Verlag: AAVAA Verlag Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2013

Liebe braucht keine Hexerei E-Book

Sabine Richling  

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E-Book-Beschreibung Liebe braucht keine Hexerei - Sabine Richling

Wie ist Jenny das nur gelungen? Von der Tätigkeit auf einem Gutshof hat sie keinen blassen Schimmer. Trotzdem überzeugt sie den vermögenden David Barclay mit einer ungewöhnlichen Aktion, ihr einen Job zu geben. Von nun an wirbelt sie die Gefühle des attraktiven Großgrundbesitzers kräftig durcheinander und es gelingt ihr, den Choleriker in ihm zu bändigen. Wie dumm nur, dass sie sich unplanmäßig in ihn verliebt, denn er hat eine Verlobte und ist somit für sie unerreichbar. Doch Jennys Tante hat bereits einen Plan, wie ihre Nichte den Auserwählten für sich gewinnen kann …

Meinungen über das E-Book Liebe braucht keine Hexerei - Sabine Richling

E-Book-Leseprobe Liebe braucht keine Hexerei - Sabine Richling

Sabine Richling

Liebe braucht keine Hexerei

Liebesroman

© 2013 AAVAA Verlag

Alle Rechte vorbehalten

1. Auflage 2013

Umschlaggestaltung: AAVAA Verlag

Coverbild: Fotolia, 38018739 - closed glass bottle with pink heart inside it© venimo

Printed in Germany

Taschenbuch:   ISBN 978-3-8459-0954-7

Großdruck:   ISBN 978-3-8459-0955-4

eBook epub:   ISBN 978-3-8459-0956-1

eBook PDF:   ISBN 978-3-8459-0957-8

Sonderdruck Mini-Buch ohne ISBN

AAVAA Verlag, Hohen Neuendorf, bei Berlin

www.aavaa-verlag.com

eBooks sind nicht übertragbar! Es verstößt gegen das Urheberrecht, dieses Werk weiterzuverkaufen oder zu verschenken!

Dieses Buch widme ich meiner Mutter, die die Fertigstellung dieses Werkes nun leider nicht mehr miterleben konnte.

Liebe Mama,

danke für all Deine Liebe und Wärme, für jeden mütterlichen Rat und für Deine selbstlose Hilfsbereitschaft. Ich vermisse Dich, Deine Stimme und Dein fröhliches Lachen. In meinem Herzen und in meiner Erinnerung lebst Du weiter und alle schönen Momente, in denen wir zusammen herzhaft gelacht haben. Du warst eine Frohnatur und hast das Leben geliebt. Es war Dir wichtig, anderen eine Freude zu bereiten, sie zum Lachen zu bringen. Vielleicht gelingt es ja nun mir, den einen oder anderen mit diesem Buch zum Schmunzeln zu bringen.

Nicht nur in Sachen „Fröhlichkeit“ warst Du ein Vorbild für mich. Aber darin warst Du wirklich absolute Spitze!

Der Sitzstreik

„Ich weiche hier nicht eher von der Stelle, bis Sie mir einen Job geben“, betone ich kampfeslustig und setze mich demonstrativ auf den kalten Fußboden vor diesen kleinen knochigen Mann, der gerade dabei ist, meine Zukunft in nur einer einzigen Minute zu ruinieren.

„Wir haben keinen Bedarf“, war seine vorschnelle Antwort, ohne mich auch nur einmal nach meinen Eignungen gefragt zu haben. Auch wenn ich eigentlich keine nennenswerten Fähigkeiten für die Arbeit auf einem Gutshof mitbringe, so habe ich doch wenigstens das Recht, danach gefragt zu werden.

Ich brauche dringend Arbeit. Andernfalls kann ich meine weiteren Zukunftspläne an den Nagel hängen. Denn Zukunftspläne kosten Geld. So ist das nun mal im Leben. Ich denke nicht daran, so schnell aufzugeben! Schließlich bin ich nicht nach Irland gereist, um ein paar Wochen später wieder zurück nach Schottland zu fahren. Nein, mein Lieber, da hast du die Rechnung nicht mit mir gemacht! Ich, Jennifer Robertson, bin eine Kämpfernatur und wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann gibt’s gewissermaßen keine Hindernisse für mich!

