Manifest der Neuen Zeit - André Buchheim - E-Book

Manifest der Neuen Zeit E-Book

André Buchheim

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Beschreibung

Wir müssen feststellen: Der Materialismus als Weltmodell hat längst ausgedient, überkommene Glaubenssysteme haben unsere Welt in eine prekäre Lage gebracht, die nach dringender Heilung schreit. Ansätze hierfür gab und gibt es zahlreiche – einer davon war Marilyn Fergusons „sanfte Verschwörung“, die ein Erwachen eines Neuen Bewusstseins durch innere Umpolung und eine Neuorientierung des Menschen als Grundlage für das Entstehen der Neuen Zeit sah. Jedoch ebbte diese Welle ab, und bisher haben sich auch die Voraussagen, es würden immer mehr Menschen von selbst in Liebe und Verbundenheit erwachen und so den Veränderungsprozess vorantreiben, nicht erfüllt. Doch der Autor dieses Buches beharrt trotzig: Die Flut wird kommen, die Neue Zeit ist nicht aufzuhalten. Denn schaffen wir den Bewusstseinssprung nicht, geht die menschliche Zivilisation selbstverschuldet krachend unter. André Buchheim nimmt die unterschiedlichen Fäden von Fergusons Klassiker über „die sanfte Verschwörung“ noch einmal auf und verknüpft die losen Enden zu einem neuen, einheitlichen Weltentwurf. Somit liegt ein faszinierendes Werk vor, welches den Bewusstseinswandel selbst in den Mittelpunkt der Beschreibung stellt. Die Ursachen unseres Festhaltens am Alten werden aufgeklärt, ebenso der kollektive Zusammenhang von Bewusstsein und Gesellschaft – und dass es eben auch unsere kollektive bewusste Einstellung oder Haltung zu unserem Planeten ist, der ihn langsam auffrisst. Wie wir aus diesen destruktiven Formen der Gemeinschaft ausbrechen, beschreibt das Buch. Wie wir ankommen in einem Bewusstsein des ehrlichen, liebenden Mit-Seins, auch davon handelt es. Eine liebevolle, gerechte, nachhaltige Welt entsteht durch eine Gemeinschaft liebevoller, gerechter und nachhaltiger Individuen. Es entsteht, wofür wir stehen. Daher seien wir achtsam, den durch die Liebe abgesteckten Rahmen niemals zu verlassen. Und gegen Liebe und Wahrheit als Grundsatz der Lebensführung kann sich kein vernünftiger Mensch wehren. Welchen Grund gäbe es, sie abzulehnen? Ganz im Gegenteil, auf diese Kräfte könnte sich die gesamte Menschheit einigen, weil jeder einzelne Mensch unter dieser Maxime am besten lebt, gleich welcher Herkunft, Religion oder Tradition er entstammt.

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Inhaltsverzeichnis

Weg-Weiser

Begeisterung

Konflikt

Besinnung

Vision

Geburt

Verschwörung

Ordnung

Verzauberung

Welterwachen

Zeitenwende

Heiligung

Einheit

Weckruf

Nach-Lese

Quellennachweise/Bibliographie

André Buchheim: Das Manifest der Neuen Zeit. Weckruf für die „sanften Verschwörer“© 2019 Verlag ZeitenwendeSteigerstraße 6401707 Freital OT [email protected].de

Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen und multimedialen Wiedergabe sowie der Übersetzung in andere Sprachen, vorbehalten.

Covergestaltung: Verlag ZeitenwendeErstellung E-Book: Verlag ZeitenwendeIllustrationen: André BuchheimZeichnung Abbildung 2: I. Minkmar

ISBN 978-3-945701-27-0

Haftungsausschluss: Alle Angaben und Ratschläge in diesem Buch, vor allem die vorgestellten Übungen und Meditationen, erfolgten nach bestem Wissen und Gewissen. Sie wurden vom Autor und vom Verlag sorgfältig erwogen und geprüft, dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden. Eine Haftung des Autors beziehungsweise des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

André Buchheim wurde 1973 in Leipzig geboren. Seine frühe Kindheit war geprägt von Gewalt. Diese traumatisierende Erfahrung warfen schon in der Kindheit Fragen nach dem Warum auf und ließen den Wunsch nach anderen, von Liebe geprägten Gesellschafts- und Umgangsformen aufkommen. Bereits mit 13 Jahren kam er in Berührung mit Entspannungs- und Atemtechniken und erlernte die Hintergründe von Autogenem Training, Hypnose und dem katathymen Bilderlebens. Nach der Schule studierte er Geschichte und Archivwissenschaften in Potsdam und hatte ein Praktikum im Staatsarchiv Leipzig. Hernach durchlief er Ausbildungen bei verschiedenen spirituellen Kapazitäten, zum Beispiel K. Spiesberger, Z. Kolnikova, Dr. Wei. Es folgten umfassende beratende Tätigkeiten, heute arbeitet André Buchheim als spiritueller Meister und Lehrer für den Bewusstseinswandel der Menschheit und die Neue Zeit. Vernetzung und weitere Informationen unter www.welterwachen.de.

Gewidmet dem Frieden

der Völker der Welt!

Weg-Weiser

Zunächst erscheint es mir opportun, der geneigten Leserschaft ein paar Hinweise zu geben, was dieses Buch möchte und wie damit am besten zu praktizieren ist. Es wurde geschrieben, um eine theoretische und praktische Anleitung für die Zeitenwende zu geben. Es soll helfen, die heute ungestüme, rebellische Energie, die sich nur gegen das Alte richtet, in Kanäle zu lenken, um das Neue aufzubauen.

Gegliedert ist es in zwölf Kapitel, entsprechend der zwölf Monate eines Jahres. Diese Kapitel teilen sich jeweils in einen längeren theoretischen Teil mit je zwei Vorschlägen für die praktische Umsetzung auf. Ich habe versucht, Theorie und Praxis im Gleichgewicht zu halten, denn Wissen und Erfahrung sollten sich im spirituellen Prozess stets die Waage halten.

In den theoretischen Teilen jedes Kapitels möchte ich ein Hintergrundwissen vermitteln, das zum einen aus eigener Erfahrung rührt und zum anderen auf die großen Denker der 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, des beginnenden „New Age“, zurückgreift, um diese älteren, aber hoch zeitaktuellen Wurzeln erneut frei zu legen, sie einem breiteren Publikum, besonders der heutigen Jugend, nahezubringen und ihre Erkenntnisse und Denkungsart zu präsentieren, da bereits zu dieser Zeit der Ausweg aus unserer Misere deutlich beschrieben wurde. Dabei habe ich versucht, jede der Einzelmeinungen zu beachten, ihr Raum zu geben und sie gemeinsam aus der heutigen Perspektive zu einer einheitlichen Weltsicht zusammenzufassen.

Wie schnell oder langsam man dies liest, ist jedem selbst überlassen. Anders sieht es bei den Übungen aus, diese sind immer auf mindestens einen Monat festgelegt. Die vorgestellten Übungen sind unterschiedlicher Natur, es gibt eher magische und meditative, aber auch ganz pragmatisch-praktische Umsetzungsvorschläge. Wenn beispielsweise ein Monat dran ist, in dem wir uns um soziale Belange kümmern sollten, so kann man dieses Verhalten auch zur allgemeinen Grundlage machen, das heißt nach dem Monat in einem festzulegenden Rahmen sozialen Ausgleich zu üben. Wenn es jedoch um Meditation geht, rate ich, Schritt für Schritt vorzugehen, auch wenn es dadurch länger dauert. Wenn die Meditation zum Beispiel in 4 Wochen aufgeteilt ist, dann sollte erst zum nächsten Schritt übergegangen, wenn der vorherige getan wurde.

Abkürzungen auf dem spirituellen Weg sind ohnehin zu misstrauen. Was soll man davon halten, wenn einem die Erleuchtung an einem Wochenende versprochen wird, ein Zustand, den nur die Wenigsten je erfahren haben, und das oft erst nach jahrzehntelangem Ringen und Bemühen. Dabei ist es an der Zeit, dass Erleuchtung Allgemeingut wird, womit die geistige Elite der Zukunft eine Massenerscheinung sein wird.

Somit kommen wir, wenn wir die Praxisteile gewissenhaft durcharbeiten, auf mindestens ein Jahr Arbeit. Dieses Jahr ist ein Gesamtüberblick über relevante Themen des Bewusstseinswandels und der Neuen Zeit. Es hat allerdings nicht den Anspruch, den Leser mit allen Teilen der Esoterik bekannt zu machen, sondern bevorzugt mit jenen, die das Feld der Wahrnehmung und der Bewusstheit erweitern. Es bietet also ein festes Fundament und es bleiben dennoch genügend Spezialthemen übrig, mit denen man sich später, über dieses Jahr hinaus, noch befassen kann.

Zusätzlich entspricht dieses Jahr der Zeit vor der Einweihung, die klassisch mit einem Jahr und einem Tag angegeben wird. Diese Zeit hilft den Schülern, sich zu entscheiden, ob dieser Weg tatsächlich der richtige für sie ist, und den Meistern und Meisterinnen der Tradition gibt es Gewissheit, ob es sich für sie um die richtige Auszubildende respektive den richtigen Auszubildenden handelt.

Obwohl ich mich viel auf klassische Elemente und Techniken des Welt-Weisheitserbes berufe, diese sind in ihrer Wirkung wohl erprobt, geht es in diesem Buch um die Initiierung der Neuen Zeit. Die Jugend, die „alten Hasen“, die „Schläfer“ der ursprünglichen sanften Verschwörung, die Generationen für Liebe, Wahrheit und Frieden wachzurufen und sie zusammenzuschweißen, sie auszustatten mit dem nötigen Hintergrundwissen und die Aktion anzuregen, das möchte dieses Buch erreichen.

Es geht nicht um uns, es geht um das Wohl der Welt! Packen wir es an...

