Beschreibung

Nein, Frankfurt ist nicht Manhattan, dafür aber "Mainhattan" – und auch hier kann man hoffnungslos im Chaos versinken. So geht es Lila gerade. Kann es ernsthaft sein, dass ihr schwuler bester Freund mit ihr Schluss macht? Hat sie wirklich zu viele Verabredungen, so dass sie den Vornamen eines ihrer Dates vergisst? Das ist doch nicht normal, oder? Lila beschleicht der Verdacht, dass die Ursache ihrer Wirren ihr neuer Nachbar Sergej sein könnte, den ihre Vermieterin für einen Mafioso hält. Tatsächlich ist er ein fürsorglicher Vater, und sein kleiner Sohn schließt Lila sofort ins Herz. Aber wie steht es um Lilas Herz? Warum rast das immer so, wenn Sergej auftaucht?

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Beliebtheit


Männer in Mainhattan

Letzter Aufruf für Bitterlemonwolke Nr. 7

Eliza Hill

Willkommen im Rottenweilerweg Nr. 5

Manchmal habe ich die Befürchtung, dass ich eine dieser Frauen bin, deren einziges Talent es ist, hübsch zu sein. Und es ist vielleicht ein bisschen bekloppt, einmal mehr über die mangelnde Tiefe meines Charakters zu philosophieren, während man den Online-Katalog der Unisportkurse durchscrollt, aber es ist fraglich ob es je einen guten Zeitpunkt gibt, um so etwas festzustellen.

Überhaupt erscheinen mir im Nachhinein die wichtigsten Erkenntnisse immer Knall auf Fall gekommen zu sein. Und während ich jetzt zwischen Kanupolo und Zumba stöbere, ist mir einfach klar, dass ich nicht der Typ für ein absurdes Hobby bin. Ich mag es, einkaufen zu gehen, und ich mag Männer. Für beides braucht man kein Studium und auch nicht sonderlich viel Zeitaufwand. Deshalb bin ich eigentlich mehr als gewillt mir endlich einen interessanten Sport zu suchen. Einen, der mich davon abhalten wird, mit sechsunddreißig den dritten Ehemann in die Wüste zu schicken und Europas Fashionmetropolen leerzukaufen.

Eigenartig klar habe ich diese Version von mir, schon seit ich fünfzehn bin, vor Augen. Vielleicht auch, weil die Liebe, von der immer alle Welt schwärmt, in meinem Bauch immer nur laue Luft war. Mir wurde nie anständig das Herz gebrochen, weil mein Kopf das Konzept Liebe irgendwie verloren hatte, bevor ich es mir einprägen konnte. Ich war fasziniert von Jungs, begeistert von Sex – aber dieses teuflische Kribbeln in der Brust, das Surren im ganzen Körper, das hat mich nie richtig erfasst. Es ist ein bisschen absurd, aber in manchen Momenten glaube ich fast, dass dieses Gefühl für mich verloren ist.

Ein bisschen so wie der Traum, sich alleine in Frankfurt eine geräumige Wohnung leisten zu können. Doch dann erinnere ich mich wieder daran, dass ich auf hohem Niveau jammere, und daran, dass mein WG-Leben gar nicht so übel ist, auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint.

Ich drücke auf die nächste Seite und lasse den Blick zum Kühlschrank schweifen, wo meine Mitbewohnerin Tilda nach ihrem Joghurt sucht, während das WLAN arbeitet. Um ehrlich zu sein, war eine Vierer-WG mit einer Dame, die bereits das Rentenalter erreicht hat, vor zwei Semestern nicht gerade meine erste Wahl, doch in Anbetracht der Tatsache, dass erschwinglicher Wohnraum in einer guten Gegend mindestens so schwierig zu finden war wie der richtige Kerl, hatte ich Abstriche machen müssen. Und nun kann ich mir ein Leben ohne Inge, Tilda oder Anne außerhalb des alten Stadthauses in der Nähe des Grüneburgparks nicht mehr vorstellen.

Auch wenn die verwitwete Inge zurzeit mit Egomanen-Egon zusammen ist, einem ehemaligen Polizisten, der zu jedem Thema etwas zu sagen hat, sich für die Krone der Schöpfung hält, viel zu viel Zeit in unserer ungewöhnlichen WG verbringt und sich gerade einen Showdown liefert mit dem Lautstärkeregler von Inges Fernseher, seinem liebstem Spielzeug und Inges am Lautsprecher des Telefons geführten Streitereien mit ihrer besten Freundin Lore, die zwei Seitenstraßen weiter wohnt.

»Himmel, wenn er noch lauter dreht, können wir demnächst die ganze Nachbarschaft beschallen.« Anne kommt entnervt in die Küche geschlurft.

Sie sieht furchtbar aus. Ganz so, als hätte sie seit Tagen nicht mehr geschlafen. Und wahrscheinlich hat sie das auch nicht, denn seit ich vor zwei Semestern hier eingezogen bin, hat Anne Gollert bereits drei verschiedene Praktika hinter sich, nachdem sie ihren Magister in Germanistik und ihrem Nebenfach Anglistik erfolgreich abgelegt hatte. Jedes einzelne Praktikum war mies bezahlt. Das neue, das sie vor einem Monat in einem Verlag begonnen hat, macht da keine Ausnahme, aber wie immer ist sie voll der Hoffnung, es möge in einer Festanstellung enden. Außerdem ist sie heillos in den dortigen Chef-Lektor verknallt.

»Wie geht es Gideon Wölke, Abgott der Germanistik, ein jedes seiner Worte so durchdacht und surrealistisch, dass man sich nach drei Minuten in seinem Dunstkreis wie der dümmste Mensch diesseits und jenseits des Rheins vorkommt?« Tilda gibt sich keine Mühe, Annes Schwärmerei schönzuzeichnen, während sie ihren Löffel in das Joghurtglas rammt und Anne und mich mit jenem Gesichtsausdruck bedenkt, den sie sonst nur für Romantiker und den neuen Freund ihrer Mutter übrig hat.

»Tilda.«

»Krall ihn dir endlich und bring es hinter dich. Ich kann es nicht mehr hören. Die Chancen, dass du eingestellt wirst, sind ohnehin unterirdisch, genauso wie dein Gehalt.«

»Ist das jetzt deine neueste Philosophie? Kaum einen halben Tag BWL studiert und schon bist du so verbittert?«, hake ich verdattert nach, während Anne sich einen zweiten Löffel aus der Schublade holt.

»Politik, Lila. Ich studiere Politik«, korrigiert sie mich. »Ich habe mich umentschieden. Dieses Jahr gehe ich unter die Politologen. BWL war mir dann doch zu seriös.« Sie lässt einen großen Löffel des Kirschjoghurts in ihrem Mund verschwinden und wischt sich nachlässig eine Strähne aus der Stirn.

Tilda, Einzelkind eines bayrischen Psychologen und einer chinesischstämmigen Zahnärztin, wechselt Studienfächer mit beinahe so großer Begeisterung wie ihre Männer, die sie hauptsächlich in ihrem Job als Barkeeperin im ›Empire‹ aufreißt. »Proletarier erhebt euch!«, juchzt sie. »Das wird spitze. Linke sollen super im Bett sein.«

Ich runzele die Stirn, während Anne sich offenbar gerade vorstellt, wie sich Tilda mit dem Vorsitzenden der Linkspartei in den Kissen wälzt, denn sie verzieht angewidert das Gesicht.

