Lindners Fälle - D. Hoffmann - E-Book

Lindners Fälle E-Book

D. Hoffmann

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Beschreibung

Sein Revier ist das Revier. Essen ist seine Stadt, ein kleiner, heruntergekommener Spielsalon an der Ecke sein Rückzugsort. Drei kleine Kriminalgeschichten rund um den ehemaligen Polizisten Lindner, der sich mitten im schönen Ruhrgebiet als Privatdetektiv durchschlägt. -Moment ma, da möchte ich watt zu sagen, weil et iss ja so: Wenn die Leute hörn Detektiv, dann sind die gleich am denken: "Boah, Detektiv!" Dat kenn die ausse Glotze und dann sind die am meinen da kurvt einer mitten Ferrari durche Gegend und macht bei son gepflechten Whiskey anne Nachtbar die schärfsten Weiber klar. Ich sachet dir im Vertrauen, nich datte hinterher am nöhlen bis: Der Lindner fährt mit sein´ alten Corsa höchstens ma über die A40 und der steht auch nich mit ne scharfe Alte inne Nachtbar, sondern alleine beie Heidi inne Kasino-Stube. Nur nich, datte dir falsche Vorstellungen machen tus.. Kuck einfach ma auf´n Bierchen vorbei, ich bin mich auf dich am Freuen.-

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Seitenzahl: 92

Veröffentlichungsjahr: 2015

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D. Hoffmann

Lindners Fälle

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Heisse Ware

Schönheitsfehler

Familiensache

Impressum neobooks

Heisse Ware

Ach, bisse auch ma widda da? Schön, setz dich.Bierchen? Ja, sicha ´n Bierchen, iss klar.Ker ker ker, hier wa widder watt los, ich sach dir.Oppe dat getz glaubs oder nich, pass auf, dat wa so:1Elli Borchard überquerte die Straße und das war ungewöhnlich. Die Besitzerin eines nahe gelegenen Imbiss hatte Tränen in den Augen und steuerte einen grellbunt erleuchteten Eingang an.Iss klar, getz denkse: Hä? Watt soll so ungewöhnlich da dran sein dat die Elli über die Strasse geht? Nix natürlich. Die Elli iss öfters ma über die Strasse gegangen, dat lässt sich inne Stadt ja nich immer vermeiden. Et geht auch nich um die Strasse, et geht dadrum, dat se inne Casino-Stube marschiert iss, weil da wa die noch nie drinne gewesen. Die Elli war eher so der solide Typ. Bisken einfach gestrickt vielleicht, aber dat muss bei ne Frau nix schlechtet sein, sach ich immer. Und von wegen die Casino-Stube: Die Elli wollte da nich anne Automaten zocken und kleingeldmäßig ihrn Frust abbauen, die wollte da einen treffen. Weil, et gibbt so Leute die triffse imma in irgendner Casinostube und der den die Elli treffen wollte... watt soll ich groß sagen, der hat ja praktisch da gewohnt.Elli Borchert betrat den muffigen Spielsalon. Seit über dreißig Jahren lebte sie jetzt in Essen, seit fünundzwanzig Jahren betrieb sie den Imbiss schräg gegenüber der Casino-Stube."Ist der Hr. Lindner da?" fragte Elli unsicher die Heidi."Sitzt da hinten am Cherry 2000." sagte Heidi, die Spielhallenaufsicht in der Casinostube und deutet auf den hinteren Teil der Spielhalle. Sie war etwas irritiert wegen Ellis Frage.Nämlich, da musse die Heidi schonn verstehen, einen "Herrn Lindner" kannte die nich. Die kannte nur "Den Lindner" Weil et is ja so, et gibbt Vor- und Nachnamengesichter. Der Lindner, und dat mein ich getz gar nich mah negativ, war definitiv son Nachnamengesicht.Elli ging zwischen den blinkenden und tutenden Spielautomaten durch den muffigen Spielsalon und sah eine hagere Gestalt im Blinklicht stehen."Hr, Lindner?" Ich muss sie dringend sprechen." schluchtzte sie leise.Lindner stand, wie jeden Abend im Spielsalon und genoss das Tuten und Blinken der Maschinen. Diese triste Atmosphäre hatte etwas ungemein beruhigendes für jemanden wie ihn.

