Lust und Liebe inklusive - Brenda Jackson - E-Book

Lust und Liebe inklusive E-Book

BRENDA JACKSON

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Beschreibung

Als Privatpilotin ist die hübsche Regan oft mit ihrem Boss Garth Outlaw unterwegs. Und schon viel zu lange ist sie hoffnungslos in den attraktiven Milliardär verliebt! Jetzt verlangt Garth etwas Unvorstellbares von ihr: Sie soll ihn nach Spanien fliegen, denn er plant eine Vernunftehe und will mit seiner Zukünftigen zwei Wochen am Mittelmeer verbringen. Doch die Frau taucht nicht auf. Spontan schlägt Garth vor, dass Regan stattdessen bei ihm in Spanien bleibt. Was bedeutet dieser Urlaub für ihn - vierzehn Nächte Lust und Liebe inklusive?

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BACCARA erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Katja Berger, Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Christina SeegerGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2020 by Brenda Streater Jackson Originaltitel: „The Wife He Needs“ erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto in der Reihe: DESIRE Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe BACCARABand 2180 - 2021 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg Übersetzung: Victoria Werner

Abbildungen: Harlequin Books, S. A., alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 04/2021 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783751503617

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

„Also, Garth – wann ist die Hochzeit?“

Garth Outlaw hob den Blick von den Karten in seiner Hand. Wollte sein Bruder ihn absichtlich aus dem Konzept bringen?

„Von was für einer Hochzeit redest du?“

Garth sah in die grinsenden Gesichter seiner vier Brüder. Sogar Jess war für eine Woche aus der Hauptstadt nach Hause gekommen.

„Könnte mir vielleicht jemand antworten?“, hakte er nach.

Jess warf eine Karte ab. „Dad behauptet, du seist über Karen Piccard hinweg und hättest beschlossen, im Interesse der Firma zu heiraten und mit deiner Frau Kinder in die Welt zu setzen, um den Fortbestand der Outlaw-Dynastie zu sichern. Das waren seine Worte, nicht meine.“

„Wir haben dasselbe gehört“, sagte Cash. Sloan und Maverick nickten zustimmend.

Garth schwieg. Der älteste Sohn von Bartram ‚Bart‘ Outlaw zu sein, war nicht einfach, besonders wenn sein Vater Dinge behauptete, die einfach nicht wahr waren. In diesem Fall waren sie das allerdings – jedenfalls zum Teil. Er hatte vor zu tun, was im Interesse der Firma nötig war, aber er bezweifelte, dass er jemals über Karen hinwegkommen würde. Sein Herz gehörte für immer ihr.

„Es gibt keinen Hochzeitstermin, weil ich mich noch nicht für eine Braut entschieden habe.“

Cash setzte sich auf. „Hast du wirklich vor, eine Familie zu gründen? Mit Frau und Kindern?“ Aus seinem Ton hätte man schließen können, diese Vorstellung sei so unerhört wie ein Leben im All.

Garth warf ein paar Chips auf den Spieltisch. „Wieso nicht? Ich sehe keinen von euch auf dem Weg zum Altar, um für Nachkommen zu sorgen. Nicht einmal dich, Jess, und du bist der Politiker unter uns. Eine Familie wäre für dein Image mehr als förderlich.“ Vor ein paar Jahren war Jess zum Senator von Alaska gewählt worden.

Jess grinste. „Nein, danke. Ich habe keine Lust, mich zu verlieben.“

Garth zuckte die Schultern. „Wer hat etwas von Liebe gesagt?“

„Du willst eine Frau heiraten, ohne sie zu lieben?“ Die Frage kam von Sloan.

„Für mich gibt es keinen anderen Weg.“

Er musste nichts weiter erklären. Sie wussten Bescheid.

