Verlag: Bastei Entertainment Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

Maddrax 486 - Science-Fiction-Serie E-Book

Ben Calvin Hary  

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E-Book-Beschreibung Maddrax 486 - Science-Fiction-Serie - Ben Calvin Hary

Endlich gelangen Matt und Aruula nach Cancriss, wo die Pancinowa in den letzten fünftausend Jahren ihre Wurmloch-Technik vervollkommnet haben. Und sie treffen die Initiatorin Scyprana wieder, die sie ungewollt in Gefahr bringt. Ihr Volk hat einen Genozid an den Pancinowa auf Terminus zu verantworten. Sollten ihre Gastgeber das herausfinden, haben sie für ihre Bitte um die Rettung der Erde schlechte Karten. Doch das ist nicht die einzige Gefahr! Denn die Abschirmung um die permanenten Wurmlöcher auf dem Planeten zeigt eine unvorhersehbare Auswirkung auf die beiden Menschen...

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E-Book-Leseprobe Maddrax 486 - Science-Fiction-Serie - Ben Calvin Hary

Inhalt

Cover

Impressum

Was bisher geschah …

Die Wurmloch-Architekten

Leserseite

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Lektorat: Michael Schönenbröcher

Titelbild: Néstor Taylor/Bassols

Autor: Ben Calvin Hary

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-6858-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer – die Erde. Ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, „Maddrax“ genannt, dessen Staffel ins Jahr 2516 versetzt wird. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn fremde Erde. Bis sie durch ein Wurmloch, das sich im Forschungszentrum CERN auftut, in ein Ringplanetensystem versetzt werden, während der Mond auf die Erde zu stürzen droht.

Auf dem Ringplaneten herrschen die Initiatoren, die Spezies aus allen Teilen der Galaxis durch das Wurmloch entführen, um sie Kompatibilitäts-Tests zu unterziehen. So geraten auch Matthew Drax, Aruula und Matts Tochter Xaana in das fremde Sonnensystem, stoßen jedoch durch die Einmischung der Kontras auf das dunkle Geheimnis der Systemherren: Man will einen Teil der Menschheit auf den Mond Novis umsiedeln, um deren Gehirne für eine Art Superrechner zu nutzen! Doch die Gefährten werden ihrer Erinnerungen beraubt; so helfen sie in gutem Glauben den Initiatoren.

Während Aruula und Xaana auf Novis bleiben, reisen Matt und der Initiator Hordelab zur Erde, um hochstehende Zivilisationen zu verteilen, damit sie später evakuiert werden können. Begleitet von Xij, der Mutter Xaanas, und deren Mann Tom Ericson besucht Matt auch die Kolonie Colonel Kormaks, erkennt aber dessen Machtgier und verweigert ihm den Peilsender. So überfällt Kormak die benachbarte Community und eignet sich deren Sender an.

In Agartha wurde nach den Plänen der Initiatoren eine Transportplattform gebaut, mit der Hordelab das Wurmloch an jeden Ort der Erde versetzen kann. Die Evakuierung beginnt. Dann jedoch zerstören fanatische Rev’rends die Plattform. Dabei gerät das Wurmloch außer Kontrolle und Hordelab wird ohne Erinnerung von den anderen getrennt. Die durchqueren das Wurmloch mit einem Gleiter und landen auf Novis, wo sie von Aruula erfahren, dass die Offerte der Initiatoren eine Falle sein könnte. Sie suchen Hilfe bei den Kontras und bauen gleichzeitig einen Widerstand gegen Colonel Kormak auf.

