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Catharina Thamm

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Beschreibung

Die Wüstenstadt Makeda befindet sich nach zwanzig Jahren Krieg in den Vorbereitungen für die Versöhnungsfeier zwischen Königin Nala und König Akos. Jedoch spinnen Feinde ein wirres Netz der Verschwörung, um selbst an die Macht im Reich zu kommen. Die Leibgarde der Königin versucht alles um ein Attentat zu verhindern, macht dabei die Bekanntschaft mit Dieben, Betrügern, Halunken, Saufbolden sowie allerhand Gesindel und muss dabei feststellen, dass es nicht immer klare Grenzen zwischen Gut und Böse gibt. In den Jahren nach dem Krieg muss die Wüstenstadt große Herausforderungen meistern und immer noch gegen Feinde kämpfen.

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Veröffentlichungsjahr: 2021

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Ähnliche


Inhaltsverzeichnis

Teil 1: Löwen und Falken

1

2

3

4

5

6

7

Teil 2: Wüste, Berge und Meer

8

9

10

11

12

13

Teil 3: Halunken und Fürsten

14

15

16

17

18

19

Impressum

Catharina Thamm

Makeda – Die Wüstenstadt

Teil 1: Löwen und Falken

1

Obwohl der Krieg zu Ende war, hatte sich für Neema nichts geändert. Hunger und Müdigkeit waren ihre täglichen Begleiter, immer auf der Suche nach einem sicheren Ort streifte sie durch das Land und versuchte möglichst nicht aufzufallen. So war sie auch in der wandernden Zeltstadt am Rande der Wüste gelandet. Mit Kartentricks und Hütchenspiele zog sie dem betrunkenen Volk das Geld aus der Tasche, um sich ein paar Münzen zu verdienen. Das betrügen lag ihr im Blut. Nur so hatte sie den Krieg überleben können und sie konnte sich auch kein anderes Leben vorstellen. Ihre Finger waren flink und die Murmel unter der Nusschale kaum zu sehen. Neema war eine ausgefuchste Trickserin, eine Betrügerin und in der Not auch eine Diebin.

Die Zeltstadt bot an diesem Tag allerdings nur wenig Kundschaft für Neemas Spiele, da die Ausläufer eines Sandsturmes heftig über die Erde fegten. Alle waren damit beschäftigt ihr Hab und Gut windfest zu machen oder sie suchten einen geschützten Ort zum Aufwärmen. So fiel Neema sofort der grimmige Mann in den verlassenen Zeltgassen auf, welcher hin und her irrte und offensichtlich jemanden suchte. Er ritt auf einem Pferd. Händler waren auf Kamelen unterwegs, weil sie weite Strecken zurücklegen mussten und Kamele sich der Wüste am besten anpassten. Also musste es sich um einen Soldaten handeln. Als der Fremde abstieg und seinen Umhang, der ihn vor dem herumfliegenden Sand schützte, zurückschlug, wurde Neemas Verdacht bestätigt. Auf seiner Brust prangte ein Falke, das Symbol der Königsgarde. Und auch das Rattengesicht war ihr vertraut. Was hatte Hauptmann Hafsa in dieser abgelegenen Gegend zu suchen?

Bei ihrer letzten Begegnung mit Hafsa war Neema nur knapp dem Gefängnis entkommen. Als der Krieg seinen Höhepunkt erreicht hatte, hatte sie sich dem fahrenden Volk angeschlossen und zog mit Feuerspuckern, Jongleuren, Huren und Badern hinter dem Tross der Falken Garde und dem Heer des Königs her. Nicht weil sie auf der Seite von König Akos stand, sondern weil es der Zufall so gewollt hatte.

Nach den Schlachten und an den Tagen des Stillstandes ließ der Hauptmann Künstler und Narren in die Lager bringen, um die Soldaten zu unterhalten und bei Laune zu halten. An einem dieser Abende führte Neema ihre Kartentricks vor, betrog die Männer um ihren Sold und freute sich bereits über einen Gewinn, der es ihr ermöglichen würde das fahrende Volk zu verlassen und sich für eine kurze Zeit in sichere Gegenden zurückzuziehen, denn die verstümmelten und betrunkenen Männer widerten sie zunehmend an.

Doch die Freude kam übereilt. Hauptmann Hafsa hatte sich inkognito unter die Spieler gemischt und verlor Münze für Münze. Als die Kartenspiele beendet waren und sich die Soldaten mit leeren Taschen und vom Wein benebelt zurückzogen, nahm Hafsa die Falschspielerin zur Seite.

„Ich weiß nicht, wie du das gemacht hast“, bedrohte er sie und knurrte wie ein tollwütiger Hund. „Aber du hast mich um eine große Menge Geld betrogen, du kleines Wüstenwiesel!“

Neema stockte der Atem. Sie konnte nichts zu ihrer Verteidigung vorbringen und starrte angsterfüllt in das Rattengesicht des Mannes.

„Ich bin der Hauptmann der Garde. Ich brauche keine Beweise, um dich ins Gefängnis werfen zu lassen. Oder…“ Er musterte sie von unten bis oben. „Es dich anders büßen zu lassen.“

Neema hörte es nicht, weil in ihren Ohren das Blut rauschte. Aber in einiger Entfernung wurden Stimmen lauter, Schreie und Gebrüll brachen aus. Der Hauptmann zögerte und schnaubte Neema mit seinem giftigen Atem an bis ein Soldat angerannt kam.

„Hauptmann! Wir werden angegriffen!“, schrie er entsetzt, ehe er mit Panik gefüllt wieder davon lief.

Hafsa schäumte wie ein Tier, das es kaum erwarten konnte, seine Beute zu erlegen. Er griff Neema am Kragen, zog sie ganz nah an sich heran und flüsterte mit eisiger Stimme in ihr Ohr: „Das nächste Mal entkommst du mir nicht so leicht!“

Dann lockerte er seinen Griff, nahm Neemas Beutel mit den Goldmünzen an sich und das Mädchen fiel zurück auf die Sohlen. Hafsa behielt sie so lange wie möglich im Blick, während er dem Angriff entgegeneilte.

Seit jener Begegnung litt Neema unter Verfolgungswahn. Egal in welcher Stadt, in welchem Dorf oder auf welchem Weg sie sich befand, immer fürchtete sie Hafsa in die Arme zu laufen. Nun war dieser Tag gekommen und Neema vergrub das Gesicht hinter der Kapuze, während sie den Hauptmann auf Schritt und Tritt verfolgte.

Immer noch auf der Suche führte Hafsa sein Pferd hinter sich her und ignorierte die Händler und Huren, die sich ihm darboten, nachdem sie erkannt hatten, dass ein reicher Mann durch die Straßen lief. Dann schien er gefunden zu haben, wen er suchte.

Ein Mann mit struppigem Haar und dunkel umrandeten Augen, winkte den Hauptmann zu sich heran. Neema beobachtete wie der Mann, dessen Augenpartien wie eine groteske Maske wirkten, da die schwarze Farbe sich aufgrund von Schweiß und Nässe immer wieder verwischt hatte, ein Schriftstück entgegen nahm. Es wurden nur wenige Worte gewechselt, dann ritt Hafsa davon. Der Zurückgelassene roch an dem Stück Papier, drückte es an sein Herz und ging eilig davon. Neema wartete ein paar Augenblicke in ihrem Versteck bis sie beschloss in der Schenke die letzten Sturmableger abzuwarten, um dann in entgegengesetzter Richtung zu Hauptmann Hafsas Weg die Zeltstadt zu verlassen.

Sie war nicht die Einzige, die in der Schenke Schutz vor den Ausläufern des Sturms suchte. Die Menschen drängten sich dicht an dicht. Während sie sich durch die Menge schlängelte, nahm sie kaum jemanden wahr. Doch eine Stimme ließ sie inne halten.

„Dieser Brief wird den Untergang von Königin Nala einleiten! Und dann… dann wird ein Stein nach dem anderen fallen. Es wird ein Spiel! Ein großes Spiel! In sechs Tagen werde ich den Brief überbringen und der erste Stein wird fallen!“, feixte ein Mann, den Neema nur von hinten sehen konnte.

Ihm antwortete ein Zwerg. „Wie oft hast du das schon behauptet?! Aber ehrlich, deine Spiele sind doch nur Hirngespinste. Du trinkst zu viel. Oder ich nicht genug! Lass uns noch etwas Wein bestellen und auf die Schönheit der Königin anstoßen!“

Doch der Mann freute sich immer noch wie ein Kind über das Stück Papier in seinen Händen. „Lass Wein bringen und wir stoßen auf eine neue Zukunft an und auf das größte Spiel, das die Welt je gesehen hat!“

Der Zwerg nahm seinen Gesprächspartner immer noch nicht ernst. Neema hingegen, die sich durch die Spelunke geschlichen hatte, sodass sie den Sprecher sehen konnte, erkannte den Mann mit den schwarzen Augen.

Pakka klapperte die Basare ab und genoss das Treiben der Stadt, in die er erst vor kurzem zurückgekehrt war. Seit das Königspaar von den Priestern zu Friedensverhandlungen nach Makeda eingeladen worden war, hatte sich die Wüstenstadt verändert. Während der Kriegstage waren die Gassen fast ausgestorben, nur die Priester der Schutzgöttin Makeda, die der Stadt den Namen verlieh, und deren Anhänger, die Makediner, hatten hier gelebt und gebetet. Ihre Friedensgöttin hatte ihnen nicht erlaubt, sich auf eine Seite zu stellen. Aus dem Kampf König gegen Königin hatten sie sich jahrelang herausgehalten bis Tumelo Hoher Priester gworden war. Er hatte die Verhandlungen eingeleitet, die in wenigen Wochen mit einer großen Zeremonie enden würden und den endgültigen Frieden ins Land bringen sollten. Mit der Waffenruhe kamen die Menschen zurück in die Stadt und so mischten sich zwischen den sonnenfarben gekleideten Makedinern mehr und mehr Händler, Bauern, Alte, Kranke, Witwen und Kindern. Eben all jene, die sich in Kriegszeiten versteckt hatten und jetzt auf ein neues Leben in Makeda hofften.