„Du machst das also nur Bart zuliebe?“

Garth rollte die Augen angesichts der Naivität seines jüngsten Bruders. „Nein, ich bin jetzt achtunddreißig, und Dates werden allmählich langweilig.“

„Das kann ich von mir nicht behaupten.“ Maverick grinste. „Ich liebe es einfach, immer wieder neue Frauen kennenzulernen.“

Garth schüttelte den Kopf. „Walker hat mich zum Nachdenken gebracht. Er hat ein zweites Mal geheiratet. Wenn er es schafft, dann kann es jeder.“

Walker Rafferty war Garths bester Freund. Niemand hätte es für möglich gehalten, dass Walker wieder heiraten würde, nachdem er seine erste Frau und seinen Sohn bei einem Autounfall verloren hatte. Zur Überraschung seiner Familie und Freunde hatte er sich zehn Jahre danach erneut verliebt. Nun waren er und seine jetzige Frau stolze Eltern der Zwillinge Walker und Westlyn. Garth freute sich für Walker und war geneigt, es ihm gleichzutun und ebenfalls sesshaft zu werden. Nur den Part mit dem Verlieben sah er für sich nicht. Er war überzeugt, dass Karen die einzige Frau war, der seine ganze Liebe gehörte.

Sie hatten sich bei den Marines kennengelernt und es war Liebe auf den ersten Blick gewesen. Nach Beendigung ihrer Dienstzeit wollten sie heiraten. Sie waren sechs Monate zusammen gewesen, als es eines Morgens passierte: Bei einem Routineflug über der syrischen Grenze war Karens Militärhubschrauber abgestürzt. Es gab keine Überlebenden. Er hatte niemals die Chance gehabt, Karen nach Fairbanks zu bringen und sie seiner Familie vorzustellen.

„Walker wirkt auf jeden Fall wesentlich glücklicher als früher – dank unserer Cousine“, bemerkte Cash.

Garth nickte, während sein Blick wieder über seine Pokerkarten glitt. Walker gehörte inzwischen zur Familie, weil seine zweite Frau Bailey eine geborene Westmoreland war – eine Cousine, von der sie nichts gewusst hatten, bis sich herausstellte, dass die Westmorelands und die Outlaws miteinander verwandt waren. Die äußerliche Ähnlichkeit der beiden Familien ließ sich nicht leugnen, dennoch weigerte ihr Vater sich aus irgendeinem Grund, die Verwandtschaft anzuerkennen. Garth und seine Brüder hatten ihm wiederholt gesagt, dass sein beharrliches Leugnen sinnlos war, ohne dass sich bei ihm etwas geändert hätte.

Die Familienmitglieder der Westmorelands lebten in Georgia und Texas, in Montana, Colorado und Kalifornien. Nachdem die Outlaw-Kinder ohne nähere Verwandte aufgewachsen waren, genossen sie es jetzt, an den großen Familienfesten teilzunehmen, darunter der jährliche Westmoreland-Wohltätigkeitsball in Denver. Garth liebte es, wenn die Westmorelands und die Outlaws zusammenkamen.

Stunden später, als das Pokerspiel vorbei war und Cash seinen Brüdern ihr Geld abgenommen hatte, gingen alle bis auf Garth und Jess zu Bett. Obwohl jeder der sechs Outlaws ein Haus in Fairbanks besaß, taten sie ihrem Vater gelegentlich den Gefallen, gemeinsam unter seinem Dach zu nächtigen.

Manche Leute fanden es erstaunlich, dass die sechs Outlaw-Geschwister ein so enges Verhältnis zueinander hatten. Schließlich hatten sie alle eine andere Mutter. Einige der Frauen waren nur auf das Geld von Bart Outlaw aus gewesen. Barts Anwälte sorgten aber dafür, dass er nach jeder Scheidung das alleinige Sorgerecht für das Kind bekam.

Garth war der Älteste. Seine Mutter war Barts erste Frau gewesen. Sie kam aus einer wohlhabenden Familie und hatte Bart gegen den Widerstand ihrer Familie geheiratet. Irgendwann hatten ihre Eltern sie so sehr beeinflusst, dass sie Bart um die Scheidung bat. Er willigte ein, bestand aber darauf, dass er seinen Sohn behielt. Letztlich ging sie dann ohne Garth. Ein paar Jahre später heiratete Juanita den Mann, den ihre Eltern für sie ausgesucht hatten, und vergaß, dass sie einen Sohn aus erster Ehe hatte. Seine Großeltern mütterlicherseits hinterließen Garth allerdings ein ansehnliches Vermögen, als sie vor gut zwanzig Jahren starben.

