Make Me Choose - Ember Leigh - E-Book
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Ember Leigh

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Beschreibung

Sonne, Palmen, eine perfekte Traumhochzeit auf Aruba. Doch Weston Daly verleiht dem Paradies eine ganz neue Bedeutung ...

Nova hält sich als freie Fotografin mit Schulfotos und einem Zimmer bei ihrer Großmutter über Wasser – von Glamour oder Liebesglück keine Spur. Umso frustrierender, dass sie ständig dem einen begegnet, der sie zuverlässig zur Weißglut treibt: Weston Daly. Instagram-Star, notorischer Backpacker, viel zu gutaussehend – und ihr persönlicher Albtraum. Erst Amsterdam. Dann Portugal. Jetzt Aruba.

Doch diesmal kann sie ihm nicht aus dem Weg gehen. Die Hochzeit ihrer besten Freunde steht an, und Nova ist die Fotografin. Sie muss mit ihm auskommen, ganz gleich, wie oft er sie mit diesem verfluchten Herzensbrecherlächeln aus dem Konzept bringt. Zwischen tropischer Kulisse, gestohlenen Blicken und einem Lächeln, das sie mehr trifft, als ihr lieb ist, beginnt Nova zu zweifeln: Ist es wirklich nur Zufall, dass sie ihm immer wieder begegnet?

Als Weston sie schließlich vor eine Entscheidung stellt, steht für Nova mehr auf dem Spiel als nur ein weiterer flüchtiger Moment ...

»Make me Choose« ist der vierte Teil der Bayshore-Reihe um die Daly Brüder. Alle Teile können unabhängig voneinander gelesen werden.

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Seitenzahl: 425

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Danke, dass Sie sich für einen Titel von »more – Immer mit Liebe« entschieden haben.

Unsere Bücher suchen wir mit sehr viel Liebe, Leidenschaft und Begeisterung aus und hoffen, dass sie Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und Freude im Herzen bringen.

Wir wünschen viel Vergnügen.

Ihr »more – Immer mit Liebe« –Team

Über das Buch

Sonne, Palmen, eine perfekte Traumhochzeit auf Aruba. Doch Weston Daly verleiht dem Paradies eine ganz neue Bedeutung ...

Nova hält sich als freie Fotografin mit Schulfotos und einem Zimmer bei ihrer Großmutter über Wasser – von Glamour oder Liebesglück keine Spur. Umso frustrierender, dass sie ständig dem einen begegnet, der sie zuverlässig zur Weißglut treibt: Weston Daly. Instagram-Star, notorischer Backpacker, viel zu gutaussehend – und ihr persönlicher Albtraum. Erst Amsterdam. Dann Portugal. Jetzt Aruba.

Doch diesmal kann sie ihm nicht aus dem Weg gehen. Die Hochzeit ihrer besten Freunde steht an, und Nova ist die Fotografin. Sie muss mit ihm auskommen, ganz gleich, wie oft er sie mit diesem verfluchten Herzensbrecherlächeln aus dem Konzept bringt. Zwischen tropischer Kulisse, gestohlenen Blicken und einem Lächeln, das sie mehr trifft, als ihr lieb ist, beginnt Nova zu zweifeln: Ist es wirklich nur Zufall, dass sie ihm immer wieder begegnet?

Als Weston sie schließlich vor eine Entscheidung stellt, steht für Nova mehr auf dem Spiel als nur ein weiterer flüchtiger Moment ...

»Make me Choose« ist der vierte Teil der Bayshore-Reihe um die Daly Brüder. Alle Teile können unabhängig voneinander gelesen werden.

Über Ember Leigh

Ember Leigh stammt aus dem nördlichen Ohio und lebt derzeit mit ihrem argentinischen Ehemann und zwei Kindern in der Nähe des Eriesees, wo sie einen argentinisch-amerikanischen Food Truck betreiben.

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Ember Leigh

Make Me Choose

Aus dem Amerikanischen von Michelle Landau

Übersicht

Cover

Titel

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Titelinformationen

Grußwort

Informationen zum Buch

Newsletter

Widmung

Anmerkung der Autorin

Kapitel 1 — NOVA

Kapitel 2 — WESTON

Kapitel 3 — NOVA

Kapitel 4 — WESTON

Kapitel 5 — NOVA

Kapitel 6 — WESTON

Kapitel 7 — NOVA

Kapitel 8 — WESTON

Kapitel 9 — NOVA

Kapitel 10 — WESTON

Kapitel 11 — NOVA

Kapitel 12 — WESTON

Kapitel 13 — NOVA

Kapitel 14 — WESTON

Kapitel 15 — NOVA

Kapitel 16 — WESTON

Kapitel 17 — NOVA

Kapitel 18 — WESTON

Kapitel 19 — NOVA

Kapitel 20 — NOVA

Kapitel 21 — WESTON

Kapitel 22 — NOVA

Kapitel 23 — WESTON

Kapitel 24 — NOVA

Kapitel 25 — NOVA

Kapitel 26 — WESTON

Kapitel 27 — NOVA

Kapitel 28 — NOVA

Kapitel 29 — WESTON

Kapitel 30 — NOVA

Epilog — Ein Jahr später

Impressum

Widmung

Dieses Buch ist meinen Zwanzigern gewidmet, in denen ich immer gerade ein Flugticket gekauft hatte oder eben erst von einer Reise zurückgekommen bin.

Außerdem widme ich diese Geschichte all den Bauchentscheidungen, die jeder in seinem Leben mal getroffen hat und von denen alle behauptet haben, sie wären schlecht, obwohl sie sich am Ende als verdammt geniale Ideen entpuppt haben.

Anmerkung der Autorin

Dieser Roman spielt auf einer realen Insel, allerdings habe ich mir in Sachen Geografie und, ähm, Einwohner ein paar Freiheiten erlaubt.

Das wollte ich nur klarstellen, falls irgendjemand vor Kurzem in Aruba war und sich fragt, was ich denn für Drogen rauche.

Kapitel 1

NOVA

Ist das ein Pups oder Vorfreude?

Im Kopf singe ich diese Frage zur Melodie von »Should I Stay or Should I Go?« von The Clash. Der Flieger, in dem ich sitze, hat gerade die Nordküste von Aruba erreicht, und mir bietet sich ein herrlicher Blick über die Insel. Wieder zieht mein Magen sich zusammen – definitiv Vorfreude. Denn heilige Scheiße, ich lande gleich in Aruba!

So fühlt es sich jedes Mal an, wenn ich verreise. Ein nervöser Magen, bevor ich einen neuen Ort erreiche. Vielleicht erwartet mich sogar eine neue Sprache, obwohl ich meinen Recherchen zufolge wohl auch viel Englisch hören werde. Dieser zu den Niederlanden gehörende Inselstaat (danke, Wikipedia) stand nicht unbedingt auf meiner Liste der Top-Ten-Reiseziele, doch als meine beste Freundin mir eröffnet hat, dass sie auf diesem zwanzig Meilen langen Karibikparadies (auch dafür danke, Wikipedia) heiraten wird, habe ich den Urlaubsantrag schon eingereicht, bevor wir unseren Skypeanruf überhaupt beendet hatten.

Mit hüpfendem Knie sehe ich aus dem Fenster, unter mir nichts als türkisfarbenes Meer und die zerklüftete Küste der Insel, die in weiße Sandstrände übergeht – in anderen Worten: Mich erwartet eine Woche im Paradies.

Diese Auszeit habe ich auch dringend nötig. Das Reisen liegt mir im Blut, doch dieser Leidenschaft kann ich leider nur an gelegentlichen langen Wochenenden und innerhalb meiner streng geplanten Urlaubszeit nachgehen, die ich um meinen langweiligen Vollzeitjob herum arrangiere. Außerdem – sollte ich es jemals wagen, etwas so Verrücktes zu tun, wie mehr als zwei Wochen am Stück zu verreisen, bekäme meine gesamte Familie einen Herzinfarkt und würde sofort eine Intervention organisieren.

So ist meine Familie. Sie reist nicht. Sie verlässt nicht einmal den Staat New York. Das Verrückteste, was meine Eltern jemals getan haben, war, mich Nova zu nennen, was der kurzlebigen Begeisterung meines Vaters für den Film Planet der Affen geschuldet ist. Das ist der einzige Fun Fact über mein Leben.