Pakka hatte jahrelang auf der Seite der Königin in der Löwen-Garde gekämpft, weil es keine andere Wahl für ihn gegeben hatte und weil es von ihm erwartet worden war. Doch gerade veränderte sich alles und das verband Pakka mit dem Rest des Volkes – die Hoffnung auf etwas Neues.

Pakka stand am Gemüsestand schwatzte mit Yero, der auf einem Hocker saß und einen Apfel in kleine Stücke schnitzte, da er kaum noch Zähne zum Kauen besaß.

„Diese Tomaten kommen aus dem Bergland. Es ist fast unmöglich an solche Ware zu kommen. Du solltest zugreifen, junger Löwe. Vielleicht wäre das auch ein Geschenk für deine Liebste?“

„Die sehen in der Tat sehr gut aus“, erwiderte Pakka. „Aber wie bist du an solch eine wertvolle Ware rangekommen? Das sind weite Wege ins Bergland, die sicherlich mit einigen Gefahren verbunden sind.“

Yero grunzte. Er legte sein Messer beiseite, stand auf und humeplte auf Pakka zu. „Ich schulde dir keine Rechenschaft“, sagte er ruhig. „Mein Junge, es gibt viele Gerüchte, dass der Frieden doch nicht zustande kommt. Kümmere dich lieber darum und lass einen alten Mann in Ruhe seine Geschäfte machen.

Pakka entschied sich letztlich für ein paar Trauben. Während Yero das Gemüse abwog, blitze etwas in seinen Augenwinkeln auf. Er drehte seinen Kopf ein wenig nach rechts und jetzt konnte er sehen, wie blitzschnell eine Hand neben ihm nach vorne schoss, eine Dattel griff und die Beute vermeintlich ungesehen in eine Tasche fallen ließ. Dann ein weiterer Versuch eine Dattel zu greifen. Pakka drehte seinen Kopf noch ein Stück weiter. Hinter einer Kapuze versteckte sich eine kleine zarte Gestalt. Er beobachtete die Diebin noch eine Weile bis er bemerkte, dass sie einen fatalen Fehler begann.

Sie hatte sich zu viel vorgenommen: Sie hatte sich langsam zu dem Hocker vorgearbeitet, auf welchem Yero noch vor ein paar Minuten gesessen hatte, um einen Apfel zu schneiden. Sie schnappte sich das einsame Messer und wollte sich davon stehlen. Doch Yero besaß einen siebten Sinn und nahm den Diebstahl sofort wahr. Ohne zu überlegen oder etwas gesehen zu haben brüllte er: „Dieb! Dieb!“ Er brüllte so laut und immer wieder, dass sich das Mädchen selbst verriet. Erst blieb sie wie zur Salzsäule erstarrt stehen, dann drehte sie sich kreidebleich um. In diesem Moment erblickte sie Yero und er fühlte sich siegessicher. Das Mädchen schaute verloren zu Pakka, der die pflaumenblauen Augen jedoch nur mit einem hilflosen Schulterzucken enttäuschen konnte. Daraufhin rannte sie gefolgt von wütenden Schreien des alten Yero über den Basar.

Die streunenden Jungen wurden aufmerksam auf das Szenario. Sie wussten, der Lohn des Gemüsehändlers würde nicht gering ausfallen. Also liefen sie sofort los, um die Diebin zu fassen.

Neema, das Mädchen mit den Pflaumenaugen, war erst an diesem Tag in Makeda eingetroffen. Dementsprechend orientierungslos hastete sie durch die Gassen. Ihre Verfolger waren eindeutig im Vorteil. Denn sie kannten sich nicht nur hervorragend aus, sie konnten sich auch aufteilen und dem Mädchen den Weg abschneiden. Immer wieder lief Neema in Sackgassen oder um Haaresbreite in die falschen Hände. Doch Neema war es gewohnt davon zu laufen. Sie besaß Ausdauer, war flink, schnell und sie ließ sich von den derben Sprüchen der Jungs nicht beeindrucken. Dann packte sie plötzlich eine kräftige Hand und zog sie hinter einen Verkaufsstand. Neema sah nur noch Stoffe um sich und spürte feste Griffe an ihren Oberarmen. Sie versuchte sich loszureißen, aber es gelang ihr nicht. Der Fremde begann sie zu schütteln. Er wollte ihre Aufmerksamkeit. Erst jetzt blickte Neema auf und erkannte den jungen Mann vom Gemüsestand. Sie war sich sicher, er würde sie verraten. Deshalb trat sie ihm mit aller Kraft auf den Fuß. Er stöhnte zwar, ließ sie aber nicht los.

„Sei nicht dumm“, befahl er mit schmerzvoll verzerrtem Gesicht. „Ich versuche dir doch nur zu helfen.“

Und da verstand Neema. Die streunenden Jungs wanderten mittlerweile verwundert über ihren Verbleib durch die Gassen. Die erfolglose Suche begann sie zu langweilen. Die Diebin hatte sich in Luft aufgelöst oder andres gesagt: Sie war hinter den Stoffbahnen für ihre Verfolger nicht mehr auffindbar.

Pakka ließ das Mädchen endlich mit einem Grinsen los, als er Verständnis in ihr entdeckte. Er brachte seinen Umhang, welcher durch die Rangeleien verrutscht war, wieder in Ordnung. An seinem Oberarm wurde das Löwen Symbol sichtbar. Neemas Gesicht leuchtete auf.

„Du bist ein Soldat der Löwen Garde?“, fragte sie überrascht.

„Nun ja, ich tue zumindest mein Bestes um einer zu sein. Auch wenn es einige gibt, die das bezweifeln würden“, erläuterte Pakka und fügte mit erhobenem Zeigefinger hinzu: „Und eigentlich sollte ich dich deshalb auch dem Stadtregiment melden. Diebstahl ist zwar in Anbetracht der Zeiten, in denen wir leben, verständlich. Aber immer noch strafbar. Und hier in Makeda müssen wir für alles ein Vorbild sein.“

Der geschockte Ausdruck des Mädchens brachte Pakka zum Lachen, aber er lenkte schnell ein. „Keine Angst. In der Hinsicht bin ich kein guter Soldat. Ich werde dich nicht anzeigen. Aber du solltest das nächste Mal vorsichtiger sein. Menschen wie Yero haben jenseits des Stadtregiments ihre ganz eigene Justiz. Du solltest den alten Mann nicht zu sehr reizen.“

Er war schon im Begriff zu gehen, als Neema ihn zurückhielt.

„Aber genau dich suche ich!“, erklärte sie begeistert.

„Mich?!“ Pakka war mehr als verwundert, gleichzeitig aber auch amüsiert. „Das bezweifle ich stark.“

Neema merkte wie seltsam dieser Ausspruch geklungen haben musste und fuhr mit leicht geröteten Wangen fort: „Ich meine natürlich, die Löwen Garde. Ich habe eine wichtige Information für die Königin. Und die Löwen Garde ist doch ihre Leibwache, oder nicht?“

Pakka war skeptisch. Was sollte eine Diebin schon wissen? Sie schien noch recht jung zu sein und der Krieg hatte sie ausgemergelt.

„Ehrlich. Es geht um Leben und Tod!“, bekräftigte Neema. „Bring mich zu deinem Hauptmann und du wirst es nicht bereuen.“

Schließlich ließ sich Pakka überzeugen und brachte das Straßenmädchen in die Garnison. Auf dem Weg dahin begann er es jedoch bereits zu bereuen, denn sie löcherte ihn mit unzähligen Fragen.

„Wer ist das Stadtregiment?“

„Das sind die Soldaten der Priester. Solange wir uns in Friedensverhandlungen befinden und noch nicht geklärt ist, wie wir in Friedenszeiten leben, sorgt die Stadtwache für Recht und Ordnung in Makeda. Die Löwengarde, als Leibwache der Königin, und die Falken-Garde, als Leibwache des Königs, sind nur geduldet, aber wir dürfen uns nicht ins gesellschaftliche oder politische Leben der Stadt einmischen.“

„Und wo ist das Heer der beiden Königlichkeiten?“

„Es gibt zwei Lager außerhalb der Stadt. Sie dürfen Makeda nur mit Genehmigung der Makediner betreten.“

„Aber dann ist ja der Hohe Priester momentan der mächtigste Mann der Stadt und nicht der König oder die Königin“, stellte Neema fest und Pakka schwieg. Diese Befürchtung hatte sich bereits verbreitet, doch noch sprach niemand offen darüber.

Als die Beiden in der Löwen-Garnison eintrafen, wurde Pakka sofort zu Leutnant Zola zitiert. Er schickte Neema in eine Ecke, um dort zu warten, und begab sich mit einer dunklen Vorahnung zu Zola.

„Wie konntet ihr euch nur so provozieren lassen?“, begrüßte sie ihn.

