Mächtig gewaltig, Egon - Jacob Wendt Jensen - E-Book
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Beschreibung

Dänemarks fleißigster und bekanntester Schauspieler Ove Sprogoe hat beim deutschen Publikum einen anderen Namen: Egon Olsen. Durch die Kultfi lme "Die Olsenbande" wird der vielseitig talentierte Mann "mit dem ulkigen Gesicht" international berühmt. Doch nicht nur eine Theaterund Filmkarriere, die ihresgleichen sucht, zeichnet ihn aus, sondern auch ein ausgeprägter Sinn für Privatleben und Diskretion. Die Biografi e gewährt nun Einblick in Leben und Schaffen des beliebten Schauspielers. "Er erzählt eine Geschichte, versucht aber nie, sich vor die Erzählung zu drängen. Es geht ihm nicht um ihn. Er will uns ein Erlebnis verschaffen, und das hat er getan. Für mich bleibt er einzigartig, ein Vorbild." Ulrich Thomsen

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:339


Impressum

ISBN eBook 978-3-360-50001-4

ISBN Print 978-3-360-02135-9

© 2012 Verlag Das Neue Berlin, BerlinTitel der Originalausgabe: Ove Sprogøe. En biografi af Jacob Wendt Jensen.Gekürzte Fassung der Originalausgabe mit Genehmigung © Art People / People’s Press, Copenhagen 2010

Umschlaggestaltung: Buchgut, Berlin, unter Verwendungeines Motivs von Klaus Winkler

Das Neue Berlin Verlagsgesellschaft mbHNeue Grünstraße 18, 10179 Berlin

Die Bücher des Verlags Das Neue Berlinerscheinen in der Eulenspiegel Verlagsgruppe.

www.das-neue-berlin.de

Jacob Wendt Jensen

Die Biografie von Ove Sprogøe

aus dem Dänischen von Janine Strahl-Oesterreich

Das Neue Berlin

»Das Publikum erkennt wieder das Gute in sich, wenn es Ove Sprogøe sieht. Wir entdecken menschliche Seiten an uns, die wir vergessen hatten. Egal ob du mit deinem inneren Schweinehund dasitzt, Ove kennt den Weg zu deinem guten Kern. Kurz gesagt: Durch ihn wirst du ein besserer Mensch.«Klaus Rifbjerg (dänischer Schriftsteller)

Vorbemerkung des Autors

Ich habe Ove Sprogøe nie kennengelernt. Aber ich habe ihn einmal gesehen. Das war Mitte der achtziger Jahre. In der Lobby des Palads-Theaters im Zentrum von Kopenhagen kam er vom Hintereingang am Süßigkeitenstand in die große Halle. »Da kommt ein sehr berühmter Schauspieler«, dachte ich. Gleichzeitig sah ich einen ganz gewöhnlichen Mann: Ove Sprogøe schlurfte in ausgetretenen Schuhen. Sein weißes Haar war leicht zerzaust, der gestrickte Schlips unter dem langen blauen Mantel zu ahnen. In der rechten Hand trug er eine braune Ledermappe. Ove Sprogøe kam genau auf mich zu. Er sah durch mich hindurch, weil er unverwandt einem Ziel entgegenging. Er war ein Star und trotzdem einer von uns.

Seine Schauspielkunst im Kino als Egon Olsen und im Fernsehen als Dr. Hansen in »Die Leute von Korsbäk« (»Matador«) war überragend. Genauso wie im Theater – von der Familienunterhaltung wie »Zur Weihnachtszeit in Nøddebo« bis zum absurden Theater von Samuel Beckett. Er machte Fernsehsatire und Kabarett. Er war die Stimme von Grille Jesper in Disneys Weihnachtsshow und einer der größten Vorleser seiner Generation. In seiner Karriere brachte er es auf 159 Filme und mehr als 130 Theaterstücke. Ove Sprogøe war der absolut fleißigste Schauspieler Dänemarks. Und einer der besten.