Jessup – oder Jess, wie er lieber genannt wurde – war sechsunddreißig und der zweitälteste der Brüder. Seine Mutter Joyce hatte es nur auf Barts Geld abgesehen. Er beendete die Ehe noch vor ihrem ersten Hochzeitstag, und wieder erstritt er vor Gericht das Sorgerecht für seinen Sohn.

Cashen, genannt Cash, war vierunddreißig. Seine Mutter Ellen war eine anständige Frau. Zu anständig für Bart. Sie hatte unentwegt versucht, das Gute in ihm zum Vorschein zu bringen. Als ihr klar wurde, dass das unmöglich war, ging sie und nahm ihren Sohn trotz Barts Drohungen mit. Einflussreiche Freunde sorgten dafür, dass Bart auch diesen Sorgerechtsstreit vor Gericht gewann.

Sloan war zweiunddreißig. Seine Mutter Barbie gehörte zu den Frauen, die sich nur für Barts Geld interessierten. Die Ehe hatte nicht einmal sechs Monate gedauert – genug Zeit für sie, um schwanger zu werden. Barbie hatte kein Problem damit, ihren Sohn zurückzulassen – gegen eine hübsche Abfindung natürlich. Seither hatte man nichts mehr von ihr gesehen oder gehört.

Maverick war mit neunundzwanzig der jüngste Outlaw-Sohn. Keiner der Brüder war ein Kostverächter, wenn es um das weibliche Geschlecht ging, aber Maverick war eindeutig der Frauenheld unter ihnen. Seine Mutter Rosalind war auch eine jener Frauen, die Bart ausnehmen wollten. Er hatte sie mit einem anderen Mann ertappt. Es konnte jedoch keinen Zweifel daran geben, dass Maverick Barts Sohn war, denn die Ähnlichkeit war verblüffend – bis hin zu dem Grübchen in seinem Kinn.

Die Jüngste der Geschwister war Charm, Barts einzige Tochter, inzwischen fünfundzwanzig Jahre alt und sein ganzer Stolz und seine Freude. Charms Mutter Claudia war die einzige Frau, die Bart je wirklich geliebt hatte. Sie tanzte nicht nach seiner Pfeife und trat auch nicht mit ihm vor den Traualtar – und es war nicht so, dass er sie nicht gefragt hätte.

Bart machte ihr fünf Heiratsanträge, und fünfmal lehnte sie ab. Das letzte Mal war vor vier Jahren gewesen, als Charm einundzwanzig wurde. Die Outlaws sahen Claudia ziemlich oft, da ihr die Tür im Gegensatz zu den anderen Frauen stets offenstand. Sie kam jedoch nicht so häufig, wie Bart es sich gewünscht hätte. Claudia tolerierte es nicht, dass er ständig mürrisch war und an allem herumnörgelte. Sie schien das Beste in ihm hervorzubringen – falls es denn etwas gab, was man so hätte bezeichnen können.

Bart hatte gewusst, dass Claudia schwanger war, als ihre Beziehung zu Ende ging. Sie verschwand einfach von der Bildfläche. Fünfzehn Jahre später kehrte sie zusammen mit ihrer Tochter zurück. Sie informierte Bart, dass sie sich außerstande sah, mit Charm fertig zu werden und dass er sich jetzt mit ihr befassen solle.

Leider ging Bart es falsch an, indem er seine Tochter noch mehr verwöhnte. Die fünf älteren Brüder waren es schließlich, die sie in ihre Schranken verwiesen. Letztlich entwickelte sich ihre verwöhnte Schwester zu einem erträglichen Wesen – was nicht hieß, dass sie die Geduld ihres Umfelds nicht immer wieder auf die Probe stellte.

„Was hat es nun auf sich mit deiner Absicht zu heiraten, Garth?“, erkundigte Jess sich. „Dad mag zwar behaupten, dass du über Karen hinweg bist, aber ich glaube das nicht – auch wenn es fast zehn Jahre her ist.“

Garth nippte an seinem Wein. Von allen Brüdern war sein Verhältnis zu Jess am engsten. Jess hatte ihm seinerzeit anvertraut, dass er für das Amt des Senators kandidieren wollte. Er gewann die Wahl dann mit großer Mehrheit. Jess wiederum wusste, was Karen Garth bedeutet hatte, weil er es aus allen Briefen herausgelesen hatte, die Garth ihm damals schrieb.

