Manuelle - Susanne Hühn - E-Book

Manuelle E-Book

Susanne Hühn

4,9

Beschreibung

Zwischen Manuel und Carola liegt ein ganzes Gebirge. Manuel ist ein Student der Philosophie, cool, gut aussehend, arrogant. Er legt Frauen flach wie andere ihre Bügelwäsche zusammen. In seiner Stammdisco lernt er Carola kennen, doch diese entzieht sich zunächst seinem Charme. Gerade neu in die Stadt gekommen, ist sie dabei, sich selbst zu finden und zu erkennen, was sie wirklich will. Sie öffnet sich für den spirituellen Weg und wünscht sich, die wahre, bedingungslose Liebe zu erleben. Auch Carola studiert, und die beiden lernen sich näher kennen - doch Manuel hat ein Geheimnis, das er sorgfältig hütet. Es gibt bereits eine Frau in seinem Leben: Manuelle. Hin- und hergerissen zwischen beginnender Liebe und tiefster Scham über das, was er nicht zeigt, was er nicht versteht und doch leben muss, zeigt er sich Carola schließlich mit all dem, was ihn bewegt - und verliert sie. Sie hält dem, womit sie umgehen muss, nicht stand, kehrt zurück in die vertraute Beziehung mit ihrem Jugendfreund. Wird die Liebe, die alle Grenzen überwindet und tatsächlich bedingungslos ist, dennoch siegen?

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SUSANNE HÜHN

Manuelle

Roman

Über die Autorin

Susanne Hühn wurde 1965 in Heidelberg geboren. Schon mit fünf Jahren beschloss sie, Masseurin zu werden. Nach dem Abi­tur besuchte sie eine Schule für Physiotherapie, machte 1986 ihr Staatsexamen und arbeitete danach als Kranken­gymnastin.

Der Zusammenhang zwischen dem Denken und Fühlen und dem körperlichen Symptom, das ihre Patienten jeweils zeigten, interessierte Susanne Hühn besonders, und so absolvierte sie Ausbildungen und Seminare zum Thema ganzheitliche Medizin. Mit 28 Jahren ließ sie sich zur psychologischen Beraterin ausbilden, und aufgrund eigener Themen kam sie in Kontakt mit spirituellen Therapieformen.

Parallel zu ihrer Tätigkeit als Physiotherapeutin begann Anfang der Neunzigerjahre Susanne Hühns Weg als spirituelle Lebensberaterin und Meditationslehrerin. Zudem fing sie 1992 an zu schreiben. Nach wie vor faszinierte sie der Zusammenhang zwischen Körper, Geist und Seele, und so begab sie sich auf ihre eigene Forschungsreise. Ihr erstes spirituelles Selbsthilfebuch entstand 1999 und wurde im Schirner Verlag veröffentlicht.

Im Jahr 2005 beendete Susanne Hühn ihre Tätigkeit als Physio­therapeutin. Seither widmet sie sich ganz der Lebensberatung und dem Schreiben von Büchern, Artikeln und Geschichten.

Die Handlung und die Personen in diesem Buch sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlich lebenden, realen Personen ist zufällig oder ließ sich nicht vermeiden, weil das Leben manchmal einfach so ist.

 

Originalausgabe

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten

ISBN 978-3-8434-6066-8

© 2013 Schirner Verlag, Darmstadt

1. E-Book-Auflage 2014

Umschlag: Murat Karaçay, Schirner, unter Verwendung von # 46241656 (konradbak) und # 13670711 (MeiKIS), www.fotolia.de Redaktion: Tamara Kuhn, Schirner E-Book-Erstellung: HSB T&M, Altenmünster

www.schirner.com

Inhalt

Über die Autorin

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MAI

Susanne Hühn über »Manuelle« und das Schreiben von Romanen

 

 

 

 

Für alle, die von Anfang anan mich geglaubt habenund mich dazu ermutigt haben,weiterzumachen.

DANKE.Ohne euch geht’s nicht.

1

Manuelle drehte sich vor dem Spiegel und überprüfte nervös den Sitz ihres trägerlosen Ballkleides aus weißer, paillettenbesetzter Seide. Niemand hatte sie je zu Gesicht bekommen, niemand kannte sie, doch das würde sich in ein paar Minuten ändern. Heute war der Tag, an dem sie ihren ganzen Mut zusammennehmen und sich zum ersten Mal der Welt zeigen wollte.

Sie zupfte am Mieder. War es nicht viel zu gewagt? Sah man den halterlosen BH? Doch es gab nichts zu verbessern, alles saß perfekt und genau da, wo es hingehörte. Sie griff zum wiederholten Mal nach dem funkelnden Parfümflakon und besprühte sich einmal mehr mit der kostbaren Flüssigkeit. So langsam roch sie, als wäre sie hineingefallen.

Aufgeregt und zaghaft zugleich schlüpfte sie in ihre extrahohen Seidenschuhe, stöckelte ein paar Schritte und begann stolz zu lächeln. Sie drehte sich einige Male zur Probe, ihre langen Haare und der weiche Rock flogen nur so. Bei der letzten Drehung erhaschte sie einen Blick auf ihr Spiegelbild.

Manuelle hielt inne. Langsam sank sie auf einen Stuhl. Was hatte sie sich nur gedacht? Sie griff in ihre perlenbestickte Handtasche und zog die goldgeränderte Eintrittskarte heraus – ein begehrtes, sündhaft teures Stück Pappe. Lange wanderte ihr Blick zwischen der Karte und ihrem Spiegelbild hin und her.

Als sie die Karte langsam zerriss, gerann ihr Lächeln, und Tränen liefen ihr über die Wangen. Ihr Make-up verschmierte, sie rieb es sich vom Gesicht. Plötzlich ertrug sie auch ihr Kleid nicht mehr und fetzte es sich vom Körper. Nach einigen Augenblicken war sie völlig nackt.

Sie ballte die Fäuste, schlüpfte in ein T-Shirt und Jeans, holte ein Bier aus dem Kühlschrank – und Manuel schaltete den Fernseher ein. Länderspiel.

Das Telefon klingelte.

»Ja?«, schnauzte er.

»Hey, Manuel, wir sitzen hier im Goldenen Eck und schauen uns das Spiel an. Willst du nicht rüberkommen? Ein kühles Blondes wartet schon auf dich!«

»Hallo Micha. Hab keinen Bock. Aber danke, dass du angerufen hast.«

»Ist doch klar. Alles in Ordnung mit dir? Du klingst so komisch.«

»Nee, nix. Bin erkältet. Mach’s gut.«

Fuck. Nichts lag Manuel ferner, als sich jetzt mit seinen Kumpels in der Kneipe zu treffen. Seine Kehle begann zu brennen, verdammt, er würde nicht weinen.

Manuelle. Wann war sie zum ersten Mal aufgetaucht? Er wollte sich lieber nicht mehr daran erinnern, wie schwierig es am Anfang gewesen war. Bis er sich überhaupt erst einmal eingestanden hatte, dass es sie gab! Jahrelang hatte er sie unterdrückt, immer das Gefühl mit sich herumtragend, dass irgendetwas nicht in Ordnung war mit ihm – und alles, was er gewollt hatte, war, so zu sein wie die anderen. Dann hatte er im Fernsehen einen Bericht über Transvestiten gesehen, und plötzlich wusste er, dass es keine Krankheit war, sondern einfach eine Art zu leben. Eine äußerst beschissene Art zu leben. Die niemand, inklusive ihm selbst, verstand und die ihn sehr einsam machte.

Manuel ging in die Küche, um sich ein zweites Bier zu holen. Im Flur fiel sein Blick in den Garderobenspiegel. Da hing noch ein Rest Wimperntusche in seinem Augenwinkel.

»Schwuchtel. Verdammte, abgefuckte Schwuchtel!«, zischte er sich zu.

Natürlich hatte er, wie alles andere in seinem Leben auch, seine besondere Situation vollkommen unter Kontrolle. Er hatte sich Kleidung und Schuhe von Onlineshops schicken lassen, seine Kosmetikartikel bestellte er auch übers Internet, und er kannte aus verschiedenen Chats eine Menge anderer Männer, die ihm ähnlich waren. Sie hatten ihn ermutigt, zu diesem Ball zu gehen, dort wollten sie sich zum ersten Mal treffen. Für viele Menschen dieser Chatgruppen war der Ball die erste Gelegenheit, sich unter die Leute zu trauen. Doch er hatte es verpatzt.

»Schwächling!«, raunte er sich ins Ohr, als er auf dem Weg von der Küche zurück ins Wohnzimmer wieder am Spiegel vorbeikam.

Gelangweilt sah er sich das Fußballspiel an. Er trank noch zwei weitere Flaschen Bier, bevor er sich ins Bett legte. Er griff nach seinem Schwanz und rieb ihn, bis er freudlos kam. Doch noch immer war er nicht müde, es war Sonntagabend, und er hatte lange geschlafen, weil er vorgehabt hatte, für den Ball fit zu sein. Er stand wieder auf, duschte sich das Parfüm vom Körper und zog sich an. Das Machooutfit der Achtziger, Lederhose, Hemd, Lederjacke. Er mochte es immer noch.

Ich geh noch ´ne Runde vögeln, dachte er, wenn ich schon nicht als Frau weggehen kann, will ich wenigstens eine im Bett haben.

Mehr – echte Nähe oder gar Liebe – war für ihn ja sowieso nicht drin. Und Sex funktionierte immer, für ein paar Stunden fühlte er sich erfüllt und lebendig.

