Lyra - Christoph Marzi - E-Book

Lyra E-Book

Christoph Marzi

4,5
10,99 €

Beschreibung

Nichts läuft mehr richtig im Leben von Danny Darcy, Sänger der Folkband »Dylan’s Dogs«. Soozie, seine geliebte Frau, will sich scheiden lassen, und seine Lieder sind chronisch erfolglos. Doch anders als bei vielen verlassenen Männern ist es bei ihm ein Familienfluch. Um ihn aufzuheben, reist Darcy in die Sümpfe Louisianas – und findet eine Welt, in der Wespenkinder, lesende Baumwollspinnen und Sirenen über Leben und Tod entscheiden ...

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Seitenzahl: 408

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Penguin Random House Verlagsgruppe GmbHNeumarkter Str. 28, 81673 München
Redaktion: Uta DahnkeCopyright © 2009 by Christoph Marzi Copyright © 2009 dieser Ausgabe byWilhelm Heyne Verlag, Münchenin der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbHKarte: Andreas Hancock
ISBN : 978-3-641-02996-8V003
www.heyne-magische-bestseller.dewww.penguinrandomhouse.de
Inhaltsverzeichnis
Widmung
Lob
ERSTES KAPITEL – Die Ballade von Sailor und Sunny
ZWEITES KAPITEL – Die Farbe vergesslicher Herzen
DRITTES KAPITEL – Geschichten aus Zeit und Sand
VIERTES KAPITEL – Southern Gothic
FÜNFTES KAPITEL – So ziemlich in der Mitte von allem
SECHSTES KAPITEL – Nur Perlen, gereiht auf einen Faden
SIEBENTES KAPITEL – Wie ein Fremder ohne Namen
ACHTES KAPITEL – Lyra
Landscapes & Songs by Dylan’s Dogs
NACHWORT
Copyright
Für Tamara
»Rock’n’ Roll!«
»It must be the Southern air. It’s filled with rambling ghosts and disturbed spirits. It’s like they are caught in some weird web – some purgatory between heaven and hell and they can’t rest.«
BOB DYLAN
ERSTES KAPITEL
Die Ballade von Sailor und Sunny
Then she steps into the river And I just stand by the moon Thinking ’bout a ghost I hear at night And she says: »Your first sin was a lie you told yourself.«
THE GASLIGHT ANTHEM, The Navesink Banks
Die meisten Lügen sind wie Träume, die ein Kind sich singt, um nicht allein zu sein. Sie sind wie fremde Länder, die zu erforschen keinen Sinn hat, weil niemand wirklich die Sprache spricht, die einen dort sicher reisen lässt. Keiner wusste das besser als Danny Darcy. Hat man erst einmal einen Schritt in diese Gefilde getan, dann ziehen einen die kunstvoll gesponnenen Geschichten in einen Sumpf aus spinnennetzartigen Erinnerungen, die alles an sich binden, was einem jemals Leben war. Und die Lieder, die man fortan singt, werden schwer wie der Regen, der an warmen Sommertagen zu weißem Dampf über den Wassern wird, jenen Wassern, in denen sich noch immer zitternd Gewitterwolken spiegeln.
Dessen eingedenk fühlte sich Danny Darcy an jenem Tag wie eine Gitarre, deren Saiten fast alle gerissen waren.
Nichts war mehr so, wie es sein sollte.
Das Leben, das ihm wie ein kostbares Lied gewesen war, hatte seine Stimme verloren.
Alles, was seit Tagen schon in ihm klang, war dumpf und schal geworden. Die Welt war ein müder Blues mit einer Stimme, die von Rauch und Whiskey krächzte wie ein Gebäude, dessen Wände dem Sturm nicht länger standzuhalten vermögen.
»Oh, Sunny.« Das waren die einzigen Worte, die ihm über die Lippen kamen. Er dachte an den Song, den er damals geschrieben hatte, als ihm Sunny über den Weg gelaufen war. Die wunderbare Suzanna Sutcliffe, die sich Soozie nannte und von denen, die ihren Sonnenschein erkannten, allzeit Sunny gerufen wurde.
My sweet Laura Lee.
Er schloss die Augen und ließ den kühlen Wind seine Haut berühren und sein dunkles Haar zerzausen. Die Melodie des Songs war noch immer da, als sei sie ihm gerade durch die Finger geflossen.
Life lay in your eyes,
in your smile and your anger and voice.
Dann blinzelte er ins Licht der bald untergehenden Sonne.
Jemand, der ihn dort hätte stehen sehen, wäre unweigerlich an alte englische Lieder erinnert worden. An Balladen, die Hobos unterwegs auf ihren Gitarren und Mundharmonikas spielen, wenn überall die Sonne am Horizont versinkt und das weite Land in braune und rote Farben taucht. An Geschichten, in denen Männer einsam an den steilen Klippen stehen und aufs Meer hinausblicken, schweigsam, mit bitterem Salz auf den Lippen, die Augen zusammengekniffen, weil die Sonne die Gischt berührt und Traumbilder funkeln lässt.
My sweet Laura Lee.
Ein ganzes Leben hatte er in diesem Song heraufbeschworen. Er hatte ihn ihr vorgesungen, am Ufer des Red Lake Creek, wo sie damals gezeltet hatten. Es war das