Manhattan 2058 - Folge 2 - Dan Adams - E-Book
Beschreibung

Die Widerstandskämpferin Tyra Kane ist auf der Flucht - nicht nur vor der Black Guard, sondern auch vor den Ghulen: degenerierte, menschenfressende Mutanten, die in den düsteren Straßenschluchten Manhattans auf die Jagd gehen. Doch dann bekommt sie plötzlich unerwartete Hilfe ... Währenddessen sucht Mike Quillan immer noch seinen Platz beim Department for Special Operations. Zusammen mit seiner neuen Kollegin Liberty untersucht er Morde, die anscheinend von Ghulen begangen wurden. Und eines der Mordopfer birgt ein Geheimnis, das Mike zutiefst erschüttert ... ÜBER DIE SERIE: In einer finsteren Zukunft sucht ein Cop nach Vergeltung ... doch wer ist der wahre Feind? New York, 2058: Hochwasser, Umweltverschmutzung, Überbevölkerung und Kriminalität bedrohen die Metropole. Ein Bürgerkrieg schwelt in den Vereinigten Staaten, und die Politik ist von mächtigen Konzernen korrumpiert. Polizist Mike Quillan macht die Terrororganisation Phoenix Rising für den Tod seiner Verlobten verantwortlich. Doch dann kommt er dem Geheimdienst Black Guard in die Quere - und entdeckt eine Verschwörung, die ihm sämtliche Gewissheiten nimmt ... Action garantiert - die SF-Thriller-Serie "Manhattan 2058"! eBooks von beBEYOND - fremde Welten und fantastische Reisen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl:131


Inhalt

Cover

Manhattan 2058 – Die Serie

Über diese Folge

Über den Autor

Titel

Impressum

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

Manhattan 2058 – Die Serie

In einer finsteren Zukunft sucht ein Cop nach Vergeltung … doch wer ist der wahre Feind?

New York, 2058: Hochwasser, Umweltverschmutzung, Überbevölkerung und Kriminalität bedrohen die Metropole. Ein Bürgerkrieg schwelt in den Vereinigten Staaten, und die Politik ist von mächtigen Konzernen korrumpiert.

Polizist Mike Quillan macht die Terrororganisation Phoenix Rising für den Tod seiner Verlobten verantwortlich. Doch dann kommt er dem Geheimdienst Black Guard in die Quere – und entdeckt eine Verschwörung, die ihm sämtliche Gewissheiten nimmt …

Action garantiert – die SF-Thriller-Serie »Manhattan 2058«!

Über diese Folge

Die Widerstandskämpferin Tyra Kane ist auf der Flucht – nicht nur vor der Black Guard, sondern auch vor den Ghulen: degenerierte, menschenfressende Mutanten, die in den düsteren Straßenschluchten Manhattans auf die Jagd gehen. Doch dann bekommt sie plötzlich unerwartete Hilfe …

Währenddessen sucht Mike Quillan immer noch seinen Platz beim Department for Special Operations. Zusammen mit seiner neuen Kollegin Liberty untersucht er Morde, die anscheinend von Ghulen begangen wurden. Und eines der Mordopfer birgt ein Geheimnis, das Mike zutiefst erschüttert …

Über den Autor

Dan Adams ist das Pseudonym von Jürgen Bärbig, geboren 1971. Er war Stipendiat der Bastei Lübbe Academy und nahm 2014 an der einjährigen Masterclass teil. Für Bastei Lübbe schrieb er zuletzt die spannende Western-Serie »Three Oaks«. Mit dem actionreichen SF-Thriller »Manhattan 2058« entwirft er ein düsteres, packendes Szenario der nahen Zukunft.

Folge 2DIE REBELLIN

beBEYOND

Originalausgabe

»be« – Das eBook-Imprint von Bastei Entertainment

Copyright © 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Jan Wielpütz

Lektorat/Projektmanagement: Lukas Weidenbach

Covergestaltung: Massimo Peter-Bille unter Verwendung von Motiven © shutterstock: gyn9037 | I.Friedrich | deepadesigns | mexrix | Roka Pics | Sebastian Kaulitzki

eBook-Erstellung: Jilzov Digital Publishing, Düsseldorf

ISBN 978-3-7325-4549-0

www.be-ebooks.de

www.lesejury.de

1

Nachdem sie ihren Einsatz in der Tiefgarage des Cascada Hotels beendet hatten, wollte Liberty es nicht der New Yorker Polizei überlassen, den Ghultunnel zu schließen.