Begeisterung

„Nur durch einen neuen Geist kann sich die Menschheit erneuern, und das Potential für einen neuen Geist dieser Art ist naturbedingt.“Marilyn Ferguson in „Die sanfte Verschwörung“1

Ein Geist geht um in der Welt – der Geist einer Neuen Zeit. Wie feiner Nebel, Tropfen an Tropfen, breitet er sich aus und umhüllt die Erde. Und gerade weil dieser Geist, dieser Nebel feinstofflich, leicht und durchlässig ist, sehen ihn die meisten nicht, sie durchschreiten ihn, ohne etwas zu merken, und doch legt sich ein Film feiner Feuchtigkeit um jedes Wesen, das mit ihm in Berührung kommt, die Lust auf Lebendigkeit weckend, es nährend und erhaltend. Dieses Nähren und Halten als Wesenseigenschaften des neuen Geistes machen ihn so attraktiv für viele Menschen und wecken ein unbewusstes Sehnen nach Heimat, Ankommen und Paradies.

Niemand kann diesem Geist entgehen, und jeder, der ernsthaft von ihm berührt wird, wird aus seiner eigenen Bahn gelenkt und gelockt. Denn ein leises Wispern und Flüstern ist in uns: Eine bessere Welt ist zu erschaffen. Dies ist keine ferne Utopie, sondern jetzt umsetzbar. Und sie entsteht, sobald Du die Neue Zeit verkörperst, wenn Du es zulässt, Dein Bewusstsein mit Inhalten des Lichtes und der Liebe zu fluten. Denn wahrlich, ich sage Dir: Alles ist Liebe, sobald uns die Liebe alles ist!

Wasser drängt zu Wasser, der Fluss fließt ins Meer und eines kommt zum anderen. Die Entwicklung in ihrem Lauf hält weder Ochs’ noch Esel auf. Denn hier soll sich zielgerichtet Evolution entfalten, und wir alle sind Teil dieses Prozesses. Alle Sinne, alle Wahrnehmung und schöpferische Kraft des Einzelnen sollten daran und darauf ausgerichtet sein. Und je mehr Individuen bei diesem großen Werk mit anpacken, umso eher wird sich der Geist als kollektive Kraft der Massen zeigen, alles transmutierend, was lebensfeindlich, weltfeindlich, geistfeindlich ist oder überhaupt sich feindlich gebärdet. Denn das Wesen der Neuen Zeit ist lebensbejahend, weltbejahend und geistbejahend. Es stellt den Geist, den Spirit, ins Zentrum, fördert das Lebendige und segnet damit die Welt. Es ist also das Wesen der Neuen Zeit, vollkommen zu dem konträr zu sein, was die alte, heutige Zeit für wichtig und richtig hält. Diese Zeit ist insoweit von der Umwertung aller Werte gekennzeichnet, dass die verdrehten und verzerrten (Un-)Werte zugunsten echter, innerer Werte aufzugeben sind. Statt des materiellen Gewinns zählen die inneren Werte mehr. Damit erscheint diese Umwertung nicht als Umsturz, sondern als Rückkehr zu den wahren Werten des Lebens, die nunmal in Geld und Gold nicht aufzuwiegen sind.

Die großen Gewalten der Alten Zeit haben sich derzeit allesamt versammelt, der Welt diesen Geist auszutreiben; Wirtschaft, politische Parteien (links wie rechts), Kirchen und Wissenschaft, Gläubige und Atheisten, überall dort, wo neues Denken, Fühlen und Handeln sich zu entwickeln drohen, sind dieselben Reaktionen zu erwarten: sie schreien „Esoterik“, „Okkultismus“, „Sekte“. Und sicher ist die Neue Zeit etwas von alldem und doch nichts davon. Genauso ist sie etwas von dem Alten und doch nichts davon. Und dies sorgt für Rat- und Orientierungslosigkeit unter den Mächtigen.

Was also ist die Neue Zeit? Sie bietet tausend Alternativen, doch selbst ist sie alternativlos. Sie ist das Potential zu allem, zur Tugend ebenso wie zum Verbrechen, und doch wählt sie die Tugend und meidet das Verbrechen. Sie ist zutiefst irrational und damit Grundlage alles Rationellen. Sie ist unberechenbar, unkorrumpierbar, unbestechlich. Sie ist unbeweglich und beinhaltet doch alle Möglichkeit zur Bewegung. Sie ist die Einheit der Vielfalt, ein Abbild des Paradieses auf Erden. Sie unterscheidet sich nicht von der alten Zeit, sie ist ganz anders als diese. So dürfen wir uns auch als Neue Menschen nicht von den Menschen der alten Zeit unterscheiden, ja, es ist gar kein Vergleich möglich zwischen ihnen und uns, denn wir leben in einer anderen Welt, hier gelten andere Gesetze. Diese Gesetze sind es, denen es sich zu unterwerfen gilt, die es uns Heutigen zum Teil so schwer machen, den Wechsel zu vollziehen. Zu verrückt, irrational und komisch scheinen die Forderungen zu sein, die die Neue Zeit an den Menschen stellt.

Dennoch, die Aussicht auf das Neue, der verlockende Geruch eines Goldenen Zeitalters der Zukunft, die Versprechen von Frieden und Gerechtigkeit, die nur die Neue Zeit wirklich erfüllen kann, versetzen Menschen nun schon lange, von Generation zu Generation, seit Jahrtausenden in einen Taumel der Begeisterung. Unbewusst irren wir zwar durch die Zeit, doch innerlich sind wir getrieben von einem unbekannten Land, welches wir gern in ferne Zeiten rückprojizieren. Und doch, alle Weltzeitalter liegen in uns als Muster vor, als eine Schablone, ein inneres Wissen, das es zu vollziehen und auszufüllen gilt. Daher lässt sich die Sehnsucht nach der Neuen Zeit nicht abstellen, denn sie ist dem Menschen inhärent. Daher ist das einzige Mittel, welches sie verhindern könnte, die Vernichtung der Menschheit, und einige haben sich diesem Plan verschrieben. Und jeder, der angesichts der Fakten weder aufsteht noch handelt, macht sich zum Mittäter an der Zerstörung unserer schönen Erde.

Die Neue Zeit zu unterdrücken, diesen impliziten Willen solange es geht aufzuhalten, haben sich die Reichen und Mächtigen zusammengeschlossen. Ihre Arbeit, dies zu bewerkstelligen, umfasst seit Jahrhunderten eine Doppelstrategie. Erstens: Not, Leid und Elend für die Menschen erschaffen, irgendein Schreckensszenario heraufbeschwören, bei dem jeder ums eigene Überleben kämpft und des Anderen nicht mehr gedenkt, mit dem Ziel der Teilung (alá „teile und herrsche“) im Innen wie vom Außen. Zweitens: Um die inhärente Sehnsucht, die man äußerlich nicht bekämpfen kann, zu neutralisieren, gilt es, einerseits die Weisheitslehren und die Liebe zu Gott lächerlich zu machen und andererseits jedwede Ablenkung durch materiellen Sinngenuss wie auch egobezogene „Spiritualität“ und Verschwörungstheorien zu fördern. So wird jede mögliche Maßnahme eingeleitet, die den Einzelnen davon abhält, sich mit sich, seiner Seele und der Wahrheit zu befassen. Und echte Spiritualität ist Wahrheitssuche.

Natürlich müssen wir uns von dem Gedanken verabschieden, dass allein das System dafür verantwortlich ist, denn zur Ablenkung von der Wahrheit gehören immer zwei: einer, der Zerstreuung anbietet, und einer, der sie konsumiert. Zum ewigen Konsum als einzigem Sinn ist kein Mensch geboren, es sei denn, er bringt sich selbst in diese Zwangslage, doch dazu im nächsten Kapitel mehr. Dennoch, die „Reichen und Mächtigen“ sind eine Realität. Es sind jedoch keine Familien, Rassen oder Geheimbünde, die hier die Strippen ziehen. Denn ob man will oder nicht, das Rad des Schicksals sorgt immer für einen gewissen Umlauf, und irgendwann endet jede Ära oder Dynastie, das ist der Lauf der Dinge. Daher bezieht sich das nicht auf eine bestimmte Personengruppe, sondern konkret auf die, die jetzt das Geld ergo die Macht haben und bemüht sind, Bestehendes zu erhalten, den Status Quo. An ihnen scheitert jeder realistische Verstand, sie treiben die Geschichte immer weiter vorwärts (in ihrem Sinne und nur nach ihrer Vorstellung), auf dass die Macht sich mehre und nie wieder aufhöre. Unsterbliche wollen sie werden – und bleiben doch arme Würstchen, die von der Anhaftung an die vergänglichen Phänomene in den Wahnsinn getrieben werden. Sie versuchen, die Zeit anzuhalten, sagen zum Augenblick, dass er doch verweilen, immer so bleiben soll, da es so schön ist, wie dieser Gedanke schon ähnlich in Goethes „Faust“ manifest ist. Und Faust weiß, dass das nicht geht, denn alles fließt, und niemand bringt das Rad der Zeit zum Stillstand, außer Gott.

Daher wird weiters von dieser Seite versucht, alle wahren Werte in den Dreck zu ziehen und dafür eine gesellschaftliche „Normalität“ zu propagieren, die wahrhaft satanisch ist. Und genau dies, was schon über 6.000 Jahre vollzogen wird, macht die Umwertung, die Rückkehr zu den wahren Werten, notwendig.

Aus all dem ergibt sich, dass die Neue Zeit als Machtfaktor von allen Mächten der alten Welt nicht nur anerkannt, sondern sogar leidenschaftlich bekämpft wird. Bekämpfen muss man aber nur den Gegner, den man wirklich fürchtet. Bekämpfen muss man nur das, was den Wandel beinhaltet, den man ablehnt. Und auch darin sind alle Mächtigen sich einig: Es soll keinen Wandel geben, wir machen weiter wie bisher, irgendwie kommen wir gestärkt aus der Krise hervor, hat ja bisher auch immer geklappt. Diesen „Wesen“ möchte man den Spruch der Alten entgegenschleudern, wonach der Krug immer nur so lange zum Brunnen geht, bis er bricht. Und doch werden sie, getrieben von Gier und Angst, nicht klug und sehen nicht, wie ihre Macht ihre Ohnmacht begründet.