In dieser Biografie gewähren seine drei Söhne Henning, Jørgen und Sven sowie der Rest der Großfamilie erstmalig Einblick in die Privatsphäre von Ove Sprogøe. Freunde und Kollegen, einige der besten Regisseure und Schauspieler aus dem In- und Ausland, ergründen das Phänomen Ove Sprogøe. 90 neue Interviews und altes Archivmaterial liegen dem Buch zugrunde. Dazwischen steuert die Hauptperson selbst in über 100 Interviewzitaten ihre eigene Version der Geschichte bei.

Zum ersten Mal öffnet sich der Vorhang für Ove Sprogøe als Mensch.

Jacob Wendt Jensen, Oktober 2010

Geschichten aus der Märchenstadt

»Du bekommst drei Kinder. Das dritte hat rote Haare und wird Glanz auf seine Stadt Odense werfen.«

Die Prophezeiung, die Inger Sprogøe als junges Mädchen hörte, wurde Teil der Familienlegende – und erfüllte sich schließlich. Ove Sprogøe war als Kind tatsächlich rothaarig. Nur das mit Odense war eine Untertreibung. Oves Ruhm sollte über die Grenzen Dänemarks scheinen.

Merkwürdig nur, dass der Mutter des ebenfalls in Odense geborenen Märchendichters Hans Christian Andersen dasselbe vorausgesagt wurde, als diese hundert Jahre zuvor mit ihrem Sohn bei einer Wahrsagerin war. Aber auch wenn Mutter Inger nur Märchen erzählte, letztlich wurde die Prophezeiung doch wahr.

Ove kam 1919 als jüngstes von drei Kindern der Familie Sprogøe Petersen zur Welt. Sein Vater Arthur war Buchdrucker und verheiratet mit Inger. Oves Bruder Arthur war zwölf Jahre, die Schwester Inger fünf Jahre älter als Ove. Die Eltern dachten, dass sie Weihnachten 1919 noch zu viert feiern würden. Doch drei Tage vor Heiligabend, am 21. Dezember, wurde der kleine Ove geboren – ein Sonntagskind. Die Familie lebte in einer Wohnung im zweiten Stock in der Östergade 22. Die Straße lag damals am Stadtrand von Odense, heute ist sie mitten im Zentrum. Da die Geschwister schon die Namen der Eltern trugen, wollten sie den Kleinen nun Poul nennen. Als Arthur Sprogøe Petersen jedoch einige Tage später zum Kirchenbüro ging, hatte er eine Eingebung. Warum sollte der Junge nicht Ove heißen wie der Bruder seiner Frau? Inger freute sich, und der Pfarrer trug ins Kirchenbuch Ove Wendelboe Sprogøe Petersen ein.

Die Wohnung, in der Ove aufwuchs, war nicht sehr groß: Diele, Esszimmer, das sogenannte Herrenzimmer, Schlafzimmer, Küche. Das WC war im Treppenhaus ein paar Stufen tiefer. Die Kinder schliefen im Wohnzimmer: der große Bruder in einem Auszieh-Bett und die Schwester auf dem Sofa. Ove hatte einen heugefüllten Holzkasten am Fußende von Mutters und Vaters Bett. Die Kiste war gut ausgepolstert, er lag nicht hart darin, aber es konnte schon vorkommen, dass Kartoffeln und Milchreis in Oves »Bett« fertiggegart wurden, während er schlief. Es waren beengte Verhältnisse, aber sie schweißten unmerklich zusammen.

Inger hütete ihre Kinder wie eine Glucke. Sie hatte ein großes Herz, aber auch klare Forderungen. Sie war von den Eltern diejenige, die auf den Tisch haute und sagte: »Wechsle deine Socken« oder »Kämm dein Haar!«

Das Haus war oft voller Gäste. Auch Landstreicher ließ Inger herein. Davon war Arthur nicht immer begeistert. Aber Inger brachte es nicht übers Herz, sie vor der Tür stehen zu lassen, wollte ihnen jedoch auch nicht Geld geben, das sie nur vertrinken würden. Deshalb gab sie ihnen eine warme Mahlzeit und ein Butterbrot. Manchmal fand Ove das Brot in einem Gebüsch in der Nähe. Das fand er merkwürdig und die Mutter auch, wenn er es ihr zeigte.