»Ich übernehme das«, sagte sie Quillan. »Aber vorher sehe ich mir den Tunnel noch mal an. Verstärkung vom DSO ist unterwegs.«

Neben einer Frau, die Serafine Hosh hieß und die Quillan noch nicht kennengelernt hatte, komme auch Bugbear, erklärte Liberty.

Klasse, dachte er. Als wäre der Tag nicht schon beschissen genug gewesen, musste er sich jetzt auch noch mit diesem Riesengorilla abgeben.

Liberty schien seine Gedanken erraten zu haben. »Buggy ist okay. Wirklich.« Sie hatte das Air C zehn Fuß über dem Boden in den Schwebemodus gebracht. Nun warteten sie. Als sie Quillans skeptisches Gesicht bemerkte, musste sie lachen. »Ihr hattet nur einen schlechten Start. Gib Buggy eine Chance!«

»Hey, er wollte mir eine reinhauen.«

Sie winkte ab. »Das wollte er nicht.«

»Sah für mich aber genauso aus.« Er seufzte, es war nicht gut, wenn er sich aufregte.

Liberty nickte ihm zu. »Was macht die Brust?«

»Tut weh.«

»Morgen hast du nur noch einen Muskelkater.«

»Mhm. Erst breche ich mir ein Bein, und dann werde ich auch noch angeschossen. Wenn das so weitergeht, bin ich am Ende der Woche tot.«

»Du solltest wirklich mehr auf dich achten«, erwiderte sie und machte sich nicht einmal die Mühe, die Ironie in ihrer gespielten Fürsorge zu verstecken.

Die nächsten Minuten verbrachten beide damit, schweigend aus den Cockpitfenstern zu sehen, bis Liberty sagte: »Das war hier mal eine schöne Gegend. Blick auf den Central Park, gute Hotels, richtig teuer.«

Quillan nickte abwesend.

»Jetzt ist es nur noch Sektor D.« Liberty schüttelte den Kopf. »Die Stadt geht immer weiter den Bach runter.«

»Cole hat was Ähnliches gesagt. Aber wenn das so ist … was machen wir dann noch hier? Wieso schmeißen wir nicht einfach alles hin?«

»Glaubst du denn, irgendwo anders wäre es besser? Bestimmt nicht.« Liberty sah ihn vorwurfsvoll an. »Außerdem ist das hier meine Heimat. Ich liebe New York. Ist ’ne schräge Stadt.«

»Wo bist du denn aufgewachsen?«

»Hier und da. Am Anfang in Brooklyn, in Vinegar Hill. Und du?«

»Manhattan. Ich war aber nur fünf Jahre da, dann bin ich mit meinen Eltern nach Staten Island umgesiedelt.«

»Dann hast du aber ganz schönes Glück gehabt. Und, wie war’s da so?«

»Schon ziemlich anders als hier.«

Sie lachte. »Ja, das kann ich mir vorstellen.«

Ein zweites Air C kam neben ihrem längsseits. Quillan erkannte Bugbears hässliches Gesicht durch die Beifahrerscheibe.

Der Bordfunk rauschte. »Habt ihr ein Taxi bestellt?«

Liberty antwortete nicht, deutete nach unten und landete.

Als alle Turbinen verstummt waren, stiegen sie aus und trafen sich mit den anderen im Licht der Scheinwerfer.

Bugbear ähnelte in seiner schweren schwarzen Panzerung einem Koloss; auf dem breiten Rücken stand der Schriftzug des DSO. Sein kahler Kopf glänzte im einsetzenden Nieselregen. Die brennende Zigarre, die zwischen seinen Lippen klemmte, zischte, als ein Tropfen die Glut traf. Bugbear nahm eine Automatikschrotflinte, die er lässig mit einer Hand an die Schulter lehnte. Zwei Revolver hingen links und rechts an seiner Hüfte. Ohne ein Wort baute er sich vor Quillan auf und starrte ihn an. Dabei schmatzte er wortlos an seiner Zigarre.

Quillan verschränkte die Arme und hielt dem Blick stand. Gott, ist das lächerlich, dachte er.

Liberty kam und rettete die Situation, indem sie ihm jemanden vorstellte. »Mike. Das ist Detective Hosh.«

Die dunkelhäutige Frau mit den Dreadlocks schüttelte Quillan die Hand. Er brachte sogar ein Lächeln zustande.

»Mike wurde uns überstellt«, erklärte Liberty.