Der Systembruch wäre eine Katastrophe, ebenso das sture Weitermachen, da genau dies zum Bruch führen wird. Jedoch wissen die Mächtigen auch, dass der Bruch, der als nächstes kommt, auch das Ende der menschlichen Zivilisation wie des Lebens auf diesem Planeten bedeuten kann. Also rafft man, solange man kann, um etwas zu haben für die Zeit nach dem Zusammenbruch, welchen man in teuren, atombombensicheren Bunkern zu überleben hofft.

Doch das, was sich da zusammenbraut, wird alle betreffen, arm wie reich, und das Hamstern von Besitz und Lebensmitteln erscheint unter der Perspektive der Wirklichkeit wie ein sinnloser Versuch, nicht nur sein Leben, sondern dann besonders sein Leiden zu verlängern. Jedenfalls können wir spirituellen Menschen ausschließen, dass darin die Lösung läge. Ganz im Gegenteil, diese Haltung beschleunigt den Untergang nur, und man möchte mit Nietzsche sagen, dass es besser wäre, wenn man schon die Zerstörung forciert, den eigenen Untergang auch zu wollen. Dies ist aber nicht der Fall.

Und so ist der moderne Mensch hin und her geworfen zwischen den Weltmächten, den realen wie den eingebildeten, den drohenden kollektiven Tod vor Augen. So „modern“ wir uns auch wähnen, wir teilen doch all die Urängste unserer Ahnen, wenn sie zum Beispiel in einem Segelschiff den Atlantik überquerend neues Terrain betraten. Wie sie haben wir im Sturm das Sinken des Schiffes immer vor Augen und den Impuls in uns, uns an dem Mast festzuklammern, der soeben samt Schiff vom tosenden Ozean zu Grunde gezogen wird.

! So muss uns eines klar sein: Entweder wir schaffen es, dass das Schiff oben bleibt, sprich die Erde überlebt, oder wir sterben allesamt mit Mann und Maus. Nichts ist dann überlebensfähig, geht die Welt unter, wird niemand vereinzelt überleben können. Nur gemeinsam haben wir eine Chance.

Es ist sicher dem einen oder anderen Kenner bereits aufgefallen, dass ich strukturell immer wieder auf Karl Marx’ „Manifest der kommunistischen Partei“ zurückgreife, denn auf die Gedanken dieses Mannes und die daraus entstandene Ideologie ist in diesem Zusammenhang gesondert einzugehen, weil, betrachtet man es mal genauer, die Lehre vom Kommunismus nichts anderes ist als das Versprechen der Neuen Zeit. Nur hat er es neu formuliert und seines spirituellen Gewandes entkleidet, wodurch es fahl und nackt wirkt. Und Marxens Kommunismus war wirklich als Schreckgespenst gezeichnet, während die Neue Zeit eher mit paradiesischen Zuständen für alle lockt. Die rein materialistische Weltanschauung hat schließlich den Versuch eines realen Kommunismus zu Fall gebracht; jedoch nicht nur dies, sondern auch die Tatsache, dass Marx zwar ein hervorragender Analytiker des Systems war, aber ein lausiger Menschenkenner. Doch darauf werden wir im nächsten Kapitel eingehen. Es genügt uns hier, schon einmal festzustellen, dass der Materialismus als Weltanschauung, Glaubensersatz und Ideologie insgesamt gescheitert ist.

Daher entwickelt sich auch der wissenschaftliche Paradigmenwechsel rasant, worauf später im Kapitel „Zeitenwende“ noch näher eingegangen werden soll. Darüber schrieb der Eingeweihte Sir George Trevelyan bereits im Jahre 1977:

„Bisher haben die meisten Menschen stillschweigend angenommen, daß die Materie die primäre Realität sei, das Universum ein toter Mechanismus. Jetzt wird unser kollektives Bewußtsein mit einer alternativen Vorstellung durchflutet – nämlich daß der Geist primär ist und daß die große Einheit die Erscheinungswelt in all ihrer Mannigfaltigkeit durchdringt.“2

Und dieses neue Wissen begeistert mehr und mehr Menschen. Indes, so neu ist es nicht, diese Ansicht der Welt kann in fernste Zeiten zurückverfolgt werden. Doch bleiben wir erst noch in der Zeit des Karl Marx. Damals stand dem Materialismus der Idealismus gegenüber, die „deutsche Philosophie“ genannt, die Marx aber verkehrt herum fand, wie er es selbst ausdrückte, und sie deshalb „vom Kopf auf die Beine“ stellte. In Wirklichkeit hatte er das, was recht gerichtet war, auf den Kopf gestellt. Sein zentraler Ansatzpunkt war die Frage, ob das Sein das Bewusstsein bestimmt oder ob Bewusstsein das Sein bestimmt, kurz: ob Bewusstsein ein Produkt der Materie ist oder die Materie ein Produkt des Bewusstseins, des Geistes. Denn diese Frage bestimmt darüber, was das Primäre ist: Wonach sollten wir uns ausrichten, worauf sollte der Blick gerichtet sein, auf das Außen, auf die vergängliche Materie, die wir haben, besitzen, konsumieren möchten, oder umgekehrt auf das Innen, das unvergängliche Ideal, welches in uns angelegt ist und entfaltet werden möchte?

Nun, man mag darüber spekulieren oder philosophieren, aber Ideologien nutzen uns hier nichts, denn sie sind immer eine Art künstliche Anschauung von Welt und Wirklichkeit, eher ein Meinen und Wünschen, dass es so wäre, als die nüchterne Feststellung, wie es ist. Und zwischen diesen beiden Ideologien Materialismus und Idealismus steht, quasi als Bindeglied aus Geist schöpfend und damit die Materie formend und segnend, die Spiritualität als lebendige Haltung. Spekuliere und operiere, heißt es in den okkulten Wissenschaften, denke nach und probiere aus.

Spiritualität strebt nach der Unmittelbarkeit der Anschauung aus der Ganzheit, etwas, das den Geist öffnet, das Bewusstsein erweitert und Begeisterung wachruft. Wahrhaft in-spiriert kann nur sein, wer sein Leben in-Spirit gründet. Und Inspiration brauchen wir, gerade in der heutigen Zeit würde uns etwas mehr Ausrichtung auf Spirit und Ideal gut tun.

Sicher, der Mensch ist müde geworden, sowohl gegenüber apokalyptischen Vorstellungen als auch Errettungsideologien. Was aber, wenn dann doch plötzlich eine Apokalypse vor der Türe steht? Und wenn die eigene Errettung der einzige Ausweg ist, die ganze Welt zu retten? Wir alle sind dazu aufgerufen, jetzt die Helden der Menschheitsgeschichte zu sein. Lang genug ward es vorbereitet und dieses Wissen im Welt-Weisheitserbe kodiert, von den Eingeweihten als Heiligstes erachtet, behütet und immer weiter – selbst unter Lebensbedrohung durch die Mächtigen – durch die Zeiten getragen.

Was nun genau ist jenes Geheimnis, das die Mächtigen so bedrohlich finden? Es ist das Geheimnis der Transmutation, einer nachhaltigen und dauerhaften Veränderung im Kern jedes Menschen und Dinges, die Verwandlung unseres Bleis in Gold für alle. Es sind Geschichten vom Goldenen Zeitalter, von einer gerechten Gesellschaft, die aus den goldenen Kernen der geeinten Menschheit erschaffen wird – ein Reich tausendjährigen Friedens, wie es die Bibel beschreibt. Und es handelt von der Wahrheit, dass wir alle ein Saatkorn des neuen Reiches in uns tragen. Ein Senfkorn, womit es Jesus vergleicht, das durch die Schärfe der Vernunft genauso zum Keimen gebracht werden kann wie von der Weisheit des Herzens oder dem Feuer der Leidenschaft, der Begeisterung für und der Inspiration durch Liebe und Wahrheit.

Wenn dieses Korn aber in uns ist, so werden wir es nur finden, indem wir uns entschlossen und begeistert mit unserer Innenwelt verbünden. Vom euphorischen Strohfeuer ist diese Art der Leidenschaft unterschieden durch die Art und Dauer des Brennens. Denn dieses Licht, das es hier zu entdecken gilt, brennt milde wie eine Öllampe und gleichzeitig gleißender als 1000 Sonnen, ja all das Licht der Myriaden von Sternen reicht nicht an den hellen Glanz dieses Lichtes heran, und doch liegt es häufig eingefaltet im Dunkel eines versteinerten Herzens. Es ist das ewige Licht des Geistes, welches uns unsere tiefsten Tiefen und Abgründe erhellt und erschauen lässt. Es ist das Licht der Seele in der geheimen Kammer des Herzens. Und es ist das Licht unter unserer Wurzel, unsere Kern-Energie, die unsere Grundhaltung prägt und alle Resonanz dominiert und die uns unsere Schritte und Wege erhellt.

! Dieses innere Licht zu entzünden, zu pflegen und zum Strahlen zu bringen, ist die heilige Pflicht eines jeden spirituellen Menschen. Indem wir uns lichtvoll gestalten, erhellen wir die Welt.