Ruckelnd steuert das Flugzeug die Landebahn an. Eine Woche. Sieben volle Tage im magischen Aruba. Ich gehe einfach mal davon aus, dass es magisch wird, schließlich war ich noch nie hier. Es ist meine erste Hochzeit an einem exotischen Ort, was bedeutet, dass diese Woche entweder die beste Woche meines Lebens wird, an die ich mich noch mit neunzig schwärmend zurückerinnern werde, oder dass irgendein Desaster passieren wird, das einer mittelmäßigen romantischen Komödie würdig wäre.

Ich sehe aus dem Fenster in dem Versuch, den Strand zu entdecken, an dem meine beste Freundin heiraten wird. Amelia und ich haben uns in unserem zweiten Jahr am Purchase College in New York kennengelernt. Sie war eine freiheitsliebende Kunststudentin mit ausgeprägter Reiseleidenschaft, wodurch sie auch Rhys Henry Bradford III., ihre britische bessere Hälfte, kennengelernt hat. Sie wollten die Distanz ihrer beiden Heimatländer überbrücken, indem sie sich für eine Insel entschieden, die vom Reiseaufwand her für alle etwa gleich ist.

Ich beschwere mich sicher nicht über diese Wahl, erst recht nicht, nachdem wir gelandet sind und die erste Meeresbrise mich umspielt. Wir steigen mitten auf dem Rollfeld aus – Inselleben eben –, und die schwüle Luft ist die reinste Wohltat nach all dem Stress und der Unzufriedenheit, die ich in Upstate New York zurückgelassen und deren Auslöser ich in drei Kategorien unterteilt habe:

Mit meinen fünfundzwanzig Jahren ertrinke ich schon in Schulden.

Ich wohne zusammen mit meiner Oma in einer kleinen Hütte hinter dem Haus meiner Eltern.

Ich nutze meinen hochtrabenden Kunstabschluss, um … Schulporträts zu machen.

Von all den Dingen auf dieser Liste stört mich meine Oma am wenigsten. Denn meine Oma ist die absolut Beste.

Und wer jetzt denkt, für eine Frau meines Alters könnte das Leben kaum erbärmlicher laufen, dem kann ich versichern, es geht noch schlimmer. Denn ich hatte schon so lange keinen Sex mehr, dass ich im Prinzip wieder als Jungfrau durchgehe. Jap, das ist tatsächlich möglich.

Ich erwarte nicht, dass mein Aufenthalt in Aruba irgendetwas an diesen Dingen ändert. Nein, ich erwarte einfach nur eine Auszeit, eine kurze Flucht, für die ich zum größten Teil nicht mal selbst bezahlen muss. Genau das ist doch der amerikanische Traum, oder? Das ganze Leben lang still seine Rechnungen zahlen und mit ein bis zwei Wochen Strandurlaub pro Jahr zufrieden sein.

Als ich auf die Landebahn trete, bläst mir die Meeresbrise die roten Strähnen quer übers Gesicht. Während ich noch versuche, meine Sicht wieder freizubekommen, schneidet eine vertraute weibliche Stimme durch die Luft.

»NOVA!«

Meine beste Freundin Amelia kommt auf mich zu gejoggt, die Arme weit ausgebreitet und einen Ausdruck purer Freude im sonnengebräunten Gesicht. Bevor ich weiß, wie mir geschieht, hat sie mich schon so fest an sich gedrückt, dass mir die Luft wegbleibt. Ihr Lachen hallt in meinen Ohren wider, als sie wieder und wieder sagt: »Du bist hier, du bist hier!«

»Amelia! Wie hast du es geschafft, ohne Bordkarte so nah an den Flieger ranzukommen?« Lachend liegen wir uns in den Armen, und ich bin jetzt schon so voller Urlaubsgefühle, dass ich es kaum noch aushalte.

»Tja, ich habe den Gepäckträger bezirzt, und er hat mir erlaubt, dich zu suchen, wenn ich mich beeile«, sagt sie, während sie mich noch ein letztes Mal an sich drückt, bevor wir uns voneinander lösen, um uns anzusehen. Gäbe es in der Welt der Bildhauerei ein Hollywood, wäre sie das angesagteste It-Girl. Mit der Baseballkappe über dem weißblonden Pferdeschwanz sieht sie sogar aus wie ein Promi, der unerkannt bleiben will.

»Du solltest Spionin sein«, stelle ich fest, als sie mich an der Hand nimmt und auf das kleine Terminalgebäude zuzieht. »Bildhauerei ist die perfekte Tarnung für deine neue Spionagekarriere.«

Lachend wirft sie den Kopf in den Nacken. »Wieso gehst du davon aus, dass ich noch keine Spionin bin?«

So ist es immer zwischen uns: locker, lustig und ein bisschen albern. Genau die Art Interaktion, die ich mit dem anderen Geschlecht noch nie erlebt habe. Und ganz ehrlich, ich wünschte, ich könnte mich einfach entscheiden, auf Frauen zu stehen, und die Sache abhaken. Doch dafür liebe ich Schwänze leider zu sehr. Und das Gefühl eines schönen Bizeps unter den Fingern. Und den rauen Unterton eines unerwarteten »Hey, Babe«. Und eine Million anderer Dinge, die Teil des Bauchkribbelns und der Frustration sind, die mit Männern einhergehen.

Mit etwas Glück finde ich diesen Mann zumindest noch, bevor ich sterbe.

Wir fegen durch die Gepäckausgabe, und Amelia unterhält sich mit dem Kofferträger, als würden sie sich seit Jahren, nicht erst seit wenigen Minuten kennen. Das ist eine von Amelias Superkräften: Sie kann innerhalb von Minuten zu deiner besten Freundin werden. Einen Moment später ruckelt mein limettengrüner Koffer auf dem altersschwachen Laufband an uns vorbei.

»Dann lass uns mal unseren Fahrer suchen«, sagt Amelia mit einem durchtriebenen Kichern, nachdem ich all mein Gepäck beisammen habe.

Diese Hochzeit fängt auf jeden Fall schon mal gut an.

Meeresbrise: check.

Privatchauffeur zum Resort: check.

Ich kann nichts gegen das lächerliche Grinsen auf meinem Gesicht tun, während ich Amelia aus dem Terminal hinaus auf die Straße folge. Der glänzend schwarze Van, der am Straßenrand auf uns wartet, könnte genauso gut als Partybus dienen, oder auch als FBI-Fahrzeug. Die Seitentür gleitet auf, und Rhys spring heraus, ein Lächeln im Gesicht, das perfekt auf das Cover einer britischen Klatschzeitschrift passen würde. Party durch und durch.

»Nover! Du hast es geschafft!« Seine britische Aussprache meines Namens begeistert mich jedes Mal aufs Neue. Ich lache in seinen Solarplexus (er ist über zwei Meter zehn), als wir uns umarmen. »Kann ich dir den Koffer abnehmen?«

»Sehr gern«, sage ich. »Aber ich muss dich warnen, ich habe bestimmt achtzehnmal mehr Klamotten eingepackt als ich brauche, deswegen wiegt er mindestens so viel wie ein Eisberg.«

Aus dem Inneren des Partybusses dringt ein leises Schnauben zu uns. Rhys geht zur Heckklappe, um meinen Koffer einzuladen.

Amelia sagt: »Ach, was ich vergessen habe zu erwähnen …« Mehr bekomme ich nicht mit, da in diesem Moment die schnaubende Person in mein Blickfeld tritt.

Als Erstes fallen mir die Haare auf – etwas längere kastanienbraune Strähnen, irgendwo zwischen wind-wuschelig und frisch-aus-dem-Bett-wuschelig. Dann wandert mein Blick weiter zu den breiten Schultern, dem dunklen T-Shirt, das über dem – o Gott – Bizeps spannt. Und als er schließlich vor mir auf dem Bürgersteig steht, nehme ich die beiden anderen, die nach ihm aus dem Bus steigen, kaum noch wahr, weil ich mich auf nichts anderes konzentrieren kann als auf diesen Mann.