»Ich sehe schon, ihr beide versteht mal wieder meine Witze nicht. Der kleine Mann erhebt sich? Kommt schon, so mies ist der Witz nun wirklich nicht.«

»Bitte sag mir, dass du nicht deshalb Politik studierst«, spricht Anne das aus, was wir beide denken.

»Nein, auch wegen Max. Er stand heute vor mir in der Schlange im Sekretariat. Und bitte, ich habe mich schon wegen wesentlich dümmerer Gründe in Studienfächer eingeschrieben.« Tilda wirft mir einen überheblichen Blick zu. »Jura zum Beispiel. Bei der Blonden mit dem Chihuahua sah es so einfach aus. Oder denkt an meinen Versuch mit Mathematik, der auf dem Addieren von Rotphasen der Ampeln auf dem Weg zu Ikea fußte.«

»Politik also.« Anne seufzt, bevor Tilda all die Studienfächer aufzählen kann, an denen sie sich schon versucht hat. »Und bei dir, Lila? Was macht die Chaosgöttin höchstpersönlich, während Tilda nun Politikerin wird?«

»Ich habe mir heute beim Nichtstun den Fuß gezerrt, Umut hat mit mir Schluss gemacht, und ich habe wieder mit dem Rauchen angefangen.«

»War Umut nicht der Schwule, der seiner Familie nicht sagen konnte, dass er auf Jungs steht?«, überlegt Anne, während Tilda mich von oben bis unten mustert. »Was war der Grund für eure Trennung? Eine andere Frau?«, feixt sie, während ich um den Tisch herumhumpele und ihr das Joghurtglas aus der Hand reiße.

»Er sagt, ich würde ihn wahnsinnig machen. Nie wäre ich pünktlich, und mein Ordnungssinn sei eine Katastrophe. Außerdem mag mich seine Mutter nicht.«

»Oha.« Anne schiebt sich eine gelockte Strähne hinters Ohr und grinst.

»Nichts oha. Ich wurde von einem Schwulen abgeschossen! Und ich habe mir beim absoluten Nichtstun am Schreibtisch einen Muskel in meiner Wade gezerrt. Nun humpele ich wie eine alte Frau. Und ein neues Hobby finde ich auch nicht.«

»Das habe ich gehört!«, beschwert sich Inge im Wohnzimmer, was Egon ein protestierendes Schnauben entlockt.

»Jedenfalls habe ich wieder mit dem Rauchen angefangen, und nun gebt mir einen Löffel.«

Tilda reicht mir einen mit einem verschmitzten Lächeln. »Wenn du mit nach draußen kommst, gebe ich dir sogar noch eine Kippe.«

»Du bist so liebenswürdig zu mir. Stets einen Sargnagel mehr bei der Hand, wann immer sich die Gelegenheit bietet«, bemerke ich amüsiert.

»An irgendetwas müssen wir sterben, und an übermäßigem Joghurtkonsum ist noch keiner krepiert.« Tilda lächelt. »Kommst du mit raus, Anne? Du darfst auch das Glas mitnehmen.«

Tilda und Anne sind miserable Krücken. Tilda ist fünf Zentimeter zu groß und Anne fünf Zentimeter zu klein in der Schulterhöhe, um mir mein Laufen zu erleichtern, doch irgendwie schaffen wir es nach draußen, eine jede mit einem Löffel in der Hand.

Die Ligusterhecke hinter dem schwarz gestrichenen Eisenzaun ist akkurat gestutzt und der Treppenaufgang zur Haustür hinauf mit einer Reihe von Rosenbäumchen gesäumt. Alles in allem wirkt hier jedes Detail wie einem Magazin entsprungen und nicht wie ein Ort, um eine Treppenconnection, wie wir sie seit zwei Semestern pflegen, zu beherbergen.

»Setz dich, Lila«, murmelt Anne, die es sich bereits auf den Stufen bequem macht.

»Mh«, stimme ich ihr zu, während Tilda zwischen den Töpfen nach dem Aschenbecher kramt und mir der silberne BMW auffällt, hinter dem ein dicker schwarzer Mercedes in der Einfahrt des leerstehenden Nachbaranwesens parkt. »Ist der Nobelschuppen etwa verkauft?«

»Keine Ahnung. Herr Nowak ist ja schon eine Weile im Heim. Vielleicht zieht seine Tochter ein oder so«, murmelt Anne, die mir den Joghurt entgegenhält. »Ich sage es euch gleich, wenn ihr erst einmal eure Glimmstängel anhabt, gibt es nichts mehr. Also nehmt euch jetzt oder lasst es.«

»Behalt es.« Tilda grinst und öffnet die rote Packung ihrer Lieblingszigaretten. »Lila?«

Doch ich bin abgelenkt von dem Mann, der gerade aus der Eingangstür des Nachbarhauses tritt. Groß gewachsen und gut aussehend, mit dunklen Haaren und einem finsteren Blick. Ein Typ, der nicht alle optischen Voraussetzungen für die Kategorie Traummann erfüllt, weil er ein bisschen zu kantig und schroff für den Alltag ist. Und das ist in diesem Fall definitiv eine gute Sache.

»Holla, die Waldfee«, kommentiert Anne den Fremden, während Tilda und ich ihn unverhohlen anstarren.

»Heiß.« Hinter uns schluckt es plötzlich, und keiner von uns muss sich umdrehen, um herauszufinden, dass Inge ebenfalls das Objekt unserer Begierde entdeckt hat. »Bei der Hauseigentümerversammlung werde ich definitiv ein gutes Wort für diesen Kandidaten einlegen.«

»Zigarette, Inge?«, will Tilda wissen, während wir vier noch immer unseren Hoffentlich-sehr-bald-Nachbarn fressen.

»Gerne, Mäuschen. Wie geht es deinem Fuß?«

»Besser«, bringe ich raus, während der heiße Fremde um den Mercedes herumgeht, und ohne uns zu grüßen, in seinen Wagen steigt. »Ich glaube, er ignoriert uns.«

»Du würdest auch vier Frauen ignorieren, die dich anstarren, als würdest du Süßigkeiten verkaufen. Eine davon Schwerstinvalide, eine auf dem Selbstverwirklichungstrip, eine Neu-Politikerin und eine graue Maus«, fasst Anne unsere Treppenconnection zusammen. »Wenn er klug wäre, würde er so schnell davonlaufen, wie er kann.«

»Ja, aber zum Glück kennt er uns noch nicht. Also lächelt, Mädels. Ich habe keine Lust auf noch so eine alleinerziehende Bankerfurie als Nachbarin«, murmelt Inge und hebt die Hand, um ihm begeistert zuzuwinken, wie wir auch.

»Ich denke, er hält uns für wahnsinnig«, kommentiere ich, als sein Mercedes verschwunden ist.

