Beschreibung

Der Footballgott muss sich mit den New York Titans wohl einen Witz erlaubt haben, als er die Tochter des verstorbenen Teambesitzers zur neuen Chefin ernannt hat! Das glaubt jedenfalls Brian Palmer, Quarterback und Kapitän der Titans, als sich die skandalbehaftete Teddy MacLachlan mit Hippiekleidung, Bauchnabelpiercing und Flipflops dem Team vorstellt. Frauen können in der Welt des Footballs nicht bestehen, vor allem nicht wenn sie auf Räucherstäbchen und Meditationen abfahren. Football bedeutet Krieg, da haben Frauen nichts zu suchen – Brian hat keine Skrupel, das seiner neuen Chefin ins Gesicht zu sagen, doch die bricht wider Erwarten nicht in Tränen aus, sondern grinst ihn frech an. Anders als der Rest der Frauenwelt, die sich dem heißen Quarterback an den Hals wirft, legt sich Teddy mit ihm an und schlägt ihn mit den eigenen Waffen.

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Seitenzahl: 430

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Table of Contents

Title Page

Impressum

Newsletter

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

25. Kapitel

26. Kapitel

Epilog

Leseprobe „Verbotene Küsse in der Halbzeit“ (Band 4)

Die New York Titans-Reihe

Die Ashcroft-Saga

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebesroman

 

 

 

Make Love

und

spiel Football

 

 

Poppy J. Anderson

 

 

Band 3

 

 

 

 

 

 

 

1. Auflage Januar 2013

 

 

Copyright © 2013 by Poppy J. Anderson

Umschlaggestaltung Hafen Werbeagentur, Hamburg

Bildnachweis: (c) Masterfile/Royalty-Free

 

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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

 

 

 

 

Impressum

 

Poppy J. Anderson

c/o copywrite Literaturagentur

Georg Simader

Woogstr. 43

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P.S. Verpasst am Ende des Buches nicht die Leseprobe vom nächsten Band!

 

 

 

 

 

1. Kapitel

 

 

Genervt warf Brian Palmer, Quarterback und Kapitän der New York Titans, seine Sporttasche auf den Boden und pflanzte sich ungeduldig auf einen Stuhl. Seine langen Beine, die in verwaschenen Jeans steckten, streckte er von sich und griff nach seinem Handy, um seine Mails zu checken. Seinen Teamkollegen, die genauso wenig begeistert darüber waren, nach ihrem Training, das immerhin den halben Tag in Anspruch genommen hatte, in den Besprechungssaal gebeten worden zu sein, schenkte er keine Aufmerksamkeit, sondern sah frustriert, dass ihn seine Mom schon wieder angerufen hatte.

Wohl oder übel musste er sie später anrufen, auch wenn er eigentlich andere Dinge geplant hatte. Er hatte ein Date mit einer Jungschauspielerin, die ambitioniert an ihrer Karriere arbeitete. Dass sie gleichzeitig ebenso ambitioniert daran arbeitete, sich einen knackigen Hintern anzutrainieren und in Größe 32 zu passen, empfand Brian nicht als Hinderungsgrund – ganz im Gegenteil. Bevor er also Lori in ein hübsches Restaurant ausführen würde, müsste er seine Mom anrufen und nachfragen, worum es ging, obwohl er es sich denken konnte. Seit sich Brians Stiefvater von seiner Mutter getrennt hatte, war Linda Palmer-Higgins völlig auf sich gestellt und wirkte meistens hilflos. Da sie in Georgia lebte, konnte Brian jedoch von New York aus wenig tun. Wenn er ehrlich war, hatte er außerdem kein Mitleid mit seiner Mom. Sein Stiefvater war ein cholerischer Mistkerl, der dafür verantwortlich gewesen war, dass Brian und Linda lange Zeit kaum Kontakt zueinander gepflegt hatten. Wenn sich Carl Higgins nicht von seiner Frau getrennt hätte, würde Linda ihren Sohn immer noch vergessen haben und den Teufel tun, um ihn anzurufen.

Vielleicht war Brian zynisch, aber er war sich ziemlich sicher, dass seine Mutter rein opportunistisch handelte und ihren Sohn nur deshalb um sich haben wollte, um nicht allein zu sein. Darauf konnte er verzichten.

Seufzend rutschte er tiefer in seinen Stuhl und löschte die unzähligen Werbemails. Hoffentlich dauerte diese ominöse Besprechung nicht allzu lange, denn er hatte keine Lust, den ganzen Tag hier zu versauern, während Lori kein Höschen tragen würde, wie sie ihm beim letzten Mal versprochen hatte.

„Ich habe gerade mitgehört, wie der Coach mit Archie von der PR gesprochen hat“, erklang hinter ihm eine Stimme. Gelangweilt entschied sich Brian, weiter sein Postfach via Handy zu checken und sich nicht umzudrehen.

„Na und?“ Eine andere Stimme hallte hinter ihm durch den Raum.

„Du bist auch nur blöd, oder O’Neill?!“

„Schnauze!“

„Jetzt beruhigt euch“, mischte sich eine dritte, leicht autoritäre Stimme ein, nachdem sich der Runningback und ein Noseguard beinahe geprügelt hätten. Desinteressiert blickte Brian über die Schulter. Zwei seiner Teamkameraden standen sich wütend gegenüber, während ein dritter sie auseinander zu halten versuchte. Es sah ganz danach aus, als würde sich zwischen den bulligen Muskelbergen eine handfeste Prügelei entwickeln.

Viele Footballspieler wirkten mit ihren fleischigen und bärenähnlichen Körpern wie aufgepumpte Riesen, denn ihr Job war es, ihre Teamkollegen vor Angriffen der feindlichen Mannschaft zu beschützen. Brian als Quarterback dagegen war zwar groß und ebenfalls muskulös, aber von ihm wurde Wendigkeit und Schnelligkeit gefordert, weshalb seine Statur viel athletischer wirkte als die der stiernackigen Tackles, die sich jetzt gerade angriffslustig gegenüberstanden.

„Du bist ein blöder Penner ...“

„Ich stopf dir gleich dein Maul!“

„Verdammt, haltet beide die Klappe!“

Brian zuckte mit der Schulter und blickte wieder auf sein Handy. Football unterschied sich kaum vom Wilden Westen, in dem Männer wegen harmloser Beleidigungen erschossen worden waren. Beim Football wurden sie dagegen lediglich in den Boden gerammt und hatten meistens sogar Freude daran.

Andere Spieler pfiffen enttäuscht, da sich die vermeintliche Prügelei in Luft auflöste. Ein paar Schläge auf einige Köpfe hätten so manchem hier gut getan, entschied Brian innerlich. Zwar hatten die Titans in der zurückliegenden Saison die NFC-Meisterschaft gewonnen und waren im Superbowl nur knapp geschlagen worden, aber seit Wochen lief einiges im Verein schief, nachdem der Besitzer George MacLachlan ganz plötzlich an einem Herzinfarkt gestorben war. Die Spieler waren verunsichert, da einige momentan in der Luft hingen. Verträge konnten nicht unterschrieben werden, was bedeutete, dass sie nicht wussten, ob sie auch in der kommenden Saison für die Titans spielen würden oder sich lieber schnell einen anderen Verein suchen sollten. Glücklicherweise hatte Brian seinen neuen vier-Jahres-Vertrag erst kurz vor dem Tod des früheren Besitzers unterschrieben und musste sich darum keinen Kopf machen. Er spielte gerne für die Titans und hatte keine Lust, zu einem anderen Verein zu wechseln, auch wenn ständig versucht wurde, ihn abzuwerben. Was aber nicht hieß, dass ihm die momentane Situation nicht auf den Sack ging.

Niemand im Verein war wirklich handlungsbefugt, denn der Erbschaftsstreit war noch im vollen Gang. George MacLachlans Testament war nur teilweise veröffentlicht worden, so dass niemand wusste, wer jetzt das Footballteam geerbt hatte, das in der letzten Saison unglaublich erfolgreich gewesen war. Natürlich wollten sie weiter erfolgreich sein, aber ohne eine starke Führung und sichere Rückendeckung würde es ihnen kaum gelingen. Brian gab es nicht gerne zu, aber er war angepisst, dass sich der Erfolg seines Teams wegen dämlicher Erbschaftsstreitereien innerhalb einer reichen Clique von versnobten Erben in Luft auflösen könnte. Daher war es kein Wunder, dass er keine Lust hatte, hier zu sitzen und vermutlich wieder nicht vernünftig aufgeklärt zu werden, was jetzt eigentlich Sache war.