Denn dieser Mann ist nicht nur irgendein Hottie.

Er ist niemand anderes als Weston Daly.

Der Mann, der mein Herz flattern lässt, seit ich ihm vor vier Jahren das erste Mal begegnet bin. Die fleischgewordene Definition von groß, braun gebrannt und gut aussehend. Ein Vagabund, dem ich nicht mal ansatzweise so sehr auffalle wie er mir.

Dies ist das dritte Mal, dass er eine meiner Reisen heimsucht.

»… und Weston, Elliot und Keko sind auch dabei!«, beendet Amelia ihren Satz, von dem ich so gut wie gar nichts mitbekommen habe. Mein Blick klebt hoffnungslos an Weston, und ich bin mir nicht sicher, ob meine Miene erstarrten Schock ausdrückt – wie bei einer der Mumien, die beim Ausbruch des Vesuvs entstanden sind – oder unverhohlene Abneigung. Mit seinen eisblauen Augen begegnet er meinem Überraschender-Vulkanausbruch-Blick, und das Grinsen, das an seinen Lippen zupft, sagt mehr als tausend Worte, ohne dass er auch nur den Mund aufmacht.

»Schön, dich mal wieder zu sehen, Nover«, sagt Elliot, der zweite Brite der Runde. Keko, das letzte Mitglied der Trauzeugengang, winkt mir zu. Beide habe ich letztes Jahr in Portugal kennengelernt, was auch die zweite Reise war, auf der ich eindeutig zu viele Tage mit dem umwerfenden – ich meine absolut nervtötenden – Weston Daly verbracht habe.

Weston hat mich nicht begrüßt, und ich werde sicherlich nicht als Erste nachgeben.

»Das ist super«, bringe ich schließlich mit einem Lächeln in Amelias Richtung hervor. Ich hoffe, sie deutet die Anspannung in meinen Augen richtig: Du hast mir nicht gesagt, dass Weston Daly kommt, verdammt!

Es ist ein Jahr her, seit ich ihn zuletzt gesehen habe. Jedes Treffen bisher war Zufall – ein Unglück, um genau zu sein –, allein deswegen hätte ich schon damit rechnen sollen, dass er hier ist.

Denn wenn ich sage, er sucht meine Reisen heim, dann meine ich das auch so. Er ist wie ein Geist, den ich einfach nicht dazu bringen kann, ins Jenseits zu verschwinden. Ganz egal, wie oft ich ihm zurufe »Du bist frei!«, bei jedem meiner internationalen Trips taucht Weston wieder auf.

Rhys kommt zu uns zurück. »Für dieses Ungetüm haben sie dir doch sicher ’nen riesen Zuschlag aufgebrummt, oder?«

Der Koffer ist nur zu so einem Ungetüm geworden, weil ich meine ganzen Last-minute-Einkäufe im Secondhandladen rechtfertigen muss, indem ich jedes Outfit, das jenseits meiner Komfortzone liegt, mindestens einmal trage. Dabei bin ich überhaupt nicht so anspruchsvoll, wie mein übergewichtiges Gepäck vermuten lässt. Eigentlich brauche ich zum Reisen nicht mehr als ein paar Klamotten zum Wechseln, meine Kamera und meinen Reisetalisman.

O ja, der Talisman ist wichtig. Er dient mir als Glücksbringer, wann immer ich das Land verlasse. Dank ihm wurde mir noch nie etwas gestohlen. Mir ist klar, dass diese Theorie keiner wissenschaftlichen Prüfung standhalten würde, aber das ist mir egal. Es ist eine wunderschöne Kette, die mich beschützt und mit absoluter Sicherheit mystische Kräfte hat. Auch wenn sie es nicht schafft, Weston davon abzuhalten, sich an meine Reisepläne zu hängen.

Die Jungs klettern alle wieder in den Van, lassen die mittlere Bank für Amelia und mich frei. Kaum hat der Fahrer mir über den Rückspiegel grüßend zugenickt und den Motor angelassen, fühle ich mich plötzlich verletzlich. Weston sitzt direkt hinter mir, und die Tatsache, dass wir uns theoretisch nicht mal begrüßt, dafür aber gefühlte Minuten lang angestarrt haben, macht mir zu schaffen.

Er ist stur, aber ich mindestens ebenso sehr.

Reggaemusik driftet durch den Kleinbus, während Westons Präsenz hinter mir knistert. Amelia und Rhys erzählen eine witzige Geschichte von einem Mitpassagier auf ihrem Flug von England, der so penetrant nach sauren Gurken verlangt hat, dass sie fast eine Notlandung in Boston machen mussten. Ich bemühe mich, ihnen zuzuhören, während ich gleichzeitig versuche, Weston zu beobachten, ohne mich tatsächlich zu ihm umzudrehen. Ein hoffnungsloses Unterfangen.

»Also … kein Hallo?«

Das tiefe Brummen von Westons Stimme dicht an meinem Ohr jagt mir eine Gänsehaut über den Rücken. Ein Hauch seines Dufts dringt an meine Nase – würziges Sandelholz. Wäre er irgendjemand anders und wären wir irgendwo anders, hätte ich schon längst mein Höschen ausgezogen. Aber nein. Ganz egal, wie gut sich sein heißer Atem in meinem Nacken anfühlt, ich werde nicht nachgeben.

»Wie bitte?« Ich drehe mich halb um, täusche Verwirrung vor.

»Ich habe mich nur gefragt, ob du vorhast, mich nur den restlichen Tag oder doch die ganze Woche zu ignorieren.«

Ich verkneife mir ein genervtes Seufzen. »Von ignorieren kann keine Rede sein. Ich habe dich mit den Augen begrüßt.«

»Oh. Hast du etwa mit den Augen gelächelt?«, fragt er, was mich zum Lachen bringt. Fast. »Das muss ich wohl verpasst haben.«

»Mach dir nichts draus«, erwidere ich. In mir wirbeln Hitze und Neugier durcheinander.

Denn Weston ist genau die Art Mann, von der ich mein Leben lang geträumt und nie erwartet habe, sie tatsächlich zu treffen. Selbstbewusste, attraktive Männer, die wissen, was sie wollen? Die stehen nie auf Frauen wie mich. Hätte ich einen Warnaufkleber, stünde »Fett und unverschämt« darauf. Und darunter, in deutlich kleinerer Schrift: »Und unfassbar unsicher; bitte sag mir, dass ich witzig bin.«

Weston kann tun, was immer er will, ohne dafür irgendjemandes Bestätigung zu brauchen. So attraktiv ist er. In unserem Hostel in Amsterdam habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie er mehrere süße Backpackerinnen ausgespäht und erbeutet hat, als wären sie trottelige Erdhörnchen und er ein unglaublich geschickter Kojote. Er segelt vollkommen unbeirrt und gelassen durch die Welt. Schon zum Frühstück isst er jeden Tag eine Portion Selbstbewusstsein.

Wäre er nicht so nervig, würde ich ihn sogar bewundern. Denn dieses Selbstbewusstseinsfrühstück fehlt mir seit dem Collegeabschluss. Trotzdem ist dieser Typ der letzte Mensch auf Erden, den ich jemals um Rat bitten würde.

»… und dann können wir surfen gehen!«, sagt Amelia gerade und klatscht begeistert in die Hände.

»Surfen«, wiederhole ich, tue so, als hätte ich zugehört.

»Der Unterricht ist umsonst«, beharrt Rhys. »Wenn du es bisher noch nicht gelernt hast, ist dies die Gelegenheit.«

Sein Optimismus ist wirklich liebenswert. »Ich bin keine gute … Schwimmerin.«

Obwohl ich groß bin und natürlich schwimmen kann, stürze ich mich nicht gern in Wellen, die mich ertränken könnten. Die Details muss Rhys jedoch nicht erfahren.

»Aber du kannst zumindest mit uns an den Strand kommen«, meint Amelia genau in dem Moment, als der Van in ein großes Schlagloch fährt. Ich rutsche von meinem Sitz – geschieht mir recht dafür, dass ich mich nicht angeschnallt habe – und krache gegen den Beifahrersitz. Aus dem Augenwinkel sehe ich Westons nervtötendes Grinsen, bevor er den Kopf zurückwirft und laut loslacht.