Wir sehen, dass – im Gegensatz zu den Ideologien, welche meist auf -ismus zu enden pflegen – die Spiritualität im Kern Lebenspraxis ist. Während Ideologien meist ein theoretisches Sammelsurium von Ideen sind, welche in der Praxis erst noch ihre Tauglichkeit erweisen müssen, zielt die Spiritualität im Grunde auf den individuellen Entschluss, der Wahrheit die Ehre zu geben. Danach zu suchen, ist Sinn jeder spirituellen Übung. Wer spirituell praktiziert, aber die Wahrheit nicht verehrt, geht irre. Der alte Wahlspruch „Erkenne dich selbst“ gilt noch immer, also sollten wir bestrebt sein, die Wahrheit über unser Selbst zu erringen, und diese entspricht meist nicht dem, was wir über uns glauben, woran wir festhalten, womit wir uns identifizieren. In der Tat haben die meisten Menschen kein realistisches Selbstbild. Dies hat mehrere Ursachen.

Die meisten Menschen machen sich besser oder schlechter als sie sind. Warum sie das tun, diese Ursachenforschung betreiben wir dann im nächsten Kapitel. Für unsere Betrachtung jetzt genügt festzustellen, dass sie es tun. Sie entwickeln ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Dies kann in dem Moment, wo es geschieht, durchaus sinnvoll sein, doch ist er vorbei, dann nicht mehr. Behalten wir die Verzerrung dennoch bei, entsteht ein „Sehschaden“ – und dann ist es unmöglich, die Realität neutral zu betrachten oder sich nach ihr zu richten, sondern ab dann richten wir uns stets nach dem inneren Eindruck inklusive der Verzerrungen. Das ist so, wie sich die Frontscheibe des Autos mit Bildtapete zu bekleben, sich reinzusetzen, loszufahren und sich an dem Bild zu orientieren, was wir sehen. Weit kommen wir so nicht, und irgendwann stehen wir lieber still, als den nächsten Unfall zu provozieren.

Denn das Problem ist, dass diese Verzerrungen wie ein Filter wirken – oder vielmehr wechselwirken, der Blick, der eigentlich unsere Realität verzerren soll, beginnt, auch die äußere Realität zu verzerren. Je mehr wir dieser Perspektive trauen und folgen, umso mehr baut sie sich auf, bis sie sich wie ein Ring um uns schließt. Da wir in diesem Zustand keinen unmittelbaren Zugang zur Wahrheit mehr haben, sind wir gezwungen, unserer Interpretation zu folgen. Damit entfernen wir uns mehr und mehr von unserem Selbst, welches sich mehr und mehr einfaltet, was zu Einfalt führt.

Verfolgen wir diese Verzerrungen, die unterschiedlicher Natur sein können, zurück, betrachten sie sozusagen von der Metaebene aus, werden wir eine Gemeinsamkeit, einen kleinsten gemeinsamen Nenner finden: Sie alle beruhen auf der Identifikation mit der Materie, mit etwas Vergänglichem. Der Buddhismus nennt dies Anhaftung an das Leid. Denn allen materiellen Erscheinungen ruht das Leid eigener Vergänglichkeit inne.

Es wird also klar, dass eine Entzerrung der Wirklichkeit nötig ist, was dazu führt, dass wir alles, was wir für wirklich halten, kritisch hinterfragen sollten. Und wenn die Verzerrung zu einer Entfremdung vom Selbst führt, so können wir die Entzerrung daran messen, inwieweit ein Mensch bereits zu sich gekommen ist. Da fast alle Menschen unter Formen der Entfremdung leiden, ist also das Zu-Sich-Kommen unsere primäre Pflicht.

Ein Mensch, der eins ist in seinem Selbst, entfesselt das Seelenlicht und seine Schöpferkraft. Um das Selbst zu entfalten, braucht es eine Kraft, die wir das ewige Licht oder den kreativen Funken der Begeisterung nennen. Diesen gilt es zu befreien. Der kreative Funke sorgt dafür, dass unsere Routine unterbrochen wird, um Neues zu lernen, er hilft, die Gewohnheiten zu ändern und den Wohlstand zu erschaffen, der allen zugute kommt.

Wir können also sagen: Um die alte Welt zu erhalten, gilt es, den Menschen sinnlos zu beschäftigen, ihn in irgendeine Routine zu zwingen, die nicht zu ihm passt, wodurch er sich entfremdet und die Verbindung zum kreativen Funken verliert oder dieser ganz erlischt. Ein solcher Mensch funktioniert für fremde Einzelinteressen. Um die Neue Welt aus der Wiege zu heben, sollten wir unseren kreativen Funken entfachen und ihn mit unseren besten Fähigkeiten und Talenten verbinden, um in freiwilligem und natürlichem Tätig-Sein Nutzen für die Welt zu erschaffen. Somit kreieren wir frei und im Interesse der Menschheit und damit auch im eigenen.

Die Reichen und Mächtigen versuchen, diesen kreativen Funken unbedingt und mit allen Mitteln zu unterdrücken. Dieser Unterdrückung wirkt unser eigenster, innerer Wunsch, unserer Bestimmung zu folgen und zum Wohle der Welt jenes Licht-Paket zu entfalten, welches in der Seelenkammer eingefaltet liegt, entgegen. Dieses Entbrennen im eigenen Interesse wollen sie verhindern.

Ich wage jetzt mal die These, dass, würde jeder Mensch seiner Bestimmung nachgehen und seine Talente und Fähigkeiten entfalten, für alles in optimaler und überreichlicher Weise auf diesem Planeten gesorgt wäre. In gemeinschaftlicher Kraftanstrengung wird getan, was hierzu notwendig ist. Somit entsteht eine Welt vielfältigster, glücklicher und vervollkommneter Individuen, die dem Weltgeist verpflichtet sich zu einer liebenden Einheit als Menschheit verbinden. Niemand wird ausgeschlossen, alle sind aufgehoben, jeder bringt sich zum Wohl und Gelingen des Ganzen ein. Eine solche Welt würde die Tat nicht mehr nach dem zu erwartenden Gewinn, sondern nach dem zu erzielenden Nutzen für die Gemeinschaft entscheiden. Es würde über kurz oder lang ein hochtechnologisches, friedliches und nachhaltiges weltweites Utopia entstehen. Und dieses wurzelt nicht in irgendeiner Ideologie oder Überzeugung, sondern in der täglichen persönlichen Lebenspraxis.

Es ist klar, dass es Menschen gibt, die eine solche freie, grenzenlose Welt des Geistes ablehnen oder die auch keinen Zugang zu dieser Vorstellung haben. Da es aber um Praxis geht, hat jeder Mensch die Möglichkeit, Erfahrungen damit zu machen. Und aus Erfahrung wächst Erkenntnis.

Die Beschäftigung mit den eigenen geistigen Inhalten und Überzeugungen, Gedanken und Gefühlen, Instinkten und Intuitionen führt uns tief in unsere Innenwelt und in Verbindung mit uns selbst. Hier können wir unsere inneren Instanzen kontaktieren, wir können uns aus der Matrix unserer oberflächlichen Identifizierung in die Tiefe unseres inneren Funktionierens abgleiten lassen. Schließlich beginnen wir, uns selbst zu verstehen, Muster und Programme zu erkennen und zu nutzen, wenn sie hilfreich sind, oder zu korrigieren, wenn sie es nicht sind.

Interessanterweise ist es so: Je tiefer wir in uns selbst hinabtauchen, umso weniger sind die Inhalte und Instanzen individuell, denn ganz unten, in der tiefsten Schicht, finden wir unseren Zugang zu den archaischen Kollektivkräften. Hier liegt die Kraft des Mythos begründet, hier fließt der Strom kosmischen Schicksals durch den Menschen hindurch und schafft sich Bahn als kollektive Schöpfung der Welt. Auch diese Ebenen werden nur von der Begeisterung angesprochen. Sie verhalten sich nicht rational und kennen die Kategorien Gut und Böse, Schöpferisch und Zerstörerisch nicht.

Von diesen Kräften Gebrauch zu machen, kann gefährlich sein, wie die Vergangenheit immer wieder bewiesen hat. Da hier aber auch die Kraft der Weltenschöpfung verborgen liegt, kommen wir um die Weckung dieses Ungeheuers nicht drum herum. Ausgenutzt kann diese Kraft werden, wenn sie von außen gereizt wird. In diesem Fall ist das Bewusstsein nicht klar genug, um zu erkennen, was passiert, es ist in seiner Urteilskraft getrübt. Da es sich um Kollektivkräfte handelt, ist der vermasste Mensch besonders anfällig dafür und könnte so Handlungen begehen, die er bei wachem Verstand nie tun würde.

Anders sieht es aus, wenn man sich individuell auf den Weg macht, diese Kräfte in sich zu beschwören. Denn dadurch sind sie gezwungen, individuelle Form anzunehmen, wodurch sie fassbar und verstehbar, aber auch bezwingbar werden. Und man wird dann weniger anfällig für die Verführungskünste der Massenverführer, egal ob im politischen, im religiösen oder wissenschaftlichen Bereich oder bei der Werbung.

Es ist wie ein Meer, auf welchem unser Sein ruht, welches aufgerührt oder beruhigt werden kann, je nachdem, ob etwas in Bewegung versetzt oder zum Stillstand gebracht werden soll. Wir können jedoch nicht alles aus diesem Urmeer der Kreativität schöpfen, sondern nur das, was in uns auch angelegt ist. Daher gilt es, unsere innere Veranlagung zu erforschen.

Verlassen wir erst einmal die archetypische Ebene und tauchen auf, bis wir die erste individuelle in uns erreichen. Dies ist ein kleiner Punkt unterhalb der Wurzel unseres Seins. Hier ist die innere Schnittstelle zwischen dem kollektiven und dem individuellen Bereich. Hier ist der tiefste Grund unseres individuellen Seins angelegt, und je nach Einstellung bestimmt dieser Punkt das grundsätzliche Erleben der Welt und die Art unseres Beitrags zur Schöpfung (siehe Abbildung 1).