Marc, der Türsteher seiner Stammdisco, grüßte ihn erfreut. »Na, Alter, warum kommst du so spät, wo treibst du dich denn rum?«

»Viel zu tun. Wer ist alles da?«

»Deine Kumpels von der Band. Außerdem jede Menge schöner Frauen. Geh rein, und amüsier dich!«

Manuel wollte dem Kassierer die zehn Euro Eintrittsgeld in die Hand drücken, doch dieser winkte ab. »So ein hübscher junger Mann braucht nicht zu bezahlen«, säuselte er.

Manuel lachte und schüttelte seine lange Mähne auf den Rücken. Er wusste, dass Dave schwul war, und er bewunderte ihn für die Art, wie er dazu stand. Doch auch mit ihm konnte er nicht über Manuelle reden, denn er würde es nicht verstehen. Es hatte nichts mit dem zu tun, was Dave war.

Die Disco war in verschiedene Bereiche unterteilt. Es gab eine Kaffeebar, schicke Cocktailbars mit teuren, angeberischen Drinks, einfache hölzerne Bars, an denen man Bier bekam, ohne Schnickschnack, einfach Bier. Eine marmorne Champagnerbar bediente alle, die wirklich viel Geld ausgeben wollten. Außerdem besaß das Black Panther einen Kinosaal, ein Bistro mit köstlichen Baguettes, einen Billardraum und natürlich die golden schimmernde, glatte, exotisch angestrahlte Mitte, auf der das Leben einen ekstatischen Ausdruck fand. Die Tanzfläche wurde von verspiegelten Säulen begrenzt, dazwischen befanden sich Stehtische. Behagliche Clubsessel waren in einer geschützten Ecke im New-York-Style zwanglos gruppiert, hier konnte man durchaus den ganzen Abend verbringen, trinken, schwatzen, Karten spielen und die verschiedensten Nachtschwärmer beobachten. Einige Leute brachten sogar ihre Laptops mit und nutzten die Nacht und die wirklich bequemen und deshalb sehr begehrten Sessel zum Arbeiten, Chatten, Schreiben. Hätte es einen Schlafsaal gegeben, wären viele der Gäste gar nicht mehr heimgegangen.

Manuel ging die Treppe hinab und öffnete den schweren Trennvorhang. Laute Musik und zuckende Lichter schlugen ihm entgegen. Sofort hob sich seine Laune, das hier war seine Welt. Er sah sich um, entdeckte aber auf den ersten Blick kein vertrautes Gesicht. An einer Bar stürzte er ein Glas Cola hinunter und schlenderte zur Mitte der Disco. Die Tanzfläche war bereits ziemlich voll. Tatsächlich, es gab viele unbekannte Gesichter. Klar, die Uni hatte wieder angefangen, und neue Studenten machten sich in der Stadt breit. Er taxierte die Frauen, die sich wie auf einer Bühne zur Musik bewegten. Keine gefiel ihm so richtig, aber der Abend hatte ja erst begonnen.

Manuel stellte sich in Position, breitbeinig, die Arme verschränkt. Er war ein gut aussehender cooler Typ, und die Frauen wollten ihn so. Und er wollte die Frauen, die auf coole Typen standen, denn das waren die, die bis morgens um vier hier tanzten und sexy zurechtgemacht waren. Er liebte es, wenn Frauen hingegeben tanzten, die Haare von links nach rechts warfen und lasziv die Hüften schwangen. So, wie sie tanzten, so waren sie auch im Bett, war seine Erfahrung. Er genoss diese prickelnde, erotische, aber unverbindliche Atmosphäre, und er liebte die harte, rhythmische Musik, die hier gespielt wurde. Die Frauen hier waren nicht diese schüchternen Mauerblümchen, die gleich beleidigt waren, wenn man sie zufällig am Busen berührte, sondern sie lächelten vielsagend und präsentierten sich noch offener. Keine Spielchen, keine Masken. Hier ging es um nichts als Sex, und das war es, was seiner Meinung nach jeder, der in diesem Schuppen tanzte, wollte. Genau wie er. Und so war es gut.

Nun begann ein Stück, das Manuel liebte. Er betrat die Tanzfläche – wohl wissend, dass er beobachtet wurde – und begann, sich in die Musik fallen zu lassen. Nach wenigen Augenblicken war es ihm gleichgültig, wie er wirkte, er ließ sich vom harten Bass beherrschen, und seine langen Haare flogen hin und her, genau so, wie er es bei Frauen mochte. Viele Männer bewegten sich he­rausfordernd zum Takt der Musik, um die umstehenden Frauen zu beeindrucken – nicht nur Auerhähne tanzten den Balztanz –, aber Manuel liebte das Tanzen wirklich. Er gab sich ganz dem Rhythmus hin und spürte die Musik mit jeder Faser seines Körpers. Seine Zellen pulsierten im Rhythmus des Schlagzeuges, er sang die Worte mit, sah sich auf der Bühne mit dem Mikro in der Hand, die Massen beherrschend, spürte die Magie dieses brachialen, unerbittlichen Songs, der wie ein Presslufthammer in seinem Bauch wummerte.

Das ist besser als Sex, dachte er, bevor ihn dieses innere Jauchzen überkam, das er nur hier, nur auf diesem golden schimmernden Tor zur Glückseligkeit erfahren konnte.

Viele Frauen bekamen sehnsüchtige Augen, wenn er seine schloss. Das war bestimmt einer, der seine Gefühle zeigen könnte, wenn er sie in seine starken Arme nähme … Die, die besser auf sich aufpassen konnten, durchschauten das Spiel. Dieser Typ konnte mit genau dieser Masche sicherlich alle haben, und so, wie er aussah, nahm er sie sich auch.

Das Lied lief bombastisch aus, Manuel erwachte aus seiner Trance und sah sich nach seinen Freunden um. Er entdeckte sie schließlich an der Bar, die sich durch den ganzen Raum zog und völlig belagert war.

»Na, Alter, bist spät heute!« Rollo, Roland Landmann im wahren Leben – der Name war so bescheuert, dass er ihn nun in dieser Kurzform ertragen konnte, hatte er beim ersten Kennenlernen kundgetan –, schlug Manuel auf die Schulter, so fest, dass sogar er in die Knie ging. »Gute Frauen, was?«

Manuel bestellte ein Bier, vor seinen Freunden trank er ganz sicher keine Cola.

»Dafür war das Spiel scheiße. Was war denn mit dir los?«

»Kein’ Bock.«

Rollo gab sich damit zufrieden. »Schon ´ne Frau aufgerissen?«

Manuel ließ seinen Blick über die Menschenmenge schweifen. Da hinten, eine langhaarige Blonde in einem Lederkleid – nein, an der hing schon einer. Frauen abzuwerben war ihm viel zu anstrengend, außerdem gab es genug andere. Die Blonde erwiderte seinen Blick – sie hätte nichts dagegen gehabt, den Typen loszuwerden, der schon den ganzen Abend an ihr klebte –, aber Manuels Augen waren schon weitergewandert. Es musste »Klick« machen, es musste dieses bestimmte Gefühl sein, eine Art Doppelschlag im Herz, der direkt in seine Lenden hinunterfuhr. Es zog ihn wieder an den Rand der Tanzfläche. Irgendwo würde sie sein, und wenn er sie nicht gleich entdecken würde, wäre es auch egal. Ein paar weitere Bier würden schon dafür sorgen, dass er in irgendeiner Frau die Sexgöttin der heutigen Nacht erkannte.

Die Musik wechselte, Manuel trat erneut auf die Tanzfläche – und sein Herz schlug einen Takt schneller. Da war sie! Zufrieden grinsend begann er zu tanzen. Diesmal behielt er die Augen offen, er sah die Frau an und zog eine Augenbraue hoch. Wenn sie sich jetzt nicht wegdreht, haben wir eine Verabredung, dachte er gespannt. Sie tat es nicht, sondern sah ihm glücklich lächelnd in die Augen, als sie den Text mitsang.

Er lächelte zurück und betrachtete sie unverhohlen. Sie hatte genau die richtige Größe und lange rötliche Haare, die sie wohl nach dem Waschen geflochten hatte, sodass sie jetzt schön gewellt waren. Kein Haarspray, bemerkte er, gut. Er hasste Haarspray, auch Manuelle benutzte nie welches. Es klebte so schrecklich, wenn man schwitzte. Sie trug einen weiten schwarzen Spitzenrock und eine Lederjacke, schwarze Stiefeletten und Handschuhe. Edel, sehr Achtziger, sehr Madonna, super. Er liebte den Achtzigerstil. So ein bisschen moderne Hexe. Hoffentlich war sie nicht zickig. Doch ihr Tanzstil war vielversprechend, sie wirkte locker und doch wild. Kontrolle – der Hintern bewegte sich. Gut so.

Das Lied lief aus, und er verließ die Tanzfläche. Wenn sie das Spiel beherrschte, blieb sie noch ein, zwei Lieder und zeigte, was sie konnte. Tatsächlich, sie tanzte weiter. Sie schüttelte ihre Haare, doch sie sah ihn nicht mehr an. Sie lächelte noch immer verzückt und hielt die Augen geschlossen, gab sich ganz der Musik hin.

Du hast mich schon, Baby, dachte er belustigt, du brauchst nicht die Hingebungsvolle zu spielen.

