Love Bites - Sarah Neumann - E-Book

Love Bites E-Book

Sarah Neumann

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Beschreibung

Die Waise Rebecca kann sich mit zwei Jobs gerade so über Wasser halten. Als ihre Wohnung verwüstet wird, bietet der Vampir Logan ihr Unterschlupf auf dem Anwesen seiner Familie. Logan erkennt Rebeccas besondere Gabe und überredet sie, einen Partyservice für übernatürliche Wesen zu eröffnen. Mit jeder Veranstaltung taucht Rebecca tiefer in die ihr unbekannte Welt ein. Logans Bruder, der Wolf Ramses, versucht sie jedoch vor den Gefahren dieser Welt zu beschützen - und schleicht sich dabei mehr und mehr in ihr Herz. Küss mich, Beiß mich, Lieb mich + Bonus Heirate mich in einem Band

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Seitenzahl: 665

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Sarah Neumann

Love Bites

Astrid Behrendt Rheinstraße 60, 51371 Leverkusenwww.drachenmond.de, [email protected]

KorrektoratMichaela Retetzki

Satz, LayoutMartin Behrendt

UmschlaggestaltungAsuka Lionera

ISBN: 978-3-95991-080-4 ISBN der Druckausgabe: 978-3-95991-079-8

Alle Rechte vorbehalten

Inhalt

Teil 1 - Küss mich

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Teil 2 - Beiß mich

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Teil 3 - Lieb mich

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Teil 4 - Heirate mich

Bonusstory

Für meine Beste.

Love Bites

Teil 1

Küss mich

Kapitel 1

???

Der raue Asphalt fühlte sich kalt unter meinen Pfoten an, die in den letzten Monaten lediglich unebenen Waldboden berührt hatten. Der Wind spielte mir den Geruch von Abgasen und Müll, Erbrochenem und Bier sowie eine leichte Note Schießpulver um die Nase. Doch viel mehr als dieser Gestank störte mich, die Nähe der Menschen zu spüren. Sie drängten sich unentwegt durch die engen Gassen, suchten nach einer Gelegenheit, ihrem trägen Leben zu entkommen. Kaum bin ich wieder in der Stadt, muss ich mich um diese Göre kümmern. Was will sie nur an solch einem Ort?

Rebecca

Seufzend verließ ich um drei Uhr früh das Sweet Oblivion. Zwei Teenager hatten es geschafft, sich trotz der Sperrstunde im Tanz­bereich aufzuhalten, John und Michael stets aus dem Weg zu gehen und an der Bar weiterhin Getränke zu ordern. So wütend hatte ich die beiden Security Männer selten erlebt. Noch dazu hatten sich die Teenager bei mir unterm Tresen versteckt, als man sie schnappte, und ich war zu meinem Boss zitiert worden. Wieso hat er mir nur nicht geglaubt, dass ich die zwei nicht kenne? Erneut entglitt mir ein Seufzer, ehe ich in den klaren Sternenhimmel blickte, der durch die helle Straßenbeleuchtung so gut wie kein Sternenlicht preisgab. Was mache ich hier nur?

Ich zog meinen Schal enger, damit der aufkommende Wind meinen Hals nicht länger streifte, und machte mich auf den Heimweg. Fünf Blocks musste ich hinter mir lassen, um aus der Club­szene herauszukommen, in der an jeder Ecke rot und blau blinkende Neonreklame auf geöffnete Läden hinwies. Sieben Straßen weiter bog ich rechts ein. In einigen Hundert Metern Entfernung konnte ich das Hochhaus bereits erkennen, in dem ich eine Wohnung angemietet hatte. Ich wollte einen Schritt schneller gehen, da der Wind zunahm und mir eiskalt die Beine hochzog, als mein Blick auf ein junges Mädchen fiel, das ich auf zwölf oder dreizehn schätzte. Es hockte mit dem Rücken an eine Hauswand gelehnt unter einem nicht ganz eingezogenen Vordach eines Verkaufstandes, das wegen Rost wohl weder ein- noch ausgefahren werden konnte. Ein Hut mit breiter Krempe legte ihr Gesicht in dunkle Schatten. Das samtrote Kleid mit weißer Spitze wirkte nass und verdreckt, als wäre sie vor Kurzem erst gestürzt.

Ich hockte mich langsam neben das Mädchen und wartete einen Moment, bis es den Kopf leicht anhob, was ich nur an dem wippenden Hut erkannte. »Suchst du einen Ort, an dem du die Nacht verbringen kannst?«

Es schien, als weiche es ein kleines Stück zurück, um sich mehr Freiraum zu schaffen und jeden Augenblick wegrennen zu können. Ich … kannte dieses Gefühl nur zu gut. Genauso wie diese Situation.

Um ihm entgegenzukommen, nahm ich Abstand, etwa so viel, wie es vor mir zurückgewichen war, und konnte nun unter der Krempe ein helles Augenpaar aufleuchten sehen. Für einen kurzen Moment lief mir ein eiskalter Schauer über den Rücken. Eins. Zwei. Drei. Bedacht langsam, streckte ich der Kleinen die Hand entgegen, nur so weit, dass sie sich nicht eingeengt vorkam und sie ihren halben Arm ausstrecken musste, um meine Hand zu ergreifen. »Komm mit mir. Die Nacht ist zu kalt, um hier draußen alleine zu schlafen.«

Sie beäugte mich misstrauisch. Ein stetiger Wechsel, meinen Blick zu halten und meine Handfläche zu betrachten. Schließlich ergriff das Mädchen mein Handgelenk mit beiden Händen und ließ sich von mir in die Arme schließen. Sein kühles Gesicht streifte meine Wange und ich hörte ein Schluchzen, ehe ich aufstand, es an die Hand nahm und mit ihm den Heimweg fortsetzte.

Pino, unser italienischer Portier, eilte sofort zu mir, als er bemerkte, dass ich mit einem Kind durch die Drehtür trat. Ein hochgewachsener Mann in den Vierzigern, der glücklich verheiratet und Vater dreier Töchter war. Er brachte mir gelegentlich einen Auflauf seiner Frau mit, wenn Isabella mal wieder ihre Anti-Paprika-Woche durchzog und ihre Schwestern mit einstimmten. Ich liebte die Geschichten, die er mir von ihren Schulaufführungen erzählte, und wünschte mir oft, auch so einer Familie anzugehören.

»Pino, würden Sie mir bitte den Aufzug rufen?«, bat ich ihn, und er eilte sofort an mir vorbei. Mit einem Drücken der Taste bewegte sich der im fünfzehnten Stock verbliebene Fahrstuhl ins Erdgeschoss. »Ich danke Ihnen.«

»Eine Verwandte?«, fragte er neugierig und versuchte, einen Blick auf ihr Gesicht zu erhaschen, das sie augenblicklich scheu in meiner Seite vergrub.

»So etwas Ähnliches.«

»Ich möchte nur der Form halber darauf hinweisen …«

»… dass Besuch zu dieser Zeit laut der Hausordnung nicht gestattet ist«, beendete ich den Satz und blickte ihn an. »Ich konnte sie nicht auf der Straße schlafen lassen, Pino. Bitte erwarten Sie nicht von mir, dass ich die Kleine vor die Tür setze. Sie wird keinen Ärger machen.«

Er nickte verständnisvoll und streifte meinen Arm. »Ich drücke ein Auge zu. Aber lange kann sie nicht bleiben. Sie wissen ja – Miss Lambert auf Ihrer Etage bekommt alles spitz und meldet es umgehend. Eine Beschwerde werde ich nicht zurückhalten können.«

Die Aufzugtüren öffneten sich und ich stieg mit dem Mädchen ein. Es klammerte sich an mich, als hätte es Angst vor ihm. »Das würde ich nie von Ihnen verlangen, Pino. Haben Sie vielen Dank und grüßen Sie Maria.«

Als sich der Fahrstuhl endlich in Bewegung setzte, entwich mir ein Seufzen. Was mache ich hier nur? Mein Blick verfolgte das Aufleuchten des entsprechenden Stockwerks, den der Aufzug passierte. Im zwölften Stock glitten die Türen auseinander und ich trat auf den mit blaugrauem Teppich ausgelegten Flur. Die dritte Tür rechts schloss ich auf und schaltete das Licht ein.

»Möchtest du jetzt ein Bad nehmen, um dich aufzuwärmen?«, fragte ich, müde von meiner langen Schicht. Ihre Augen scannten neugierig meine Einzimmerwohnung, die aus einem weitläufigen Raum mit Kochnische und großem Panoramafenster bestand, das einen weiten Blick auf die Stadt bot. Eine weiß angestrichene Tür führte in das anliegende Badezimmer.

Ich hockte mich vor das Mädchen und legte seinen Hut auf den Stuhl neben uns. Goldene Locken fielen der Kleinen über die Schultern. Da bemerkte ich, dass die rechte Seite um ihr Ohr rötlich verklebt war, doch sie schlug panisch meine Finger weg, als ich es mir genauer ansehen mochte. »Entschuldige. Ich wollte nicht …«

Emilia

Die Frau erhob sich und ging zu der Garderobe, um ihren rostbraunen Mantel aufzuhängen, der eindeutig schon bessere Tage gesehen hatte. Darunter kam ein hellblaues Kleid zum Vorschein, das ihr bis zu den Knien reichte, und für einen Moment spürte ich die pochende Begierde in meinem Kiefer. Nicht hier! Ich wandte ihr den Rücken zu und versuchte, mich zu besinnen. Wenn ich jetzt die Kontrolle verlor, war ich nicht sicher, ob ich rechtzeitig aufhören konnte. Und dabei ist sie so nett zu mir. Ich hätte niemals weglaufen dürfen!

