Loving Discipline: Teil 2 - Ash Satino - E-Book

Loving Discipline: Teil 2 E-Book

Ash Satino

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Beschreibung

Wenn er fällt, drohst auch du in den Abgrund zu stürzen. Nach Patricks Zusammenbruch ist Dave eines klar: Es kann so nicht weitergehen. Nur wie hilft man einem Häufchen Elend, wenn man nicht einmal weiß, was los ist? Patrick aufzugeben steht für Dave allerdings nicht zur Debatte, doch bereits nach kürzester Zeit findet er sich inmitten eines Wirbelsturms wieder, der Weiß und Schwarz, Freud und Leid, Wut und Verzweiflung vermischt und auch ihn langsam, aber sicher, mit in den Abgrund zu reißen droht. Kann dort, wo ein Wille ist, auch der Weg erscheinen und Dave mit Patrick zu einem Ziel führen, an dessen Ende die guten Zeiten den schlechten überwiegen?

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Ash Satino
Loving Discipline
Teil 2
Das Buch
Vorwort
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Epilog
Worte an die Leser
Weiteres von Ash Satino
Über die Autorin
Impressum

 

 

Ash Satino

Loving Discipline

Teil 2

Das Buch

 

 

Wenn er fällt, drohst auch du in den Abgrund zu stürzen. Nach Patricks Zusammenbruch ist Dave eines klar: Es kann so nicht weitergehen. Nur wie hilft man einem Häufchen Elend, wenn man nicht einmal weiß, was los ist? Patrick aufzugeben steht für Dave allerdings nicht zur Debatte, doch bereits nach kürzester Zeit findet er sich inmitten eines Wirbelsturms wieder, der Weiß und Schwarz, Freud und Leid, Wut und Verzweiflung vermischt und auch ihn langsam, aber sicher, mit in den Abgrund zu reißen droht. Kann dort, wo ein Wille ist, auch der Weg erscheinen und Dave mit Patrick zu einem Ziel führen, an dessen Ende die guten Zeiten den schlechten überwiegen? Die Drama-Reihe ist mit diesem Buch beendet.

Vorwort

 

 

Auch im zweiten Buch ist Patrick an Borderline erkrankt, weshalb seine Gedankengänge häufig in einer Spirale enden und sich wiederholen. Um es den Lesern leichter zu machen (und mir, da ich froh bin, Auswege gefunden zu haben), gibt es eine weitere Sicht, die in diesem Buch ebenso wichtig ist.

Psychische Erkrankungen, gerade Borderline, betreffen nicht nur den Betroffenen, sondern ziehen die Angehörigen mit in die Problematik ein. Manipulationen, Drohungen und Schuldzuweisungen sind an der Tagesordnung, ob ein Borderliner sein Tun in dem Augenblick realisiert, liegt im Auge des Betrachters – und der Situation.

 

In diesem Buch wird wieder selbst verletzendes und auch suizidales Verhalten erwähnt beziehungsweise geschildert. Zugleich wird ein Suizid angedeutet. Daher gilt erneut die Triggerwarnung.

 

Sollte jemand von euch an Depressionen oder einer anderen psychischen Erkrankung leiden, solltet ihr zu den Angehörigen Betroffener gehören: Scheut euch bitte nicht, euch Hilfe zu suchen oder sie anzunehmen. Freunde, Familie oder der sprichwörtliche Talk auf der Parkbank können eine erste Anlaufstelle sein. Ansonsten stehen die Seelsorge, die Deutsche Depressionshilfe und mitunter Sozialarbeiter zur Verfügung.

 

 

Über Depressionen und psychische Erkrankungen zu sprechen und zu ihnen zu stehen, ist keine Schande. Sie zu verurteilen, hingegen schon.

 

Hilfeseiten:

 

Deutsche Depressionshilfe: https://www.deutsche-depressionshilfe.de/krisentelefone

 

 

 

Kapitel 1

 

 

»Wir schaffen das, Patrick. Gemeinsam kriegen wir das wieder hin.«

Ich höre Daves Worte, doch der Sinn dringt kaum zu mir durch. Diese ganze Situation ist zu surreal. So sehr hatte ich mir in meiner Vorstellung ausgemalt, wie Dave mich von den Stufen stoßen, verprügeln, von sich stoßen würde. Die Angst, mein dunkelster, doch treuester Begleiter, hatte im Paralleluniversum meines Hirns längst das Drehbuch bis ins kleinste Detail ausgearbeitet gehabt. Und nun?

Jetzt liege ich auf Daves Armen, schmiege mich unweigerlich an ihn und spüre, wie sich sein Brustkorb hebt und wieder senkt. Ich fühle mich kraftlos. Hilflos. Hatte ich mich zuvor noch an meiner Gewissheit festgeklammert, dass Dave mir den Garaus machen würde, so finde ich mich plötzlich in einer Situation wieder, die mein Hirn niemals für möglich gehalten hätte.

