Lolita - eine Geschlechter(gender)-Studie - Michael Obenaus - E-Book

Lolita - eine Geschlechter(gender)-Studie E-Book

Michael Obenaus

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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 1999 im Fachbereich Amerikanistik - Literatur, Note: 1,0, Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für Anglistik/ Amerikanistik), Veranstaltung: Vladimir Nabokov: Selected Novels and Short Stories., Sprache: Deutsch, Abstract: “Was man weiß, sieht man erst.” (J. W. v. Goethe, Einleitung in die Propyläen) Der geschärfte Blick, sensibilisiert für diese oder jene Seite einer Sache, für einen ganz bestimmten Aspekt, einen Blickwinkel in einem Problem, einem Text, lässt unvermutet Fragen erscheinen, aber auch Antworten finden. Den Ausgangspunkt dieser Untersuchung zum Roman Lolita von Vladimir Nabokov bildet ein geschlechtertheoretischer Ansatz von Luce Irigaray , der den Versuch unternimmt, kulturell etablierte und legitimierte Rollenmuster und Hierarchien zwischen den ’Geschlechtern‘ und die aus ihnen begründeten Verhaltensmuster von ’Mann‘ und ’Frau‘ darzustellen, um sich von ihrer Festschreibung als gültige Dichotomie zu befreien. Irigaray untersucht die Wirkungsmacht kulturell vorgebildeter Rollenmuster, zu denen sich (biologisch) männliche bzw. weibliche Individuen verhalten müssen, an und gegen die sie sich identifizieren. Ich bediene mich ihres Blickwinkels in meiner Untersuchung eines literarischen Textes, da es mit seiner Hilfe möglich erscheint, die Wirkungsmacht und Funktion genau jener kulturellen Geschlechterkonzeptionen im Text zu verdeutlichen. Ich möchte in dieser Arbeit dokumentieren, wie der Roman kulturell verfestigte Geschlechterrollen zum einen nachvollzieht, sich aber gleichzeitig mit ihnen auseinandersetzt. Ich behaupte, in der Inszenierung dieser stereotypen Verhaltens- und Rollenmuster wird ihre Gültigkeit, jenseits jeder Moralisierung, zur Schau gestellt, und so auch der Regelkreislauf, dem diese Geschlechterrollen und die in ihnen definierten Individuen unterliegen, in seinem zerstörerischen Potential zu einem der treibenden Faktoren für die Handlungsentwicklung in Lolita. Zunächst werde ich den theoretischen Ansatz nach Luce Irigaray darstellen. Es folgt eine textnahe Lesart (close reading) des Romans Lolita, bei dem ich zunächst die theoretisch ausgearbeiteten Strukturen im Text aufsuche, um dann die kritische Auseinandersetzung des Textes mit diesen Strukturen herauszuarbeiten. Schließlich werde ich eine – zugegeben gewagte – These zum außergewöhnlichen Skandalcharakter der Rezeptionsgeschichte dieses Romans aufstellen, die seine Wirkung aus einem geschlechtskulturellen Tabubruch heraus erklärt. Diese Arbeit versteht sich als ein Beitrag zu einem umfassenderen Verständnis sowohl des vorliegenden Romans als auch der ihm und der Kultur zugrundeliegenden Geschlechterstrukturen.

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Veröffentlichungsjahr: 2004

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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2.1 Zum spezifischen Charakter der FRAU in der Gesellschaft
2.2.1 Inzestverbot.
2.2.2 FRAU als Ware: Wertform und Gebrauchsform.
2.3 Gesellschaftlich/kulturell legitimierte Rollentypen der FRAU
3 Vladimir Nabokov: Lolita.
3.2 Humbert versus Quilty
3.3 Lolita - zwischen MANN und Gesellschaft
3.3.1 Die Jungfrau.
3.3.2 Die Prostituierte
3.3.3 Die Mutter.
3.4.1 Das Finale: (Selbst)Mord eines Sünders
3.4.2 Die Schuldfrage
3.4.3 Humbert, oder die Unmöglichkeit einer Utopie
4 Schlußbemerkung(en)
4.1 Eine gewagte These: Zur Skandalrezeption des Romans
4.2 Fazit.
5 Literaturverzeichnis

Page 1

Humboldt Universität Berlin, Philosophische Fakultät II Institut für Anglistik/Amerikanistik

Seminararbeit zum Hauptseminar ”Vladimir Nabokov: Selected Novels and Short Stories”, Verfasser: Michael Obenaus