So gesehen gibt es schon hin und wieder Hindernisse, aber ich versuche, sie beharrlich zu überwinden. Na gut, ich will ehrlich sein, die Überwindung von Hindernissen gelingt mir nicht öfter als jedem anderen Menschen, aber zumindest scheue ich mich nicht vor einer ausgiebigen, aber leider nicht selten vergeblichen Kontroverse, gleichwohl mit überzeugenden Argumenten zur Vertretung meines Standpunktes. In diesem Augenblick beispielsweise überzeugt mein Sitzstreik außerordentlich und nervös zappelt der knochige Mann um mich herum.

„Um Himmels willen, so stehen Sie doch wieder auf. Wenn Mr. Barclay Sie so sieht.“

„Ja, was passiert dann, wenn Mr. Barclay mich so sieht? Bekomme ich dann einen Job?“

„Sie können mir glauben, dass Ihnen das nur Ärger einbringt, aber keinen Job.“

„Wissen Sie, das bin ich gewohnt. ‚Ärger‘ ist gewissermaßen mein zweiter Vorname.“

Mir ist natürlich klar, dass Mr. Barclay, auf dessen Anwesen ich mein kleines Sit-in verübe, mich in dieser Sitzposition möglichst nicht vorfinden sollte. Ich kenne ihn nicht weiter, nur seinen Namen. Und seinen fragwürdigen Ruf. Falls an den Gerüchten etwas dran sein sollte, könnte er überaus cholerisch sein. Und auf Schreiattacken bin ich heute nicht eingestellt. Für gewöhnlich bin ich allerdings für solche Fälle gerüstet. Da ich aber neu in dieser Gegend bin und dringend Geld benötige, bröckelt meine Selbstsicherheit ein wenig. Aus diesem Grund wäre ich verbalen Angriffen diesmal schutzlos ausgeliefert. Daher bin ich plötzlich geneigt, „Knochis“ Ermahnungen Folge zu leisten und mich vom Boden zu erheben. Ich sitze ja praktisch inmitten des Innenhofes und habe einen guten Blick auf das prachtvolle Gebäude mit seinen Stallungen und Nebenhäusern. Nicht unwesentlich an diesem Sachverhalt ist, dass man von allen Fenstern sämtlicher Gebäude wiederum gewiss einen ausgezeichneten Blick auf den Innenhof hat. Demzufolge auch auf mich.

„Nun stehen Sie doch endlich auf oder wollen Sie, dass ein Unglück passiert?“, ermahnt mich „Knochi“ erneut.

Was? Könnte es ein noch größeres Unglück geben, als keine Arbeit zu haben?

Rosefield, Mr. Barclays Gehöft, ist das einzige in dieser Gegend und sein gewaltiges Gut gibt über einem Drittel der hier ansässigen Menschen Arbeit. Es ist so gut wie ausgeschlossen, an anderer Stelle nach Arbeit zu fragen. Absolut aussichtslos. Ich muss hier einfach arbeiten. Eine andere Lösung gibt es nicht. Meine gerade bezogene Wohnung und die Schule müssen finanziert werden.

„Mr. ...“ Wie soll ich ihn anreden? „Knochi“ ist sicher nicht sein richtiger Name.

„Mein Name ist Downey“, klärt er mich auf.

„Gut, Mr. Downey, ich flehe Sie an, Ihre Entscheidung noch mal zu überdenken. Es gibt keine Arbeit, die ich nicht bereit wäre anzunehmen. Und ich garantiere Ihnen, dass ich ordentlich und zuverlässig bin.“

In diesem Augenblick kommt Mr. Barclay mit einem Geschäftspartner aus dem Haus und sieht erstaunt zu uns herüber. Oha! Jetzt gibt’s Ärger. Halt dich gut fest, Jenny. Ein Sturmtief kündigt sich an.

„Was ist denn hier los?“, fragt Mr. Barclay unwirsch, nachdem er uns erreicht hat. Sein Geschäftspartner sieht von Weitem zu uns herüber und begibt sich ebenfalls interessiert in unsere Richtung. Auch noch Zeugen. Wie unpassend.