»Können wir uns auf exzentrisch einigen?«, erwidert Inge und zündet sich ihren Glimmstängel an, bevor sie mir das Feuerzeug reicht und ihr schwarzer Toypudel Nepos seinen Kopf in Annes Joghurtglas steckt.

»Nein«, antworten wir drei wie aus einem Munde.

Elvis für Anfänger

»Los jetzt, Inge! Was soll denn das? Wenn Egon nicht rangeht, hat er eben Pech! Ich habe keine Lust, einen schlechten Platz zu bekommen, nur weil dieser Mann nicht abnimmt«, schimpft Lore unten.

Mein Bein schmerzt immer noch wie verrückt, sobald ich versuche meinen Fußballen mitzubenutzen, und so krabbele ich unter aktiver Zuhilfenahme meiner Hände die Holztreppe hinab, Lore fixierend, die unruhig an ihrem rot gefärbten Schopf herumnestelt, während Inge das Telefon zurück auf die Ladestation steckt.

»Ihr zwei habt euch aber schick gemacht«, bringe ich raus, nachdem ich endlich auf der letzten Stufe angelangt bin. »Geht ihr schon wieder auf ein Konzert?«

»Ja«, sagt Lore mit genervtem Blick in Richtung Inge. »Aber nur, wenn Madame endlich in die Hufe kommt.«

»Egon –«

»Ich pfeife auf Egomanen-Egon. Heute Abend heißt es Elvis!«, unterbricht sie Inge und klimpert mit den Autoschlüsseln. »Seit Wochen freue ich mich darauf! Und nun kommen wir beinahe zu spät, nur weil du deinem Typen hinterhertelefonierst. Also los jetzt!«

Ich verkneife mir ein Grinsen. Die beiden sind manchmal noch genauso verrückt wie vor vierzig Jahren, als sie nur Petticoats, Elvis und ihren ersten Käfer im Sinn hatten. Und vielleicht in Anlehnung an ihre verrückten Jahre hat Lore von Inge zwei Karten für die Show eines Elvis-Imitators geschenkt bekommen.

»Elvis, Elvis. Man könnte meinen, wir würden ihn heute Abend mit nach Hause nehmen, so wie du dich aufführst«, entgegnet Inge mit einem Seufzen. »Aber ich wette mit dir, der Kerl war noch nicht mal auf der Welt, als Elvis‘ Hüften ihren letzten Zucker gemacht haben.«

»Ach, du!« Lore winkt ab. »Wenn du das heute Abend laut sagst, machen deine Hüften den letzten Zucker. Und jetzt komm endlich, sonst nehme ich Lila mit. Die kann sich ja zurzeit nicht wehren.«

»Inge, geh«, entfleucht es mir entsetzt. »Männer in Glitzer und mit Ausschnitt bis zum Bauchnabel ertrage ich nicht.«

Lores stark geschminkte Augen verengen sich. »Du hast ja keine Ahnung, Lila.«

»Stimmt. Und nun entschuldigt mich, ich brauche Gummibärchen gegen die Schmerzen«, verabschiede ich mich von den beiden.

»Mach´s gut. Wenn Egon anruft, sag ihm, dass –«

»Dass du auf einem Konzert bist«, vervollständige ich den Satz, noch bevor Inge ausreden kann. »Viel Spaß.«

»Danke«, flötet Lore und schiebt Inge aus der Tür, ehe sie einen weiteren Piep von sich geben kann.

Und so bin ich plötzlich mutterseelenallein mit unserem Toypudel Nepos im großen Haus, denn Tilda ist schon bei ihrer Schicht im Empire, und Anne ist noch nicht wieder von der Arbeit zu Hause, und stelle fest, dass irgendjemand die letzten Saftbären gegessen hat. Die einzigen anderen Süßigkeiten, die noch in der Vorratskammer lagern, sind eine mindestens vier Wochen alte geöffnete Packung Prinzenrolle und Weinbrandeier, die noch von Ostern übrig sind. Beides ist nicht gerade meine erste Wahl, weshalb ich zum Kühlschrank hinke und zunächst professionell ins Innere starre, bevor ich ihn wieder schließe, ohne etwas herauszunehmen. Kurz schwanke ich zwischen der Entscheidung, mir eine Schmerztablette zu nehmen oder einen Pizzadienst zu rufen, verwerfe aber beides wieder, bevor ich mir einen Tee aufsetze und mein Telefon hervorziehe.

Zwei Anrufe von Umut, einer von Tilda und einer von einem Kerl aus der Uni, der mit mir letztes Semester im gleichen Heinrich-Heine-Kurs war. Ein Sonderschulpädagoge. Keine besonders interessante Ausbeute.

Da Umut und ich offiziell getrennt sind und Leute, die ich mit ›Uni, Heinrich-Heine-Referat‹ abkürze, nicht gerade oben auf meiner Anrufliste stehen, klingele ich Tilda an, während ich mir eine Tasse aus dem Schrank fische.

Mal wieder muss ich feststellen, für was zwei Beine alles gut sind, denn das Gleichgewicht mit Telefon am Ohr und Tasse in der Hand zu halten, ist gar nicht so einfach, wenn man nur eines zur Verfügung hat.

»Hey Lila«, begrüßt mich Tilda übermütig. »Halt dich fest oder setz dich hin. Ich habe Neuigkeiten, die dich umhauen werden!«

»Wieso, was gibt es denn?«

»Ich habe Herrn Nowaks Tochter getroffen. Das Haus nebenan wird verkauft und zwar an den Typen, den wir gestern gesehen haben. Sergej irgendwas. Ist das nicht cool?«

»Ja.«

»Ich wusste, dass dir das gefällt! Oh und ich soll dir gute Besserung von Rouven sagen, du weißt schon, deinem Lieblingstheker.«

»Was ist ein Theker?«, frage ich perplex nach, während ich einen Beutel Darjeeling in die Tasse plumpsen lasse.

»Ein Barkeeper«, erklärt sie mit einem Seufzen. »Von Theke, du weißt schon.«

»Nein, wusste ich nicht«, gebe ich zu. »Rouven ist der Große, dessen Eltern gerne Südländer gewesen wären, richtig?«

»Ich weiß gar nicht, was du willst. Sie kommen vom Bodensee. Viel südlicher kann man nicht wohnen«, raunt Tilda. »Ich bin gerade im Vorratsraum, und eigentlich habe ich gar keine Zeit, mich lange zu unterhalten, aber wohoo … heißer Nachbar!«, freut sie sich leise.

»Ja«, flüstere ich zurück und weiß gar nicht so genau, wieso, denn ich verstecke mich vor niemandem.

»Warst du es eigentlich, die meine Bärchen gegessen hat?«

»Ich habe sie nicht gegessen. Ich habe sie Mirjam mitgebracht. Die Arme wurde gestern von ihrem Freund verlassen.«

»Ich auch.« Ich schnaube. »Und ich habe Fuß.«

»Das zählt nicht.«

Mein Schnauben geht im Klicken des Wasserkochers unter, das mir verkündet, dass sein Inhalt heiß ist.

