Maibock - Jörg Steinleitner - E-Book

Maibock E-Book

Jörg Steinleitner

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Beschreibung

Eine Bootsfahrt über den Alpensee – romantischer könnten sich Fiorella und Thorsten Franke ihre Flitterwochen kaum vorstellen. Doch beim Blick über die Reling trauen sie ihren Augen kaum: Ein lebloser Körper schwimmt geistergleich hinter dem Schiff her! Sieht so die weiß-blaue Urlaubsidylle aus? Für Anne Loop, die zuständige Polizistin, stellen sich noch ganz andere Fragen: Wer ist der Tote im Nadelstreifenanzug? Und besteht ein Zusammenhang mit dem hinterfotzigen Maibaum-Diebstahl, der die Seegemeinden gerade in Aufruhr versetzt?

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www.piper.de

ISBN 978-3-492-96793-8 Dezember 2016

© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2015 Covergestaltung und -motiv: bürosüdº, München Datenkonvertierung: CPI books GmbH, Leck

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Braumeister: Ein Maibock ist ein helles Starkbier, das wo untergärig ist und vom April bis in den Juni hinein getrunken wird.

Jäger: Ein Maibock ist ein junger Rehbock, den wo ich im Mai schieß.

Braumeister: Depp.

Jäger: Selber Depp.

Braumeister: Prost.

Jäger:

Zum Anstechen eines Romans benötigen Sie einen Schlegel aus Holz, Zapfzeug, ein Luftventil aus Messing, eine Spritzschutzmanschette aus Gummi und einen Ganterbock.

Hans-Jörg Strangel, Braumeister

O’ZAPFT IS

Dass eine Leiche in einem Nadelstreifenanzug hinter dem Linienboot eines bayerischen Bergsees hergezogen wird, ist kein Ding der Unmöglichkeit. Jedoch ist ein derartiger Vorgang aus mathematischer Sicht höchst unwahrscheinlich.

Unwahrscheinlicher sogar noch als jene schon fast märchenhaft anmutende Vorstellung, dass einmal eine Bayerin Bundeskanzlerin werden könnte.

Wahrscheinlicher aber, als dass eines Tages beim Starkbieranstich am Münchner Nockherberg alkoholfreies Starkbier ausgeschenkt werden wird. Eine derartige Katastrophe werden wir auch in tausend Jahren – also dann, wenn man aufgrund der sich anbahnenden chinesischen Dominanz auf der Welt Schweinsbraten mit Stäbchen wird essen müssen – nicht erleben.

Man kann daher festhalten, dass die statistische Wahrscheinlichkeit von Nadelstreifenleichen hinter Linienbooten auf bayerischen Bergseen in etwa zwischen jener des bayerischen Bundeskanzlertums und jener des alkoholfreien Starkbiers liegt. Dies könnte nun Wellnessgefühle in Ihrem Astralkörper auslösen. Aber halt – entspannen Sie sich nicht zu früh! Es ist gerade das Frivole am Freistaat Bayern, dass hier Dinge geschehen, die anderswo undenkbar wären (zum Beispiel auch, dass man ein Lebensmittel namens Leberkäs herstellt, das alles enthält, nur keine Leber und keinen Käse).

Es gibt für Sie daher überhaupt keinen Grund, sich Wellnessgefühlen hinzugeben: Die so schreckliche wie aus statistischer Sicht unwahrscheinliche Geschichte, um die es nun geht, ist Verbrechen für Verbrechen nämlich tatsächlich genau so passiert; und deshalb bitte ich um Verständnis, dass ich Sie Ihnen mit der Präzision einer bayerischen Bierzapfanlage einschenke – pardon: erzähle. O’zapft is!

Ein bayerischer Knast ist kein Whirlpool.