Dieser Kern ist wie ein Filter und Übergangstor; aus der kollektiven Ebene kann nur Einfluss haben, was zur Grundenergie dieses Kerns passt. Der Prophet David Spangler schreibt hierzu:

„Ihr habt jetzt Energien in eure Welt gebracht, die jenseits von Form, die im Herzen der Form sind, Kernenergien, und zum ersten Mal könnt ihr Energien subtiler Art auslösen und mit ihnen direkt auf die Formen einwirken. Ich [das Wesen von Liebe und Wahrheit, Anm. André Buchheim] habe mich selbst in diesen Energien verkündet und offenbart. Sie gehören mir an. Ich bilde die Substanz eurer Welt; ich kann nicht wider mich selbst handeln. Wenn diese Energien frei werden, müssen sie das zum Ausdruck bringen, was ich bin, und ich bin Liebe. Ich bin Wahrheit. Ich bin Licht. Ich bin Schönheit. Ich bin Freude, aber ich bin Leben, immer mehr Leben in wachsender Fülle.“3

Ich möchte anmerken, dass diese Beschreibung, was den Kern ausmacht, bereits dem Ideal der Neuen Zeit entspricht. Der Kern kann, bevor er entsprechend transformiert wurde, jedoch auch ganz anders aussehen, gegenteilig, auf Zerstörung, Schmerz und Leid gerichtet (siehe Abbildung 2). Es ist klar, die Polung prägt uns, dies macht uns im Kern aus, hier liegt der Grund unseres konkreten Schaffens und Erlebens. Je nachdem, wie unsere Grundeinstellung ist, wird hier sozusagen das Schicksal gekiest, denn wir können nur erleben, was diese Einstellung zulässt, und was sie ausschließt, bleibt uns im Leben verwehrt und verborgen, wünschen wir es uns auch noch so sehr.

Dieser zentrale Kern bestimmt unser persönliches Lebensfundament. Es ist das Feld, welches wir wahrnehmen und bestätigen, auf welchem unsere Schöpfung ruht. Als Grundresonanz wirkt dieser Punkt und bestimmt, ob wir einen Schmerzkörper oder einen Seligkeitskörper ausbilden. Es ist das Feld, auf welchem wir unsere Saat ausbringen, die dereinst Früchte tragen, also Ertrag bringen soll. Und je nach Einstellung ist dies ein fruchtbarer Ackerboden, welcher reiche Frucht hervorbringt, oder Fels, auf dem der Same verdorrt.

Unseren innersten Persönlichkeitskern können wir auch analog zum Erdmittelpunkt betrachten. So wie der Erdkern für das Entstehen der Pole und des Erdmagnetfeldes zuständig ist, so ist auch unser innerster Kern ein magnetisches Energiefeld mit einer entsprechenden Polung. Dieses bildet die Grundlage unseres erschaffenen und uns umgebenden Lebensfeldes und bestimmt die Grundresonanz, auf welcher wir anziehen und abstoßen, aufbauen und niederreißen, uns entfalten oder zusammenziehen. Diese gegensätzliche Grundbewegung wird dann auch von unserer Seele übernommen. Nur wenn der Kern gut ausgerichtet ist, kann sich die Seele öffnen.

Der Kern bestimmt über alles: unsere Energieausrichtung und Polung, unsere Persönlichkeit und Charakterbildung, unsere Ausstrahlung, unsere Wahrnehmung von der Welt und selbst darüber, wie wir von der Welt wahrgenommen werden, denn aus dieser Grundhaltung und ihr entsprechend wachsen all unsere Einzelhaltungen zu uns und den Dingen. Wie wir grundsätzlich all unsere Beziehung gestalten, darüber bestimmt der Kern.

Eine sehr klare und deutliche Gegenüberstellung der unterschiedlichen Ausrichtung im Kern zeigt uns das Märchen „Frau Holle“ der Brüder Grimm in den Persönlichkeiten der Goldmarie und der Pechmarie. In Märchen und Mythen haben die Altvorderen die Wahrheit der Welt kodiert. In diesem Märchen steckt so viel Wahrheit über den Kern, dass es sich einer näheren Betrachtung lohnt.

Eine Stiefmutter hatte zwei Töchter. In der Erstfassung war sie nur Mutter. Die Grimms spielen hier auf ein in ihrer Zeit typisches Problem an: Da Frauen häufig im Kindbett starben, kam es nicht selten vor, dass der betroffene Mann nach gegebener Zeit erneut heiratete und weitere Kinder zeugte. So sind die Geschwister eigentlich nur Halbgeschwister, wobei der neuen Mutter und dem Prototyp der bösen Stiefmutter im Märchen die eigene Tochter lieber ist als die der Vorgängerin. Nur so lässt sich erklären, wie das Märchen weitergeht, denn die eine Tochter war hässlich wie die Nacht, die andere jedoch schön wie der helle Tag, und dennoch liebte die Mutter die hässliche, eigene Tochter mehr und verdammte den Sonnenschein zur Sklavenarbeit. Ich bin mir sicher, so wie es beschrieben steht, meinten die Grimms mehr die inneren, die Kernqualitäten der Mädchen, die sich zwar auch im Außen zeigen können, jedoch häufig von oberflächlicher Erscheinung überdeckt werden. Schon hier zeigt sich eine Kernentscheidung: die für Höhe, Tiefe und ein klares Profil oder für die Oberflächlichkeiten der materiellen Welt und die Profilierung. Klar ist: Etwas mag oberflächlich schön in Erscheinung treten, kann aber innerlich morsch, hohl und finster sein, etwas kann vielleicht nicht so attraktiv erscheinen an der Oberfläche, ist aber innerlich stark, glänzend und lichtvoll. Und je nachdem wie wir agieren oder reagieren, verraten wir unsere Kernorientierung: Sind wir auf Oberflächlichkeit eingestellt oder suchen wir die innere Wahrheit? Deutlich wird dies in der Wahl unserer Partner und Freunde. Umgeben wir uns lieber mit hübschen oder mit tiefgründigen Menschen (wobei das eine das andere nicht ausschließen muss)?

Ich habe schon Menschen kennengelernt, die aufgrund bloßer körperlicher Attraktivität bei ihrem Partner respektive ihrer Partnerin blieben, auch wenn der Inhalt der Persönlichkeit ihnen immer wieder Leid und Schmerz zufügte. „Aber er ist doch so niedlich…“, „Sie ist doch so süß…“, „Sie sehen doch so gut aus…“ Wer so lebt, kann entweder bei dieser oberflächlichen Einstellung bleiben und weiter leiden oder dem Leiden auf den Grund gehen und sich von der Oberfläche lösen. Es ist die Entscheidung eines jeden Einzelnen… Doch zurück zu Frau Holle.

In der Urfassung beugt sich Goldmarie, die mit dem goldenen Kern, zu tief über einen Brunnenrand und fällt hinein. Der Brunnen symbolisiert den Übergang zur Innenwelt und Anderswelt. Er führt in die Tiefe, ins Außergewöhnliche, ins innerste Wesen der Dinge. Das Motiv ist bekannt, wir folgen mit „Alice im Wunderland“ dem weißen Kaninchen durch seinen Bau in die unterirdische, verborgene Welt, die von der Herz-Königin regiert wird, einer allerdings im Kern eher zweifelhaften Persönlichkeit, wodurch Alice herausgefordert wird, zur eigenen Heldin der Geschichte zu reifen. Oder wir werden in die Lüfte gehoben wie Dorothy durch den Wirbelsturm und ins geheimnisvolle Land des „Wizard of Oz“ geführt, wo auch ihre Aufgabe es ist, zur Heldin zu reifen und die Wahrheit im Kern zu entdecken, um zurückkehren zu können. In den neueren okkulten Wissenschaften nennt man dies eine Erfahrung mit einer nicht-alltäglichen Realität. Diese wird häufig beschrieben, bevor es zu einer grundlegenden Veränderung der Persönlichkeit kommt, einer Transmutation des Kerns. Doch dazu gleich mehr.

Wir können uns frei entscheiden, ob wir abwarten, bis so eine Erfahrung von selbst kommt – vielleicht kommt sie auch nie – oder ob wir uns auf die Suche begeben und freiwillig in den Brunnen zur eigenen Tiefe springen. Wer es wagt, gewinnt eine wesentliche Erkenntnis über sein Selbst und kann sogar sein Schicksal in eine grundsätzlich andere Bahn lenken.

Apropos Schicksal: In den späteren Fassungen von „Frau Holle“ wird die Arbeit spezifiziert, die Stieftochter sitzt am Brunnenrand und spinnt Fäden. Dabei verletzt sie sich an der Spindel und lässt diese vor Schreck in den Brunnen fallen. Nachdem sie dies der Stiefmutter gebeichtet hat, zwingt diese sie, hinterherzuspringen. Die Spindel, die in gleicher Symbolik in verschiedenen Märchen vorkommt, ist das Symbol der Norne Urda. Ihr Name ist der Ursprung des heutigen deutschen Begriffs „Erde“. Sie symbolisiert den geistigen Urstoff, der ur-da, also immer vorhanden war, und verdichtet die geistige Information zu einzelnen Fäden, Schicksalen. Ihre Wohnstatt ist unter der Wurzel des Lebensbaumes, im Kern. Urda ist ein nordgermanischer Name, dort wird er auch „Ürd“ gesprochen (vergleiche das englische „Earth“).

Im südgermanischen Raum nannte man diese Schicksalsgöttin Holda. Man findet den Zugang zu ihrem Reich an Hollunderbäumen. Der Name ist hier noch durch und durch positiv besetzt: die Holde, die Freundliche, die Fülle Schenkende. In dieser Form wird sie körperlich üppig gedacht: die runde Erde, die gute Ernte bringt. In der Dreiteilung der Nornen ist sie das Gesetz der Aussaat: ich ernte, was ich sähe; das Gesetz der Resonanz: wie ich in den Wald rufe, so schallt es zurück; sowie die Freude des Anfanges, des Beginns, dem laut Hermann Hesses Dichterwort ein Zauber innewohnt. Und um genau jene Magie des Ur-Anfanges, jenen zentralen Kern, dem alles erwächst, geht es hier. Und unsere Holda, die holde Erde, ist nicht trotz, sondern wegen ihrer Fülle der Vielfalt eine Schönheit. Sie ist auch in ihrer Darstellung ur-da, schon immer vorhanden, denn solche üppigen Figuren wie die berühmte „Venus von Willendorf“ symbolisieren die Erdgöttin mit ihren runden, fruchtbaren Hügeln, an deren üppigen Brüsten alles Volk und alle Welt Nahrung finde. Mit diesen Attributen wurde die große Erdgöttin nahezu weltweit bereits von den Ur-Kulturen der Menschheit verehrt. Ein Schönheitsideal!

