlechte Nachricht. Welche zuerst?«

»Hm?«

»Den letzten Bus nach Denver hast du verpasst.«

»Was?!«

»Der Stau auf der 70 hat uns eine halbe Stunde gekostet«, erwiderte sie schulterzuckend.

Stöhnend ließ ich den Kopf nach hinten sacken. Das durfte doch alles nicht wahr sein. »War das die schlechte oder die sehr schlechte Nachricht?«, brummte ich.

»Die schlechte. Die sehr schlechte ist, dass du ihn um zwei Minuten verpasst hast, was echt bitter ist.«

Sie lachte wieder dieses Lachen, das sich eher wie bronchialer Husten anhörte, und ich starrte sie mit einer Mischung aus Unglauben und Fassungslosigkeit an. Meine Laune erreichte ihren endgültigen Tiefpunkt. Wobei … dieser Tag hatte noch ein paar Stunden.

»Komm schon, zieh nicht so ein Gesicht. Es gibt Schlimmeres, als in Green Valley zu stranden. Ist ein netter, kleiner Ort. Manche bezahlen sogar dafür, hier Urlaub zu machen.«

Ihr Aufmunterungsversuch verfehlte seine Wirkung.

»Es gibt da ein kleines Bed and Breakfast am Stadtrand. Das Golden Leaf. Ganz nett und nicht teuer. Soll ich dich hinbringen?«

Ich musste nicht lange überlegen, weil ich sowieso keine andere Wahl hatte. Ja, Tage, die beschissen anfangen, enden auch beschissen.

2.

Der Weg zum Golden Leaf führte durch ein schmales Waldstück. Zu schmal für Big Betty, weshalb Elsie mich bereits vorne an der Straße absetzen musste. Nachdem ich mich bei ihr bedankt hatte, wünschten wir uns gegenseitig alles Gute und verabschiedeten uns voneinander. Das letzte Licht der Dämmerung sickerte durch die Baumkronen, während ich meinen Koffer über den holprigen Waldboden zog. Es war deutlich kühler hier als in Grand Junction, und ich bereute es, am Flughafen meine Jeansjacke in den Koffer gestopft zu haben. Auch die Luft roch anders. Frisch und klar, nach Kiefern und Tannen, Wildkräutern und Blumen.

Das Golden Leaf hob sich als dunkle Silhouette gegen den blauvioletten Abendhimmel ab und strahlte etwas Beruhigendes, fast Verwunschenes aus. Vor der Veranda ragte ein Holzschild mit einem geschnitzten Ahornblatt aus dem Boden, und ein gemauerter Kamin blies Rauch in die Luft. Ich zerrte meinen Koffer die Verandastufen hinauf und betrat einen weitläufigen Eingangsbereich. Hinter einem Empfangstresen aus massivem Holz saß eine Frau mit rotblondem Haar und Sommersprossen und lächelte freundlich. Sie stellte sich mir als Hannah vor und fragte, wie es mir ging. Ich wusste, dass diese Frage in den USA eine reine Floskel war und niemand eine Antwort erwartete – was in meinem konkreten Fall vielleicht auch besser war. Zu meiner grenzenlosen Erleichterung nickte Hannah, als ich nach einem Zimmer für eine Nacht fragte, und bat um meine Kreditkarte.

»Leonie Pirchinger«, las sie holprig ab und versicherte sich mit einem schnellen Blick, ob sie richtig lag.

Ich nickte, obwohl sie meinen Namen englisch ausgesprochen hatte, was eher wie Purginger klang. Kurz musste ich daran denken, wie ich mit Freunden The Purge 3im Kino gesehen hatten und ich mich vor Angst so im Sessel verkrampft hatte, dass ich mir einen Nerv eingeklemmt hatte.

»Hattest du eine gute Anreise?«

Ich nickte, auch wenn das Wort Anreise nicht wirklich beschrieb, wie ich an diesen Ort gelangt war.

»Wo kommst du her?«

»Aus Grand Junction.« Erst mit etwas Verzögerung begriff ich, was sie eigentlich meinte. »Aus der Nähe von München. Deutschland«, korrigierte ich mich.

»Oh, wie schade, dass du nur eine Nacht bleibst. Ryan, einer der Eigentümer des Golden Leaf, ist mit einer Deutschen zusammen. Lena.« Bedauernd verzog sie die Mundwinkel. »Ihren Nachnamen kenne ich leider nicht.«

Kurz fragte ich mich, ob sie ernsthaft glaubte, wir würden uns kennen, nur weil wir beide aus Deutschland kamen. Hannah reichte mir indessen einen verschnörkelten Messingschlüssel, der aussah, als hätte man ihn vom Set einer Jane-Austen-Verfilmung geklaut. »Dein Zimmer ist das erste auf der linken Seite. Der Oak Room. Ich bin noch etwa eine halbe Stunde hier am Empfang. Danach mache ich Feierabend. Wenn irgendwas ganz Dringendes ist, kannst du diese Nummer anrufen.« Sie schob eine Visitenkarte über den Tresen. »Aber bitte wirklich nur im Notfall und nicht, wenn«, sie lächelte, »die Schranktür quietscht.«

Auf meinen verdutzten Gesichtsausdruck hin erwiderte sie schmunzelnd: »Alles schon vorgekommen. Hast du noch Fragen?«

»Äh … ja. Kann ich hier was zu essen bekommen?«

Obwohl ich mindestens die Hälfte von Elsies Pommes gefuttert hatte, knurrte mein Magen schon wieder. Vielleicht eine Folge des Jetlags.