Matts schlimmste Befürchtungen werden bestätigt, als er auf Terminus die Geschichte der Initiatoren erfährt: Einst kristallisierte ihr Planet Kasyn und zwang sie, auf einen der Monde umzuziehen. Um sich vor der Kristallstrahlung zu schützen, entwarfen sie einen Mentalschild, der mit lebenden Gehirnen betrieben wird! Doch gleichzeitig erfährt Matt von einer Möglichkeit, die Erde zu retten! Dazu muss er Kontakt zu den Pancinowa auf Cancriss aufnehmen – jenseits des Wurmlochs. Zusammen mit einer Kontra wagen er und Aruula die Reise … und stranden in einer Hohlwelt, in die alle, die Cancriss anfliegen, umgeleitet werden. Bei der Bruchlandung werden sie getrennt. Auf der Suche nach einem Ausweg stoßen sie auf das Erbe eines Propheten, der herausgefunden hat, dass die Sonne der Sphäre künstlich ist und ein Wurmloch beherbergt. Mit einem Techniker dringen sie in die Sonnenstation ein und verhelfen den Völkern zur Flucht. Dafür macht Aruula ein Zugeständnis: bei den Pancinowa zu bleiben, damit die ihre Telepathie erforschen können …

Die Wurmloch-Architekten

von Ben Calvin Hary

Flackernde Trichteröffnungen umgaben zu Hunderten den Planeten. Sie hingen wie Teichrosenblätter in der wolkenschwangeren Atmosphäre und bildeten Wirbel in den Randbereichen.

„Cancriss sieht aus wie eine riesige Discokugel“, staunte Matthew Drax mit Blick auf die Planetenoberfläche unter ihnen. Hoffnung keimte in ihm auf. Er wandte sich von der fingerdicken Panoramascheibe ab, die ihn und Aruula vom Vakuum des Alls trennte, und nahm seine Gefährtin bei der Hand. „Wir sind am Ziel“, sagte er voller Zuversicht. „Dort unten wird sich das Schicksal der Erde entscheiden.“

Erhaben schwebte der Teppich aus leuchtenden Trichtermündern unter seinen und Aruulas Füßen. In der Ferne wanderten zwei nahe beieinanderstehende Sonnen über den Horizont. Ihr Licht mischte sich mit dem Glimmen der Wurmlöcher zu einem unwirklichen Halo.

„Discokugel?“, echote Aruula, als sie neben ihn trat und den Blick ebenfalls über Cancriss schweifen ließ. „Ist das eine Art … Juwel?“

„So etwas Ähnliches.“ Matt schmunzelte und legte die Hand gegen das Glas. Die Scheibe war kristallklar. Er musste sie berühren, um zu begreifen, dass er vor einem Panoramafenster und nicht an einer offenen Raumschleuse stand.

Mühsam atmete er durch. Es fühlte sich an, als hätte ihm jemand einen Lappen in die Lungen gestopft.

Feuchtigkeit kondensierte in ihrer beider Haar und setzte sich in seiner blau-brauen Uniform und Aruulas dunkelblauen Bordanzug mit den orangefarbenen Streifen fest. Seltsam, dass das Fenster nicht beschlug. Vermutlich war es mit einer feuchtigkeitsabweisenden Nanobeschichtung versehen.

Matt hatte keine Ahnung, wie die Station von außen aussah. Ein Wurmloch hatte sie an Bord gebracht, in einen unmöblierten Raum von etwa zehn Quadratmetern Größe. Bodenplatten und Wände bestanden aus einer Art mattgrüner Keramik. Die Außenwand war gekrümmt und deutete auf einen runden Querschnitt hin.

Türen gab es keine. Sie würden warten müssen, bis ihre Gastgeber sie hier abholten. Im Grunde waren sie von einem Gefängnis – der Sphäre – ins nächste gewechselt. Merkwürdig, dass ihn das nicht frustrierte.

„Wudan muss diese Fremden sehr lieben, wenn er ihnen einen Planeten mit so viel Schönheit gegeben hat.“ Aruula lächelte und wischte mit einer beiläufigen Handbewegung eine feuchte Strähne aus der Stirn, um sie sich hinters Ohr zu klemmen.

Matt lehnte sich an einen durchlöcherten Stahlträger, an dem ein Bündel Kabel und kunststoffverkleidete Leitungen emporrankte. Er wies seine Gefährtin nicht darauf hin, dass die Wurmloch-Trichter über Cancriss künstlich geschaffen waren.

Hinter ihnen lag eine Odyssee durch die Sphäre, wie die Pancinowa ihr Verlies für Besucher anderer Planeten nannten. Die beiden Menschen und die meisten gefangenen Völker waren ihr letztlich durch das Wurmloch in derkünstlichen Sonne entkommen.1) Für die Zielkoordinaten der Heimatwelten hatten sie jedoch den dort stationierten Sonnenwächtern Olkal und Rupet Zugeständnisse machen müssen.