Aber irgendwie war es auch süß. Die meisten Frauen, die sich so rasch auf seine Anmache einließen, wirkten – wohlweislich – unglaublich cool. Ganz sicher nicht hingebungsvoll oder gar verletzlich.

Sie tanzte immer noch. So langsam verlor er bereits wieder das Interesse. Er drückte sich durch die Menge zur Cocktailbar und bestellte einen »Swimming Pool«, Bananensaft mit Blue Curaçao. Auf dieses süße Zeug standen die meisten Frauen. Endlich kam sie von der Tanzfläche, doch sie lehnte sich einige Meter von Manuel entfernt an eine der Säulen, die die Tanzfläche begrenzten. Nun, er kannte das Spiel in allen Variationen – wenn sie erobert werden wollte, auch gut. Er schlenderte zu ihr hinüber.

»Was zu trinken?«

Sie hob verwundert den Kopf. »Danke, lieb von dir. Bist du immer so aufmerksam?«

»Nur wenn jemand so hübsch ist wie du!«

Sie sah ihm prüfend in die Augen und sagte nichts.

»Wie heißt du?«, fragte Manuel.

Wie heißt du? Noch so ein genialer Text und du kriegst hier Hausverbot, dachte er.

»Carola, und du?«

»Ich bin Manuel. Willst du noch lange bleiben?«

Sie sah ihn wieder fragend an. »Ja, ein bisschen. Wa­rum?«

»Nun, ich dachte, wir könnten ja vielleicht zusammen …« Manuel verstand endlich. »Sag mal, bist du öfter hier? Ich hab dich noch nie gesehen!« Plötzlich war er sicher, dass sie ihm aufgefallen wäre.

»Nein, aber das wird sich ändern. Ich habe gerade erst angefangen, hier in Berlin zu studieren. Zum Glück gibt es hier gute Musik, da fühle ich mich gleich ein bisschen heimischer.«

Fast hätte Manuel losgelacht. Und er hatte gedacht … »Was studierst du denn?«

Dann quatschte er sie eben ins Bett, beschloss er, dazu brauchte sie die Regeln nicht zu kennen. Was waren das auch groß für Regeln, man gefiel sich, sprach sich kurz ab – »Zu dir oder zu mir?« – und tat, wozu man Lust hatte.

»Psychologie.«

Carola wartete. Würde er die obligatorische Frage stellen?

»Nimmst du mich mal mit auf deine Couch?«

Sie gähnte unverhohlen, da war sie auch schon. Also gab sie die Standardantwort auf zudringliche Phrasen: »Gern. Deine Diagnose wäre sicher Penisneid.«

Manuel schluckte. Was für eine Ziege war denn das? Arrogant, eingebildet und bestimmt unglaublich eitel. Doch dann fing er an zu lachen. Der Spruch war ja auch wirklich zu blöd.

»O. k., stopp. Es tut mir leid, das war ziemlich daneben. Lass uns tanzen gehen.«

Carola sah ihn verwundert an. Ein Mann, der sich entschuldigte! Sie nahm einen Schluck von dem blassblauen Cocktail. Puh, war der stark! Unauffällig stellte sie das Glas ab. »Nein, ich muss nach Hause. Tut mir leid.«

Besser, sie ging, den würde sie sonst nicht mehr loswerden. Sie war nicht besonders gut darin, Männer abzuweisen, sie war eben viel zu nett und wollte niemanden verletzen.

Manuel legte den Arm um sie und fragte: »Soll ich mit zu dir kommen?«

Hä? Wieso denn das, fragte sie sich. »Nein, lass mal.« Sie wand sich, um seinen Arm abzuschütteln.

»Dann gib mir wenigstens deine Telefonnummer, das bist du mir schuldig.« Manuel musterte sie mit hochgezogener Augenbraue.

War sie das? Vielleicht, sie wusste es nicht. Also holte sie sich einen Zettel und einen Kugelschreiber von der Bar, schrieb die Nummer auf und hoffte, dass er nie, nie anrufen würde. Er sah viel zu gut aus. Und bestimmt konnte er wirklich jede haben.

2

Carola ging hocherhobenen Hauptes durch die schlecht beleuchteten Straßen der Großstadt, wartete viel zu lange an einer windigen Bushaltestelle, senkte den Blick, als sich ein finster aussehender Mann zu dicht neben sie stellte, und atmete erleichtert auf, als der Nachtbus endlich um die Ecke bog.

Hilfe! Diese Stadt war eindeutig zu groß für sie, zu groß, zu gefährlich, zu fremd. Und dann auch noch dieser Manuel, war sie es ihm wirklich schuldig gewesen, ihm ihre Telefonnummer zu geben? Warum eigentlich?

Du bist total bescheuert, dachte sie, als ihr klar wurde, worauf sie reingefallen war. Du lässt dich noch genauso einschüchtern wie als Kind, wenn du so weitermachst, wirst du in ein paar Wochen geschändet und verloren im Straßengraben liegen. Und du wirst es nicht besser verdient haben. Reiß dich zusammen, du kriegst das schon hin. Du wolltest nach Berlin, jetzt bist du in Berlin, also zieh es durch.

Sie blickte auf, dem finster aussehenden Mann, der ihr gegenübersaß, genau in die Augen. »Und du verpisst dich!«, zischte sie ihm zu.

Er verzog das Gesicht, stand auf und stieg an der nächsten Haltestelle aus. Triumphierend ballte Carola die Faust. Männer! Lächerlich, ihre Angst. Männer zogen wie kleine Kläffer sofort den Schwanz ein, wenn man ihnen nur energisch genug entgegentrat.

Als sie sich endlich in ihrem provisorischen Bett – die Wohnung war noch lange nicht behaglich eingerichtet – zurechtzukuscheln versuchte, fühlte sie sich zuversichtlich. Sie war vor Manuel geflüchtet, anstatt laut und deutlich Nein zu sagen, na und? Deshalb war sie ja in dieser Stadt und stellte sich den Herausforderungen, um selbstsicher und stark zu werden.

Es wäre so leicht gewesen, im trauten Nest zu bleiben, in einem Büro zu arbeiten und Hans, ihren verlässlichen Freund, zu heiraten. Leicht und entsetzlich langweilig. Nach ihrer soliden Ausbildung zur Buchhalterin hatte sie beschlossen, zu studieren, weil sie bei der Vorstellung, für den Rest ihres Lebens mit Zahlen zu hantieren, am liebsten auf der Stelle eine Urne bestellt hätte. Außerdem hörte sie sowieso andauernd Leuten zu, wenn diese Probleme hatten, also konnte sie genauso gut Geld damit verdienen.

»Wenn du fertig bist, bist du weit über dreißig!«, hatten ihr wohlmeinende Freunde ins Gedächtnis gerufen. »Das wirst du auch sein, aber ich habe dann Spaß, und du versauerst hier!«, hatte sie gekontert. Stimmte doch. Gab es das, sollten das Freunde sein? Wenn sie jetzt nicht ging, würde sie es mit Mitte vierzig tun, aber dann mit Scherbenhaufen, Scheidung und Karacho. Oder sie würde so werden wie ihre Mutter, die schon mit einem Ausflug in die nächstgrößere Stadt völlig überfordert war und sich tagelang in Ängsten wand. Die Arme.

Doch als sie am nächsten Morgen erwachte, überfiel Carola die Ungeborgenheit wie ein Ungeheuer, Unabhängigkeit hin oder her. Sie griff hastig zum Telefon.

Eine verschlafene Stimme meldete sich. »Ja?«

»Hallo Hans, hier ist Carola. Habe ich dich geweckt?«

»Ja, aber du darfst das. Guten Morgen, mein Mäuschen.«

»Guten Morgen. Ist das schön, deine Stimme zu hören. Ich vermisse dich unglaublich. Sag mal – willst du nicht am Wochenende kommen? Die Wohnung ist zwar noch nicht fertig, aber wenn du hier wärst, würde ich mich sofort wohlfühlen.«

Sie sah voller Hoffnung auf das Telefon, hielt es dann kopfschüttelnd wieder an ihr Ohr.

»Schatz, ich weiß es noch nicht. Ich habe vielleicht am Sonntag ein Handballspiel. Ich vermisse dich auch, aber das war uns doch klar. Sei nicht sauer.«

»Nein, natürlich nicht. Es wäre nur schön gewesen. Und wenn ich heimkomme?«

»Carola, das ist doch blöd. Ich hätte kaum Zeit für dich. Gib dir selbst eine Chance, und lebe dich erst mal ein.«

»Ja, du hast ja recht. Aber ich vermisse dich eben.« Sie verzog ihr Gesicht. War das ihre Stimme gewesen, die so traurig und bedürftig geklungen hatte?

»In zwei Wochen komme ich auf jeden Fall. Ich verspreche es dir. Und vielleicht klappt es ja doch schon nächstes Wochenende. Ich liebe dich.«

»Ich dich auch.« Es klickte.

Carola hielt das Telefon noch einige Augenblicke in der Hand. Wenn sie jetzt auch auflegte, war die Verbindung weg. Doch sie hatte ja keine Wahl.

Sie tappte in ihre Küche und setzte Kaffee auf. Zum Glück hatte sie heute viele Vorlesungen, da würde sie nicht allein sein müssen. Während der Kaffee durchlief, wusch sie die drei Tassen ab, die in der Spüle standen.