Das überfordert mich. Meine Gedankenspiele, all meine Szenarien, Dave hat sie alle zunichtegemacht und ich liege auf Daves Armen, presse mich an ihn, und starre auf das ausradierte Skript meines Hirns wie ein Schriftsteller auf leere Seiten.

»Ich liebe dich, Patrick. Und wage dich niemals, zu denken, dass ein paar Scherben daran etwas ändern könnten.«

Ein großer Teil in mir schreit. Ich solle mich schämen, grämen. Ich werde auf Armen getragen, nicht wie ein Kind, sondern wie ein zerbrochenes Ding, welches nicht einmal in der Lage ist, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Doch für Scham reicht meine Kraft nicht mehr aus. Ich bin zerbrochen. Innerlich, wie auch äußerlich.

Ein guter Teil von mir weiß, dass mich Dave in das Obergeschoss trägt. Wissen allein genügt jedoch nicht, um zu erkennen, was er vor hat. Erst, als ich die Wände wiedererkenne, begreife, dass er mich zum Badezimmer trägt, kommt die Gewissheit. In mir regt sich die Gegenwehr. ›Patrick‹, so meint sie, ›siehst du nicht, dass er dir nur deine Fehler, deine Unzulänglichkeiten aufzeigen will?‹

Unwillkürlich sträube ich mich, rege mich und versuche, mich aus Daves Armen zu befreien. Der hingegen festigt nur seinen Griff, stößt die Badezimmertür mit dem Fuß auf und trägt mich hinein.

»Alles ist gut, Patrick.«

Daves Worte sind ruhig, beruhigend. Mit mir auf den Armen gelangt er nicht an den Lichtschalter, daher wird das Bad nur von dem schummrigen Licht, welches durch die Tür dringt, erhellt. Sollte ich ihm antworten? Ich öffne den Mund, schließe ihn aber wieder. Worte in den Gedanken zu formen, ist bereits schwer, doch die Kraft aufzubringen, sie auszusprechen, ist mir unmöglich.

»Ich setze dich kurz auf die Bank und schalte das Licht an, in Ordnung?«

Mein Hirn schaltet nicht. Ich fühle, dass ich nur halb anwesend bin. Ein Teil von mir ist so, so müde und kraftlos, der andere in seiner Furcht gefangen und irgendwie weit, weit entfernt. Mein Körper ändert die Position und ich lehne mit dem Rücken gegen eine Wand. Daves Hand berührt meine Wange und streichelt mich kurz. Dann dreht er sich um.

Die Furcht in mir bauscht sich auf, schaukelt sich zur Angst empor und geht in Panik über. Etwas greift meinen Oberschenkel, ein anderes Etwas meinen Arm. Es drückt zu und wie sich die Finger um meinen Oberschenkel legen, so baut sich Druck um meine Kehle auf. Ich reiße den Mund auf, ringe nach Atem, doch anstelle des erhofften tiefen Atemzugs, dringt nur wenig Luft in meine Kehle, die mein Körper sogleich wieder ausstößt. Meine Panik steigt in neue Sphären.

»Patrick! Stopp!«

Das Etwas verschwindet von meinem Oberschenkel und erst jetzt merke ich, dass es meine Hand war. Meine Hand, die nun so vorsichtig von Dave gehalten wird, als könne sie jeden Augenblick zerbrechen.

»Atme mit mir, Patrick.« Daves Stimme ist leise, nicht ganz ein Flüstern, doch nicht weit entfernt. »Atme mit mir. Ein und aus.« Wie schon zuvor an Daves Seite kann ich nicht anders, als der Stimme zu folgen. Mittlerweile hält mich Dave wieder in seinem Arm und ich spüre seinen Atem an meinem Hals. Ich atme, ein und aus. Um es mir leichter zu machen, fährt seine Hand bei jedem Atemzug meinen Rücken entlang.

»So ist es gut. Atme weiter, ein und aus.«

Ich bilde mir ein, Daves Zufriedenheit zu spüren. Aber kann das sein? Wie sollte er zufrieden sein mit dem Stück Dreck vor seinen Augen? Seine Hände legen sich seitlich an meinen Kopf und ich muss ihn ansehen.

»In Ordnung, Patrick. Ich denke, wir haben ein wenig zu tun, nicht wahr?«

Versucht er zu scherzen? Oder ist das eine Drohung? Mein Hirn ist immer noch zu weit weg, um eine Entscheidung zu treffen. Dennoch nicke ich.

