Macht und Herrschaft - Almuth Bruder-Bezzel - E-Book

Macht und Herrschaft E-Book

Almuth Bruder-Bezzel

0,0
8,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Wer Macht besitzt, setzt alles daran, sie zu bewahren. Ohne Gefolgschaft aber gibt es keine Macht. Wie bringen Mächtige uns dazu, das zu tun, was sie wollen? Auch dann, wenn es gegen unsere Interessen geht und uns schadet? Mit Blick auf die Corona-Zeit, den Ukraine-Krieg und den Genozid in Gaza kann man viele Mechanismen erkennen, wie die Bevölkerung mittels Narrativen und Parolen beeinflusst wurde. Und psychologische Manipulation und Propaganda sind nach wie vor an der Tagesordnung. Schließlich gilt es, uns zur "Kriegstüchtigkeit" aufzurufen und weiteren Waffenlieferungen in Kriegsgebiete zuzustimmen. Das hat sich auch der Großteil der Medien in treuer Gefolgschaft zur Aufgabe gemacht. In diesem Buch dringen die Autoren tief in die Materie ein, denn das Phänomen Manipulation ist keineswegs neu. Die beiden Psychoanalytiker lassen zahlreiche Philosophen, Soziologen und Psychologen zu Wort kommen, die sich nicht nur mit Machtverhältnissen innerhalb eines Staates oder zwischen Staaten, sondern auch in zwischenmenschlichen Beziehungen beschäftigt haben. Ihre Erkenntnisse erweitern das Verständnis für das gegenwärtige politische Agieren, das eine "Neue Normalität" schaffen will.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



MACHT UND HERRSCHAFT

Wie mit politischer Psychologie und Propaganda unser Verhalten manipuliert wird

Almuth Bruder-Bezzel und Klaus-Jürgen Bruder

HINTERGRUND

DAS NACHRICHTENMAGAZIN

WISSEN KOMPAKT

In der Reihe WISSEN KOMPAKT bereits erschienen:

Matthias Rude: Die Grünen

Von der Protestpartei zum Kriegsakteur

Berlin, 2023, ISBN 978-3-910568-04-4 (Ebook)

Georg Auernheimer: Der Ukrainekonflikt

Wie Russlands Nachbarland zum Kriegsschauplatz wurde

Berlin, 2023, ISBN 978-3-910568-03-7 (Ebook)

Wolf Wetzel: Der Anti-Antifaschismus

Antifa, angebliche Nazis, rechtsoffener Staat und geheimdienstliche Neonazi-Verbrechen

Berlin, 2023, ISBN 978-3-910568-06-8 (Ebook)

Michael Meyen: Cancel Culture

Wie Propaganda und Zensur Demokratie und Gesellschaft zerstören

Berlin, 2024, ISBN 978-3-910568-08-2 (Ebook)

Stefan Kreutzberger: Nachhaltigkeitsschwindel

Wie sich mit »Klimaschutz« viel Geld verdienen lässt

Berlin, 2024, ISBN 978-3-910568-10-5 (Ebook)

Patrik Baab: Propaganda-Presse

Wie uns Medien und Lohnschreiber in Kriege treiben

Berlin, 2024, ISBN 978-3-910568-12-9 (Ebook)

Michael Meyen: Der Dressierte Nachwuchs

Was ist mit der Jugend los?

Berlin, 2024, ISBN 978-3-910568-14-3 (Ebook)

Karin Leukefeld: Krieg in Nahost

Geopolitik, Verwüstung, Widerstand und Aufbruch einer Region

Berlin, 2025, ISBN 978-3-910568-16-7 (Ebook)

Werner Rügemer: BlackRock Germany

Die heimliche Weltmacht, ihre Praktiken in Deutschland und Friedrich Merz

Berlin, 2025, ISBN 978-3-910568-18-1 (Ebook)

Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln, einschließlich der Vervielfältigung, der Übersetzung, der Mikroverfilmung oder der Speicherung und Verarbeitung unter Verwendung elektronischer oder mechanischer Verfahren, ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Herausgebers vervielfältigt, verbreitet oder übertragen werden, mit Ausnahme von kurzen Zitaten in Rezensionen und bestimmten, nichtkommerziellen Verwendungen, die nach dem Urheberrecht zulässig sind.