Dann nahm sie die volle Kanne, eine Tasse und eine Tüte Milch mit an ihr Bett und kuschelte sich wieder unter die Decke. Eine Schachtel Kekse lag vom Vortag noch da. Während sie Kaffee trank und Kekse aß, dachte sie an Hans, an ihre Familie und an ihre Freunde. Sie hatte sich erst vor zwei Wochen von ihnen verabschiedet, und doch fühlte sie sich, als wäre sie bereits Monate fort.

Ihre Freunde hatten sie letztlich glühend beneidet, doch als Carola sich von ihren Eltern verabschiedet hatte, hatte es sich angefühlt, als würde ein Teil ihres Herzens gewaltsam aus ihrer Brust gerissen werden. Sogar ihr Vater hatte geweint, zum ersten Mal, seit sie denken konnte. Ihre Eltern und Hans hatten sie zum Bahnhof gebracht, ihr Glück und viel Kraft gewünscht, während sie die Tränen voreinander verbargen. Carola war leblos wie eine Stoffpuppe abgefahren, abgeschnitten von sich selbst, von ihren Gefühlen, von ihrem Herzen. Anders hätte sie es nicht geschafft, sie wäre sonst aus dem Zug gesprungen und hätte sich in die Arme ihres Vaters gestürzt. Und es am nächsten Morgen bitter bereut.

Sie hatte in ihrer Heimat eine kleine Wohnung unterm Dach im Haus ihrer Eltern gehabt, sie war sehr, sehr wohlbehütet, geborgen und entsetzlich unfrei gewesen. Doch ihr hatte es gereicht, und wozu hätte sie mit ihrem lächerlichen Gehalt Miete zahlen sollen, hatten ihre Eltern zu Recht angemerkt. Und der Fairness halber musste Carola zugeben, dass sie sie vollkommen in Ruhe gelassen hatten. Und doch – wann immer sie etwas brauchte, war es im Haus, sie hatte sich nie um Toilettenpapier oder Waschmittel sorgen müssen. Ihre Wohnung war warm, trocken und sicher gewesen, ohne dass sie etwas dafür hatte tun müssen. Diese Zeiten waren nun vorbei.

Nun gut. Carola hüpfte entschlossen wieder aus dem Bett. Sie hatte es so gewollt, jetzt musste sie damit klarkommen. Und es würde sicher besser werden, wenn sie erst einige Leute kennengelernt und ihre Wohnung fertig eingerichtet hätte.

Sie sah sich um. Es war eine Einzimmerwohnung mit kleiner Küche und kleinem Bad, zweiter Hinterhof, Altbau, Ölofen, einfach verglaste Fenster. Der eigentlich sicher sehr hübsche Holzfußboden war dunkelbraun gestrichen. Vor dem Fenster stand eine riesige Kastanie – sehr schön, doch leider nahm sie ihr jeden Sonnenstrahl. Die Wohnung wirkte so trostlos, wie sie selbst sich fühlte. Eine dunkle Höhle ohne einen Funken von Geborgenheit. Doch Carola verbot sich alle negativen Gedanken. Sie würde sich nicht unterkriegen lassen. Und wenn Hans nicht käme, sollte er es eben bleiben lassen.

Sie sprang in eine Jeans, zog ein riesiges Sweatshirt darüber, huschte ins Bad, umrandete sich nach der raschen Morgentoilette die Augen mit grauem Kajal, schlüpfte in ihre Turnschuhe und rannte aus der Wohnung. Die U-Bahn-Station war zehn Gehminuten entfernt, sie musste sich sputen. Sie sauste durch die Straßen, ohne auf die schönen Häuser zu achten, sprang in ihre Linie und fuhr zur Universität. Zusammen mit Scharen von Studenten verließ sie die U-Bahn und verschmolz mit der Masse.

*

Sie hörte Psychopathologie, was sie sehr interessierte, wechselte beim Mittagessen einige Worte mit anderen Studenten, hörte nachmittags Anatomie, was sie weniger interessierte, und verließ, bis zum Rand angefüllt mit Daten und Fakten, gegen achtzehn Uhr das Gebäude.

Auf dem Nachhauseweg kaufte sie sich eine Pizza. Schließlich schloss sie ihre Wohnungstür auf – und als diese hinter ihr ins Schloss fiel, war sie der einzige Mensch auf der Welt. Sofort tippte sie mit dem Fuß die Einschalttaste ihres Fernsehers an, der auf dem Fußboden stand, und umgehend erfüllten die beruhigenden Stimmen der Darsteller einer Vorabendserie den Raum.

Carola verschlang die Pizza, riss eine Chipstüte auf, und auch diese war innerhalb von Minuten leer. Sie setzte sich vor den Fernseher, rannte in die Küche, kochte Tee, begann, einige Umzugskisten auszupacken, ließ sie nur halb geleert stehen, las etwas, duschte und sank schließlich erschöpft auf die Matratze am Boden.

Was war denn nur los? So hatte sie sich noch nie gefühlt. Zu Hause hatte sie an allem, was sie getan hatte, Spaß gehabt. Jetzt konnte sie machen, was sie wollte – sie hatte doch keine Lust dazu. Sie holte ihr Tagebuch heraus, doch nach zwei belanglosen Sätzen klappte sie es wieder zu. Wenn doch nur Hans hier wäre. Ob sie ihn noch einmal anrufen sollte? Sie wählte seine Nummer, sprach einige Worte mit seiner Mutter, die ihr erklärte, er sei mit Freunden zum Dartsspielen gegangen, und legte wieder auf.

Und so blieb sie schließlich sitzen, die Hand am Telefon, erstarrt, gefangen in der schwarzen, kalten Hölle ihrer Einsamkeit. Sie saß da, spürte nichts, atmete flach, wusste nicht, ob sie noch lebte oder schon tot war. Und es war ihr auch gleichgültig.

3

Manuel hatte fast den ganzen Tag im Bett gelegen. Sissy, die Frau, mit der er seine Nächte verbrachte, wenn er sonst niemanden kennenlernte, war längst gegangen.

Nun stand er auf und sah sich in seiner Wohnung um. Es wurde dringend Zeit aufzuräumen, Manuelles Sachen lagen noch überall herum. Angewidert nahm er ihre Strümpfe, das Kleid und die Schuhe, warf alles in den Schrank und knallte ihn zu. Ein kurzer Schreck durchfuhr ihn, als er sich ausmalte, was Sissy wohl gedacht hätte wenn sie nicht vollkommen zugekokst gewesen wäre.

Auf Sissy war Verlass, sie war immer zur Stelle, wenn er sie brauchte, doch sie lebte ihr eigenes Leben und nervte nicht. Liebe? Sicher nicht. Guter Sex? Das schon, wenn man vergaß, dass Sissy dermaßen auf Koks war, dass sie bestimmt nicht einmal mehr wusste, mit wem sie gerade vögelte.

Er vergrub sein Gesicht in den Händen. Jetzt, kurz nach dem Aufstehen, noch ungeschützt und schlaftrunken, war die einzige Zeit, in der er sich eingestehen konnte, dass er nicht glücklich war. Manuelle würde ihm für immer alles verderben.

Du bist wie ein Werwolf, dachte er, dieser Zwang, dich zu verwandeln, auch wenn du es nicht willst. Es wird nie eine Frau geben, der du dich zumuten kannst.

Und doch liebte er Manuelle, gestand er sich in ehrlichen Momenten ein, so sehr er sich selbst auch für sie verdammte. Sie war ein lebendiger, fühlender Teil seiner selbst, lebendiger und fühlender vielleicht als der Rest. Sie konnte lachen und weinen, sie konnte sich wie ein Kind im Kreis drehen und sich über Schmetterlinge freuen.

Und das war es, was er jetzt brauchte. Das und ein Frühstück. Manuel öffnete die Schranktür wieder und nahm einen BH heraus, zog ihn an, legte fast lebensecht geformte Silikonbrüste in die leeren Körbchen, schlüpfte in schwarze Seidenstrümpfe und zupfte sie mit raschen, geübten Bewegungen glatt. Er nahm ein silbergraues Samtkleid vom Bügel und spürte glücklich, wie der weiche Stoff über seinen Körper glitt. Er setzte sich vor einen Spiegel im Schlafzimmer und zog zwei dunkelgrüne Striche um seine Augen, malte sich die vollen Lippen mit pinkfarbenem Lippenstift an und blickte fasziniert in den Spiegel. Wie immer wurde sein Blick weicher, die Falten zwischen den Augenbrauen verschwanden, und die Wangen begannen rosig zu glühen – Manuelle lachte sich im Spiegel zu.

Sie ging beschwingt in die Küche, kochte Kaffee, briet Spiegeleier, röstete Toast, räumte schmutziges Geschirr in die Spülmaschine, goss den rot flammenden Rosenstrauch auf dem Balkon, ordnete hier und da ein paar Kissen, sang ein paar Takte vor sich hin und machte es sich schließlich mit ihrem Frühstück vor dem Fernseher bequem. Doch es flimmerten nur emotionale Schlammschlachten über die Mattscheibe, also schaltete sie ihn wieder aus.

Neben der Kaffeemaschine lag der Zettel mit Carolas Telefonnummer. Manuel würde sie sicher nicht anrufen, der Zauber war längst vorbei, die Magie der Nacht dahin, aber vielleicht konnte sie, Manuelle, ein bisschen mit ihr plaudern. Sie hatte ja einen ganz netten Eindruck gemacht, und dass sie nicht gleich auf Manuel reingefallen war, machte sie für Manuelle nur umso sympathischer. Sie wählte ihre Nummer.