»Leider nicht. Wir bieten nur Frühstück an. Aber in der Stadt gibt es eine Sportsbar, das Olly’s. Und Moe’s Diner hat auch noch geöffnet. Im Steakhouse könntest du es auch versuchen, aber«, sie schielte auf die Uhr, »unter der Woche schließen sie meist früher. An deiner Stelle würde ich ins Olly’s gehen. Da ist immer was los.«

»Ist es weit von hier?«

»Eine Viertelstunde zu Fuß.«

»Okay, danke.«

»Dann wünsche ich dir eine gute Zeit bei uns im Leaf, Leonie!«

Ich bedankte mich, schulterte meinen Rucksack und schleppte meinen Koffer mit letzter Kraft nach oben in den ersten Stock. Das Zimmer war klein, wirkte mit seinen holzverkleideten Wänden und den rustikalen Möbeln aber unglaublich gemütlich. Ich spitzte ins Badezimmer, das so winzig war, dass ich mir mindestens einmal den Ellbogen anstoßen würde, bevor ich mich aufs Bett warf und mit dem Gesicht nach unten liegen blieb. Mit jeder Sekunde, die verging, verließ mich mehr Kraft, schien meinem Körper bewusster zu werden, was für einen Tag ich erlebt hatte. Wie viel Stress und Anstrengung hinter mir lagen, wie viel Frust und Enttäuschung. Meine Beine fühlten sich taub und schwer an, meine Schultern schmerzten, und meine Lider brannten vor Müdigkeit. Und von den Tränen, die ich vergossen hatte. Ich drehte mich auf den Rücken und legte mir beide Arme übers Gesicht. Hätte mein Magen sich nicht irgendwann lautstark zu Wort gemeldet, wäre ich vermutlich bis zum nächsten Morgen einfach hier liegen geblieben. Mit viel Überwindung schwang ich die Beine aus dem Bett und nahm eine extralange heiße Dusche. Ein Handtuch um den Körper gewickelt, betrachtete ich mich kurz darauf im Spiegel. Normalerweise fand ich das, was ich sah, echt okay. Die grünen Augen, die gerade Nase, den kleinen, aber geschwungenen Mund, die schulterlangen, honigblonden Haare. Heute jedoch blickte mir ein trauriges Gesicht mit Augenringen und spröden Lippen entgegen. Ein klägliches Abbild meiner selbst. Seufzend wandte ich mich ab und schlüpfte in frische Jeans und ein Slub-Shirt. Ich tupfte mir etwas Concealer auf die dunklen Schatten unter meinen Augen, frischte meine Wimperntusche auf und band mein noch feuchtes Haar zu einem lockeren Half Bun. Nachdem ich mir meine Jeansjacke übergeworfen hatte, verließ ich das Zimmer.

Ich brauchte fast vierzig Minuten, bis ich die Sportsbar erreicht hatte. Erst ließ mich das Navi meines Smartphones im Stich, dann mein Gedächtnis. Zumindest konnte ich mich nicht mehr an den Namen der Bar erinnern und musste mich durchfragen. Es war bereits halb elf, als ich durch die Tür trat. Der Duft von gebratenen Zwiebeln und brutzelnden Burgern stieg mir in die Nase und ließ meinen Magen laut applaudieren.

Die Bar war gut besucht für einen Montagabend und mit ihren gemauerten Wänden, dem abgelaufenen Dielenboden und dem holzverkleideten Tresen überraschend gemütlich. Aus den Boxen drang entspannter Gitarrensound, und das Klirren von Gläsern mischte sich unter das Geräusch aneinanderprallender Billardkugeln. Ein paar neugierige Blicke wanderten in meine Richtung, als ich den Tresen ansteuerte. Fast konnte ich die Gedankenblasen über ihren Köpfen sehen. Wo kommt die denn her? Hab ich hier noch nie gesehen! Ich nahm gerade auf einem der Barhocker Platz, als die Tür hinterm Tresen aufschwang und ein Typ mit einem Geschirrtuch über der Schulter hindurchtrat. Und plötzlich hoffte ich, dass niemand die Sprechblasen über meinem Kopf sah. Denn er sah gut aus. Verdammt gut. Ich schätzte ihn auf Mitte zwanzig, ein paar Jahre älter als ich. Sein Haar war braun und leicht gewellt, und ein Bartschatten betonte seine Wangenknochen. Er trug Jeans und ein weißes T-Shirt, das um die Brust herum ein wenig enger saß, und sein rechter Arm war bis zum Handgelenk tätowiert.