Garth lehnte sich zurück. „Es könnten zwanzig Jahre vergehen, und ich wäre immer noch nicht über Karen hinweg, Jess. Dazu habe ich sie zu sehr geliebt. Aber ich werde nicht jünger, und ich möchte dieses Glück erleben, das ich bei Walker und unserer Cousine sehe. Außerdem gehe ich davon aus, dass ihr meinem Beispiel bald folgt, wenn ich den ersten Schritt mache.“

Jess grinste. „Da kannst du lange warten. Wir sind noch nicht bereit für Heim, Herd und das Tapsen kleiner Füße.“ Nach einer Pause setzte er hinzu: „Hast du dich schon für eine Frau entschieden? Ist es jemand, den wir kennen?“

Garth schüttelte den Kopf. „Nein. Ich habe Charms Rat angenommen und …“

„Moment mal! Du hast einen Rat von Charm angenommen?“

„Ich weiß, es klingt beängstigend, aber ihr Tipp hat mir gefallen. Es ist ein völlig neuer Zugang, um eine Frau kennenzulernen, die für eine Ehe infrage kommt.“

„Was soll das für ein Zugang sein?“, erkundigte Jess sich interessiert, bevor er einen Schluck von seinem Bier nahm.

„Ein Dating-Service.“

Jess hätte sich fast verschluckt. „Ist das dein Ernst?“

Garth nickte. „Zuerst hielt ich es auch für absurd, bis Charm mir klargemacht hat, wie effektiv das Ganze ist. Sie hat sich umgehört und eine erstklassige Agentur in Beverly Hills gefunden. Um in die Liste aufgenommen zu werden, müssen Männer ihr Vermögen nachweisen, und Frauen sollen nicht nur attraktiv sein, sondern Bildung vorweisen und Stil und Klasse haben.“

Garth räusperte sich. „Ich habe angegeben, dass ich eine Frau suche, der ich vertrauen kann, die ehrlich ist und eines Tages Ehefrau und Mutter sein möchte. Letzteres eher früher als später. Außerdem sollte sie meine Interessen und Hobbys teilen. Ich habe eine Liste beigefügt.“

„Haben sie die Superfrau gefunden, die all diesen Anforderungen genügt?“

„Überraschenderweise ja. Glaub mir, diese Agentur nimmt ihre Kandidaten wirklich genau unter die Lupe – und ich kann mich darauf verlassen, dass sie das Ganze vertraulich behandelt.“

„Hast du die Frau schon kennengelernt?“

„Nein, aber sie hat sich einverstanden erklärt, zwei Wochen mit mir an einem Ort zu verbringen, auf den wir uns verständigt haben. Dort wollen wir uns näher kennenlernen. Natürlich übernehme ich alle Kosten, einschließlich der Anreise.“

„Und wo ist dieser Ort?“

„Auf Teneriffa. Ich fliege nächste Woche hin.“

„Ich finde das sehr unpersönlich. Klingt wie ein Geschäftsabkommen.“

„Gewissermaßen ist es das ja auch. Ich beauftrage die Agentur, eine Frau zu finden, die meinen Bedürfnissen und Wünschen entspricht. Ich habe Fotos von ihr gesehen. Sie ist sehr attraktiv, und ihr Lebenslauf ist beeindruckend. Falls alles so läuft, wie ich es mir vorstelle, dann treffen wir uns weiterhin und sprechen irgendwann über die Ehe.“

„Eine Ehe ohne Liebe.“

„Ja, das stimmt. Ich werde sie achten und respektieren und ihre Wünsche erfüllen, aber ich werde sie nie lieben“, sagte Garth offen. „In der Hinsicht werde ich ihr auch nichts vormachen, Jess. Sie soll die Ehe nicht mit falschen Erwartungen eingehen.“

„Wieso diese Agentur? Ich hätte gedacht, dass du allein in der Lage bist, eine Frau zu finden.“

„Ich hatte keine Zeit.“

„Gibt es einen Grund dafür, dass du es plötzlich so eilig hast?“

„Nein.“

Jess musterte ihn durchdringend. Garth fühlte sich zunehmend unwohl unter seinem Blick. Jess hatte ein Gespür für seine Motive und Garth hoffte inständig, dass er ihn diesmal nicht durchschaute. Je weniger Jess wusste, desto besser.