So hatte Aruula zu Matts Entsetzen eingewilligt, sich den Wissenschaftlern der Pancinowa zur Verfügung zu stellen, damit diese ihren Lauschsinn erforschen konnten. Offenbar war diesem Volk Telepathie bislang völlig unbekannt.

Nun, es hatte funktioniert; sie waren der Sphäre entkommen. Wie hoch der Preis wirklich war, würde sich wohl erst später herausstellen.

Und dann war da noch die Frage über Scypranas Verbleib. Sie wussten immer noch nicht, wo sich die Initiatorin befand, die mit Matt und Aruula in dieses System gekommen war. Hielten die Fremden sie fest? Oder irrte sie noch immer in der Sphäre umher?

Matthew machte sich von solchen Grübeleien frei. Positiv denken! Was nutzte es, alles schwarz zu sehen angesichts der Schönheit, die sich ihnen bot? Er wies auf einen der schwebenden Trichter, der ihnen die spiraligen Ausläufer förmlich entgegenstreckte. „Es muss den Pancinowa gelungen sein, die Todeszonen um die Wurmlöcher abzuschirmen“, mutmaßte er. „Oder spürst du Übelkeit?“

Die Barbarin schüttelte den Kopf. „Nein. Ehrlich gesagt fühle ich mich hervorragend. Das ist mir schon in der kalten Sonne aufgefallen, in deren Zentrum es ja auch ein Wurmloch gibt.“ Ein ungewohnt mädchenhaftes Grinsen zerrte ihren Mund in die Breite.

Matt drückte ihre Hand. Die Haut fühlte sich klamm an, wie alles in diesem Raum. „Die Pancinowa werden uns helfen“, sagte er überzeugt. „Sie werden uns die Technik zur Verfügung stellen, um den Mond auf seine ursprüngliche Umlaufbahn zu versetzen.“

„Du klingst sehr überzeugt.“ Sie zog die Hand zurück.

„Ich weiß es“, antwortete Matt jovial. Ihm war jetzt nicht danach, über Probleme nachzudenken. Im Augenblick wollte er nur den Erfolg genießen.

Ein elektrisches Knistern erklang in ihrem Rücken und hallte von den Wänden des Warteraums wider.

Gleichzeitig fuhren Matt und Aruula herum und starrten mit zusammengekniffenen Lidern in die plötzliche Helligkeit. Lichtbögen entstanden wie aus dem Nichts, wanderten über die grünen Wandkacheln und vereinten sich zu einem Wurmloch.

Auch diesmal: keine Übelkeit, nicht mal ein Anflug von Kopfschmerz. Stattdessen packte Matt unversehens eine Welle kindlicher Erregung. Unsere neuen Freunde sind da, dachte er freudig.

Und tatsächlich: Aus dem Durchgang traten nacheinander acht grobschlächtige humanoide Geschöpfe von gelbgrüner Hautfarbe. Sechs waren in braune Gewänder gehüllt, die Matt an Tuniken erinnerten. Dort, wo bei einem Menschen die Lippen saßen, befanden sich riesige, von Lamellen überzogene Hautsäcke, die unterhalb der flachen Nasen ansetzten und bis zu den Kehlköpfen reichten.

Die Pancinowa!

Zwei unterschieden sich durch abweichende Kleidung vom Rest. Einer hatte einen breiten Gürtel um die Taille geschnallt, von dem silbrig blitzende Instrumente baumelten. Über seine Schultern war ein weißer Umhang drapiert.

Der andere trug eine schwarze Uniform aus einem lederähnlichen Material. Er überragte seine Begleiter um fast einen Kopf.

Das muss der Anführer sein, entschied Matt, ohne einen Grund für diese Gewissheit zu haben.

Der Wurmloch-Tunnel schloss sich mit einer fahlen Leuchterscheinung. Statisch aufgeladene Luft stieg Matt in die Nase; der Geruch erinnerte ihn an frisch gefallenen Schnee.