Mr. Downey zeigt mit seinem Finger auf mich und redet ganz aufgeregt drauflos. Pack deinen unverschleierten Finger wieder ein! Wie ungezogen!

„Mr. Barclay, diese junge Dame will einfach nicht einsehen ... Sie hat nach einer Anstellung gefragt ... Jetzt ist sie einfach in den Sitzstreik getreten ... Was hätte ich denn tun sollen? ... Es ist mir wirklich schrecklich unangenehm. Bitte entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten, aber sie will einfach nicht ... Ich weiß ja auch nicht...“

Mr. Barclays Gesichtszüge scheinen zu entgleisen. Wahrscheinlich kann ich seine aufbrausende Ader gleich live erleben. Oh, jetzt wird es spannend. Dabei kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass dieser Mann die Fassung verlieren könnte. Er ist attraktiv und attraktive Männer sind in meiner Vorstellung einfach nicht jähzornig.

„Sehen Sie zu, dass Sie der Dame einen Posten beschaffen“, sagt er mit einem Mal absolut unerwartet. „Sie sehen doch, dass ich Besuch habe. Was glauben Sie, was dieser Zirkus hier für einen Eindruck macht.“

„Aber wir haben nichts frei. Alle Stellen sind besetzt. Wo soll ich sie einsetzen?“

„Mr. Downey, Sie sind für die Koordination aller wichtigen und nichtigen Dinge zuständig. Wenn ich Ihnen solche Fragen beantworten könnte, bräuchte ich Sie hier nicht. So viel Verstand sollten Sie schon selbst besitzen, um dieses kleine Problem zu lösen.“

Mr. Barclays Blick fällt auf mich.

„Kennen Sie sich mit Pferden aus?“

Kreidebleich schaue ich ihn an. Oh je. Muss er mich ausgerechnet nach Pferden fragen?

„Ich bin als Kind mal auf einem Pony geritten.“

Verlegen kratze ich mich hinterm Ohr. Was für eine blödsinnige Antwort. Ich hätte auch einfach nein sagen können. Aber das wäre ja zu simpel gewesen. Wenn’s richtig drauf ankommt, plappere ich dummes Zeug. Und jetzt kommt’s gerade richtig drauf an. Mir fehlt in den ausschlaggebenden Momenten immer noch das Verhandlungsgeschick. Das muss ich dringend noch üben. Wie auch immer. Mit Pferden kenne ich mich jedenfalls nicht die Bohne aus. Diese Tiere sind mir einfach viel zu groß und ehrlich gesagt habe ich furchtbare Angst vor ihnen. Und sie vor mir.

„Knochi“ wird zunehmend nervös, denn ihm entgeht genauso wenig wie mir, dass Mr. Barclay ungeduldig wird.

„Können Sie kochen? Wie sieht es mit Ihren hauswirtschaftlichen Fähigkeiten aus?“, fragt Mr. Barclay nun angespannt, denn ihm sitzt sein Geschäftspartner im Nacken, der zusehends näher kommt.

„Ehrlich gesagt, nein, aber wenn ich mir Mühe gebe, zaubere ich Ihnen ein ganz hervorragendes Omelett.“

Gut gemacht, Jenny! Wenn du weiterhin nicht mehr Talent als ein Strohballen vorzuweisen hast, kannst du die Hoffnung auf eine Anstellung auf diesem Hof endgültig begraben.

Ich zwinkere mit einem Auge, doch Mr. Barclay schaut völlig konsterniert zu mir.

„Sie werden doch wohl irgendetwas können.“

Aber ja, ich kann „Kranke pflegen“. Nur dieses Talent nützt mir hier wahrscheinlich nicht viel. Verdammt! Ich verspiele gerade jegliche Chance auf einen Job. Mr. Barclay ist bereit, mir jede erdenkliche Arbeit aufzudrängen, nur um mich endlich aus seinem Innenhof zu vertreiben. Das sind doch ganz gute Aussichten. Und das alles ohne cholerisches Geschrei. Die Anwesenheit seines Besuchs zwingt ihn wahrscheinlich dazu, sich gut zu benehmen. Warum preise ich meine nicht vorhandenen Talente nicht ein wenig mehr an? Weil ich nicht lügen kann. Selbst unter größten Mühen gelingt mir das nicht. Meine Tante hat mich zur Ehrlichkeit erzogen. Dafür könnte ich sie heute noch erwürgen. Was hat sie sich nur dabei gedacht? Wer sagt schon unablässig die Wahrheit?

