Lernen lassen! - Vera F. Birkenbihl - E-Book

Lernen lassen! E-Book

Vera F. Birkenbihl

4,2

  • Herausgeber: mvg
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2007
Beschreibung

LERNEN lassen! Wie kann Lernen gelingen? Wir müssen Lernende endlich LERNEN lassen. Wir alle haben die angeborenen Fähigkeiten dazu! Nutzen Sie also die natürliche Arbeitsweise Ihres Gehirns, statt sie zu bekämpfen. So gewinnen alle - Lernende und Lehrende. In diesem Buch zeigt Vera F. Birkenbihl,Autorin zahlreicher Bücher zum Thema Lernen (wie des Klassikers Stroh im Kopf?, erscheint in der 50. Auflage), wie LERNEN mühelos gelingen kann.

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Seitenzahl: 96

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Vera F. Birkenbihl

LERNEN lassen!

Mit 17 konkreten Methoden, Tricks und Lernspielen

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:[email protected]

7. Auflage 2017

© 2014 by mvg Verlag, ein Imprint der FinanzBuch Verlag GmbH Nymphenburger Straße 86 D-80636 München Tel.: 089 651285-0 Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Umschlagillustration: Vera F. Birkenbihl

Umschlaggestaltung: Atelier Seidel, Teising

Redaktion: Andreas Ehrlich

ISBN 978-3-636-07251-1

ISBN E-Book (PDF) 978-3-86415-022-7

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-86415-239-9

Weitere Infos zum Thema finden Sie unter

www.mvg-verlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter

www.m-vg.de

Inhalt

ZIELSTELLUNG DIESES BÜCHLEINS

Teil I: Grundlagen

LERNEN/LEHREN: 2 ASPEKTE VOM SELBEN?

PAUKEN IST NICHT LERNEN!

Der ZWEIKLASSEN-STAAT?

Teil II: PRAXIS des Lernens/Lehrens

1. ABC-Listen

2. ABC-AKTIV

3. ALTES SPIEL – NEUER ASPEKT: Stadt-Land-Fluß einmal anders

4. KaWa

5. ANALOGIE-SPIEL: BASISVERSION

6. KNICK-SPIEL

7. Mathe-Zauber-Spiel

8. PRÜFUNG SIMULIEREN (Vierer-Teams)

9. Rätsel-Training: Schnell-Einstieg

10. Sprachenlernen könnte soooooo spannend sein

11. Sprichwörter-Mix

12. VERGLEICH-endes Denken

13. Vertrautes ver-FREMD-en (Kryptische Rätsel)

14. Vorlese-Spiel

15. Wer bin ich? (Rate-Spiel)

16. Wissens-Quiz-Spiele (WQS)

17. Wörter wörtlich nehmen

Teil III: Merkblätter

MERKBLATT 1: INTELLIGENZ (nach PERKINS)

MERKBLATT 2: NEUROGENESE

MERKBLATT 3: Antwort auf die ZWEIKLASSENSTAAT-FRAGE (von Seite 30)

MERKBLATT 4: ABC-Listen

MERKBLATT 5: WQS – Das größte Gebirge der Erde?

Anhang

Literaturverzeichnis

Stichwortverzeichnis

ZIELSTELLUNG DIESES BÜCHLEINS

Langsam, aber sicher setzen sich wichtige Wahrheiten durch: Seit den 1980er Jahren begann sich zunehmend herumzusprechen, daß man nicht versuchen solle, seinen KundInnenen etwas aufzuschwatzen, sondern daß die hohe Verkaufs-Kunst darin besteht, die Kunden KAUFEN ZU LASSEN. In den 1990ern sprach sich eine Etage höher langsam herum, was McGREGOR in den USA in den 1960er Jahren bereits festgestellt hatte: Wir müssen aufhören, MitarbeiterInnen „motivieren“ zu wollen; die hohe Kunst des Managements besteht darin, die Leute ARBEITEN ZU LASSEN. Und langsam wird die Zeit reif für eine weitere Einsicht, wobei ich seit Jahrzehnten auf ähnliche Schwierigkeiten stoße wie McGREGOR einst, weil Rufer in der Wüste, die ihrer Zeit zu weit voraus sind, außer Gelächter und Spott nicht viel ernten – bis die Zeit reif wird. Und ich glaube, die Zeit ist reif, daß wir endlich begreifen, worin die hohe Kunst der Unterweisung liegt, nämlich darin, Lernende endlich LERNEN ZU LASSEN. Dies gilt sowohl für Menschen, die andere unterrichten, als auch für jene, die sich selbst „unterweisen“, die also aktiv lernen wollen. Es gilt ZUZULASSEN, daß Kinder wie Erwachsene ihre angeborenen Fähigkeiten nutzen (statt massiv gegen die Arbeitsweise ihrer Gehirne vorzugehen) – im Klartext:

Wenn wir Lernende LERNEN LASSEN, gewinnen alle Lehrkräfte, Eltern, ErzieherInnen, Nachhilfe-Lehrkräfte und natürlich SchülerInnen (sowie alle anderen Lernenden).

Dieses Büchlein ist das Ergebnis einer Suche, die vor 52 Jahren begann, ab 1965 systematisch betrieben wurde und deren Ergebnisse ich seit 1970 in Seminaren, Büchern, einem Weblog (Birkenbihls Denk-Tools) und zahlreichen DVD-Live-Mitschnitten (von Vorträgen und Seminaren) verbreite. Es begann mit 2.500 Jahre alten Mnemotechniken, denen ich 1965 erstmals in den USA begegnete. Sie helfen, den Lernstoff zu MERKEN, z.B. indem man aus langweiligen Fakten BILDERKETTEN bildet, die leicht vorzustellen sind (in den frühen Auflagen meines Bestsellers „Stroh im Kopf?“ bot ich noch jede Menge mnemotechnische Hilfestellungen an). Aber ich stellte im Laufe der Jahre fest, daß MERKEN weniger als die halbe Miete darstellt. Wenn wir das zu Lernende BEGREIFEN, ändert sich sie Situation dramatisch: Einfache Zusammenhänge werden mit einmaligem Begreifen sofort so eingespeichert, daß sie unmittelbar Teil unseres Wissens werden und wir sie blitzschnell mit weiteren Daten, Fakten, Ideen etc. VERBINDEN können (wir kommen auf diesen wichtigen Zusammenhang zurück). Ist das zu Lernende komplexer, kann es sein, daß der Prozeß des BEGREIFENS etwas ZEIT beansprucht (z.B. wenn wir die Sache mehrmals „durchdenken“ wollen), ehe wir die neue Info in unser bisherigens Wissen INTEGRIEREN können.

Bevor wir einsteigen, noch eine Frage: Kennen Sie das Modell der LERNBAREN INTELLIGENZ (nach Dave PERKINS)? Da ich Überschneidungen im Haupttext meiner Bücher weitgehend vermeide, bieten meine Bücher Infos, die neue LeserInnen benötigen, in Merkblättern an; diese können auch andere Infos (z.B. die Auflösung eines Rätsel etc.) enthalten. Wenn Ihnen PERKINS 2 und PERKINS 3 derzeit noch nichts sagt, dann springen Sie bitte zu Seite 87 und lesen dort das „Merkblatt 1: Intelligenz nach PERKINS“, ehe Sie hier weiterlesen.

Jetzt, da Sie mit den Begriffen PERKINS 2 (= Vorkenntnisse) und PERKINS 3 (= Methoden-Wahl) etwas anfangen können, kann es hier „weitergehen“.

Viel Ent-DECK-er-Freude

wünsche ich Ihnen.

Vera F. Birkenbihl im Herbst 2007

www.birkenbihl.de

Teil I: Grundlagen

LERNEN/LEHREN: 2 ASPEKTE VOM SELBEN?