Zola war wütend. Ihre Nasenflügel bebten, obwohl sie versuchte es zu unterdrücken. Pakka bewunderte seine Schwester. Sie war diszipliniert, klug und ehrgeizig. All das, was er nicht war. Er hätte sie dafür hassen können, doch als sein Vater sie zu Beginn des Krieges mit nach Hause brachte und verkündete, sie würde ab sofort bei ihnen leben, hatte Pakka den braunen Lockenkopf bereits ins Herz geschlossen.

Erst vor wenigen Wochen war Zola zum Leutnant der Löwen Garde ernannt worden und zuweilen hatte sie das Gefühl, ihre einzige Aufgabe bestünde darin, ihrer Mannschaft den Marsch zu blasen, wenn sie sich mit den Soldaten der Falken Garde anlegten.

Nach zwanzig Jahren Krieg und Auseinandersetzungen zwischen Königin Nala und König Akos, stand die königliche Garde nun kurz davor wieder zu einer Einheit vereint zu werden. Bis zu den Friedensfeierlichkeitenn konnte jede Auseinandersetzung dazu beitragen, dass der Friedensvertrag niemals abgeschlossen wurde. Zola stapfte wütend vor ihren Männern auf und ab.

„Und ich verstehe auch nicht“, fuhr sie nach einigen wild gestikulierenden Ausführungen fort „warum ausgerechnet ihr Drei immer im Mittelpunkt der Streitereien stehen müsst!“ Zola blieb abrupt stehen und wartete schnaubend auf eine befriedigende Antwort.

„Gewohnheit?“, schlug Pakka nicht ganz ernst gemeint vor, woraufhin Badu kicherte. Pakka machte es sich leicht. Zola trat vor ihren Bruder und verkündete mit zusammengekniffenen Augen die einzig wirksame Drohung, die ihr spontan einfiel: „Wenn ich das unserem Vater erzähle, wird er dir so deftige die Leviten lesen, dass dir deine Späße im Halse stecken bleiben und du wirst dir wünschen niemals geboren worden zu sein!“

Pakkas Mundwinkel zogen sich schlagartig nach unten. Sein Vater hatte momentan ohnehin keine gute Meinung von ihm. Für Hauptmann Tafari war es eine Schande, dass sein Sohn immer noch nicht zum Leutnant ernannt worden war. Dabei hatte es Pakka noch nicht einmal gewagt anzusprechen, dass er vielleicht gar kein Soldat mehr sein wollte.

„Hast du einen Augenblick über die Konsequenzen deines Handelns nachgedacht?“ Zola fand einfach kein Ende in ihrem Tadel.

„Als Leutnant ist sie ja schon schlimm“, murmelte Badu dem Zwerg Demba zu. „Aber als Schwester ist sie echt noch schlimmer.“

Demba, der seiner Natur nach keine Miene verzogen hatte, drehte die Augen in die für ihn unermessliche Höhe, um Badu eine stumme Antwort zu geben. Sein Gesicht und Bart waren sandgrau, seine Mimik ausdruckslos, so dass nur ein sehr guter und sehr alter Freund wie Badu wissen konnte, dass Demba höchst amüsiert in sich hineinlachte.

Badu war das komplette Gegenteil des Zwerges: In seinem Gesicht bewegten sich mehr Muskeln als es möglich schien. Wenn er nicht gerade eine Rüge erfuhr, redete er viel und laut, sodass alle ihn als heiteren Gesellen kannten. Doch er konnte auch genauso grimmig und aufgrund seiner zwei Meter Körpergröße furchteinflößend sein.

Zola hatte sich ein wenig beruhigt und sich erschöpft auf einen Stuhl fallen lassen. „Worum ging es überhaupt bei euren kleinen Kampf? Von dem ihr übrigens froh sein könnt, dass niemand ernsthaft verletzt worden ist“, setzte sie noch hinzu.

Pakka malte sich in Gedanken schon die Standpauke seines Vaters aus und fragte sich, ob er es wohl irgendwann so weit treiben würde, dass er unehrenhaft aus der Garde entlassen wurde. So war es an Badu zu antworten.

„Um ehrlich zu sein, Zola, ging es dabei um die Frage, ob nach der Zusammenführung von Löwen und Falken Garde noch Frauen als Soldaten zugelassen werden.“

Zola reagierte nicht, als hätte sie nicht verstanden. Daher erklärte Badu weiter: „Du weißt doch… damals vor dem Krieg gab es in der königlichen Garde keinen Frauen und in der Falken Garde ist es auch heute noch recht unüblich… und es werden nicht mehr alle in der Garde gebracht werden…“

„Ich weiß!“, stellte Zola „Aber seitdem sind einige Jahre vergangen. Wer sollte heute noch bestreiten, dass Frauen gute Leibgardisten sind?“

„Nun, wie es aussieht, der König und seine Falken.“

Zola knurrte in sich hinein. Es war kein Geheimnis, dass in der Falken Garde nur wenige Frauen aufgenommen wurden. Aber die Königin würde es nicht zulassen, dass man alle Frauen aus der Garde entließ und keine neuen mehr aufnahm. Oder doch? Was sollte Zola dann mit ihrem Leben anfangen?

„Wie auch immer… Pakka, wir sollten gehen. Unsere Mutter erwartet uns zum Essen.“

Neema hatte versucht zu widersprechen, doch schließlich musste sie sich fügen. Badu brachte sie in eine Unterkunft, in der sie bleiben konnte. Erst am nächsten Tag würde Pakka sie mit dem Hauptmann sprechen lassen. Pakka hatte nicht das Gefühl, dass das Gespräch eilte und er wollte auch seine Mutter nicht erzürnen, die mit dem Essen auf ihre Familie wartete.

Es hatte bereits zur Sperrstunde geläutet. Ab jetzt durften nur noch die Soldaten der Leibgarden und das Stadtregiment auf den Straßen unterwegs sein. Bewohner und Besucher mussten sich in ihre Häuser zurückziehen. Nur einzelne, meist vermummte Schatten huschten hastig und unruhig durch die Gassen, als Pakka und Zola ihr Elternhaus erreichten.

„Da seid ihr ja endlich!“, begrüßte Behati mit erhobenem Kochlöffel ihre Kinder. „Setzt euch. Euer Vater ist schon am Verhungern und macht mich ganz verrückt. Lenkt ihn ab bis ich fertig bin.“

In der Tat hatte Tafari bereits am Tisch Platz genommen, doch er hielt die Aussage seiner Ehefrau für übertrieben. „Ich versuche lediglich ein guter Ehemann zu sein. Und da ich meiner Frau nicht helfen kann, warte ich hier nur geduldig und befrage sie nach ihrem Tag.“ Tafari blinzelte mit seinem gesunden Auge und seine Frau kostete mit einem geschmeichelten Lächeln die Suppe. Mit einem gespielt bösem Tonfall erläuterte sie: „Aber was du halt wieder für Fragen stellst!“ Die Andeutung, ließ sie im Raum stehen. Trotz der bedrohlich wirkenden Augenklappe erschien Tafari in diesem Moment unglaublich liebevoll. Nur seine Ehefrau schaffte es die Autorität des Löwen-Hauptmanns zum Bröckeln zu bringen.

„Na gut“, gab Tafari nach. „Dann komme ich eben meinen Pflichten als Vater nach und befrage meine Kinder nach ihrem Tag. Also: Wie war euer Tag?“

Zola und Pakka hatten inzwischen ihren Platz am Tisch gefunden. Der nimmersatte Pakka, dessen Gier nach Essen seiner schmalen Figur nicht anzusehen war, hatte bereits zwei Scheiben Brot in den Backen, weshalb er nicht sprechen konnte. Vermutlich eine bewusste Taktik. Zola hatte ihm eine Standpauke versprochen, doch als sie ihren Bruder nun anschaute, verzieh sie ihm seine Taten. Außerdem gab es wichtigeres zu besprechen.

„Ich habe mit der Königin gesprochen“, erzählte Zola.

„Wie war sie?“, fragte Tafari im Tonfall eines Hauptmanns.

„Wunderschön wie immer. Trotz ihres hohen Alters. Aber wenn du ihre Stimmung meinst: Sie war besorgt.“

Als Zola im Schloss eingetroffen war, spielten die Königlichkeiten eine Partie Schach. Der Kampf ging also in gewisser Weise immer noch weiter. Die Hälfte der Spielfiguren war bereits geschlagen. Die weiße Dame hatte den schwarzen König ins Visier genommen, weshalb die spielende Hand zögerte, um keinen Fehler zu machen, der Weiß den Gewinn schenkte. König Akos dachte gut über seinen nächsten Zug nach. Königin Nala lehnte sich entspannt zurück und betrachtete ihren ehemaligen Gatten, den sie 20 Jahre bekämpft hatte.

„Ich habe gehört, unsere Gardisten hatten in den Straßen der Stadt mal wieder eine kleine Auseinandersetzung“, überbrückte Nala die Stille.

König Akos antwortete mit einem Brummen. Nala zählte die Falten um seine Augen. Während des Krieges schien er mehr gealtert zu sein als es friedliche Jahre ermöglicht hätten. Schon lange war er nicht mehr der vitale Jüngling, in den Nala sich einst verliebt hatte. Doch seine grauen Schläfen und die faltige Haut täuschte nicht um die wachen und cleveren Augen hinweg, die ihr immer noch in schwachen Momenten ein Zittern in den Knien bescherten.

Seit dem Krieg trug Akos jedoch nur noch schwarze Kleidung und schwere Ketten um den Hals. Seine Augen hatten dadurch an Offenheit verloren. Es war der Tag gewesen, als sein weißer Falke Opfer einer Schlacht wurde, an dem Akos seine kunstvolle Königskleidung ablegte und sich begann in Schwarz zu hüllen.