Was für ein selbstbewusster und sexy Auftakt für diesen Urlaub. Wenn Weston Selbstbewusstsein frühstückt, esse ich wohl jeden Morgen gepuffte Verlegenheit. Mit einer Grimasse hieve ich mich zurück auf die Bank. Natürlich bin ich nicht hier, um mit irgendwelchen heißen Typen zu schlafen – das ist nicht meine Art –, aber Weston führt mir einfach immer wieder vor Augen, dass ich absolut nicht sein Typ bin. Und ja, ein Teil von mir würde einen Lungenflügel verkaufen, um sein Typ zu sein.

Ich starre aus dem Fenster, während der Kleinbus sich in den Verkehr vor dem Flughafen einreiht. Palmen säumen die Straße, und weiße Wattewölkchen ziehen träge über den strahlend blauen Himmel. Nachdem wir mehrmals abgebogen und dabei an unzähligen Büschen mit tieflila Blüten vorbeigekommen sind, die ich mit offenem Mund anstarre, fahren wir schließlich in eine Einbahnstraße, die kurz darauf in weiße Sandstrände und Luxusresorts übergeht.

Mein Herz gerät ins Stocken, als unser Van eine ordentlich gepflasterte Einfahrt entlangrollt. Meine Finger zucken, sehnen sich nach meiner Kamera, doch dafür ist später noch genug Zeit. Genau deswegen bin ich schließlich hier. Um als offizielle Hochzeitsfotografin meiner besten Freundin alles festzuhalten. Doch im Moment will ich einfach nur alles in mich aufnehmen.

Der Fahrer lenkt den Wagen unter die mit Palmblättern behängte Markise eines großen Sandsteingebäudes, während Rhys und der Rest der Gruppe diskutieren, wann sie mit dem Trinken beginnen.

Manchmal, wenn mich die Reiselust packt, ich aber keinen Urlaub oder nicht genug Geld habe (was angesichts meiner Schulden oft der Fall ist), durchsuche ich das Internet nach Rezensionen von exotischen Resorts und Reisezielen. Dabei habe ich gelernt, dass nicht alle Resorts wirklich Resorts sind, so wie man sie sich vorstellt. Theoretisch könnte man eine Scheune über ein Motel 6 klatschen, es als Hochzeits-Location ausweisen und das Ganze als Resort melden, was Google zufolge tatsächlich jemand irgendwo in Florida versucht hat.

Aber das hier?

Das ist ein richtiges Resort, und ein richtig edles noch dazu. Im Foyer befindet sich ein Pool – einfach so –, der gleichzeitig als glasüberdachtes Atrium dient. Durch die gläserne Decke starre ich hinauf zu den Wolken, während Amelia mich zur Rezeption führt, die aussieht, als wäre sie aus vulkanischem Gestein gehauen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich in einer Fantasie befinde, der Zukunft oder einem lebendig gewordenen Salvador-Dalí-Gemälde. Hoffentlich alles drei.

»Ich kann es immer noch nicht glauben, dass du in Aruba heiratest«, sage ich, während wir auf meinen Zimmerschlüssel warten. Die Männer sind verschwunden, sobald wir die Lobby betreten haben, und ich rufe mir in Erinnerung, dass es mich nicht interessiert, wo Weston ist.

»Es klingt ja auch wirklich lächerlich«, gibt sie zu.

»Du wirst Rhys’ Old Lady«, erinnere ich sie und verrenke mir beinahe den Nacken bei dem Versuch, die immer neuen Wunder dieses Resorts in mich aufzunehmen, nachdem ich endlich eingecheckt bin und Amelia mich durch einen weiten Gang voller griechischer Säulen führt. Ich halte die Augen nach schmelzenden Uhren offen.

»Dann müsste ich erst mal einem Motorradclub beitreten«, korrigiert sie mich.

»Nein, er müsste in einer Gang sein. Außer natürlich, du hast mir all die Jahre deine Mitgliedschaft bei den Bildhauer-Vipers MCs verheimlicht.«

»Die Bildhauer-Vipers – wir hauen nicht nur Stein!« Sie lacht schnaubend, was auch mich zum Lachen bringt.

Plötzlich öffnet sich der Gang zu einer ausladenden Terrasse, gibt den Blick auf so viele Dinge frei, die um meine Aufmerksamkeit wetteifern, dass ich gar nicht weiß, wo ich zuerst hinsehen soll. Es gibt einen herrlich blauen Pool, der wie eine Niere geformt ist. Einen Pavillon, der von orange blühenden Ranken bedeckt ist. Schilder weisen eine Wellnesslandschaft aus, versprechen noch mehr Schätze, die ich mir kaum ausmalen kann.

Und dann ist da auch noch die Promenade. Mit klatschenden Flip-Flops führt Amelia mich über den hölzernen Pfad, der sich durch das Resort schlängelt. Hinter mir klackern die Räder meines Koffers. Überall blüht und duftet es, alles ist einfach wunderschön.

Wir kommen an einem Brunnen mit petrolfarbenem Wasser vorbei, einer perlenbehangenen Statue, einer waschechten Tiki-Bar. Schließlich endet die Promenade in weißem Sand, die Art Sand, die man sonst nur in der Werbung sieht, mit Palmen, die hoch über uns aufragen, und einer faszinierenden Ansammlung kleiner Hütten mit Strohdächern, die den Strand säumen.

»Hier übernachtet die Hochzeitsgesellschaft«, sagt Amelia in andächtigem Flüsterton. Dazu gehöre auch ich, obwohl ich theoretisch nur die Fotografin und keine Brautjungfer bin. Amelia wollte, dass ich beides bin, aber mir war es wichtiger, ihr das ewig währende Geschenk perfekter Fotos zu machen. Außerdem, wie sollte die Fotografin sich selbst auf sämtlichen Fotos der Braut mit ihren Brautjungfern ablichten? Selfie-Sticks sind nicht unbedingt ein Zeichen von Professionalität.

Sie deutet auf die Hütten, und ich gehe neben ihr her auf die kleinen Bungalows zu. Jeder ist in einer anderen tropischen Farbe gestrichen. Strahlendes Orange. Leuchtendes Gelb. Entspanntes Grün, wenn das überhaupt eine Farbe ist. Die Rollen meines Koffers bleiben im Sand stecken, doch das ist mir egal. Ich lasse ihn einfach stehen. Wer braucht schon Klamotten? Ich nicht. Nicht an diesem Ort, in Aruba, wo ich gleich meine private Hütte betreten werde.

Lachen und gedämpfte Stimmen dringen an mein Ohr, doch ich bin zu fokussiert auf mein Ziel, um irgendetwas anderes wahrzunehmen als diesen traumhaften Übergang von Resort zu paradiesischem Strand. Die Wellen erzeugen einen hypnotischen Soundtrack, als ich Amelia auf dem Weg zu den Hütten überhole. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mir gesagt hat, welche meine ist, und muss nicht noch mal nachfragen. In der salzigen Brise kann ich meine Hütte regelrecht nach mir rufen hören. Mein petrolfarbenes Zuhause für diesen Urlaub.

Mehr Lachen, dann das Klatschen eines Balls.

»Nova …«, sagt Amelia in dem Moment, als ich mich zu ihr umdrehe.

Ein Ball schießt an meinem Gesicht vorbei. Weiß und mit hoher Geschwindigkeit. Überrascht stoße ich die Luft aus und erstarre mitten in der Bewegung.

So erfahre ich, wo Rhys und die anderen hin verschwunden sind. Sie haben sich direkt auf das Beachvolleyballfeld gestürzt. Inzwischen sind sie alle oben ohne, und ich habe das Gefühl, in ein Fotoshooting für Abercrombie & Fitch gestolpert zu sein.

Und dann entdecke ich ihn. Zum zweiten Mal.

Weston Daly.

Nur dass er diesmal halb nackt ist und sein Köper ebenso gut ein Geschenk Gottes sein könnte – ein kleines Carepaket, mit dem der Allmächtige der Menschheit eine Freude machen wollte.

