Logans letzte Stadt - Horst Weymar Hübner - E-Book

Logans letzte Stadt E-Book

Horst Weymar Hübner

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Beschreibung

Western von Horst Weymar Hübner Der Umfang dieses Buchs entspricht 122 Taschenbuchseiten. Er hat seine Vergangenheit hinter sich gelassen und hofft, dass sie ihn nicht wieder einholt. Aber sie kommt mit der Frau und den Kindern seines Freundes Jim Rossiter zu ihm zurück. Von ihr erfährt Logan Dunn nicht nur vom gewaltsamen Tod ihres Mannes, sondern auch, welche Männer dafür verantwortlich sind. Und so macht Logan sich auf den Weg ...

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Seitenzahl: 137

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Horst Weymar Hübner

Logans letzte Stadt

Cassiopeiapress Western

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Logans letzte Stadt

Western von Horst Weymar Hübner

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 122 Taschenbuchseiten.

 

Er hat seine Vergangenheit hinter sich gelassen und hofft, dass sie ihn nicht wieder einholt. Aber sie kommt mit der Frau und den Kindern seines Freundes Jim Rossiter zu ihm zurück. Von ihr erfährt Logan Dunn nicht nur vom gewaltsamen Tod ihres Mannes, sondern auch, welche Männer dafür verantwortlich sind. Und so macht Logan sich auf den Weg ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

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1

Es ist ein trüber, verregneter Tag in Prärie City. Der sonst übliche Staub in der Hauptstraße hat sich in knietiefen Schlamm verwandelt. Das Überqueren der Fahrbahn ist zu einem risikoreichen Unternehmen geworden. Dennoch haben sich eine Menge Leute zur Ankunft der Postkutsche eingefunden wie jeden Donnerstag. Öfter wird Prärie City nicht angefahren. Die Stadt liegt abseits der großen Überlandwege.

Missmutig blickt Logan Dunn aus der Tür in den Regen. Wasser läuft vom Vorbaudach und bildet im Schlamm vor dem hölzernen Gehsteig einen kleinen Bach. Logan Dunn spuckt in den Regen hinaus. Heute wollte er Pferde bränden. Die Corrals hinter seinem Haus sind voll mit Wildpferden, die er in der letzten Woche eingefangen und zugeritten hat. Jetzt muss er ihnen nur noch sein Brandzeichen aufdrücken, dann kann er sie an die Armee verkaufen.

Seit einem Jahr liefert er Pferde für die Kavallerie, die an der Indianergrenze einen hohen Verbrauch an Tieren hat. Seit einem Jahr lebt er in Prärie City. Zuletzt war er Bahn-Marshal. Das wissen die Bürger der Stadt. Mehr nicht. Und Logan Dunn ist nicht scharf darauf, es ihnen zu erzählen. Er hat sich hierher verkrochen, um seine Ruhe zu haben. In diese abgelegene Stadt, durch die kaum mal ein Fremder kommt.

Logan weiß, dass in der Stadt Geschichten kursieren, in deren Mittelpunkt er steht. Sie stimmen allesamt nicht. Vor ein paar Wochen ging sogar das Gerücht um, er sei der Mann, der King Fisher erschossen habe. Logan kümmert sich nicht um das Gerede der Leute. Binnen eines Jahres hat er zielstrebig sein Pferdegeschäft aufgebaut, und neuerdings grüßen ihn die Angestellten der Bank recht respektvoll. Ganz sicher hat das mit der Höhe seiner Einlagen bei der Bank zu tun.

Eine Regenbö peitscht eben durch die Straße. Wasserstaub treibt bis zu Logan her. Sein kantiges Gesicht verzieht sich, und am Kinn tritt eine Narbe deutlich hervor.

„Mistwetter!“, schimpft Logan Dunn. „Monatelang Staub und Hitze, aber wenn ich bränden will, läuft der Himmel aus. Der Teufel soll es holen!“

Er hat fest damit gerechnet, in spätestens einer Woche wieder zur Wildpferdjagd aufbrechen zu können. Der Regen macht ihm nun einen dicken Strich durch die Rechnung. Solange es so gießt, braucht er sich an den Corrals nicht bis auf die Knochen aufweichen zu lassen.