„Na ja, du bist ein Ass, wenn es um strategische Planung geht. Ich hoffe, die Frau ist alles, was du dir wünscht, Garth.“

„Danke, Jess, das hoffe ich auch.“

Regan Fairchild arbeitete als Pilotin für die Outlaws. Es war ein Job, um den sie jeder beneidete, der das Fliegen liebte. Wieso erwog sie, ihn aufzugeben? Die Antwort auf diese Frage war eng mit dem attraktiven Mann verknüpft, der gerade mit einer Aktentasche in der einen Hand und einem Handy in der anderen auf ihre Maschine zukam. Der starke Wind, der im Oktober in Alaska wehte, drückte den langen schwarzen Mantel gegen seine Beine. Die Schultern unter dem Mantel waren breit und kräftig. Sie verstärkten sein ausgesprochen männliches Erscheinungsbild.

Regan war überzeugt, dass er in einem anderen Leben ein Entdecker gewesen war, der unbekannte Küsten und Regionen erforscht hatte. Er war immer aktiv, hatte immer einen Plan. Er gönnte sich nur selten eine Pause und in letzter Zeit hatte er auch kaum noch Dates.

Ihr Herz schlug schneller – wie immer, wenn sie ihn sah. Wie lange war es her, dass sie sich hoffnungslos in Garth Bartram Outlaw verliebt hatte? War es vor zehn Jahren gewesen, an ihrem achtzehnten Geburtstag, als er sie und ihre beiden besten Freundinnen nach Las Vegas geflogen hatte? Es war ein Geschenk zum Schulabschluss gewesen. Oder war es noch zwei Jahre früher gewesen, als er ihrem Vater geholfen hatte, sie mit einer Party in Disney World zu ihrem sechzehnten Geburtstag zu überraschen? Im Grunde spielte es keine Rolle, wann es passiert war. Wichtig war nur: Es war passiert, und sie musste etwas tun, bevor ihre Gefühle für Garth sie ins Verderben stürzten.

Regan wusste, dass es eigentlich keine Option war, den Job aufzugeben, auch wenn sie sich etwas anderes wünschte. Ihr Vater Franklin Fairchild war über vierzig Jahre lang der Firmenpilot von Outlaw Freight Lines gewesen. Als er sich vor ein paar Jahren zur Ruhe setzte, übernahm sie seinen Job. Sie liebte die Arbeit. So wie sie den Mann liebte, der sie mit einem strahlenden Lächeln begrüßte – so wie immer, wenn er sie sah. Es war ein Lächeln, das ihr alles bedeutete.

Garth runzelte nur selten die Stirn, und wenn er es tat, wussten alle, dass es ein Problem gab. Er war ein kluger Geschäftsmann und die Firma war stark gewachsen, seit er sie von seinem Vater übernommen hatte. Nicht, dass Bart Outlaw seinen Job nicht gut gemacht hätte, aber Garth hatte einen anderen Ansatz als sein Vater. Bart herrschte mit harter Hand und war von Natur aus misstrauisch, halsstarrig und wenig flexibel. Garth hingegen beherrschte die Kunst des Kompromisses und er war brillant in seinen Entscheidungen. Alle mochten Garth, und gerade sie wusste nur zu gut, wie leicht es war, ihn zu lieben.

Sie wusste auch von der düsteren Phase seines Lebens – damals, als er von seinem Einsatz bei den Marines zurückgekommen war. Er war ein gebrochener Mann, der die Liebe seines Lebens verloren hatte. Eine Zeitlang hatte er nie gelächelt, während er sich an der Seite seines Vaters in die Arbeit stürzte und die Firma vergrößerte.