»Musstest du unserem Spiel in die Quere kommen?« Er kommt auf mich zu geschlendert. Die Konturen seiner Bauchmuskeln ziehen mich regelrecht am Ohrläppchen, damit ich sie auch ja bemerke. Eine dunkle Badehose schmiegt sich an seine definierten Oberschenkel wie ein Koala an einen Bambusbaum. Sein kastanienbraunes Haar passt einfach zu perfekt zu dem Grübchen in seiner linken Wange und dem unerhörten Strahlen seiner eisblauen Augen.

Mein Atem stockt. Ich kann diesen Typ nicht ausstehen. Aber großer Gott, in diesem Moment würde ich zu gern über ihn herfallen.

»Oh, bitte«, zische ich genervt.

»Erst schenkst du mir keine Beachtung, und dann kommst du auch noch meinem Spiel in die Quere?« Jeder Schritt, den er näher kommt, fühlt sich an wie eine Bedrohung, und ich kann nicht mal sagen, wieso. Er ist zu schön. Zu maskulin. Zu viel von allem, was ich mir jemals gewünscht habe.

Und dafür hasse ich ihn. Weil er mich niemals wollte.

»Dein Ball ist mir in die Quere gekommen«, erkläre ich ihm.

»Entschuldigt bitte, Prinzessin Nova.« Weston verbeugt sich übertrieben. »Bitte setzt Euren Weg fort. Ich würde es niemals wagen, Euren Weg zu kreuzen, um meinen Volleyball zu holen.«

»Kein Grund, dich lächerlich zu machen.« An Amelia gewandt sage ich: »Er ist noch lächerlicher geworden, seit ich ihn das letzte Mal gesehen habe, oder?«

Unsere angespannte Nicht-Begrüßung hätte mir Warnung genug sein sollen. Damit hat er sich nur warm gemacht, bevor er mir jetzt die volle Breitseite gibt: oben ohne, sämtliche Muskeln zur Schau gestellt, mit diesem Aussehen.

Das Grinsen auf Westons Gesicht ist einfach unerträglich. Dazu hat er die Hände in die Hüfte gestemmt, wodurch seine Oberarme noch besser zur Geltung kommen. Und als er wieder das Wort ergreift, spüre ich den rauen Bass seiner Stimme in mir.

»Das ignoriere ich einfach mal, auch wenn du eindeutig die Lächerlichere von uns beiden bist«, sagt er. »Schließlich verbringen wir die nächste Woche zusammen, Nachbarin.«

Irgendetwas an dem Wort zusammen erregt mich. Setzt mich regelrecht in Brand. Doch ich trete die Flammen schnell aus. Ersticke sie, denn schon bei unserer allerersten Begegnung habe ich alles über diesen Mann erfahren, was ich wissen muss. Mag sein, dass er heiß genug ist, um meine Hormone zum Überkochen zu bringen, aber zum Glück durchschaue ich sein sexy Grinsen.

Weston Daly spielt nicht nur in einer anderen Liga – er spielt in einer Liga, mit der ich nichts zu tun haben will.

Einer Liga voller attraktiver Weltenbummler und herzloser Playboys.

Und ich habe schon vor langer Zeit gelernt, auf wie viel Abstand ich Männer wie ihn halten muss.

Kapitel 2

WESTON

Kennt man einen Strand, kennt man alle. Ich selbst habe schon einen ganzen Haufen gesehen. Der, an dem ich mich jetzt befinde, ist zwar super, aber auch genau das, was man von einem paradiesischen Traumstrand erwarten würde.

Das kann man übrigens von so ziemlich allen Dingen im Leben behaupten, je nachdem, wie abgestumpft man sein will. Nach acht Jahren Reisen kann ich jedenfalls bestätigen, dass diese Aussage auf die folgenden Dinge zutrifft: Strände, Großstädte, Slums, Gewächshaustomaten, internationale Flughäfen und – auch wenn ich damit sicher Kritik riskiere – Rotschöpfe, die ohne Grund die beleidigte Leberwurst spielen.

Ist wohl nicht schwer zu erraten, in welche Kategorie die o so reizende Nova Henderson fällt.

»Weston! Komm schon, Kumpel«, ruft Rhys vom Volleyballnetz. All unsere Freunde, und auch ein paar neue Bekannte, die wir eben erst am Strand kennengelernt haben, warten darauf, dass ich zurückkomme. Mit dem Volleyball unter dem Arm sehe ich Nova hinterher, als sie wütend auf die Hütten zu stampft.

Ich habe keine Ahnung, was ich getan habe, um ihren Hass zu verdienen, aber so ist es nun mal. Schon seit wir uns vor vier Jahren kennengelernt haben, schnappen wir nacheinander wie zwei rivalisierende Wölfe. Dabei ist es vollkommen egal, wie viel Zeit zwischen unseren ungeplanten Treffen liegt – ihre Abneigung ist genauso groß wie beim letzten Mal.

Was wirklich schade ist, denn abgesehen von ihrem Verhalten mir gegenüber hat Nova durchaus einiges an sich, das ich zu schätzen weiß.

Eins dieser Dinge bewegt sich jetzt unter ihrem fließenden Rock, als sie Sand spritzend auf meine Hütte zuhält.

»Hey«, belle ich, als sie nach dem Türknauf greift. Doch sie hört mich nicht. Oder zumindest beachtet sie mich nicht. Aber das kann ich nicht hinnehmen. Wir haben gerade mal dreißig Minuten miteinander verbracht und sie bricht schon in meine verdammte Hütte ein?

Amelia joggt hinter ihr her, Novas Namen rufend. Doch der rothaarige Bulle lässt sich nicht aufhalten. Sie stürmt in meine Hütte, als würde sie ihr gehören. Ich renne ihr nach, erreiche die Tür noch vor Amelia.

»Was zur Hölle tust du da?«, verlange ich zu wissen.

Nova steht mitten in meiner Hütte. Mit schmalen Augen und in die Hüfte gestemmten Händen dreht sie sich zu mir um. Sie ist genau die Art Frau, die mich schon mein ganzes Leben lang zugleich angezogen und abgestoßen hat, aus sehr unterschiedlichen Gründen. Aber in diesem Moment ist es eine verstörende Mischung aus beidem.

Nova und ich begegnen uns an allen möglichen Orten auf der Welt. Hier habe ich ausnahmsweise sogar mit ihr gerechnet, aber es gab zwei andere Reisen, bei denen das absolut nicht der Fall war. Beide Begegnungen – das erste Mal in Amsterdam, auf dem Trip, der Rhys und Amelia zusammengebracht hat, das zweite Mal in Portugal – waren auf ihre Art höchst komplex. Denn in ihrer Nähe zu sein ist gleichermaßen nervtötend und beeindruckend.

Ihr kluger Kopf und ihr unglaublich runder Po ziehen mich an.

Zugleich stößt sie mich ab, weil sie sich verhält, als wäre ihr jeder Ort dieser Welt lieber, als in meiner Nähe zu sein.

»Kannst du mich nicht einfach diese ersten kostbaren Momente in meinem neuen Zuhause genießen lassen?«, fragt sie mit einem Gesichtsausdruck, als hätte sie sich schon zigmal rechtfertig müssen.

Ich schnaube. Nova hat sich offenbar einen neuen Schlachtplan überlegt, um mir auf die Nerven zu gehen. »Dein neues Zuhause?«

»Ja. Amelia hat gesagt, dass die petrolfarbene Hütte meine ist …«

»Das habe ich nie gesagt«, mischt sich Amelia ein, die gerade den Kopf durch die Tür streckt. Sie beobachtet uns, als wäre sie bereit, jeden Moment den Notruf zu wählen.

»Das ist meine Hütte, Nova.« Ich spreche extra langsam in der Hoffnung, dass die Neuigkeit so schneller zu ihr durchdringt. Verwirrung schimmert in ihren hübschen grünen Augen. Ja, ich genieße diese Situation. Jede Sekunde davon. Denn es ist fast, als wäre Nova in eine Falle getappt, die ich ihr unabsichtlich gestellt habe.

»Du hast gesagt, ich bekomme die petrolfarbene Hütte«, sagt Nova über meine Schulter hinweg zu Amelia.