„Also gut“, bemerkt Mr. Barclay nun verfügend, „die Stallgasse werden Sie ja wohl noch fegen können. Und erheben Sie sich jetzt sofort von meinem Grund und Boden, bevor ich mir meine Entscheidung wieder anders überlege!“

Freudestrahlend erhebe ich mich und bin geneigt, Mr. Barclay für dieses bescheidende Arbeitsangebot um den Hals zu fallen. Doch ich halte mich schweren Herzens zurück.

Ich darf die Stallgasse fegen. Das ist ja wunderbar!

„Danke, Mr. Barclay. Das ist wirklich großzügig von Ihnen.“

„Mr. Downey klärt alle weiteren Formalitäten mit Ihnen, Miss ...?“

„Oh, Robertson ist mein Name, Jennifer Robertson.“

„Gut, Miss Robertson. Also dann ...“, sagt er abschließend und wirft mir einen fragenden Blick zu. Offensichtlich fragt er sich selbst, was er da gerade getan hat. Er hat einer Verrückten, die seinen Innenhof besetzt hielt, einen Job gegeben, obwohl sie absolut nicht für die Arbeit auf einem Gutshof taugt. Das muss ihm sofort klar gewesen sein.

Am nächsten Morgen erscheine ich pünktlich um neun Uhr zum Arbeitsantritt. Mr. Downey erwartet mich bereits und drückt mir einen großen Besen in die Hand. 

„So, dann zeigen Sie mal, wie gut Sie im Fegen sind. Es gibt hier drei Stallgebäude. Ich hoffe, die Arbeit wird Ihnen nicht zu viel“, bemerkt „Knochi“ amüsiert und zwinkert mir zu. „Ihr gestriger Auftritt hat sich hier herumgesprochen. Einige Mitarbeiter sind schon ganz neugierig auf Sie. Ich bin mir sicher, dass Sie sich schnell einleben werden. Herzlich willkommen!“ Er reicht mir seine dünne Hand. Das ist doch schon mal ein guter Anfang.

Am Nachmittag, als ich gerade den Besen für eine kleine Verschnaufpause beiseitelege, bekomme ich überraschend Besuch. Eine junge attraktive Dame in meinem Alter betritt den Stall und eilt in einem hastigen Tempo auf mich zu.

„Wenn du glaubst, dass du hier einfach so hereinschneien kannst, um mir ein zweites Mal das kaputt zu machen, was ich mir erarbeitet habe, dann täuschst du dich gewaltig. Ich werde das nicht zulassen.“

Wow! Veronica Stephens. Wir kennen uns seit der Schulzeit und haben im selben Krankenhaus in Edinburgh gelernt. Während ich mich zu einer passablen Krankenschwester entwickelte, blieb sie auf dem Stand einer Vorzeitheilerin stehen. Das scheint sie mir ewig übel zu nehmen. Dabei bin ich vollkommen schuldlos an ihrer Misere. Trotzdem scheint sie mich heute noch für alles verantwortlich zu machen.

„Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, Veronica. Ich habe nicht vor, dir irgendetwas wegzunehmen. Ich brauchte nur einen Job. Oder möchtest du lieber die Stallgassen pflegen?“, frage ich mit einem ironischen Unterton.

„Sei nicht albern“, erwidert Veronica, „zu solch einer Arbeit würde ich mich niemals herablassen.“

„Na bitte, dann hast du ja kein Problem mit mir. Denn ich mache diesen Job gern.“

„Ja, du hast dich schon früher durch die Hintertür eingeschlichen und mich ins Abseits gedrängt.“

Langsam bin ich ernsthaft verärgert. Sie hat kein Recht, so mit mir zu reden. Schließlich hab ich ihr damals aus der Patsche geholfen. Offensichtlich hat sie ein verschrobenes Bild der eigentlichen Realität. Vielleicht sollte ich ihrem Gedächtnis ein wenig auf die Sprünge helfen.