Der Vater ging zur Arbeit, die Mutter kümmerte sich um den Haushalt. Meist hielt Inger sich in der kleinen, nur fünf Quadratmeter großen Küche auf, wo sie gute dänische Hausmannskost mit Unmengen dicker Soße zubereitete, und natürlich den Abendkaffee. Die Mutter war der Mittelpunkt der Familie, sie schuf Geborgenheit. Für Ove und seine Geschwister bedeutete sie die Welt. Einmal in der Woche wurde die Küche zum Badezimmer. Dann kamen Ove und seine große Schwester gemeinsam in einer Zinkwanne. Die Vorfreude auf das allwöchentliche Bad war groß, und im Anschluss gab es duftende Nachtwäsche und frisches Bettzeug. Genauso regelmäßig verwandelte sich die kleine Küche in eine Backstube. Die gesamte Verwandtschaft liebte Gebäck über alles, und so fanden unter den Frauen regelrechte Backwettbewerbe statt. Das ganze Jahr hindurch gab es Weihnachtskuchen, Sandkuchen und Pfefferkuchen. Wollte Oves Mutter ihren Jungen aber so richtig verwöhnen, buk sie »Brunsviger«. Der »Karamell-Kuchen« wurde auf der Insel Fünen erfunden und war Oves absolute Leibspeise.

Das Herrenzimmer oder die »gute Stube« wurde ausschließlich für die bevorzugte Freizeitbeschäftigung der Familie genutzt: das Kartenspiel. Es standen ein paar Mahagonimöbel mit schwarzem und grauem Plüsch im Zimmer, eine Anrichte, Lampen mit Schirmen aus Tüll und ein eleganter Bücherschrank. Der Vater schätzte Bücher. Beim Kartenspiel schrien und lärmten die Onkel, Tanten, Vetter und Cousinen wie toll. Die Kinder dagegen mussten mucksmäuschenstill sein. Die Sofas wurden von den Wänden gezogen und die Kinder dahinter platziert. Dort konnten sie spielen, vorn am Tisch saßen die Erwachsenen. Es wurde immer um Geld gespielt, was die Stimmung noch mehr aufheizte.

Die Finanzen waren auskömmlich. Oves Vater arbeitete als Schriftsetzer in der Buchdruckerei von Poul Söndergaard in der Vestergade 67 in der Nähe von Brandts Kleiderfabrik. Mit der Zeit brachte er es zum Vorarbeiter. Jeden Tag kam er pünktlich um zwölf Uhr zum Mittagbrot nach Hause. Weil seine Pause nicht sehr lang war, stand das Essen bereits auf dem Tisch, wenn er an der Tür klingelte. Am Nachmittag durfte Ove hin und wieder seinen Vater begleiten.

Ove war neugierig. Deshalb bekam er den Spitznamen »Krabbe«. Er liebte es, den Druckern bei der Arbeit zuzuschauen, und staunte darüber, dass der Vater die Buchstaben aus den Setzkästen spiegelverkehrt auf große Platten setzte und diese dann in den Büchern richtigherum standen. Die Kollegen des Vaters erlebten Ove als pfiffigen kleinen Kerl, schlagfertig und voller Streiche. Der Junge war verrückt nach Filmbildern aus Zigarettenschachteln und zeigte sie voller Stolz in der Druckerei herum. Freitag war Zahltag. Da brachte der Vater oft Lakritze für die Kinder mit – wenn er nach Hause kam. Wenn nicht, ging Inger zu ihm, um das Haushaltsgeld zu holen.

Obwohl Schwester Inger fünf Jahre älter war als Ove, standen sie einander sehr nahe und spielten gemeinsam auf den Wiesen von Odense. Inger mit ihrem bescheidenen Wesen und ihrer Wärme war immer für andere da und ohne jeden Eigennutz. Ove war seiner Schwester nicht unähnlich, nur mit der Ruhe haperte es bei ihm.