„Wir sollten wirklich etwas unternehmen, damit unsere zukünftige gemeinsame Leibgarde auch als Einheit funktioniert. Es geht schließlich um unsere Sicherheit und um die Sicherheit des Reiches“, betonte Nala noch einmal das Problem, während der König seinen Zug setzte und einen weißen Springer schlug.

„Sie werden ganz automatisch zueinanderfinden, wenn sie eine gemeinsame Aufgabe zu erfüllen haben. Bis dahin wird es die ein oder andere Reiberei geben“, erklärte Akos seinen Standpunkt. „Machtkämpfe. Jeder will sein Revier verteidigen und seine Position sichern. Das ist ganz natürlich und nichts worüber wir uns Sorgen machen müssten, solange gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Es gibt wichtigere Vereinbarungen zu treffen und mit diesen Vereinbarungen wird sich auch die Situation unter unseren Leibgardisten entspannen.“

Er spielte auf Vereinbarungen an, die nicht vor Bediensteten besprochen werden sollten, weshalb sich das Königspaar nur vielsagend und herausfordernd anblickte. Nala wollte dem Soldatenrat mehr Macht geben und eine Volksvertretung einrichten. Akos konzentrierte sich auf wirtschaftliche Ziele, um das Land wieder aufzubauen. Er zog einen Handelsvertrag mit dem Bergvolk in Betracht, was der Soldatenrat jedoch aufgrund von alten Fehden und Vorurteilen niemals billigen würde. Für Akos war es also nicht denkbar sich vom Entschluss des Rates abhängig zu machen.

Leutnant Zola sah im diskreten Abstand wie das Spiel zu Ende ging. Die Königin schlug einen schwarzen Bauern. Akos grinste, machte einen letzten Zug und verkündete: „Schach matt.“

In den privaten Gemächern der Königin zeigte Zola sich erstaunt.

„Ihr seid die beste Schachspielerin, die ich kenne. Es fällt mir schwer zu glauben, dass der König Euch besiegt hat.“

Nala ließ ein errötendes Lächeln erkennen. Sie hatte in den letzten Jahren der Entbehrung und des Kampfes nichts von ihrer Schönheit verloren.

„Natürlich hätte ich gewinnen können“, erklärte Nala. „Aber ich hielt es nicht für angebracht den König wegen nichts zu verärgern. Es gibt größere Gewinne zu erzielen, für die ich ihn bei Laune halten muss.“

Zola schoss ein Satz durch den Kopf: „Nicht jeder Sieg bedeutet, dass man langfristig gewonnen hat.“ Sie wusste aber nicht woher diese plötzliche Erinnerung kam.

Nala legte ihr Kopftuch ab und entblößte eine kunstvoll zusammengesteckte, tiefschwarze Frisur. Vor dem Krieg hätte man schmückende Rubine, Smaragde oder Saphirsteine, die den Reichtum der Herrschaft bezeugten, darin erblickt. Doch jeder Reichtum war in den vergangenen Jahrzehnten sinnlos verspielt worden.

„Worum ging es bei den neusten Unruhen? Ich habe gehört, dass Löwen und Falken sich immer noch gegenseitig das Leben schwer machen.“

Zola ließ es unbedeutend klingen, doch ihr Blick fixierte die Königin scharf. „Um die Frage, ob in der zukünftigen königlichen Leibgarde Frauen noch geduldet werden.“

„Ich fürchtete schon, dass dieses Problem auf uns zukommen würde…“ Nala versank kurz in ihren Gedanken. Dann sagte sie: „Ich schätze, es gibt dringendere Schwierigkeiten, die unsere Aufmerksamkeit benötigen.“

Zola spitzte die Ohren.

„Meine Dienerinnen haben mir von einem Brief berichtet. Ich weiß nicht, ob es nur ein Gerücht ist. Und ich weiß auch nicht, aus welcher Quelle sie diese Information haben. Aber ich habe großes Vertrauen zu meinen Bediensteten und eine ernste Sorge in ihren Augen erkannt. Daher will ich der Sache auf den Grund gehen. Dieser angebliche Brief soll ein Bündnis zwischen mir und dem König der Berge, König Reyk, belegen und damit einen Verrat an König Akos. Was fatal wäre und einen Frieden verhindern würde. Natürlich ist dieser Brief, sollte er existieren, eine Fälschung. Aber in den falschen Händen, könnte er ein großes Chaos verursachen. Ich möchte, dass Ihr Euch mit zwei, drei Vertrauten der Aufgabe widmet diesen Brief zu finden oder zumindest die Wahrheit hinter dieser Geschichte zu ergründen.“

Nun setzte die Königin noch ein Schriftstück auf, das Zola von ihren anderen Pflichten gegenüber ihren Hauptmann befreite und zur Geheimhaltung verpflichtete. Sie setzte ihr Siegelzeichen, einen brüllenden Löwenkopf, unter das Schriftstück und überreichte es Zola.

„Ich habe Euch offiziell zur Geheimhaltung verpflichtet“, betonte sie noch einmal. „Zunächst wäre es mir lieber, wenn so Wenige wie möglich etwas wissen. Es könne sich schließlich immer noch um eine Fehlinformation handeln.“

Zola nickte, als sie großer Stolz überkam. Dies würde ihr erster Auftrag abseits der Fittiche ihres Ziehvaters werden.

„Glaubt Ihr, es ist eine List des Königs?“

Eigentlich war es nicht angebracht, dass Zola diese Frage stellte. Denn die Königin hatte ihr schon das Zeichen gegeben sie alleine zu lassen. Doch die Frauen verband mehr als nur die Beziehung Königin und Soldatin. Deshalb konnte Zola sich ein solches Verhalten dann und wann erlauben.

Nala atmete tief ein, ehe sie antwortete. „Ich glaube, der König möchte den Krieg genauso dringend beenden wie ich. Allerdings bin ich mir manchmal nicht sicher, inwiefern man als König oder Königin tatsächlich die einzige lenkende Macht im Reich ist.“

Als Behati die Suppe auf den Tisch stellte, rollte Tafari das Papier zusammen und legte es zur Seite. Zola meinte Zögern in dieser Handlung zu erkennen.

„Ich nehme an, zur Unterstützung hast du dir deinen Bruder und seine beiden Freunde Badu und Demba ausgesucht.“

Es war keine Frage, dennoch nickte Zola und Pakka grinste stolz. Er kaute und schluckte hinunter. Grinsend blickte er in die Runde, als er sagte: „Natürlich! Meine Schwester weiß eben, wer die Besten sind!“

Tafari runzelte die Stirn und zog eine Schnute, was sein Sohn als Missbilligung interpretierte.

Behati wollte derlei Gespräche nicht an ihrem Esstisch. „Lasst uns der Schutzgöttin Makeda für das Essen danken und für die nächsten Minuten nicht an das Leben außerhalb dieser vier Wände denken.“

Die Familie aß und trank und war so froh, wie schon seit vielen Jahren nicht mehr.Pakka spielte nach dem Essen einige Lieder auf seiner Laute, sang fröhliche Melodien und brachte alle mit seinen Geschichten zum Lachen. Am Ende jedes Liedes erzählte Zola, welche Frauen sich nach diesem Gesang unsterblich in Pakka verliebt hatten und welche Herausforderung es gewesen war, jede Einzelne von ihnen wieder los zu werden. Zola war an diesem Abend besonders dankbar, dass Tafari sie damals in den Kriegswirren in seine Familie aufgenommen hatte.

2

Die Garnison der Löwen Garde wirkte wie ausgestorben. Die Feierlichkeiten, die den Frieden einläuten sollten, rückten immer näher und die Sicherheitsmaßnahmen für die Königin waren erhöht worden, so dass die Leibgardisten pflichtbewusst auf ihren Posten standen. Im Speisesaal saß das Straßenmädchen und verschlang gierig eine Suppe, während drei Soldaten über ihren Kopf hinweg diskutierten.

„Wenn das stimmt, was sie sagt, dann könnte es sich um den Brief handeln, den wir suchen. Und dann müssen wir den Mann finden, bevor er die Fälschung dem König überreichen kann“, warf Zola ein.

„Sie könnte sich auch nur aufspielen wollen!“, meinte Pakka. „Ich meine, sie ist eine Diebin und verlangt eine Belohnung. Ihre Absichten sind also nicht unbedingt ehrenhaft.“

„Ich will mich nicht aufspielen und ich lüge nicht!“, verteidigte sich Neema, doch niemand schien ihr zuzuhören.

Badu schüttelte den Kopf. „Du fällst dein Urteil zu schnell. Sie mag eine Diebin sein, aber sie scheint mir in diesem Fall nicht zu lügen. Und sie will nur überleben, deshalb fordert sie eine Belohnung. Aber einen geplanten Betrug kann ich mir bei diesem Mädchen nicht vorstellen.“

„Genau. Ich muss da draußen auf der Straße überleben und habe keinen warmen Speisesaal, in den ich mich zurückziehen kann. Ich brauche die Belohnung zum Leben!“

Doch Pakka blieb skeptisch. Zola vertraute mehr auf Badus Einschätzung.

„Natürlich besteht ein Risiko darin ihr zu vertrauen.“ Und mit Bedauern ergänzte Zola: „Aber sie ist bis jetzt unser einziger Anhaltspunkt.“

„Das ist nicht sehr höflich von euch, dass ihr mir nur vertraut, weil ich eure einzige Chance bin. Aber solange ich meine Belohnung bekomme, kann ich damit umgehen…“, nuschelte Neema in ihre Suppe.