„Du weißt genau, Veronica, dass du dir alles selbst zuzuschreiben hast. Du solltest dir die Wahrheit eingestehen.“

Sie wirft ihr blondes Haar energisch nach hinten und sieht mich provozierend an.

„Ich warne dich, Jennifer, solltest du deine Nase zu tief in Angelegenheiten stecken, die dich nichts angehen, dann werde ich dafür sorgen, dass du in dieser Gegend keinen Fuß mehr auf den Boden bekommst“

Wie eine Dampflok stampft sie rauchend hinaus und knallt rabiat die Tür ins Schloss.

Diese unerfreuliche Begegnung könnte mir allerdings den guten Start hier verderben. Am besten gehe ich Veronica die erste Zeit einfach aus dem Weg. Dann dürfte sich der Sturm im Wasserglas schon wieder legen. Hoffe ich.

Ich höre leises Lachen hinter mir. Erstaunt drehe ich mich um und erblicke „Knochi“, der das unschöne Wiedersehensgespräch zwischen Veronica und mir detailgenau mitbekommen haben muss, denn er arbeitete gerade unbemerkt in einer der hinteren Pferdeboxen.

„Sie sind ein couragiertes, furchtloses Mädchen. Ich kann mir schon vorstellen, dass Sie für Veronica Stephens eine gefährliche Konkurrenz werden könnten.“

„Nicht doch. Ich habe wirklich keine Ambitionen auf eine Beförderung. Ich möchte eigentlich nur in Ruhe meine Arbeit machen und genügend Zeit zum Lernen finden.

„Wir werden sehen“, murmelt „Knochi“ vieldeutig.

Weiß er bereits etwas, was mir bislang verborgen blieb? Dann würde ich es gern erfahren.

 „Wie meinen Sie das?“, will ich wissen.

Lächelnd verlässt der alte Mann den Stall. Von einer Erklärung keine Spur. Seltsamer Kauz.

Nach ein paar Tagen habe ich schon mit einigen Mitarbeitern des Hofes Bekanntschaft gemacht. Die meisten von ihnen sprachen mich bewundernd auf meinen kleinen Sitzstreik im Innenhof an und konnten es kaum fassen, dass ich auf diese Art zu einem Job gekommen bin. Tja, hätte ich auch nicht gedacht. Aber Hartnäckigkeit zahlt sich anscheinend aus. Das ist genetisch bedingt. Ich kann nix für meine Starrköpfigkeit. Meine Tante ist wesentlich anstrengender als ich, was dazu führt, dass sich viele vor ihr fürchten.

Mir ist nicht entgangen, dass „Knochi“ für die Aufgaben im Stall bereits zu alt geworden ist. Seine Gesundheit leidet unter der schweren Arbeit und nicht selten schafft er sein Pensum nicht mehr in der vorgeschriebenen Zeit. Daher greife ich ihm ein wenig unter die Arme und helfe ihm beim Ausmisten der Ställe.

Gedankenverloren stehe ich in der leeren Pferdebox und hebe das schmutzige Stroh auf die Mistgabel, um es in die Schubkarre fallen zu lassen, als sich meine Freundin Veronica Stephens meinen Bemühungen in den Weg stellt.

„Was hast du hier verloren? Ich kann mich nicht erinnern, dass Ställe ausmisten zu deinen Aufgaben gehören würde! Für dich ist einzig und allein der Besen reserviert.“

Und sie scheint mir für die Aufgabe des Hofdrachens genau die Richtige zu sein. Es kann ihr doch egal sein, was ich mache. Solange die Stallgassen immer sauber sind. Das Fegen füllt doch meinen Arbeitstag gar nicht aus. Und wenn ich Mr. Downey dabei helfen kann, sich etwas zu schonen, dann ist das schließlich nur gut für alle Beteiligten.

„Ich verstehe nicht, wo dein Problem ist, Veronica. Solange wir beide uns nicht in die Quere kommen, kannst du doch ganz beruhigt sein. Ich will dir nichts wegnehmen und habe kein Interesse an Pferden. Du brauchst also nichts zu befürchten.“

Wie ich inzwischen erfahren habe, ist Veronica als Bereiterin angestellt. Da könnte ich ihr, selbst wenn ich es wollte, niemals den Rang ablaufen. Pferde hassen mich. Jedenfalls glaube ich das.