„Hey“, sein Freund und liebster Passempfänger Julian Scott ließ sich neben ihm auf einen Stuhl fallen. „Weißt du, warum wir alle hergerufen wurden?“

„Keine Ahnung“, er schob das Handy in seine Jeanstasche.

Julian sah nervös auf seine Uhr.

„Noch ein heißes Date?“, fragte Brian scherzhaft und blickte zu seinem Kumpel, der sich verlegen durch die blonden Haare fuhr.

Er lächelte, „Liv und ich haben heute den ersten Ultraschalltermin.“

„Wie geht es denn meiner Süßen?“

Schnaubend drohte Julian ihm mit einer Faust, was natürlich nur Show war, da Brian keine Konkurrenz darstellte.

Brian war froh, dass sein Teamkollege so glücklich war und Vater wurde. Julian und Liv hatten in den letzten Jahren schlimme Dinge durchmachen müssen, waren jetzt aber auf dem besten Weg, eine von diesen perfekten Ehen zu führen, die ein Leben lang hielten. Merkwürdigerweise war sich Brian sogar ziemlich sicher, dass deren Ehe halten würde, auch wenn er ein zynischer Mistkerl war, was Ehe, Treue und Liebe betraf. Zu oft war er selbst Nutznießer von kaputten Ehen gewesen, als dass er sich diesem Chaos aussetzen wollte. Da hielt er es lieber mit kleinen, heißen Affären, die vorüber waren, bevor man sich darüber streiten konnte, wer mit dem Abwasch dran war. Im letzten Jahr hatte er eine Beziehung mit Claire geführt, Livs bester Freundin. Nach wenigen Wochen war jedoch die Luft raus gewesen, was beide gleichzeitig gemerkt hatten. Claire träumte insgeheim von Babys und gemeinsamen Sparkonten, doch sie hatte gewusst, dass Brian nicht der Typ dafür war. Dieser Einsicht war es zu verdanken, dass beide sich weiterhin verstanden und befreundet waren. Claires neuer Freund schien auf einer Wellenlänge mit ihr zu liegen, denn sie waren bereits zusammengezogen, was Brian ehrlich freute.

„Liv geht es gut. Ihr ist ein wenig übel am Morgen, aber ansonsten geht es ihr fabelhaft.“

„Gib ihr ein Küsschen von mir. Wir sehen uns ja morgen.“

„Mach ich.“ Julian grinste und sah wieder auf die Uhr. „Ich warne dich lieber vor. Sie will selbst kochen, anstatt sich etwas liefern zu lassen.“

Brian konnte sein Erschrecken kaum verbergen. Liv war eine der liebsten Personen, die er kannte, und er würde für sie durchs Feuer gehen, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass sie einfach nicht kochen konnte. „Warum das denn?“

„Typischer Nestbautrieb während der Schwangerschaft, vermute ich. Sie will sich absolut gesund ernähren und kauft nur noch im Bioladen ein.“

„Oh Mann. Ich frage lieber nicht, was sie kochen will.“

„Genau, frag lieber nicht“, gluckste Julian.

Mittlerweile war Brian nicht nur Julians bester Freund und Livs liebster Gast, sondern hatte bei ihrer Hochzeit vor einigen Monaten sogar den Trauzeugen gespielt. „Es ist ihr Geburtstag, Scott! Kannst du sie nicht vom Kochen abhalten, indem du was von Ehrentag und Schonung laberst?

„Was denkst du denn, was ich seit Tagen probiere?“ Seufzend schüttelte er den Kopf, „vielleicht spreche ich es später nach dem Termin beim Frauenarzt an. Wir können wirklich lieber Pizza bestellen.“

„Gute Idee.“

Wieder blickte Julian auf seine Uhr, „wie lange dauert das denn? Ich will nicht zu spät zum Arzttermin kommen.“

„Werdet ihr den Arzt fragen, was es wird?“

„Oh Mann, Palmer“, der Wide Receiver verdrehte die Augen, „das kann man jetzt überhaupt noch nicht sehen.“

„Schon gut, schon gut“, feixend hob Brian die Hände hoch.

„Hey“, der Runningback Blake O’Neill beugte sich von hinten zu ihnen. „Verdammte Scheiße! Eddie meint, er hätte gehört, dass uns gleich unsere neue Teambesitzerin vorgestellt wird!“

„Teambesitzerin?“ Julian zischte die Luft durch seine Zähne.

„Scheiße“, erwiderte auch Brian voll Inbrunst. „MacLachlans Frau ist jetzt unsere Teambesitzerin?“ Das Entsetzen war ihm ins Gesicht geschrieben. Ihm war die Witwe seines früheren Arbeitgebers nur ein paar Mal begegnet, aber jedes Mal war sie nervös und kurz vor einem Tränenausbruch gewesen. Als typische Highsociety-Dame mit Perlenkette um den Hals und Angora-Jäckchen kümmerte sie sich um Charity-Projekte und schien sich für Football nicht die Bohne zu interessieren.

„Keine Ahnung ...“

„Nein“, ein weiterer Spieler beugte sich nach vorne, „nicht seine Frau! Seine Tochter hat das Team geerbt.“

„MacLachlan hatte eine Tochter?“ Blakes Augenbrauen schossen in die Höhe. „Habt ihr jemals eine Tochter von ihm gesehen?“

„Nein ...“

„Noch nie ...“

„Ich hab gehört, sie soll in Europa leben“, der monströse Tackle Dupree Williams beugte sich von links zu ihnen.

„Krasse Scheiße“, fluchte Eddie los, „Europäer haben keinen Schimmer von Football!“

„Diese Pussys spielen nur Fußball“, abfällig schüttelte Blake den Kopf.

Julian kam auf das Offensichtliche zu sprechen, „seine Tochter muss schon älter sein. Schließlich sind die MacLachlans nicht mehr die Jüngsten.“

„Verheiratet soll sie nicht sein.“

Nachdenklich kratzte sich Dupree am Kinn, „hab im Internet gelesen, dass sie Theodora heißt. Wenn das mal nicht der Name einer alten Tante ist ...“

„Theodora“, Brian schnaubte, „eine unverheiratete, alte Kampflesbe ... freut euch auf unser Sommerpicknick, Jungs. Gebratene Tofuwurst und grüner Tee aus ökologischem Anbau erwarten uns.“

Seine Kameraden stöhnten auf und setzten sich sofort ordentlich hin, als ihr Coach den Raum betrat und mit festem Schritt ans Podium trat. John Brennan, der nur einige Jahre älter als Brian war und vor zehn Jahren selbst als Quartback für die Titans gespielt hatte, beugte sich zu seinem Team, das angespannt auf den Stühlen saß.

„Jungs, wir wollen euch nicht lange aufhalten, also wird das hier nur eine kurze Vorstellung werden. Sicher habt ihr genauso ungeduldig darauf gewartet, zu erfahren, wer Mr. MacLachlans Nachfolge antreten wird.“ Er fixierte seine Spieler streng, „um es kurz zu fassen, seine Tochter hat den Verein geerbt“, wegen des lauten Aufstöhnens wurde seine Miene eisig, „ich will kein Genörgel und keine chauvinistischen Äußerungen hören, wenn sie euch gleich vorgestellt wird. Miss MacLachlan wird die Pläne und Vorstellungen ihres Vaters sicherlich nicht ändern.“

„Mal ehrlich, Coach“, Brian lehnte immer noch lässig auf seinem Stuhl, „ich bin kein Chauvi oder Sexist, aber eine Frau als Teambesitzerin?“

„So was will ich schon gar nicht hören, Rabbit“, fuhr ihn sein Coach an und verwendete seinen verhassten Spitznamen, „Miss MacLachlan hat mehrere Universitätsabschlüsse und ist mehr als kompetent, die Arbeit ihres Vaters zu übernehmen.“

Großer Gott, dachte Brian angewidert, ein weiblicher Bücherwurm, der keine Ahnung von Football hatte. Das schienen seine Kollegen ebenfalls zu denken, denn sie verdrehten alle entsetzt die Augen. Der Coach hätte ihnen sicherlich den Kopf gewaschen, wenn es in diesem Moment nicht an der Tür geklopft hätte. Eine Praktikantin führte die neue Besitzerin herein, deren graue Locken und beiges Kostüm sie streng wirken ließen.

