Man sagt sich mehr als einmal Lebewohl - David Servan-Schreiber - E-Book

Man sagt sich mehr als einmal Lebewohl E-Book

David Servan-Schreiber

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8,99 €

Beschreibung

“Früher oder später würde er zurückkehren, das wusste ich. Ich konnte Zeit gewinnen, gut und ohne Angst leben, ihn fast vergessen. Aber jetzt ist der Rückfall da. The Big One. Er zwingt mich, mir die großen Fragen zu stellen, Rechenschaft abzulegen: Was bleibt von meinem Kampf gegen die Krankheit, vom Antikrebs-Lebensstil, wenn ich diesmal unterliege? Alles, so meine ich. Warum, erkläre ich in diesem Buch. Zugleich möchte ich allen Lebewohl sagen, die meine früheren Bücher gelesen und mich auf meinem Weg begleitet haben. So oder so, ich glaube an ein Wiedersehen: Man sagt sich mehr als einmal Lebewohl.” 19 Jahre nach seiner ersten Diagnose, nach Jahren intensivster Forschung und zwei Büchern, die Millionen Lesern in aller Welt Alternativen im Umgang mit ihrer Krebserkrankung aufzeigten, muss David Servan-Schreiber sich der Erkenntnis stellen, dass die Zeit knapp wird. Rückhaltlos offen schildert er seine Ängste – aber auch den geglückten Versuch, keinen Tag ohne Freude, ohne Hoffnung zu leben. Er stellt seine Erkenntnisse auf den Prüfstand und bekennt, wo er selbst von seinen Ratschlägen abgewichen ist. Und schreibt, mit ungebrochenem Mut, ein sehr persönliches, bewegendes Buch über die Frage, wie wir leben und uns auf den Tod vorbereiten wollen; weise, ehrlich, inspirierend.

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Seitenzahl: 123

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DAVID SERVAN-SCHREIBER

mit Ursula Gauthier

Man sagt sich mehr alseinmal Lebewohl

Aus dem Französischenvon Ursel Schäfer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verlag Antje Kunstmann

 

 

 

 

 

Dieses Buch ist den Onkologen gewidmet, die mir seit der zufälligen Entdeckung meines Krebses vor neunzehn Jahren großzügig ihre Zeit, ihr Wissen und ihre Unterstützung zur Verfügung gestellt haben.

Es ist auch allen meinen Patienten gewidmet, die ähnliche Prüfungen durchgemacht haben. Sie haben mir den Weg zu innerer Stärke, Mut und Entschlossenheit gezeigt.

Und schließlich widme ich das Buch meinen drei Kindern, Sascha (sechzehn Jahre), Charlie (zwei Jahre) und Anna (sechs Monate). Es wäre schrecklich traurig, wenn ich sie nicht länger bei der Entdeckung des Lebens begleiten könnte. Ich hoffe, ich habe dazu beigetragen, ihnen Lebenskraft zu schenken. Ich vertraue darauf, dass sie diese Kraft in ihren Herzen tragen und dass sie ihnen hilft, die Herausforderungen des Lebens zu bewältigen.

Inhalt

ERSTER TEIL

Der Fahrradtest

Die große Müdigkeit

The Big One

Köln vom Bett aus

Der Club der Lebenden

Rückkehr ins Aquarium

Der Vampir von Löwen

Die kalte Dusche

Fünfzig Jahre: Der Elefant, der Schädel und der Wind

ZWEITER TEIL

»Wozu das alles?«

Was bleibt vom Antikrebs-Buch?

Die innere Ruhe

Die Reihenfolge der Prioritäten

Den Übergang bewältigen

Wandern in finsterer Schlucht

Ich bedaure nichts

Lehrstunden in Mut

Kampfgefährten

Rezept vom Arzt: Lachen und Meditieren

Dankbarkeit kultivieren

Kostbare Augenblicke

Die Versuchung von Lourdes

Das Tabu anpacken

Das Hochgefühl, sein Testament zu machen

Emilys Atem

Weißes Licht

Über die Liebe

Lebenswichtiger Austausch

Die Liebkosung des Windes

Nachwort von Émile Servan-Schreiber

ERSTER TEIL

Der Fahrradtest

An jenem Tag fuhr ich nach dem Termin in der Radiologie mit dem Fahrrad nach Hause. Ich habe es immer geliebt, in Paris mit dem Fahrrad zu fahren, und habe die Strecke als einen ganz besonderen Augenblick in Erinnerung. Natürlich wäre es nach dem, was ich gerade gehört hatte, vernünftiger gewesen, ein Taxi zu nehmen, denn holpriges Pflaster war in meinem Zustand nicht gerade angeraten. Aber nach dieser Nachricht brauchte ich unbedingt frische Luft.