ISBN 978-3-910568-20-4

© Hintergrund GmbH, Berlin, 2025

1. Auflage, 2025

www.hintergrund.de

Lektorat: Susanne George

Covergestaltung: Buchgut, Berlin unter Verwendung von Fotos von AdobeStock

Inhalt

PrologRückkehr der Macht in die Regelung der zwischenmenschlichen Verhältnisse

1. Macht und Herrschaftsverhältnisse

2. Staat und Kapital – Staatsapparate – Demokratie

3. Abhängigkeit der Mächtigen

4. Heimlichkeit, Verschwiegenheit, Lügen

5. Stützen der Gesellschaft: Der Intellektuelle und die Macht

6. Psychologie der Mächtigen: Lust an der Macht – Macht und sexuelle Lust

7. Fiktion von Autonomie – Verleugnung der Abhängigkeit von den Mächtigen

8. Macht und Manipulation

EpilogVom Schwinden der Demokratie und dem Beginn der Restauration

Literatur

Prolog

Rückkehr der Macht in die Regelung der zwischenmenschlichen Verhältnisse

Alles macht den Eindruck, als sei die Macht – nach einer Zeit des zumindest scheinbaren Rückzugs, ihrer sogenannten »Liberalisierung« (in den Jahren nach 1968) – endgültig zurückgekehrt in die Regelung der zwischenmenschlichen Verhältnisse.

Die Macht ist zurückgekehrt in ihre verwaisten Gefechtsstände, hat die Zügel wieder angezogen, verlorenes Terrain zurückerobert. Sie hat sich breitgemacht, ist in alle Bereiche der Gesellschaft, des Alltags wieder eingedrungen, forsch auftretend, anmaßend, als wären wir bereits im Krieg – auf den wir doch erst vorbereitet werden müssen. Und so fühlt sich diese Vorbereitung bereits wie Krieg an. Und es fühlt sich nicht nur so an, es ist Krieg – gegen die Bevölkerung.

Auch die lange Vorbereitung ist bereits ein Krieg, im Wesentlichen zunächst propagandistischer Art, wie er in der Corona-Pandemie-Inszenierung eingeübt worden war. Aber es gibt auch den schon länger andauernden ökonomischen Krieg mit der neoliberalen »Deregulierung« der zuvor gültigen sozialen und arbeitsrechtlichen Errungenschaften. Dessen Folgen: Intensivierung der Arbeit, Sinken der Löhne, Arbeitslosigkeit, Verschlechterung der Infrastruktur, Prekarisierung des Lebens, Unsicherheit, Individualisierung.

Dieser Krieg gegen die Bevölkerung bedeutet zugleich eine Schwächung der »Zivilgesellschaft« – gegenüber der gestärkten Macht. Es ist die dreiste Missachtung der Zivilgesellschaft durch die »politische Klasse«, wie die Inhaber der Macht in Regierung, Parlament und den anderen Organen der staatlichen und quasi-staatlichen Gewalt sowie mitunter auch die Medien sich bezeichnen.

Die Macht entzieht sich der Kontrolle durch die Bürger. Sie emanzipiert sich von der Zivilgesellschaft. Ein Beispiel: 2011 holte ein langjähriger Redakteur der FAZ, Georg Paul Hefty, in seiner »Laudatio« vom 19. Februar 2011 für den Kriegsminister Theodor zu Guttenberg den berüchtigten Satz von Carl Schmitt, dem staatsrechtstheoretischen Wegbereiter des Faschismus, aus der Versenkung: »Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet«, um dann seiner Bewunderung für den Staatsmann freien Lauf zu lassen: »Wie man ihn [diesen Satz, diese Regel] in der gewöhnlichen Politik anwendet, das beherrscht der CSU-Politiker zu Guttenberg zurzeit wie kein Zweiter in der Bundesrepublik Deutschland.«1

Diese Stärkung der Macht – auf Kosten der »Zivilgesellschaft« – bedeutet nicht nur, dass die Macht immer rücksichtsloser ihre Politik gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzt, die dieser Politik in Meinungsumfragen immer wieder mit überwältigender Mehrheit ihre Absage erteilt hatte: vom Krieg in Afghanistan angefangen bis hin zum Krieg gegen Russland.

Sie bedeutet auch, dass die Bevölkerung die Folgen dieser Politik tragen muss – die Umgangsweisen werden immer rüder, die soziale Kälte nimmt zu – und dass diejenigen, die dabei überfordert sind, krank werden. Die Zunahme »psychischer Krankheiten« wird regelmäßig dokumentiert.2

Psychische Krankheiten – statt Rebellion? Stéphane Hessels 2010 erschienene Streitschrift »Empört Euch!«, das »Manifest der empörten Ökonomen«3(2011) von unter anderem Philippe Askenazy, die unverzichtbaren Bücher des großen Jean Ziegler – sie waren Aufschreie, die erstickt sind.

Die Ansprüche der Macht auf Kontrolle und Besitzergreifung scheinen unersättlich. Die Belastung der Bevölkerung wird mit jeder neuen Stufe des Krieges gesteigert. Die Macht scheint unbezwingbar.