Dass die Grimms sie im Märchen trotzdem von nicht so schöner Gestalt schildern, zeigt ihre andere Seite, den zweiten Teil des Kerns. Dabei ist das Wort „Holle“, mit welchem Holda hier ersetzt wird, etymologisch verwandt mit den Wörtern „Höhle“, einem Zugang zu einem inneren, unterirdischen Reich in der Tiefe, und „Hölle“, was die Tiefe des Abgrundes meint. Und in der Tat wurde diese Göttin oft unterirdisch in Höhlen verehrt. Im süddeutschen und österreichischem Raum wurden schmale, unterirdische, labyrinthartige Gänge entdeckt, Erdställe genannt, durch die man, ähnlich wie bei Alices Kaninchenbau, in die Unterwelt schlüpfen konnte. Diese Erdställe sind jedoch auch gut zum eigenen Schutz und der Verteidigung geeignet, man kann sich darin verschanzen, ein angreifender Gegner wäre in einer ungünstigen, leicht zu tötenden oder verletzenden Lage, wobei der Tote oder Verletzte den Durchgang für weitere Angreifer verstopfen würde. Diese Höhlen sind auch symbolische Grablegen, in die der Myste sich begibt, um die höchsten Weihen zu erlangen in inneres Wissen und tiefste Weisheit. Auch die vor uns Gewesenen, die Geister der Ahnen, die Toten ruhen hier. Und doch ist der Tod auch Garant des Lebens, denn wenn man von drinnen wieder nach draußen kommt, so kommt man wie durch einen Geburtskanal der Erde aus der Dunkelheit ans Licht ins neue, ewige Leben. Sie symbolisieren also Tod und Wiedergeburt, das Ende der alten Existenz und den schöpferischen Beginn eines neuen Lebens sowie die Auferstehung zum ewigen Leben. Gerade letztere Tatsache hat dieser ursprünglichen Göttinnen-Tradition das Überleben bis ins christliche Mittelalter hinein gerettet.

In diesen Gegenden Bayerns und Österreichs entsteigen zu bestimmten Zeiten auch die Perchten solchen Erdhöhlen, und zwar die teuflischen, bocksartigen Schirchperchten („schirch“ bedeutet übersetzt hässlich) und die eher menschlich aussehenden Schönperchten. Auch hier offenbart sich wieder die Ähnlichkeit zur hässlichen Pechmarie und der schönen Goldmarie. Die Schirchperchten sind klar Geister der Unterwelt, die der Tiefe der Erdställe, Höhlen und Brunnen entsteigen, um diejenigen Menschen zu peinigen, die sündhaft, faul oder lüstern sind und nur dem materiellen Sinngenuss hinterherjagen. Die Schönperchten verteilen ihren Segen und fungieren bisweilen als Verteidiger der Menschen, sollten die Dämonen übertreiben.

Das Wort „Percht“ bedeutet die Leuchtenden, die Hellen, auch hier ein etymologischer Zusammenhang zwischen den Wörtern „Helle“, „Höhle“, „Hölle“. Man könnte sie auch als Repräsentanten des dunklen und des hellen Lichtes sehen. Interessant ist, dass das Dunkle, das Abgründige, das Biest im Ursprung der Mann war, während die Helle/Holle die Reinheit der Braut ist (vergleiche auch englisch „the bright“ für „das Helle“ und „the bride“ für „die Braut“). Ich vermute, dass daher die traditionelle Farbaufteilung bei deutschen beziehungsweise mitteleuropäischen Hochzeiten kommt: die Braut in reinem, hellen Weiß des Kleides, der Bräutigam in dunklem Schwarz seines Anzuges. Wir haben hier auch eines der wenigen Beispiele weiblicher Herrschaft in der deutschen Sprache. Sonst haben wir einen Kellner und eine Kellnerin, einen Politiker und eine Politikerin, einen Partner und eine Partnerin, doch hier eine Braut und einen Bräutigam. Interessant ist, dass -in ursprünglich männliche Begriffe verweiblicht und das weit weniger gebräuchliche -am dasselbe scheinbar umgekehrt macht. Die reine Braut tritt als Beherrscherin und Züglerin dem Mann bei wie die Schönpercht der Schirchen, sie ist also das Korrektiv des triebhaften Bockes Mann, wie auch heute noch viele Männer sagen, dass sie „durch ihre Frau“ zu besseren Menschen werden. Wir sehen auch vermengt Urmythen wie die Wilde Jagd, wo Wotan mit dem Heer der Verstorbenen durch die Lüfte zieht, wesentlich in der Zeit ab November, der mit dem Totenbrauch am 31. Oktober, neudeutsch Halloween, beginnt und seinen Höhepunkt zu den Rauhnächten hat, welche auch mit einem Fest, dem des Lichtes zur Wintersonnwende, anfangen. Die dunkle Zeit zieht die dunklen Geister hinauf. Der nächste Höhepunkt ist dann die Faschingszeit im Februar, und da es sich hierbei um einen speziell deutsch-österreichischen Brauch handelt, geht es um den Mythos des Winterberges, des Mitternachtsberges oder Unterberges.

Grob gesagt: In der realen Welt treiben im alpenländischen Raum die Bauern das Vieh im Frühjahr zum Grasen auf die Alm, was Almauftrieb genannt wird. Dort verbringt das Vieh dann den Sommer und grast die Alm ab. Im Herbst beginnt dann die Rückkehr von der Alm in die Ställe der Höfe, was Abtrieb genannt wird. Diesem halbjährlichen Treiben können wir nun die geistige Seite im Winter entgegensetzen. Hier ist es ein geistiger Berg, dessen Spitze bis an den Nordstern reicht. An solchen heiligen Bergen als Repräsentanz des Weltberges finden wir die Eingänge zu jenen Höhlen in die Unterwelt.

Aus den Erdställen wird nun das Vieh im November zum Auftrieb auf den Berg getrieben. In luftiger Höhe verbringen sie den Winter auf der Alm hinter den Wolken auf dem Mitternachtsberg und fliegen als Wilde Jagd dahin. Und im Februar, zur Faschingszeit, ist der Abtrieb, die Biester verlassen den Mitternachtsberg und kehren in ihre Höhlen zurück, analog wurden die aufwendigen Verkleidungen der irdischen Perchten in den Erdställen versteckt.

Dieses Brauchtum bildet einen der mythologischen Hintergründe für die Vorstellungen des Hexenwesens in Deutschland: die Braut des Teufels, die Dämonen zähmt und lenkt. Die oberste Braut ist die Göttin Perchta. Sie bestraft die Faulen und jene, welche sich nicht an die Speiseregeln halten, belohnt aber die fleißigen und hilfsbereiten Menschen. Sie entspricht also ebenfalls dem Archetyp der Frau Holle. Insgesamt gibt es, analog zu den Jahreszeiten, vier dieser Frauen, die sich aber in ihrer Aufgabe ähneln, die anderen beiden sind Frau Wode und Frau Fricke.

Es gibt also einen Zusammenhang zwischen dem Märchen „Frau Holle“, den alten Göttinnen-Mysterien und dem Jahreskreis. Bis heute halten es die meisten Orden und Gemeinschaften so, dass, wenn ein Mensch Aufnahme begehrt in den Kreis der Eingeweihten, der Kandidat oder die Kandidatin einer Prüfungszeit unterzogen wird, die traditionellerweise meist mit „einem Jahr und einem Tag“ angegeben ist. Erst dann wird – je nach Struktur vom Meister, den Oberen des Ordens oder der gesamten Loge beziehungsweise Gemeinschaft – über Aufnahme oder Ablehnung des Antrags entschieden. In dieser Zeit sollten die Bewerber ihren Willen unter Beweis stellen, sich ethisch wohl zu verhalten sowie hilfreich und fleißig beim Lernen zu sein. Und sie müssen ihre Eignung besonders dadurch beweisen, ob ihr kreativer Funke geweckt wird und sie bereit sind, ihm zu folgen. Kein kreatives Feuer – keine Magie der Transmutation.

Jetzt haben wir einen wilden Ritt hinter uns durch Mythologie, Einweihung, Hexenkult, Unterwelt und den Jahreskreis, kehren wir zum Ausgangspunkt zurück, zu unserer lieben Frau Holle. Als die Goldmarie am anderen Ende des Brunnens erwacht, findet sie sich inmitten einer blühenden Frühjahrswiese wieder. Sie kommt dann an einem Backofen vorbei und das Brot bittet sie, es aus dem Ofen zu holen. Dies symbolisiert die sengende Hitze des Sommers, die Ernte des ersten Getreides, das Backen des Brotes. Dann kommt sie zum Apfelbaum, da wollen die herbstlichen Äpfel vom Baum geschüttelt werden. Schließlich kommt sie zum Haus der Frau Holle, wo sie auf Bitten der Dame ihre Betten schüttelt, worauf es auf Erden winterlich schneit. Sie durchwandert einen Jahreskreis und wird geprüft, ob sie das Leben genießen, ob sie hilfreich für Nahrung sorgen kann, ob sie bereit ist, zum Nutzen für Andere ohne Eigennutz tätig zu sein, und ob sie die Natur schützt, indem sie sie im Winter mit einer Schneedecke überzieht. All diesen Aufgaben und Prüfungen stellt sie sich dank ihres goldenen Gemüts und ihrer inneren Schönheit mit Bravur. Schließlich möchte sie heim, und Frau Holle bringt sie zu einem Tor. Dort gibt sie ihr die Spindel zurück, legt also die Macht über ihr weiteres Schicksal wieder in ihre Hand, und überschüttet sie mit Gold, so dass sie fürderhin reich sei, leuchte und strahle.

