Liebe in Lokalen - Christian Maintz - E-Book

Liebe in Lokalen E-Book

Christian Maintz

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11,99 €

Beschreibung

Ach, wie schön ist das gewesen, / Ach, wie haben wir’s genossen, / Als wir Huhn mit Sojasprossen / Aßen damals beim Chinesen. Ach wie schön ist der Sound des »großen Endreimers« Christian Maintz, der den Liebhabern humoristischer Dichtung aus vielen Anthologien bekannt ist. »Liebe in Lokalen« versammelt zum ersten Mal alle seine Gedichte. Sie umkreisen die Mysterien der Liebe: Sie beschwören ekstatische Momente im ICE, an der Wursttheke und im Freibad von Bad Oldesloe. Sie befragen die großen Denker und Dichter – Goethe, Kant und Nietzsche –, nehmen uns mit auf die Rebhuhnjagd und geben Einblicke in das Liebesleben der Wildschweine, Insekten und Nagetiere. So klug wie poetisch und witzig sind diese Gedichte und so wunderbar gereimt, dass es die reine Freude ist, sie zu lesen.

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Seitenzahl: 51

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Christian Maintz

Liebe in Lokalen

Gedichte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verlag Antje Kunstmann

Inhalt

WORT UND SINN

FLORA UND FAUNA

LIEBES- UND LEIBESÜBUNGEN

HULDIGUNGEN UND KRÄNZE

SAGEN UND GESCHICHTEN

Wort und Sinn

 

Der Geist des Weines

Der Dichter schreibt die erste Zeile

Aufs Blatt und leert ein Gläschen Wein,

Blickt sinnend eine ganze Weile

Ins Nichts und schenkt sich noch eins ein.

Wie soll die zweite Zeile lauten?

Er will sie leuchtend und prägnant.

Der Dichter dreht den arg zerkauten

Und stumpfen Stift in seiner Hand.

Der Dichter träumt von Kostbarkeiten

Des Reims, des Bildes und des Sinns;

Ein drittes Gläschen folgt dem zweiten,

Dann lutscht er noch ein Pfefferminz.

Die erste Zeile klingt nicht übel,

Er deklamiert sie strikt im Takt;

Danach versinkt er in Gegrübel.

Ob er die zweite Zeile packt?

Ein viertes Gläschen soll es richten,

Der Dichter fühlt sich angeregt;

Der Geist des Weines hilft beim Dichten,

Das ist seit Goethe oft belegt.

Ein Einfall! Jaaa! Ein schlicht brillanter!

Er schreibt ihn hin, hört schon Applaus …

Doch halt, das stammt aus Rilkes Panther!

Er streicht die Zeile wieder aus.

Der Dichter flucht und kippt den vierten,

Dann fünften, siebten, zehnten Wein,

Er kotzt und schläft auf dem verschmierten,

Doch weichen Teppichboden ein.

Der Mond erhellt mit mildem Schimmer

Die Szene, bis er weiterkreist;

Es riecht entschieden streng im Zimmer;

Die erste Zeile bleibt verwaist.

 

Leseerlebnis

Ich habe da kürzlich ein Buch gelesen,

Es handelt vom Letzten der Irokesen

Beziehungsweise der Mohikaner,

Molukken, Bayern oder Albaner.

Ich glaube, das Werk hieß Krieg und Frieden,

Es spielte jedenfalls im Süden

Des Kongo. Oder war es im Norden?

Ich bin daraus nicht schlau geworden.

Der Name des Helden war Wilhelm Meister,

Ein hochkultivierter und weit gereister

Experte für Nahkampf und andere Dinge,

Besonders exotische Schmetterlinge.

Im Leben nicht vergesse ich jene

So ungemein spannende Schlüsselszene,

Als Wilhelm und die sieben Schwaben

Die schöne Dingsbums gerettet haben

Und er ihr gesteht unter Tränen und Küssen,

Auch ich hab’ beim Lesen weinen müssen,

Er kenne die Frauen, doch sie sei von allen …

Der Rest des Satzes ist mir entfallen.

Ich liebe solche dicken Schinken,

Man kann so richtig darin versinken

Und fühlt sich trotzdem zugleich erhoben;

Ihr müsst das selber mal erproben.

Wer schrieb nun jenen Psychothriller?

Karl May? Courths-Mahler? Friedrich Schiller?

Jetzt fällt es mir ein: Der Mann hieß Cooper;

In jedem Fall: Das Buch war super.

 

Briefe deutscher Denker

FOLGE 1: IMMANUEL KANT

Kant schrieb einst an Mendelssohn

(Denn noch war das Telefon

Nicht erfunden): »Lieber Moses,

Heut’ ist mir was Kurioses

Widerfahren; lies und staune

Ob des Schicksals kecker Laune.

Heute Mittag um halb eins

Aß ich Sauerkraut mit Schweins-

keule und Kartoffelbrei;

Zwiebeln waren auch dabei.