»Wolltest du nicht ohnehin in Größe 34 passen? Soviel ich weiß, fehlen dir da noch fünf Kilo laut deiner Waage.«

»Du weißt ebenso gut wie ich, dass es keine Diät auf der Welt gibt, die ich durchhalte. Zumindest nicht solange sie nicht als Basis Schokolade hat.«

»Ich verspreche, nächstes Semester wage ich mich an Chemie, dann sehe ich mal, was ich tun kann.«

»Das wollte ich hören.«

»Gut. Ende und aus.«

»Ende und aus«, verabschiede ich mich.

Das Fernsehprogramm ist todlangweilig, ebenso wie meine Hausarbeit über Klöster im Spessart, die ich für mein Nebenfach Geschichte schreiben muss. Ich treibe mich ein wenig auf Facebook herum, nur um zu sehen, dass Umut mich auch hier mit Nachrichten zugemüllt hat. Ich ignoriere sie, da ich gerade kein Interesse an seinem Liebesleben habe, nun da ich offiziell nicht mehr darin involviert bin. Soll sich seine Mutter, die mich nicht leiden kann, doch darum kümmern. Ich schmolle. Pech für ihn.

Stattdessen schreibe ich dem Sonderschulpädagogen, der mich nach dem Abgabeschluss unserer Arbeit gefragt hat, der bereits vor zwei Wochen war, und lasse mich dann ein wenig von meinem restlichen Freundeskreis, sowohl wegen meines Fußes als auch wegen Umut, trösten, sodass die Gummibärchen bald überflüssig sind.

Ali, Sportstudent im achten Semester und ein entfernter Bekannter Umuts, ist der festen Überzeugung, dass mein Fuß nur gezerrt ist, während er mir seinen Schutz vor meinem Ex anbietet, nur für den Fall, dass Umut mit unserer Trennung nicht zurechtkommt. Sehr süß, irgendwie. Umuts Ruf als ganz harter Macker scheint ihm vorauszueilen. Wenn ich ausgeschmollt habe, sollte ich ihm zu seiner schauspielerischen Leistung gratulieren. Kann nicht gerade einfach sein für einen Kerl, der sogar vor Spinnen Angst hat, so eine Reaktion in seiner Umwelt auszulösen.

Alis Gewäsch über die Muskeln in meiner Wade, irgendeinen komischen Test in einer Sportart, von der ich noch nie etwas gehört habe, und dem typischen ›Was treibt ihr heute Abend noch?‹ muss ich unterbrechen, als es an der Tür schellt.

»Komme! Kann aber dauern!«, rufe ich laut, während Nepos wie ein Irrer kläfft und sich gar nicht mehr einkriegt. Ein sicheres Zeichen dafür, dass es jemand ist, den ich kenne, da der Pudel der größte Angsthase in ungefähr hundert Kilometern Umkreis ist.

»Ja doch, du Höllenhund. Wen haben wir denn da?« Als ich endlich am Eingang ankomme, ist der Pudel mittlerweile ins Fiepen übergegangen, und ich stoße geschafft die Tür auf. Nur um in Umuts Gesicht zu gucken. Und an jedem anderen Abend hätte ich mich gefreut meinen besten Freund zu sehen. Heute auch ein bisschen, aber nur ein winziges, weil der größte Teil von mir noch immer beleidigt ist.

»Ich glaube, ich sollte Ali wohl doch anrufen und seinen Schutz annehmen.«

Umut hält mir eine herrlich duftende Tüte vom Laden mit dem goldenen M unter die Nase. Ganz so, als würde das alles ungeschehen machen. »Apfeltasche?«

»Umut. Du weißt schon, dass du mit mir Schluss gemacht hast, oder? Wie sieht das denn aus, wenn du hier einfach auftauchst, als wäre nichts gewesen? Außerdem bin ich stinkwütend auf dich! An meinem Ordnungssinn gibt es absolut nichts zu bemängeln! Er setzt eben nur in unregelmäßigen Abständen ein.«

Umut, der als Türsteher häufiger mit wildgewordenen Furien zu tun hat, lässt die Tüte sinken und schaut mich aus seinen viel zu großen braunen Augen an, gegen die Nepos einpacken kann. Er ist nicht übermäßig hochgewachsen, nur knapp eins fünfundsiebzig, aber breitschultrig und sehnig bemuskelt, weshalb er recht eindrucksvoll aussieht, selbst wenn er niedlich wirken will. Außerdem trägt er bereits seine schwarze Arbeitskleidung.

»Lilalein. Jetzt sei nicht so zickig. Ich wollte nur nach dir sehen, nach deiner Selbstverstümmelung in deinem Kleiderschrank.«

»Es war vor dem Kleiderschrank. Ich wollte aufräumen«, unterbreche ich ihn, bevor mir wieder irgendwelche Dinge angedichtet werden.

»Schön, dann warst du also nicht in Narnia«, meint er unbeeindruckt. »Kann ich jetzt reinkommen?«

»Nein, das kannst du nicht, weil ich immer noch sauer bin! Wieso kann mich deine Mutter nicht leiden, verdammt? Ich bin –«

»Sie ist meine Mutter. Wenn sie dich leiden könnte, müsste ich mir Sorgen machen«, wehrt er sich gegen meinen Einwurf. »Kann ich kurz reinkommen? Ich muss ohnehin gleich zur Arbeit.«

»Nein«, beharre ich auf meinen Prinzipien. »Unterhalte dich doch mit Torsten und Jorit über deine Männerprobleme. Ich bin mir sicher, die brennen darauf, davon zu hören.«

»Zicke.« Umut drückt mir die Tüte mit Essen in die Hand. »Vielleicht bekommst du damit etwas bessere Laune.«

»Unwahrscheinlich«, entgegne ich ihm, während er Nepos hochhebt und ihn hinter den Ohren krault.

»Ich sag ja nur, liegt bestimmt an der Unterzuckerung, dass sie zickig ist. Stimmt’s, Winzling?«, meint er in Nepos' Richtung. »Männer sind viel unkomplizierter. Wir verstehen uns.« Er ignoriert meine Aussage einfach und lässt seine Finger über den Hundekopf wandern.

»Du bist so ein Softie«, meine ich um Selbstbeherrschung kämpfend, während der Hund über sein Kinn leckt.

»Erzähl es niemandem«, droht er mir, und ich kann meine Mundwinkel zucken spüren, bevor er mir Nepos reicht. »Ich geh dann mal wieder.«

»Hm. Ruf mich morgen an«, lasse ich mich von seinen unanständig großen Augen breitschlagen.

»Werde ich, Süße«, verabschiedet er sich und drückt mir zwei Küsse auf die Wange, bevor er beschwingt die Treppen nach unten schlendert und in seinen tiefer gelegten BMW steigt, der mit dem Schriftzug der Eintracht bedruckt ist und auf dessen Kofferraumabdeckung ein Fanschal liegt.

»Tschüss«, bringe ich raus, als er bereits anfährt und dabei beinahe den Mercedes übersieht, der heranrollt.

Ich kann Umut wütend mit den Händen fuchteln sehen, während der Mercedes ein Hupen von sich gibt.