Sie kehrt zurück, woraufhin die Stiefmutter teilbewusst und berechnend nun die Schwester losschickt, nicht beachtend, dass ihr Kern anders eingestellt ist. Es kommt, wie’s kommen muss, sie ist träge, faul, das Schicksal ihrer Umwelt ist ihr egal, sie ist trotzdem immer fordernd, will haben, haben, haben und bekommt – am End’ das Pech. Und, wenn wir genau sind, sie bekommt dasselbe wie Goldmarie, auch bei ihr ist fürderhin im Außen klar zu erkennen, was wirklich drin steckt.

Der kreative Funke zeigt sich nur in der Goldmarie, weil sie die Aufgaben nicht einfach widerwillig macht, weil’s halt getan werden muss – wie viele Menschen gehen heutzutage so an ihren Alltag und ihre Arbeit heran –, nein, aus tiefster Freude des Herzens und mit viel Liebe versucht sie, es bestmöglich für die Anderen zu tun. Indisch gesprochen: Sie versorgt sich mit gutem Karma, zahlt auf ihr kosmisches Konto ein, und das macht sich am Ende bezahlt. Aber eben nur dann, wenn man es nicht um der Belohnung willen tut, sondern aus Liebe. Hier verbirgt sich ein Hinweis auf das Wesen des Neuen Menschen. Er gibt sein vorwiegend reaktives Verhalten auf zugunsten der Proaktion der Liebe zum Nutzen für alle. – Den reaktionären Kräften keinen Boden und voran bis zum Kern!

Es gilt, sich im Kern zu kennen, zu erkennen, zu wissen, wer wir sind und was wir können. Und egal, was im Kern bei uns sichtbar wird, wagen wir es, der Wahrheit über uns ins Gesicht zu schauen. Erst, wenn wir uns im Kern begegnet sind, uns erkannt haben, dann können wir beginnen, den Kern zu erhellen und lichtvoller von innen her zu werden.

! Die Lektion daraus: Dein Kern bestimmt Deine Inhalte, diese Deine Schöpfung und diese das universelle Zutun. Und am Kern vorbei geht nichts, er ist Dein Grundfilter zu den chthonischen Kräften, dein Zugang zur Welt. Im Kern zeigt sich immer Deine wahre Natur. Daher spricht Faust zu Mephisto, als er dessen wahre Natur erkennt: „Das also war des Pudels Kern.“ Es ist also Dein Kern, Dein wesentlichster Punkt. Er läuft recht stabil, daher bildet er einen festen Grund.

Wir handeln mit Grund, also auf einem guten Fundament, oder Ab-Grund, was korrekt Nicht-Grund, Ohne-Grund oder Grund-Los bedeutet. Das Fundament bietet einen festen Standpunkt und klare Orientierung, der Ab-Grund jedoch keinen Halt. Daher kann meist nicht halt machen, wer am Abgrund wandelt, sein Leben verläuft alternativlos in der unendlichen Wiederkehr des immer Gleichen. Er befindet sich im Hamsterrad der Illusion. Ein kleines Pechmariechen!

Die Berührung mit der anderen Realität in der Tiefe, der Wirklichkeit hinter dem Schleier der Isis, dem eigenen Kern, kann transformierend, aber auch zerstörerisch sein. Trotzdem sollten wir uns hier nichts vormachen, es gilt zu ergründen, wie wir im Kern geladen sind und welche Polung – positiv-konstruktiv oder negativ-destruktiv – er hat. Und wir sind dazu aufgerufen, uns auf die Reise zu machen, uns im Kern wieder zu entdecken.

Jetzt kann man natürlich sagen: Nun gut, wir befinden uns im Bereich von Mythen und Märchen, das ist doch nichts Realistisches? Oh doch, denn diese Geschichten transportieren Wahrheit und Weisheit. In Märchen siegt zumeist das Gute, die Wahrheit kommt zum Vorschein und die Richtigen finden zusammen, das ist doch utopisch, oder? Nicht ganz…

Im Wesentlichen führt die Kern-Einstellung zu Konflikt, Teilung und Entfremdung, wenn man vom Kern her auf reinen materiellen Sinngenuss aus ist, wenn also die Sinne die ganze Zeit mit vergänglichen Gütern und Identifizierungen beschäftigt, in Äußerlichkeiten, Oberflächlichkeiten und Lügen verstrickt sind. Im menschlichen Bereich ist also das Böse vergänglich, weil es sich aus dem materiell-vergänglichen Teil speist. Anders das Gute, denn der gute Mensch ist prinzipiell anders aufgestellt als der böse. Seine Sinne beschäftigen sich vorwiegend mit dem Wohl und der Sorge um das Ganze und sind auf die Ewigkeit gerichtet. Und da sich das Gute aus dem Licht der Ewigkeit speist, ist es unvergänglich. Daher, würde man nicht den natürlichen Verlauf der Dinge immer wieder eigenmächtig und eigennützig stören, sprich wenn der Egoismus nicht permanent genährt würde, so würde es unbedingt und ganz von selbst auf ein Goldenes Zeitalter hinauslaufen. Daran erinnern uns die Märchen: Wenn wir nicht stören, entfaltet sich eine goldene Zukunft.

Ein auf Trennung eingestellter Kern denkt immer nur in Kategorien des Eigennutzes, des Gewinns, der eigenen Befriedigung. Gerade Letzteres wird eifersüchtig gesucht. Doch stetige Befriedigung braucht, wer keinen Frieden hat. Wer aber keinen Frieden hat, lebt im Konflikt mit sich selbst. Er vergewaltigt sich selbst jeden Tag aufs Neue und schadet damit der Umwelt.

Wenn ein Mensch seine Anlagen nicht entfalten kann, will oder darf, hat er eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Wegducken ins Ego, den Umständen anpassen, Augen zu und durch, oder er entschließt sich, das alte, vorgegebene System zu verlassen und seinen Anlagen gemäß sein neues Leben zu gestalten. Auch hier gilt, um dies zielgerichtet zu können, sich ehrlich im Kern zu kennen. Woher wüsste man sonst etwas darüber, welche Anlagen zur Entfaltung konkret von drüben mitgebracht wurden und welche Talente und Fähigkeiten vorhanden sind, um die Bestimmung unseres Hierseins umzusetzen.

Dieser Ausstieg wiederum kann auf zwei Arten geschehen, entweder durch friedlichen Ausstieg oder durch gewaltvollen Ausbruch, wobei Letzteres, wird es von Mehreren praktiziert, häufig auf den Versuch eines Umsturzes hinausläuft. Dennoch, in all diesen Fällen richtet sich das Neue am Alten aus und ist damit wieder Teil des Alten. Deshalb gelingen auf lange Sicht meistens weder Ausstieg noch Ausbruch.

Die Neue Zeit jedoch verlangt einen Einstieg! Sie ist das Neue, wozu sich am Alten orientieren? Wir sollten aus der Geschichte lernen, aber nicht uns an ihr orientieren. Darum müssen wir mit unserem Werk immer zweigleisig verfahren: Mit dem Hammer wie mit der Mörtelkelle müssen wir philosophieren. Der Hammer kommt zum Einsatz, um das Alte, Morsche, Schadhafte in uns zu zertrümmern, bis nichts mehr übrig ist von unserem alten, falschen, verkehrten Leben. Und mit der Mörtelkelle bauen wir den Tempel der Menschheit neu auf. – Ich weiß, was ich da fordere, dies wird eine Revolution werden, wie sie radikaler meiner Ansicht nach noch nicht da war, eine Revolution des Innen! Der unleugbare Vorteil dieser Methode liegt darin begründet, dass sie keinen äußeren Feind kennt, höchstens einen inneren. Wer sich selbst überwindet, der erringt den Sieg über sich selbst!

Johann Wolfgang von Goethe schrieb in seinem „West-Östlicher Divan“ jene berühmten Zeilen:

„Und so lang du das nicht hast,dieses Stirb und Werde,bist du nur ein trüber Gastauf der dunklen Erde.“

Diese Trübnis liegt in einem Kern begründet, der sich mit Sterblichkeit und Vergänglichem identifiziert, damit bleibt er erdgebunden, schwer, wie mit Eisen und Blei behängt. Ein Ballon, der nicht starten kann, weil die Gewichte seiner Identifikationen ihn am Boden halten. Trübnis meint auch Unklarheit nach innen und außen, wir sind eben jenen illusorischen Verzerrungen erlegen, die wir uns als Vorstellung von uns und der Welt zurechtgelegt haben. Und am Ende sind wir betrübt.

Wir sprechen auch vom Eisernen Zeitalter, welches unsere Welt zurzeit im Griff hat. Eisen ist in den okkulten Wissenschaften ein Synonym für den Mars, für Krieg, Ausbeutermentalität und das Recht des Stärkeren. Auch Frau Perchta, von der wir ja schon hörten, wird mit Eisen assoziiert, besonders mit einer Streitaxt und rasselnden schweren Eisenketten. In ihrer fürchterlichsten Erscheinung schneidet sie mit der Axt ihren Opfern die Bäuche auf, füllt diese mit Steinen, näht sie mit dem Schicksalsfaden zu und lässt sie dann in ihren Brunnen fallen, man könnte sagen, sie erschlägt sie mit ihrer eigenen Tiefe. Es trifft aber nur die Faulen, die Gefräßigen, die Trägen. Und die Ketten erinnern daran, dass demjenigen dieses Schicksal erspart bleibt, der seine Ketten, seine Identifikationen, im Eisen löst, sein Gefängnis also verlässt, indem er den Konflikt mit sich erkennt und beendet.