Die Fremden starrten den Menschen aus langgeschlitzten Froschaugen finster entgegen. Der schwarz Uniformierte blähte seinen Kehlkopfsack und gestikulierte mit überlangen Armen. Worte in einer unbekannten Sprache erklangen, die wie das Blubbern eines verstopften Ausflusses klangen.

Mit einem geübten Handgriff nahm Aruula die Translator-Folie aus ihrer Tasche und heftete sie sich an die Schläfe.

„Freut mich ebenfalls“, erwiderte Matt freundlich, obwohl er kein Wort verstand. Offenbar gab es hier keine Translator-Strahlung wie in der Sphäre, und in sein Übersetzungs-Implantat, das ihm vor geraumer Zeit von den Hydree auf Aquus eingepflanzt worden war2), war die Sprache nicht eingespeichert.

Als hätten sie einen stummen Befehl erhalten, schwärmten die Braungekleideten aus. Aruula zog ihr Schwert und ging in Angriffsstellung.

Obwohl er jeden Grund zur Sorge gehabt hätte, blieb Matt vollkommen ruhig. Er ließ es sogar zu, dass zwei der Fremden ihn von hinten packten und ihm die Arme auf den Rücken drehten. Jeder Widerstand wäre ohnehin sinnlose Kraftverschwendung gewesen. Schon das Atmen in dieser Sauna-Atmosphäre kostete ihn Energie.

Die restlichen Pancinowa umzingelten Aruula. Sie redeten wirr durcheinander, hielten aber respektvollen Abstand zu ihrer ausgestreckten Waffe.

Der im weißen Umhang machte einen Ausfallschritt und demonstrierte seine körperliche Überlegenheit, indem er ihr die Klinge mühelos aus der Hand schlug. Mit einem blitzschnellen Griff riss er ihr die Translatorfolie von der Schläfe. Das Schwert schlitterte davon und blieb vor dem Fenster liegen.

„Gib das wieder her, du Molch!“, protestierte Aruula und streckte die Finger nach der Folie aus.

Lässig hielt der Pancinowa sie am ausgestreckten Arm auf Abstand. Aufreizend langsam ließ er das Beutestück in eine Tasche seines Umhangs gleiten.

Matt verstand die Aufregung seiner Gefährtin nicht. „Wehr dich nicht“, ermahnte er sie gelassen. „Die wollen doch nur sichergehen, dass wir harmlos sind. Uns droht bestimmt keine Gefahr.“ Er war überzeugt von dem, was er sagte.

„Was ist los mit dir? Wie kannst du das glauben?“, schnaufte Aruula irritiert, senkte jedoch vorsichtig die Arme.

Die Pancinowa nutzten die Gelegenheit, Aruula zu ergreifen und festzuhalten. Der Weißbekittelte zog ein pistolenartiges Gerät vom Gürtel und presste ihr den Lauf in den Nacken.

Plötzlich lichtete sich der rosafarbene Nebel um Matts Verstand, den er bis zu dieser Sekunde nicht bemerkt hatte. Auf einmal spürte er den Schmerz in der Schulter und die brutalen Griffe der Angreifer, die sich in sein Fleisch bohrten.

„Aruula …!“ Matt versagte die Stimme. Sein Schrecken schmeckte nach Blut und Eisen. Die Ernüchterung überkam ihn derart unvermittelt, dass ihm übel wurde. Warum erkannte er die Gefahr erst jetzt?

Adrenalin schoss durch seine Adern, verdrängte den letzten Rest Trägheit. Er versuchte sich von den Pancinowa loszureißen, das Pistolenholster um seine Hüfte zu erreichen und Aruula zu retten.

Der Weißbekittelte drückte ab. Ein kurzes scharfes Zischen ertönte. Aruula schrie markerschütternd.

„Nein!“, brüllte Matt. Er bildete sich ein, ein leises Knirschen zu hören – wie von berstenden Schädelknochen.

Die Wachen ließen Aruula los und traten zurück. Kraftlos sank sie in sich zusammen. Ein Blutfaden rann aus ihrem Nacken.