Ich hörte, wie das Badewasser eingelassen wurde, und roch den sanften Vanilleduft, den sie hineinträufelte. Wahrscheinlich wäre es vernünftiger, zu gehen, bevor sie zurückkehrte. Doch ehe ich dazu kam, diesen Gedanken umzusetzen, stieg mir ein unheimlich sinn­licher Geruch in die Nase. Ein Duft von Gänseblümchen und Sonnenlicht, verdorben von einer alles überdeckenden Note aus Nikotin und einem Biergemisch.

»Möchtest du mich nicht begleiten?«

Ich spürte ihre warmen Finger an meiner Wange. Was empfindet sie wohl, wenn sie mich anfasst? So kalt, wie ich bin, muss es ihr doch unangenehm sein. Sie nahm mich bei der Hand und mit einem geduckten Blick ließ ich mich ins Badezimmer führen. Erst da bemerkte ich, dass sie hüllenlos durch die Wohnung gelaufen war und ihre Kleidung zusammengefaltet auf einer Wäschetruhe lag. Ihr hellbraunes Haar reichte ihr bis zur Taille, die wegen ihrer schlanken Hüften kaum sichtbar zur Geltung kam. Fasziniert von ihren vollen Brüsten, ließ ich mir das Kleid abstreifen und stand nach wenigen Handgriffen nackt vor dieser wunderschönen Frau.

Rebecca

»Dir ist gleich wieder warm«, flüsterte ich und half der Kleinen, in die Wanne zu steigen. Ich angelte nach dem Shampoo und nahm eine Schüssel zur Hilfe, um ihre Haare anzufeuchten, ohne sie ganz mit Wasser zu übergießen. Eine Verletzung hatte ich bisher nicht ausmachen können, trotzdem war ich mir sicher, dass das in ihren verklebten Haarsträhnen Blut war.

»Ich bin übrigens Rebecca«, sagte ich, um ein Gespräch anzufangen. Ich schäumte vorsichtig ihren Haarschopf ein, massierte ihre Kopfhaut und versuchte dabei, behutsam nach möglichem Schorf zu suchen. »Wie ist dein Name?«

Mit dem Dessertschälchen spülte ich ihre Haare aus und stellte das Wasser ab. Sobald ich hinzustieg, sollte die Wasserhöhe angenehm sein. Ich reichte ihr ein Schwämmchen in Entenform, das sie zaghaft annahm. Ein Lächeln umspielte meine Lippen, als mich ein kalter Schauer erfasste. »Hast du etwas dagegen, wenn ich zu dir in die Badewanne steige? Es wird kühl hier draußen.«

Das Mädchen schüttelte fast unmerklich den Kopf und ich nahm ihm gegenüber Platz. Mit dem Schälchen übergoss ich mich mit warmem Badewasser und begann, meine Haare einzuschäumen. Die Augen fest zugekniffen, weil Schaum meine Stirn herabtropfte, spürte ich erstaunt, wie es den Entenschwamm meinen Unterarm entlangführte.

»Möchtest du mir den Rücken einschäumen?« Mit der Frage drehte ich mich ein Stück zur Seite und wies auf meine Schulterblätter. Ich hörte, wie die Kleine aus der Wanne stieg, um sie herumlief und hinter mir Platz nahm. Kichernd wegen der kitzelnden Berührungen, genoss ich das zaghafte Streichen des Schwammes auf meiner Haut und wusch mir danach gründlich die Haare aus. Einer der Nachteile, in einem Nachtclub zu arbeiten, war der aufdringliche Geruch nach Alkohol, Rauch und manchmal sogar Drogen.

Vier Uhr fünfzehn zeigte mein Wecker an und ich richtete stöhnend das Bett her. Schon in weniger als vier Stunden musste ich wieder raus und zu meinem anderen Job. Was sollte ich da mit dem Mädchen machen? Es hierlassen?

Ich schlug die Bettdecke auf, krabbelte darunter und hielt sie weit offen. Die Kleine trug ein Nachthemd von mir, das ihr praktisch bis zu den Zehenspitzen reichte. Ihre Kleider hatte ich ordentlich zusammengelegt im Badezimmer verstaut. Schüchtern kletterte sie über die Bettkante und legte sich neben mich.

»Gute Nacht«, flüsterte ich und kuschelte sie in zwei dicke Decken.

»Emilia.«

Ein Lächeln erfasste meine Mundwinkel. »Schlaf gut, Emilia.«

Emilia

Es hatte nur ein paar Minuten gedauert, da schlief Rebecca seelenruhig neben mir und hatte einen Arm um mich gelegt. Ich konnte ihre pochenden Venen genau erkennen und ihr süßlicher Geruch, der nun von der schweren Note befreit worden war, schien allgegenwärtig. Ihr wohlduftendes Haar brach den letzten Widerstand und ich spürte, wie meine Eckzähne gefährlich anwuchsen. Die Begierde, ihre weiche Haut zu schmecken, und das Verlangen, ihr rotes Blut zu kosten, das diesen herrlichen Duft verströmte, waren unstillbar erwacht.

Ich bemerkte zu spät, dass ich mich bereits über sie gebeugt und den Mund geöffnet hatte, sodass meine Beißer mehr als leicht hervortraten. Die Zähne bleckend, versuchte ich, meine Beherrschung wiederzufinden, aber der bezaubernde Geruch von Gänseblümchen und Sonnenschein vernebelte mir komplett die Sinne. Ich stellte mir vor, was für eine Erinnerung ein Biss wohl auslösen würde – konnte ich doch durch das Trinken von Blut in dem Gedächtnis meines Opfers baden.

Im letzten Moment, als das verlangende Pochen in meinem Kiefer überhandnahm, biss ich in mein eigenes Handgelenk. Hungrig sog ich den alten Lebenssaft, den ich vor rund zwei Tagen einer jungen Dame im Park entzogen hatte, aus meinem Organismus. Er schmeckte schal und ich wusste, dass ich meinen Hunger auf diese Weise nur bedingt aufhalten konnte. Schon bald würde ich trinken müssen. Frisches Blut. Und ich betete inständig, dass ich Rebecca bis dahin hinter mir gelassen und ein neues Opfer gefunden hatte. Sie war einfach zu nett zu mir, als dass ich sie hätte beißen wollen. Nur die Vorstellung ihrer Erinnerung ließ die Tür, sie irgendwann doch einmal zu kosten, einen Spalt geöffnet.

Rebecca

Von neun bis um zwölf ging ich meinem Job im Sweet Dreams nach, machte mich aber daraufhin sofort auf den Heimweg. Normalerweise half ich in meiner Mittagspause weiter aus, die angelieferten Waren im Lager einzusortieren, doch heute wollte ich unbedingt nach Emilia sehen. Sie hatte am Morgen so tief geschlafen, dass ich sie nicht hatte wecken wollen und deshalb nur einen Zettel dagelassen hatte.

Als ich die Tür aufschloss, stand sie, noch mit meinem Nachthemd bekleidet, vor dem Panoramafenster und blickte hinaus. Erst als die Wohnungstür ins Schloss fiel, drehte sie sich zu mir um und zeigte ein schüchternes Lächeln.

»Hallo, Emilia!«, sagte ich freudig und lief in die Kochnische. »Soll ich uns was Leckeres kochen? Wie wäre es mit einem Kartoffel-Paprika-Eintopf?« Doch als ich die Kühlschranktür öffnete, war er komplett leer. Aber … wie kann das sein? Ich habe vor drei Tagen eingekauft. Das hätte für die ganze Woche reichen müssen.

Da spürte ich plötzlich eine kleine Hand an meiner Schulter. »Ich … hatte solchen Hunger«, flüsterte sie, und als ich mich ihr zuwandte, bemerkte ich einige Kleckse auf dem Nachthemd. Sie hatte den gesamten Kühlschrank leergegessen?

»I-Ist schon gut.« Ich versuchte, meinen Schrecken mit einem Lächeln zu überspielen. »Ich werde schnell einkaufen gehen und danach für uns kochen.« Mit wackeligen Beinen erhob ich mich und drückte ihr einen Kuss aufs Haar. »Ich bin gleich wieder da.«

Die Einkaufsmeile war keine drei Blocks von meiner Wohnung entfernt. Doch je näher ich ihr kam, desto langsamer wurden meine Schritte, bis ich schließlich stehen blieb. Meine Brust zog sich beklemmend zusammen und ich lehnte mich schluchzend gegen eine Häuser­wand. Die Passanten zogen ungeachtet an mir vorbei und ich ließ mich fallen. Eine leere Bierdose kullerte auf die Straße und wurde von einem vorbeifahrenden Auto erfasst. Was … mache ich nur? Wie soll ich das alles… bezahlen? Ein Schluchzen erschütterte meine Körper und ich sackte in mich zusammen. Wenn ich jetzt einkaufen gehe, werde ich nicht für die Miete nächste Woche aufkommen können. Aber ich kann Emilia auch nicht hungern lassen. Was … mache ich nur?

???

Ich hatte sie die ganze Nacht über gesucht, war von einem Häuserdach zum nächsten gesprungen, hatte die Gassen durchkämmt und einige Menschen erschreckt, die mich mit einem großen Hund verwechselten. Nichts. Sie musste irgendwo untergetaucht sein, anders konnte ich es mir nicht erklären.