Irgendwann hatte Bart sich zur Ruhe gesetzt. Besser gesagt: Der Aufsichtsrat zwang ihn, seinen Hut zu nehmen. Garth übernahm und arbeitete hart, um die Firma durch schwierige Zeiten zu bringen. Regan vermutete, dass die Arbeit für ihn ein Mittel zum Zweck war. So konnte er wenigstens vorübergehend den Verlust der Frau vergessen, die er so geliebt hatte. Mehr als einmal hatte sie in Momenten, in denen er sich unbeobachtet glaubte, unverkennbare Trauer in seinem Blick gesehen.

„Gute Morgen, Regan“, sagte er jetzt, als er zu ihr trat.

Sie sah zu ihm auf. Er war groß, aber zuallererst registrierte sie das helle Braun seiner glatten Haut, die durchdringenden dunklen Augen, die perfekt geformte Nase, die vollen Lippen und das markante Kinn. Die Aufmerksamkeit der Frauen war ihm immer sicher, ganz gleich, wo er sich befand.

„Hallo, Garth. Bereit zum Start?“ Santa Cruz auf Teneriffa war ihr Ziel.

„Bereit, wenn du bereit bist. Wie geht es Franklin?“

„Dad geht es gut.“

„Schön. Ich will ihn bald mal besuchen.“

Regans Vater hatte ein gutes Verhältnis zu allen Kindern von Bart, aber Garth war immer sein Liebling gewesen. Franklin hatte schon als Pilot für Bart gearbeitet, als Garth geboren wurde. Nachdem Bart das Sorgerecht für Garth bekommen hatte, begleiteten er und seine Nanny ihn oft auf seinen langen Reisen.

„Ich vermisse ihn.“

Regan vermisste ihren Vater auch. Es hatte sie überrascht, als er für seinen Ruhestand das kalte Alaska gegen das sonnige Florida tauschte. Doch er liebte es, das ganze Jahr über den Sonnenschein zu genießen.

„Alles ist in Ordnung, Garth. Wir können bald starten.“

Keine zwanzig Minuten später hoben sie ab. Sie mussten ein paar Tankstopps einplanen. Regan war noch nie in Santa Cruz gewesen, hatte aber gehört, dass es sehr schön war. Sie hatte es sich zum Prinzip gemacht, sich nicht nur über die Gegebenheiten des Zielflughafens zu informieren, sondern auch über die Umgebung. Geplant war, dass sie Garth in Santa Cruz absetzte und ihn zwei Wochen später dort abholte. Vor dem Rückflug nach Alaska hatte sie zwei Ruhetage. Die wollte sie nutzen, um sich ein bisschen umzusehen und shoppen zu gehen. Gelegentlich kam es vor, dass Garth sie bat, während seines Aufenthaltes bei ihm zu bleiben und ihn zu chauffieren, aber diesmal hatte er nichts dergleichen gesagt.

„Hast du etwas dagegen, wenn ich zu dir nach vorn komme?“

„Natürlich nicht.“ Sie lächelte ihn an.

Es war nicht das erste Mal, dass Garth sich zu ihr ins Cockpit setzte, weil er sich allein langweilte, auch wenn die Maschine jeden nur erdenklichen Luxus bot.

Aus den Augenwinkeln beobachtete sie, wie geschmeidig er sich auf den Platz des Ko-Piloten gleiten ließ. Wie immer duftete er gut. Sie musste nicht hinübersehen, um zu wissen, dass er sich das Headset aufsetzte. Ihr Vater hatte Garth als Teenager bereits Flugstunden gegeben, und er hatte seine Fähigkeiten bei den Marines weiterentwickelt. Mehr als einmal hatte er sie bei langen Flügen als Ko-Pilot unterstützt.

„Geschätzte Flugzeit?“, fragte er.