Doch der Clou kam hinterher:

Ein Mirakel von Dessert!

Unter uns, ein gutes Essen

Lässt mich jede Pflicht vergessen.

Was ist schon Vernunftkritik

Gegen Ente in Aspik?

Was sind alle Deduktionen

Gegen Hammelfleisch mit Bohnen?

Was sind schließlich Ruhm und Größe

Gegen Königsberger Klöße?

Doch zurück zu dem Dessert;

Es zu schildern fällt mir schwer:

Glaub mir, Moses, nie vordem

Hat mich eine Erdbeercreme

So begeistert, so beglückt,

So dem Raum, der Zeit entrückt.

Ein Geschmack! So fruchtig-süß

Und so cremig überdies!

Schon der erste Löffel war

Ein Erlebnis, wunderbar,

Schier erhaben, ja vollkommen,

Anfangs war ich ganz benommen,

Dann jedoch durchfuhr es mich:

So schmeckt nur das Ding an sich;

Dieses ist das Absolute,

Ist die Wahrheit. Ich vermute,

Wenn ich auch kein Fachmann bin:

Da war reichlich Sahne drin.

Wie auch immer, bleib gesund,

Grüß mir Deine Gattin und

Lass mal von Dir hören, gell?

Herzlich, Dein Immanuel.«

 

Briefe deutscher Denker

FOLGE 2: FRIEDRICH NIETZSCHE

I

Nietzsche schrieb an Overbeck:

»Franz, mein Essbesteck ist weg!

Und der Dieb bist Du! Gib’s zu!

Oder war es Fräulein Lou?«

II

Nietzsche schrieb der schönen Lou:

»Ach, mein Herz kennt keine Ruh’,

Tag und Nacht und immerzu

Denk’ ich Dein, geliebte Lou.

Kommst Du morgen, holde Lou,

Gegen neun zum Rendezvous?

Keine liebt so heiß wie Du,

Only you, my Darling Lou.

Klappt es nicht, oh süße Lou,

Send’ mir bitte ein Dessous

Oder auch zwei Stöckelschuh’,

Schick’s neutral verpackt mir zu.

Ach, seit gestern, liebe Lou,

Frag’ ich mich und ruf’ Dir zu:

Willst Du mich verlassen, Lou?

Komm zurück, Du dumme Kuh!

Lou, ich bin verrückt for you,

Lou, my Lou, das ist kein Schmu,

Was ich denk’ und was ich tu,

Immer bist da Du, ach Lou,

Hast Du noch das Arsch-Tattoo?

Küssen wollt’ ich’s immerzu.

Du, nur Du, oh Lou-la-Lou,

Du, mein kleines Lou-Filou,

Lou, min Fru, my Baby Blue,

Ach, Du kriegst die Tür nicht zu …

Hip und Hop und Schubidu,

Herz, mein Herz, gib endlich Ruh’!«

III

Nietzsche schrieb an Paulchen Rée:

»Magst Du Hühnerfrikassee?«

Hierauf schrieb ihm Fräulein Lou:

»Paul isst lieber Kalbsragout.«

 

Briefe deutscher Denker

FOLGE 3: NIKLAS LUHMANN

Luhmann schrieb an Habermas:

»Heißa, macht das Denken Spaß!

Deshalb hab’ ich letzte Nacht

Zehn Minuten nachgedacht,

Dachte hin und dachte her

(So was fällt mir gar nicht schwer),

Bis ich – schwuppdiwupp – ein brand-

neues Paradigma fand,

Eins, das sich gewaschen hat;

Habermas, da bist Du platt!

Es Dir freilich zuzuschicken,

Den Gedanken kann man knicken;

Das entbehrte jeden Zwecks,

Denn es ist enorm komplex.

Kurz, mein Alter, schlicht um schlicht:

Du kapierst es einfach nicht.«

Habermas schrieb anderntags:

»Wenn Du Ärger willst, dann sag’s!

Kommst Du mal nach Frankfurt/Main,

Semmel’ ich Dir eine rein.

Dass ich sonst Gewalt negiere,

Lieber friedlich diskutiere,

Weiß man zwar in aller Welt

(Selbst im öden Bielefeld),

Doch ich könnte Dich erwürgen!

Nach Diktat beleidigt, Jürgen.«

 

Die Rede

Der Redner trat ans Rednerpult

Und bat die Menge um Geduld.

Er werde gleich die Fragen klären,

Die uns bedrängten – als da wären:

Die Erderwärmung, den globalen

Ressourcenschwund, die Landtagswahlen

In Rheinland-Pfalz, die Schuldenfalle,

Das Rauchen in der Pausenhalle,

Das allgemeine Unbehagen.

Dann werde er noch etwas sagen

Zum späten Orgelwerk von Bach

Und last not least zum Ehekrach