Während ich gerade auf einem Shoppingcenter stehend die Gegend scannte, stieg mir ein vertrauter Geruch in die Nase. Vor meinem geistigen Auge erschien ein kleines Mädchen, etwa vier Jahre alt, mit rosigen Wangen und vom vielen Weinen rot umrandeten Augen. Ihre Iris hatten in einem wahnsinnig traurigen Aschgrau geleuchtet, das mich sofort in den Bann gezogen hatte. Nicht das Flehen ihres sterbenden Vaters hatte mich dazu gebracht, dieses Kind aufzusammeln und in die Stadt zu tragen. Es waren diese von Tränen erfüllten, ängstlichen Augen, die meine tierische Gestalt angesehen und für einen winzigen Moment vergessen hatten, sich auch vor mir zu fürchten.

Wie hypnotisiert sog ich den Duft von Gänseblümchen und Sonnenlicht in mir auf, blendete alles andere aus und folgte dieser Signatur. Zwei Blocks weiter entdeckte ich eine junge Frau Anfang zwanzig. Sie saß in sich gekehrt an einer Hauswand und die langen Haare fielen ihr nach vorn über die Schultern, sodass ihr intensiver Geruch von ihrem Nacken aufsteigen konnte. War sie wirklich das Mädchen von damals? Ich hatte diese Augen niemals vergessen können – nicht einen einzigen Tag.

Emilia

Rebecca kam eine halbe Stunde später zurück und lief wortlos direkt in die kleine Küche. Ich fragte mich, ob ich was falsch gemacht hatte, obwohl sie doch auf dem Zettel geschrieben hatte, ich solle mir aus dem Kühlschrank etwas zu essen nehmen. Während sich der herrliche Duft von Tomaten in der Wohnung ausbreitete, zog ich mich im Badezimmer um und bürstete mir die Haare. Ich mied den Spiegel, ich konnte mich ohnehin nicht darin erkennen. Die Menschen, deren Verstand stets versuchte, Unerklärliches zu erklären, sahen ein Spiegelbild, das nicht wirklich unseres war. Und für einen kurzen Moment fragte ich mich, ob es nicht doch diesen einen Menschen gab, der hinter diese Fassade blicken und unser wahres Wesen erfassen könnte.

Der Himmel verdunkelte sich, als ich vor das Panoramafenster trat und hinausblickte. In der Ferne erkannte ich die Andeutung eines alten Herrenhauses, das etwas außerhalb der Stadtgrenze lag. Ob Logan sehr wütend auf mich ist?

Rebecca tischte auf einem kleinen Rundtisch das Essen auf und rief mich zu sich. Wir aßen gemeinsam. Nach dem Abwasch verschwand sie wieder für ein paar Stunden, da sie noch zu arbeiten hatte. Ich spielte mit dem Gedanken, zu gehen, doch etwas in meinem Innern wünschte sich, bei ihr bleiben zu können.

Es war fast dunkel, als Rebecca zurückkam und ihren Mantel aufhängte. Ihre himmelblauen Augen wirkten müde und sie ließ sich mit einem Glas Orangensaft neben mir nieder – so saßen wir beinahe eine halbe Stunde schweigsam nebeneinander auf dem Boden und blickten aus dem großen Fenster.

Benebelt von ihrem Geruch, trocknete meine Kehle sekundenschnell aus und ich spürte erneut das unnachgiebige Pochen. Ich hätte verschwinden sollen, als ich es noch konnte! Als sie müde den Kopf senkte, die Haare nach vorne fielen und ihren Nacken entblößten, zog sich mein Magen schmerzlich zusammen.

»Alles in Ordnung?«, fragte sie mich und legte die Hand auf meine Schulter. Verführerisch pulsierten die Venen an ihrem Handgelenk und meine Eckzähne schossen mit einem Mal hervor. Der Hunger wütete in mir und jetzt war es zu spät, umzukehren.

Kraftvoll stieß ich sie zu Boden und beugte mich über ihre zier­liche Gestalt. Die Zähne bleckend, zuckte mein Blick von einer möglichen Stelle zur nächsten. Sie waren alle so unglaublich verführerisch und am liebsten hätte ich sie überall gebissen. Das Zittern ihres ­Körpers unter meinen Händen verstärkte nur die Begierde, die das Tier in mir dazu brachte, hochmütig aufzuheulen.

???

Als ich Emilia endlich fand, beugte sie sich bedrohlich über eine junge Frau. Mit Anlauf stieß ich mich von dem gegenüberliegenden Häuserdach ab und durchbrach das Panoramafenster. Ich riss das ungehorsame Vampirmädchen von seiner Beute, wirbelte es herum und stemmte es gegen die Wand.

Hab ich dich, du Mistgöre!

Schreiend schlug sie um sich und entkam meinen Pranken, mit denen ich sie zu züchtigen versuchte. Erneut stürzte Emilia sich auf ihr Opfer, das keinen Zentimeter gewichen war. Wütend holte ich aus und streifte, als sie mir auswich, die junge Frau. Samtweicher Blut­geruch verteilte sich im Raum, ehe der heftige Wind ihn umherwirbelte und beinahe auflöste.

Emilia gelang es, die Fassung wiederzuerlangen, und flüchtete aus dem zwölften Stock. Mein Körper jedoch sperrte sich dagegen. Der Anblick dieser hilflosen Frau, deren Augenfarbe sich von Himmelblau in das mir so vertraute Aschgrau gewandelt hatte, machte mich bewegungsunfähig. Ist sie wirklich … dieses Kind?

Rebecca

Der Schrecken lähmte meine Glieder. Emilias Gesichtsausdruck, als sie mich runtergedrückt hatte, war wild und ungezähmt gewesen. Ich hatte nicht verstanden, was plötzlich in sie gefahren war. Jetzt war sie fort, hinausgesprungen aus dem zerbrochenen Fenster – und wir waren im zwölften Stock! Ich wollte nicht daran denken, dass sie sich in den Tod gestürzt haben konnte. Es musste dafür eine andere Erklärung geben. Doch welche?

Vor mir stand wie in Stein gemeißelt der große Hund, der wie durch ein Wunder durch das Sicherheitsglas gesprungen war und mich gerettet hatte. Das hat er, nicht wahr? Er schien genauso versteinert wie ich. Mein Blick fiel auf das nervöse Zucken seiner spitz zulaufenden Ohren und das tiefe Ein- und Ausatmen, das sich an seinen bebenden Nasenflügeln erkennen ließ. Als ich jedoch in seine dunkelbraunen, fast schwarzen Augen blickte, verlor ich mich darin und ein Kribbeln erfasste meine Haut.

»Becky!« Dunkler Rauch vernebelte meine Sinne. Ich fühlte einen brennenden Schmerz an Ellbogen und Knien und mein Körper war wie gelähmt, festgenagelt auf dem harten Asphalt, den ich an meiner Wange spürte.

»Becky, wo bist du? Geht es dir gut?«

Mama. Und Papa. Sie riefen nach mir. Doch ich konnte mich beim besten Willen nicht bewegen.

Ein Heulen drang an meine Ohren, und als es mir gelang, meinen Blick zu heben, stand ein riesengroßer Hund vor mir. Sein Fell war kastanienbraun und Blut tropfte auf den Boden vor mir. Er war … verletzt?

»Becky!«

Meine Stimme war unfähig, zu sprechen. Der alles überwältigende Schmerz zog durch meine Glieder und ich kämpfte mit der Ohnmacht. Da stupste mich eine kalte Nase an, die ich vorsichtig mit meinen Händen umfasste. Es kitzelte.

Ich konnte mich an das weiche Fell erinnern und streckte verträumt meine Finger nach dem Tier aus. Als hätte dies den magischen Bann gebrochen, wich es vor mir zurück und flüchtete auf demselben Weg wie Emilia aus meiner Wohnung. Nicht, ohne mich eines langen Blickes zu bedenken. Ist er … der Hund, der mich damals gerettet hat?

Es gelang mir, mich unbeholfen aufzurichten, nicht ohne dabei in eine der Scherben zu greifen. Flüchtig wickelte ich ein Tuch um meine Hand und nahm die Verfolgung auf. Ich musste Emilia finden. Schnell!

Emilia

Ich rannte durch die Straßen, nicht zurückblickend, in dem Wissen, dass, wenn Richard mich fand, ich mit einigen Prellungen nach Hause geschleppt werden würde. Ich bog in eine ruhige Gasse ein, da erblickte ich ihn. Edel in einem schwarzen Nadelstreifenanzug mit dunkler Krawatte und grausilbernem Hemd gekleidet, stand er einfach so mitten auf der Fahrbahn und streckte mir die Hand entgegen. Ich konnte nicht sagen, ob es eine gespielte Freundlichkeit war und in seinem Innern der Zorn nur so brodelte, oder nicht. Langsam lief ich auf den Mann zu und blieb, auf einen Sicherheitsabstand bedacht, vor ihm stehen.

»Wir haben uns Sorgen gemacht, Emilia. Sogar Richard ist auf der Suche nach dir. Was hast du dir dabei gedacht, einfach davonzulaufen und tagelang zu verschwinden – ohne ein Wort oder eine Nachricht?« Seine Stimme war dunkel, bedrohlich. Ich spürte seinen Zorn wie eine drohende Gewitterwolke auf meinen Schultern.