„Zwölf Stunden.“

„Der erste Stopp?“

Nach den Regularien musste sie nach neun Stunden eine Pause einlegen. „Bolungarvik, Island.“

Er nickte. „Eine schöne Stadt. Ich war ein paarmal dort, als ich bei den Marines war. Ein kleiner Fischerort in einer atemberaubenden Berglandschaft.“

„Klingt schön.“

„Das ist es.“

Sie nahm die Kurve um einen hohen Berg. „Du bist gut in deinem Job, Regan.“

„Danke. Ich habe vom Besten gelernt.“

Für sie war ihr Vater der beste Pilot, den sie kannte. Er hatte dafür gesorgt, dass sie ihren Pilotenschein schon mit sechzehn machte. Ihre Mutter war an einem Aneurysma gestorben, als Regan gerade einmal fünf gewesen war. Sie und ihr Vater hatten ein enges Verhältnis, und sie vermisste ihn jetzt, wo er in Florida war. Natürlich hatte sie Verständnis dafür, dass er die Vorzüge des warmen Klimas genießen wollte. Er hatte den Erlös aus dem Verkauf ihres Elternhauses mit ihr geteilt und sie hatte sich von ihrem Anteil ein Haus am Tanana River gekauft.

Da Fairbanks einen Militärstützpunkt hatte, waren die meisten Männer, mit denen sie Verabredungen hatte, Soldaten. Sie mochte ihre Gesellschaft, aber es war mit keinem von ihnen etwas Ernsteres geworden. Zumindest nicht so, wie einige es gern gehabt hätten. Anfang des Jahres hatte sie sich von Craig Foster getrennt. Sie waren sechs Monate zusammen gewesen. Als er Anzeichen von Eifersucht zu entwickeln begann, machte sie Schluss, weil sie darauf keine Lust hatte.

„Ich bin gern hier oben.“

Sie wusste, was Garth meinte. Es war ein unglaubliches Gefühl, ganz allein am blauen Himmel zu sein. „Ich auch. Ich nehme an, ich muss nicht fragen, ob du auf deine Termine gut vorbereitet bist.“ Sie wusste, wenn es um Geschäftliches ging, war Garth immer gut vorbereitet.

„Diesmal nicht.“ Er lachte leise. „Das hier ist eine echte Vergnügungsreise.“

„Oh.“ Seine Bemerkung versetzte ihr einen Stich. Sicher verbrachte er die zwei Wochen in Santa Cruz mit einer Frau. Die Vorstellung tat ihr weh, obwohl es sie natürlich nichts anging.

„In Fairbanks braucht niemand die Maschine, solange ich in Santa Cruz bin. Es hat sowieso jeder seinen eigenen Flieger“, sagte Garth. „Wenn du möchtest, kannst du gern deinen Vater in Florida besuchen, bevor du mich wieder abholst.“

Er hatte recht. Jeder Outlaw besaß sein eigenes Flugzeug und konnte es auch selbst fliegen. Sogar Charm. Die Straßenverhältnissen machten in Alaska das Fliegen einfach notwendig. Es hieß, dass es im ganzen Staat mehr private Flugzeuge als Autos gab.

„Danke, aber Dad ist gerade zu einer dreiwöchigen Kreuzfahrt aufgebrochen. Falls du nichts dagegen hast, würde ich gern ein paar Tage in Los Angeles bei Simone verbringen.“ Garth wusste, dass Simone ihre beste Freundin aus College-Zeiten war.

„Natürlich habe ich nichts dagegen. Es könnte übrigens sein, dass wir auf dem Rückflug einen Gast mitnehmen.“

Regan spürte, wie sich ihr der Magen zusammenzog. „Einen Gast?“

„Ja. Ich gebe dir Bescheid, sobald ich mir sicher bin, damit du alle Papiere entsprechend ausfüllen kannst.“

„Natürlich, Garth.“

Bisher hatte er noch nie eine Frau mit an Bord gebracht. Er trennte Privates und Berufliches strikt. Aber hatte er nicht gesagt, dass es sich diesmal nicht um eine Geschäftsreise handelte?

Regan versuchte, sich auf den Flug zu konzentrieren und nicht auf das, was Garth ihr erzählte. Vielleicht war es an der Zeit, endlich zu akzeptieren, dass sie für Garth seine Pilotin war, nicht mehr. Sie würde nie die Frau sein, die sich eines Tages einen Platz in seinem Herzen eroberte, um die Trauer zu besiegen, die sie so oft in seinem Blick sah. Sosehr sie sich auch etwas anderes wünschte, dazu würde es nie kommen. Sie musste endlich ihren Frieden mit dieser Tatsache machen.