Doch nicht nur der kriegerische Mars spielt hier eine Rolle. Nein, er ist es nur, mit dem die Entsiegelung beginnt. Über Öffnung und Schließung, Leben und Tod, Aufstieg und Abstieg hingegen herrscht der Saturn. In diesem Sinne ist der Konflikt die Folge einer Knechtung, Kettung, Fixierung. Das System, es macht Druck, es überhitzt, blockiert, bremst sich selbst und bricht am Ende zusammen. Der Mars treibt an, doch Saturn ist letztlich der Herrscher über die Ketten.

Saturn wird häufiger mit dem Satan assoziiert und auch als Gehörnter dargestellt. In dieser Form fesselt er uns mit List an die Lust. Er ist der Maibock der Anbetung, dem zu Ehren in Deutschland ein Starkbier gebraut wird. Das ist der Saturn der Saturnalien, der alles auf den Kopf stellt und wo die Herren die Sklaven bedienen. Er zwingt uns zur rechtmäßigen Ordnung oder hebelt diese nach Belieben aus, je nach Prüfung, mit der er uns konfrontiert. Er erscheint hier als der große Versucher. Im Tarot entspricht er dem Teufel.

Er ist aber nicht nur der Bock der Lust, sondern auch der berühmte Sündenbock, denn im Gegenzug ist er von eigener Schuld beladen; mythologisch überwältigte und kastrierte er seinen Vater, fraß die eigenen Kinder, bis auf Zeus, der ihn schließlich entmachtete. Er galt als Gott des Ackerbaues, was seine Nähe zur Erdgöttin logisch erscheinen lässt, er ist also das männliche Pendant zu Perchta. Und wie diese wird seine Frau Lua auch mit Eisen identifiziert. Ihr werden die eroberten Waffen feindlicher Krieger geopfert.

Doch von Saturn wird auch berichtet, er habe die Schlüssel zu einem Goldenen Zeitalter, der Saturnia regna. Das ergibt Sinn, denn der Saturn ist, neben dem Steinbock, auch dem Tierkreiszeichen Wassermann zugeordnet, und die Neue Zeit nennt man auch das „Wasserman-Zeitalter“. Dieser Schlüssel ist ein Weg der Reinigung, der Läuterung des saturnischen Bleies in sonnenhaftes Gold. Diese Kunst der Transmutation ist eines der zentralen Geheimnisse der Eingeweihten, und es ist das Wissen, dessen wir am dringendsten bedürfen, um die beginnende Transmutation innerhalb unseres hermetischen Gefäßes, der Erde, genannt Klimawandel, wieder auszugleichen. Denn der erste Schritt ist die Calcination, das Ausbrennen. Das würden wir systemisch nicht überleben, das wäre eine selbst eingeleitete Apokalypse.

Nur ein neuer Geist kann das noch aufhalten, welchen wir nur auf die Erde bekommen, wenn wir innerlich umkehren. Dies gilt natürlich nur bei negativer Polung, und es trifft mittlerweile auf die meisten Menschen zu, dass sie vollkommen verkehrte Lebensprioritäten setzen, die der Realität Hohn sprechen, ergo falsch gepolt sind. Eine Umpolung im innersten Kern kann das heilen, sie löst die Ketten, die unsere Neigung zum Abgrund halten, und lässt uns zum Licht geneigt sein.

Da wir bei gebeugter, rückgratloser Haltung klein werden, besser uns klein machen, grobstofflich gebunden sind und uns von uns selbst entfernen, produzieren wir umso mehr Blei. Nähern wir uns aber uns selbst liebevoll an, wachsen wir zu einem aufrechten Leben, entfesseln unser Potential und befreien unser Licht. Man könnte hieraus folgende Regel ableiten: Je mehr unsere innere Feinabstimmung vom Kern her über Identifikationen erfolgt, umso bleierner ist er. Hier sind wir im Ego, in der Entfremdung, der inneren Ferne, denn hier nehmen wir den von unserem Selbst aus betrachtet gegensätzlichsten Standpunkt ein. Und auch wenn einige der Identifikationen wahr sein mögen, ist das Gesamtkonstrukt eine Farce, ein Haus der Lüge. Und wo die Lüge herrscht, kann das Wesen von Liebe und Wahrheit nicht wirken. Hier herrscht „Bleivergiftung“.

Umgekehrt gilt, je näher unsere innere Feinabstimmung im Kern dem Selbst ist, also in Übereinstimmung steht mit unserer Identität (statt mit unseren Identifikationen), je mehr richten wir uns neu auf und nach dem Licht des Spirit aus, wie eine Pflanze, die sich aus der Saat im Licht immer mehr entfaltet, diesem zustrebend, an ihm sich orientierend. Unsere wahre Identität haben wir also gefunden, wenn wir mit unserem Selbst in vollkommener Übereinstimmung stehen, dann ist Frieden in uns. Dann produzieren wir mit unserer Schöpfung optimale Bausteine für die Neue Zeit, wir haben einen reinen, geläuterten, goldenen Kern, der Gold, also Wohlstand und Wohlsein für alle produziert.

Diese Läuterung und innere Transmutation im Kern geschieht, wenn wir uns innerlich aufrichten und unser kreatives Feuer auf den Kern konzentrieren. Deshalb ist es so wichtig, den eingangs erwähnten kreativen Funken zu entfachen. Dieses Feuer wird noch angefacht durch den Hauch des Heiligen Geistes, den wir durch die neue Ausrichtung zu uns ziehen, und mit aller Kraft und Begeisterung, derer wir fähig sind, müssen wir den Kern tränken. So erfüllen wir die erste Regel der Alchymie: Trenne das Feste vom Flüchtigen. Zurück bleibt vom bleiernen oder eisernen Ego ein Häufchen Asche, während die goldenen Bestandteile geläutert und gelöst aufsteigen und den Verstand mit Weisheit erhellen.

Es gibt von den Gold- und Pechmarien sicher vielfältigste, unterschiedliche Arten, und wie sie im Leben agieren, ob schädlich oder nützlich, welche Früchte sie bringen, würde Jesus sagen; es verrät im Kern, wes Geistes Kind sie sind, welcher Spirit durch sie wirkt. Die wichtigste Botschaft jedoch ist: Wir sind unserer Grundeinstellung nicht hilflos ausgeliefert. Mit etwas Mut und Leidenschaft kann es gelingen, sich umzupolen, vorausgesetzt, wir wollen das wirklich und brennen richtig für die Veränderung. Je heißer diese innere Flamme, je gleißender ihr ewiges Licht, umso vollkommener ist die Transmutation und umso mehr stoppen wir die verschiedenen Überhitzungen des inneren Systems, der erste Schritt zum Rück-Wandel des Klimawandels. Denn wenn wir uns innerlich verbrennen und so vollständig lösen, werden wir ruhiger und kommen mehr bei uns an. Irgendwann ist das Feuer verbraucht, alle Identifikation ist gelöst und was bleibt, ist das Ich-Bin, das Sein. Dann wird klar, dass jede Identifikation eine Verletzung darstellt, eine gewaltvolle Teilung des ungeteilten Ganzen. Denn erst durch diese unbewusste Tat der Trennung können wir uns gegenüber etwas sehen, das wir begehren können, das wir haben wollen, was wir besitzen müssen. Man spricht daher beim Ego von einem einseitigen und berechnenden Teil-Bewusstsein oder von innerer Halbwüchsigkeit. Wer aber nicht erwachsen wird, wird auch kein Wachstum erfahren. Erwachsen werden meint hier die innere Aufrichtung, ein Rückgrat gewinnen, klare Kante zeigen, kurz, sich verantwortungsvoll benehmen. Denn ein halber, geteilter Geist ist nicht zur vollen Verantwortung fähig, er ist wie ein Kleinkind, welches der Fütterung bedarf, um zu überleben. Verantwortung meint hier, seine Handlungen und Äußerungen so zu steuern, dass sie eine positive Resonanz in der Umwelt auslösen, damit die Antwort des Universums unterstützend ausfällt und nicht ablehnend. Mit dem Märchen „Frau Holle“ haben wir hierfür ein gutes Beispiel: Goldmarie verhält sich verantwortungsvoll gegenüber der Umwelt, dementsprechend fällt die Antwort am Ende aus; Pechmarie verhält sich verantwortungslos gegenüber der Umwelt, und auch hier fällt das Ergebnis entsprechend aus. Und immer ist es der wahre Kern, der am Ende über Glück und Unglück, Freude und Leid, Schöpfung und Zerstörung bestimmt.

Wir müssen also eins werden mit unserem Selbst und dem geistigen Fundament, auf welchem unsere Schöpfung ruht. Von diesem neuen Grund und Boden in uns aus und genährt mit Liebe und Aufmerksamkeit wachsen wir erstmals in das Leben hinein, wir erlösen uns von inneren Grenzen und Beschränkungen und befreien radikal den Geist. Dies öffnet den Raum in uns, in den nun Begeisterung einziehen darf, um als Reservoir der Kraft zu dienen, das begonnene Werk zu vollenden. Dies bringt das Seelenlicht dazu, sich zu entfalten, wodurch unsere Talente und Fähigkeiten, aber auch unsere Bestimmung im Leben sich zeigen darf.

Der Friede entfaltet unser Potential ganz von selbst. Die Verletzung, der Konflikt, sorgt für Einfaltung bis zur Einfältigkeit unseres inneren Lichtes. Jeder negative Gedanke, jedes negative Gefühl und jede eigennützige Tat erzeugen Schmerz und Verletzung, nicht nur bei der Umwelt, sondern letztlich bei uns selbst. Jeder Egoismus ist Selbst-Zerstörung, also Zerstörung des Selbst, der Identität. Und was aus Rebellion gegründet wird, geht auch in Rebellion unter.