Auch Pakka fiel kein Einwand mehr ein. Ergeben ließ er seinen Blick nach unten schweifen, wobei ihm die Abwesenheit des Zwerges auffiel. „Wo ist eigentlich Demba?“

Badu verzerrte zur Antwort sein Gesicht und gab zu verstehen, dass es keine guten Nachrichten über seinen kleinen Freund zu berichten gab.

Zola verdrehte die Augen. „Nicht schon wieder…!“

„Ich kümmere mich gerne um Demba!“, meldete Pakka sich übereifrig. Doch seine Schwester wollte das lieber selbst übernehmen. Sie konnte nicht riskieren, dass Pakka undiplomatisch handelte und damit erneut Auseinandersetzungen auslöste, die es nicht brauchte.

„Du bleibst hier bei dem Mädchen und versuchst noch mehr über den Boten in Erfahrung zu bringen. Sie soll dir alles noch einmal genau erklären. Vielleicht steckt in einer Kleinigkeit, die sie für unwichtig hält doch noch eine interessante Information. Und ich mache mich mit Badu auf die Suche nach dem unverbesserlichen Zwerg.“

Der Gemüsehändler Yero bezog seine Gewinne nicht aus dem Handel mit Gemüse. Diese Tätigkeit diente nur als Tarnung und gab dem alten Mann den Anschein ein unscheinbares Mitglied der städtischen Gesellschaft zu sein. In den Jahren vor dem Krieg mag das wohl auch zugetroffen haben. Aber spätestens im Krieg, als die eigenen Kinder sowie die geliebte Frau an Hunger vor seinen Augen starben, konnte Yero nicht mehr unscheinbar bleiben und das Schicksal über sich entscheiden lassen. Und was hatte er noch zu verlieren?

Neben illegalem Handel und Schmugglergeschäften war das Glücksspiel zu seiner Haupteinnahmequelle geworden. Besonders der untergehende Adel, gelangweilte Hofangestellte und kampfesmüde Soldaten suchten derzeit in den Karten- und Würfelspielen den Rausch, der sie ihr Leben vergessen ließ. Aber wesentlich öfter winselten sie am Ende eines Spieles auf dem Boden um Gnade, weil sie ihre Schulden nicht zurückzahlen konnten.

Flehen schien für den Zwerg, der heute vor Yero stand, ein Fremdwort zu sein. Er zeigte nur ein schweigendes Missfallen über die Situation, was Yero als eine willkommene Abwechslung zu den ansonsten jämmerlichen Hunden empfand, die all ihre Würde für das Spiel verloren hatten. Fast fand Yero eine kindische Freude an dem Gespräch mit dem Halbling.

„Du musst wissen, Zwerg, meine Woche ist bis jetzt nicht sonderlich gut gelaufen.“ Yero nahm sich Weintrauben von einem Teller, die er mit seinem zahnlosen Gebiss zermalmte und deren Kerne er zwischen den Worten ausspuckte. „Man hat mir mein Lieblingsmesser geklaut und die Diebin ist ungestraft davon gekommen. Das war schon kein gutes Omen. Und dann habe ich auch noch erfahren, dass sich eine wichtige Lieferung verspätet. Außerdem ist mein Spitzel bei der Stadtwache unvorhergesehen verstorben… was tragisch ist, aber in erster Linie ein wichtiges Geschäft unnötig schwierig macht.“

Demba blickte still in Yeros Augen und ließ keine Einschüchterung, kein Mitgefühl oder gar Unbehagen an dem Gespräch erkennen.

„Aber du hast mein Interesse geweckt. Man hat mir berichtet, du schuldest mir inzwischen zweihundert Goldtaler. Das ist viel!“ Yero beschäftigte sich normalerweise nicht mit seinen Schuldnern, dafür hatte er Handlanger. Aber ab gewissen Summen und wenn es sich noch dazu um einen Soldaten der königlichen Leibgarde handelte, wollte er den Spielsüchtigen zumindest einmal kennen lernen.

„So viel, dass ich darauf bestehen muss, mir zu beweisen, dass es dir auch möglich ist, mir mein Geld zurückzuzahlen. Nicht dass ich auf den Verlusten sitzenbleibe. Das ist rein geschäftlich, musst du verstehen. Und nichts gegen dich persönlich!“

So sehr Yero die Stärke des kleinen Kämpfers imponierte, so sehr machte sie ihn auch allmählich nervös. Der Zahnlose zog sich aus seinem Stuhl, näherte sich dem Zwerg an, beugte sich hinunter, starrte mit gleicher Unerschütterlichkeit in die Augen des Zwerges und fragte: „Hast du zweihundert Goldtaler?“

Zum ersten Mal blinzelten seine Lider und Demba schüttelte den Kopf.

„Warum hast du dann nicht aufgehört zu spielen?“ Yero stand immer noch nah bei seinem Schuldner, doch sein Tonfall hatte sich vom jovialen Großsprechen zum gefährlichen Zischen einer Schlange gewandelt. „Du scheinst nicht dumm zu sein, aber trotzdem spielst du um etwas, das dir nicht gehört und nimmst einen Kredit auf, von dem du von vorneherein weißt, dass du ihn nie bezahlen wirst können. Und mir wirft man am Ende krumme Geschäfte vor, dabei bist du der Betrüger. Menschen, wie du, die nicht wissen, wann es besser ist aufzuhören sind Betrüger. Aber ich verrate dir ein kleines Geheimnis: Ich bin auch nicht dumm. Und ich bekomme meine Kredite immer zurück.“ Yero rümpfte die Nase. „Wenn auch manchmal in anderer Form als mir lieb wäre.“ Plötzlich verfiel er wieder in einen Plauderton. Demba empfand den alten Mann als launenhaft, konnte ihn immer weniger einschätzen und zeigte langsam doch angespannte Regungen an seinem Körper.

„Neulich“, begann Yero zu erzählen, als er sich wieder auf seinen Stuhl fallen ließ. „Neulich hat mir so ein armer Tölpel seine Tochter geboten. Ich habe mich erst richtig gefreut, denn Frauen sind gut fürs Geschäft! Und für das Gemüt!“ Er blinzelte seiner Dienerin zu, die ihm gerade neue Weintrauben auf den Teller legte und daraufhin errötend zu Boden blickte. „Aber das Mädchen ist so hässlich wie die dunkelste Nacht, die du jemals erlebt hast. Und ich kann absolut keine Aufgabe für sie finden. Nicht mal süchtige Spieler würden vergessen wie hässlich die Kartengeberin ist. Nun ja… man wird sehen… aber zuerst: Was machen wir jetzt mit dir? Kannst du irgendwas Besonders?“

Ein Bediensteter trat in diesem Moment ein und unterbrach die Gedanken des Geschäftsmannes mit der Meldung, dass zwei Soldaten der Löwen Garde eingetroffen seien.

„Lass sie herein“, befahl Yero und machte es sich gespannt in seinem Stuhl bequem, nicht ohne den Zwerg aus den Augen zu lassen. Vielleicht kam gerade die richtige Inspiration in sein Haus. „Aber sagt ihnen, sie sollen ihre Waffen ablegen!“

Zola hatte sich schon längst ihrer Schusswaffe und des Säbels entledigt, als Badu immer noch Dolche und Wurfgeschosse aus den unzähligen Taschen seiner Uniform zu Tage beförderte. Endlich durften sie eintreten und sofort verursachte Badu, wie immer in geschlossenen Räumen, den Eindruck noch größer zu sein, als er tatsächlich war. Yero riss bei seinem Anblick überrascht die Augen auf. Demba reagierte mit einem beschämten Blick zu Boden.

Nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung, ergriff Badu das Wort.

„Wir möchten einen ehrenwerten Geschäftsmann wie dich nicht lange aufhalten. Nur musst du wissen, dieser Zwerg ist für uns ein unverzichtbarer Teil der Garde. Womit er dich auch immer verstimmt haben mag, ich bin sicher, du hast Verständnis und Respekt für einen Soldaten, der Tag und Nacht das Reich und damit auch dich beschützt.“

Badu stand leicht gebückt, um unterwürfig zu erscheinen. Doch Yero kannte sich mit solchen Spielchen aus.

„Es gefällt mir, dass du nicht um den heißen Brei herumredest. Aber versuche nicht, mich mit deinen Worten einzulullen“, wischte er mit einer ungeduldigen Handbewegung Badus Aussage davon. „Die einzige Frage, die es hier zu klären gilt ist folgende: Willst du für diesen Zwerg aufkommen?“

Badu nickte ergeben. Zola hielt sich bewusst im Hintergrund, denn Männer des Geldes verhandelten ihrer Erfahrung nach nur ungern mit Frauen.

Yero dachte einen Moment nach. Er wollte mehr als nur sein Geld von diesen Soldaten. „Besitzt du denn zweihundert Goldtaler?“

Badu klappte der Mund auf, der Zwerg blickte noch tiefer in den Boden. Der Riese räusperte sich. „Nun ja, zweihundert Goldtaler ist eine Menge Geld…“

„Stottere hier nicht rum! Entweder du hast das Geld oder ich werde den Zwerg ins Gefängnis werfen lassen. Oder kannst du mir etwas anderes anbieten?“ Yero gefiel wie sich das Gespräch entwickelte und lehnte sich entspannt abwartend zurück.

