Leona - Die Würfel sind gefallen - Jenny Rogneby - E-Book

Leona - Die Würfel sind gefallen E-Book

Jenny Rogneby

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Beschreibung

Dieser Bestseller aus Schweden hat die Krimiszene auf den Kopf gestellt: Was Sie mit der Ermittlerin Leona Lindberg erleben, werden Sie nicht wieder vergessen. Glauben Sie nichts - und machen Sie sich auf alles gefasst. Stockholm: Ein siebenjähriges Mädchen betritt blutüberströmt eine Bank und schaltet einen Kassettenrekorder ein. Eine Stimme fordert Geld im Austausch für das Leben des Kindes. Die Angestellten sind entsetzt. Kurz darauf verlässt das Mädchen die Bank mit sieben Millionen Kronen und verschwindet. Der Fall macht Schlagzeilen. Bei der Polizei wird Leona Lindberg mit den Ermittlungen beauftragt. Leona ist 34, verheiratet und selbst Mutter von zwei Kindern. Sie gilt als Außenseiterin, doch ihr Ruf ist tadellos. Aber diesmal führen ihre Ermittlungen in eine Sackgasse, denn von dem Mädchen fehlt jede Spur. Und jeder scheint etwas zu verbergen. Allen voran Leona selbst. "Man liest und liest, weil man nicht fassen kann, wie weit diese Frau geht - ein Pageturner!" (Brigitte)

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Seitenzahl: 544

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Sammlungen



Prolog

Bis jetzt hatte sie noch keiner bemerkt. Langsam und lautlos ging sie mit kleinen Schritten auf dem schmalen Läufer vom Eingangsbereich in die Schalterhalle.

Ihre Schritte waren entschlossen.

Ihr Blick ausdruckslos.

Die Wunden und das eingetrocknete Blut auf ihrem zierlichen nackten Körper spürte sie nicht mehr. Nur ihr Herz pochte schmerzhaft. Sie spürte jeden einzelnen Schlag. 1–2 … 3–4–5 … 6 … Die Herzschläge waren zu schnell und zu unregelmäßig, um sie zählen zu können. Sie presste ihren Teddy, so fest sie konnte, an ihre Brust. Dadurch spürte sie das Schlagen nicht mehr so stark.

Das Neonlicht von den Röhren an der Decke war grell im Vergleich zum matten blassgrauen Tageslicht draußen. Sie blinzelte. Nur noch ein paar Schritte.

Rechts … links … rechts …

In der Mitte der Schalterhalle blieb sie stehen. Ohne den Kopf zu bewegen, schaute sie sich um. Richtete ihren Blick auf die hohen Tresen, die Computer und die Bankangestellten in ihren Anzügen. Dann hielt sie einen kurzen Moment inne, bevor sie den kleinen Kassettenrekorder behutsam auf den Steinboden stellte. Nachdem sie vorsichtig die Play-Taste gedrückt hatte, richtete sie sich wieder auf.

Eine dunkle Männerstimme hallte durch den Raum:

»Ich heiße Olivia und bin sieben Jahre alt. Hören Sie mir gut zu und tun Sie genau, was ich Ihnen sage …«

Eins

Meine Augen waren trocken geworden. Ich hatte starr vor mich hin geblickt. Wie es vorkommt, wenn sich die Gedanken verselbstständigen. Ich blinzelte zweimal, um den Blick von den spiegelverkehrten Druckbuchstaben auf der Glastür des Konferenzraums abzuwenden.

DGV, Dezernat für Gewaltverbrechen.

Obwohl die Aufschrift erst vor zwei Monaten erneuert worden war, waren die Buchstaben bereits zerkratzt. Darüber prangte das blau-gelbe Polizeiwappen. Für die Kollegen beinhaltete es ein Gefühl von Zugehörigkeit, Gemeinschaft.

Für mich nicht.

Für mich bedeutete es Eingeschlossensein.

Innerhalb der Mauern der Behörde fühlte ich mich niemals frei.

Nach all den Dienstjahren als Polizistin konnte ich mich noch immer nicht an den Gedanken gewöhnen, eine von ihnen zu sein. Eine von vielen. Dennoch spielte die Arbeit eine wichtige Rolle in meinem Leben. Allerdings in einer Weise, von der bislang keiner etwas ahnte.

Ich war inzwischen vierunddreißig Jahre alt, und ich hätte es wohl kaum noch länger ausgehalten, wenn ich nicht gewusst hätte, dass mit dem Doppelleben, das ich führte, bald Schluss sein würde.