»Logan. Es war nicht meine Absicht. Ich –« Ich unterbrach augenblicklich meine Erklärung, als mir ihr süßlicher Duft in die Nase stieg. Logan schien ihn ebenfalls bemerkt zu haben, da bog Rebecca schon in die Straße ein und rannte auf mich zu.

»Oh Emilia, ist alles in Ordnung mit dir? Hat der Hund dir auch nichts getan?« Sie kniete vor mir und betrachtete meine Wunde am Arm, wo Richard mich erwischt hatte. Tränen stiegen in ihr auf und ich fragte mich, warum.

»J-Ja. Mir geht es gut.«

»Hat Ihnen meine Nichte Schwierigkeiten bereitet, Mylady?« Logan trat wie ein Gentleman vor, nahm ihre Hand geschmeidig in seine und drückte ihr einen bedeutungsschweren Kuss auf den Handrücken. »Mein Name ist Logan Keynes. Und ich werde Sie natürlich großzügig entschädigen.«

Oh nein … Sie hatte sein Interesse geweckt.

Logan

Es war ein so sanfter Duft, dass ich meinen Zorn wie aus heiterem Himmel vergaß und meine Augen nicht von diesem zarten Wesen lösen konnte. Ich verfolgte jede ihrer Bewegungen. Die junge Frau berührte sorgsam Emilias Arm und bei der Vorstellung, ihre weichen Finger würden mich einst auf ähnliche Weise verführen, breitete sich ein berauschendes Gefühl in mir aus. Für einen kurzen Moment, als ihre Tränen und das Aschgrau ihrer Iris zu flüssigem Silber verschmolzen, spürte ich die unstillbare Begierde pochen – nicht ausschließlich in meinem starken Kiefer, auch in meiner harten Männlichkeit.

Ich trat ihr entgegen und stellte mich vor, nicht ohne die Gelegenheit zu nutzen, ihr einen Handkuss aufzudrücken. Ihre Haut roch atemberaubend. Diese Frau war der Inbegriff der Unschuld. Ich muss sie besitzen.

»So-Sollten wir Rebecca nicht zurück in ihre Wohnung bringen?«, meinte Emilia, die meine Ambitionen offenbar erkannte. Ein zorniger Blick brachte sie zum Schweigen, nicht jedoch das zarte Pflänzchen.

»N-Nein ist schon gut. Ich finde den Weg alleine.« Sie verneigte sich und bescherte mir einen unverhofft tiefen Einblick in ihren Ausschnitt, der mich sofort elektrisierte. »I-Ich wollte nur unbedingt sichergehen, dass es Emilia gut geht.« Sie schenkte ihr ein Lächeln und in mir wurde der Wunsch laut, ebenso angelächelt zu werden. »Es freut mich wirklich sehr, dass du deinen Onkel wiedergefunden hast.«

»Ja, danke«, antwortete sie und ich konnte an ihrer Stimme hören, dass auch ihr die Traurigkeit nicht entgangen war, die in diesen letzten Worten steckte. Sie blickte mich fragend an.

»Natürlich werden wir Sie trotzdem nach Hause begleiten. Um diese Zeit sind nicht selten gefährliche Wesen unterwegs.« Ich räusperte mich. »Und wir wollen ja nicht, dass Ihnen etwas zustößt.«

»Wesen?«

»Männer!«, verbesserte Emilia mich schnell und ich nickte.

Als wir den Eingangsbereich des Hochhauses betraten, eilte ein ergrauter Herr auf Rebecca zu und wirbelte wild mit den Armen. »Ich habe schon versucht, Sie zu erreichen! Miss Lambert hat einen ungeheuren Krach aus Ihrer Wohnung gemeldet. Was ist denn nur passiert?«

Während sich die junge Frau bemühte, dem Portier in so wenigen Worten wie möglich zu erklären, dass sie selbst keine Ahnung hatte, fuhr er mit uns gemeinsam in den zwölften Stock. Rebecca schloss die Wohnungstür auf und das Chaos brach aus. Der Mann schrie fassungslos auf, gestikulierte wild mit den Händen. Sie nickte gescholten und mir blieb die Chance, mich in Ruhe umzusehen. Ihr gesamtes Leben schien sich in dieser Einzimmerwohnung abzuspielen, in der sich außer einem großen Bett noch eine kleine Kochnische und ein winziger Tisch befanden. Drei Bücher standen in einem sonst leeren Bücherregal neben einem spärlichen Holzstuhl. Hinter der einzigen Tür im Raum vermutete ich das Badezimmer.

»Da haben wir ganz schön Mist gebaut«, flüsterte Emilia und ich nickte, als ich neben dem nahezu gesprengten Panoramafenster auch die tiefen Schlitze in der Wand und im Boden entdeckte. Blutstropfen erzählten vom Kampfhergang und ich rümpfte angewidert die Nase, denn außer dem äußerst herrlichen Duft ihres Blutes war schaler Lebenssaft darunter, der mehr als einen Tag in einem Vampirorganismus dahinvegetiert war.

»So leid es mir tut, ich werde Mr Winkels davon berichten müssen«, verabschiedete sich der Portier mit einem Smartphone am Ohr und verließ die Wohnung. Rebecca stand da wie ein Häufchen Elend. Tränen sammelten sich in ihren Augen, während sie angespannt zu überlegen schien, wie sie das riesige Fenster für die kommende Nacht abdichten sollte.

»Es tut mir so leid. Das ist alles meine –«

»Da hat mein Hund offensichtlich übertrieben«, fuhr ich Emilia über den Mund und trat an die Seite der jungen Frau. »Es hilft nichts. Die Nacht können Sie nicht hier verbringen.« Mir gelang es nur schwer, ihr meine Hand auf die Schulter zu legen und gleichzeitig meine Fangzähne im Zaum zu halten, weil der Geruch ihres süßen Blutes allgegenwärtig in diesem Raum hing. »Und da Sie sich so ausgezeichnet um meine Nichte gekümmert haben, ist es selbstverständlich, dass Sie bis auf Weiteres bei uns unterkommen.«

Erschrocken hob sie den Kopf und blickte mich an. »N-Nein, das … das kann ich nicht annehmen.« Abwehrend hob sie die Hände – die eine umschloss ich, die andere griff sich Emilia.

»Bitte, Rebecca!«

»Ich kann Sie unmöglich hier an diesem zugigen Ort schlafen lassen. Das verstehen Sie doch, oder?« Sie machte die Andeutung eines Nickens. »Ich werde für den Schaden aufkommen und bald können Sie wieder wie gewohnt Ihrem Leben nachgehen.« Natürlich hatte ich nicht vor, sie gehen zu lassen, wenn sie erst einmal bei uns eingezogen war. Emilia ahnte es, bestätigte sie doch meinen Blick mit einem drohenden Zähneblecken. Du denkst wirklich, dich meinem Verlangen in den Weg stellen zu können?

Rebecca

Ich hatte mich tatsächlich von Emilia und diesem dunklen Fremden überzeugen lassen, meine Wohnung fürs Erste aufzugeben und zu ihnen zu ziehen. Schnell hatte ich meine Siebensachen zusammengepackt, was nicht sonderlich schwierig war, wenn man kaum etwas besaß.

Nun stand ich vor den eisenbeschlagenen Toren, die auf das Anwesen weit außerhalb der Stadt führten. Logan Keynes öffnete und hielt sie mir auf. In greifbarer Ferne erblickte ich ein ebenholzfarbenes Herrenhaus, das über große, aber zugezogene Fenster und einen weitläufigen Vorgarten verfügte.

Emilia hüpfte vor Freude neben mir und ich lächelte. Mit ihr zusammenzuwohnen, hatte mir, wenn auch nur für ein paar Stunden, die Einsamkeit genommen und ich hoffte, hier das zu finden, nach dem ich mich seit langer Zeit schon sehnte. Da fiel mein Blick auf eine geöffnete Terrassentür und das kastanienbraune Tier lief erhobenen Hauptes hinein.

»Er ist zurück«, hörte ich Logan zu Emilia sagen und ich spürte, wie mein Herz nervös zu schlagen begann. Es hämmerte unentwegt gegen meine Brust und ich umgriff die Tasche noch fester. Es ist also … wirklich sein Hund?

Kapitel 2

Emilia

Ich hatte Logan angefleht, Rebecca das Zimmer genau neben meinem zu überlassen, aber natürlich wollte er sie nah bei sich wissen. Dagegen wehren konnte ich mich zwar nicht, doch ich würde ein Auge auf sie haben, damit meine neue Freundin nicht sofort als Mittagssnack endete.

Der Duft frischer Tomatensuppe zog aus der geräumigen, meist jedoch ungenutzten Küche durch das Haus. Ich lugte um die Ecke und beobachtete, wie sie vor dem Herd stand und in einem Topf rührte. Ihr wohlduftendes Haar fiel ihr über die Schultern. Für einen Moment sog ich ihren Geruch in mich ein, mein Kiefer pochte verlangend und ich spürte, wie meine Eckzähne ausfuhren.

»Emilia!«

Schreckhaft zuckte ich zusammen, drehte meinen Kopf und erblickte Logan auf der Treppe. Sie führte aus dem Gemeinschaftsraum in den oberen Stock, in dem sich eine große Suite für geschäft­liche Angelegenheiten sowie sein und nun auch Rebeccas Wohnbereich befand. Ich hatte noch nie solch einen erstaunten und gleichzeitig bezaubernden Blick wie den ihrer Augen gesehen, als sie ihr künftiges Zimmer gemeinsam mit uns betreten hatte.