„Sie sieht wie eine Gouvernante aus“, flüsterte Blake von hinten. Brian konnte ihm nur zustimmen. Die junge Praktikantin beachtete er nicht weiter, was sowohl ein Wunder als auch eine Schande war, da ihre Kleidung auf Geschmacksverirrung hindeutete, während die langen Beine nackt sicher spektakulär sein mussten. So schweifte sein Blick jedoch zu der Frau, die von nun an seine Gehaltsschecks unterschreiben würde.

Die wirkte völlig nervös, blass und wenig erfreut, in einen Raum gesperrt zu werden, in dem es Testosteron im Überfluss gab. Genau wie ihre Mutter schien sie gleich in Tränen auszubrechen. Sicher bekäme sie einen hysterischen Schreikrampf, wenn zwei der Footballspieler sich neckende Beleidigungen an den Kopf werfen würden, wie es unter Teamkollegen der Fall war.

„Danke, Marge.“ Der Coach lächelte die beiden Frauen an, woraufhin die neue Teambesitzerin schlagartig den Raum verließ und die junge Praktikantin stehen ließ.

Brian kniff verwirrt die Augen zu. Das fing ja gut an!

„Jungs, darf ich euch Miss MacLachlan vorstellen?“

Theodora MacLachlan hob lässig die Hand, schlenderte zum Podium, wobei silbrig glänzende Fußnagelringe zwischen den Flipflops zu sehen waren.

Brian war nicht der einzige Footballspieler, dem es die Sprache verschlagen hatte.

Ein Teenager hatte den Verein geerbt!

Der Teenager schien zudem ein wilder Feger zu sein, weil Brian ein Bauchnabelpiercing entdeckte, als die Teambesitzerin John Brennan die Arme um den Nacken schlang und das langärmelige Shirt hochrutschte, um den Blick auf einen glitzernden Stein am Bauch freizugeben.

Fassungslos saß eine ganze Mannschaft hart gesottener NFL-Spieler auf ihren Stühlen und beobachtete eine blutjunge Frau mit honigfarbenen Haaren, die einen ordentlichen Schnitt brauchten, wie sie den respektvollen Trainer herzte und abknutschte. Nicht nur die unordentliche Frisur passte nicht zum Image einer Frau, die soeben ein millionenschweres Footballteam geerbt hatte. Die Kleine sah aus, als käme sie soeben aus einer Hippie-Kommune oder von einem Festival. Sie trug löchrige Jeans, Flipflops und ein Shirt, auf dem Bob Marley abgedruckt war. Die unzähligen Ketten und Armreifen an ihren Handgelenken klapperten und klimperten, als sie das Gesicht des Coachs umfasste und ihm einen fetten Schmatzer auf die Wange drückte.

„Teddy“, wehrte John Brennan verlegen den Wangenkuss ab und wurde sogar rot.

Teddy?

„Hab dich nicht so, John“, die rauchige Stimme wollte so gar nicht zum jugendlichen Gesicht passen, aus dem bernsteinfarbene Augen glühten, „wir haben uns ewig nicht gesehen!“

Wenn die Kleine jetzt auch noch eine Verliebtheit zum Coach entwickelte, würde sich Brian erschießen, gelobte er. Damit wäre die Saison schon jetzt im Arsch.

Auch seine Mitspieler schienen solche Gedanken zu hegen, da sie langsam unruhig wurden.

Teddy MacLachlan ließ sich dadurch nicht irritieren, sondern hüpfte leichtfüßig auf den Tisch, der auf dem Podium stand, und setzte sich auf die Tischplatte, während ihre beinahe nackten Füße in der Luft baumelten. Sie war die absolute Lässigkeit in Person und musterte die Ansammlung von fassungslosen Spielern mit neugierigen Blicken.

„Hi, mein Name ist Teddy und ich bin die neue Titans-Besitzerin“, sie schnitt eine Grimasse, „verdammt, das hört sich ja wie bei den anonymen Alkoholikern an.“ Sie winkte lässig ab, „noch einmal von vorne. Also, ich bin Theodora MacLachlan, würde mich jedoch freuen, wenn ihr einfach Teddy sagt. Ich bin zu jung, um von euch hofiert zu werden. Es tut mir leid, euch mit dem hier“, sie machte eine vage Handbewegung, „überfallen zu haben, aber ich wollte nicht versäumen, euch kennenzulernen, und komme gerade erst vom Flughafen. Die Verwaltung hat mir soeben erzählt, dass es in den letzten Wochen Probleme mit einigen Verträgen gab, wofür ich mich bei euch entschuldigen muss. Darum werde ich mich als erstes kümmern.“

Brian schnitt eine Grimasse. Die Kleine war nicht einmal alt genug, um legal Alkohol kaufen zu dürfen, und sprach hier von Verträgen. Er kam sich vor, als säße er in einem Paralleluniversum. Das Hippiemädchen schwafelte weiter von Lizenzen, Vertragsverlängerungen und Gemeinschaftsklauseln, wobei sich Brian fragte, wer ihr das eingetrichtert hatte. Jemand, der eine gepiercte Augenbraue hatte, beinahe barfuß war und ein Shirt mit dem Bild des größten Kiffers des letzten Jahrhunderts trug, war sicher nicht in der Lage, ein millionenschweres Sportimperium wie das der Titans zu führen. Da er nicht viel von Höflichkeit hielt, wenn es um seinen Job ging, drückte sein Gesichtsausdruck genau diese Haltung aus. Sie schien es bemerkt zu haben, da sie umgehend ihre bernsteinfarbenen Augen auf ihn richtete und ihn fragend ansah.

„Mr. Palmer, Sie sehen sehr unglücklich aus. Kann ich Ihnen irgendwie weiterhelfen?“

Im ersten Moment war er irritiert, dass sie überhaupt wusste, wer er war, setzte dann jedoch ein lässiges Lächeln auf. „Ich habe tatsächlich eine Frage, Süße.“

„Palmer!“ John Brennan sah ihn aufgebracht an.

„Schon gut, John“, sie schien sogar amüsiert zu sein und bedachte Brian mit einem unbeeindruckten Blick, „mit Dominanzgehabe kenne ich mich aus.“

Ihre Ruhe brachte Brian auf die Palme. Vielleicht fand sie die ganze Situation lustig und war darüber entzückt, ein Profifootballteam als persönlichen Spielplatz anzusehen, aber die NFL war eine ernste Angelegenheit – vor allem für die Spieler und die Mitarbeiter, deren Existenzen davon abhingen. Er wollte nicht mitansehen, wie die reiche Tochter seines früheren Arbeitgebers auf ihrem Selbstfindungstrip alles kaputt machte, was sich die Titans in letzter Zeit mühsam aufgebaut hatten.

Auffordernd hob sie die Hand, „bitte, Mr. Palmer. Was kann ich für Sie tun?“

„Schätzchen, Sie könnten einiges tun, doch dann hätte ich bestimmt eine Klage wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz am Hals.“

Eigentlich hatte er mit einer schockierten Reaktion gerechnet, doch Teddy MacLachlan sah ihn abschätzend an und hob mit einem spöttischen Lächeln die rechte Augenbraue hoch, was ihn fast zur Weißglut brachte.

„Soll ich das als Frage verstehen, Mr. Palmer?“

Sein Gesicht verschloss sich, „ganz und gar nicht. Meine Frage bezieht sich eher auf Ihre Qualifikation, ein Profifootballteam zu leiten.“

Hinter ihm tuschelten seine Kameraden miteinander und schienen erleichtert, dass ihr Kapitän das zur Tagesordnung machte.

„Wollen Sie wissen, ob ich die nötigen Voraussetzungen mitbringe, in die Fußstapfen meines Vaters zu treten?“ Ihre Mundwinkel kräuselten sich amüsiert.