Es war der 16. Juni 2010. Ich hatte eine Kernspintomografie (MRT) machen lassen, und das Ergebnis sah nicht sehr gut aus. Die Bilder zeigten eine riesige Kugel, ganz von Blutgefäßen durchzogen, die in meinem rechten Frontallappen den Hohlraum ausfüllte, der durch zwei frühere Operationen Jahre zuvor entstanden war. Mein Onkologe zögerte. Er glaubte nicht, dass der Tumor wieder zurückgekommen war. Er hielt die Kugel eher für ein eindrucksvoll großes Ödem, das sich zeitverzögert als Reaktion auf eine frühere Bestrahlung entwickelt hatte. Aber er war sich nicht sicher. Wir mussten abwarten, was der Radiologe meinte, doch der würde erst in ein paar Tagen wieder da sein.

Ob Tumor oder Ödem, das Ding, das da in meinem rechten Frontallappen wuchs, war in jedem Fall unmittelbar lebensbedrohlich. In Anbetracht seiner Größe und der Beengung, die es in meinem Schädel verursachte, hätte schon eine kleine Veränderung des Drucks – durch einen Sturz, einen Schlag – gereicht, und ich hätte sterben können oder wäre zumindest behindert geblieben. Zu allem Überfluss hatte ich gerade einen dreitägigen Blitzbesuch in den Vereinigten Staaten hinter mir, und das mit dieser entsicherten Granate unter meinem Schädeldach. Jedes Luftloch hätte mein Ende sein können.

Draußen vor dem Zentrum für Radiologie rief ich meine Frau an. Ich sagte: »Es sieht nicht gut aus«, und brach in Tränen aus. Ich hörte, wie sie am anderen Ende der Leitung ebenfalls zu schluchzen anfing. Es war schrecklich. Mit dieser Last auf dem Herzen hätte ich die Stadt nicht eingesperrt in einem Auto durchqueren können. Also schwang ich mich im vollen Bewusstsein, welches Risiko ich einging, auf mein Rad.

Wenn ich diese Episode heute Freunden erzähle, schauen sie mich entgeistert an. Sie wissen, dass ich nicht verzweifelt bin, nicht einmal mutlos. Warum habe ich mich dann diesem unvernünftigen Risiko ausgesetzt? Gab ich für einen Augenblick einem Suizidimpuls nach? Oder der »romantischen« Vorstellung, auf dem Pflaster von Paris einen schnellen Tod zu sterben? War ich versucht, mir monatelange Schmerzen und Ängste zu ersparen?

Im Allgemeinen gebe ich auf solche Fragen eine scherzhafte Antwort: »Ich konnte doch nicht mein Fahrrad dort lassen! Schließlich hänge ich sehr daran. Es ist mein Tornado. Kann man sich vorstellen, dass Zorro sein treues Schlachtross irgendwo auf freiem Feld zurücklässt?« Die Wahrheit ist, dass ich trotz allem, was mein Onkologe sagte, und obwohl ich ihm gerne glauben wollte, doch das Schlimmste befürchtete. Ich stand mit dem Rücken zur Wand.

Und da musste ich meinen Mut »testen«. Sehen, ob ich angesichts dieser Entscheidungsschlacht wieder so viel Kraft mobilisieren konnte wie bei den beiden früheren Operationen. Mit zwanzig Jahren mehr auf dem Buckel und einem Tumor im Kopf – wenn es denn ein Tumor war –, der noch größer war als damals, brauchte ich meine ganze Tapferkeit und Kaltblütigkeit.