Logan brennt sich eine dünne Zigarre an und schnipst das Streichholz in den Schlamm hinaus. Schräg gegenüber ist die Posthalterei mit der Pferdewechselstation. Die Leute, die sich zur Ankunft der Kutsche eingefunden haben, blicken herüber. Natürlich reden sie über mich, denkt Logan. Nur was sie sagen, das hört er nicht. Der Regen rauscht zu laut. Und das von den Vorbaudächern klatschende Wasser erstickt jeden anderen Laut. Logan überlegt, ob er hinüber in den Saloon soll, um sich einen Drink zu kaufen. Das Wetter ist wie geschaffen dafür, sich nach einem wärmenden Schluck zu sehnen.

In diesem Augenblick hört er durch das eintönige Plätschern und Rauschen das Knallen einer Peitsche. Logan zieht seine silberne Taschenzwiebel an der Kette aus seiner Weste, klappt sie auf und stellt fest, dass die Kutsche über eine Stunde Verspätung hat. Um elf Uhr müsste sie ankommen. Jetzt ist es kurz nach Mittag.

In den Sitz und Spuckverein schräg gegenüber unter dem Dach der Posthalterei kommt Bewegung. Die Männer erheben sich von der Bank an der Hauswand und treten an die Verandabrüstung. Sie sehen jetzt nicht mehr zu Logan Dunn herüber, sondern blicken die Straße hoch.

Auch Logan wendet den Kopf. Die Ankunft der Kutsche verfolgt er, wenn er gerade in der Stadt ist, stets mit angespannter Erwartung. Er rechnet immer damit, dass irgendwann die Kunde ins Land hinausdringt, dass er sich hier in Prärie City angesiedelt hat, und dass dann ein paar Leute auftauchen, die sich mit ihm über weit zurückliegende Dinge unterhalten wollen.

Weit zurückliegend - das ist für Logan gleichbedeutend mit der Zeit beim Bahnbau und davor, als er wilde Städte bändigte. In Hays City hatte es begonnen. Sie waren damals vier wilde Burschen gewesen, die für dreißig Dollar Gehalt im Monat bereit waren, den Teufel aus der Hölle zu holen. Binnen drei Monaten hatten sie Hays zu einer sehr zahmen Stadt gemacht. Aber danach waren sie nur noch zu dritt. Neville, der krummbeinige Mann aus Virginia, hatte den Kampf gegen das Gesindel der Stadt mit dem Leben bezahlt. Später hatte man sie für die Dauer einer Trailperiode nach Laramie verpflichtet. Dabei war Carmody hinterrücks von einem Spieler erschossen worden, dem er Spiel und Stadtverbot erteilt hatte.

Jim Rossiter und Logan Dunn hatten danach bei der Beendigung eines Weidekrieges an der südlichen Kansasgrenze mitgewirkt., und ihr Revolverruhm war an jedem Lagerfeuer das Gesprächsthema. Sie trennten sich vor fünf Jahren. Jim Rossiter heiratete, und Logan ging zur Bahn als Camp-Marshal. Irgendwann während dieser Zeit kam der Name auf, den sie ihm anhängten - Big Logan.

Einmal traf er wirklich auch auf King Fisher. Das war in Julesburg, vierzehn Tage vor General Casements Strafgericht. Fisher hatte Logan ein paar Minuten lang angesehen und ihn genau studiert, während die Stadt zusah und auf einen großen Revolverkampf wartete. Dann hatte Fisher die Lippen zusammengepresst und den Kopf geschüttelt. Und mit weit vom Körper abgehaltenen Händen war er zu seinem Pferd gegangen und wortlos aus der Stadt geritten. Ein Jahr darauf hörte Logan, dass King Fisher tot war. Er war auf einen Mann gestoßen, der noch schneller zog und noch besser schoss. Coburn Flint soll der Mann geheißen haben.

Für Logan kamen heiße und harte Jahre. Camps, deren Namen vergessen waren, sobald die Bahn weiterzog, und Städte, die aus Materiallagern entstanden und einen schlimmen Ruf besaßen. Überall dort war Logan Dunn gewesen, und manchmal hatte er Ruhe und Ordnung in solch ein tobendes Höllennest förmlich hineinschießen müssen. Immer wieder war er auf die gleichen Männer gestoßen und hatte sie vertrieben. Im nächsten Camp traf er sie wieder und störte ihre Geschäfte.

Zum Schluss, als Logan seinen Vertrag mit der Bahn nicht mehr zu verlängern bereit war, hatten diese Burschen sogar einen Preis auf seinen Kopf ausgesetzt. Tausend Dollar dem, der Big Logan Dunn zur Strecke brachte. Ein paar hatten es versucht. Logan hatte sie zur Hölle fahren lassen und ein paar Kugellöcher als Andenken behalten.