Rudi Tausendfreund, Gefängnisinsasse JVA Landsberg am Lech

EINS

Mittwoch

Alles fing damit an, dass die frisch vermählte Fiorella Franke ihrem Mann Thorsten ein »Ich liebe dich, Thorsti« ins Ohr hauchte. Viele Menschen, insbesondere bayerische Männer, würden, spräche man sie als »Thorsti« an, unweigerlich die Nase rümpfen und sich für einen Selbstverteidigungskurs bei der Volkshochschule anmelden – aber gut: Dieser »Thorsti« Franke stammte aus Leipzig, und in dieser prachtvoll-emanzipierten Stadt, in der Richard Wagner das Licht der Welt erblickte und Johann Sebastian Bach das Zeitliche segnete, ist es wohl üblich, sich einander direkt nach der Hochzeit solcherlei Zärtlichkeiten zuzuflüstern. Zumal, wenn sie von temperamentvollen und tollkühn blondierten Florentinerinnen in die ostdeutsche Ohrmuschel geatmet werden. Thorsten Franke entfuhr auf das Liebeshauchen seiner Gattin hin ein leises, freudiges Kichern. Die bayerische Sommersonne aber schien trotz dieser anrührenden Leipziger Zärtlichkeit unverdrossen weiter, und zwar mit einer Energie, die gefühlt mittels Solartechnik mehrere Atomkraftwerke zu ersetzen in der Lage gewesen wäre. Hinter den beiden Turteltauben lag die Bootsanlegestelle der östlichen Seegemeinde T., vor ihnen die Große Rundfahrt über den See, welche als Nächstes in der südlichen Seegemeinde R. Station machen würde.

[Man entschuldige mir die Verschleierung der Tatortnamen; aber es handelt sich hier um den staubtrockenen Bericht zu einem wahren und dazu noch hochkomplexen Kriminalfall, in den mindestens zwei mafiaähnliche Organisationen – in Bayern nennt man sie »Trachtenvereine« – verwickelt sind. Die Verschleierung dient meinem und Ihrem Schutz, denn durch Ihr Weiterlesen machen Sie sich natürlich unweigerlich zu Komplizen, stehen mithin einbeinig im Gefängnis. Überlegen Sie es sich also gut, denn: Ein bayerischer Knast ist kein Whirlpool!]

Thorsten Franke wollte seiner vollbusigen italienischen Eroberung just eine Zärtlichkeit erwidern, da kreischte die Sechsundzwanzigjährige schrill auf. Sofort riss der Gatte – übrigens gewandet in ein klassisches, rot-weiß kariertes Tischdeckenhemd, welches man drei Tage nach der Hochzeit in einem jener sogenannten Trachtenläden, die es an dem See zuhauf gab, erstanden hatte – den Kopf herum. Natürlich wacht ein frisch verheirateter Mann über das Glück seiner Braut wie der Bock über seine Rehe. Und man darf hier nichts beschönigen: Fiorella Frankes Schrei klang nach Angst, Gefahr und Tod. Nun lassen sich Leipziger in aller Regel von wenig, wenn nicht sogar von gar nichts umhauen. Doch was Thorsten Franke in diesem entscheidenden Moment erblickte, ließ auch ihm sofort das Blut in den Adern stocken: Mit einem Abstand von etwa vier Metern trieb hinter dem Linienboot, das wenige Minuten zuvor zur Großen Rundfahrt abgelegt hatte, ein menschlicher Körper. Dieser schwamm mit den Füßen voraus hinter dem Schiff her. Was war da los?

Als Thorsten Franke die Augen zusammenkniff, um genauer zu sehen, erkannte er, dass der leblose Körper von einem Strick gezogen wurde, welcher am Schiff befestigt sein musste. Der Anblick des Nadelstreifenanzugmannes hatte etwas Geisterhaftes und war genau das Gegenteil von dem, was man sich erhofft, wenn man nach der Vermählung seine Flitterwochen in einem bayerischen Naturparadies genießen will. Eine schöne Frau aus der Stadt Michelangelos möchte eine Woche nach ihrer Hochzeit keine Leiche im Wasser entdecken, nicht einmal, wenn sie einen Leipziger geheiratet hat. Als frisch verheiratete Frau träumt man von enthusiastischen Küssen in blühenden Bergwiesen, von händchenhaltenden Wanderungen vorbei an einsamen Almen, und von Begegnungen mit ehrlichen Landmenschen, die das Herz am rechten Fleck tragen und deren Gesichter graue Alm-Öhi-Bärte zieren, die bis zum Knie hängen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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