Warum heißt dat eigendlich "Sallong"? N´Salonng ist doch wat Edeles, Gemütliches und nich sonne verranzte Scheißbude wie die hier, oder watt? Tchuldigung, bin schonn ruich, lass dich gar nich stören. Hör zu, dat is ansich schon nicht ganz ohne.Lindner drehte sich eher wiederwillig vom Spielautomaten weg, er wurde hier nur sehr ungern gestört."Worum geht es denn?" Er konnte seine Überraschung kaum verbergen."Der Klaupe ist verschwunden und ich fürchte, der hat was Dummes angestellt, sie kennen ihn doch und der ist doch alles was, ich noch habe, jetzt wo doch der Erwin gestorben ist und ich kann doch nicht zur Polizei gehen, die kennen den doch auch, die denken doch sofort, der hat was ausgefressen und sperren den hinterher weg. Ich weiß gar nicht was ich machen soll und Sie sind doch..."Lindner hob beschwichtigend die Hände und sah Elli Borchard vedutzt an."Langsam, Fr. Borchard, langsam.""Entschuldigen sie, es ist nur...", jetzt weinte sie richtig"Setzten wir uns erst mal." Lindner nahm Elli sanft am Arm und führte sie zu einem der wenigen Tische in der Kasino-Stube."Heidi, mach uns mal zwei Kaffee, ja?", rief er ins DunkelElli ließ sich vom Lindner an den Tisch führen und setzte sich auf einen der billigen Plastikstühle.Alter Schwede, dat war so auffe Schnelle schwer zu verpacken für den Lindner. Steht die Elli flennend inne Casinostube und fracht den Lindner um Hilfe, weil der Klaupe wech iss. Getz frachse dich...Klaupe? Watt is dat denn fürn Name?Pass auf, is ganz einfach. Da gibbet doch den Komiker hier vonne Käsköppe. Der hat ma so auffe Königin gemacht und der ist auch sonst so vom andern Ufer. Getz nich datte denkst ich würd dat verurteilen, nur ma so am Rande. Ich sach immer: Jeder wie er kann und feddich! Wenn ich mit meine Frau über de neue Tapete diskutieren muss, denk ich imma: Hätts ma lieber nen Mann geheiratet, da wär dat getz nich son Theater. Egal, der Komiker heißt Hans-Peter, der nannte sich aber einfach Hape und dat klingt ja auch nich schlecht. Getz, der Sohn vonne Elli, der hieß Klaus-Peter und da fanden seine Kumpels dat ma lustig, den halt Klaupe zu nennen. War ne echte Scheißidee, aber dat is ja auch interessant: Normal is ja, dat sich gute Ideen halten und Scheißideen inne Versenkung verschwinden. Aber et is, ich sach ma, Ausnahmetechnisch geboten, dat Ideen die so richtig scheiße sind, sich noch länger halten. Ich sach ma dat is der "antidarwinistische Realitätsknick" und den musse akzeptiern, oppe dat nu wills oder nich.Naja, irgendwie hat sogar die eigene Mutter den Klaus-Peter dann Klaupe genannt und so hat sich dat dann etabliert, war quasi normal.Heidi brachte den Kaffee und zog sich dann schnell wieder hinter ihren Thresen zurück. Das hier war ungewohnt für sie, denn etwas Zwischenmenschliches versuchte sie eher zu vermeiden."So, und jetzt mal der Reihe nach: Seit wann ist Klaupe weg?" Lindner sprach ruhig und sah Elli freundlich an."Seit gestern morgen, hab ich nichts mehr von ihm gehört." Elli schluckte und atmete tapfer durch."Naja, der Klaupe ist... wie alt jetzt?", wollte Lindner wissen."Zweiundzwanzig.""Mit zweiundzwanzig kann einem ja nun schon mal was dazwischen kommen.""Der ist nicht mehr so, ich mach mir wirklich Sorgen. Sie kennen ihn nur noch von früher, aber der hat sich geändert. Der Klaupe macht keine krummen Dinger mehr. Seit der Erwin tot ist, hilft der mir soviel im Imbiss. Der macht den ganzen Papierkram für mich und eine feste Arbeit hat er auch seit einem Jahr.""Und seit gestern ist er nicht mehr zu erreichen?""Und heute auch nicht, da stimmt was nicht. Und Sie sind doch Detektiv, Hr. Lindner. Sie finden doch Leute, oder?"Getz, nur ganz kurz ma. Nich datte ne falsche Vorstellung krichs. Wenn die Leute hörn: "Detektiv", dann denken die Leute meistens:Boah, Detektiv!Dat kenn die ausse Glotze und dann is klar:Mitten Ferrari durch Honolulu, quasi Luxus.Oder, mit ne scharfe Alte schön son Whiskey inne Nachtbar, quasi Romantik.Dazu sach ich nur:Der Lindner is mit sein zwölf Jahre alten Corsa höchstens ma über die A40 gescheppert. So viel zum Thema Luxus.Gesessen hatter mit der verheulten Elli und nem lauwarmen Kaffee innem Spielsalon. So viel zum Thema Romantik.

Is klar, watt ich sagen will, oder?