»Männer und Autos.« Ich seufze, während Umut den Mercedes durchlässt, der in die Einfahrt nebenan steuert, und mir klar wird, dass es sich dabei um den heißen Nachbarn handeln muss. Sergej. Sergej Irgendwer, der das Nachbarhaus kauft. Ich winke Umut zum Abschied mit der Papiertüte, während ich dabei zusehe, wie mein neuer Nachbar aus seinem Auto steigt.

Sein piekfeiner, grauer Anzug, der die Banker in London ganz neidisch werden lassen könnte, lässt seine trainierte Gestalt erahnen. Ich schätze ihn auf Anfang dreißig, während er seinen Sakko schließt und sein Blick zu mir herüberwandert. »Ihr Freund kann nicht Auto fahren«, stellt er schließlich kalt fest, und ich brauche einen Moment, um diese herrlich tiefe Stimme zu verarbeiten. Die ist vielleicht noch besser als sein Gesicht. Und ich nehme seinen intensiven Blick wahr und fühle mich überrumpelt. Überrumpelt von diesem finsteren Grollen, das meinen ganzen Körper elektrisiert.

»Er ist nicht mein Freund. Ich meine, er ist nicht mehr mein fester Freund«, schiebe ich nach und ärgere mich wegen dieser selten dämlichen Antwort über mich selbst, während der rote Audi von Herrn Nowaks Tochter ebenfalls um die Ecke biegt.

»Ich bin Lila«, stelle ich mich vor, ehe ich seine Aufmerksamkeit wieder verliere. Aber unter seinem kritischen Blick wünsche ich mir, ich hätte mir nicht meinen roten H&M-Schal um die Wade gewickelt und kein altes Adler-Trikot an, das mir einer meiner Ex-Freunde geschenkt hat, und auch nicht meine bequemste Leggins. Alles in allem dürfte ich wie eine verunglückte Comic-Figur aus den Achtzigern aussehen, die es nicht einmal geschafft hat, sich die Haare zu kämmen, und sie deshalb in einen Dutt gequetscht hat, der beinahe ihren Zopfgummi sprengt.

Er zuckt nur mit den Schultern. »Sergej«, murmelt er, während Nicole Nowak aus ihrem flotten Flitzer springt, offensichtlich besorgt, ich könnte ihren Käufer durch meine bloße Gegenwart vergraulen.

»Herr Winter! Da sind Sie ja schon! Wie schön!« Nicole ist mal wieder bis in die Haarspitzen gestylt und trägt eines dieser Kostüme, die mehr kosten als der gesamte Inhalt meines Kleiderschrankes.

Ich bin abgeschrieben. Das wird mir mehr als deutlich, als die beiden sich die Hände schütteln.

»Kommen Sie rein, Herr Winter, ich habe die Unterlagen dabei.«

Ich verfolge Nicole Nowak und Sergej Winters Unterredung mit einer gewissen Faszination, ehe mir klar wird, dass ich ihm einmal mehr hinterherstarre wie eine Irre. Und das braucht es nun wirklich nicht. Deshalb bücke ich mich mit einem Seufzen, um den Pudel vom Boden zu pflücken, und erinnere mich daran, dass ich gerade erst verlassen worden bin. Ich bin offiziell in Trauer über das Ende meiner Beziehung. »Ich wette, die Kuh versucht nachher noch den heißen Winter auf dem Küchentisch zu verführen, den sie ihm gerade verkauft«, merke ich leise in Nepos' Richtung an, was den Pudel dazu bringt, fröhlich mit dem Schwanz zu wackeln. »Aber wie es aussieht, haben wir wenigstens etwas zu essen.«

Ich lasse Nepos runter und linse in die Tüte. »Umut hat wirklich ein ganz schlechtes Gewissen. Drei Apfeltaschen und die großen Nuggets«, meine ich zu meinem Lieblingspudel, der begierig unser Lunchpaket fixiert und mir wie hypnotisiert in die Küche folgt.

»Eventuell verzeihe ich Umut, dass er mir vorgeworfen hat unordentlich zu sein. Aber wenn er hätte sichergehen wollen, wäre er lieber beim Thailänder vorbeigefahren.« Ich räume die Waren auf die Anrichte und angele die Soßen aus der Tüte. »Nicht dass ich mich beschweren würde. Aber für die nächste Trennung sollte er sich das wirklich merken.«

Nepos scheint mein Geschwätz vollkommen einerlei. Sein Blick hängt an den Hähnchenstücken.

»Wenn wir uns beeilen, müssen wir nicht einmal mit Anne teilen«, flüstere ich verschwörerisch, als ich die Haustür gehen höre.

»Wer muss nicht mit mir teilen?«, murmelt Anne in ihren Schal.»Ach, uns wurden Gaben der Besänftigung von Umut vorbeigebracht. Willst du auch Nuggets? Apfeltaschen teile ich nicht«, antworte ich ihr fröhlich und halte meine Beute nach oben.

»Gerne«, freut sie sich und kickt ihre Schuhe von den Füßen. »Hat Umut dich etwa schon vermisst?«

»Ich bin eben unwiderstehlich«, grinse ich, und Anne mustert mein Outfit mit einer hochgezogenen Augenbraue. Beinahe so, als wäre ich verrückt.

»Ach? Haben dir das die Geister aus den Achtzigern geflüstert?«

»Scherzkeks«, kaue ich wenig gerührt und halte ihr den Teller entgegen.

Die Verfolgung eines Egomanen

Ich liebe Happy Ends, ich gebe es zu. Nicht nur die großen, auch die kleinen Happy Ends. Die kurzweiligen. Die, die der Alltag schreibt und die das Leben so überraschend und schön machen. Und ein solches bietet sich mir gerade. Die Protagonisten sind hierbei meine geliebten, braunen Peeptoes mit der roten Sohle und mein Bein, das auf wundersame Weise einfach aufhört wehzutun, als ich in meinen hohen Schuhen stehe.

»Hammer«, stoße ich hervor, nachdem ich probeweise ein paar Schritte gemacht habe. »Fühlt sich wie neu an. Ich wusste, es gibt sie, die Schuh-Magie.«

Anne, die mit ihrer Zahnbürste im Mund herumläuft und ihre wild gelockten, nussbraunen Haare mit einem Zopfgummi zu einem Pferdeschwanz gebändigt hat, stoppt ihre Putzbewegung und zieht eine Augenbraue nach oben, als ich sie passiere. »Funktioniert das?«

»Ja, erstaunlicherweise«, entgegne ich fröhlich und ziehe dann meine babyblauen Nicki-Shorts etwas tiefer, die zwar bequem, aber etwas freizügig sind.

»Egon ist nicht da«, informiert sie mich grinsend.

»Der Tag wird ja immer besser.«

»Lass das nicht Inge hören«, warnt mich meine Mitbewohnerin, doch ich winke ab. Meine Füße funktionieren wieder, und Egomanen-Egon ist nicht anwesend. Das ist ein guter Start in diesen Montag. Zumindest für mich.

Für Inge hingegen weniger. Dazu genügt nur ein einziger Blick auf ihre Aufmachung am Küchentisch. Elvis muss gestern geradezu desaströs gewütet haben.