Sein Coach war weniger belustigt und warf ihm solch zornige Blicke zu, dass er die nächste Trainingseinheit fürchtete. „Palmer, ich werfe dich eigenhändig raus, wenn du nicht langsam etwas Respekt zeigst!“

„Respekt muss man sich erst verdienen.“

Komischerweise kamen diese Worte nicht von Brian, sondern von Teddy MacLachlan selbst, die verständnisvoll mit der Schulter zuckte, „es ist kein Problem für mich, wenn jemand seine Bedenken äußert.“

„Für dich vielleicht nicht, Teddy, aber für mich“, John Brennan sah mit durchbohrenden Blicken durch die Reihen.

„John“, ihre Stimme klang plötzlich ein wenig autoritär, worüber sich nicht zuletzt der Coach selbst wunderte, der sie fragend ansah, „Mr. Palmer hat eine völlig legitime Frage gestellt, damit kann ich umgehen. Ich würde sie gerne beantworten.“

Der Coach musste dies akzeptieren, sah Brian jedoch weniger freundlich an.

Die blutjunge Teambesitzerin räusperte sich, „seien Sie versichert, Mr. Palmer, dass ich sehr wohl fähig bin, die Arbeit meines Vaters fortzusetzen. Ich kenne mich mit der Arbeit des Vereins aus und habe Abschlüsse im Finanzwesen, der Betriebswirtschaftslehre und im Unternehmensmanagement gemacht.“

Brian verschränkte die Arme vor der Brust und blickte weiterhin finster, „das heißt jedoch nicht, dass Sie Ahnung von Football haben, Schätzchen.“

Ihr Gesicht blieb uneingeschränkt freundlich, als sie zuckersüß antwortete, „nun, ich weiß jedenfalls, dass Ihre Passrate in der vergangenen Saison bei 103,1 lag, obwohl Sie vier Jahre früher auch schon eine Rate von 104,8 geschafft haben. Pro Spiel werfen Sie 283 Yards und mit 4,6 Sekunden auf 40 Yards sind Sie nur 0,3 Sekunden langsamer als Yamon Figurs, der bislang den Rekord hält. Ach ja, Ihr derzeitiger Körperfettanteil liegt bei 17,2 Prozent, was bedeutet, dass Sie genau 2,3 kg abnehmen sollten.“

Hatte sie ihn eben fett genannt und auf sein Alter angespielt? Brian schwankte zwischen Fassungslosigkeit und Entsetzen, während er diese freche Göre mit dem grauenhaften Haarschnitt ansah, die sich amüsiert auf dem Konferenztisch räkelte und seinem Coach etwas zuflüsterte, der daraufhin vergnügt prustete.

„Du solltest den Mund schließen“, raunte ihm Julian lachend ins Ohr.

Brian fand das weniger komisch. Normalerweise war er ein Spaßvogel, aber von seiner neuen Teamchefin vorgeführt zu werden, passte ihm überhaupt nicht.

Teddy MacLachlan wendete den provozierenden Blick ab und sah zu den anderen Spielern, „Jungs, ich kann eure Bedenken wirklich verstehen, aber ich versichere euch, dass ich alles tun werde, was dem Team und dem Verein nutzen wird. Meinem Vater haben die Titans alles bedeutet und er wollte stets das Beste für den Verein. Ich bin festentschlossen, daran anzuknüpfen. Falls ihr Probleme, Fragen oder irgendwelche anderen Anliegen habt, steht meine Tür immer für euch offen.“

Brian hörte nur mit halbem Ohr zu, wie ein Teamkollege eine Frage zu seinen Verträgen stellte, die Teddy MacLachlan mit ernster Miene beantwortete. Dafür beobachtete er sie intensiv und versuchte nicht einmal, seine finsteren Blicke zu kaschieren. Er war viel zu verblüfft und verärgert über ihre Dreistigkeit. Verdammt, woher kam dieses Mädchen überhaupt? Er spielte seit zwei Jahren für die Titans und hatte sie nie zuvor gesehen – geschweige denn, dass er eine Ahnung davon gehabt hatte, dass sein ehemaliger Chef überhaupt eine Tochter hatte. Sie dagegen schien sehr gut über ihn und alle anderen Spieler informiert zu sein, weil sie jeden Fragesteller mit Namen ansprach. Auf den unzähligen Events der letzten beiden Jahre hätte er sie sicher bemerkt, denn wie konnte man jemanden mit einer solchen Frisur nicht bemerken?

Er fühlte sich benachteiligt. Das gefiel ihm am allerwenigsten.

„Ich denke, dass wir langsam Schluss machen können“, John Brennan sah Teddy MacLachlan fragend an, „du wirst dich ja in den nächsten Tagen um die Vertragsverlängerungen kümmern.“

Sie nickte und erklärte, als die Spieler auf ihren Stühlen hin und her rutschten, als wollten sie jeden Moment aufspringen, „eine Sache wäre da noch.“

Frustriert sank das Team zurück, als müsste es sich in sein Schicksal fügen.

„Wie ich erfahren habe, beginnt der Mannschaftsurlaub übermorgen, weshalb ich vorher mit euch über etwas reden will.“ Sie setzte sich aufrechter hin und legte den Kopf ein wenig schief, während sie sich durch die zerzausten Haarnester auf ihrem Kopf fuhr, „in ein paar Wochen findet der alljährliche Benefizlauf für die Brustkrebshilfe statt, für die die Titans immer einen Scheck ausgestellt haben. In diesem Jahr würde ich es gerne anders handhaben und brauche eure Unterstützung dafür.“

Als wäre er wieder einmal das Sprachrohr seiner Kameraden, blickten sie kollektiv zu ihm. Er seufzte auf, weil ihm wirklich nicht der Sinn danach stand, mit der nervtötenden Hippiebraut länger als nötig zu reden. Das Gekicher von Al Rory, dem riesigen Center der Titans, schräg hinter ihm, unterbrach das Gequatsche der neuen Besitzerin, die diesen verwirrt ansah.

„Stimmt irgendetwas nicht, Mr. Rory?“

„Mach dir nichts draus, Teddy“, der Coach schüttelte genervt den Kopf, „sobald Al das Wort Brust hört, kichert er los.“

Wieder kicherte der massive Center hinter seiner Hand auf, während seine Teamkameraden die Augen verdrehten. Vor allem in der Umkleidekabine störte das pubertierende Gekicher des Centers ungemein, weil dies der Ort war, an dem mehr nackte Brüste und andere nackte Tatsachen kommentiert wurden als irgendwo sonst. Das Leben eines Footballspielers war genauso, wie man es sich vorstellte. Es bestand aus Sex und noch mehr Sex. Noch bevor das Team ein Hotel betrat, konnte man die Groupies entdecken, die scharf darauf waren, es mit einem Footballspieler zu treiben, und sich wenig zurückhaltend verhielten. Der Center dagegen benahm sich wie ein zehnjähriger Chorknabe, der den BH seiner Schwester entdeckt hatte, anstatt wie ein erwachsener Mann, der mehr Weibern die Blusen öffnen könnte als ein Gynäkologe.

„Ach so“, Teddy MacLachlan schaute wieder in die Runde, „jedenfalls wäre meine Idee, dass wir mit dem Team an dem Benefizlauf teilnehmen und den Erlös spenden. Das ist viel persönlicher als ein simpler Scheck. Außerdem signalisieren die Titans damit, dass ihnen auch die weiblichen Fans am Herzen liegen.“

Die Spieler erstarrten und blickten sich hilfesuchend an. An einem Benefizlauf zugunsten von Brustkrebspatientinnen teilzunehmen, gehörte nicht zum Traum eines Spielers in der NFL. Vielleicht klang es herzlos und unsensibel, aber Football war kein Ort von politischer Korrektheit.

Als niemand etwas sagte, erbarmte sich Brian, schließlich war er nicht umsonst der Kapitän, „sollen wir vielleicht auch noch rosa Schleifchen tragen?“

„Das wird sich bestimmt machen lassen, Mr. Palmer“, lächelte sie unverbindlich.

Er runzelte die Stirn, „wir stellen Ihnen gerne einen Scheck aus, aber lassen uns nicht durch den Central Park treiben, weil Sie gute Presse haben wollen!“

„Das hat nichts mit guter Presse zu tun“, erwiderte sie ruhig, doch Brian sah, dass ihre Augen wütend blitzten, was ihm ein perverses Gefühl von Genugtuung verschaffte.