Hilfesuchend drehte sich Badu seinem Leutnant zu. Natürlich verfügte auch Zola nicht über eine so enorme Summe. Aber würde Demba erstmal im Gefängnis sitzen, konnten sie nicht mehr viel für ihn tun. Da trat Zola vor.

„Wir werden das Geld auftreiben. Gebt uns nur ein wenig Zeit, um unsere Finanzen zu überdenken.“

Yero spielte den Beeindruckten, doch man erkannte seine amüsierte Miene dahinter.

„Bist du sicher?“, lachte er und zeigte seine wenigen Zahnstummel im hinteren Bereich seines Mundes.

Zola ließ sich nicht verunsichern. „Wir lassen unsere Kameraden nicht im Stich. Gib uns eine Woche.“

Yeros Lachanfall ebbte abrupt ab, als er in das überzeugte Gesicht der Soldatin blickte. Auf einmal war er tatsächlich von dieser überraschenden Kraft hinter den Worten beeindruckt und noch mehr davon, dass ihn ihre Autorität berührte. Er überdachte den Handel.

„Ich gebe dir einen Tag.“

„Fünfzig Goldtaler? Soll das ein Witz sein?“

Pakka schüttelte ungläubig den Kopf. „Du konntest uns den Mann nicht mal zweifelsfrei beschreiben. Diese Augenmaskerade trägt er womöglich nicht jeden Tag. Und wie sollen wir ihn dann erkennen? Dir fällt kein anderes Detail zu seinem Äußeren ein, das ihn von anderen unterscheidet. Außerdem wissen wir nicht, ob er tatsächlich den Brief überbringen soll, den wir suchen. Wer weiß? Vielleicht ist es ein ganz harmloser Zettel und du machst dich hier nur lächerlich!“

Neema fühlte sich beleidigt und gleichzeitig herausgefordert. „Wenn dieser Mann nach Makeda kommt, werde ich ihn erkennen und er wird den Brief bei sich haben, der bestimmt größere Bedeutung hat als du mir glaubst. Wir werden damit die Königin retten und das dürfte doch mindestens fünfzig Goldtaler wert sein! Du bekommst doch auch deinen Sold für diese Arbeit ausgezahlt? Warum sollte ich bei der Geschichte leer ausgehen? Schließlich wüsstet ihr ohne mich gar nichts.“

„Aber mein Sold ist ehrlich verdientes Geld. Du…“

„Ich, was?!“

Es stand Pakka nicht zu über das Mädchen zu urteilen. Er wusste nichts davon wie ein Leben aussah, dass nicht das Leben eines Soldaten war und fast beneidete er sie um dieses Wissen. In diesem Augenblick kehrten jedoch Zola, Badu und Demba zurück, sodass die Beiden nicht weiterdiskutierten.

„Ihr habt also den Kleinen mal wieder gerettet?“, fragte er und wurde gleich durch die missmutigen Gesichter seiner Freunde über das Gegenteil aufgeklärt.

„Nur vorübergehend“, gestand Zola schließlich. „Wir haben bis Morgen Zeit seinen Kredit beim alten Yero abzubezahlen. Ansonsten droht er damit, Demba beim Stadtregiment anzuzeigen und das bedeutet Gefängnis.“

Pakka betrachtete Demba, der versuchte unschuldig mit den Schultern zu zucken und jedem Blick auswich.

„Gut. Dann legen wir also zusammen. Notfalls spiele ich mit meiner Laute noch ein paar Lieder auf der Straße oder in der Schenke. So viel kann es doch nicht sein.“

Niemand reagierte auf Pakkas Worte, weshalb er ein fragendes „Hallo?“ einwarf.

Letztlich erbarmte sich Badu: „Zweihundert Goldtaler.“

„Zweihundert Goldtaler?“, ächzte Pakka.

„Zweihundert Goldtaler“, bestätigte Zola.

Und Pakka murmelte erstaunt, als könne er den Wert dieser Summe erst jetzt erfassen: „Zweihundert Goldtaler…“

Neema grummelte ebenso in sich hinein und fixierte dabei mit hochgezogenen Augenbrauen Pakka: „Da sind meine fünfzig ja nichts dagegen…“ Der junge Soldat kniff allerdings nur das Gesicht zusammen und schüttelte kaum merklich den Kopf.

„Also… wer hat eine Idee?“

Neema betrachtet still und nachdenklich die Soldaten und sie kam nicht umhin festzustellen, dass sie die Vier mochte. In den letzten zwei Tagen hatten sie ihr einen Platz zum Schlafen gegeben und regelmäßigmit ihr gemeinsam gegessen. Außerdem hatte sie beobachten, wie freundschaftlich die Vier miteinander umgingen. So ein Verhalten, so etwas wie Freundschaft, hatte sie in den Kriegsjahren, die ihr bisheriges Leben waren, nie gesehen. Und es gefiel ihr. Sie wollte Teil dieser Freundschaft sein. Also dachte sie über Dembas Glücksspieldebakel nach und schlug vor: „Ich kann euch helfen.“

Vier Hälse reckten sich überrumpelt und dann neugierig in ihre Richtung.

„Ich kenne mich mit Glücksspielen aus. Natürlich darf ein einfaches Straßenmädchen wie ich an den großen, organisierten Spielen nicht teilnehmen. Aber wenn ihr mir vertraut und mich in die Versteckten Spielkeller reinbringt, dann kann ich euch dazu verhelfen die benötigten zweihundert Taler zu gewinnen.“

Dembas Augen leuchteten sofort auf, doch Zola wies ihn mit einem Blick wieder in die Schranken.

„Wie meinst du das?“, fragte Badu. „Wie kannst du einen so großen Gewinn garantieren?“

„Ich kann es einfach. Ich habe gewisse Begabungen und sagen wir es mal so: Ich verdiene in gewisser Weise mein Essen mit Kartenspielen.“

Badu lachte ein tiefes Grollen und klopfte ihr etwas zu heftig auf den Rücken. „Du meinst, du bist eine Betrügerin und schummelst beim Spielen. Wenn man sich dich so anschaut, kannst du aber nicht sehr erfolgreich sein. Sonst wärst du doch bei weitem fülliger!“

Neema lief zwar rot an, aber der Riese meinte es nur im Spaß. Badu prustete immer noch, als er sagte: „So viel Glück muss man erstmal haben. Genau an dem Tag, an dem Demba Unmengen an Geld verspielt, läuft uns eine Kartenspielerin über den Weg, die uns genau dieses Geld wieder zurück gewinnen kann!“

Demba grinste in sich hinein und auch Zola schien nicht abgeneigt von dieser Idee. Doch Pakka erhob Einspruch.

„Hast du denn einen besseren Vorschlag?“, fragte ihn seine Schwester und wartete keine Antwort ab. „Denn solange uns nichts anderes einfällt, ist das unsere einzige Hoffnung. Schlimmer kann sie es nicht machen und wenn, ist es ihre Sache. Du wirst sie mit Badu begleiten. Wenn ihr Betrug auffliegt, dann nimmt wenigstens unsere Garde keinen weiteren Schaden.“

Pakka verstand. Zola war bereit das fremde Mädchen zu opfern. Wahrscheinlich war das der Charakterzug, der Pakka fehlte und der Zola zum Leutnant gemacht hatte.

Der große Krieger Badu war ein Mann der Ehre. Dennoch waren ihm Betrug, Täuschung und List nicht unbekannt. Als er neun Jahre alt war, starb seine Mutter an hohem Fieber und ließ den rebellischen Knaben völlig alleine auf dieser Welt zurück. In jeder anderen Stadt oder in einem Dorf hätte sich womöglich ein Nachbar dem armen Jungen angenommen, ihm als Arbeitskraft eine Aufgabe zugeteilt und im Gegenzug ein Dach über dem Kopf sowie Suppe für den Magen geboten. Allerdings wuchs Badu in Makeda auf und dort tickten die Uhren anders. Es war nur eine Frage der Zeit bis der kleine Junge Zugang zu einer der Kinder-Banden fand, die vor der Kriegszeit gemeinschaftlich und räuberisch durch die Straßen der Stadt zogen. Als Kind hatte Badu also viel gelogen, gestohlen und betrogen, was ihn bis heute nicht sonderlich mit Stolz erfüllte. Doch seit seiner Aufnahme in das Heer, später in die Leibgarde, war Badu ein ehrlicher Mann, der sich Respekt hart erarbeitet und Ehre verdient hatte. Er war stolz auf sich und sein Emporkommen. Wie sehr er jedoch das Betrügen vermisst hatte, merkte er in dieser Nacht.

Die Versteckten Spielkeller waren natürlich nicht halb so versteckt, wie es ihr Name vermuten ließ. Sie wechselten zwar öfter ihren Standort, sodass das Stadtregiment so tun konnte, als wisse es nichts von den illegalen Vorgängen in ihrer Stadt. Doch erfolgreiche Mundpropaganda legte die aktuelle Lokalität immer wieder offen. Es war nicht leicht, Neema dort einzuschleusen. Das Leben auf der Straße stand ihr unwiderruflich ins Gesicht geschrieben und das arme Volk hatte für Gewöhnlich keinen Zutritt zu den Spielkellern. Welchen Einsatz sollten arme Menschen schon leisten?

Zola hatte deshalb Kleider besorgt, die sie von Dienerinnen des Hofes geliehen hatte. Dass sich Neema aber in den eng gewickelten Tüchern nicht wohl fühlte, merkte der Betrachter sofort. Mit einem Kopftuch wurden die verfilzten Haare versteckt, was gleichzeitig die pflaumenblauen Augen hervorstechen ließ und damit eine unerkannte Schönheit offenbarte.