»Hey!«, sagte er knapp, aber freundlich.

»Hey«, erwiderte ich leicht verdattert und konnte den Blick nur mit viel Mühe von den ineinander übergehenden Motiven auf seiner Haut lösen. Eigentlich übten Tattoos keinerlei Anziehungskraft auf mich aus, aber seine waren interessant. Sie verliehen seiner Attraktivität etwas Raues, Verwegenes. Erst mit etwas Verzögerung begriff ich, dass der Kerl darauf wartete, dass ich meine Bestellung aufgab. Und dass ich mich noch keine fünf Sekunden mit der Speisekarte befasst hatte. Gab es überhaupt eine? Meine Augen huschten über den Tresen und wurden fündig. Ich griff nach der laminierten Speisekarte, an deren Rand etwas Ketchup klebte, und überflog das Angebot, das im Wesentlichen aus typisch amerikanischem Fast Food und Fingerfood bestand. Genau das, was ich jetzt brauchte.

»Einen Cheeseburger mit Pommes und ein Bier, bitte.«

Bedauernd kniff er die Augen zusammen. »Die Küche ist leider schon dicht.«

»Was?!«, stieß ich ungläubig hervor und konnte mich gerade so davon abhalten, die Stirn auf den Tresen sinken zu lassen.

»Sorry, aber ich bin heute Abend allein.« Er zuckte mit den Schultern. »Trotzdem ein Bier?«

»Ja«, seufzte ich.

Erst als er sich von mir abwandte, fiel mir ein, dass Hannah ein Diner erwähnt hatte. Kurz ärgerte ich mich über mich selbst. Warum war ich nicht einfach gegangen, statt ein Bier zu ordern? Ob ich es noch abbestellen konnte? Eher nicht, entschied ich, als ich das Zischen eines Kronkorkens hörte. Kurz darauf schob er mir ein Glas über den Tresen und verschwand wieder durch die Schwingtür. So sah also mein erster und vermutlich einziger Abend in Colorado aus, dachte ich ernüchtert. Ich saß allein, hungrig und arbeitslos in einer Bar im Nirgendwo. Tränen stauten sich hinter meinen Lidern. Frustrierte, enttäuschte und erschöpfte Tränen. Mit den Handballen rieb ich über meine Augen, um sie am Herausfließen zu hindern, als mein Smartphone vibrierte und Max’ Name auf dem Display blinkte. Um diese Zeit? Es war noch nicht mal sechs Uhr morgens in Deutschland.

»Hey«, meldete ich mich mit belegter Stimme.

»Hey«, erwiderte mein Bruder in einem Tonfall, der mir verriet, dass er meine Sprachnachricht inzwischen abgehört hatte. »Oh Mann, Leo …«

Diese drei kleinen Worte reichten aus, um mein letztes bisschen Selbstbeherrschung zu zerstören. Schniefend erzählte ich ihm noch einmal ausführlich, was in den letzten zwölf Stunden vorgefallen war, angefangen bei meiner Landung in Denver und der Busfahrt nach Grand Junction bis hin zu dem Schockmoment, als ich bei Kettle Brew angekommen war – oder dem, was von Kettle Brew übrig gewesen war. Ich berichtete von meinen Telefonaten mit Zack, den Brauereien, dem Konsulat, und meine Stimme klang von Satz zu Satz deprimierter und hoffnungsloser.

»Aber du hast doch bestimmt was schriftlich. Einen Vertrag oder eine E-Mail«, war seine spontane Reaktion und genau die, mit der ich gerechnet hatte. Mein Bruder und ich waren vom Charakter her grundverschieden, auch wenn wir am selben Tag gezeugt worden waren und uns verblüffend ähnlich sahen. Er ging an alles pragmatisch und rational ran, während ich dazu neigte, Entscheidungen tief aus dem Herzen zu treffen. Das änderte aber nichts daran, dass mir kein Mensch auf der Welt näherstand. »Ich meine, du kannst ja nichts dafür, dass der Laden abgebrannt ist. Die müssen dir doch wenigstens einen Ersatz bieten.«

»Müssen sie nicht«, seufzte ich und wiederholte für ihn, was mir die Dame vom Konsulat erklärt hatte. »Ich bin selbst dafür verantwortlich, einen neuen Praktikumsplatz zu finden.«

»Und dieser Zack? Kann der dir nicht helfen? Immerhin ist er nicht ganz unschuldig an deiner Misere.«

Aus irgendwelchen Gründen verspürte ich plötzlich das Bedürfnis, Zack in Schutz zu nehmen. »Der dürfte gerade andere Sorgen haben. Seine gesamte Existenz liegt in Schutt und Asche. Wortwörtlich!«

Der Rest ging in lautstarkem Grölen unter. Offenbar war gerade ein Tor gefallen. Oder wie auch immer man das beim Football nannte.

»Wo bist du?«, fragte Max irritiert.

Meine Augen huschten durch den Raum. »In einer Sportsbar.«

»Seit wann gehst du freiwillig in eine Sportsbar?«

»Gab nicht so viel Auswahl hier.«