Lolita -

Geschlechter(gender)-

Page 4

1 Einleitung

“Was man weiß, sieht man erst.”(J. W. Goethe, Einleitung in diePropyläen)Der geschärfte Blick, sensibilisiert für diese oder jene Seite einer Sache, für einen ganz bestimmten Aspekt, einen Blickwinkel in einem Problem, einem Text, läßt unvermutet Fragen erscheinen, aber auch Antworten finden. Es ist die Eigenart einer solchen Sensibilisierung, daß sie ’erlernbar‘ ist - und daß sie notwendige Voraussetzung der Vermittlung eines ungewohnten Problems sein muß. Den Versuch, einen solchen Blickwinkel vorzustellen, soll diese Arbeit unternehmen. Ich hoffe, sie wird ihrer Aufgabe - der Sensibilisierung für einen ’unvermuteten‘ Aspekt dieses Textes, einer Lesart nach Kategorien und Fragestellungen dergender-Forschunggerecht werden können.

Die Fragestellung, mit der ich an den RomanLolitavon Vladimir Nabokov herantreten möchte, ist der Versuch einer Synthese von Literaturwissenschaft und Überlegungen zu gesellschaftlichen Beziehungs- und Rollenmustern, die kulturell eingeschriebene Rezeptions- und Interpretationsmuster vongender1hinterfragen, sie in ihrer Funktion und Wirkungsmacht im kulturellen und sozialen Diskurs zu bestimmen versuchen.

Den Ausgangspunkt dieser Untersuchung bildet ein theoretischer Ansatz von Luce Irigaray2, der den Versuch unternimmt, kulturell etablierte und legitimierte Rollenmuster und Hierarchien zwischen den ’Geschlechtern‘ in ihrer Schematik darzustellen, die aus ihnen begründeten Verhaltensmuster von ’Mann‘ und ’Frau‘ darzustellen, um sich über ihre Bewußtmachung von ihrer Festschreibung als gültige Dichotomie zu befreien. Dabei bleibt Irigaray einem Geschlechterbegriff verhaftet, der sich noch stark an einer Definition von ’Mann‘ und ’Frau‘ als gesellschaftliches Gegensatzpaar orientiert. Sie abstrahiert zwar weitgehend von einem ontologischen Begriff von Geschlecht, ordnet aber Individuen immer das Geschlecht zu, dem sie

1Zum Begriffgenderwie ich ihn hier verwende: Diese Untersuchungskategorie beschreibt

Ausprägungen von ’Geschlecht‘, wie sie in sozialen, kulturellen, ökonomischen, literarischen, u.s.w., also

insgesamt kulturellen Kontexten einer Gesellschaft erscheinen. Es ist der Versuch einer Analyse der

einzelnen Komponenten einer Zuordnung, die in der Regel biologisch oder ontologisch verortet, also als

einmal definiert und identisch verstanden wurde und wird; einer Zuordnung, die sich aus den

verschiedensten, gesellschaftlich bedingten, Faktoren zusammensetzt, deren jeweilige Funktion im

kulturellen Kontext es einzeln zu beschreiben und zu bestimmen gilt. Im Rahmen dieser Arbeit wird es

erforderlich sein, sich auf einige Untersuchungszusammenhänge für diese Kategorie zu konzentrieren,

wie ich sie im folgenden genauer erläutern werde.

2Luce Irigaray: ”Das Geschlecht, das nicht eins ist”, 1977

Page 5

gemeinhin zuerkannt werden. Mit anderen Worten: Irigaray untersucht die Wirkungsmacht kulturell vorgebildeter Rollenmuster, zu denen sich (biologisch) männliche bzw. weibliche Individuen verhalten müssen, an und gegen die sie sich identifizieren. Ihr Ansatz ist geprägt durch eine Tradition der Frauenforschung, wie sie seitdem schon weit differenzierter zu dem Begriff dergender-Forschungentwickelt wurde. Ich bediene mich ihres Blickwinkels aber dennoch in meiner Untersuchung eines literarischen Textes, da es mit seinen Begriffen und Kategorien möglich ist, die Wirkungsmacht und Funktion genau jener kulturellen Geschlechterkonzeptionen im Text zu verdeutlichen, ihre Motivationskraft für den Text und auch ihre Untergrabung im Text herauszustellen. Ich möchte in dieser Arbeit dokumentieren, wie der Roman kulturell verfestigte Geschlechterrollen zum einen nachvollzieht, sich aber gleichzeitig mit ihnen auseinandersetzt. In der letzt möglichen Konsequenz der Inszenierung dieser stereotypen Verhaltens- und Rollenmuster wird ihre Gültigkeit, jenseits von jeder Moralisierung, zu Schau gestellt, und so auch der Regelkreislauf, dem diese Geschlechterrollen und die in ihnen definierten Individuen unterliegen, in seinem zerstörerischen Potential zu einem der treibenden Faktoren für die Handlungsentwicklung inLolita.