Trotzdem blieb ihnen das Eintreten zunächst von zwei Wachposten verwehrt.

„Ihr Beiden könnte rein. Aber das Mädchen nicht.“ Der Mann mit Glatze und Ziegenbart hatte Neema kaum eines Blickes gewürdigt. Badu nahm ihn vertraulich zur Seite: „Sie ist doch nur ein Mädchen und wir wollen ein wenig Spaß haben. Was ist dagegen einzuwenden?“

Die Glatze drehte sich nochmal kurz zu Neema um, blieb aber eisern. „Das Mädchen bleibt draußen.“

Badu musste schnell überlegen. Er konnte kein Schmiergeld zahlen, weil sie all ihr Geld für den Spieleinsatz brauchten. Und der Glatzkopf lieferte ihn keinen Schwachpunkt, an dem er ihn überlisten konnte. Er übergab den Ball an Pakka.

„Ich habe gehört der alte Yero ist nicht sonderlich gnädig gegenüber untreuer Gefolgschaft“, bluffte Pakka in einem beifällig klingenden Ton. „Wäre doch zu schade, wenn er einen Hinweis bekäme, dass er seine strebsamen Freunde an den Türen der Verstecken Spielkeller mal näher auf die Finger schauen sollte.“ Als Pakka auf eine Reaktion wartete, ließ er sich nicht anmerken, dass er einfach nur ins Blaue geschossen hatte.

Die Glatze guckte verstohlen zu seinem Wachpartner. Mit einem kurzen Winken ließ er die Drei ein.

Neema und Badu ließen sich an einem Spieltisch nieder, der von zwei vermummten Fremdländern und einen breit grinsenden Hofangestellten besetzt war. Pakka tigerte hinter ihren Rücken auf und ab und ließ die Karten keine Minute aus den Augen, von dem Moment an, an dem Neema sich setzte. Nachdem die ersten Einsätze gespielt waren, wurde Pakka ruhiger. Das Mädchen verstand tatsächlich etwas von dem Spiel. Doch würde sie auch gewinnen können?

Einer der beiden Fremdländer war keine große Herausforderung. Vermutlich stammten sie aus den Bergen. Die Wettergerbung ihrer Haut und die Aussprache ihrer Wörter verrieten sie. Doch während der eine schnell alles verspielt hatte und ausschied, zeigte sich der andere zäh. Badu hielt sich gut im Spiel, machte aber kaum Gewinne, weil er vor allem Neema beobachtete und ihr zuspielte. Genauso wie Pakka konnte er nicht erkennen, wie Neema schummelte. Wann sie Karten vertauschte. Wann sie bluffte. Sie war schlichtweg gut und beinahe verriet Badu sich, als er sich über einen siegreichen Spielzug des Mädchens freute. Einige Runden später verschwand das Grinsen auf dem Gesicht des Hofangestellten. Er schied aus und die heiße Phase der Partie begann.

Auch Badu konnte nun nicht mehr lange mithalten und so saßen sich der Bergländer und Neema konzentriert gegenüber, während Badu und Pakka das Spiel aufmerksam beobachteten. Es kamen immer mehr Zuschauer hinzu, denn das Blatt wendete sich immer wieder und das Spiel zog sich mehr und mehr in die Länge. Es hatten sich Gruppen hinter den Spielern gebildet, so dass es nicht mehr auffiel, wenn Badu und Pakka für Neema jubelten. Einmal küsste Pakka das Mädchen vor Begeisterung sogar auf die Wange. Daraufhin verlor sie die nächste Runde. Aber sie kämpfte sich zurück und den Bergländer in die Knie. Der Fremde wurde unsicher, unkonzentriert und begann Fehler zu machen. Neema wusste, dass ihrem Sieg nichts mehr im Wege stand. Diese Überzeugung verleitete sie zu unnötig riskanten Bluffs, aber sie gingen auf. Der Fremde musste letztlich all sein Geld setzten und… verlor. Neema hatte über zweihundert Goldtaler eingespielt!

Die Einwohner von Makeda liefen wie Bienen geschäftig durch die Straßen. Der zentrale Marktplatz musste an diesem Tag geräumt werden, weil die Tribünen für die Vereinigungsfeier aufgebaut wurden. Die Menschen drängelten um Verkaufsstände in viel zu engen und verwinkelten Gassen. An ein eiliges Durchkommen war nicht zu denken.

Auch Pakka war wieder auf Streifzug. Wie in den letzten Tagen üblich, begleitete von Neema, die seit ihrer Ankunft zu einem ungewollten Schatten geworden war.

„Du hast sie schließlich gefunden“, hatte Badu gescherzt. Doch Pakka fand das gar nicht lustig. Das Mädchen stellte ständig Fragen und ging ihm damit auf die Nerven. Außerdem hatte der Gewinn beim Kartenspiel offenbar dazu geführt, dass das Mädchen sich als Teil der Gruppe betrachtete, was Pakka gar nicht gefiel.

„Ich weiß gar nicht, warum du ständig schlechte Laune hast“, sinnierte Neema. „Ihr Soldaten habt ein richtig tolles Leben. Ihr habt ein Dach über dem Kopf, werdet für eure Arbeit bezahlt, es gibt regelmäßig was zu essen und gut, manchmal ist es vielleicht ein bisschen riskant, aber ihr passt aufeinander auf. Wie eine Familie. Das ist…“ Neema blickte auf der Suche nach dem richtigen Wort in Pakkas grimmiges Gesicht. „Schön.“

„Ich bin mir sicher, dass das nicht das Einzige ist, worauf es im Leben ankommt. Jetzt zum Beispiel wäre es wirklich wichtig, dass du dich konzentrierst, damit wir den Boten finden!“ Pakkas Zähne knirschten. Heute war der Tag, an dem der Bote angekündigt hatte, den Brief zu übergeben. Ihnen glitt die Zeit durch die Finger.

Neema verdrehte ob so viel Verbissenheit die Augen.

„Schließlich kannst du dir auch deine Belohnung abschmieren, wenn wir die Übergabe nicht verhindern können. Und mit dem Soldatenleben ist es auch schnell vorbei, wenn man seine Aufgaben nicht erfüllt. Dann gibt es kein Dach, kein Essen und keine Familie mehr“, erklärte Pakka und überzeugte Neema.

Von da an gab sie sich Mühe. Die Zwei kämpften sich durch die Massen und untersuchten jedes Gesicht, das ihnen begegnete. Doch sie blieben erfolglos. Sie folgten dem Menschenstrom, der Richtung Palast führte. Seit mehr als zwanzig Jahren sollte heute die erste öffentliche Anhörung des Königspaares stattfinden und das Volk konnte seine Sorgen und Probleme vortragen. Anders als früher wurden die Bürger von den Soldaten des Stadtregiments auf Waffen überprüft und zu ihren Absichten befragt, bevor sie in den Palast vorgelassen wurden. Daher stoppte die Menschenschlange immer wieder und plötzlich erblickte Neema schwarz verwischte Augen und zerzaustes Haar. Sofort machte sie Pakka auf den Fremden aufmerksam

„Zola hatte Recht.“, sagte er. „Er will die Königin in Anwesenheit des Volkes bloß stellen. Komm, wir müssen so schnell wie möglich zu den anderen in den Audienzsaal. So ein Mist aber auch, dass wir ihn nicht vorher abfangen konnten.“

Zola, Badu und Demba hatten bereits ihre Position im großen Saal eingenommen um ein wachsames Auge auf die Königin zu werfen. Äußerlich sah man ihnen ihre Unruhe nicht an, nur ihre suchenden Blicke über die Menge verrieten sie.

„Du solltest deinem Bruder mehr vertrauen“, wagte Badu den Versuch zu beruhigen. „Er hat den Boten bestimmt abfangen können.“

Doch in diesem Moment betrat Pakka den Raum. Zola war sichtlich enttäuscht. „Sieht nicht so aus.“

Die zwei Neuankömmlinge klärten ihre Kameraden über den Boten auf. Er stand in einer Ecke, rieb sich die Hände und schien es kaum erwarten zu können. Die Zahl der Bürger hielt sich in Grenzen, fast waren mehr Soldaten der Löwen und Falke Garde zu gegen. Zola konnte den Boten unter diesen Umständen unmöglich einfach festnehmen. Es würde Aufsehen erregen und unangenehme Fragen nach sich ziehen, die nicht in Anwesenheit der vermeintlich betrogenen Partei diskutiert werden sollten. Zwangsläufig würde bei diesem Publikum der Brief zu einem Politikum werden. Also ließ Zola sich eine List einfallen.

Der Leutnant flüsterte Badu etwas ins Ohr und überreichte ihm einen Zettel. Daraufhin näherte Badu sich vorsichtig dem Boten und versuchte zwischen den Menschen kein besonderes Interesse an ihm zu zeigen.

Die Türen des Saales wurden geschlossen. Alle warteten gespannt auf das Eintreten des Königspaars.

Königin Nala stand bereits hinter den Türen, die in den Audienzsaal führten und lauschte auf das Gemurmel der Menge. Passend zum Anlass trug sie eines ihrer Seidengewänder, wie es auch vor dem Krieg üblich gewesen war. Sie fühlte den Stoff wie Wasser an ihrem Körper herunterlaufen und wagte es, sich wenige Sekunden mit geschlossenen Augen in eine Welt zurückzuversetzen, in der ihre größten Sorgen darin bestanden, den passenden Schmuck zum jeweiligen Gewand zu wählen. In dieser Zeit hatte sie Akos noch geliebt. Aber vielleicht hatte er sie nie geliebt. Vielleicht hatte er von Anfang an ihre arrangierte Ehe nur als das verstanden, was sie war: Ein politischer Akt, der Macht und Frieden garantieren sollte. Sie waren gründlich gescheitert.