»Gut. Ich werde dir jetzt deine Kleidung ausziehen, danach gehen wir beide in die Dusche«, erklärt er weiter und macht sich daran, meinen Pulli hochzuziehen. Dann schüttelt er den Kopf und entscheidet sich anders. »Einen Moment bitte.«

Kurz darauf hat Dave schon eine Schere in der Hand. Unweigerlich zucke ich zurück, doch anstatt mich anzugreifen, rückt Dave nur meinem vor Dreck starren Pulli zu Leibe. Hin und wieder zucke ich, doch landet das Kleidungsstück bald auf dem Boden. Was unter dem Pulli zu sehen ist, gefällt Dave gar nicht. Ich folge seinem Blick und bin überrascht. Warum habe ich Blut auf dem Shirt?

»Das war ich nicht?«, murmle ich. Ich war das doch nicht, oder? In meinen Gedanken lasse ich die vergangenen Tage noch einmal vorbeiziehen, doch geben sie mir keine Antwort.

»Ich weiß es nicht, Patrick.« Dave blickt kurz zu mir auf und zwinkert. »Aber wir werden den Übeltäter schon finden.« Auch das Shirt beginnt, der Schere zum Opfer zu fallen. Wenn das kalte Metall meine Haut berührt, zucke ich zurück. Wie auch, als Dave leicht den Kopf schüttelt. »Wir machen den Rest später.«

Die Schere verrichtet ihre Arbeit, doch versucht Dave nicht, mir das Shirt auszuziehen. Dafür blickt er mich auffordernd an, nachdem er mir die Socken ausgezogen hat. »Glaubst du, dass du kurz stehen könntest? Du kannst dich an mir abstützen.«

Stehen. Die Leistung, die ein Kind während des ersten Lebensjahres vollbringt und später nicht mehr als Leistung, sondern als Selbstverständlichkeit betrachtet wird. Und ich kaudere auf der Bank im Bad, das ich selbst zertrümmert habe, starre Dave mit großen Augen an und überlege, was ich tun muss, damit mein Körper aufrecht bleibt. Dave scheint meine Gedanken zu erraten, denn er legt sich meine Hände in den Nacken, greift unter meine Arme und hebt mich vorsichtig hoch.

»Halte dich an mir fest. Es dauert nicht lange, Patrick«.

Daves Hände an meiner Seite verschwinden und öffnen stattdessen meine Hose. Sie, wie auch die Unterhose, werden heruntergezogen. Dann sitze ich schon wieder.

»Gut gemacht«, lobt mich Dave weiter mit seiner ruhigen Stimme und entkleidet mich weiter. Seine eigenen Kleider folgen jetzt, und irgendwie finde ich mich kurz darauf auf einer gemauerten Bank in der aus Stein und Glas bestehenden Dusche wieder. Kaum fühle ich die sanften Tropfen auf meiner Haut, dämmert es mir.

»Die Dusche?«

Dave steht dicht vor mir und gerade damit begonnen, mir einen eingeseiften Lappen über die Schultern zu reiben. Zu einer anderen Zeit hätte ich den Anblick sicherlich genossen.

»Hm, es scheint so, als hätte mir jemand einen Tritt gegeben«, zwinkert er, meiner Meinung nach viel zu gut gelaunt. Immerhin hatte ich Teile des Raumes zertrümmert. »Patrick, es war ein Spiegel. Nicht das ganze Haus.« Dieses Mal klingt seine Stimme mahnend.

Die Wärme des Wassers lässt mich noch müder werden. In meinem Kopf will sich die Furcht regen, will von Wut übermannt werden, doch bin ich zu erschöpft. Was ich weiß, ist, dass ich im Boden versinken sollte. Wie ein Kind in der Dusche gewaschen zu werden. Und das von Dave, der seiner Aufgabe wie Adonis mit Bravour nachkommt.

»Was geschieht mit mir?«, frage ich, während ich unwillkürlich zurückzucke, als sich Dave einer meiner Wunden annimmt und sie sanft auswäscht.

»Passieren? Gar nichts. Du kommst jetzt gleich ins Bett und erholst dich erst mal. Danach sehen wir, wie wir dir helfen können.«

Er stellt die Dusche ab und ich werde in ein Handtuch gehüllt, bevor sich Dave abtrocknet und mich aus dem Bad direkt ins Schlafzimmer trägt. Ich versuche, von seinem Arm zu kommen, doch lässt er es nicht zu.

»Du hast Fieber, Patrick«, sagt Dave schließlich entschlossen. »Ich kann deine Wunden reinigen und verbinden, aber das muss sich ein Arzt, kein Architekt anschauen.« Er hatte mich aufs Bett gelegt.

Ich schüttele vehement den Kopf, so sehr, dass mir schwindlig wird. Alles in mir sträubt sich. Ein Arzt? Wenn mich jemand so sieht, würde ich direkt wieder in der Klinik landen. Und davon hatte ich in meinem Leben genug.

»Es wird ein Arzt kommen. Ich lasse dir viel durchgehen, doch in dieser Hinsicht dulde ich keine Widerrede.«

Noch immer spricht Dave mit sanfter Stimme, die Warnung schwingt jedoch deutlich in den Worten mit.

---ENDE DER LESEPROBE---