Zunächst einmal führt uns die Tatsache, daß wir zwei verschiedene Wörter benutzen, in die Irre. Im Dialekt (wie auch in vielen anderen Sprachen) gibt es nur einen Begriff. So sagt jemand z.B. „Lern mir das!“. Genaugenommen müssen wir beide Aspekte als zwei Seiten derselben Medaille sehen. Vergleichen wir den Prozeß mit essen: Um Nahrung aufzunehmen, müssen wir AKTIV werden. Selbst wenn jemand uns alles in kleine Stückchen schneidet und uns füttert – kauen, schlucken und verdauen müssen wir selbst. So ähnlich ist es beim Fernsehen: Wenn sie eine Dokumentation oder eine fachlich interessante Talk-Show sehen, stellen die meisten Leute fest, daß sie trotz großen Interesses hinterher fast nichts „wissen“. Warum? Weil man WISSEN nicht passiv konsumieren kann! Man muß sich selbst (aktiv) be-LEHREN, damit man etwas LERNEN kann. Wenn Sie AKTIV mitmachen (z.B. indem Sie die in diesem Büchlein vorgestellten Denk- und Lern-Werkzeuge einsetzen), dann werden Sie sich wundern, wieviel man einer solchen Sendung (wie auch dem Unterricht) tatsächlich „entnehmen“ kann, das heißt, wieviel Sie sich merken, ohne im Anschluß in irgendeiner Form „lernen“ zu müssen (wie Sie das vielleicht von der Schule her kennen). Das meinen wir, wenn wir sagen „PERKINS 3“. Wir haben die Wahl der Methode. Sie entscheiden also, ob Sie sich passiv berieseln lassen (um hinterher zu PAUKEN) oder ob Sie es gleich aktiv angehen, weil Sie bereit sind, sich aktiv zu be-LEHREN. Dieselbe Wahl haben SchülerInnen, wenn wir ihnen helfen, das zu begreifen. So hat man z.B. festgestellt (SPIEGEL, SONDERHEFT BILDUNG), daß Nachhilfe-SchülerInnen zwar bessere Noten haben, aber nur solange die Nachhilfe aufrechterhalten bleibt (oft jahrelang). Würde man die SchülerInnen tatsächlich zu aktivem Lernen ermuntern, würden sie die Nachhilfe nicht lange brauchen. Natürlich wollen diese Leute den Ast nicht absägen, auf dem sie sitzen. Aber das heißt ja nicht, daß Eltern, Lernende etc. den Weg nicht trotzdem finden können. Sie bestimmen ihren Erfolg maßgeblich selbst, wenn sie dürfen, das heißt, wenn man sie in Ruhe LERNEN läßt!

Indem wir alte (schwache) Methoden gegen neue (bessere) austauschen, werden wir klüger!

Deshalb spricht PERKINS zu Recht von lernbarer Intelligenz und davon, daß sie lebenslang verbessert werden kann. In Verbindung mit PERKINS 2 (je mehr wir wissen, desto leichter lernen wir Neues) sollten wir uns ständig vor Augen halten:

Lebenslanges Lernen ist physiologisch NOTWENDIG. Das meine ich wörtlich: Wenn wir lebenslang weiterlernen, WENDEN wir die NOT ab, wenn wir hingegen damit aufhören, werden wir depressiv bzw. bei einem hohen Testosteron-Spiegel aggressiv. Im Klartext: Mobbing in Firmen und Aggressivität an Schulen ist ein Symptom für zu viele „halbtote“ Hirne, in denen der physiologische Prozeß aufgehört hat, der mit Lernen einhergeht. Also ist lebenslanges Lernen sogar unserer Gesundheit zuträglich! Das Schlüsselwort lautet NEUROGENESE. Da ein Teil meiner LeserInnen sie schon kennengelernt hat (vgl. mein zweites „Hosentaschenbüchlein“ „Eltern-Nachhilfe“) und inzwischen sogar schon SPIEGEL, STERN u.a. darüber berichtet haben, finden Sie die entsprechende Info in Merkblatt 2, Seite 95).

So, da wir nun alle wissen, was es mit der NEUROGENESE auf sich hat, betrachten wir einen weiteren Aspekt des Lernens:

Eine eigene LERNKURVE für jedes Thema, mit dem wir uns befassen?

Stellen wir uns vor, daß wir für jedes Thema, mit dem wir uns befassen, eine Lernkurve aufbauen – und zwar lebenslang. Diese beginnt gaaaaaaaaaaanz laaaaaaaaangsam („Aller Anfang ist schwer“), wird eines Tages laangsam etwas schräg, dann ein wenig schräger, bis sie letztendlich exponentiell (= ziemlich steil) nach oben strebt.