An diese Burschen und an ihre Hintermänner denkt jetzt Logan. Er rechnet damit, dass irgendjemand den Platz ausfindig macht, an dem er sich zur Ruhe gesetzt hat, und dass irgendwann wieder ein paar heißblütige Burschen auftauchen, die gegen Bezahlung eine alte Rechnung begleichen.

Ein Jahr - das ist keine Zeit, um ein paar große Halunken vergessen zu lassen, wie nachdrücklich Logan all die krummen und schmutzigen Geschäfte störte, die sorgsam eingefädelt waren und viel Geld in der Vorbereitung verschlangen.

Da war zum Beispiel Arnos Lovelock, ein ehemaliger Spieler vom Mississippi. Er steckte sein eigenes Geld und das Geld irgendwelcher Hintermänner in Bodenkäufe, besorgte sich für über zwanzigtausend Dollar Goldstaub und salzte damit den Boden eines steinigen Tales. Die ersten Claims waren die besten. Ihre Besitzer fanden in den ersten drei Tagen mehr, als sie der Claim gekostet hatte. Dann zogen die Bodenpreise an und hätten schwindelerregende Höhen erreicht, wenn Logan nicht zufällig einen Mann jener Minengesellschaft getroffen hätte, bei der Lovelock den Goldstaub gekauft hatte. Logan wies Lovelock nach, dass er den Boden präpariert und einen gewaltigen Betrug aufgezogen hatte, beschlagnahmte seine Pferde und Wagen, um die getäuschten Goldspekulanten zu entschädigen, und jagte Lovelock samt seinem Anhang davon.

Wie lange ist das her? Gerade eineinhalb Jahre. Zu kurz für einen Mann wie Lovelock, der einen solchen Verlust hinnehmen musste und das Geld seiner Hintermänner vertan hatte. Leute wie Lovelock verwinden einen solchen Schlag nicht. Sie müssen eine derartige Niederlage ausbügeln, sonst sind sie in ihren Kreisen erledigt. Für alle Zeit.

Und genau aus diesem Grund rechnet Logan Dunn damit, dass irgendwann mal jemand kommt, der den Auftrag hat, ihn zu beseitigen. Darum auch blickt er jetzt der Kutsche mit sehr gemischten Gefühlen entgegen, die aus dem Regen auftaucht. Es ist eine schwere Concord-Kutsche, über und über mit Dreck bespritzt. Der Fahrer hat sich eine Ölhaut umgehängt. Die Krempe seines Hutes hängt wie ein Pfannkuchen herunter. Der Mann hat Mühe, das schlammbespritzte Vierergespann und die Kutsche durch die morastige Fahrbahn zu lenken. Die Pferde wollen ständig ausbrechen, und die Kutsche schlingert, als schwimme sie durch einen Fluss. Außer dem Fahrer sitzt niemand auf dem Bock. Der Begleiter hat es wohl vorgezogen, im trockenen Passagierkasten Unterschlupf zu finden.

Die Kutsche nähert sich, und der Schlamm in der Straße schmatzt um Hufe und Räder. Der Kutscher knallt mit der Peitsche und treibt das Gespann an. Plötzlich ruckt er an den Zügeln und lenkt die Kutsche statt zur anderen Straßenseite vor Logan Dunns Haus.

Drüben reißen die Neugierigen den Mund auf. Auch Logan ist recht verblüfft, denn der Mann auf dem Bock, den er jetzt erst erkennt, ist Meredith. Und Meredith weiß verdammt genau, wo die Posthalterei ist. Schließlich macht er jeden zweiten Donnerstag diese Fahrt von Cheyenne herüber. Er scheint genau zu wissen, was er vorhat, denn er fährt bis vor die Treppe von Logans Haus und zieht an den Zügeln.

„Hoooiaaah, ihr müden Böcke, wir sind da!“, ruft er und dreht die Handkurbel der Radbremse. Eine überflüssige Maßnahme, denn die vier Pferde bleiben sofort stehen und lassen die Köpfe hängen. So im Regen sehen sie wie riesengroße gebadete Ratten aus.

Meredith greift mit der schlammverspritzten Hand an die herunterhängende Hutkrempe.

„Hallo, Mister Dunn“, sagt er schnaufend und deutet mit dem Daumen hinter sich. „Besuch für Sie. Wenn Sie die Tür aufmachen, brauche ich nicht abzusteigen. Mir sind schon fast Schwimmhäute zwischen den Zehen gewachsen.“

Besuch? Logan Dunn greift sofort an seine rechte Seite. Aber da ist kein Holster. Er trägt keine Waffe mehr, seit er die Bahn verließ. Nur sein Gewehr nimmt er mit, wenn er Wildpferde jagt. Sein Revolver liegt eingeölt oben im Schrank.