»Lo-Logan.« Meine Stimme zitterte, duldete er es schließlich nicht im Geringsten, eine Beute in seinem Haus zu stellen. Erschrocken über meine Gedanken, sah ich zu Boden. Sie ist deine Freundin, nicht dein Opfer!

Logan schritt äußerst langsam die letzten Stufen hinab, als sollten sie an Bedeutung gewinnen, ehe er auf mich zukam und mit festem Griff mein Kinn zu sich nach oben zog. »Liebste Nichte. Stellst du unserem Gast etwa nach?«

»Mitnichten! Der leckere Geruch hat mich angelockt und –«

»Ist das so?« Er warf einen Blick in die Küche und ich konnte deutlich sehen, wie auch sein Hunger auf frisches Blut erwachte. Ihr Anblick war einfach zu köstlich, wie sie dort in ihrem sonnengelben Kleid und der weißen Schürze dastand und Tomatensuppe würzte. »Ich muss dich enttäuschen«, sagte er. »Sie ist nicht als Appetithappen hier. Und ich erwarte von dir, dass du dich zusammenreißt. Haben wir uns verstanden?«

»Ja.«

»Wie war das?« Seine Stimme klang dunkel, zornig.

»Ja, Sir.« Das Wimmern in meiner Kehle entging ihm keineswegs und zauberte ein gefährliches Lächeln auf seine Lippen.

»Schön«, murmelte er. »Ich nehme an, wir essen jeden Moment.«

»Aber …!«

»Wir werden ihr keinen Grund geben, an unserer Menschlichkeit zu zweifeln«, knurrte Logan, ehe er mich entließ und an dem länglichen Tisch in der Mitte des Raumes Platz nahm. Oh scheiße. Er will das wirklich durchziehen? Was hat er mit Rebecca vor?

Rebecca

Die Tomatensuppe köchelte munter vor sich hin, während ich auf einem kleinen Teller eine ordentliche Fleischration aus Hase, Hühnchen und ein paar Kartoffeln anrichtete. Ob ich auch ein Petersilienblatt drauflegen sollte? Verwundert über mich selbst, schüttelte ich den Kopf. Er wird wohl kaum Petersilie essen noch eine ansehn­liche Dekoration wünschen. Ein Seufzen entglitt meiner Kehle, der nur einen kurzen Moment mein aufgeregtes Herz beruhigen konnte. Wieso habe ich ihn seit gestern nicht mehr gesehen? Ja, das Haus ist groß, aber …

Ich hörte, wie ein Stuhl vom Tisch abgerückt wurde und jemand seinen Platz einnahm. Sie sind schon da. Okay. Ich löffelte Tomaten­suppe auf die Teller und garnierte die Suppe mit Petersilie. Danach nahm ich einen in die linke Hand, schob einen zweiten auf mein nach innen angewinkeltes Handgelenk und hielt ihn mit meinem kleinen Finger am Tellerrand hoch. Den letzten Suppenteller griff ich mit der Rechten und verließ die Küche, die – nebenbei erwähnt – ein wahrer Traum war! Sie war mit den besten Küchengeräten und Messern ausgestattet, die ich je gesehen hatte, und der Kühlschrank war bis zum Rand gefüllt. Es kam mir beinahe vor wie im verbotenen Schlaraffenland.

»Hallo«, sagte ich, weil ich nicht wusste, wie ich sie sonst begrüßen sollte. Logan Keynes saß am Kopfende und bekam den ersten Teller, Emilia daneben den obersten der linken Hand und auf den Platz ihr gegenüber, an seiner rechten Seite, platzierte ich meinen Suppenteller. Ehe ich mich jedoch setzte, lief ich schnell in die Küche zurück und stellte die Fleischration auf den Boden im Esszimmer.

»Da wird er sich aber freuen«, kommentierte Logan Keynes mit einem amüsierten Lächeln. Ich nahm neben ihm Platz, er dankte mir fürs Kochen und wünschte guten Appetit.

»I-Ich wusste nicht, was ihr mögt, also dachte ich, Tomatensuppe isst jeder gerne«, meinte ich und schob mir einen halb gefüllten Löffel in den Mund. »Vor allem Kinder.«

Emilia lächelte mich an und wollte gerade etwas erwidern, als Logan das Wort ergriff. »Wir lieben rote Flüssigkeiten. Da haben Sie ein äußerst geschicktes Händchen erwiesen.« Erschrocken starrte das Mädchen ihn an. Und es wirkte beinahe so, als fochten die beiden einen unausgesprochenen Kampf miteinander aus.

»Sch-Schön haben Sie es hier, Mr Keynes«, sagte ich und er sah mich irritiert an.

»Logan für Sie.«

»Oh. In Ordnung.« Meine Güte … Wieso macht mich seine Gegenwart so nervös? War das gestern schon so?

Logan

Ich hätte dieses Spiel ewig spielen können. Ihre unschuldige Art, die Dinge zu sehen, war einfach zu amüsant. Und dass sie meinem Hund auch noch extra einen gefüllten Teller auf den Boden gestellt hatte – ich freute mich bereits auf seinen Gesichtsausdruck, wenn er es sah. Ich hatte Emilia zwar verboten, uns zu enttarnen, nichtsdestotrotz genoss ich die Idee, ein Mensch würde um unser Geheimnis wissen.

»Was isst du denn gerne?«, fragte Rebecca an Emilia gewandt. »Ich könnte schauen, ob der Kühlschrank deinen Wunsch hergibt, sonst gehe ich noch einkaufen. Dann kann ich dir morgen dein Lieblingsessen kochen.«

»Ja, Emilia«, grinste ich. »Was ist dein Lieblingsgericht?« Sie funkelte mich einen Moment böse an und ich genoss den verunsicherten Blick unseres Gastes, der zwischen Emilias und meinem Profil hin und her wechselte.

»Erdbeeren«, antwortete Emilia schließlich und ich musste lachen, da sie sich offenbar wirklich an die Vorgabe zu halten schien, dass wir alles mochten, was rot war. Nun, es entsprach nicht ganz der Wahrheit, doch zu einem großen Teil schon. Mit den Mädchen würde mich noch viel Spaß erwarten.

???

Die kalten Fliesen waren rutschig unter meinen Pfoten. Ich hasste diesen Ort, aber ich war dennoch hier, um nach dem Rechten zu sehen, und ärgerte mich darüber, direkt in eine Vampirsuche eingebunden worden zu sein. Hungrig wollte ich mich auf den Weg in den angrenzen­den Wald hinter dem Anwesen machen, als mir ein saftiger Geruch nach Hase in die Nase stieg. Ihm folgend, landete ich im Esszimmer. Auf dem Boden stand ein kleiner Teller mit angerichtetem Fleisch.

»Das hat sie extra für dich gemacht«, hörte ich Logan, der offensichtlich schon eine Weile alleine am Tisch gesessen hatte, um den Moment nicht zu verpassen. Sie hat für mich gekocht? »Hach«, richtete er sich amüsiert auf und lief um den Esstisch. »Was ist das nur mit euch zweien. Mir scheint, ihr kennt einander irgendwoher. Oder ist es nur purer Zufall, dass sie glaubt, einen streunenden Hund in dir wiederzuerkennen, Bruderherz?« Ich knurrte, als er mein Fell leicht streifte. »Wie dem auch sei«, mir entging nicht, dass seine Stimme eine dunklere Nuance annahm, »sie gehört mir.« Mit diesen Worten zog er sich in die oberen Etagen zurück. Die Sonne würde bald ihren Höhepunkt erreichen und selbst bei geschlossenen und zugezogenen Fenstern ertrug er diese Atmosphäre nicht.

Ich wandte mich der Fleischportion zu. Ich hatte nie vor, ihr wiederzubegegnen! Und ich werde sie ganz sicher nicht noch näher an mich ranlassen! Eine leichte Note ihres Duftes haftete am Fleisch. Sie hatte es mit den Fingern angerichtet. Ekelte sie sich nicht davor?

Mein Hunger war gestillt und ich trat auf die sonnenüberflutete Terrasse hinaus. Für den ersten Augenblick wurde ich geblendet und konnte nichts sehen. Dann schälten sich langsam die feinen Konturen der gepflanzten Obstbäume aus dem Licht und eine zierliche Gestalt stand in ihrer Mitte. Nein! Nicht sie!

Wie angewurzelt blieb ich stehen. Mein Augenlicht normalisierte sich und ich beobachtete, wie die junge Frau mir den Rücken zugewandt Wäsche auf eine Leine hängte. Ihr sonnengelbes Kleid wehte leicht im Wind und ihr wohlduftendes Haar trug den sanften Geruch von erblühenden Gänseblümchen zu mir herüber. Warum ist sie hier? Was will Logan mit ihr?

»Sie ist wunderschön, denkst du nicht?«

Erschrocken bemerkte ich Emilia neben mir auf einem Stuhl. Sie wippte mit den Beinen auf und ab und lächelte mich an. Ich erwiderte ein Brummen und wollte mich abwenden, da zog das Vampirmädchen an meinem Fell. Knurrend schnappte ich nach ihm, doch es ließ nicht los. »Rebecca sucht dich schon überall. Warum gehst du ihr aus dem Weg? Du weißt, dass sie eine Weile hierbleiben wird? Früher oder später –«

Ich riss mich von Emilia los und rannte in den Wald, ehe sich die junge Frau umdrehen und mich hätte entdecken können. Das Tier in mir heulte auf und Vögel flogen davon. Ja, flieht nur alle vor mir. Besser, ihr tut es jetzt, als hinterher. Und sie … sie sollte dasselbe tun. Solange sie noch kann!