Das enge Verhältnis zu seiner Schwester hielt ihr ganzes Leben. Sie war eine stille Dame mit dem typisch spitzen Sprogøeschen Gesicht, steckte sich eine Zigarette nach der anderen an und verbrachte lange Arbeitstage im Unterwäschegeschäft »Liberty«. Das Geschäft gehörte ihr nicht, sie war einfach nur immer da, und wenn sie nicht hinterm Ladentisch stand, reparierte sie im hinteren Raum Korsetts. Mit einem Mann oder einem Freund sah die Familie sie nie. Sie blieb eine alte Jungfer. Als sie ihr 25-jähriges Betriebsjubiläum feierte, schlug Ove ans Glas und sagte: »Wie seltsam eigentlich, dass du ein Unterwäschegeschäft führst, das ›Freiheit‹ heißt – und Korsetts verkaufst!« Nach 49 Jahren hörte Inger im Geschäft auf. Um ihr 50. Jubiläum sollte man kein Aufheben machen.
Ihr ganzes Leben wohnte sie bei den Eltern. In all den Jahren besuchten die drei jeden Sonntagvormittag Oves Familie. Bei ihrer Beerdigung 1988 nannte Ove seine große Schwester den »prächtigsten Menschen auf der ganzen Welt«.

Nicht ganz so innig war Oves Beziehung zu seinem großen Bruder Arthur. Obwohl Ove und Arthur sich äußerlich ähnelten, zeigten sich mit den Jahren immer mehr ihre unterschiedlichen Temperamente. Arthur war ein vorsichtiger Junge, der schließlich in die Fußstapfen des Vaters trat und Drucker wurde. Der Altersunterschied von zwölf Jahren half sicher nicht, die Distanz zu überbrücken. Dennoch wollte Ove seinem großen Bruder immer gern behilflich sein, allerdings nicht nur aus Bewunderung für den Älteren. Eine Zeit lang verdiente er sich ein hübsches Sümmchen als Bote glühender Liebesbriefe zwischen Arthur und seiner Verlobten Else. Ove fand zwar, dass die beiden irgendwie nicht ganz richtig im Kopf waren, aber die Kasse stimmte.

Vater Arthur war ein redlicher und freundlicher Mann. Mit gepflegtem Oberlippenbart, Weste, Taschenuhr und Melone war er ein gebildeter und unauffälliger Vertreter der Arbeiterklasse. Er hatte Mut und stand zu seiner Meinung. Als die Gewerkschaften zu Beginn des vorigen Jahrhunderts an Boden gewannen, wurde der junge Arthur Sprogøe Petersen, der den Ruf hatte, fleißig und pflichtbewusst zu sein, zu einem ernsten Gespräch in das Büro des Druckereibesitzers Söndergaard gerufen. »Das geht hier jetzt mit diesem Gewerkschaftszeug los. Ich wünsche, dass Sie den Leuten sagen, dass sie sich nicht zur Gewerkschaft melden. Und wenn doch, müssen Sie mir sagen, wer es getan hat«, sagte der Eigentümer. Doch Arthur hatte seine Wahl bereits getroffen und antwortete: »Ja, dann muss ich Ihnen jetzt sagen, dass ich selbst Mitglied geworden bin.«

Diese Anekdote ist repräsentativ für Oves Selbstverständnis und seinen späteren politischen Standpunkt. Sprogøe bezog sich auf diese Geschichte, wenn er begründen sollte, woher seine eigene politische Haltung kam, die man am besten als Sympathie mit dem linken Parteiflügel der Sozialdemokraten beschreiben kann.

Seine Großmutter väterlicherseits liebte Ove besonders. Sie wohnte in der Albanistraße und arbeitete als Schneiderin. Wenn sie für eine ganze Woche auf Besuch zu Oves Familie kam, wurden alte, zerschlissene Sachen zu neuen umgenäht. Großmutter Sophie Frederike und ihre Zwillingsschwester Caroline waren 1862 geboren. Die beiden hatten als Vierjährige noch miterlebt, wie der Märchendichter Hans Christian Andersen Ehrenbürger von Odense wurde. Ove konnte es gar nicht fassen. Seine Großmutter war das Bindeglied zwischen ihm und seinem Idol. Außerdem wuchs Ove in der Gegend auf, in der auch Andersen gelebt hatte, und der Gedanke, dass der als kleiner Junge in der Nähe gespielt hatte, entzückte Ove. Hatten die Eltern in der Stadt zu tun, kam die Großmutter und las den Kindern vor. Ove und seine große Schwester Inger waren selig, wenn sie die Geschichten aus der Zeitschrift Der Kinderfreund oder dem Familienjournal hörten. Für Ove Sprogøe war die Großmutter die Glücksfee seiner Kindheit.