»Nein, habe ich nicht! Ich habe dir nie gesagt, welche Hütte du bekommst!«, widerspricht Amelia.

Frustriert stößt Nova die Luft aus und legt sich eine Hand an die Stirn. Ich schaffe es nicht, mir das triumphierende Grinsen zu verkneifen. Ich habe gewonnen.

Wetteifer liegt mir einfach im Blut, und dieser Sieg ist nicht nur nett, er wird mir regelrecht auf einem Silbertablett serviert.

»Deine Hütte ist nebenan«, sagt Amelia.

»O Gott«, stöhnt Nova. Ohne mich eines Blickes zu würdigen, stürmt sie an mir vorbei. »Das heißt, ich muss mit anhören, wie die gesamte weibliche Bevölkerung von Aruba durch diese Tür spaziert.«

Mein Lächeln verblasst. Tja, damit ist klar, wie sie über mich denkt. Allerdings liegt sie damit nur zum Teil richtig. Eine Woche bietet nicht genug Zeit, um mit der gesamten weiblichen Bevölkerung von Aruba zu schlafen. Ganz abgesehen davon, dass ich auch gar kein Interesse daran habe, die gesamte weibliche Bevölkerung zu vögeln.

Ein Bruchteil davon würde mir reichen.

»Sorry, was hast du gesagt?«, frage ich trocken, während ich ihr und Amelia hinaus folge. »Könntest du das noch mal wiederholen? Deine Meinung über mich ist mir noch nicht ganz klar.«

»Petrolfarbene Drehtür für nächtlichen Besuch«, stellt Nova klar, als sie die Tür der pinken Hütte neben meiner aufschiebt. »Verletzung der Nachtruhe mit deinem Gestöhne.«

Ich verziehe das Gesicht. »Verstanden.« Einen Augenblick später kracht die Tür hinter ihr und Amelia zu. Das Volleyballspiel ist zum Stillstand gekommen, da ich immer noch den Ball unter den Arm geklemmt habe.

»Alter, kommst du langsam mal wieder?«, ruft Rhys.

Mit knirschenden Zähnen gehe ich zurück zum Spielfeld. So viel zu einem schönen, entspannten Volleyballmatch. Jetzt kann ich nur noch daran denken, was ich noch zu Nova hätte sagen können. Und an ein paar andere Dinge, zum Beispiel, wie verdammt sexy sie in den eineinhalb Jahren, in denen wir uns nicht gesehen – oder beleidigt – haben, geworden ist.

»Kannst von Glück reden, dass sie nicht deine Freundin ist.« Elliot, einer von Rhys’ besten Freunden aus Bedfordshire, beobachtet mich grinsend. »Sonst würde sie dich heute Nacht bestimmt nicht ranlassen.«

»Sehr witzig.« Ich werfe den Ball zu Rhys rüber, damit er den Aufschlag machen kann. Jede Zelle meines Körpers will sich umdrehen, um zu sehen, ob Nova vielleicht wieder aus ihrer pinken Hütte kommt, doch ich weigere mich, ihr mehr Beachtung zu schenken als unbedingt nötig. Sogar Blickkontakt ist für den Rest der Woche tabu.

Ich bettle nicht um Sex, und erst recht nicht darum, dass jemand mich mag. Wenn Nova mich nach einem halben Jahrzehnt weiterhin hassen will, soll sie das eben tun. Ich muss dann nur dran denken, ihr irgendwann eine Postkarte zu schicken, adressiert an Ich-Hasse-Weston-Dorf, Einwohnerzahl: 1.

Aruba ist nicht sehr groß, trotzdem wird es kein Problem sein, ihr aus dem Weg zu gehen.

Mit einem Klatschen schickt Rhys den Volleyball auf die andere Seite des Netzes. Ein paarmal fliegt der Ball hin und her, doch nachdem der Typ, der sich selbst Wino nennt, mit einem peinlichen Bauchplatscher im Sand gelandet ist, machen wir einen weiteren Punkt und haben das Spiel gewonnen.

»Ja, verdammt!« Mit in die Luft gereckter Faust stürmt Rhys auf mich zu. Wir springen beide hoch, sodass wir mit den Oberkörpern kollidieren. Elliot schließt sich unserem Siegestanz an, kurz darauf stößt auch Keko zu uns, den Rhys und ich auf der Reise kennengelernt haben, die auch uns zu Freunden gemacht hat. Wir sind eine internationale Bruderschaft. Ich repräsentiere die USA, Rhys und Elliot Großbritannien, und Keko ist unser Repräsentant für Südamerika, da er in Chile geboren wurde.

So sehen die meisten meiner Freundeskreise aus. Allein in Europa habe ich mehr Freunde, als die meisten Menschen in ihrem gesamten Leben kennenlernen. Wenn ich wollte, könnte ich von Kalifornien bis nach Kroatien couchsurfen – was ich einmal sogar fast getan hätte, wenn auch unabsichtlich. Aruba ist das zehnte Land, das ich seit letztem Jahr bereist habe, als ich mein Vagabundenleben offiziell begonnen habe. Und es gibt noch so viele andere Orte zu entdecken. Doch der nächste Stopp auf meiner Route – nach einer kurzen Pause in Bayshore – wird Thailand sein.

Das einzig Wahre: Chiang Mai. Und nicht nur das, dieser Trip wird der verdammte Funken sein, der meine bisher schwächelnde Karriere als Social-Media-Influencer endlich richtig ins Rollen bringt. Denn das muss passieren.

Ich habe mir selbst versprochen, während dieser Woche in Aruba nicht an meine Abwärtsspirale ins ewige Vergessen zu denken. Was vor zwei Jahren während eines Urlaubs voller fantastischer, abenteuerlicher Fotos als explosiver Erfolg begonnen hat, stagniert aktuell bei einer mageren Followerzahl von gerade mal 300.000 – Trend abnehmend. Ich habe auch keine Angebote von coolen Firmen mehr bekommen, die weiterhin Geld auf mein Konto pumpen wollen.

Eigentlich sollten die mir hinterherjagen, aber jetzt bin ich derjenige, der denen hinterherjagt. Vor Wochen habe ich einem der ganz großen Namen in der Reisebranche – Cliffhanger Gear – einen Pitch geschickt, um die Marke in Thailand, Marokko und weiteren Orten zu vertreten. Jetzt heißt es, abwarten und mich nicht mit dem drohenden Ende meines ortsungebundenen Lebensstils verrückt machen.

»Hey, seid ihr gerade beschäftigt?«

Die weiche, weibliche Stimme zieht unsere Blicke zum Wasser. Eine braun gebrannte Blondine mit großem Sonnenhut sieht uns an, die Unterlippen zwischen den Zähnen.

»Äh, nein, gar nicht«, sagt Elliot und bläst sofort die Brust auf.

»Könnt ihr mir dann vielleicht helfen?«

Das ist einer der besten Aufhänger für jeden Macho, der bei einer Frau landen will. Doch im Gegensatz zu dem, was Nova von mir denkt – nicht, dass es mich interessiert –, bin ich nicht darauf aus, bei einer Frau zu landen. Die Frauen kommen zu mir.

Elliot fällt beinahe über seine eigenen Füße, als er auf die blonde Frau zueilt, Keko dicht auf seinen Fersen. Ich höre nicht, was sie zu den beiden sagt, doch Keko bedeutet uns, ihnen zu folgen. Widerstrebend schließt Rhys sich mir an, als wüsste er ganz genau, wie riskant es ist, einer Blondine an den Strand zu folgen.

»Womit kann sie denn Hilfe brauchen?«, fragt Rhys. In dem Moment erklingt ein scharfes Oink, und eine Art Wildschwein bricht aus einem kleinen Palmenwäldchen hervor. Die Blondine kreischt auf, und plötzlich stolpert Elliot zurück, landet mit dem Rücken im Sand. Möglich, dass er in eine Schockstarre gefallen ist, das kann ich aus der Entfernung nicht sagen. Rhys und ich rennen auf die anderen zu, wirbeln Sand hinter uns auf.

»Was zur Hölle war das?«, will Rhys wissen, als wir Keko und Elliot erreicht haben, der sich inzwischen wieder aufgerappelt hat. Die Blondine hält ihren Hut fest und lacht lauthals in die Sonne, als wäre das hier ein Werbespot für Bademode oder vielleicht ein Vorsprechen für Versteckte Kamera.