So verrückt, so leichtsinnig mein »Fahrradtest« auch erscheinen mag, er erfüllte seine Funktion: Ich spürte, dass meine Lebenslust ungebrochen war und mit ihr auch meine Entschlossenheit. Ich wusste, dass ich mich nicht kampflos geschlagen geben würde.

Die große Müdigkeit

Erste beunruhigende Anzeichen hatten sich im Mai gezeigt, eineinhalb Monate vor der MRT-Aufnahme. Seit mehreren Wochen war mir aufgefallen, dass meine Beine wegsackten, als würden sie schlagartig alle Kraft verlieren. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich in meinem Arbeitszimmer stand, ein Buch im Regal suchte, und auf einmal lag ich auf den Knien am Boden. Einfach so! Ohne Vorwarnung.

Einige Tage später empfing ich eine Journalistin von M6, die mich zu Bernard Giraudeau interviewen wollte. Von ihr erfuhr ich, dass es dem Schauspieler und Regisseur sehr schlecht ging. Ich war tief betroffen, als ich ihre Fragen beantwortete. Nach dem Interview erhob ich mich und wollte sie zur Tür bringen. In dem Augenblick, als ich mich verabschieden wollte, fiel ich der Länge nach hin und riss sie mit zu Boden. Ihre Kamera stürzte auf mich, mein niedriger Tisch fiel um mit allem, was darauf stand, dem Tee, den Tassen … Sie schrie: »Hilfe! Hilfe!«, und machte das ganze Büro rebellisch, während ich am Boden lag. Die Situation war ziemlich peinlich. Die Journalistin konnte ihre Panik nicht verbergen. Ich stellte mir vor, dass sie bei sich dachte: »Mein Gott! Zweimal Bernard Giraudeau auf einen Schlag!« Ich versuchte sie zu beruhigen. »Ich bin gerade aus Amerika gekommen und stecke mitten im Jetlag. Außerdem ist mir seit ein paar Tagen schwindlig. Aber machen Sie sich keine Sorgen, ich weiß, was zu tun ist.«

Meine Symptome passten nicht richtig zu einem neurologischen Problem und auch nicht dazu, dass mein Tumor zurückgekehrt sein sollte. Es gab keinerlei Alarmzeichen, die auf Krebs hindeuteten. Mein letzter Gehirnscan vom Januar war perfekt gewesen, der nächste sollte im Juli gemacht werden. Ich spielte verschiedene mögliche Ursachen durch und befand schließlich, dass meine Schwächeanfälle von einer Anämie herrührten. In letzter Zeit hatte ich wegen Rückenschmerzen viel Ibuprofen geschluckt, nun vermutete ich, die hohe Dosis hätte ein Geschwür in meinem Verdauungstrakt verursacht, das blutete und Anämie und Schwindel zur Folge hatte. Ich nahm mir vor, möglichst bald zu einer gründlichen Untersuchung zu gehen.

Zu der Zeit war ich mit meinem Antikrebs-Buch dauernd unterwegs. Ich hielt Vorträge, trat in Radio- und Fernsehsendungen auf, vor allem in Amerika, wo das Buch auf großes Interesse gestoßen war. Ich schob meine Müdigkeit auf die vielen Flüge, auf die Zeitverschiebung, auf den Stress, öffentlich zu sprechen.

Kurz nach dem Interview mit M6 und obwohl ich mich nicht richtig fit fühlte, musste ich schnell nach Detroit zu einem wichtigen Fernsehauftritt bei einem nationalen Sender fliegen. Als ich im Studio ankam, war ich aschfahl. Ich sagte der Maskenbildnerin: »Sie müssen mich verwandeln.« Sie antwortete: »Machen Sie sich keine Sorgen, Sie werden topfit aussehen.« In den zwei Stunden, die wir auf Sendung waren, überspannte ich den Bogen. Ich lächelte, vermittelte den Eindruck, dass es mir Spaß machte, und wirkte in der Tat topfit. Danach war ich am Ende und fuhr direkt ins Hotel. Ich wollte nur schlafen, denn am nächsten Morgen musste ich schon wieder nach Hause fliegen.