Rebecca

Ich schlug zweimal die schwarze Jeans aus, ehe ich sie an der Wäscheleine aufhängte. Das Anwesen war wirklich riesig. Ich hatte noch längst nicht das ganze Haus gesehen, nur ein paar Räume in der obersten Etage, die Küche, den Essbereich und die Vorratskammer. Emilia hatte mir mit dem Finger die Richtung zu ihrem Zimmer gezeigt, aber ich war nach der Aufregung gestern einfach zu müde gewesen. Und nirgendwo hatte ich den großen Hund entdecken können. Ich fragte mich wirklich, ob er mir aus dem Weg ging. Unsinn. Wieso sollte er das? Ich meine … ich habe ihm doch nichts getan?

Für einen kurzen Moment versetzte ich mich zurück in meine Wohnung, als Emilia schon aus dem zwölften Stock gesprungen war und er mir tief in die Augen geblickt hatte. Das hatte ich mir nicht bloß eingebildet. Aber irgendetwas war äußerst merkwürdig daran. Nicht nur, dass eine Dreizehnjährige aus einem Hochhaus sprang und nahezu unverletzt ein paar Straßen weiter zufällig ihren Onkel fand, sondern auch dieser Hund. Er konnte es nicht sein – schließlich war es achtzehn Jahre her, dass er mich gerettet hatte. Kein Tier, das ich kannte, wurde so alt. Außer Elefanten. Und vielleicht Wale.

Ich fasste mir an die Brust und blickte hoch in den freien Himmel. Mein Verstand war sich mit mir einig, dass es absolut unlogisch war, was ich gesehen hatte. Möglicherweise hatte ich mir doch so manches dazugedichtet, das gar nicht passiert war. Und dennoch … wieso schlug mein Herz dann so widerspenstig, als wollte es rebellieren?

»Rebecca?« Emilia streichelte meinen Arm, und als ich mich zu ihr hockte, blickte sie mich besorgt an. »Mach dir keine Sorgen, ja? Er ist nur etwas schüchtern.«

»Von wem sprichst du?«

Sie lachte. »Na, von unserem Hund!« Ich spürte, wie meine Wangen zu kribbeln begannen, und legte beschämt die Finger daran. Woher wusste sie von meinen Gefühlen? »Er braucht nur etwas Eingewöhnungszeit. Er ist eine lange Zeit unterwegs gewesen und muss sich erst wieder an Menschen gewöhnen.«

»Du meinst, er ist umhergezogen?«

»Ja, so könnte man es sagen«, grinste sie und zog mich auf die Beine. »Sag, musst du heute Nacht arbeiten oder können wir was zusammen unternehmen?«

»Oh.« Ich hätte so gerne etwas mit ihr gemacht. »Ich muss leider arbeiten.«

»Aber heute ist doch Sonntag!«

»Gerade deswegen muss ich ja arbeiten.«

Logan

Wütend riss ich den Schreibtisch um, sodass er den danebenstehenden Globus zerteilte und ein leichtes Beben auf dem Parkettboden hinterließ. Ein alles durchdringender Kopfschmerz pulsierte in meinen Schläfen. Was musste ausgerechnet heute die Sonne auch so kräftig scheinen.

»Ich kann hier nicht weg!«, schrie ich in den Hörer. »Schicken Sie jemand anderen, der diese Aufgabe erledigt!« Zornig knetete ich meine Hände, ließ jeden Knochen einmal knacken und lauschte meinem Gesprächspartner. »Nein, das ist nicht möglich. Sie kann nicht erwarten, dass ich so kurzfristig alles stehen und liegen lasse!«

Ich verdrehte die Augen und wusste, dass dieses Gespräch zu nichts führen würde. Und sollte ich mich einen weiteren Monat nicht bei ihr blicken lassen, kam sie hierher. Das konnte ich nicht riskieren – nicht jetzt, wo wir einen Menschen beherbergten. »Ich verstehe. Ich melde mich nächste Woche.«

Emilia

Rebecca hatte um sieben das Haus verlassen und die Dämmerung brach an. Der perfekte Zeitpunkt, in den Keller zu gehen und ein paar Blutbeutel hervorzuholen. Ich entschied mich für Hase und packte Logan einen Hirschblutbeutel ein. Warum er so auf dieses Tier abfuhr, konnte ich mir nicht erklären. Vielleicht hoffte er, etwas seiner majestätischen Grazie würde auf ihn abfärben, wenn er nur genug davon zu sich nahm.

Ich klopfte und betrat den Arbeitsbereich im oberen Stockwerk. Der Schreibtisch war umgestoßen, der Globus vollkommen zerstört. Dabei hatte mir sein antiker Schriftzug immer so gut gefallen. Logan stand vor dem Fenster, dessen Vorhänge er leicht geöffnet hatte, um hinauszuschauen.

»Ich habe dir Hirsch mitgebracht«, sagte ich und legte den Blutbeutel auf einem Stuhl ab. Wenn er so wütend war, dass er seinen Tisch beinahe pulverisierte, kam ich ihm lieber nicht zu nahe. Bisher war das nur zweimal passiert. Das erste Mal wollte die Königin nicht genehmigen, dass Logan mich adoptierte. An das zweite erinnerte ich mich nicht.

»Wo geht sie hin?« Natürlich fragt er nach Rebecca.

»Arbeiten.«

»Um diese Zeit?«

»Denkst du, sonst wäre ich ihr über den Weg gelaufen?« Er wandte sich mir zu. Zorn stand in seine Augen geschrieben. Vielleicht war es sogar besser, dass sie gerade außer Haus war. Wer konnte schon sagen, was er mit ihr machte, falls sie ihm in dieser Fassung aus Versehen begegnete? »Was ist los? Hat sie dich angerufen?«

»Das soll nicht deine Sorge sein, Emilia«, knurrte das Tier in ihm. Doch ich lebte zu lange bei ihm, als dass ich mich jetzt davon ab­schrec­ken ließ.

»Es ist aber meine Sorge, wenn es bedeutet, dass Rebecca zwischen die Fronten geraten könnte!«

»Wird sie nicht.«

»Das kannst du nicht wissen, Logan«, protestierte ich. Da funkelte gelber Zorn in seinen Augen auf und ich erkannte, ginge ich einen Schritt weiter, würde er mich beißen. Vampire konnten einander beißen. Sie waren sogar in der Lage, von dem Blut des anderen zu leben, ohne einen Menschen oder ein Tier anfallen zu müssen. Dafür jedoch musste ein bestimmter Ritus vollzogen werden, den beide Parteien aus freien Stücken eingingen. Nur wenige waren bereit, dieses Band zu knüpfen, starben doch über die Hälfte der Partner, da die Verbindung die Feuerprobe nicht überstand. Moment. Will Logan etwa mit Rebecca …?

???

Meine Stimmung hatte sich deutlich verbessert, nachdem ich einige Stunden durch den Wald gerannt war. Es war bereits dunkel geworden und hatte angefangen zu regnen. Vor der Tür schüttelte ich mich ordentlich und lief in den Eingangsbereich, wo ich mich auf ein Handtuch legte, das offenbar extra für mich hingelegt worden war. Ich nahm einen sanften Duft nach Sonnenlicht wahr, und als ich die Augen schloss, strichen ihre schmalen Finger genüsslich durch mein Fell. Erschrocken sprang ich auf, doch sie war nicht hier. Was um alles in der Welt war das? Es fühlte sich so …

Ich lief zur Küche, die so gut wie niemand benutzte, und nahm Witterung auf. Vor meinem geistigen Auge erkannte ich Logans Bediensteten – auch ein Vampir, der sich meist in den Schatten des Hauses verbarg und nur in Erscheinung trat, wenn man ihn brauchte – der den Kühlschrank mit Lebensmitteln füllte. Danach betrat Emilia, die sich in einem drehenden Tanz bewegte, die Küche. Ihr folgte eine ausgesprochen überwältigte Frau und meine Nasenflügel bebten. Ich hatte sie.

Gleißendes Sonnenlicht, so warm und rein, dass ihm keine Dunkel­heit zu nahe treten konnte, und doch wurde es von jener um sein Strahlen beneidet. Ein zartes Gänseblümchen, das nicht durch makellose Schönheit, sondern seine Einfachheit, Akzeptanz und Unkompliziertheit hervorstach. Ich prägte mir diese Geruchssignatur ein, sodass ich nun eine goldene Leitlinie erkannte. Sie führte zur Tür heraus, wo ihre Farbe stärkerer Natur war. Wieso hat sie das Haus verlassen? Ob Logan damit einverstanden ist?

Rebecca

Laute Musik war allgegenwärtig. Die Besucher des Sweet Oblivion schienen sich daran nicht zu stören, dass man mit seinem Gegenüber nur schreiend eine Unterhaltung führen konnte. Aber die meisten von ihnen waren sowieso nicht zum Reden hier.