4

Carola fuhr zusammen. Sie schrak aus ihrer tiefen Schwärze auf und hob verwirrt ab.

»Ja?« Ihr Herz raste.

»Hallo Carola, hier ist Manuelle, weißt du noch, wer ich bin?«

Carola atmete tief durch. Sie schüttelte den Kopf ein paarmal hin und her und war gleich wieder ganz die Alte. »Manuel. Natürlich weiß ich noch, wer du bist.«

Da rief er also tatsächlich an. Verdammt. Wie hatte sie nur so blöd sein können, ihm ihre Nummer zu geben? Du bist echt ein Landei, schimpfte sie sich.

»Ich wollte nur hören, was du so machst, wie es dir geht und so. Ein bisschen plaudern. Hast du Zeit?«

»Jetzt?«

»Wenn du Lust hast … ich würde dich gern ein wenig kennenlernen …«

Das klang nicht wie der Aufreißer von gestern. Warum eigentlich sollte sie nicht ein wenig reden, sie hatte sowieso nichts Besseres zu tun. Sie konnte sich auch später noch aus dem Fenster stürzen oder zwei Rollen Kekse essen. Oder beides hintereinander, wobei sie sinnigerweise mit den Keksen beginnen sollte.

Warum nicht? Weil du ihn nicht kennst, schoss es ihr durch den Kopf. Weil er ein perverser Sittlichkeitsverbrecher sein könnte. Weil du ihn vielleicht nicht mehr loswirst. Oder – noch schlimmer – weil er dich nach ein paar Worten vielleicht furchtbar langweilig finden wird. Und – das nur am Rande – weil du ein bisschen auf ihn abfahren könntest und dich das in gewaltige Schwierigkeiten bringen würde.

»Gern. Ich hole mir nur eine Tasse Tee, warte.« Sie eilte in die Küche, wo der inzwischen kalte restliche Tee stand, und füllte ihren Lieblingsbecher – schwarz mit goldenen Sternen. Ihre Hand zitterte nur ein kleines bisschen.

Manuelle begann zu essen, während sie wartete. Carola hielt sie zwar für Manuel, aber wenigstens redete überhaupt jemand mit ihr.

»So, jetzt erzähl mal, was hast du heute so gemacht?«, fragte sie, als Carola sich zurückmeldete.

Und als bräche ein Damm, redete Carola drauflos, es war ihr plötzlich egal, wer zuhörte, und wenn es Jack the Ripper gewesen wäre. Sie erzählte von der Uni, von ihrer Heimat, ihrem langweiligen Job als Buchhalterin – Hans erwähnte sie allerdings nicht, Manuel musste schließlich nicht alles wissen –, dann beschrieb sie ihre Wohnung und sagte, dass sie noch nicht fertig eingeräumt sei.

»Und, fühlst du dich da nicht unwohl?«, fragte Manuelle.

»Natürlich ist es noch nicht so toll, aber es ist o. k. Ich wusste es ja vorher.«

»Tapfer. Aber auch wenn man etwas vorher weiß, kann es sich ziemlich schlimm anfühlen, wenn es passiert, oder?«

Jetzt wurde Carola hellhörig. Das waren vertraute Töne. »Meinst du damit etwas Bestimmtes? Kennst du das?« Sie richtete sich auf, und ihre Augen begannen zu strahlen. Jemand brauchte sie. »Nein, ich meine nur so.«

»Ach so.« Carola sank wieder in sich zusammen.

Sie schwiegen. »Was machst du denn heute Abend noch?«, brach Manuelle schließlich die Stille.

»Nix. Wohnung aufräumen. Fernsehen. Schlafen.«

»Hast du vielleicht Lust …« Manuelle unterbrach sich. Sie war plötzlich unglaublich müde, als saugte das Telefongespräch jede Energie aus ihr heraus.

»Heute nicht, ich bin wirklich müde. Tut mir leid.«

»Vielleicht ein anderes Mal?«

»Vielleicht.«

Beide legten auf, und beide hatten das Gefühl, etwas Wichtiges nicht gesagt zu haben. Aber wozu auch.

Carola nahm das Telefon gleich wieder zur Hand und wählte Hans´ Nummer. Er meldete sich unwirsch.

»Ich bin´s, Schatz. Ich will nur deine Stimme hören, mein Liebling. Ich vermisse dich, es wäre so schön, wenn du hier wärst.«

»Carola, nicht. Zieh doch nicht so an mir. Ich kann wirklich nicht kommen.«

Hastig trank Carola einen Schluck des kalten Tees. Ihr Magen brannte. »Ich weiß, mein Schatz, ist doch in Ordnung. Es wäre eben nur schön. Fühl dich umarmt und geküsst, wo du willst.«

Hans seufzte. Carola war so unerbittlich romantisch. Ob sie jemals daran zweifelte, dass ihre Beziehung die Distanz aushalten würde? Scheinbar nicht, sie war zärtlicher und liebevoller als je zuvor. Hoffentlich würde er ihr nicht einmal sehr wehtun müssen, hoffentlich würde auch sie bald einsehen, dass diese Beziehung keinen Sinn mehr hatte.

Vor ein paar Monaten, als er sie in der Disco seines Heimatortes über ein paar Freunde kennengelernt hatte, hatte sie ihm gleich gefallen. Sie hatte gelacht, mit allen seinen Freunden geflirtet, den ganzen Abend getanzt und ihn gekonnt ignoriert. Das hatte seinen Jagdtrieb geweckt, er hatte sie schließlich an der Bar gestellt, sie in ein Gespräch verwickelt, und als ihr Lieblingslied lief und sie dennoch bei ihm stehen blieb, wusste er, er hatte gewonnen.

Es war wie ein Spiel mit der Zeit gewesen, einen wunderbaren Frühling und einen heißen Sommer lang. Dass Carola im Herbst nach Berlin ziehen wollte, hatte ihm Sicherheit gegeben, und er war offener und verliebter gewesen als bei je einer Frau zuvor. Er hatte ihr Blumen geschenkt, sie zu nächtlichen Picknicks am See eingeladen, ihr auf seiner Gitarre vorgespielt, seinen Traum von überschwänglicher, romantischer Liebe gelebt. Sie würde ja bald wegziehen, so hatte er ihr all die Zeit gewidmet, die er hatte, seine Freunde auf den Herbst vertröstet und alles mitgenommen, was er nur von ihr hatte bekommen können. Sie hatten jede Menge Spaß zusammen gehabt, sich durch die Monate gelacht. Manchmal hatten sie sich sehr tief in die Augen geschaut, und dann hatte Carola begonnen, von einer gemeinsamen Zukunft zu sprechen. Er hatte nur genickt und sie geküsst.

Als der Moment der Abreise gekommen war, hatte er geweint, doch gleich am Nachmittag hatte er sich mit seinen Freunden getroffen. Sie hatten getrunken, gelacht, Computerspiele gespielt und sich später noch zum Handball getroffen.

Manchmal vermisste er Carola, doch er war nicht sicher, ob er wirklich sie vermisste oder überhaupt eine Frau. Er begann, sich wieder umzuschauen, das Leben musste schließlich weitergehen.

Und nun das, sie klebte an ihm, so hatten sie das nicht vereinbart. Er fühlte sich wie ein Rettungsanker, und das hatte er niemals sein wollen. Sie war selbst schuld, dass sie sich nun einsam fühlte, sie war schließlich gegangen, rief er sich in Erinnerung, wenn ihn das schlechte Gewissen packte.

Nur manchmal, wenn er genug getrunken hatte, fragte er sich, ob er sie nicht doch liebte. Vielleicht hätte es Liebe werden können, sinnierte er dann, wenn sie ihn nicht zu ihrem Retter auserkoren hätte und er sich nicht so verdammt gefangen fühlen würde in seiner goldenen Rüstung. Er wollte ganz sicher kein Retter sein, er war lieber wie ein Krieger oder ein Narr, unabhängig und frei, der Minne zugetan, ihr aber nie verpflichtet.

Doch dann sah er wieder ihre großen grauen Augen, ihre weichen Haare, ihren weiblichen, samtigen Körper und ihr Lächeln vor sich, und eine Welle von Lust überflutete ihn. Der Sex war immer sehr gut gewesen, und sie war so lieb … Vielleicht gab es ja doch eine Chance.

»Meine süße Maus. Ich vermisse dich doch auch, und ich freue mich darauf, dich bald zu sehen. Und jetzt leg auf, richte die Wohnung schön ein, damit wir es gemütlich haben, wenn ich komme.«

Das nervt, was will ich eigentlich von ihr, dachte er verzweifelt, doch dann klingelte es an der Tür. Seine Handballfreunde kamen, um ihn abzuholen.

Carola schmiegte ihr Gesicht noch einen Moment ans Telefon, bevor auch sie auflegte. Der liebe Hans. Sie liebte ihn so sehr.

Glücklich packte sie ein paar Umzugskartons aus, räumte den Kleiderschrank ein und duschte ausgiebig. Sie aß einen Teller Gemüsesuppe, sah sich einen Film im Fernsehen an und kuschelte sich schließlich in ihre Bettwäsche aus blauem Satin. Sie genoss die seidige Kühle auf ihrer Haut. Der Mond schien durchs Fenster, und sie fühlte sich zum ersten Mal in ihrer Wohnung zu Hause.