»Er kommt von Staten Island«, warf Bugbear ein und machte dabei ein verächtliches Gesicht.

Quillan beschloss, sich nicht mit ihm anzulegen. Er war froh, sich überhaupt noch gerade auf den Beinen halten zu können.

»Du hast was von Ghulen gesagt«, bemerkte Hosh und deutete mit einem Kopfnicken auf das vor ihnen stehende Gebäude. »Ist es hier?«

»Ja, da gibt es einen Tunnel im Keller, den ich mir näher ansehen will. Könnte etwas eng für dich werden, Buggy.«

»Werden wir sehen. Gehen wir.«

»Nur wir vier?«

»Ja.«

»Das ist eine blöde Idee«, erwiderte Hosh. »Lass uns noch eine Task Unit vom NYPD anfordern.«

»Die habe ich schon weggeschickt«, meinte Liberty ungeduldig. »Außerdem will ich mich nur mal umsehen, mehr nicht.«

»Aber wir wissen nicht, was wir da unten …«

»Es reicht, Detective. Wir gehen da jetzt runter.«

»Ja, Sergeant.« Hosh klang verärgert.

Bugbear verdrehte die Augen. »Seid ihr fertig?« Ohne auf eine Antwort zu warten, stapfte er auf den Eingang zu. Ein Schrank auf Beinen kam Quillan in den Sinn, als er ihm folgte.

Im Haus war es still. Als würde das Gebäude die Luft anhalten. Selbst Bugbear bewegte sich leise auf die Kellertür zu, die weit offen stand. Die Stufen nach unten waren alt und ausgetreten. Die Wände waren Dutzende Male überstrichen worden, und nun blätterte die Farbe ab. Es roch feucht und muffig.

Es gab Licht, wenn auch nur schwach und nicht überall. Ihre Taschenlampen mussten die Gänge ausleuchten, die so eng waren, dass sie hintereinandergehen mussten. Es gab unzählige kleine Kellerräume mit metallenen Türen, die alle abgeschlossen waren – nur eine stand offen. In dem Raum dahinter waren Ziegelsteine aus der Rückwand herausgebrochen und beiseitegeschoben worden. Das gab den Blick auf einen Tunnel frei, der gerade groß genug war, dass man darin knien konnte. Die Polizisten betraten den Raum und sahen sich um. Grobes Werkzeug lag herum, ein Klappspaten und zwei Spitzhacken ohne Griffe. Auf dem Boden klebte feuchter, zertretener Lehm.

Liberty ging in die Hocke, um in den Tunnel zu leuchten. Alte Telefonkabel, die ihren Nutzen schon lange verloren hatten, hingen aus der Decke. Ein Abwasserrohr kam aus der linken Wand und verschwand in der rechten. An einer Muffe tropfte Brackwasser auf den Boden.

»Habt ihr Knallfrösche mitgebracht?«, fragte Liberty.

Zum ersten Mal, seit Quillan ihn kannte, grinste Bugbear, klopfte auf die Nylontasche an seinem Gürtel und wirkte richtig zufrieden. »Was willst du haben?«

»Annäherungsminen.«

»Hab ich.«

»Sumser?«

»Ja, hab ich auch.«

Liberty nickte zufrieden und wollte in den Tunnel kriechen, als Quillan sie festhielt. »Hast du nicht gesagt, die Tunnel zu durchsuchen wäre zu gefährlich?«

»Fang du jetzt nicht auch noch an.« Sie warf ihm einen bösen Blick zu. »Ich will wissen, wo diese Ratten hergekommen sind.«

»Hast Angst, was?«, zog Bugbear Quillan auf.

»Ich habe keine Angst.«

»Na dann … nach dir.«

Quillan ging schwerfällig in die Hocke und kroch Liberty nach. Der Schmerz in seiner Brust machte ihm das Atmen schwer, und der Knochenbruch im Bein war auch noch nicht vergessen. Er verfluchte sich. Warum wollte er diesem Riesenaffen etwas beweisen? Er konnte ihn nicht einmal leiden. »Hey? Hast du mir zugehört?«

Quillan stieß gegen Libertys Hintern, nachdem sie plötzlich angehalten hatte. Er hob den Kopf und sah auf ihr hübsches Gesicht, das sie ihm über die Schulter hinweg zuwandte. Sie lächelte vielsagend.

»Hattest du was gesagt?«, fragte er.

»Pst!« Sie legte den Finger an die Lippen. »Da vorne ist Licht.«

Quillan spähte an ihr vorbei. Doch mehr als flackernden Schein konnte er nicht erkennen.