Sekundenlang war Matt unfähig, zu reagieren. War sie tot? Hatten die Fremden sie exekutiert wie ein Stück Vieh?

Doch dann regte Aruula sich. Stöhnend fasste sie sich ins Genick, betastete die Wunde. Ihre Augenlider flatterten.

„Es … geht mir gut“, murmelte sie undeutlich.

Unendliche Erleichterung durchströmte Matt. Beruhigt stellte er seine Gegenwehr ein. Alles war gut. Die Gefahr war vorüber.

Erneut erfüllte Gleichmut seine Gedanken, und wieder gab er sich ihm hin. Das Bedrohungsgefühl schwand.

Der Pancinowa in der schwarzen Uniform trat vor, schob den Weißbekittelten beiseite und baute sich vor Aruula auf. Laut schnatterte los.

Aruula riss verdattert die Augen auf und rappelte sich vom Boden hoch. Sie schwankte, aber sie stand. Was immer der Angreifer ihr mit der Silberpistole injiziert hatte, sie erholte sich rasch. Die Wunde schien außerdem nur oberflächlich zu sein. Das Blut versiegte bereits.

„Ich … ich verstehe, was du sagst“, ächzte sie benommen. „Wie ist das möglich?“

Der Anführer antwortete, auf dieselbe schnatternde Weise wie zuvor.

„Ein Übersetzer?“, echote Aruula und rieb sich erneut den Nacken. „So ein Ding, wie Maddrax eines trägt? Ihr versteht also alles, was ich sage?“

Die Blicke der Pancinowa gingen zu Matt hinüber. Der im weißen Umhang steckte seine Injektorpistole weg. Er löste ein zylindrisches Gerät mit mattgelb schimmernder Spitze vom Gürtel und wedelte damit um Matts Kopf herum, bis es auf Höhe seines Nackens grün aufleuchtete. Der Umhangträger sagte etwas zu seinen Begleitern, das Matt nicht verstand.

Der schwarz Uniformierte antwortete, schien ihn zu etwas aufzufordern.

„Genau!“, sagte Matt, der noch immer im Griff „seiner“ Wachen hing, und nickte heftig. „Ich trage bereits einen Translator in mir. Könnt ihr den irgendwie updaten, damit ich euch verstehe?“

Er wusste nicht, ob die Pancs ihn verstanden hatten oder einfach dieselben Schlüsse zogen. Jedenfalls tippte der Umhangträger auf dem Gerät herum und presste es dann in Matts Nacken. Ein kurzer ziehender Schmerz grellte auf und ihm wurde kurz schwindlig. Aber das ging rasch vorüber.

Der Riese in der schwarzen Uniform stieß erneute Blubberlaute aus, und diesmal verstand ihn Matt:

„Danke, Regenerator Menthex. Ich möchte nun mit den Fremden allein sein.“

Die Wachen bestätigten, ließen Matt und Aruula los. Einer fasste sich in die Körpermitte und drückte auf eine Stelle im Abdomen. Eigentlich war es mehr als ein Drücken. Er schien mehrere Stellen unterschiedlich stark abzutasten und dabei die Finger zu drehen. Erneut erfüllten leises Knistern und Ozongeruch die Luft, und eine tiefschwarz wabernde Öffnung erschien.

Die Wurmloch-Erzeuger sind in ihre Körper implantiert!, begriff Matt. Die Erkenntnis gab ihm ein gutes Gefühl. Wer dermaßen selbstverständlich mit solch überlegener Technologie umging, dem war auch die Rettung der Erde zuzutrauen.

Nachdem Menthex und die Wachen verschwunden waren, stellte der Schwarzgekleidete sich in die Mitte des Raumes und starrte sie finster an. „Ich bin Diplomat Imforth“, sagte er. „Ich werde euch nach Cancriss geleiten.“

„Mein Name ist Matthew Drax“, stellte Matt sich vor. „Meine Begleiterin heißt Aruula. Wir sind Menschen vom Planeten Erde.“

„Halten Sie unseren Nachrichtendienst für so nachlässig, dass wir das nicht längst wüssten?“, polterte der Pancinowa. „Ich bin über alles informiert, was sich in unserer Gefangenensphäre ereignet hat. Auch über das Angebot, mit dem Sie sich bei den Sonnenwächtern Olkal und Rupet freigekauft haben.“

Imforth nahm eine Art Trinkflasche aus einer Tasche seiner Kleidung und kippte sich eine klare, süßlich riechende Flüssigkeit über den Kopf.