Zu Familienbesuchen ging man grundsätzlich zu Fuß. Nicht selten musste Ove am Wochenende sehr weit laufen. Etwa zum Wirtshaus Slukefter in Langesö. Fünfzehn Kilometer hin und fünfzehn Kilometer zurück – ist doch schön, fanden die Eltern. Die Kinder gewöhnten sich daran.

Hinter dem Aufgang in der Östergade lag eine Gemeindewiese, die sich einmal im Jahr in Sankt Knuds Markt verwandelte. Das war ein typischer Jahrmarkt, bei dem man auf ein Kalb mit zwei Köpfen stieß, einem Säbelschlucker begegnete oder ein Stelldichein mit der zersägten Jungfrau hatte. Der große Gaukler jener Jahre war Professor Labri, eine imposante Erscheinung mit Frack und Zylinder, der Ove und den anderen Kindern Respekt einflößte, obwohl er sie nach Strich und Faden betrog.

»Odense bei Nacht« war so ein Schwindel, für den Ove immer wieder 25 Øre bezahlte. Man ging hinter einen Vorhang und stand dann vor einer Zeltplane, in die ein kleines Loch hineingeschnitten worden war. Die Kinder standen Schlange, um das zu erleben. Wenn man endlich an der Reihe war, konnte man die Häuser und Straßen der Umgebung sehen, so wie sie eben nachts in Odense aussahen – auch ohne Zeltplane und gratis.

Oves Spielkameraden waren Kukker und Bussi, die beiden Kinder von Hauswirt Madsen. Die drei Jungen liebten es, wenn der Zirkus in die Stadt kam. Oves Vater und Bruder, die beiden Arthurs, zog es zum Zirkus. Sie schlugen neben dem Zirkuszelt ihr Lager auf und verdienten sich Geld damit, während der Vorstellung die Fahrräder der Leute zu bewachen. Zehn Øre pro Stück. Ove und seine Freunde trieben sich um den Zirkus herum und halfen, Wasser für die Tiere zu holen. Dafür gab es manchmal eine kostenlose Eintrittskarte.

»Vater und Mutter interessierten sich leidenschaftlich für Theater, Film, Literatur und bildende Kunst. Sie schleppten uns in Museen, wo sie uns alles erklärten und beschrieben. Wir nahmen alles begeistert an!« Für die Eintrittskarten und Programme des Stadttheater, die sein Vater druckte, bekam die Familie ab und zu Freikarten. Noch bevor Ove zur Schule kam, verzauberte ihn die Welt der Geschichten.

Oves erstes Theaterstück war »Aladin und die Wunderlampe« mit Thorvald Larsen in einer Hauptrolle. »Was für ein Erlebnis für einen achtjährigen Jungen!«, schwärmte Ove noch Jahrzehnte später. »Das war eine ergreifende Märchenwelt, wo alles erlaubt war, wo die Träume freie Hand hatten und man Wirklichkeit und Fiktion nicht unterscheiden konnte.«

Thorvald Larsen wurde später Intendant des Folketeatret (des Volkstheaters) in Kopenhagen. Ove Sprogøe konnte nicht ahnen, welche wichtige Rolle dieser Mann in seinem Leben noch spielen sollte. Doch beeindruckt war er schon als Kind.

Noch faszinierender für den kleinen Ove waren die Kinobesuche, bei denen er Westernhelden wie Ken Maynard, Fred Thompson und Tom Mix über die Prärie reiten sah oder »Ben Hur« im Streitwagen bewunderte. »Das war die erste Verfilmung von Ben Hur, und ich war vollkommen hingerissen von Ramon Novarro. In Kopenhagen bekam ich einen Schock, als ich eines Tages ein Filmplakat von ihm sah, das das ganze World Cinema bedeckte. Noch heute erschrecke ich, wenn ich auf ein Bild von ihm stoße«, erzählte Ove Sprogøe einmal.