Beim Aufwachen war es noch schlimmer; vor allem hatte ich schreckliche Kopfschmerzen. Es kostete mich große Anstrengung, aufzustehen und zu frühstücken. Auf dem Weg zum Flughafen ließ ich das Taxi bei einer Apotheke anhalten, weil ich Paracetamol kaufen wollte. Während ich nach dem Medikament suchte, stürzte ich mit Getöse in ein Regal, und der gesamte Inhalt verteilte sich auf dem Fußboden. Man half mir, wieder auf die Füße zu kommen, wollte mich unbedingt in ein Krankenhaus bringen. Aber ich wollte auf keinen Fall meinen Heimflug versäumen und stieg wieder ins Taxi.

Doch ich konnte nicht mehr verleugnen, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Vom Taxi aus rief ich einen Freund in Paris an und bat ihn, mich als Notfall für eine MRT-Untersuchung anzumelden. Danach rief ich meine Mutter an und bat sie, mich am Flughafen Roissy abzuholen. Meine Beine fühlten sich so wacklig an, dass ich fürchtete, ich würde es nicht allein nach Hause schaffen. Tatsächlich stürzte ich auf dem Flughafen von Detroit mehrfach.

The Big One

Am Tag nach der Rückkehr ging ich zu der MRT-Untersuchung. Als ich begriffen hatte, was diese große Kugel bedeutete, die innerhalb von vier Monaten in meinem Kopf gewachsen war, entschied ich ganz bewusst und entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, dass ich die Bilder nicht sehen wollte. Ich wollte keine »schlimmen Bilder« im Kopf haben, selbst wenn mein Onkologe ausschloss, dass es ein Tumor war. Bis heute habe ich die Bilder nicht gesehen. Das hat nichts mit Aberglauben zu tun. Ich glaube an die Beeinflussbarkeit des Geistes und die Macht der Bilder. Ich bin überzeugt, dass es besser ist, Bilder, die uns zu sehr ängstigen, nicht anzuschauen, denn wie die Redensart sagt: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Später, als ich erfahren hatte, dass das vermeintliche Ödem in Wahrheit ein bösartiger Tumor war, versuchte ich, möglichst viel darüber herauszufinden, um mich möglichst gut verteidigen zu können. Aber ich wollte mich nicht von Bildern »besetzen« lassen, die so überwältigend waren, dass sie mich womöglich mutlos machten, mich denken ließen: Das schaffe ich nicht.

Spielte Verleugnung bei dieser Entscheidung mit? Bestimmt ein bisschen. Aber Studien haben gezeigt, dass Verleugnung nicht per se, nicht immer eine schlechte Strategie ist, vor allem wenn die Prognose und die Statistiken eindeutig düster sind. Tatsächlich gibt es zwei Arten von Verleugnung. Die erste tritt bei Menschen auf, die von der Krankheit so erschreckt sind, dass sie davon nichts wissen, sich womöglich nicht einmal behandeln lassen wollen. Diese Art der Verleugnung ist extrem gefährlich. Die zweite Form kennen all jene gut, die, im Gegenteil, auf ihre Gesundheit achten und sich an das halten, was ihr Arzt sagt. Sie wissen, dass eine optimistische Verfassung hilft, zu leben – vielleicht sogar, gesund zu werden. All mein Nachdenken hat mich zu der Auffassung geführt, dass das, was »zu leben hilft«, tatsächlich die Lebenskraft stärkt, die jeder lebendige Organismus besitzt. Und umgekehrt beeinträchtigt alles, was an der Lebenslust zehrt, unsere Heilungskräfte.

Trotz allem war ein Ödem die bessere Aussicht. Natürlich flüsterte eine leise innere Stimme: »Zu schön, um wahr zu sein.« Weil ich warten musste, was der Radiologe sagen würde, beschloss ich, nach Le Mans zu fahren, wo ich vor zweihundert Journalisten sprechen sollte, die dort an einer internationalen Tagung teilnahmen, bei der es um den Kampf gegen Müdigkeit ging. Angesichts meiner eigenen Erschöpfung war die Entscheidung einigermaßen absurd, aber ich wollte nicht in letzter Minute absagen.