Im hinteren Bereich des Clubs gab es eine Light Red Show, die besonders gerne von Männern ab Anfang dreißig besucht wurde. Rechts daneben befand sich die Darkest ShineArea, in der das Schwarzlicht nur so blitzte, und ich war froh, dort nicht länger bedienen zu müssen. Das Licht machte mich wahnsinnig. Ich erinnerte mich noch gut daran, wie ich in meiner zweiten Woche einem jungen Mann auf den Fuß getreten, das Tablett über seinen Kopf hinweg verloren, zwei Frauen einen Drink übers Dekolleté geschüttet und zu allem Übel mit einer Kollegin zusammen­gestoßen war, die sich dabei den Arm prellte. Seitdem trug ich unter meinen Teamkollegen den Spitznamen Lucky Pitch, der mich stets daran erinnern sollte.

Ein Blick auf meine Uhr verriet mir, dass ich noch anderthalb Stunden durchhalten musste. Das fiel mir heute nicht sonderlich schwer, hatte ich doch in einem außerordentlich weichen Bett ausschlafen können und keine Schicht im Sweet Dreams gehabt. Morgen sah das allerdings anders aus und ich seufzte, als ich daran dachte, wie früh ich aufstehen musste, wenn ich pünktlich im Laden sein wollte.

»Zwei Tampico, bitte!«, rief eine attraktive Blondine mir zu und ich nickte. Heute hatte ich Thekendienst an der Cocktailbar. Da freute ich mich immer besonders drauf, so musste ich mich nicht durch die tanzenden Massen in die oberen Bereiche vorarbeiten, in denen die VIP-Gäste bestellten und private Tänzerinnen engagierten.

Ich griff nach der Tequilaflasche, nahm mir frisch gepressten Zitronen- und Ananassaft und schüttete noch ein wenig Triple Sec in meinen Shaker. Das Ganze vermischte ich mit Eiswürfeln, gab es in zwei Longdrinkgläser und steckte jeweils ein Ananasstück als Garnitur an den Rand.

»Becca!« Meine Kollegin Theresa kam hinter den Tresen, als ich der Kundin die Drinks zuschob, und reichte mir einen Zettel. Sie war brünett, etwas mollig um die Hüften und trug gerne Bandshirts von Iron Maiden. Natürlich nur in ihrer Freizeit, hatten wir im Sweet Oblivion schließlich strikte Kleidungsvorschriften. Theresa war eine der wenigen hier, die ich meine Freundin nannte. »Ich brauche vier White Dreams für Tisch sechs, acht für die VIP-Lounge und nochmal einen für mich.«

»Du trinkst im Dienst?«

»Baby, ich hatte einen harten Tag! Ich erzähl dir vielleicht später davon. Mach mir bitte die Cocktails fertig, ich komme in drei Minuten rum.«

Oh, oh. Ich kramte im unteren Fach nach Mirabellengeist. Hoffent­lich geht es nicht um Marc. Während ich Licor 43 mit Sahne und dem Geist mischte, dachte ich an die endlos durch­weinten Nächte. Er war ein Mann, der einfach nicht die Finger von anderen Frauen lassen konnte, trotzdem stets beteuerte, dass es nur sie in seinem Leben gab. Ich kannte mich in diesen Dingen nicht aus, war ich doch zu sehr damit beschäftigt, Geld zu verdienen, als dass ich jemanden kennenlernte. Mit Eis vermischt, bat ich einen kräftig aussehenden Gast, dreimal zu shaken, da mir die Kraft für das perfekte Gemisch fehlte und wir keinen elektrischen Mixer besaßen. Ich rechnete mit ein, dass die meisten, die ich darum fragte, mit viel Elan das Getränk umherwirbelten, um Eindruck bei ihrer Begleitung zu machen, so nannte ich bewusst zwei Umdrehungen zu wenig. Ich bedankte mich mit einer Gratis-Cola und schenkte die White Dreams in die Cocktailgläser.

???

Verunsichert schaute ich von einem Clubgebäude hinunter auf die dicht bedrängte Straße, in der vor einigen Clubs dieser Szene Prostituierte mit ihren Reizen lockten. Ihre Signatur hatte mich hierhergeführt, aber durch den üblen Gestank konnte ich sie nicht näher ausfindig machen. Sie wird doch nicht etwa anschaffen gehen?

Ich wartete Stunden. Die Gasse unter mir leerte sich, die übel­riechende Duftwolke, die über diesem Ort lag, blieb jedoch. Auf einmal trat die junge Frau mit einer Brünetten aus dem Club Sweet Oblivion. Sie umarmten sich lange und ich konnte die Verzweiflung bis hier oben riechen. Schließlich verabschiedeten sich die beiden voneinander und jede ging ihrer Wege. Ich war mir sicher, dass um diese Zeit kein Bus mehr fuhr, sie musste also den ganzen Weg bis zum Anwesen zu Fuß zurücklegen.

In der siebzehnten Straße beschlich mich ein ungutes Gefühl. Zwei Männer traten aus den Schatten und nahmen die Verfolgung auf. Ehe sie die junge Frau jedoch hatten einholen können, sprang ich auf die Fahrbahn und fletschte drohend die Zähne. Sie verschwanden schreiend hinter der nächsten Abbiegung, was leider ihre Aufmerksamkeit auf mich zog.

Rebecca

Der Heimweg war jede Nacht das Unheimlichste an diesem Job. Egal, wo ich wohnte, ich musste die Clubszene erst einmal verlassen und danach durch einen Gürtel an leer stehenden Läden vorbei. Theresa hatte mir erzählt, dass es ein Gasleck gegeben hatte und die Woh­nungen nun unbewohnbar waren. Mein Gefühl aber sagte mir, dass sie nicht so unbewohnt waren, wie viele annahmen.

Ein kalter Schauer lief mir über die Haut, als sich der Wind hob und unter meinen Rock fegte. In diesem Moment löste sich ein Schrei und ich drehte mich erschrocken um. Da stand er, hatte mir den Rücken zugewandt und schien in die Dunkelheit zu starren, aus der ich gekommen war. Was tut er hier?

Langsam setzte ich einen Schritt vor den anderen, ging auf ihn zu, darauf bedacht, ihm nicht zu nahe zu treten. Ich erinnerte mich an Emilias Worte, dass er sich erst wieder an uns Menschen gewöhnen musste. Ich ließ mich auf dem Boden nieder und streckte ihm meine Hand entgegen, als er sich zu mir umdrehte und mir sein schönes Gesicht zeigte. Es war von einem Rotbraun, das heller erschien als der Rest seines gepflegten, kastanienbraunen Fells. Der Blick aus seinen dunkelbraunen Augen lag ruhig auf mir und ich versuchte, keine rasche Bewegung zu machen, was mir äußerst schwerfiel. Mein Herz donnerte gegen meine Brust und ich hatte das Gefühl, es könnte ihm jeden Moment entgegenspringen. Wie fein wohl sein Gehör ist? Ob er es schlagen hört? Weiß er, wie aufgeregt ich bin?

???

Ich wusste, dass es klüger gewesen wäre, sofort wegzulaufen, ihr den Rücken zuzukehren und am besten nie wiederzukommen. Aber diese hoffnungsvoll blauen Augen, die ich nur allzu selten gepaart mit diesen weichen Gesichtszügen gesehen hatte, nahmen mir jegliche Fluchtgedanken. So sieht sie also aus, wenn sie nicht weint.

Langsam schritt ich auf sie zu. Ihr atemberaubender Duft lockte mich zu ihren Fingerspitzen, die ich nun vorsichtig mit dem Kopf streifte, um zu ihr zu gelangen. Sie platzierte ihre Finger an meinem Hals und streichelte beeindruckt über mein Fell. Was sie wohl dabei empfand? Ihr sanftes Lächeln ließ mich nur bedingt erahnen, was in ihr vorgehen mochte. Das heftige Schlagen ihres Herzens irritierte mich jedoch. Ihre Gesichtszüge schienen frei von Angst und doch raste es unaufhaltsam in ihrer Brust.

»Du bist es, nicht wahr?«, flüsterte sie kaum hörbar, und ich erstarrte, als sie die Arme um meinen Hals legte und mich umarmte. Ihr himmlischer Duft umgab mich, als würde ich darin baden, und ich genoss für einen stillen Moment ihr Streicheln über mein Fell. »Danke, dass du mich gerettet hast.«

Ihre Wangen waren rosig und glühten, als sich zwei Tränen aus ihrem Himmelblau lösten. Mit der Nasenspitze nahm ich sie auf und leckte darüber. Sie kicherte. Und ich spürte, wie mein Herz begann, sich für sie zu öffnen.

Logan

Um halb fünf kehrte Rebecca aufs Anwesen zurück. Ich war überrascht, Richard bei ihr zu sehen, hatte er sich doch zuvor eher rargemacht und war ihr aus dem Weg gegangen. Sie verschwand direkt im Bad und danach im Bett. Vermutlich war ihre Schicht anstrengend gewesen. Ich stieg die Treppen hinunter und gesellte mich zu ihm. Offensichtlich wollte er noch einen Moment alleine draußen liegen und den Mond anschauen.

»Ein Zufall, dass ihr gemeinsam heimkommt?«, fragte ich und er knurrte mich von der Seite an, was ich als ein Ja verstand. »Wann hast du eigentlich vor, mal wieder als Mensch ein und aus zu gehen? Wäre eine willkommene Abwechslung, meinst du nicht?« Ich erhob mich und öffnete die Terrassentür. »Sie würde sicher auch gerne deinen menschlichen Teil näher kennenlernen.«

Augenblicklich baute er sich vor mir auf und fletschte gefährlich mit den Zähnen. Ich wusste ja, dass er so reagieren würde und trotzdem war es immer wieder imposant anzusehen, was für eine Be­drohung er ausstrahlen konnte.