„Schätzchen, nur weil wir Footballspieler sind, müssen Sie uns nicht für dumm verkaufen. Sie wollen ein Foto in der Times haben, auf dem wir wie Ihre persönliche Leibgarde mit pinken Shirts während des Spendenlaufs zu sehen sind. Aber da machen wir nicht mit.“

Zustimmendes Gemurmel erklang hinter ihm.

Sie seufzte auf, „warum sind Sie so stur? Es ist für einen guten Zweck.“

„Wir sind Footballspieler und keine trainierten Gorillas, die pink tragen und nach Ihrer Pfeife tanzen.“

„Das verlangt auch niemand“, interessiert vorbeugend zwitscherte sie, „was stört Sie denn am meisten an meinem Vorschlag? Der 10 Kilometerlauf oder die Aussicht, eine pinke Schleife am T-Shirt zu tragen?“

„Beides“, erwiderte er fest.

„Dann sollten Sie sowohl an Ihrer Kondition arbeiten als auch über Ihr Problem bezüglich sexueller Orientierung nachdenken.“

„Hören Sie mal ...“

Der Coach räusperte sich amüsiert und unterbrach beide Streithähne, „der Spendenlauf ist eine gute Idee.“

„Wir wollen uns nicht vorführen lassen“, Brian sah sie abschätzig an.

„Oder Sie haben Angst sich zu blamieren“, sie zuckte mit der Schulter.

„Ich bin Profisportler. Zehn Kilometer sind keine Strecke für mich!“

„Ach!“

„Wenn Sie so versessen auf diesen Spendenlauf sind, können Sie ja selbst dran teilnehmen und sich zum Affen machen“, er verzog den Mund zu einer ironischen Geste.

„Palmer“, erklang wieder die warnende Stimme seines Coachs, aber Brian hatte genug von dieser ausgeflippten Göre, die hier hereinspazierte und ihnen solche Schnapsideen aufzwang.

„Soll das eine Herausforderung sein, Mr. Palmer?“ Sie lächelte heiter.

Er schnaubte, „was schlagen Sie denn vor? Eine Wette, wer schneller im Ziel ist?“ Sein ironischer Unterton war nicht mehr zu überhören.

„Wenn Sie das wünschen.“ Ihre zuckersüße Miene machte ihn rasend.

Ihr Vorschlag klang so abwegig, dass er halb ernst, halb sarkastisch hinzufügte, „warum machen wir nicht einen Halbmarathon draus, Süße, und der Verlierer schuldet dem anderen einen Strip?“

Sie erhob sich vom Tisch, sprang vom Podium und stand plötzlich vor ihm, um ihm die Hand zu reichen, „abgemacht.“

 

 

 

2. Kapitel

 

Teddy MacLachlan stand im Flur der herrschaftlichen Wohnung ihrer Eltern und legte ihr Gepäck unbehaglich auf dem glänzenden Marmorboden ab, während sie sich unsicher umsah. In der eleganten Wohnung in der Upper East Side hatte sich in den letzten Jahren nichts geändert. Noch immer schmückten Kronleuchter die Decken und antike Kandelaber hingen an den Wänden, um die erlesenen Kunstwerke perfekt zu beleuchten. Anstatt des dunklen Caravaggio hing jetzt jedoch rechts von ihr ein bunter Renoir und wirkte viel fröhlicher. Nicht dass Teddy sich von dieser Fröhlichkeit hätte anstecken lassen können! Die schlimmste Begegnung des heutigen Tages stand ihr noch bevor.

Ihre Mutter trat aus dem Salon und blieb in der Tür stehen, um sie zu mustern. Teddy sah sofort, dass sie ihr immer noch nicht verziehen hatte, und ließ die Schultern sinken. Die letzten vier Tage waren ein furchtbares Durcheinander gewesen und hatten sie an den Rand eines Nervenzusammenbruches gebracht, daher hätte sie nichts lieber gesehen, als dass ihre Mutter sie in die Arme schließen würde. Doch ein Blick auf die steife Haltung von Majory MacLachlan reichte aus, um Teddy davon zu überzeugen, dass sich nichts geändert hatte.

„Du bist zurück.“

„Hallo, Mom“, sie vergrub die Hände in ihrer Daunenjacke und lächelte zaghaft. Sie hatten sich das letzte Mal vor drei Jahren gesprochen und auch dort nur Höflichkeiten ausgetauscht, weil Teddys Dad dabei gewesen war, der ihr im Gegenteil zu seiner Frau niemals krumm genommen hatte, was passiert war. Damals hatten ihre Eltern eine Europareise unternommen und Teddy in Lancaster besucht, wo sie ihr Managementstudium betrieben hatte. Das gemeinsame Abendessen war eine heikle Sache gewesen, weil Majory genauso steif wie jetzt auf ihrem Stuhl gesessen und kaum ein Wort gesprochen hatte. Für Teddy war es eine Tortur gewesen und sie hatte sich ständig eingebildet, dass ihre Mutter sie wie ein FBI-Ermittler musterte. Allein ihr Dad hatte ihr den Abend versüßt, denn sein Stolz und seine Zuneigung waren kaum zu überbieten gewesen. Oh Gott, sie vermisste ihn so!

Bei dem Gedanken an ihren Dad schnürte sich ihre Kehle zu. Erst vor zwei Monaten hatten sie miteinander telefoniert und eine gemeinsame Reise nach Indien geplant, sobald ihr Projekt in Südamerika beendet wäre. Er hatte so gesund, glücklich und euphorisch geklungen. Wie konnte er nur drei Wochen später an einem Herzinfarkt sterben! Ihr Vater hatte ihr alles bedeutet und sie ertrug den Gedanken nicht, dass sie ihn nie wiedersehen würde. Während dieser vermaledeiten Vorstellungsrunde im Verein hatte sie ständig den Schmerz unterdrücken müssen, ihren Vater verloren zu haben, und war so fröhlich wie möglich erschienen.

„Elise hat dein altes Zimmer hergerichtet.“ Majory strich sich den Ärmel ihres schwarzen Kaschmir-Cardigans glatt und richtete anschließend die weiße Perlenkette, die um ihren Hals hing.

Keine Frage nach ihrer Reise oder nach ihrem Befinden kamen über die verkniffenen Lippen ihrer Mutter, dabei sah sie selbst so schrecklich mitgenommen aus, so dass man jedes einzelne ihrer 78 Jahre sehen konnte.

„Mom, wie geht es dir? Du siehst müde aus.“ Besorgt legte Teddy den Kopf schief.

„Mein Mann ist tot – wie soll es mir schon gehen?“ Ihre Haltung wurde so steif, dass sie jeden Moment in zwei Teile hätte brechen können. „Weißt du eigentlich, wie furchtbar es war, dass sein einziges Kind nicht an seiner Beerdigung teilgenommen hat?“

Teddy schluckte und spürte, wie ihre Augen feucht wurden. „Du kannst mir glauben, dass ich selbst schrecklich untröstlich darüber bin. Von Dads Tod habe ich erst vor vier Tagen erfahren und bin sofort nach New York geflogen.“

Der starre Blick ihrer Mutter wurde nicht weicher.

„Mom, ich war mitten in Bolivien. Ohne Handyempfang, Strom oder Internet.“

„Dein Vater hat alles für dich getan, Teddy.“ Ihre Mutter begann zu weinen, „ich hätte ein bisschen mehr Anteilnahme von dir erwartet.“ Sie drehte sich um und verschwand im Salon, dessen Türen sie schloss. Mit einem furchtbar schlechten Gewissen und einem Kloß im Hals blieb Teddy im Flur stehen und wischte sich die ungebetenen Tränen weg. Zitternd griff sie nach ihren Reisetaschen und trottete den langen Flur entlang, in dem es genauso roch wie in ihrer Kindheit und Jugend. Es hatte sich wirklich nichts geändert. Auch ihr Zimmer sah noch genauso aus wie vor zehn Jahren, als sie ausgezogen war.

Sie schaltete das Licht an, warf ihren verschlissenen Rucksack auf das Bett, legte die Taschen auf den Boden und sank auf die Matratze. Ihre Augen starrten auf die verspielte Spitze am Betthimmel über ihr, während sie die letzten Tage Revue passieren ließ.