Sie krochen weiter und erreichten das Ende des Tunnels. Das letzte Stück bestand aus einem gemauerten Gang, der früher einmal zum Abwassersystem New Yorks gehört hatte, dann aber aufgegeben und dem Verfall preisgegeben worden war. Am Tunnelende hingen die rostigen Überreste eines Gitters, das die Ghule nach oben gebogen hatten. Daneben war eine verbeulte Konservendose mit einem einfachen Öllicht an einem Haken befestigt worden. Es war fast ausgebrannt.

Dem Tunnel schloss sich ein aufgegebener Hauptabwasserkanal an. Der Boden war rutschig und voller weichem Matsch, in dem allerhand Unrat und Abfall klebten. Wasser floss in dünnen Rinnsalen die grau verschimmelten Wände hinab oder tropfte aus Ritzen und Leitungsrohren von der Decke. Ratten quiekten erschrocken, geblendet vom Licht, und flohen in ihre Verstecke. Dann war es so still, dass Quillan seinen eigenen Herzschlag hören konnte.

In der Mitte des Tunnels ragte ein gemauerter Wartungsschacht in die Höhe. Vier Meter im Durchmesser schien er aus dem Boden gewachsen zu sein und in der Decke zu verschwinden. Etwa auf halber Höhe gab es eine verbeulte Metalltür, die sich auf eine Balustrade öffnete, die den Schacht einmal umrundete. Von dort führte eine Stiege in den Gang hinab. Quillan stockte. Hatte sich da gerade an der Tür ein Schatten bewegt? Er sah genauer hin. Nein, er hatte sich getäuscht. Außer ihnen war niemand da.

»Oh fuck!«, entfuhr es Liberty mit leisem Entsetzen.

»Was denn?«

»Fußabdrücke. Überall.« Sie wies auf den schlammigen Boden. Jetzt sah er es auch. Die Abdrücke führten zu weiteren Durchbrüchen in den Wänden – Quillan zählte fünf – und von dort weg.

Bugbear schob sich schnaufend durch die Öffnung. Dann folgte Hosh. Sie sah nicht glücklich aus. »Da wären wir also, Sergeant. Ich hoffe, du bist zufrieden. Ich sehe aus wie ein Schwein«, beschwerte sie sich. »Das waren nagelneue Stiefel.«

»Halt den Mund!«, herrschte Liberty sie an und wies mit einem Zucken ihrer Lampe auf die Fußabdrücke im Dreck.

Hoshs Augen wurden groß. »Oh nein! Wie viele sind das?«

»Keine Ahnung, aber einer ist schon zu viel.«

»Wie sind die überhaupt durch die Mauer gekommen? Ich dachte, die ist unpassierbar.«

»Schlupflöcher gibt es überall. Keine Grenze ist hundertprozentig sicher.« Liberty kaute angespannt auf der Unterlippe.

Hosh sah von einer Seite zur anderen. »Wie lange die den Tunnel wohl schon benutzen?«

»In jedem Fall zu lange. Die breiten sich aus … und wir kriegen’s nicht mal mit.«

»Das müssen wir melden«, sagte Hosh aufgeregt.

Der Klang eines Metallrohrs, das gegen Stein geschlagen wurde, hallte als Echo durch den Tunnel.

Das Geräusch bescherte Quillan eine Gänsehaut, besonders da es von anderer Stelle auf gleiche Weise beantwortet wurde.

»Buggy, verteil alle Knallfrösche und Sumser, die du hast!« Liberty sprach völlig ruhig, nur das kurze Zucken ihrer Mundwinkel verriet ihre Anspannung.

Bugbear ließ sich nicht lange bitten. Er verteilte Sprengstoff mit Annäherungszünder und Minen von Daumengröße, die auf Kopfhöhe sprangen, wenn man ihnen zu nahe kam.

Nach zwei Minuten war er fertig, gerade als eine kratzige und dennoch feste Stimme das Klirren von Eisen auf Stein ablöste.

»Ihr werdet uns nicht aufhalten!«, rief jemand höhnisch aus einem der Gänge, unmöglich auszumachen, aus welchem. »Tötet einen von uns, dann werden fünf kommen, um seinen Platz einzunehmen.«

Libertys Wangenmuskeln zuckten. »Ich werde euch alle zur Hölle schicken!«, schrie sie.