Rufe und gelegentliches Quietschen dringen zu uns, während das Wildschwein im Kreis rennt, etwas im Sand anschnaubt und dann zurück in die Büsche trabt. Kurz darauf erklingt Amelias Stimme.

»Ich bin mir ziemlich sicher, das war ein Schwein!«

»Wildschein, meinst du wohl, Süße«, ruft Rhys zurück. Nova streckt den Kopf aus der Tür, und sofort begegnen sich unsere Blicke. Mist. Über den warmen Sand gehe ich zu Keko und Elliot hinüber, denen die Blondine gerade etwas in ihrem Hut zeigt. In der Meeresbrise weht ihr Haar hinter ihr wie weiß glitzernde Bänder. Ich sollte mich definitiv mehr auf das konzentrieren, was hier vor sich geht, als auf die freudlose Rothaarige hinter mir.

Vermutlich sollte genau das mein Motto für diese Woche sein.

»Oh, du hast Freundinnen!«, ruft Keko im nächsten Moment und sieht mit diesem teuflischen Funkeln in den Augen zu mir herüber. Sein tiefschwarzes Haar wird ihm in einer witzigen Welle über die Stirn geweht. »Du solltest sie hier rüber einladen. Wir haben auch Freunde.«

»Je mehr, desto besser, sage ich immer.« Elliot hat seinen britischen Charme voll aufgedreht, deutet sogar eine Verbeugung an. Auch sein Akzent tritt deutlicher hervor, seit er mit der Blondine redet.

»Und was ist mit dir?« Die Blondine kommt auf mich zu, zeigt mir das Lachgrübchen in ihrer sonnengeküssten Wange. Ich nehme einen leichten Akzent wahr – irgendwas Skandinavisches, würde ich wetten –, während sie mich unverhohlen mustert. Ja, ich bin oben ohne, und wir befinden uns an einem Strand, trotzdem sollte man meinen, sie würde meine Bauchmuskeln weniger offensichtlich anstarren. Auch wenn die echt sehenswert sind.

»Äh, ja. Ich bin auch ein Freund.« Ich schenke ihr die Art Lächeln, die sämtliche Frauen schwach werden lässt.

Ich bin ein Daly. Das hier liegt mir im Blut. Ich kann eine Frau mit fünf Worten und einem gut platzierten Lächeln für mich gewinnen. Ich könnte diese Blondine schneller zu meinem Aruba-Girl machen, als Keko sie fragen kann, wo ihre Freundinnen herkommen. Meine großen Brüder sind Frauenjäger, und sie haben mich vieles gelehrt. Als ich in die Pubertät kam, hatten meine beiden ältesten Brüder Dom und Grayson diese Kunst schon perfektioniert. Ich konnte mich also zurücklehnen und einfach den Unterricht genießen.

Allerdings hat keiner von ihnen mitbekommen, dass ich zum Experten geworden bin. Zumindest dafür haben meine vielen Reisen gesorgt.

»Du siehst ein bisschen komisch aus«, sagt die Blondine, übertrieben die Augen zusammenkneifend. Sie will mich – das steht ihr ins Gesicht geschrieben. Sie hat nur noch Augen für mich.

»War das ein Kompliment?«, necke ich. Sie macht es mir wirklich zu leicht. Wenn ich wollte, wäre sie innerhalb von fünf Minuten Wachs in meinen Händen.

Aber will ich das? Ich bin noch unentschlossen.

Sie lacht und lässt den großen Hut hinter sich flattern, als sie zurück zu Keko und Elliot geht. Sie ruft etwas auf Finnisch oder Norwegisch, als sie über den Strand läuft und uns hinter sich her winkt. Das ist definitiv die Art Situation, in der ich ihr folgen würde. Doch eine trockene Stimme zerreißt meine abendlichen Strandträume.

»Die sieht aus wie die Art Frau, die dich in einen zu frühen Tod lockt.«

Als ich mich umdrehe, stehen Nova und Amelia hinter mir. Nova hat ihr langes rotes Haar zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden. Der Wind presst ihr Kleid an ihre üppigen Kurven. All meine Erwiderungen verpuffen, als ich sie so sehe. Die Monate, die wir getrennt verbracht haben, haben ihr gutgetan, auch wenn ich nicht genau sagen kann, was sich verändert hat. Irgendwie sieht sie frischer aus. Und auf eine Art sexy, die mir nie zuvor aufgefallen ist.

»Du weißt schon, wie in solchen Filmen, in denen ein hübsches Mädchen unbedarfte Touristen in eine Organhändlerfalle lockt, oder so«, fährt sie fort. Anscheinend nimmt sie mein Schweigen als Zeichen, dass ich sie nicht verstanden hätte. »Im Dschungel habe ich das schon mal gesehen. Und ein Strand bietet sich natürlich auch an. Du solltest aufpassen.«

»Ich bleibe hier, Kumpel«, sagt Rhys – was auch sonst. Er steht schließlich kurz davor, seine eigene blonde Strandschönheit zu heiraten. »Aber nicht wegen der Organhändler.«

»Das Wildschwein scheint mir auch kein gutes Omen zu sein«, fügt Nova unnötigerweise hinzu.

Ich sehe Elliot und Keko hinterher. Ich sollte ihnen folgen, einfach weil es das ist, was ich normalerweise tun würde. So bin ich eben. Ich folge immer der Spur des größten Abenteuers. Immer auf der Suche nach der nächsten Erfahrung, der nächsten Frau, dem nächsten Flug.

»Das klingt, als wüsstest du ziemlich gut über Schwarzmarkt-Organhandel Bescheid«, sage ich zu Nova.

»Nein, nein. Keine persönliche Erfahrung«, stellt sie klar. »Noch nicht.«

Ich ersticke das Lachen, das aus mir hervorbrechen will. Ich darf Nova auf keinen Fall zeigen, wie witzig sie ist. Schließlich sind wir Gegner, auch wenn ich nicht weiß, wieso eigentlich.

»Tja, dann danke für die Tipps. Ich gehe jetzt mal meine Nieren opfern.« Ich tippe mir an einen imaginären Hut, bevor ich meinen Freunden am Meer entlang folge. Obwohl da dieses merkwürdige Gefühl in meinem Magen ist, das mich zurückhalten will.

Nicht wegen des illegalen Organhandels. Wegen Nova.

Aber ich werde ganz sicher nicht auf sie hören. Wenn ich ihr zuhöre, riskiere ich nur, sie besser kennenzulernen. Und wenn ich sie kennenlerne, könnte ich sie am Ende sogar mögen.

Aber das passt nicht in meinen Fünf-Jahres-Plan. Ich will sie nicht mögen und auch sonst niemanden. Mein Leben ist darauf ausgerichtet, bestimmte Ziele zu erreichen: ständig reisen, ein faszinierendes Leben führen und endlich genauso viel Erfolg haben, wie jeder andere Mensch – insbesondere in meiner Familie.

Um das zu schaffen, muss ich fliegen, anstatt mich zu verlieben.

Kapitel 3

NOVA

Warmes, spätabendliches Sonnenlicht taucht mich in einen goldenen Pool der Perfektion. Seit zwanzig Minuten habe ich mich nicht von diesem Platz auf der grauen Chaiselongue wegbewegt, einfach weil ich in Aruba bin.