Mit den 35 Øre, die die Mutter ihm für die Eintrittskarte gab, ging Ove ins Sankt-Hans-Kino in der Straße Skibhusvej. Kukker, Bussi und Ove hatten nichts anderes im Sinn, als an den Sonntagnachmittagen so schnell wie möglich in eine der drei vordersten Reihen zu gelangen. Dann warteten sie, bis der Klavierspieler kam, sich hinter den Vorhang setzte und zu spielen begann. Auch im Palads (Palast-) Theater in der Vestergade waren sie oft, dort gab es sogar ein ganzes Orchester. Manchmal war auch in der Woche Zeit für einen Kinobesuch. Dann kamen die Mutter und Schwester Inger mit, und alle drei beeilten sich, vor 18 Uhr zu Hause zu sein, wenn der Vater von der Arbeit kam.

Etwas Schöneres gab es für den kleinen Ove nicht: »Schon als Kind war ich besessen vom Film. Meine Bewunderung für alles, was Filmstar hieß, war grenzenlos. Jedes Mal, wenn ein neuer Shirley-Temple-Film ins Land kam, war ich einer Ohnmacht nahe. Ich schrieb ihr und war stolz, dass ich Antwort bekam, auch wenn diese sicher vorgedruckt war. Die Faszination vom Theater- und Schauspielerleben lag in mir, ohne dass ich ahnen konnte, selbst irgendwann einmal dort zu landen.«

Die besten Schulnoten sind gerade gut genug

Im Spätsommer 1926, mit sechseinhalb Jahren, wurde Ove eingeschult. Mit neuem Tornister und hellwachem Verstand kam er an die Östre-Schule. Bald schon hatte er den Dreh heraus, wie er sich vor Hausaufgaben drücken konnte. Er fragte seine Lehrer so lange nach dem Stoff aus, bis er ihn im Schlaf beherrschte. Er »fragte sie zu Tode«, wie er später bekannte. So hatte er mehr Zeit zum Spielen.

An der Östre-Schule saßen in jeder Klasse ungefähr 35 Schüler. Von der ersten Klasse an wurden Zensuren erteilt, sowohl mündlich als auch schriftlich. Ove Sprogøes Zensurenhefte aus den ersten drei Jahren zeugen davon, dass er ein absoluter Musterschüler war. Das bedeutete auch, dem Lehrer zu gehorchen und sich in der Klasse still und ruhig zu verhalten. Alles Wissen sog er begierig auf, beherrschte seinen Stoff und war auch bei Vorträgen nicht nervös. Wenn es darauf ankam, konnte er sich konzentrieren. Seine Antworten saßen bis ins letzte Detail.

Ove hatte es nicht so mit Fußballspielen wie andere Jungen. Vor jeder Turnstunde bat er darum, lieber freie Übungen machen zu dürfen. Aber er war diszipliniert und in der Lage, sich unterzuordnen. Vielleicht zu sehr. Als Ove in der 2. Klasse vom Lehrer aufgefordert wurde, seinen Mitschülern vorzulesen, während er einen Weg erledigte, stellte Ove sich an ein Pult in der ersten Reihe und begann pflichtschuldigst zu lesen. Plötzlich merkte er, wie ihn seine Blase drückte. Aber er sollte ja vorlesen und wollte nicht ungehorsam sein. In den Hof konnte er also nicht. Er musste bleiben und weiterlesen. Warum nicht einfach in die Hosen pinkeln? Das würde doch niemandem auffallen, dachte sich der achtjährige Ove in seiner Not und ließ das Wasser laufen. Still und leise rann es am Bein herab, während sich der brave Junge mit dem Text abrackerte und insgeheim das Beste hoffte. Auf einmal brach die ganze Klasse in schallendes Gelächter aus, denn natürlich hatten alle gesehen, wie sich unter Oves Pult eine kleine Pfütze bildete. Im Rückblick sagte er selber: »Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass wir keine Angst vor den Lehrern hatten. Andererseits vermittelte uns die Autoritätsgläubigkeit Regeln, mit denen wir uns sicher fühlen konnten. Aber, Herrgott, natürlich hatten wir vor den Lehrern Angst. Wenn wir unartig waren, setzte es Strafen. Das war damals ja noch die Zeit des Rohrstocks. Aber ohne mir einen Heiligenschein ausstellen zu wollen, glaube ich nicht, dass ich den Stock jemals zu spüren bekam. Was wiederum sehr ungewöhnlich war.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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