„Bitte sehr, du willst also nicht hören, dann werde ich wohl ein ernstes Gespräch mit Mr. Barclay führen müssen, ob Mr. Downey unter diesen Umständen auf dem Hof überhaupt noch benötigt wird. Sollte er also gekündigt werden, kannst du es ganz allein dir zuschreiben.“

 „Das kann nicht dein Ernst sein, Veronica!“

Was für eine fiese Methode, Unschuldige in unsere Streitereien mit hineinzuziehen. Auf keinen Fall werde ich das zulassen.

„Unter diesen Umständen wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben. Wir bezahlen doch nicht zwei Kräfte für die gleiche Arbeit.“

Hocherhobenen Hauptes verlässt sie den Stall. Offenbar erhebt sie Ansprüche auf eine Alleinherrschaft über alles und jeden. Wütend über ihre Worte, schiebe ich die Schubkarre in den Hof, um das verdreckte Stroh auf den Misthaufen fallen zu lassen. Ich höre lautes Pferdegetrappel rasant näher kommen. Als ich mich umdrehe, sehe ich, wie David Barclay im flotten Galopp auf mich zugeritten kommt. Er wird mich doch wohl nicht umreiten? Meine Güte, wann bremst er endlich ab? Oder funktionieren die Bremsen an seinem Pferd etwa nicht?

Knapp vor meiner Nasenspitze kommt das tollwütige Pferd zum Stehen. Zur Begrüßung schnaubt es mir direkt ins Gesicht. Bevor ich etwas auf seine ungestüme Reitattacke bemerken kann, springt Mr. Barclay aus dem Sattel und drückt mir die Zügel in die Hand.

„Hier, halten Sie das Pferd einen Augenblick, ich bin gleich wieder zurück!“, fordert er von mir und will sich gerade aus dem Staub machen, als er erstaunt zurückschaut.  

„Wer sind Sie eigentlich?“, fragt er mich verdutzt und kratzt sich im gleichen Augenblick am Kopf.

Leider gelingt es mir nicht, ihm seine Frage zu beantworten, denn aus irgendeinem Grund scheine ich das Pferd nervös zu machen. Da haben wir wieder mein kleines Problem. Hab ja gleich gesagt, dass ich kein Händchen für diese Tiere habe.

Angestrengt versuche ich, es ruhig am Zügel zu halten, aber dummerweise wehrt es sich immer heftiger dagegen.

Meine Tante sagte mal, dass meine Aura die Tiere verunsichere. Das hilft mir natürlich sehr. Was ist eine Aura?

Das Pferd hat mehr Kraft als ich. Gleich hat es sich losgerissen.

„Meine Güte, Sie werden doch wohl noch ein Pferd halten können!“, fährt mich Mr. Barclay mit einem Mal an. Aufgebracht kommt er zu mir gelaufen und entreißt mir die Zügel. Erstarrt sehe ich ihn an. Aber ... aber ich kann doch nichts dafür! Oder doch? Wie durch ein Wunder beruhigt sich das Pferd wieder und steht regungslos da, als sei nichts gewesen. Mr. Barclay sieht mich nachdenklich an.

„Sind Sie nicht diese Frau ..., wie war doch gleich Ihr Name?“

„Robertson ist mein Name. Jennifer Robertson. Und ich bin diejenige, ja.“

Sein eben noch raubeiniges Wesen verwandelt sich mit einem Mal in ein durchaus heiteres. Kann meine Anwesenheit dies verursacht haben? Ich dachte, meine Aura verschreckt alle?

„So, so, Miss Robertson. Ich denke, vor Ihnen sollte man sich in Acht nehmen. Ihre Vorstellung an diesem Tag hat mich ganz schön verwirrt. Obwohl ich Sie eigentlich von meinem Grundstück hätte verweisen müssen, habe ich Ihnen tatsächlich eine Anstellung gegeben. Wie ist Ihnen das nur gelungen, mich auf diese Weise breitzuschlagen? Ich konnte meine Entscheidung danach überhaupt nicht mehr nachvollziehen. Aber Sie scheinen mit ihrer Persönlichkeit sehr überzeugende Signale auszusenden. Mir blieb so gesehen gar nichts anderes übrig.“

Er lacht bei seinen letzten Worten. David Barclay kann lachen. Der gefürchtete Choleriker hat auch liebenswerte Seiten. Also kann er doch gar kein so schlechter Mensch sein.