Sie trägt einen pinken Seidenkimono, der sich wunderbar mit ihrem rot geblümten Schlafanzug beißt, während die hellgrüne Feuchtigkeitsmaske den Großteil ihres Gesichts verdeckt. Das blond gefärbte Haar hat sie mit einem Band davon abgehalten, in die Stirn zu fallen, und hält die Tageszeitung wie ein Schutzschild vor sich.

»Morgen. Hattest du eine lange Nacht mit Elvis?«

»Definitiv zu lang«, sagt sie über den Rand ihrer Zeitung hinweg, während ich zur Kaffeemaschine laufe. Ihre hellen Augen verengen sich, während meine Schuhe auf den Terrakotta-Fliesen der weißen Holzküche klackern. »Außerdem fürchte ich, dass Egon mich betrügt.«

»Was?«, entkommt es mir perplex, als sie geräuschvoll eine Seite umblättert.

»Seine Schwester, bei der er angeblich jede Woche vorbeisieht, wenn er nicht bei mir oder zu Hause ist, sagt, dass er höchstens alle paar Wochen bei ihr auftaucht.« Sie fixiert noch immer meine Schuhe.

»Wirklich?«, meine ich verdutzt. »So eine dreiste Lügerei hätte ich ihm gar nicht zugetraut.«

Inge gibt ein Schnauben von sich. »Ich hoffe inständig, er hat eine gute Ausrede parat. Hat er gestern noch angerufen?«

»Nein.«

»Dann muss sie ausgesprochen gut sein«, wiederholt Inge zwischen zusammengebissenen Zähnen.

Mit dieser düsteren Feststellung schlängelt sich der Tag langsam abwärts. Anne ruft heulend vom Klo der Firma an, weil Germanistik-Abgott Gideon sie wegen ihrer Kaffeetasse auf dem Manuskriptstapel zur Sau gemacht hat, mein Fuß tut noch mehr weh, sobald ich meine Schuhe wieder ausziehe, und Umuts Mutter ruft an, um mir zu sagen, dass ich noch eine Schüssel von ihr habe, die sie zurückzuerhalten gedenkt. Am besten gleich.

Ich verklickere ihr, dass Umut das Ding nachher abholen kann, wenn er möchte, ich aber keine Lust habe, nur wegen eines billigen Keramikgefäßes quer durch Frankfurt zu fahren. Was sie nicht hören will.

Unser Wortgefecht endet schließlich damit, dass wir beide wutentbrannt auflegen. Freundinnen werden wir in diesem Leben nicht mehr. Und im nächsten auch nicht. Aber karmatechnisch könnten wir ohnehin als Spinne und Ameise enden, also sollte das auch in Zukunft kein Problem sein.

Aber all das ist absolut nichts im Vergleich zu der Tatsache, dass Umut, Tilda, Inge, ihre Freundin Lore und ich das wohl ungewöhnlichste Ermittlerteam in der Geschichte Frankfurts abgeben müssen, weil Egomanen-Egon sich weigert mit Inge Klartext zu sprechen. Und so kommt es, dass wir vier in Umuts BMW Egomanen-Egon hinterherkriechen, der in seiner alten, goldenen Mercedes C-Klasse durch den Frankfurter Stadtverkehr tuckert.

Umut, den wir einfach mit dieser Aktion überfallen haben, als er die Schüssel abholen wollte, zieht genervt an seiner Zigarette, während Tilda ihm aufgeregt Anweisungen ins Ohr brüllt. »Jetzt fahr doch, wir verlieren ihn gleich!«

»Ich verliere gar niemanden.«

»Rechts, du musst rechts«, lässt Inge verlauten.

»Ja doch.« Umut stöhnt und ordnet sich hinter zwei Kombis ein.

»Ich wette, der Typ hat noch eine am Start«, kommentiert Tilda, während ich meine grüne Strickjacke enger um mich schlinge.

»Kannst du mal die Klimaanlage hochdrehen?«, will ich wissen, da ich unter meiner Jacke nur ein dünnes, sandfarbenes Longshirt und eine dunkelbraune Lederleggins trage, die absolut gar nicht wärmen möchten.

»Was ist aus ›im Zweifel für den Angeklagten‹ geworden?«, murmelt Umut und greift zum Temperaturregler.

»In welcher Welt lebst du eigentlich?«, hakt Tilda nach. »Ist doch klar, dass er noch eine hat.«

»Oh je.« Inge schluckt, während Umut noch über die Kreuzung huscht.

»Umut!«, kreischt Lore und krallt sich im Sitz fest. »Verkehrsregeln!«

»Es war orange, verflucht!«, schimpft er. »Und Tilda, nimm deinen Zeigefinger aus meinem Sichtfeld.«

Trotz Chaos und einem Beinahe-Unfall mit einem Pizzarollerfahrer sind wir fünf Minuten später noch immer an Egons schleichender Sardinenbüchse dran, als er plötzlich in eine der Parklücken zu unserer Rechten einschert und Umut scharf auf die Bremse treten muss, um ungesehen zu bleiben. Doch er schaltet schnell und lässt sein Auto hinter einem alten Golf einparken, sodass wir nur gefühlte zehn Meter von Egon entfernt zum Stehen kommen.

»Ich fasse es nicht«, bemerke ich, während wir bereit sind auf Tauchstation zu gehen. »Wisst ihr, wo wir sind?«

»Oh, ich weiß, wo wir sind«, murmelt Tilda. »Gleich um die Ecke ist die Rote Ecke des Bahnhofsviertels. Denkt ihr, dass Egon –«

»Achtung, er steigt aus!«, zischt Lore, was uns dazu bringt, die Köpfe einzuziehen, doch er biegt nicht in unsere Richtung ab, sondern in die entgegengesetzte, Richtung Rotlicht.

»Ihr bleibt hier! Ich fasse es ja nicht!«, schnappt Inge außer sich und reißt die Tür auf.

»Warte, ich komme mit!«, meint Lore, und dann sind die beiden auch schon um die Ecke verschwunden.

»Da wäre ich jetzt zu gerne Mäuschen.« Tilda seufzt, während Umut seine Fensterscheibe herunterlässt und nach seiner Kippenschachtel greift.

»Auf keinen Fall«, brummt er und hält Tilda die Zigarettenpackung hin, bevor er auch mir eine anbietet.

»Danke, nein. Ich versuche mich zurückzuhalten.«

»Denkt ihr, das dauert lange? Eigentlich sollte ich gegen fünf bei der Arbeit vorbeisehen und mir meinen Lohn abholen«, murmelt Tilda, während sie ihr Feuerzeug hervorkramt.

»Keine Ahnung.« Ich seufze. »Aber da gibt es Kaffee. Wollt ihr einen?«, biete ich an und deute auf das kleine Café, vor dem ein großes Schild mit den heutigen Angeboten steht.

»Latte, zwei Zucker«, erwidert Tilda und bläst den Rauch in meine Richtung.

»Umut?«

»Auch. Drei Zucker«, sagt er und stellt seine Anlage etwas lauter, während ich auf meinen hohen Schuhen aus dem Auto steige und die Zähne zusammenbeiße, weil meine Wade beim Aufstehen Zicken macht.