Schritte kündigten das Eintreffen des Königs an. Akos würdigte sie keines Blickes, aber Nala betrachtete ihn verstohlen.

„Du kommst recht spät“, tadelte sie ihn ernster als beabsichtigt.

Akos blieb ruhig. „Ich schätze, dass spielt keine Rolle. Ohne mich können sie eh nicht anfangen.“

Das folgende Lächeln mit dem schelmischen Schimmer in den Augen erinnerte Nala an den Mann, den sie einst liebte. Deshalb zuckte ihre linke Hand kurz, denn früher waren sie den öffentlichen Anhörungen Hand in Hand gegenübergetreten. Er bemerkte es, reagierte jedoch nicht. Dann öffneten sich die Türen und sie betraten gemeinsam den großen Saal.

Nalas Augen suchten sofort nach Leutnant Zola, die aufmunternd nickte und der Königin damit eine Last von den Schultern nahm. Nala setzte sich beruhigt auf ihren Thron, der sich nach all den Jahren fremd anfühlte.

Viele Anliegen der Bürger drehten sich um den rechtmäßigen Besitz von Wohnhäusern, die in Zeiten des Krieges oft gezwungener Maßen ihre Eigentümer gewechselt hatten. Andere beklagten die schlechte Ernte und zu hohen Steuern. Sie verlangten einen Nachlass. Kriegswitwen schimpften über die mangelnde Anerkennung der anderen Händler. Sie hatten die Geschäfte ihrer verstorbenen Ehemänner übernommen und wurden dafür verspottet. Die Frauen hatten es zudem schwer faire Konditionen zu verhandeln. Und Bauern beschwerten sich über so manch harsches Vorgehen von Soldaten.

Den ganzen Nachmittag nahm sich das Königspaar Zeit, suchte nach Lösungen und spendete Trost. Nala und Akos funktionierten wie eine Einheit – als hätte es die Zeit der Auseinandersetzung nie gegeben. Die Atmosphäre war entspannt, als sich eine laute Stimme erhob und ein Mann aus der Menge hervortrat.

„Mein ewiglich geschätztes Königspaar! Meine Treue und mein Zuspruch sind auf immer Euer und ich will Euer ehrwürdiger Diener sein.“ Der Mann verbeugte sich tiefer als jeder andere und im allmählichen Aufrichten ließ er große mit schwarzer Farbe umrandete Augen erkennen. „Mein Name ist Rafiki und ich bin nur ein unscheinbarer Bote, der nichts am königlichen Hof zu suchen hat. Doch Ihr müsst wissen, dass meine Treue auf eine harte Probe gestellt wurde und ich deshalb zu Euch kommen musste…“

Das Volk wich reflexartig von dem komischen Kautz und seinen übertrieben Reden zurück. Niemand wusste, warum. Aber eine unsichtbare Kraft zog sie von ihm weg.

Rafiki machte eine Kunstpause, die den König in seiner Ungeduld zwang nachzufragen. „Sprecht und wir werden sehen, dass es keinen Grund für Zweifel gibt.“

„Ich wünsche, dass sich Eure Majestät in dieser Hinsicht nicht irrt. Denn in der Tat ist es nicht seine Integrität, die meine Bedenken weckt.“

Akos versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Trotzdem er den Boten als unangenehme Gesellschaft empfand, war er neugieren auf dessen Worte. Nalas Fingernägel gruben sich in ihr Seidenkleid.

„Es bricht mir das Herz meinem König diese Nachricht überbringen zu müssen. Aber die Königin ist nicht ehrlich zu Euch und ich fürchte, sie spielt ein hinterlistiges Spiel.“

Ein Raunen ging durch die schockierte Menge. Nicht wenige Soldaten der Löwen Garde traten einen Schritt vor und legten eine Hand an den Knauf ihres Säbels. Sie waren bereit die Königin zu verteidigen. Eine Kettenreaktion setzte ein und auch die Falken Garde positionierte sich. Die Bürger wichen immer weiter in den Hintergrund. Erst als der König ein Zeichen zur Ruhe gab, wurde es wieder still und die Soldaten traten einen Schritt auseinander. Aber die Anspannung stand sichtlich im Raum. Der Bote sprach unberührt von der Szenerie mit wahnsinnigem Grinsen und übertriebenen Gesten.

„Ich habe diesen Brief abgefangen!“ Er zog ein Schriftstück aus seiner Tasche und hielt es hoch, so dass jeder im Raum das das Papier sehen konnte. „Und aus diesem Brief geht eindeutig und zweifelsfrei hervor, dass die Königin der Wüste dem König der Berge ein Bündnis vorschlägt, um König Akos, also Euch, endgültig zu entmachten.“

Akos blieb ruhig, er schien nicht empört oder gar überrascht. War das die Contenance eines Königs? Oder war er ein guter Schauspieler und wusste um den Inhalt des Briefes? War es seine List? Oder war er ahnungslos?

„Leutnant Koami!“, donnerte der König und ein Soldat der Falken Garde trat vor. „Nehmt diesen Brief an Euch und tragt uns vor, was darin geschrieben steht. Damit sind dann hoffentlich alle schändlichen Vorwürfe zu Nichte gemacht und wir können uns wieder den wichtigen und ernst zu nehmenden Belangen des Reichs zuwenden.“

Der Leutnant tat wie geheißen und der Bote überreichte leicht enttäuscht über das Ende seines großen Auftritts das Stück Papier. Koami ließ sich Zeit den Brief zu entfalten und starrte zunächst auf die Zeilen ohne laut vorzulesen.

„Nun… was ist?“, fragte Akos zum ersten Mal mit Anspannung in der Stimme. „Was steht in dem Brief?“

Koami räusperte sich. „Zwei Pfund Datteln, fünf Eier, eine kleine Flasche Öl und ein Pfund Schafskäse.“

Verwirrt blickte der Leser auf und gab mit einem Schulterzucken zu verstehen, dass nichts weiter auf dem Papier stand. Im Saal herrschte absolute Stille. Erst Pakka, der sich Stück für Stück nach vorne geschlichen hatte, brachte mit einem Lachen wieder Bewegung in die Situation.

„Verzeihung!“ Pakka trat Koami entgegen und nahm ihm den Zettel aus der Hand. „Aber ich schätze, das alles hier ist nur ein böser Scherz und dieser Aufmerksamkeit heischende Mann hat lediglich den Einkaufszettel geklaut, den mir meine Mutter heute Morgen mitgegeben hat.“ Pakka sah in die wutsprühenden Augen des Boten. Er verlor daraufhin sein Grinsen und spürte eine unheimliche Energie zwischen ihnen.

Dann verstand auch das Volk, was passiert war und großes Gelächter brach aus. Der König jedoch schien mehr als verstimmt über diesen Vorfall zu sein. Er erhob sich.

„Für diese Narrenspiele ist kein Platz an meinem Hof. Sperrt diesen Mann, der sich Rafiki nennt, ein und gebt ihm nur Wasser und Brot. Niemand soll noch einmal versuchen mich oder die Königin lächerlich zu machen. Niemand soll es wagen unsere Herrschaft in Misskredit zu bringen. Die Königin und ich sind uns einig, dieses Land in Frieden zu seinem ehemaligen Glanz zurückzuführen und jeder, der gegen uns arbeitet, wird das mit seinem Leben bezahlen!“

Rafiki wurde von Pakka abgeführt und die Anhörung fortgesetzt.

Zola wartete bereits in den Gemächern der Königin, als diese dort eintraf.

„Wie hast du das gemacht?“, fragte sie voller kindlicher Neugier.

Zola erklärte stolz: „Einer meiner Soldaten ist kein ungeübter Taschendieb. Er hat den Brief ausgetauscht kurz, bevor Ihr mit dem König den Saal betreten habt.“

Nala lachte herzlich auf, während Zola das Original zum Vorschein brachte. Das Siegel war sehr stümperhaft angefertigt worden und hätte keiner Überprüfung Stand gehalten. Dennoch war der Inhalt nur mit ernster Miene zu lesen.

„Das ist erschütternd… jemand will mir schaden, wenn auch auf wenig überzeugende Weise. Man hat sich nicht sonderlich viel Mühe für die Fälschung gegeben, aber sie hätte auf jeden Fall für Chaos gesorgt. Gibt es Hinweise darauf, ob der König in diese Verschwörung verwickelt ist?“

„Bis jetzt nicht. Aber wir können es auch nicht ausschließen. Wir wissen nur, dass der Hauptmann der Falken Garde, Hafsa, mit dem Boten in Kontakt stand. Genug Beweise für eine Überführung haben wir jedoch nicht, vor allem da wir das wahre Schriftstück nicht als Beweis anführen können. Wir kennen also nur die Verbindung zwischen Hafsa und Rafiki. Welche Rolle der König in dem Schauspiel hat, wissen wir noch nicht.“

Nala ging gedanklich in sich. Sie konnte nicht glauben, dass der König sie hinters Licht führen wollte. Nicht nach dieser überzeugenden Ansprache während der Audienz. Außerdem schien ein solches hinterlistiges Vorgehen, eine solche Intrige nicht seine Art zu sein. Doch sie brauchte Gewissheit.

„Findet für mich alle Hintergründe dieser Verschwörung heraus und ich werde Euch auf ewig dankbar sein!“

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