„Sie hatten noch Glück, Mr. Barclay. Normalerweise arbeite ich mit schwarzer Magie. Allerdings gehören Innenhofbesetzungen zu meinen weltlichen Spezialitäten.“

„Verstehe. Dann bin ich für die Zukunft ja gewarnt. Ich hoffe nicht, dass ich mit dieser Magie Bekanntschaft machen muss“, bemerkt er schmunzelnd.

„Keine Angst, meine Zauberkünste benutze ich nur in absoluten Notsituationen.“

„Bei diesen außergewöhnlichen Talenten sollte es sicher kein Problem für Sie sein, einen Augenblick dieses Pferd hier ruhig zu halten, bis ich wieder zurück bin.“

Lächelnd hält er mir die Zügel wieder hin.

„Oh, Mr. Barclay, ich flehe Sie an. Bitte lassen Sie mich nicht mit dem Pferd allein. Irgendwie habe ich kein Händchen für Tiere. Sie mögen mich nicht. Ich weiß auch nicht, woran das liegt, aber immer, wenn ich einem Tier zu nahe komme, reißt es aus. Wenn Sie ihr Pferd für die kommenden Wochen nicht mehr benötigen, dann können Sie jetzt selbstverständlich ruhig gehen. Vielleicht kommt es eines Tages von allein zurück. Bitte tun Sie, was immer Sie tun müssen, aber sagen Sie später nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.“

Mr. Barclay lacht belustigt. Wer hat mir eigentlich erzählt, er könnte nicht lachen? Vielleicht besitze ich ja doch übernatürliche Kräfte.

„Passen Sie auf, Miss Robertson. Das ist fast so einfach wie Magie.“

Er nimmt meine Hand und legt die Zügel hinein.

„Sie müssen die Zügel nur kürzer halten. So ist es richtig. Jetzt schließen Sie fest Ihre Hand und stellen sich neben das Pferd. Sie müssen sich in die Augen schauen können. Sehen Sie. Ist doch gar nicht so schlimm. Und jetzt schön so stehen bleiben und nicht bewegen, bis ich wieder da bin.“

Langsam schleicht Mr. Barclay davon und dreht sich dabei einige Male kontrollierend nach uns um. Ängstlich schaue ich dem Pferd in das große schwarze Auge. Es spitzt seine Ohren und schaut auf mich herab. Habe ich gerade Freundschaft mit einem Pferd geschlossen? Es scheint mich plötzlich zu akzeptieren. Wie versteinert stehen mein neuer Freund und ich geschlagene zehn Minuten regungslos im Hof und warten, bis ich das erste Mal wage, mit meiner anderen Hand vorsichtig über den Hals des Pferdes zu streichen. Es beugt den Kopf zu mir herab und knabbert an meinem schulterlangen Haar. Ich bin fassungslos. Das muss ich unbedingt meiner Tante berichten. Vielleicht ist mir meine Aura abhanden gekommen.

Nach einer halben Ewigkeit kommt Mr. Barclay endlich zurück.

„Na bitte. Das hat doch wunderbar geklappt. Nur weiter so, Miss Robertson, und Sie haben eine steile Karriere als Pferdeflüsterin vor sich.“

Aufgezäumt und abgezügelt

Inzwischen sind zwei Monate vergangen und ich habe mich recht gut eingelebt. Eh ichs mir versah, hatte ich noch ein paar neue Freundschaften geschlossen. Aber meine wertvollste Freundschaft, die seit Beginn elementaren Bestand hat, ist die zu Charly, David Barclays Pferd. Seit jenem Tag bin ich regelmäßig zu seiner Box getrottet und habe ihn mit Mohrrüben und Äpfeln versorgt. Wenn er mich in den Stall kommen hört, scharrt er aufgeregt an der Holztür seiner Box.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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