Mit mehreren Schokoladen-Cookies und den drei Getränken bepackt, die sich nur in ihrem Zuckergehalt voneinander unterscheiden, drücke ich mit dem Ellbogen die Tür auf und halte das Kaffeetablett aus Pappe ein wenig von mir weg, um zu sehen, wohin ich den nächsten Schritt setze. Die eine Stufe direkt nach der Tür ist mies, und ich teste erst einmal mit dem rechten und dann mit dem linken verletzten Fuß an, bevor ich mich die eine Stufe hinunterwage.

Ich kann Umut grinsen sehen und will ihm gerade einen blöden Spruch entgegenschleudern, als ich hart von der Seite angerempelt werde und mein Kaffee zusammen mit meinen Cookies auf dem Boden landet.

»Mann, pass doch auf, wo du hinläufst!«, stoße ich hervor, ehe sich zwei starke Hände um meine Oberarme schließen und mich davon abhalten, zu Boden zu stürzen.

»Oh Shit, tut mir leid … Ich habe dich nicht gesehen!«

Ich gebe ein Schnauben von mir und will schon dazu ansetzen, weiterzufluchen, als ich die breite Brust wahrnehme, über der ein angeschwitztes, graues Shirt spannt.

Ich sehe hoch. Und noch ein Stückchen höher und schlucke.

Was für ein Mann.

Für einen Moment bin ich sprachlos, während er die Stöpsel aus den Ohren zieht und seine Pulsuhr betätigt. Sein dunkelblondes Haar ist vom Joggen derangiert, und sein Dreitagebart gibt ihm etwas ungeheuer Verwegenes, während er mich aus blitzblauen Augen anstarrt.

»Schon gut«, murmele ich noch immer recht verdattert, während er sich bückt, um meinen verunglückten Kaffee und die Tüte mit den Keksen aufzuheben. Ich schätze ihn auf Mitte, vielleicht Ende zwanzig, wie er da in Laufklamotten vor mir steht und mich mit einem entwaffnenden Lächeln ansieht.

»Danke.«

»Tut mir wirklich leid wegen des Kaffees«, murmelt er und fährt sich verlegen durchs Haar, während er den schwimmenden Pappkarton betrachtet. »Ich kaufe dir neuen.« Damit lässt er die ausgelaufenen Becher in dem nebenstehenden Mülleimer landen und gibt mir meine Kekse zurück.

Ich schiebe mir eine lange Haarsträhne hinter die Ohren und versuche mich an einem gewinnenden Lächeln. »Ich fürchte, das muss ziemlich schnell gehen, denn meine Freunde und ich sind gerade auf einer Beschattungsmission.«

Er legt den Kopf schief. »Tatsächlich?«

»Ja.« Ich deute auf Umuts Wagen. »Und du?«

Er grinst mich über die Schulter hinweg an, als er mir die Tür zum Café aufhält. »Ich erkunde beim Laufen die Gegend. Es ist mein erster Tag hier.«

»Und, gefällt es dir bis jetzt?«, hake ich nach, während er darauf wartet, dass ich an die Theke trete.

»Ja. Gerade ist es wesentlich schöner geworden«, sagt er und lässt mir den Vortritt, um meine Bestellung noch einmal bei der netten Bedienung vorzubringen, die mir ein anerkennendes Nicken schenkt, als meine Zufallsbekanntschaft auf die Auslage sieht.

»Das geht auf mich«, sagt er an die Verkäuferin gewandt. »Ich bin übrigens Hendrik.«

»Lila«, erwidere ich fröhlich. »Ich würde dir anbieten, deine Fremdenführerin zu spielen, aber ich habe mir vor ein paar Tagen meine Wade gezerrt, und nun bin ich gerade nicht so laufstark.«

Er sieht an mir herab. »Dann solltest du keine hohen Schuhe tragen.«

»Mit denen tut es weniger weh«, sage ich gut gelaunt, während ich mir sieben Zuckerbeutelchen aus der Schüssel nehme, die neben der Kasse steht. »Unglaublich, aber wahr.«

Er runzelt die Stirn, bevor er mit den Schultern zuckt. »Na ja, wenn du Zeit finden würdest, könnten wir mal etwas zusammen trinken gehen. Also nicht jetzt, sondern wann anders. Abends«, fügt er hinzu und kramt aus seiner Hosentasche ein Bündel Scheine, die er mit einer Klammer zusammengepinnt hat.

»Ich schätze, das lässt sich einrichten«, meine ich charmant, während er den Kaffee bezahlt.

»Dann müsstest du mir nur mal kurz deine Nummer geben.«

Ich diktiere sie ihm, und er grinst wie ein kleiner Junge, als er mich anklingeln lässt. »Wie wäre es mit Freitag? Ich gebe eine Einweihungsparty in meiner Wohnung für meine neuen Arbeitskollegen. Du kannst natürlich auch ein paar Freunde mitbringen.«

»Eigentlich wollte ich fragen, ob du studierst«, schmunzle ich erstaunt. »Du bist also wegen eines Jobs hergezogen?«

Er kratzt sich verlegen hinter den Ohren. »Ja.«

Ich warte darauf, dass er mir einen Hinweis gibt, um was für einen Job es sich dabei handelt, doch stattdessen nimmt er das Tablett mit den Bechern an sich.

»Dann bringen wir das wertvolle Gut mal sicher zu deinen Freunden.«

»Traust du mir das etwa nicht zu?«

»Du bist verletzt«, erwidert er. »Wer bin ich, dass ich dich da etwas tragen lasse.«

»Machst du dich bereits über mich lustig?«, bemerke ich amüsiert. »Ich fasse es nicht.«

»Niemals.« Sein Lächeln ist zum Dahinschmelzen, als er die Tür aufstemmt und mich vorgehen lässt. Und ich bin einfach nur unglaublich glücklich, dass ich einigermaßen beschwingt neben ihm zu Umuts Wagen gehen kann und er mir sogar die Tür öffnet.

»Hey«, grüßt er Umut und Tilda freundlich, als ich eingestiegen bin und er mir meinen Kaffee reicht.

»Hallo«, gurrt Tilda vom Rücksitz, während sich seine blauen Augen noch einmal auf mein Gesicht richten.

»Es hat mich sehr gefreut, Lila. Ich schreibe dir wegen Freitag.«

»Mach’s gut und verlauf dich nicht«, entgegne ich ihm mit einem Lächeln, bevor er die Tür schließt.

Er hebt zum Abschied die Hand und verfällt dann nach ein paar Schritten in ein flottes Lauftempo, bevor er auf die andere Straßenseite wechselt und im Fußgängerstrom verschwindet.

Wir starren ihm alle drei hinterher, bevor Umut ein Seufzen von sich gibt. »Du hast dich erst von mir getrennt. Ich fürchte, ich muss darauf bestehen, dass du zumindest eine Woche wartest, bis du dich ihm an den Hals wirfst.«

»Umut. Hast du den Kerl gesehen?«, bringt Tilda erbost hervor. »Für den hätte dich jede verlassen.«

»Nein, für den hätte ich jede verlassen«, korrigiert Umut sie mit einem Lächeln auf den Lippen, und ich werfe meinen Freunden einen bösen Blick zu.