Die Stärke der Macht liegt in ihrem Diskurs. Daraus ist auch die Schwäche der Bevölkerung verstehbar. Der Diskurs der Macht hat die Bevölkerung eingefangen. Sie hängt an ihm, an seinen kleinen Wanzen, den Smartphones wie an einer Nabelschnur. Sie will teilnehmen, dabei sein, mitkriegen, was in der Welt passiert – ohne eingreifen zu können oder auch nur zu wollen, nur dabei sein, nichts versäumen, die Sirenengesänge der »kannibalistischen Weltordnung« (Ziegler 2015; s. a. Bruder 2020).

Die Schwäche der Bevölkerung ist die Stärke der Macht. Die Bevölkerung will daran teilhaben, statt einen Gegendiskurs zu entwickeln. Der Verrat der Intellektuellen, der Linken im Besonderen, hat sie dieser Waffe beraubt.

1 Georg Paul Hefty, »Im Ausnahmezustand« (Kommentar), in: FAZ, 19. Februar 2011, https://www.faz.net/aktuell/politik/die-guttenberg-affaere/verteidigungsminister-zu-guttenberg-im-ausnahmezustand-1589478.html

2 Zum Beispiel auf der Internetseite www.sozialpolitik-aktuell.de

3Manifest der entsetzten Ökonomen, die im Gefolge der sogenannten Subprime-Krise entsetzt feststellen, dass sich weder an den Diskursen zur Unterstützung des Wirtschaftsliberalismus noch an der Wirtschaftspolitik, die zu dieser Krise geführt hat, etwas geändert hat.

1. Macht und Herrschaftsverhältnisse

Wenn ich jemanden dazu bringe, meine Meinung zu übernehmen, sein Denken und Verhalten zu ändern, dann habe ich Macht. Von dieser gängigen Machtdefinition, die von dem Soziologen Max Weber stammt, können wir im ersten Schritt ausgehen. Bei Weber heißt es wörtlich: »Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht.« (1922, S. 28)

Unser Verhalten, unsere Gedanken, Meinungen, Bedürfnisse sollen so sein wie die der Herren beziehungsweise wie sie wollen, dass wir wollen sollen. Dass sie diesen Willen durchsetzen können, ist Ausdruck ihrer Macht. Die Macht der Herrschenden, also Herrschaft, definierte Max Weber als »Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden« (ebd., S. 38).

»Herrschaft« engt also die Machtausübung auf das Verhältnis von Befehl und Gehorsam ein – als institutionalisierte Form der Über- und Unterordnung –, während nicht jede Machtausübung an dieses Verhältnis gebunden ist.

»Herrschaft ist der konkrete Ausdruck der ökonomischen, politischen, sozialen und kulturellen Struktur einer spezifischen Gesellschaftsformation.« (Bernhard 2021, S. 78) Allerdings setze »Herrschaft« – im Gegensatz zur »Macht« – »Legitimität« voraus. Diese müsse erst durch die Akzeptanz der Herrschenden durch die Beherrschten sichergestellt werden (»Legitimitätsglauben«). »Herrschaftssicherung bedarf des Einverständnisses der Unterworfenen – auch wenn der Staat auf dem staatlichen Gewaltmonopol beruht.« (ebd., S. 78) »Herrschaft muss stets aufs Neue durch Konsens sichergestellt werden.« (ebd., S. 219) Dieser Konsens wiederum kann durch die Macht selbst hergestellt werden. »Zuckerbrot und Peitsche« (Bruder 2020). Wer die Macht hat, kann auch die Köpfe beherrschen, und zwar durch eine einzige, offizielle Meinung. Armin Bernhard spricht von den »inneren Besatzungsmächten« als »Komplement« der Herrschaft in den Individuen (ebd., S. 78).

Für Karl Marx war klar, dass in der (kapitalistischen) Klassengesellschaft »die Gedanken der herrschenden Klasse […] die herrschenden Gedanken« sind. Und weiter: Das heißt, dass »die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, […] zugleich ihre herrschende geistige Macht ist. Die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, disponiert damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion, so daß ihr damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die Mittel zur geistigen Produktion abgehen, unterworfen sind.« (Marx & Engels 1846, S. 46) Dadurch haben die Herrschenden Macht, können sie Macht behalten, dirigieren, kontrollieren.

Bei der Lektüre des Marx-Textes fällt auf, dass die Formulierung lautet: »die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist« (!). Marx spricht hier nicht davon, dass jemand Macht hat. Allerdings: Dieser Jemand, der die Macht ist, ist bei Marx eine Klasse. Diese Klasse, die Bourgeoisie, ist die Macht, der Inbegriff von Macht, sie muss sie nicht erst erwerben. Es sind also die Verhältnisse, die eine Klasse zur herrschenden machen. Das Machtsein ist an die Verhältnisse gebunden, Produkt der Verhältnisse.