Sobald sie die Nachricht erhalten hatte, dass ihr Dad gestorben war, hatte sie sich auf den Weg zum Flughafen gemacht. Sie hatte ewig gebraucht, um aus dem Nationalpark

Obwohl sich Teddy vor großen Herausforderungen nicht scheute, fragte sie sich verzagt, wie sie das alles bewältigen sollte. Von klein auf hatte ihr Dad klargemacht, dass er es gerne sähe, wenn sie eines Tages bei den Titans arbeitete, aber dass er ihr den Verein vererben würde, hatte sie nicht erwartet. Nicht nach allem, was passiert war.‬

Teddy brauchte eine Dusche, eine richtige Mahlzeit und eine gute Portion Schlaf, weil es an allem gemangelt hatte, während sie unterwegs gewesen war. Herr im Himmel, sie trug immer noch die gleiche Kleidung, die sie vor vier Tagen angezogen hatte, und stank vermutlich wie die Hühner, mit denen sie bis nach Trinidad gefahren war! Es gab soviel zu überdenken, zu planen ... aber jetzt überkam sie der Kummer darüber, dass ihr Vater weg war und sie ihm niemals sagen könnte, wie leid ihr doch alles tat. Weinend drehte sie den Kopf zur Seite und schmiegte das Gesicht in die weiche Bettdecke.

Ihr Vater war immer ihr größter Fürsprecher und bester Ratgeber gewesen. Dass er jetzt nicht hier war, um ihr in dieser chaotischen Situation Rückendeckung zu geben und sie zu unterstützen, machte alles nur schlimmer. Sie wusste nicht, wie sie ihren neuen Job anpacken sollte, wie sie mit ihrer Mutter klarkommen konnte und wie sie es schaffen sollte, dass nicht das Lebenswerk ihres Vaters den Bach runterging. Brian Palmer war ein arrogantes Großmaul, aber sie musste ihm Recht geben. Was verstand sie schon von der Leitung eines NFL-Teams? Vor einem Jahr hatte sie ihren letzten Abschluss gemacht und anschließend einige Praktika absolviert, bevor sie sich der Aufbauhilfe in Bolivien gewidmet hatte, die ihr Vater mit seiner Stiftung ins Leben gerufen hatte. Im nächsten Jahr hatte sie geplant, in der Finanzabteilung der Titans einen Job zu übernehmen und sich langsam mit der Arbeit dort vertraut zu machen. Ihre schönen Pläne waren völlig über den Haufen geworfen worden – nun wurde sie ins kalte Wasser geworfen und fürchtete zu ertrinken.

Nicht nur die große Verantwortung, die jetzt auf ihr lastete, machte ihr das Herz schwer, sondern auch die Tatsache, dass sie zurück in New York war. In den letzten Jahren hatte sie die meiste Zeit in England gelebt, dort studiert und gearbeitet, wenn sie nicht in den Semesterferien für die Aufbauhilfe der Stiftung unterwegs gewesen war. Bolivien war eine von vielen Stationen gewesen, die sie dafür besucht hatte. Ihrem Vater war sie dankbar, dass er ihr auch diese Seite der Welt gezeigt hatte. Der Abstand zu Manhattan hatte ihr gut getan und sie geerdet. Das Leben bestand nicht nur aus Lachen, Glitzer und Dinnerabenden, auch wenn die exklusiven Privatschulen, die Teddy besucht hatte, genau dieses Bild vermittelt hatten.

Als sie wieder aufschaute, fiel ihr Blick auf die alte Kommode an der gegenüberliegenden Wand und auf die gerahmten Fotos, die darauf standen. Seufzend erspähte sie das Bild, auf dem sie die Vince-Lombardi-Trophäe umklammerte und vor einer ganzen Mannschaft von kampferprobten, verschwitzten Footballspielern stand, die gerade eben den Superbowl gewonnen hatten. Ihr Dad stand an der rechten Seite, strahlte und blickte liebevoll auf seine dreizehnjährige Tochter, die in einem blaukarierten Kleid und Zöpfen mit einem fetten Lachen die schwere Trophäe in die Luft hielt. Der damalige Quarterback John Brennan stand schräg neben ihr und war im Begriff, sie hochzuheben. Unweigerlich musste sie lächeln, denn John hatte sich kaum verändert. Er war immer ihr liebster Spieler gewesen, was wohl auch daran lag, dass er ihr auf dem Gelände der Titans mit seinem Auto das Fahren beigebracht hatte, als sie zwölf Jahre alt gewesen war. Kurz nach dem Superbowl-Sieg hatte der ganze Schlamassel erst angefangen.

Erschöpft schloss sie die Augen und trieb langsam in den Schlaf hinüber. Ihr Leben lang hatte sie mit Footballspielern zu tun gehabt, ihre Hausaufgaben auf der Tribüne gemacht, während das Team trainiert wurde, und sich von gigantischen Noseguards im Mannschaftsbus erklären lassen, wie man Poker spielt. Da war es wirklich kein Wunder, dass die flotten Sprüche eingebildeter Primadonnen an ihr herabglitten und sie keine Angst bekam, wenn arrogante Quarterbacks ihr zornige Blicke schenkten.

 

 

 

3. Kapitel

 

Liv Scott reichte Brian eine Platte mit frischem Gemüse und schenkte ihm ein dankbares Lächeln, „danke, Brian. Du bist ein Schatz.“

Feixend drückte er ihr einen Kuss auf die Lippen und musste nicht lange warten, bis ein mürrisches Mrmpf hinter ihm ertönte. Amüsiert ließ er von der lachenden Liv ab und drehte sich provokant zu seinem Freund um, der mit Gewittermiene in der Tür zur Küche stand.

„Verdammt, Scott! Du unterbrichst uns immer zu den ungünstigsten Zeiten!“

„Kaum drehe ich dir den Rücken zu, knutscht du meine Frau ab“, beschwerte sich der blonde Wide Receiver mürrisch, während Liv glucksend den Dip in kleine Schälchen füllte.

Um seine Besitzrechte klarzustellen, schubste ihn Julian unsanft zur Seite und zog seine Frau mit einem Grummeln an sich, die daraufhin kicherte und die Schultern hochzog, als er ihr Küsse in den Nacken drückte.

„Sucht euch ein Zimmer“, Brian verdrehte die Augen und stand mit einer Platte Karotten, Sellerie und Paprika dort, „das ist ja schon fast widerlich, wie ihr euch ständig befummelt.“

„Nur kein Neid, mein Freund.“ Julian grinste diabolisch und tätschelte seiner Frau den Hintern, bevor er ihr die Schälchen abnahm, „du bist ab morgen im Urlaub und wirst dir bestimmt eine nette Urlaubsbegleitung suchen.“

„Oder auch zwei“, Liv brachte es auf den Punkt und trug eine weitere Schale ins Esszimmer, um diese auf den Tisch zu stellen. Beide Männer folgten ihr und warfen jeweils einen Blick auf ihren wohlgeformten Hintern, der in dem engen Kleid besonders gut zur Geltung kam. Julian kommentierte den Blick seines Freundes nicht, sondern stellte die Schälchen auf den vollgepackten Tisch. Seine Göttergattin hatte es sich nicht nehmen lassen, das Essen für ihre Geburtstagsparty selbst zu kochen. Was seine Teamkameraden sagen würden, die natürlich eingeladen waren, wollte er gar nicht wissen, denn Liv hatte samt und sonders gesunde Gerichte gekocht.

„Den Urlaub brauche ich total dringend.“ Brian stibitzte sich eine Karotte und biss herzhaft zu, „seid ihr sicher, dass ihr nicht nach Cancun mitkommen wollt?“

„Um dir deinen Flirturlaub zu versauen?“ Julian schüttelte den Kopf.

„Fahr du schön allein“, erwiderte auch Liv und rückte die Speisen zurecht. Die ersten Gäste würden bald eintreffen, weshalb sie froh war, dass alles seine Ordnung hatte. Brian war schon länger hier und hatte tatkräftig geholfen. „Julian und ich machen einen kurzen Abstecher nach Vermont und besuchen seine Schwester.“

„Ach ja“, er kaute geräuschvoll an seiner Karotte herum, „das Baby anschauen und so weiter.“

„Genau.“

„Apropos Baby ... wie war denn euer Termin gestern?“

Sein Kumpel grinste stolz, „alles ist perfekt. In sieben Monaten bekommen wir Zuwachs.“

Auch Liv lächelte weich und sah ihren Mann mit strahlenden Augen an.