Morgen würde sie sich um die restlichen Kisten kümmern, und die Fresserei würde jetzt auch wieder aufhören. Sonst würde sie noch dick werden, bis ihr Schatz kam, eine grauenhafte Vorstellung. Für ihn würde sie sein, was er wollte – stark, schlank, hübsch, eine unabhängige, begehrenswerte und erfolgreiche Frau.

5

Carola schlief ein und hatte einen seltsamen Traum. Sie sah, wie sie im Bett lag und schlief. Sie hörte sich atmen, sah, wie sie sich bewegte und drehte, als blickte sie von oben auf sich selbst hinunter. Eine silberne Schnur verband sie mit dem schlafenden Körper, und sie fühlte sich leicht und frei.

Eine tiefe Liebe zu diesem Erdenwesen überkam sie, aber sie sah auch die Schatten, die dieses Wesen in sich trug, riesige Angst davor, verlassen zu werden und es nicht zu schaffen. Diese Schatten waren hinter der Fassade einer tollen, witzigen, selbstständigen Frau verborgen.

Sie sah diesen Körper eingesponnen in ein Netz aus dunklen Fäden, die zu Hans reichten, zu ihren Eltern und zu vielen anderen nicht greifbaren Wesen, die alle um sie herumtanzten. Doch sie war nicht erschrocken darüber, es war, als gehörte dieses Netz dazu, und als wäre es eine wichtige Aufgabe, das Netz Stück für Stück aufzuknüpfen. Nichts Beängstigendes, einfach nur eine Aufgabe.

Sie bemerkte auf einmal, dass sie nicht allein war – viele wunderschöne, strahlende Gestalten waren mit ihr im Raum. Sie fühlte sich unendlich ruhig, geborgen und sicher. Voller Liebe und Freude sah sie sich um. Es war so, als wäre sie nach Hause gekommen, und sie entspannte sich bis in die kleinste Zelle hinein.

Schließlich sah sie sich in ihren Körper, der immer noch seelenruhig schlief, zurückkehren. Sie fühlte seine Enge, und sofort ergriff eine leichte Unruhe von ihr Besitz, die ihr aber so vertraut war, dass sie sie nach wenigen Augenblicken nicht mehr wahrnahm. Seufzend drehte sie sich um und schlief dann, das übliche konfuse Zeug träumend, bis zum nächsten Morgen durch.

*

Als sie erwachte, nahm sie ihr Tagebuch, das direkt neben dem Bett lag, um den merkwürdigen Traum aufzuschreiben, bevor Alltagsgedanken das kostbare Gespinst zerstörten. Vielleicht würde ihr die Erkenntnis über seine Bedeutung im Laufe des Tages kommen.

Doch nun hatte sie eine Menge Arbeit vor sich. Energisch sprang sie aus dem Bett. Sie hatte heute nur drei Stunden Uni, und die lagen nachmittags – davor konnte sie endlich alles einräumen und die Wohnung gemütlich machen. Wurde ja auch mal Zeit, so konnte sie wirklich niemanden einladen. Nicht dass es jemanden gegeben hätte, den sie gern bei sich gehabt hätte. Nein, sie würde es für sich tun. Und für Hans natürlich.

Carola kochte Kaffee, zog sich schnell an – Jogging­hose, Sweatshirt, fertig –, holte sich eine Tasse des dampfenden Seelentrösters aus der Küche und sah sich um.

Sofort sank ihre Laune. Es war wirklich deprimierend, und vor allem hatte sie überhaupt kein Geld, um irgendetwas, was die Wohnung verschönern würde, zu besorgen. Sie hätte gern einen Teppichrest gehabt, um wenigstens die Sofaecke vom Anblick des dunkelbraunen Fußbodens zu befreien, noch lieber hätte sie ein Abschleifgerät gemietet, um die sicher wunderschöne Maserung des Holzfußbodens freizulegen. Doch das war sehr teuer, glaubte sie, und außerdem eine Heidenarbeit. Lohnte sich nicht für die paar Jahre, die sie in Berlin wohnen würde.

Rasch, bevor ihre Energie am Nullpunkt sein würde, begann sie, eine Kiste auszuräumen. Sie verstaute Bücher, CDs, einige Kleidungsstücke, die sie zum Kistenausstopfen gebraucht hatte, etliche Blumenvasen und Teedosen in ihren Regalen und Schränken. Sie stapelte die leeren Kisten im Hausflur und sah sich um. Schon besser.

Sie pinnte indische Tücher in Pink und Orange an die Wände, lehnte einen großen Spiegel dagegen und warf schwungvoll drei dicke Kissen – selbst genäht aus türkisfarbenem und goldenem Samt – davor. Das würde ihre Schminkecke sein. Sie stellte ihren Kosmetikkoffer dazu, legte die Haarbürste und ihren Haarschmuck in eine blaue Glasschale und schlug Nägel in die Wand neben dem Spiegel, um ihre Ketten und Armreifen daran aufzuhängen. Sie drapierte etwas schwarzen Tüll um den Spiegel und klemmte eine bunte Weihnachtslichterkette – der Himmel wusste, wie die in ihre Kiste gekommen war – daran. Viel besser.

Sie setzte sich im Schneidersitz vor den Spiegel und kämmte sich die Haare, um den Platz auszuprobieren. Im Licht der bunten Birnen leuchtete ihr Gesicht lebendig, und ihre Augen funkelten. Sie lächelte sich zufrieden im Spiegel zu.

»Und nun zu euch«, murmelte sie und zog eine Flasche mit einer hellen Flüssigkeit aus ihrem Schminkkoffer. Laut Hersteller vertrieb die Essenz in der Flasche unerwünschte Energien, die sich in ihrer Wohnung eingenistet hatten. Sie verrieb ein wenig Flüssigkeit zwischen ihren Händen, stand auf und ging langsam durch den Raum. »Also los, verschwindet«, sagte sie laut und kam sich nur ein bisschen merkwürdig vor. Sie schloss die Augen und öffnete sich, wie sie es in einem Kurs über Feng-Shui, die chinesische Lehre des Energieflusses, die überall boomte, gelernt hatte. Sie versuchte, die Gefühle der Vormieter, die eventuell noch in der Wohnung waren, zu spüren, klatschte in die Hände, um böse Geister zu vertreiben, und wedelte die Flüssigkeit auf ihren Händen in besonders dunkle Ecken. Nach ein paar Minuten schien ihr die Wohnung tatsächlich heller und lichter zu sein, es war, als könnte sie besser durchatmen.

Das hätte ich längst tun sollen, warum ist es mir nur nicht in den Sinn gekommen, fragte sie sich, doch sie war viel zu sehr mit ihrer Einsamkeit beschäftigt gewesen, als dass sie sich um böse Geister hätte kümmern können.

Danach hämmerte sie einen Haken in die Mitte der Zimmerdecke und hängte einen wunderschön geschliffenen Kristall daran auf. Er brach das wenige hereinfallende Licht und warf kleine Regenbogen an die Wände, bis hinein in die dunklen Ecken, die noch nie von der Sonne berührt worden waren. Sie schloss erneut die Augen, und ihre Hände begannen zu kribbeln, als flösse mehr Energie durch ihren Körper. »Und wenn ich mir das nur einbilde, ist es mir auch egal, ich finde, es fühlt sich besser an, klarer und lebendiger«, erklärte sie ihrem Spiegelbild. »Lacht nur, ich find’s gut so.«

Für heute hatte sie genug getan. Rasch zog sie sich um und fuhr zur Uni.

Die drei Vorlesungsstunden vergingen wie im Flug. Sie verließ gerade das Audimax, als ihr jemand eine Hand auf die Schulter legte. Erschrocken fuhr sie herum.

»Manuel! Was machst du denn hier?«

»Das Gleiche wie du, allerdings hätte ich nicht damit gerechnet, dich in diesen Massen zu treffen.«

Carola schwieg verlegen. Mein Gott, sieht der gut aus, dachte sie und war sich schmerzlich bewusst, dass sie nur ein graues Sweatshirt und eine alte Jeans trug. Nicht einmal geschminkt war sie, von der verführerischen Hexe war nichts übrig geblieben.

»Na dann«, sagte sie leise und wollte weitergehen, doch er hielt sie auf. »He, renn doch nicht weg. Sag, wollen wir nicht irgendwo was trinken gehen? Ich fand das Gespräch mit dir gestern sehr nett.«

»Warum nicht«, erwiderte Carola.

Weil er viel zu gut aussieht, weil dir nichts einfällt, worüber du mit ihm reden könntest, weil, weil, weil …

Klappe halten, dachte sie energisch. Das ist Berlin, und du bist erwachsen und selbstsicher. Sieh es als Übungsprogramm.

Und zur Strafe würde sie jetzt noch einen draufsetzen. »Wollen wir nicht lieber zu mir gehen, ich habe alles da, Kaffee, Tee …«

Spinnst du, fragte sie sich im gleichen Augenblick. Du hast sie wirklich nicht alle!

Aber ein kleines Teufelchen in ihr war ganz versessen darauf, jemandem die Wohnung zu zeigen, die sie so schön hergerichtet hatte.

Sie will doch was, ich hab´s gewusst, dachte Manuel, und seine Augen begannen zu funkeln. Er legte den Arm um ihre Schultern. »Aber gern. Ich bin mit dem Auto da, wollen wir?«

Das ist ein Fehler, dachte Carola, ich sag’s noch mal, perverser Sittlichkeitsverbrecher.