Anette, die Sekretärin des Dezernats, schaute von der anderen Seite des Konferenztisches herüber. Sie lächelte. Ich zog die Mundwinkel hoch. Inzwischen war es zu einem reinen Reflex geworden. Doch das war nicht immer so gewesen. Nicht, bevor ich mit ungefähr fünfzehn begriff, dass mein Lächeln mir Vorteile verschaffte. Indem ich andere beobachtete, hatte ich gelernt, mich den Erwartungen der anderen anzupassen. Ich nickte Anette zu, die auf ihre Armbanduhr zeigte und den Kopf schüttelte, weil wir alle hier sitzen und warten mussten. Wie gewöhnlich würden die neuen Fälle, die sich am Wochenende angesammelt hatten, auf die Kollegen verteilt werden. Alle unterhielten sich. Lachten. Einige beklagten sich über die hohe Arbeitsbelastung und meinten, dass sie im Moment definitiv nicht noch mehr Ermittlungen bewältigen könnten. Ich saß da und schwieg. Versuchte nicht den Konferenztisch anzustarren, doch es fiel mir schwer. Ich sah die hässlichen Ritzen, die entstanden waren, als jemand versucht hatte, die zwölf kleinen Tische zu einem großen zusammenzuschieben. Der Höhenunterschied von mehreren Millimetern stach ins Auge. An einigen Stellen überragte eine Tischplatte die angrenzenden um mindestens vier Millimeter. Sehr störend. Die Kollegen beschwerten sich darüber, dass im Raum Sauerstoffmangel herrschte, ohne auch nur im Geringsten die Unregelmäßigkeiten und Höhenunterschiede in der Tischformation zu bemerken.

Aber ich sagte nichts.

Es war besser so.

Diese Art von Gedanken hatte ich gelernt für mich zu behalten. Ein ziemlich großer Anteil meiner Energie ging dafür drauf, die Dinge zu unterdrücken, die meine Person eigentlich ausmachten.

Ich schaute durch die Fenster an der Längsseite des Raums. Trotz der grauweißen Wolkendecke am Himmel und der Regentropfen, die sachte an den Scheiben hinunterrannen, kam mir das Leben draußen wie eine Verlockung vor. Wie schon so viele Male zuvor widerstand ich dem Impuls, einfach aufzustehen und alles hinter mir zu lassen.

Ich blieb sitzen.

Endlich um 11.47 Uhr öffnete sich die Tür. Unser Abteilungsleiter Claes Zetterlund trat ein. Er fuhr sich mit der Hand durch den dunkelblonden Pony und schüttelte sein nasses Jackett mit einem hektischen Ruck aus, bevor er es über die nächste Stuhllehne warf. Die Kollegen verstummten. Ohne ein Wort öffnete er seinen schwarzen Rucksack und zog einen Aktenordner hervor. Legte ihn auf den Tisch und holte Luft, um zu reden. Doch ich kam ihm zuvor.

»Sorry, dass ich zu spät komme?«

Er hatte mehrere Sekunden Zeit gehabt, um sich zu entschuldigen. Man hätte erwarten können, dass er zumindest irgendeine Notlüge vor sich hin murmeln würde, als er die Tür öffnete. Das gehörte zum guten Ton. So viel hatte ich von den sozialen Spielchen des Alltags begriffen. Doch als er nichts dergleichen tat, war mir klar, dass die Entschuldigung ausbleiben würde. Seine erstaunte Reaktion auf meinen Kommentar bestätigte meine Schlussfolgerung. Er kam aus dem Konzept. Hielt die Luft an, schob die Augenbrauen zusammen und ließ seinen Blick schweifen, um auszumachen, wer die Frechheit besessen hatte, einen derartigen Kommentar abzugeben. Innerhalb weniger Sekunden hatte sich die friedliche, entspannte Atmosphäre im Raum in genau die gereizte und unberechenbare Stimmung verwandelt, die Claes’ launischem Temperament entsprach. Im Augenwinkel registrierte ich Anettes flackernden Blick. Alle schwiegen. Warteten auf Claes’ Reaktion. Sein bohrender Blick richtete sich auf mich.

»Was zum Teufel soll das, Leona? Ich habe einen katastrophalen Vormittag hinter mir. Der Mord vom letzten Freitag, eine neue Vergewaltigung im Tantolund-Park, zwei neue Fälle schwerer Misshandlung von Abtrünnigen einer kriminellen Organisation auf dem Sveaväg, eine Brandstiftung auf Lidingö und ein neuer Raubüberfall, wegen dem mich scharenweise Journalisten terrorisieren. Ich hab absolut keinen Bock darauf, mir auch noch hier drinnen so eine Scheiße anhören zu müssen. Jedenfalls nicht von meinen Untergebenen. Ist das klar?«

Ich schwieg. Ich hatte meine Einstellung deutlich gemacht. Claes wandte sich wieder den anderen zu. Kein Laut war zu hören. Selbst ein Kollege mit einer höheren Position als der des Abteilungsleiters hätte nach diesem Ausbruch wahrscheinlich den Mund gehalten. Claes verlor wirklich schnell die Fassung.

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