Fasziniert beobachtete Matt, wie sich grobe Poren in Imforths Haut öffneten und das Nass aufsaugten, winzigen Mündern gleich. Sekunden später war die Feuchtigkeit im Körper des Außerirdischen versickert.

Der Botschafter blähte den Kehlkopfsack. „Kommen wir zum Wesentlichen. Mein Volk möchte Sie zur Verantwortung ziehen. Darauf soll ich Sie vorbereiten.“

„Das ganze Volk? Das muss aber ein verdammt großer Gerichtssaal sein“, scherzte Matt.

Aruulas beunruhigten Blick, den sie ihm zuwarf, bemerkte er zwar, doch er ließ sich dadurch nicht aus der Fassung bringen. Wie schlimm konnte es schon werden? Sie waren die Guten. Sicher drohte ihnen kein Unheil.

„Die Verhandlung findet selbstverständlich in den Gestaden statt“, antwortete Imforth feindselig, als wäre damit alles gesagt. „Leider fehlt Ihnen dafür der Zugang. Darum bin ich gezwungen, sie zu einem physischen Versammlungsort zu bringen.“

Imforth fasste sich wieder an den Bauch in Höhe des Nabels – wo Menschen den Nabel trugen – und betätigte den dort implantierten Wurmloch-Generator. Unter Blitzen entstand eine neue Tunnelöffnung, die sich jedoch von den bisherigen unterschied. Dort, wo Matt lichtlose Schwärze erwartete, schimmerte düsteres Rot.

„Was Sie sehen, ist eine Exoradiale Blase“, erklärte Imforth. „Nur mit ihr ist es möglich, das Sperrfeld um Cancriss zu durchdringen und den Planeten zu betreten. Meine Artgenossen betrachten Fremden mit Skepsis. Halten Sie sich daher stets in meiner Nähe auf! Außerdem muss ich Sie bitten, Ihre Waffen hier zurückzulassen.“

Matt nickte. Das klang vernünftig. Schließlich waren sie als Bittsteller hier. Er würde den Teufel tun, es sich mit ihren Gastgebern zu verscherzen.

Gehorsam nahm er seine Laserpistole vom Holster und legte sie vor sich ab.

Aruula blickte nervös auf ihr Schwert, das vor dem Panoramafenster am Boden lag. Dann atmete sie tief durch. „Von mir aus“, sagte sie. „Eine Kriegerin kann sich auch ohne Klinge verteidigen.“

„Dann auf!“ Matt freute sich. So nahe wie jetzt waren sie der Rettung der Menschheit bislang nicht gekommen, und es wurde Zeit, dass sie endlich ihre Bitte vortrugen.

Frohen Mutes trat er in die Trichtermündung.

Tosend stürzten die Wasser des Pondrogg vor Olkal in die Tiefe. Der Strom brauste mit Urgewalt über den Rand des Kelwegg-Plateaus, um an dessen Fuß seinen Weg in sanftem Bogen zum Meer hin fortzusetzen. Von hier oben wirkten die zahllosen Flüsse, Bäche und Rinnsale, die das Tiefland überzogen und in den Pondrogg mündeten, wie ein Netz aus feinen Adern.

Olkal stand am Rand der Hochebene auf einer gemauerten Aussichtsplattform inmitten des Wasserfalls. Er genoss das Naturschauspiel und die Gischt, die von den scharfen Uferfelsen aufspritzte und seine durstige Haut tränkte.

Er war nicht allein. Die beiden Gesetzeshüter, die ihn seit seiner Festnahme bewachten, standen hinter ihm. Er brauchte sich nicht umzudrehen, um zu wissen, dass sie da waren. Die Anwesenheitsnotizen ihrer Individualfeeds schwebten als farbige Markierungen vor ihm. Das Imprint-Implantat projizierte sie direkt auf seinen Sehnerv.