Wenn im Passagierkasten ein Bursche sitzt, der Geld dafür bekommt, dass er den Revolver abdrückt, dann hat er leichtes Spiel mit mir, denkt Logan und blickt Meredith an.

„Wer?“, fragt er flach. „Ich erwarte niemand.“

Der Kutscher hebt die Schultern, und aus einer Falte seiner Ölhaut schwappt Wasser herunter. „Sie hat bis hierher bezahlt - für sich und die Kinder. Sie sagte, es sei gar nicht einfach gewesen, Ihren Aufenthaltsort zu erfahren. Aber sie hat Sie sehr genau beschrieben. Auch der Name stimmt, Mr. Dunn.“ Meredith verstummt erwartungsvoll.

Es könnte eine Falle sein, überlegt Logan. Er kennt niemand, der ihn mit Kindern besuchen würde. Nach den Worten von Meredith eine Frau, die sich nach ihm erkundigt hat.

„Moment!“, sagt Logan scharf und will ins Haus zurück, um sein Gewehr zu holen.

Da wird die Kutschentür geöffnet, und eine Frau blickt heraus. Logan Dunn sieht zunächst nur ein bleiches Gesicht und einen schlichten Hut. Er bleibt stehen und sieht zu, wie die Frau aus dem Kasten steigt und bemüht ist, die Treppe zu erreichen, ohne in den Schlamm zu geraten. Sie schafft es, rafft ihr Kleid etwas und richtet sich auf.

„Hallo, Logan“, sagt sie bedrückt.

Logan Dunn fährt zusammen. Die Stimme kennt er.

Nach zwei Sekunden weiß er, wer sie ist. Shirley Rossiter - Jim Rossiters Frau.

Er sah sie nur einmal. Das war bei der Hochzeit, zu der Jim eingeladen hatte. Logan hat sie als strahlendes, frisches Mädchen in Erinnerung. Jetzt haben ihre Augen den einstigen Glanz verloren, ihr Gesicht wirkt verhärmt, ihre Hände sind abgearbeitet.

„Shirley?“, sagt Logan und kann seine Verwunderung nicht verbergen. „Himmel, du hier? Moment - komm da aus dem Regen!“ Er überquert den Gehsteig, steigt die Treppe hinunter und hilft ihr unter das schützende Vordach. Sie blickt ihn nur an und sagt nichts mehr. Und das beunruhigt ihn. Er spürt, dass da etwas auf ihn zukommt. Wie käme sie sonst dazu, ihn aufzusuchen! Ohne Jim!

Das ist es! Er weiß es sofort. Mit Jim ist etwas!

„Mamie!“, ruft hinter ihnen ein dünnes Stimmchen aus der Kutsche.

Logan fährt herum und sieht ein kleines Mädchen, das rückwärts aus dem Kasten krabbelt, weil ihm die Stufen zu hoch sind.

„Vorsicht, Kleines!“, sagt Shirley Rossiter und will wieder die Treppe hinunter.

„Ich mach’ das“, sagt Logan. „Lass nur!“ Er holt die Kleine, die vier Jahre alt sein mag und ihn groß anblickt, als er sie hochnimmt und auf den Gehsteig trägt.

Im Kutschkasten setzt jämmerliches Kindergeschrei ein, und Logan geht hinunter und holt ein zweites Mädchen, das in eine Decke eingewickelt und höchstens zwei Jahre alt ist, wenn er richtig schätzt. Dabei sieht er, dass Shirley Rossiter nur wenig Gepäck mitgebracht hat. Zwei Reisetaschen aus geblümtem Cordstoff und ein Handbeutel. Mehr kann er nicht entdecken, auch keine weiteren Passagiere außer dem Begleitfahrer, der tabakkauend in der Ecke sitzt und keinen Finger rührt. Und auf dem Dach ist auch kein Gepäck.

Logan trägt das schreiende Kind auf den Gehsteig hinauf, drückt es Shirley Rossiter in den Arm und holt das Gepäck. Und drüben recken die Neugierigen wieder den Hals. Prärie City hat seine Sensation. Eine Frau mit zwei Kindern ist zu Logan Dunn gekommen!

2

„Es ist ein Junggesellenhaushalt“, sagt Logan. „Aber komm herein!“

Shirley Rossiter tritt mit dem kleinen Mädchen im Arm ins Haus, und Logan trägt die Reisetaschen und den Handbeutel hinterher, während Meredith die Handbremse löst und das Gespann in Bewegung bringt und hinüber zur Station fährt.