»Nova, Süße. Lass uns gehen.«

Amelias superentspannte Stimme bricht durch meine sonnengetränkten Tagträume. Ja, es war schon später Frühling, als ich Upstate New York verlassen habe, aber im Vergleich zu diesem Inselparadies steckt meine kleine Heimatstadt nahe der kanadischen Grenze noch tief im Winter fest. Ich stoße ein langes, zufriedenes Seufzen aus und grinse meine beste Freundin an. »Können wir permanent hierherziehen?«

Sie schnaubt. »Glaub mir, Rhys und ich haben schon angefangen, uns die Immobilienangebote anzusehen.«

»Denkt ihr an ein Ferienhaus?« Rhys ist einer dieser unerklärlich reichen Menschen. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, gehört Amelia eigentlich auch dazu. Genau genommen scheinen alle Mitglieder der Hochzeitsgesellschaft gut betucht zu sein, ohne übermäßig viel zu arbeiten. Ich komme mir vor wie die einzige Vertreterin des hart schuftenden Pöbels, die der Elite beweisen will, dass sie genauso ist wie sie. Amelia gegenüber würde ich niemals zugeben, wie lange ich sparen müsste, um mir einen solchen Urlaub leisten zu können – deswegen bin ich auch besonders dankbar, dass sie mein Flugticket bezahlt haben. Sie hat behauptet, es wäre billiger, mir Flug und Unterkunft zu zahlen, als eine andere Fotografin einfliegen zu lassen. Sie hat also »zwei Bräute mit einer Kamera erwischt«. Ihre Worte, nicht meine.

»Na ja, erst mal versuchen wir nur ein Gespür für die Immobilienmärkte in verschiedenen Ländern zu bekommen«, sagt sie ausweichend, auf die Art, wie eine geschmackvolle reiche Mittfünfzigerin Designeruhren kommentieren würde. »Wir können uns noch nicht entscheiden, wo wir uns niederlassen wollen.«

»Ich finde es toll, dass ihr überhaupt über etwas nachdenken könnt, das sich nicht auf dem Grundstück eurer Eltern befindet«, sage ich, während sie mich zu unserer nächsten geplanten Aktivität führt. Ich habe einen Terminkalender bekommen, in dem alles eingetragen ist, aber der ist leider schon im Chaos meines explodierten Koffers irgendwo in meiner pinken – nicht petrolfarbenen – Tiki-Hütte verloren gegangen.

Amelia wirft mir einen mitfühlenden Blick zu. Sie weiß, wie sehr meinen Eltern die Vorstellung missfällt, dass ich jenseits der Staatsgrenzen von New York leben könnte. »Was wollen sie denn tun, wenn du irgendwann heiratest und, ich weiß auch nicht, aus ihrem Garten ausziehen willst?«

»Ich bin mir nicht sicher, ob sie das zulassen«, sage ich kläglich und betrachte die beinahe schmerzhaft schöne Umgebung, während wir die Promenade entlangschlendern. Für wie unwahrscheinlich ich es halte, dass ich jemals heiraten würde, behalte ich für mich. Vor Generationen muss irgendetwas passiert sein, das mich in romantischer Hinsicht verflucht hat, und leider kenne ich nicht genug Hexen, um diesen Fluch zu brechen. Noch nicht.

»Dass du heiratest oder dass du wegziehst?«

»Dass ich wegziehe«, erwidere ich. »Eine Hochzeit wünschen sie sich auf jeden Fall. Ich glaube, sie sind schon dabei, meine Ehe zu arrangieren.«

Amelia schnaubt. »Moment, habe ich was verpasst? Soweit ich weiß, hast du momentan keinen Freund.«

»Habe ich auch nicht. Das ist ja das Problem.« Mit der Fingerspitze fahre ich die Naht der kleinen Tasche nach, die ich mir umgehängt habe. »Aber sie wollen unbedingt, dass ich mit Jimmy zusammenkomme.«

»Jimmy?« Aus ihrem Mund klingt der Name langweilig, was ein Teil von mir als Zeichen sehen will.

»Wir sind zusammen zur Schule gegangen. Wir waren immer schon befreundet, aber in letzter Zeit unternehmen wir öfter was zusammen. Deswegen sind meine Eltern natürlich der Meinung, dass wir heiraten sollten.«

Wieder schnaubt Amelia. »Natürlich.«

»Ich glaube, sie haben Angst, dass ihre Dating-behinderte Tochter sonst keine Chance mehr darauf hat, jemals eine Mrs zu werden«, sage ich. »Aber da muss ich sie sowieso enttäuschen. Selbst wenn ich heirate, behalte ich meinen Nachnamen.«

»Ihr solltet euch einfach euren eigenen Nachnamen ausdenken.« Amelia lacht.

»Wer, Jimmy und ich? Nein, wir spielen nur zusammen Billard. Ich werde niemals, du weißt schon, mit seinen anderen Kugeln spielen.«

Laut lachend packt Amelia mich am Arm. »Was stimmt denn nicht mit seinen Kugeln?«

»Keine Ahnung. Vermutlich sind sie ganz normal. Aber ich habe nicht vor, es jemals herauszufinden. Ich finde sie einfach nicht attraktiv. Ich meine, ihn.«

Das zuzugeben fühlt sich beinahe frevelhaft an. Wie kann eine Frau wie ich, eine Frau mit so wenig Alternativen, es wagen, den ersten Mann abzulehnen, der seit dem College aufrichtiges, anhaltendes Interesse an ihr zeigt? Ich bin undankbar. Ich muss verrückt sein. Ich muss unverzeihlich dumm sein.

Zumindest will mir das die Gesellschaft einreden. Und selbst meine Familie spielt manchmal in weniger harten Worten darauf an. Aber verdammt, ich will zumindest den Ansatz von sexueller Anziehungskraft spüren, bevor ich einem Mann mein gesamtes Leben widme.

Könnte ich Westons Bauchmuskeln doch nur auf Jimmys Körper übertragen. Und Westons Gesicht am besten auch. Zumindest seine unfassbar blauen Augen. Und diese starken Oberschenkel, die in einer feuchten Badehose einfach unglaublich aussehen. Und sein Schlüsselbein. Aus irgendeinem Grund hat dieser Mann ein sexy Schlüsselbein.

Im Prinzip müsste man also Jimmys gesamtes Erscheinungsbild gegen Westons eintauschen, und dann könnte ich vielleicht in Erwägung ziehen, mein Leben mit ihm zu verbringen. Aber nur, wenn Westons Charakter nicht auch irgendwie in Jimmy übergeht. Denn das wäre ein absolutes K.o.-Kriterium. In den fünf Stunden, seit ich auf dieser Insel gelandet bin, hat Weston die Grenzen klargemacht. Er hat sich längst für irgendeine Strandblondine entschieden. Und obwohl ich nicht will, dass er sich für mich entscheidet, wünsche ich mir nichts mehr, als dass er sich für mich entscheidet.

»Das ist das Problem mit Beziehungen, oder? Man kann mit dem tollsten Typ der Welt zusammen sein«, sagt Amelia, »aber wenn er dich nicht heiß macht, könntest du genauso gut mit deinem Bruder zusammen sein.«

»Großer Gott. So habe ich das noch nie gesehen, danke für dieses abschreckende Bild.«

Amelia kichert wie eine durchtriebene Elfe. Obwohl ich durch und durch unzufrieden mit meinem Leben zu Hause bin, in diesem Moment scheint alles gut zu sein. Das ist die Macht einer besten Freundin. Und eines Strandparadieses.

»Vielleicht findest du diese Woche ja einen unfassbar attraktiven Mann«, sagt Amelia ermunternd. »Liebe liegt in der Luft. Rhys und ich werden diese Insel verheiratet verlassen, aber du könntest sie zumindest verlobt verlassen.«

»Ha! Wenn die Speisekarte für Männer hier doch nur halb so gut wäre wie die Cocktailkarte.«

Mit einem Pling verkündet mein Handy den Eingang einer neuen Nachricht. Natürlich ist es Jimmy. Denn ich bin mir sicher, er konnte sogar auf tausende Meilen Entfernung spüren, dass ich ihn nicht will.

JIMMY: Du fehlst mir jetzt schon. Ist das komisch?

Nein, es ist nicht komisch. Mir fehlen meine Freunde auch, wenn sie nicht da sind. Doch Jimmy meint es auf deutlich romantischere Art. In den letzten Monaten hat er mir immer wieder diese Blicke zugeworfen und mich länger als nötig umarmt. Ich weiß, dass er rücksichtsvoll sein und es langsam angehen will. Doch ein Teil von mir wünscht sich, er würde endlich aufhören, um den heißen Brei herumzureden, damit ich diese Sache im Keim ersticken kann. Der andere Teil von mir flüstert, dass mich niemals wieder jemand so sehr wollen wird wie er und dass ich einfach Ja sagen und mitmachen sollte.