»Eigentlich wollte ich euch beide fragen, ob ihr am Freitag auf seine Einweihungsparty mitkommen wollt, aber ich glaube, das hat sich soeben erledigt.«

»Ich benehme mich«, meint Tilda empört. »Immer. Und Umut ist offiziell ja nicht schwul.«

»Nein, was habe ich für ein Glück«, brummt er und nimmt sich einen Kaffee aus der Halterung, bevor er sich die Zuckerbeutel und den Rührer schnappt.

»Ich sage es ja nur. Und Anne benimmt sich ohnehin immer.« Tilda lehnt sich nach vorn und holt sich ebenfalls Kaffee und Zucker.

»Na schön. Keks zum Kaffee?«, will ich von Umut wissen, und er nickt finster.

»Gleich. Erst rühren.«

Ich warte, bis er und Tilda mit ihrer Kaffeesüßung fertig sind, bevor ich beiden einen Cookie reiche und mich dann selbst meinen Sachen widme.

»Wie heißt der Typ?« Tilda kaut.

»Hendrik.«

»Nett.« Umut krümelt und wischt sich über sein dunkelgrünes Shirt, auf dem ein Paar Sneaker abgebildet ist. »Auch wenn sein Name nicht mit seinem Arsch mithalten kann.«

»Hm«, stimmt Tilda ihm zu. »Aber nur um ganz sicherzugehen, werde ich mir das am Freitag noch einmal genauer ansehen.«

»Ja, das sollten wir definitiv tun«, meine ich, während ich meine Haare über die Schulter werfe und den Zuckerbeutel schüttele. Im nächsten Moment müssen wir unser Gerede über Hendrik auch schon beenden, denn Inge biegt um die Ecke, vollkommen aufgelöst, Lore in ihrem Windschatten.

»Schätze, wir sollten Egomanen-Egon von jetzt an Porno-Egon taufen.« Ich schnaube wütend, während Inge um Fassung ringt.

»Jepp«, grummelt Umut.

Inge winkt ab, als ich die Autotür öffne, um zu fragen, was passiert ist.

»Ich will nicht darüber reden«, quetscht sie hervor. »Lasst uns einfach fahren und nie wieder über ihn reden.«

Die Mafia lädt zum Hausbesuch

Hendriks Einweihungsparty ist lahm. Der Grund, weshalb er seinen Job nicht verraten wollte, ebenso. Er ist Steuerberater. Das ist langweilig. Und aus familiären Gründen ist es mir absolut unmöglich, angesichts dessen eine Beziehung mit ihm zu führen. Zumindest nicht, wenn unsere Familie je wieder ein anderes Thema an Weihnachten und sonstigen hohen Feiertagen finden soll, an denen ich sie treffe. Männer, die den gleichen Job wie mein Vater haben, sind einfach ein No-Go.

Ich nippe an meinem Sekt, während ich so tue, als würde ich mich ernsthaft für das Handicap seines Chefs interessieren. Hendrik mustert mich unterdessen aufmerksam und füllt mir immer wieder mein Glas auf, bevor ich auf dem Trockenen liege. Eine gute Idee in Anbetracht der Tatsache, dass ich inmitten eines Schwarmes von Zahlendrehern stehe.

»Lila, hm? Hat Ihre Mutter so viel Futurama gesehen?«, witzelt plötzlich eine von Hendriks Kolleginnen aus dem Nichts. Sie ist Anfang Mitte dreißig und von Kopf bis Fuß mit ihrer Arbeit verheiratet. Sie trägt nur einen Hauch Make-up und ein Etuikleid, das an ihrer stockdürren Figur wie ein Sack hängt.

»Nein. Meine Oma hieß genauso«, erwidere ich ihr mit einem Lächeln. »Außerdem schreibt man Leela aus Futurama mit doppeltem E.«

Ich wünschte, Hendrik wäre ein wenig interessanter und kein Steuerberater, wobei ich nicht genau weiß, was ich schlimmer finden soll. Doch in der Kombination ist es einfach quälend langweilig. Es hat bei unserem ersten Zusammentreffen so gut begonnen. Und nun das.

Als ich mich um circa halb eins verabschiede und Hendrik mich zur Tür begleitet, weiß ich, dass es das war. Zumindest von meiner Seite aus. Hendrik hingegen fragt mich, ob wir uns nächste Woche sehen. Ich stimme zu und verspreche, ihn anzurufen. Was ich nicht tun werde, aber aus Rücksicht auf seine Party und seine schönen blauen Augen erlaube ich ihm diesen Triumph vor seinen Gästen.

Ich beeile mich, das Treppenhaus hinunterzukommen, und halte auf das wartende Taxi zu, das er mir gerufen hat, nenne meine Adresse und lasse mich schließlich erleichtert in den Fond des Wagens sinken.

»Schlechte Party?«, will der Fahrer wissen.

Ich seufze. »Steuerberater.«

»Wie bist du denn da gelandet?«, hakt der südländisch aussehende Mann in den Vierzigern nach.

»Der Kerl hat sich als normales Individuum getarnt.«

»Das tun sie alle. Meine Frau war zuerst auch ein ganz süßes Ding und dann plötzlich ein Drache. Aber zu spät. Ich war bereits mit einem Ring gefesselt.«

»Typisch«, stimme ich ihm zu, was er zum Anlass nimmt, sich über seine Ehe auszulassen. Ein Thema, dem ich erst entkomme, als ich aus dem Taxi steige.

Auf der Suche nach dem Schlüssel durchforste ich meine Handtasche und frage mich auf dem Weg zur Haustür mal wieder, weshalb Schlüssel immer ganz unten liegen, als plötzlich ein Schatten auf mich fällt.

Aus den Augenwinkeln heraus nehme ich nur eine schwarze Gestalt wahr, und mein Herz klopft schneller.

»Guten Abend«, grüßt mich jemand unvermittelt, und ich zwinge mich aufzusehen.

Vor mir steht Sergej Winter. Im Schummerlicht der Straßenlaterne verschmilzt er beinahe mit seiner Umgebung, doch seine braunen Augen sind seltsam lebendig.

»Hallo«, bringe ich verdattert raus. »Was tun Sie so spät hier?«

»Ich habe nach den Fortschritten der Handwerker gesehen. Ich habe nicht vor, Sie zu überfallen.« Er fixiert mich abwägend, ganz so, als wäre er nicht sicher, weshalb ich ihn das frage.

»Das ist gut. Ich meine – natürlich nicht. Wieso sollten Sie auch?«, stammele ich aus dem Konzept gebracht und fasse meine Tasche ein wenig fester.

»Richtig.« Seine Augenbrauen senken sich, und ich kapiere zu spät, dass er einen Scherz gemacht hat. »Noch einen schönen Abend, Lila.«

»Ihnen auch«, wispere ich, und er schenkt mir ein schmales Lächeln, das mir verrät, dass ich nicht die Einzige bin, die mein Timing verwunderlich findet. Und während er noch davongeht und sich sein Auto entriegelt, dringt langsam durch meine Synapsen, dass er sich meinen Namen gemerkt hat. Trotz meines Auftritts. Oder vielleicht genau deswegen.