Am Vorabend meines Vortrags brach ich in meinem Hotelzimmer auf dem Weg ins Bad zusammen und musste mich zum Bett schleppen. Am nächsten Morgen ging es mir besser. Doch beim Aussteigen aus dem Taxi stürzte ich erneut. Erschwerend war hinzugekommen, dass ich auf einmal erkennbar schielte. Kurz erwog ich, bei meinem Vortrag eine Sonnenbrille zu tragen, doch schließlich zog ich es vor, beim Sprechen meinen Blick unaufhörlich von rechts nach links über die Zuhörer schweifen zu lassen. Offenbar merkte niemand, dass meine Augen in unterschiedliche Richtungen strebten.

Am Tag danach sollte ich zu einer seit Langem vereinbarten Arbeitsbesprechung nach Köln fahren. Da ich immer noch so unsicher auf den Beinen war, begleitete mich mein Bruder Émile auf der Zugfahrt. Als wir den Bahnhof verließen, knickten meine Beine wieder weg. Émile bestand darauf, mich in die Notaufnahme zu bringen. Ich erinnerte mich, dass ich einige Monate zuvor bei einer dreitägigen Fortbildungsveranstaltung, die ich in Köln zu den Themen meines Antikrebs-Buchs gehalten hatte, hervorragende Neurochirurgen kennengelernt hatte. Ihre Offenheit und ihre extrem präzisen Ansätze hatten mich sehr beeindruckt. Wir riefen eine Neurochirurgin an, die ich sympathisch gefunden hatte. Ihre Reaktion, als ich ihr meinen Zustand und die Ergebnisse der Gehirnaufnahme beschrieb, war eindeutig: »Nehmen Sie ein Taxi und kommen Sie sofort her!« Ihre Worte waren nicht beruhigend, aber zugleich fühlte ich mich fest an die Hand genommen. In der Klinik führten sie sofort eine weitere MRT-Untersuchung durch. Diesmal war das Urteil klar: kein Ödem, sondern ein Rückfall.

Es war »der« Rückfall. Der große, bösartige, der quasi finale. »The Big One«, wie die Kalifornier sagen, wenn sie von dem großen Erdbeben sprechen, das sich eines Tages an der Westküste ereignen wird. Ich wusste, dass das irgendwann passieren würde. Ich kannte die Prognosen meiner Krebserkrankung. Früher oder später würde sie zurückkehren. Ich konnte den Zeitpunkt hinauszögern, konnte einige Jahre Atempause gewinnen. Aber ich konnte diesen Tumor nicht für immer zum Verschwinden bringen. Nun war es so weit. Was ich lange gefürchtet hatte, war eingetreten.

Um ganz ehrlich zu sein: Ein Teil von mir hatte insgeheim zu glauben begonnen, dass der Krebs doch nicht wiederkehren würde. Aber der vernünftigere Teil hatte immer gesagt: »Er wird wiederkommen.« Und hatte hinzugefügt: »Wenn er wiederkommt, werden wir es bewältigen.«

Und das habe ich gemacht. Wie mich mein »Fahrradtest« hatte hoffen lassen, schaltete ich fast sofort auf »Bewältigungsmodus«.

Köln vom Bett aus

Der Tumor war so groß und drückte so stark auf mein Gehirn, dass die Ärzte in Köln entschieden, ich müsse unverzüglich operiert werden.

Bei allem Unglück hatte ich doch noch viel Glück. Wenn es ein Krankenhaus gab, in dem ich mich gern operieren ließ, dann die Universitätsklinik in Köln. Sie bietet eine seltene und in meinem Augen sehr wertvolle Besonderheit: Obwohl sie bei allen Spitzentechnologien ganz vorn dabei ist, ist sie auch sehr offen für unkonventionelle Ansätze. Besser noch: Die Ärzte zögern nicht, sie auch anzuwenden. Die Abteilung Naturheilkunde führt zum Beispiel gemeinsame Forschungsprojekte mit der Abteilung Gehirnchirurgie zu therapeutischen Methoden durch, die beide Ansätze verbinden, und die Ergebnisse werden in den renommiertesten onkologischen Zeitschriften veröffentlicht! Meines Wissens praktiziert nicht eine große französische Klinik eine solche fruchtbare interdisziplinäre Kooperation.

Bei der Fortbildungsveranstaltung, die ich gehalten hatte, hatte ich Neurochirurgen kennengelernt, die mich