Brian dagegen rechnete nach und seufzte auf, „oh Mann, Scott. Da habt ihr euch einen perfekten Zeitpunkt ausgesucht, um euren Sprössling zu zeugen. Dir ist schon klar, dass wir dann mitten in der Saison sind?“

„Du hast einen Knall, Rabbit“, lachte Liv und verschwand wieder in der Küche, um dort den Kühlschrank zu öffnen.

Brian flüsterte seinem Teamkollegen zu, „was ist mit der Pizza? Ich komme um vor Hunger und habe keinen Bock auf Spinatlasagne.“

„Was sollte ich denn tun?“ Julian warf einen Blick zur Küche und flüsterte ebenfalls, „sie hatte es sich in den Kopf gesetzt und war nicht davon abzubringen.“

„Oh Mann.“

Liv kam zurück und reichte beiden ein Bier, „ihr braucht nicht zu flüstern. Mein Gehör funktioniert einwandfrei.“

„Was?!“ Brian tat schockiert.

Sie lehnte sich an ihren Mann und streichelte gedankenverloren seinen Oberschenkel. Brian musste zugeben, dass sie ein tolles Paar abgaben. Julian war ein guter Typ, der nicht nur auf dem Footballfeld überzeugte, sondern auch im Privaten ein feiner Kerl war. Seine Frau stand ihm in nichts nach und war nicht nur echt heiß, sondern besaß ein kluges Köpfchen und einen fantastischen Humor. Dass beide bereits mit neunzehn ein Paar geworden waren und mit Anfang zwanzig geheiratet hatten, konnte man an dem vertrauten Umgang miteinander sehen. Einige Jahre waren sie getrennt gewesen und hatten sich erst vor einem Jahr scheiden lassen, um wenige Monate später wieder zusammenzukommen. Brian hatte vor kurzem erfahren, dass der Grund ihrer Trennung der Tod ihres gemeinsamen Sohnes gewesen war. Umso mehr freute es ihn, dass sie wieder geheiratet hatten und nun ein Baby erwarteten.

„Falls es euch beruhigt“, sie verdrehte die Augen, „beim Pizzaservice liegt bereits die Bestellung für zehn Pizzen. Ich halse mir nicht freiwillig auf, euch Footballspieler satt zu bekommen.“

Mit seiner Bierflasche deutete Brian auf beide, „du weißt, dass ich dich liebe, oder Liv?“

„Hey!“, knurrte Julian.

„Ich weiß“, erwiderte Liv brav, schmiegte sich jedoch weiterhin an ihren Mann.

„Wenn es mit euch beiden nicht mehr klappt, hast du ja meine Nummer.“

Das fand sie anscheinend äußerst komisch, „tut mir leid, aber ich käme mit deiner promiskuitiven Art nicht zurecht, mein Lieber.“

Er runzelte die Stirn. „Ich bin nicht promiskuitiv.“

„Da habe ich aber etwas anderes gehört.“ Auch sie griff nach einer Karotte und biss davon ab.

Brian verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie aus hellblauen Augen neugierig an, „lass mal hören. Hat dein Göttergatte gepetzt, was in der Umkleidekabine erzählt wird?“

„Überhaupt nicht, aber ich kann zählen.“ Fröhlich legte sie den Kopf schief, „laut Klatschkolumne wurdest du das zweite Mal infolge mit einer Schauspielerin gesehen. In der vorletzten Woche war es irgendein Starlet aus einer Realityshow, die du jedoch nur einmal getroffen hast, und im vergangenen Monat hattest du Dates mit gleich drei Unterwäschemodels von Victoria’s Secret. Die vielen Sternchen, mit denen du dich nach Claire getröstet hast, erwähne ich gar nicht.“

Liv übertrieb total, fand Brian. Es waren nur zwei Unterwäschemodels gewesen und das Starlet hatte nicht mehr als einen Zungenkuss von ihm bekommen, schließlich war auch er wählerisch.

„Da weißt du sogar mehr als ich“, Julian drückte seiner Frau einen Kuss auf die Wange, „von einem Realityshow-Star wusste ich gar nichts, Palmer. Außerdem dachte ich, dass du die Finger von Unterwäschemodels lassen wolltest“, er grinste hämisch.

Brian schoss die Röte ins Gesicht. Im letzten Jahr hatte eine Verflossene von ihm, ein brasilianisches Unterwäschemodel, öffentlich Witze über die Größe seiner Ausstattung gerissen und ihn in furchtbare Verlegenheit gebracht, weil das Thema sogar in Sportsendungen aufgegriffen worden war. Es war vielleicht normal, dass sich Footballkameraden untereinander aufzogen, das machte ihm auch nichts aus, aber er erinnerte sich allzu gut daran, dass diese Kleine mit dem üppigen Busen in seinem Bett so laut geworden war, dass sich seine Nachbarn bei ihm beschwert hatten, was ebenfalls ziemlich peinlich gewesen war.

„Lass ihn in Ruhe“, schalt Liv, fragte dann jedoch neugierig, „was läuft zwischen dir und dieser Lori Jackson?“

„Ich weiß nicht, was du meinst“, lässig trank er einen Schluck.

„Das krieg ich schon noch raus“, warnte sie ihn und ging zur Tür, weil es klingelte.

Brian würde ihr nichts sagen, weil es nichts mehr zu sagen gab. Lori war ein hübsches Mädchen, das er ganze dreimal getroffen hatte, und der Sex war auch gut gewesen, aber morgen flog er nach Cancun und hatte damit eine perfekte Ausrede, um sich erst einmal nicht mehr zu melden. Ihre kurze Affäre würde auf diese Weise einschlafen und somit auch niemanden wehtun.

Nach und nach trudelten die Geburtstagsgäste ein, die sich im gemütlichen und relativ großen Haus der beiden verteilten. Brian unterhielt sich mit Claire, deren Freund nachkommen wollte, fiel über die Peperonipizza her, flirtete mit einer Nachbarin der beiden und gesellte sich irgendwann zu seinen Teamkollegen in die Sitzecke des Wohnzimmers.

„Worum geht’s, Jungs?“

„Um unsere neue Besitzerin.“

Brian verzog das Gesicht, „das hier ist eine Party! Müssen wir ausgerechnet darüber sprechen?“

„Worüber müsst ihr sprechen?“ Liv trat in den Kreis hinein und setzte sich auf die Lehne der Couch.

„Rabbit ist gestern mit unserer neuen Teamchefin aneinander gerasselt“, der Runningback Blake O’Neill grinste, „es war herrlich.“

„Julian hat mir davon schon erzählt“, ihr Blick hing fragend am besten Freund ihres Mannes, „du warst nicht gerade höflich, oder?“

„Football hat nichts mit Höflichkeit zu tun“, verteidigte er sich.

„Immerhin ist sie eine Frau, mein Lieber“, sie nippte an ihrer Bio-Limonade, „willst du mir etwa sagen, dass ausgerechnet du nicht in der Lage warst, sie um den kleinen Finger zu wickeln?“

Der monströse Tackle Dupree Williams kicherte, „er hat es nicht einmal versucht.“

Liv war verblüfft, „wieso das denn?“

Brian runzelte finster die Stirn, „ihr tut gerade so, als würde ich mit jeder Frau flirten, die mir begegnet!“

Auf die eindeutigen Blicke hin, schnaubte er auf, „jetzt hört aber mal auf!“

„Worüber sprecht ihr?“ Julian, der auf der Suche nach seiner Frau gewesen war, blickte neugierig in die Runde.

„Du auch noch“, beschwerte sich Brian.

„Wir fragen ihn nur darüber aus, warum er mit eurer neuen Besitzerin aneinandergeraten ist“, klärte Liv ihn auf.

Julian gluckste, „ich würde es so nicht nennen.“

„Ach nein?“

Amüsiert streichelte er das Ohrläppchen seiner Frau, „die Kleine hat Brian wie einen Zirkusclown vorgeführt, wenn ihr mich fragt.“

„Es hat dich aber niemand gefragt, Scott!“ Brians hellblaue Augen schleuderten ihm Blitze entgegen.