Aber jetzt war es zu spät. Verkrampft kletterte sie in Manuels Auto und hielt sich am Türgriff fest, während sie ihn zu ihrer Wohnung lotste. Dort angekommen, führte sie ihn durch die zwei Hinterhöfe, dann steckte sie einen Schlüssel ins Schloss. Er passte nicht. Nervös lachend nahm sie den richtigen. Hoffentlich gefiel es ihrem ersten Gast bei ihr!

Beide traten ein. Sie verrenkten sich, während sie ihre Jacken im engen Flur auszogen, und Carola achtete peinlich darauf, ihn nicht versehentlich zu berühren.

Manuel öffnete die Tür zum Wohn- und Schlafzimmer und sah sich um. Er erschrak, so trostlos wirkte der Raum, obwohl Carola sich wirklich alle Mühe gegeben hatte, wie er sofort bemerkte. Der Spiegel mit den bunten Lämpchen und die Tücher an den Wänden würden Manuelle gefallen, lächelte er in sich hinein. Ein Kristall, interessant. Eine Esoterikerin.

»Tee, Kaffee, Wasser – was willst du?«

»Tee bitte. Schön hast du es dir gemacht.«

Carola ging strahlend in die Küche und versuchte, den Gasherd in Gang zu setzen. Den Luxus eines Wasserkochers hatte sie in ihrer Wohnung noch nicht.

»Verdammt!«, rief sie, als der Brenner auch nach drei

Versuchen noch kein Feuer gefangen hatte. »Geh an, blödes Teil! Du nervst!«

»Komm, ich mach das.« Manuel nahm ihr die Feuerzange aus der Hand und schlug Funken, während er das Gas aufdrehte. Er wirkte dabei so männlich und souverän, als schlüge er in der Wildnis mit zwei Steinen Feuer, um das erlegte Wild zu rösten.

Carola atmete scharf ein. Er stand dicht neben ihr, sie konnte sein Rasierwasser riechen, und er duftete so ganz anders als Hans. Ihre Knie gaben nach. Sofort rückte sie ein Stück ab. Sie füllte Tee in den Teefilter und holte ihre geliebte alte weißblaue Teekanne aus dem Schrank. Ihre Großmutter hatte sie ihr geschenkt, und sie verkörperte für Carola ein Stück Heimat.

Manuel setzte sich an den kleinen Küchentisch, den Carola mit schwarzem, schwerem Samt, nicht diesem billigen Pannesamt, bedeckt hatte. Zwei goldgelbe Kerzen standen darauf, beide waren noch nie angezündet worden.

»Eine schöne Aussicht hast du.«

»Wirklich? Also ich weiß nicht …« Sie blickte zum Fenster hinaus.

Ein Stück verwilderter Rasen, übersät von alten, zerbrochenen Gartenmöbeln, begrenzt von einer verwitterten Mauer. Die große Kastanie streckte ihre Zweige in ihr Blickfeld, und auf der Mauer saßen einige Punks, die Dosenbier tranken und ihren – Carola sah zweimal hin, aber es stimmte – Kassettenrekorder auf volle Lautstärke gestellt hatten.

»Ich glaube, es wird toll, wenn der Baum blüht. Ich bin mal gespannt, ob die Blüten rot oder weiß sind«, sagte sie, um wenigstens einen halbwegs positiven Kommentar abzugeben.

»Ich finde es wirklich idyllisch, vor allem die Punks mit ihrem Retrogerät. Gefällt mir. Passt. Irgendwie würde ich gern bei ihnen sitzen, Bier trinken und mir über nichts Gedanken machen.«

»Wer weiß, vielleicht reden sie da draußen über Dostojewski, und in den Dosen ist grüner Tee.« Carola schaute so angestrengt aus dem Fenster, als wollte sie überprüfen, ob es stimmte.

In diesem Moment fragte Manuelle in Manuels Kopf: Weißt du was? Ich finde sie wirklich süß. Ich meine, wirk­lich süß.

Sein Gesicht verschloss sich. Und wenn schon, klar war sie süß. Bisschen naiv vielleicht, aber süß. Doch auch sie würde schreiend davonlaufen, wenn sie Manuelle kennenlernen würde.

Das Wasser kochte. Carola goss den Tee auf, stellte die schwere Kanne auf den Tisch und holte Milch, Zucker, Kekse und Tassen. Sogar zwei Servietten legte sie dazu.

Manuel beobachtete sie. »Wollen wir eine Wette abschließen?«, fragte er plötzlich. »Wenn der Baum weiß blüht, musst du einen Abend lang machen, was ich will, und wenn er rot blüht, darfst du bestimmen. Wie findest du das? Wollen wir das machen?«

»Du planst ja weit voraus«, lachte Carola, »es ist gerade mal September. Aber wenn du unbedingt verlieren willst … Die Kastanie hat mir allerdings schon erzählt, dass sie weiß ist. Wenn du mit mir wetten willst, musst du Rot nehmen.«

»Ist mir auch recht. Jetzt müssen wir einen Vertrag machen. Hast du was zu schreiben?«

Carola holte Papier und einen Füller – ihren Tagebuchfüller, den sie seit dem zweiten Schuljahr besaß –, und Manuel setzte einen Vertrag auf.

Hiermit bestätigen die Unterzeichnenden, dass sie folgende Wette abgeschlossen haben:

Gewonnen hat, wer die richtige Blütenfarbe der Kastanie vor Carolas Fenster errät. Carola tippt auf Weiß, Manuel tippt auf Rot. Der Verlierer muss einen Abend lang auf die Wünsche des Gewinners eingehen, sofern diese für ihn erfüllbar sind.

Manuel _____________________

Carola ______________________

Carola setzte mit ernster Miene ihre Unterschrift unter seine. Sie legte den Vertrag in ihr Tagebuch und befestigte ihn mit einem Klebstreifen. Dann zündete sie die beiden Kerzen an, die auf dem Tisch standen, und setzte sich endlich zu Manuel.

Er nahm ihre Hand. »Süß, wie du in der Küche herumwerkelst. Es ist gemütlich bei dir. Und der Tee riecht köstlich. Was ist das?«

»Erdbeer-Sahne-Tee«, erwiderte Carola und zog ihre Hand weg. Es wurde langsam Zeit zu reden.

»Ich muss dir was sagen, Manuel, auch wenn ich nicht weiß, ob es dich überhaupt interessiert und ich mich vielleicht total blamiere. Aber ich will es trotzdem sagen.« Sie verzog ihr Gesicht, als hätte sie Zahnschmerzen. »Weißt du, da, wo ich herkomme, habe ich einen Freund.«

Manuel sah sie an. »Auch gut. Kein Problem. Wir trinken einfach Tee und reden. Trotzdem finde ich dich süß. Und es ist mutig, das zu sagen.«

Sie fühlte sich also gebunden, na, wenn schon. Seit wann interessierten ihn die Freunde der Frauen, die er im Bett haben wollte?

Du bist ein heuchlerisches Arschloch, wandte Manuelle innerlich ein, weiß sie das eigentlich schon? Außerdem, Herzblatt, stimmt es nicht. Du magst sie. Du solltest Respekt vor ihr haben, sie ist zehnmal mutiger als du.

Carola atmete auf. Es war nicht peinlich, es war nur geklärt. Sie lächelte ihm zu. »Erzähl mir was von dir, was machst du sonst so, wenn du nicht in der Uni bist? Und was studierst du eigentlich?«

Manuel lachte laut auf. Was er sonst so machte, konnte er ihr wohl nicht erzählen. »Physik und Philosophie, wird dich nicht interessieren. Und ich singe in einer Band. Oder, sagen wir, ich versuche zu singen.«

Mist. Der war sicher richtig klug. Auch das noch. »Huh, beeindruckend«, sagte sie. »Und doch, das interessiert mich, alles davon. Kann ich euch mal hören?«

»Irgendwann vielleicht. Aber genug von mir, erzähl mal, was hat dich denn ausgerechnet nach Berlin verschlagen, in die gefährliche Großstadt?«

Carola stutzte. Hatte sie ihm das nicht schon erzählt? »Ich musste einfach mal raus. Weg von den Eltern und Freunden – mal sehen, wer ich bin, wenn ich das alles nicht habe«, fasste sie es noch einmal zusammen.

»Und weg von deinem Freund. Verstehe ich nicht, wenn du ihn doch liebst, warum wolltest du dann weg?«

»Gute Frage. Es hatte einfach nichts mit ihm zu tun, verstehst du das? Ich musste raus. Aber was ist mit dir, hast du eine Freundin?«

»Nicht im herkömmlichen Sinn«, antwortete er, »aber ich habe sowieso keine Zeit für eine Beziehung.«

Carola runzelte die Stirn, diesen Spruch kannte sie zur Genüge. Dann beschloss sie, ehrlich zu sein. »Jedes Mal, wenn ich das höre, habe ich das Gefühl, das ist die Geschichte vom Fuchs und den sauren Trauben. Ich verstehe nur nicht, warum sie dir zu hoch hängen könnten.«

»Tun sie nicht, ich habe wirklich keine Zeit. Und ich stehe auch nicht auf Verpflichtungen.«

Carola schwieg. Auch das hatte sie schon zu oft gehört.

»Ich muss jetzt los«, sagte er schließlich. Er stand auf, warf sich seinen Rucksack über die Schulter und schien auf einmal die gesamte Küche auszufüllen.

»Schade für die Frau.«

»Was?« Manuel drehte sich zu Carola um.