Das größere Mädchen bleibt unter dem Vordach stehen und blickt der Kutsche nach.

„Moira!“, ruft Shirley Rossiter und dreht sich um.

„Ja, Mamie.“ Gehorsam trippelt die Kleine ins Haus und blickt mit großen Augen auf die Dinge, mit denen Logan Dunn sein Haus vollgepackt hat. Waffen, Felle und Decken an den Wänden, Tierköpfe auf dem breiten Kaminsims und überall Lederzeug - Zäume, Zügel, Longen, ein paar Satteltaschen, zwei Jacken, eine mit Pelz gefüttert, und ein alter Sattel mit einem Loch, das verteufelt nach einem Kugeleinschlag aussieht.

„Moira?“, fragt Logan Dunn und setzt die Taschen ab.

Shirley Rossiter nickt.

„Wir haben sie nach Jims Schwester genannt. Das ist Lela.“ Sie wiegt das Kind in ihrem Arm, das wieder zu schreien beginnt. Logan macht eine verlegene Handbewegung rundum.

„Sehr wohnlich und einladend ist das nicht“, sagt er. „Ich besorge dir besser ein schönes Zimmer im Hotel. Ich bin die meiste Zeit draußen und kümmere mich nicht ums Haus. Ich - ich bin nicht auf Besuch eingerichtet.“ Er reibt sein Kinn. „Milch - Milch für die Kinder, ja. Einen Moment, ich erledige das sofort. Sie werden hungrig sein und müde und ...“

„Ich habe auf der letzten Station Milch für sie bekommen“, sagt Shirley Rossiter und setzt sich in einen Sessel. .„Ich hoffe, wir machen dir keine Umstände.“

„Keineswegs“, erwidert er und zieht eine neue Zigarre aus der Brusttasche. Doch mit einem Blick auf die Kinder steckt er sie wieder weg. Dann sieht er Shirley Rossiter gerade an.

„Ihr seid allein gekommen. Ich habe nie wieder etwas von euch gehört nach der Hochzeit. Jetzt bist du da - ohne Jim. Es ist etwas mit ihm, nicht wahr?“

Sie senkt den Kopf und wickelt das kleine Mädchen aus der Decke. Als sie schließlich hochblickt, sieht er, dass sich ihre Augen mit Tränen gefüllt haben.

„Jim war ein guter Mann“, sagt sie schluchzend, und Logan gibt es einen Stich. Er hat es geahnt, als er sie aus der Kutsche steigen sah. Er schließt einen Moment die Augen, und er sieht wieder Jim Rossiter - wild, verwegen und immer lachend. Die Straße in Hays City, krachende Revolver, Pulverdampf, stürzende Männer, durchgehende Pferde und Neville, der am Boden liegt. Dann Laramie. Jim war es, der Carmody fand. Mit einem faustgroßen Loch im Rücken. Damals lachte er nicht. Der Weidekrieg an der Kansasgrenze, Bügel an Bügel mit Jim, Seite an Seite, als sie den Krieg gewaltsam beendeten. Die Hochzeit und Jims Lachen in seinem verwegenen Gesicht.

Es sind nur wenige Sekunden, in denen ein paar Jahre an Logan vorbeiziehen. Er atmet tief ein und öffnet die Augen.

„Wo?“, fragt er dann, und in seiner Stimme klingt etwas mit, das Shirley zusammenfahren lässt.

„Ich bin nicht deswegen gekommen“, sagt sie und wischt sich hastig die Augen aus. „Ich wusste mir keinen Rat mehr, Logan. Ich bin am Ende. Die Kinder - das ist alles, was ich noch habe. Als ich wusste, wo du bist, bin ich mit dem letzten Geld hergefahren. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.“

„Mach dir darum keine Gedanken!“, sagt Logan. „Reden wir nicht von Geld, reden wir von Jim. Erzähle, ich finde mich dann besser zurecht.“ Er setzt sich auch, und Moira beginnt mit ein paar alten Zügeln zu spielen. Die kleine Lela schiebt das Däumchen in den Mund und blickt plötzlich wieder zufrieden in die Welt. Shirley Rossiter zupft an der Decke herum. Sie setzt mehrmals zum Sprechen an. Logan drängt sie nicht. Er lässt ihr Zeit.

Das Rauschen des Regens vor dem Fenster, Lelas Daumenlutschen und das Schnurren der alten Zügel, die Moira über den Boden zieht, sind minutenlang die einzigen Geräusche.