"Seit gestern erst? Das muss doch beim Klaupe wirklich nichts bedeuten.",versuchte Lindner sie zu beruhigen."Der hat sich wirklich geändert. Als Sie noch bei der Polizei waren, da war der Klaupe anders, aber der ist nicht mehr so, wirklich nicht."Genau, der Lindner war ma beie Bullerei gewesen und dat gar nich ma so kurz. Zehn Jahre Trachtengruppe und dann noch fünf Jahre Kripo. Getz, nich datte denks, der wa da schlecht drin. Dat der Lindner inne zwangsgemäße Selbstständichkeit gewechselt hat, dat hatte andere Gründe. Ich weiß nich, ob dem dat so recht is, wenn ich dat getz schon erzähl, so gut kenn wa uns ja nu auch noch nicht. Is auch schonn fünf Jahre her und er hat ne steile Abwärtskarriere hingelegt. Wachdienst, Kaufhausdetektiv und dann halt privat. Von irgendwatt musse ja leben, watt willse machen?Lindner hatte Klaupe des Öfteren nach Hause bringen müssen, damals. Fahraddiebstahl, Einbruch, oder auch mal eine Körperverletzung. In den letzten Jahren hatte er ihn dann natürlich nicht mehr im Blick, aber Klaupe hatte sich vielleicht wirklich geändert. Trotzdem versetzten ihn zweiunddreißig Stunden Abwesenheit noch nicht in Alarmbereitschaft."Wenn da nicht gestern erst dieser Einbruch gewesen wäre.", sagte die Elli.Und hier wurde Lindner dann doch hellhörig."Welcher Einbruch?""Als ich gestern zum Laden kam, war das hintere Fenster aufgebrochen und unser kleines Büro wurde durchwühlt."Getz seh ich dich schonn mitte Ohrn schlackern. Du denks:Einbruch inne Pommesbude? Dat macht doch gar kein Sinn!Da hasse völlig recht, aber ich sach dir dat hier: Pissgelber Kloreiniger macht auch keinen Sinn und trotzdem gibbet den.Watt ich sagen will, iss Folgendes:Der Realität an sich iss Sinn scheißegal, da hat die kein Vertrach mit."Was wurde denn gestohlen?""Nichts. Geld war ja gar keins im Laden. Ich hab mir da auch nicht soviel bei gedacht. Da ist doch nichts zu holen... aber jetzt wo der Klaupe verschwunden ist...""Haben Sie seine Freunde angerufen?""Natürlich. Auf seiner Arbeit habe ich auch gefragt. Keiner weiß etwas." Ellie fing wieder an zu weinen."Wo arbeitet Ihr Sohn überhaupt?", fragte Lindner, um Elli abzulenken.

Und gewundert hatter sich auch son bissken, weil der Klaupe, der hattet mit echte Arbeit früher ja nich so gehabt. Getz war der Lindner auch nich so unbedingt der Ansicht, dat die Welt ohne den Klaupe so viel schlechter dran war als mit ihm, aber die Elli hat ihm schon leid getan und deshalb hatter sich entschlossen den Knaben zu suchen.

"Der ist bei einer Umzugsfirma untergekommen. Hat ihm der Micha besorgt.""Wer ist Micha?""Das ist ein Kumpel von ihm, der arbeitet auch da.""Haben Sie einen Schlüssel zu seiner Wohnung?""Ja, habe ich. Was wollenSie denn da finden?""Irgendwo muss ich ja anfangen.""Sie suchen ihn also? Was kostet das denn? Wissen Sie...der Imbiss...""Das klären wir später, machen Sie sich mal keine Sorgen" Lindner war klar, dass der kleine Laden nicht viel abwarf und dass hier nichts zu verdienen war.

Da siehsse schon, der Lindner hat nich viel Arbeit erwartet und wollte vor allem ersma die Elli beruhicht wissen. Wenner gewusst hätte, watt da auf ihn zukommt hätter dat mitte Moneten aber direkt klargemacht, dat kannse ma glauben.2Eine halbe Stunde später verließ Lindner die Casinostube und machte sich auf den Weg zu Klaupes Wohnung. Elli hatte sich wieder etwas gefasst, nachdem er sich in den umliegenden Krankenhäusern und bei einem alten Polizeikollegen nach Klaupe Borchart erkundigt hatte. Ohne Ergebnis und das war ja auch schon mal was.Wonach er in Klaupes Wohnung suchen sollte, wusste er selber nicht so recht. Elli war, nachdem sie Klaupe auch auf seinem Handy nicht erreicht hatte, erst heute Morgen da gewesen und ihr war nichts Besonderes aufgefallen. Wahrscheinlich würde der Vermisste ohnehin von allein wieder auftauchen, das war meistens so.

Von wegen! Et iss ja viel mehr so, dat et imma anders kommt allse denken tus. Ich mein, dat kennse doch sicha auch:Wenne meins allet wird ganz furchtbar, geht dat butterweich über die Bühne.Meinse aber:Och, da wird schonn nix sein... ja, dann geht die Luzzi auf einmah ab, frach nich nach Sonnenschein!Obwohl, dat iss getz nich ganz richtig formuliert, weil et iss nich die Luzzi gewesen, die da abgegangen ist, sonder die Jessi.Und zwar aufm Klaupe sein Anrufbeantworter.