Diese hielt den Kopf gesenkt, doch dann sah sie ihm in die Augen. »Schade für die Frau, die dich einmal nicht kriegt. Du wärst sicher ein guter Partner.«

Er hob die Augenbrauen und lächelte anzüglich. »Wie darf ich denn das verstehen?«

»Nein, nein, so habe ich das nicht gemeint, ich dachte nur, du kannst gut zuhören.« Carola machte sich an der Teekanne zu schaffen.

»Na dann. Also, mach’s gut.« Manuel drehte sich um und verließ die Küche. Plötzlich war sie furchtbar leer.

»Sehen wir uns am Wochenende in der Disco?«, fragte Carola, als sie ihn zur Tür brachte.

»Ich hoffe es doch sehr«, lächelte Manuel. »Hier ist meine Nummer, ruf an, wenn du tanzen gehen willst.«

Er würde sie schon noch ins Bett bekommen, sollte Manuelle ruhig lästern. Einen Freund hatte sie. Lachhaft. Ob sie wusste, dass sie gerade mit ihm flirtete?

6

Carola ging nachdenklich in ihre Wohnung zurück. Natürlich wusste sie es. »Nicht im herkömmlichen Sinne«, wie meinte er das? Gab es nun eine Frau in Manuels Leben oder nicht? Sie konnte sich kaum vorstellen, dass er Single war.

Sie räumte den Tisch ab, spülte die Tassen und setzte sich, als es beim besten Willen nichts mehr zu tun gab, auf ihr Bett. Wieder allein. Sie fühlte sich, als stürzte sie in ein tiefes Loch hinab, das ausgefüllt war mit schwarzer Watte. Und je mehr sie zappelte, desto tiefer versank sie in dieser Schwärze.

»Verdammt noch mal!«, fluchte sie endlich. Sie hatte keine Nerven mehr für diese Warterei, beschloss sie, sie lebte ja nur noch dafür, dass Hans sie besuchen kam. Wie lange wollte sie das eigentlich aushalten? Hatte sie kein eigenes Leben? Aber was sollte sie stattdessen tun?

Deinem Herzen folgen, hörte sie eine innere Stimme flüstern.

Recht hatte sie, dachte Carola. Und was wollte noch mal ihr Herz?

Nach Hause.

Sie erschrak, das konnte nicht sein. So rasch gab sie nicht auf, sie konnte sehr wohl allein leben. Außerdem würde Hans ja bald kommen.

Und nun würde sie fernsehen, bis ihr etwas anderes einfiele, was sie gern tun würde, beschloss sie.

Der Film interessierte sie sogar, und in einer Werbepause erhitzte sie schnell den Inhalt einer Dose Ravioli. Auf einmal konnte sie den Herd wieder bedienen. Völlig bescheuert hatte sie sich vorhin angestellt, Manuel hielt sie sicher für total unfähig. Physik studierte er, aha. Kein Wunder, dass er Feuer machen konnte. Oder nee, das war Chemie. Sie nahm den Topf mit und setzte sich wieder vor den Fernseher. Die nächste Werbepause nutzte sie, um ein Brot zu streichen, und in der dritten holte sie eine Tafel Schokolade aus dem Kühlschrank.

Diese verdammten Privatsender bringen einen dazu, viel zu viel in sich hineinzustopfen, dachte sie.

Als der Film zu Ende war, sah sie auf die Uhr. Kurz vor zehn. Sollte sie vielleicht noch tanzen gehen? Sie versuchte, in sich hineinzuhorchen, um zu erfahren, was sie wollte, doch sie spürte nur dieses ziehende, lähmende Gefühl, das sie hatte, seit sie hier wohnte. Schwere in der Brust, Leere im Bauch. Es hatte nur einen Text: Leg dich ins Bett, iss was, und mach die Glotze an. Damit war jetzt Schluss. Sie würde ja wohl noch genug Energie aufbringen, um abends wegzugehen, in ihrer Heimat hatte es deshalb dauernd Krach mit den Eltern gegeben, und jetzt, wo sie machen konnte, was sie wollte, war sie zu träge.

Sie zog sich um. Zum letzten Geburtstag hatte sie sich selbst ein Lederkleid geschenkt, es aber noch nie getragen, weil sie sich damit zu aufgedonnert vorgekommen war. Doch für Berlin war es genau richtig, und sie würde es heute einweihen.

Mein Gott, war das eng! Sie bekam den Reißverschluss fast nicht mehr zu. Sie hatte wirklich zugenommen, kein Wunder bei der Fresserei. Sie stellte sich vor den Spiegel und betrachtete sich von der Seite. Ekelerregend.

Wenn ich jetzt öfter weggehe und nicht mehr so viel esse, schaffe ich locker zwei Kilo pro Woche, dachte sie, dann kann ich, bis Hans kommt, ohne Probleme drei bis vier Kilo abnehmen.

Hastig zog sie das Kleid wieder aus. Das Bett lockte, es war bestimmt weich und kuschelig. Nichts da, beschloss sie. Sie zerrte ihre Notkombination hervor – das, was sie anzog, wenn ihr nichts anderes einfiel oder sie sich zu dick fühlte –, und als sie schließlich in schwarzen Leggings und einem bunten Kleid vor dem Spiegel stand, war das Bild beruhigend vertraut. So fett war sie ja nun auch wieder nicht. Sie schlüpfte in hochhackige Stiefel und kämmte die Haare über Kopf, warf sie zurück und war sehr zufrieden mit ihrer Mähne. Dicker grüner Kajal um die Augen, dunkler Lippenstift – fertig. Sie griff nach ihrer Handtasche, warf die Schlüssel und etwas Geld hinein und stand schließlich unschlüssig an der Tür. Wo sollte sie eigentlich hingehen? Und mit wem? Ob sie Manuel anrufen sollte?

Unter keinen Umständen, ermahnte sie sich, wie aufdringlich willst du denn noch sein?

Also das Black Panther. Vielleicht war er ja da … Nein, halt. Das Letzte, was sie brauchte, war ein Mann, der sich nicht binden wollte.

Erinnerst du dich an diesen Typen, wie hieß er noch gleich, Hans, funkte ihr auf einmal eine harsche Stimme durch den Kopf. Er liebt dich und denkt sicher gerade an dich, wenn er wüsste, dass du fremde Männer bewirtest und ihnen hinterherrennst, wäre er wohl nicht sehr glücklich. Du führst dich auf wie ein Flittchen.

Genug. Carola kannte das Gerede in ihrem Kopf zur Genüge, und sie glaubte keiner der Stimmen. Die harsche, das war ihre Mutter, ihr Text war immer langweilig und erzkonservativ. Diese Stimme war einer der Gründe, warum sie aus dem Haus ihrer Eltern geflüchtet war. Sie würde ihr keine Macht mehr geben, indem sie auf sie hörte.

Aber in einem musste sie ihr recht geben. Hans wäre sicher nicht glücklich, wenn er wüsste, was sie trieb.

Nach einer sehr anstrengenden U-Bahn-Fahrt – ein betrunkener Typ hatte sie drei Stationen lang belästigt, und sie hatte sich tapfer gewehrt – war sie endlich am Ziel.

Sie zahlte den Eintritt und betrat das Black Panther. Gleich schlugen ihr vertraute Rhythmen entgegen.

Aufseufzend begann sie zu tanzen, hier war sie richtig. Es brachte sie näher zu sich, zu Lebensfreude und Freiheit. Wenn sie tanzte, spürte sie ihren Körper, und ihr Geist wurde frei. Es war wie eine Art Meditation, sie ließ sich fallen.

Fast besser als Sex, dachte sie, während sie innerlich jauchzend auf den Boden stampfte.

Sie blickte auf – und Manuel direkt in die Augen. »Du schon wieder«, lachte sie und war froh, dass sie gut aussah.

»Ich habe gar nicht damit gerechnet, dich heute noch mal zu sehen«, sagte er ohne zu lächeln.

Er scheint ja nicht besonders erfreut darüber zu sein, dachte Carola peinlich berührt.

Und tatsächlich redete er den ganzen Abend nicht mit ihr, obwohl er ein paarmal zu ihr herübersah. Er unterhielt sich ausdauernd mit einer in schwarzen Lack gekleideten, äußerst schlanken Frau. Einmal strich sie ihm sogar übers Gesicht, das war sie bestimmt, die, mit der er nicht im herkömmlichen Sinne eine Beziehung hatte.

Wenn schon. Sie würde sich davon nicht die Laune verderben lassen, weder Hans noch er sollten so viel Einfluss auf sie haben dürfen, beschloss sie.

Ach, verdammt. Was für ein Arschloch.

Sie verließ die Disco, ohne sich noch einmal nach ihm umzudrehen, fuhr nach Hause, legte sich in ihr Bett und begann bitterlich zu weinen.

Am nächsten Nachmittag rief sie bei ihren Eltern an.

»Carola, meine Liebe! Wir haben uns Sorgen gemacht, geht es dir jetzt besser?«

Ihre Mutter. Carola hatte ihr, gleich nachdem sie eingezogen war, einen sehr ehrlichen Brief geschrieben, ihr von der Einsamkeit erzählt und davon, dass sie am liebsten nur essen und fernsehen würde. Die Mutter hatte mit einer Karte geantwortet, auf der nur »Reiß dich zusammen « gestanden hatte. Schwäche ließ sie nicht gelten.

»Ja, ich lebe mich ein.«