Deshalb stellt PERKINS fest, daß Vorwissen weiteres Lernen einfacher macht. Aber es ist noch spannender, denn zunächst wird für jedes Thema eine eigene Kurve angelegt. Wenn sich ein Mensch jedoch mit vielen Themen befaßt, wird es bald zu Überschneidungen zwischen einzelnen Lernkurven kommen. Jemand, der „null Ahnung“ von Chemie hat, aber einiges über Physik weiß, hat bereits Chemie-Fäden im Wissens-Netz, ohne es zu wissen. Selbst wenn er es nicht einmal ahnt, werden diese hilfreich, weil sich die beiden Lernkurven überlappen und er weit schneller die Phase des ersten Anstiegs (bei Chemie) erleben wird, als ohne jenes Vorauswissen möglich gewesen wäre:

Als ich begann, die holländische Sprache zu lernen, kam ich extrem schnell voran, da ich mit Deutsch und Englisch bereits ca. 65 Prozent des niederländischen Wortschatzes besaß. Ich mußte ihn nur aktivieren: z.B. „Water“ (analog dem englischen Wort für Wasser) und „vragen“ (analog dem deutschen Verb fragen) etc. Ähnlich ist es für Menschen, die Latein und Englisch lernen sollen. Ich empfehle immer, mit Englisch zu beginnen (wenn man die Wahl hat), was viele Sprachlehrer noch weiter erzürnt (meine Methode, ohne Vokabel-Pauken ist der Grund, warum viele sowieso sauer auf mich sind, wir kommen darauf zurück). Aber bedenken Sie: Wer Englisch kann, hat enorm viel Latein gelernt und damit Zugang zu allen romanischen Sprachen, inklusive Latein natürlich. Wörter auf -ment (torment, advancement, fulfillment, equipment) oder auf -ion (information, communication, sensation, humiliation) oder auf -or (orator) kommen alle aus dem Lateinischen. Wenn man sie im Englischen kennengelernt hat und später mit Latein beginnt, muß man all diese Wörter gar nicht mehr lernen; also überlappen sich wieder zwei Wissenskurven.

Deshalb: Je mehr Sie lernen – egal was es ist –, desto größer ist die Chance, daß etwas NEUES, das Sie irgendwann lernen wollen oder sollen, mit dem bereits Gelernten Verbindungen besitzt, so daß nicht ALLER Anfang schwer sein muß, sondern nur extrem neue Anfänge zu Themen und Wissensgebieten, zu denen Sie tatsächlich noch gar nichts wissen.

Hinzu kommt, daß PERKINS die Aspekte 2 (Vorwissen) und 3 (Methoden-Wahl) in Zusammenhang mit LERNBARER INTELLIGENZ sieht. Warum? Weil mehr Wissensfäden (vgl. Merkblatt 1, Stichwort „Wissens-Netz“, Seite 89 ff.) immer auch bedeuten: mehr Möglichkeiten, zu reagieren, wenn ein Problem, eine Frage, ein Thema im Alltag „auftaucht“.

Ob wir in einem Meeting sitzen, eine Prüfung bestehen wollen oder uns in einer Verhandlung befinden: Je mehr wir wissen, desto wahrscheinlicher kann uns etwas zum Thema „ein-FALLEN“. Das ist der berühmte Zu-FALL, der nur zu-FALLEN kann, wenn man vorher gelernt hat! Deshalb heißt es ja auch, daß der Tüchtige am meisten GLÜCK haben wird: Aus Sicht der Lernfaulen ist es das Glück des Wettbewerbers, aber wir wissen, daß alle Leute, die irgendwie nach OBEN kamen, vorher etwas ge-LEISTET haben, und sei es auch nur, daß sie Tag für Tag ein wenig hinzulernen, um mehr Fäden im Wissens-Netz zu haben, die zu Ideen werden können, wenn es darauf ankommt.

Ob einem die Lösung einfällt oder auch nur eine besonders intelligente Frage, die weiterhilft, ist egal. Wichtig ist hingegen, daß (zu-FÄLLIG) nur etwas ein-FALLEN kann, wenn etwas vorhanden ist (das ist die wahre Bedeutung von PERKINS 2). Aufs Lernen bezogen, können wir zusammenfassen:

Je weniger ein lernender Mensch vom

(derzeitigen)

Thema weiß

, desto mehr ist er von Menschen

abhängig