„Erzähl! Das will ich hören“, Claire hatte sich der Truppe ebenfalls angeschlossen und war ganz entzückt über die Aussicht, Schandtaten ihres Ex zu hören. Er warf ihr einen mürrischen Blick zu. Manchmal konnte sie ihm durch ihre provozierende Art richtig auf den Keks gehen. Als beide zusammen gewesen waren, hatte sie es nicht lassen können, ihn so lange zu auszufragen oder nachzubohren, wenn sie etwas wissen wollte, bis er ausgeflippt war. Zwar war sie eine umwerfende Frau mit rotem Haar, einem spektakulären Vorbau und einem schönen Gesicht, aber als gute Freundin war sie ihm viel lieber.

Brian verdrehte seufzend die Augen. „So lustig ist das gar nicht!“

Blake grunzte nur, „sie hat auf dein Gewicht angespielt und dich schwul genannt!“

Liv verschluckte sich an ihrer Limonade, „was?!“

„Ich hätte alles getan, um dabei zu sein“, schwärmte Claire.

„Hey! So war das überhaupt nicht!“

„Doch, so war das“, erwiderte Julian, „du bist knallrot geworden und hättest sie am liebsten erwürgt, während sie sich mit ihrem lässigen Blick über dich lustig gemacht hat.“ Er trank einen Schluck, „außerdem hast du dich von ihr provozieren lassen, falls du es noch nicht bemerkt hast.“

„Was?“

Julian hob eine dunkelblonde Augenbraue hoch, „irre ich mich, oder nimmst du jetzt an dem Benefizlauf teil, oder nicht?“

Brian konnte nur noch stottern. „Ja ... nein ... es ... keine Ahnung!“

„Könntet ihr das auch den Normalsterblichen erklären, die nicht dabei waren“, beschwerte sich Claire ungehalten. „Wovon sprecht ihr überhaupt? Und seit wann ist Brian schwul?“

Bevor irgendeiner seiner Kumpels wieder völlig falsche Informationen von sich geben konnte, ergriff Brian das Wort und schnaubte abfällig, „unsere neue Teamchefin kann nicht älter als neunzehn sein ...“

„Sechsundzwanzig“, unterbrach ihn Dupree.

„Woher weißt du das?“

„Internet“, erwiderte der riesige Tackle mit dem Irokesenschnitt und dem wenig schmeichelhaften T-Shirt, auf dem BAMBI abgedruckt war, was für Butt And Mega Boob Inspector stand.

„Moment“, Liv war ziemlich verwirrt, „George war einundachtzig Jahre alt und seine Frau ist nicht wesentlich jünger.“

„Respekt“, kicherte Blake und wurde von seinem blutjungen Teamkollegen unterbrochen. Dupree erwies sich als wahre Informationsquelle.

„Sie wurde adoptiert.“

„Das erklärt es natürlich.“ Liv nickte.

Brian versuchte diese neuen Informationen abzuspeichern. „Und wenn schon! Für den Job ist sie ist zu jung, zu unerfahren ...“

„Und sie hat keine Eier, wolltest du sagen“, Claire sah ihn finster an.

„Das habe ich nicht gesagt“, verteidigte er sich, auch wenn er so etwas in der Art hatte sagen wollen, doch Liv und Claire hätten es ihm sehr krumm genommen.

„Football ist halt Männersache“, Blake setzte sich voll in die Nesseln.

„Ach, da haben Frauen also nichts zu suchen, oder was?“ Claire funkelte den strahlenden Runningback an, der nicht bemerkte, neben einer tickenden Zeitbombe zu sitzen. Brian hatte einmal miterlebt, wie Claire ausgeflippt war, und war jetzt gerade froh, dass sich ihr Zorn nicht gegen ihn richtete. Blake musste allein klarkommen.

„Genau ...“

„Abgesehen von Cheerleadern natürlich! Die haben beim Football was zu suchen, schließlich hüpfen die in Röckchen durch die Gegend, damit unterentwickelte Primaten wie ihr einen hochkriegt“, fuhr sie ihm übers Maul. Blake, der sechzig Kilo mehr als Claire wog, zuckte verängstigt zurück und drückte sich in die Couchlehne. Anscheinend war ihm gerade aufgegangen, dass er einen Fehler gemacht hatte.

Julian versuchte zu vermitteln, „es geht nicht darum, dass sie eine Frau ist, Claire, sondern darum, dass sie anscheinend gerade mit der Universität fertig geworden ist und keine Erfahrung hat.“

„Das hörte sich gerade aber ganz anders an“, sie warf Blake einen schrägen Blick zu.

„Wie auch immer“, Brian schenkte seiner Ex einen trägen Blick, „um ein Footballteam zu managen, muss man etwas von Football verstehen, Schätzchen ...“

„Komm mir nicht mit deiner Schätzchen-Nummer!“ Claire hatte Haare auf den Zähnen und keine Skrupel, das zu beweisen. „Wer sagt denn, dass eine Frau keine Ahnung von Football haben kann?!“

„Hört auf, euch zu zanken“, Liv schüttelte den Kopf und blickte anschließend die Footballspieler an, „und ihr solltet etwas netter zu eurer neuen Chefin sein.“

Brian schnaubte wie ein Dampfkessel, „im Football ist kein Platz für Nettigkeit!“

„Aber sie ist deine Chefin“, wies ihn Liv auf das Offensichtliche hin.

„Ich bin ein Profi“, erwiderte er flach, „das kann ich auch von ihr erwarten. Wenn sie weiß, was in der NFL los ist, sollte sie mir nicht in die Quere kommen.“

„Stell dich nicht so an, Brian“, Claire verdrehte die Augen.

„Claire“, erwiderte er betont ruhig und fuhr sich durch sein schwarzes Haar, „das ist eine ernste Sache. Wenn sie das Geschäft nicht ernst nimmt, könnte der ganze Verein den Bach runtergehen.“

„Warum verdammt ihr sie eigentlich von vornherein? Vielleicht stellt sie sich nicht so schlecht an.“

Julian gab seiner Frau Recht und war damit ungefähr der einzige Spieler, der diese Meinung teilte. Alle anderen waren überhaupt nicht scharf darauf, Anweisungen von einer 26jährigen Chefin anzunehmen, die wie ein zerrupftes Huhn ausgesehen hatte. Ob es an ihrem Alter oder wirklich daran lag, dass sie eine Frau war, blieb jedem allein überlassen.

„Palmer, die Kleine hatte alle Statistiken über dich im Kopf. Ganz so blöd kann sie gar nicht sein.“

Er starrte seinen Kumpel finster an, „Scott ...“

„Was für Statistiken?“

Julian drehte den Kopf zu Claire und schmunzelte, „Brian legte sich mit ihr an und erklärte rigoros, dass er Zweifel an ihrer Qualifikation hätte. Daraufhin rasselte sie ihm freundlich alle Statistiken über ihn herunter, einschließlich der Tatsache, dass sein Körperfettanteil nicht optimal sei.“

„Das muss dich ja schwer getroffen haben.“

„Du musst mich gar nicht so nett anlächeln“, Brian schenkte Claire einen finsteren Blick.

Sie lächelte jedoch weiter und richtete ihre Aufmerksamkeit auf Julian, der vergnügt erklärte, „dass sie das ganze Team für einen Benefizlauf zugunsten von Brustkrebspatientinnen einspannen wollte, stieß natürlich auf wenig Zustimmung. Brian lag ihr damit in den Ohren, dass wir keine rosa Schleifchen tragen würden und nicht ihre persönliche Leibgarde wären ...“

„Oh Brian“, Liv schüttelte den Kopf, „das arme Mädchen!“

Julian gluckste auf, „von wegen, armes Mädchen! Sie hat ihn ausgetrickst, Baby! Bevor er sich versah, stimmte er zu, am Lauf teilzunehmen.“

Blake kicherte, „das ganze Team freut sich schon auf einen Striptease von ihr!“

„Das verstehe ich nicht.“

Julian legte seiner Frau einen Arm um die Schulter und verkündete heiter, „Brian und Teddy MacLachlan treten gegeneinander an. Der Verlierer schuldet dem Gewinner einen Striptease.“

Bevor Dupree etwas sagen konnte, unterbrach ihn Blake mit einem volltönenden Lachen, „ich wette, dass sie nach dem Strip nie wieder eine Besprechung einberufen wird! Danach wird es ihr zu peinlich sein, uns in die Augen zu sehen.“