Ein Lachen war die Antwort. Dann schlug wieder Eisen auf Stein, gleichmäßig, rhythmisch, wie der Herzschlag einer gewaltigen Kreatur, und aus der Tiefe des Tunnels schoben sich Gestalten ins Licht der Taschenlampen. Vielleicht waren es zehn oder zwanzig. Sie bewegten sich wie ein Organismus.

Quillan konnte nicht sehen, ob sie bewaffnet waren. »Das ist gar nicht gut. Wir sollten verschwinden.« Ihm lief der Schweiß in die Augen, aber er wollte die Waffe nicht einen Moment loslassen, um ihn wegzuwischen. Er machte sich Sorgen, dass Liberty etwas Dummes tun würde. So wütend hatte er sie in der kurzen Zeit, die er sie kannte, noch nicht erlebt.

Plötzlich flog etwas aus der Gruppe auf sie zu.

»Deckung!«, schrie Hosh, die es als Erste sah.

Alle warfen sich in den Dreck. Quillan spritzte etwas Schleimiges ins Gesicht, was von seinem Kinn tropfte.

Dann explodierte eine Granate, und dichter Rauch hüllte sie ein.

»Alle in Ordnung? Keiner verletzt?« Die Stimme durchdrang nur mühsam das helle Pfeifen in seinem Kopf. Er klopfte sich ab. Schien alles in Ordnung zu sein.

»Liberty?!« Quillan selbst hörte sich nur dumpf, als hätte er sich eine ganze Packung Watte in die Ohren gesteckt.

Schüsse krachten.

Dann machte es Plopp, und seine Ohren waren wieder frei. Er hörte spöttisches Lachen. »Das war nur eine Rauchgranate. Lasst euch das eine Warnung sein! Das nächste Mal bringen wir euch um! Hier unten sind wir die Herren!«

»Fahrt zur Hölle, ihr Arschlöcher!«, schrie Liberty, und Bugbear schoss ungezielt in den Tunnel hinein.

»Ich hab dich gewarnt.«

»Halt den Mund, Hosh!«

Aber die Farbige blieb beharrlich. »Verflucht noch mal! Lass uns endlich abhauen.«

Quillan sah zwischen den beiden Frauen hin und her. Zu seiner Überraschung nickte Liberty. »Ja, okay. Alle zurück. Buggy du als Letzter. Verschließ den Gang mit einer Starkstrombarriere. Das muss für den Moment reichen.«

Sie zogen sich zurück. Das Lachen begleitete sie, bis sie den Tunnel verlassen hatten.

2

Tyra, Sokrates, Goomer und Cedrick liefen die Rolltreppe zum U-Bahnhof hinunter, drängten sich an den Drehkreuzen vorbei, die schon lange niemand mehr benutzte, und passierten die Überreste längst aufgegebener Geschäfte.

Da war ein Kiosk, in dem noch die leeren Regale an der Wand hingen. Eine aufgebrochene Kasse stand auf der Theke.

Daneben verblasste die Werbung eines Speed-Max-Restaurants – eine grinsende Comicfigur mit schwarzer Haartolle und Hermesflügeln an den Füßen, die eine Essensschachtel in den Händen hielt. Auf einem Display neben der aufgebrochenen Tür standen die Preise für Burger und Getränke, die sich in den Bildschirm eingebrannt hatten.

Tyra winkte die anderen weiter, während sie selbst stehen blieb und zur Rolltreppe sah. Die Ghule kamen, sie konnten sie hören.

Wenn sie doch nur eine richtige Waffe hätte! Aber alles, was sie hatte, war eine altersschwache Pistole mit einer einzigen Kugel. Sie lief den anderen nach, die inzwischen eine Treppe erreicht hatten, die auf den Bahnsteig hinabführte. Überall lag Dreck und Müll, der selbst für die, die nichts mehr hatten, nutzlos war. Irgendwann hatte sich jemand einen Spaß daraus gemacht, die Plastikmülleimer anzuzünden, die zu unförmigen schwarzen Klumpen zusammengeschmolzen waren. Auf Gleis vier stand ein abgehängter Waggon mit zerschlagenen Fenstern, der vom Dach bis zu den Rädern mit Graffiti besprüht worden war.

»Wohin jetzt?« Sokrates stand die blanke Angst ins Gesicht geschrieben. Sie deutete auf den U-Bahn-Tunnel. »Da rein. Ich lenke sie ab.«

»Wir finden euch!«, hallte es durch den U-Bahnhof. »Weglaufen ist sinnlos!« Eine perverse Freude schwang in der Stimme mit.