»Bemüh dich nicht«, gähnte ich gespielt. »Sie gehört mir. So oder so.«

Kapitel 3

Emilia

Als ich am frühen Morgen zu Bett ging, stand Rebecca gerade auf und zog sich für ihren Job an. Ich begrüßte sie, wünschte ihr einen schönen Tag und fragte mich gleichzeitig, ob es wirklich gesund für einen Menschen war, dermaßen viel zu arbeiten. Schlief sie überhaupt?

In meinem Zimmer angelangt, legte ich mich auf die abgerundete Couch anstatt in das Bett. Ich hörte den Regen gegen die Fensterscheiben prasseln und hoffte, Rebecca würde trocken ankommen.

Einige Stunden lang versuchte ich einzuschlafen, aber es gelang mir nicht. Da fiel mein Blick auf eine verstaubte Kiste unter meinem Himmelbett. Freudig zog ich sie hervor, hob den Deckel von der Pappschachtel und holte meine Spiegelreflexkamera heraus, die ich vor rund drei Jahren geschenkt bekommen hatte. Diese Kamera vermochte durch ihr besonderes Alter und ein Zusatzobjektiv, sogar die vampirische Gestalt auf ein Foto zu bannen. Ich wusste, dass einige Forscher daran gearbeitet hatten, um bei öffentlichen Veranstaltungen, die natürlich zuhauf nachts stattfanden, unter den Menschen nicht aufzufallen. Und Logan hatte es doch tatsächlich fertiggebracht, mir solch eine Spezialkamera zu besorgen. Ich erinnerte mich, wie ich anfangs sehr viele Fotos gemacht hatte. Irgendwann war sie in meiner Schachtel verschwunden und ich hatte sie nicht mehr ausgepackt.

Ich dachte daran, wie kurz ein Menschenleben im Vergleich zu unserer Existenz war. Sie würde nicht ewig bei uns bleiben können, falls Logan nicht wirklich vorhatte, sie zu einer von uns zu machen. Und ich fasste den Entschluss, von nun an jeden Tag ein besonderes Foto von und mit Rebecca zu schießen, um sie für immer in meinen Erinnerungen festzuhalten.

Rebecca

Mr Vinter war Spezialist in der Pralinenherstellung aus selbst hergestellter Schokolade, vierundsechzig Jahre alt und ein Fan von ­Rüschen. Nicht umsonst besaßen sämtliche Unterlegdeckchen ein Rüschenmuster, auch die Schürze, die ich über meiner Arbeitskleidung tragen musste, besaß so einen verschnörkelten Rand. Er war Eigentümer des liebevoll eingerichteten Pralinengeschäfts Sweet Dreams, in dem ich fast jeden Vormittag aushalf.

Laufkundschaft war in unserem Laden eher selten. Stammkunden gab es dagegen zuhauf, wie die Rentnerin Agnes, die ihren Enkeln eine Handvoll Vollmilch- und Haselnusspralinen einpacken ließ. Manchmal begleiteten die beiden sie sogar und standen staunend, ihre Nasen gegen die Scheibe gedrückt, vor den Pralinen und konnten sich einfach nicht entscheiden. Wenn Mr Vinter hinten im Laden seine Listen führte, teilte ich hin und wieder eine neue Pralinensorte in zwei Hälften, darauf achtend, dass die Kinder keinen Alkohol bekamen, und schenkte sie ihnen. Auf diese Weise, fand ich, erhielt man das ehrlichste und spontanste Feedback, wie die jüngste Mischung gelungen war. Da mein Chef zu alt geworden war, um die genauen Rezepturen abzumessen, übernahm ich ­oftmals in den Nachmittagsstunden die Herstellung neuartiger wie altbewährter Pralinen. Das konnte ich bisher so ein- bis zweimal die Woche bewältigen, wenn ich keine Doppelschicht im Sweet Oblivion übernehmen musste.

Die Ladenklingel läutete und ich hob mit einem freundlichen Lächeln den Kopf, als ein Mittdreißiger mit Hut den Laden betrat. »Schönen guten Tag.« Der Mann beäugte wortlos erst mich, danach die ordentlich zurechtgelegten Pralinen in unserer Auslage.

»Zweimal Baileys, drei Toffee, zwei weiße Schokolade mit Rum und eine Haselnuss.« Seine Stimme klang eilig und ich bemerkte, dass er ein wenig atemlos war.

Ich nahm eine Klarsichttüte, legte seine gewünschte Auswahl hinein und verschloss sie mit einem goldenen Klipp. »Noch einen Wunsch, Sir?« Er schüttelte energisch den Kopf und zückte sein Porte­monnaie. »Das macht sechs zwanzig, bitte.«

Er schob mir einen Zehner über die Theke, ich suchte sein Wechselgeld zusammen und legte es in die Schale, sodass er es gut greifen konnte. Mit einem Nicken, das er sich geradezu abzwang, fischte er nach der Pralinentüte, seinem Kleingeld und flüchtete aus dem Laden. Die Klingel schlug wie wild und Mr Vinter lugte verstört um die Ecke.

»Alles in Ordnung hier?«

»Ja, Sir.«

Auf dem Nachhauseweg wollte mir der letzte Kunde einfach nicht aus dem Kopf gehen. In seinem Gesicht hatte solch eine ungemeine Hektik gestanden, dass ich befürchtete, die Pralinen waren ein verzweifelter Versuch, einen Fehler wiedergutzumachen. Nicht selten war das die Motivation der Laufkundschaft, was mich irgendwie belastete. Ich wünschte mir, mit unseren Süßigkeiten Freude zu verschenken – süße Träume eben, wie der Name des Geschäfts auch lautete. Vielleicht ist es an der Zeit, einen anderen Weg einzuschlagen.

Ich öffnete die Haustür, begrüßte Emilia mit einem müden Lächeln, die offensichtlich eine große Kamera in der Hand hielt und wie wild in der Gegend herumknipste. Ich würde sie nach einem Bad danach fragen, ging direkt zum Badezimmer und drückte die Klinke herunter. Heißer Dampf schlug mir entgegen, und ehe ich begriff, was geschah, erblickte ich einen äußerst muskulösen Mann mit Vollbart, schulterlangen, leicht zerrupften Haaren und durch den Nebel verschwommenem Gesicht. Er wandte sich mir mit einem dunklen Knurren zu, das meinen Unterleib schmerzvoll zusammenzog, während mein Blick fasziniert einem Wassertropfen folgte, der sich aus seinen nassen Strähnen löste. Anmutig glitt er seine starke Brust hinab zu seinem Bauchnabel und verschwand in der Nebelbank darunter. Die Röte stieg mir in die Wangen, ich riss den Blick nach oben zu seinen beinahe schwarzen Iris und machte auf der Stelle kehrt. Türenknallend hastete ich in den Eingangsbereich, in dem Emilia stand und mir besorgt entgegenkam.

»Rebecca! Was ist denn passiert?«

»Da … also … im Bad … also.« In meinem Kopf hatte sich das Bild festgesetzt, wie dieser Tropfen seinen Oberkörper hinunter rann. Es wollte einfach nicht weichen, sodass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Wer zum Teufel war das? Und diese Augen … Sie waren so …

»Oh! Ja, ich hätte dich warnen sollen«, gestand Emilia und kicherte. »Hab ich total vergessen, tut mir leid.«

»Wer ist das?«

»Du meinst, im Badezimmer? Na, unser Hund.« Mit einem verschmitzten Grinsen tanzte sie einmal um mich herum, machte zwei Fotos und verschwand in einem Gang.

Was sagt sie da? Dieser Mann soll … Ich rieb mir verwirrt die Schläfen. Okay. Ganz offensichtlich hat dich dieser Anblick gerade durcheinandergebracht. Du hast sie nicht richtig verstanden. Ich werde Logan nachher fragen. Genau. Erneut schob sich das Bild dieses Wassertropfens vor mein inneres Auge und meine Finger begannen sehnsüchtig zu kribbeln, als wollten sie die exakte Laufbahn einmal nachfahren. Ich biss mir auf die Lippe. Reiß dich zusammen, Rebecca!

???

Ich hatte mich so erschrocken, als sie plötzlich an der Tür stand, dass ich mich gar nicht richtig hatte vorstellen können. Ihr Blick war so durchdringend gewesen, dass sie mich auf dem falschen Fuß erwischte. Anstatt also meinen Namen zu nennen, entfuhr meiner Kehle nur ein dunkles Grollen, welches sie so sehr zu ängstigen schien, dass sie sofort türenknallend davonlief.

Seufzend wandte ich mich dem Spiegel zu, wischte den Schleier fort und blickte in einen Urwald aus verfilzten Haaren. Okay. Möglicherweise lag es auch daran. Ich fischte einen elektrischen Rasierer aus dem Spiegelschrank und schaltete ihn ein. Auf einen zweiten Versuch.

Emilia

Nach dem Schreck hatte Rebecca sich offensichtlich in die Küche zurückgezogen, denn es roch in sämtlichen Fluren herrlich nach ­frisch­em Gemüse und einer Note Curry. Neugierig riskierte ich einen Blick in die Kochstube, in der sie an zwei Pfannen gleichzeitig zugange war und nebenbei einen Topf Reis zubereitete.